Rita Hassing

Unverhoffte Liebe

Die vielen weißen Schneeflocken tanzten vom grau gefärbten und mit einigen Wolken behangenen Himmel herunter. Salli beobachtete dieses Schauspiel aus dem großen, mit allerlei Weihnachtsdekoration geschmückten Küchenfenster. Es war Mitte Dezember und die Mutter und Salli backten gerade ihre köstlichen und allseits beliebten Vanilleplätzchen. Es duftete bereits im ganzen Haus nach diesen. Aber so richtige Weihnachtsstimmung wollte bei Salli dennoch nicht aufkommen. Vor einem Monat hatte ihr Freund Robert wegen einer anderen Schluss mit ihr gemacht. Seitdem war sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Anfangs hatte sie sich nur in ihr Zimmer verkrochen und geweint. Inzwischen war es etwas besser geworden. Sie nahm wieder ein wenig mehr am Leben teil – auch dank ihrer besten Freundin Kathrin, die es anfangs weiß Gott nicht leicht mit ihr hatte. Ständig war Salli am Jammern wegen Robert gewesen. Kathrin hatte sie stets getröstet und ihr neuen Mut zugesprochen. Auch Sallis Mutter kümmerte sich in dieser Zeit ausgiebig um ihre 19jährige Tochter. Gott sei Dank waren jetzt Weihnachtsferien und Salli brauchte nicht ins Gymnasium zu gehen, wo sie derzeit die 13. Klasse besuchte.  Es war bereits später Nachmittag - die Mutter und Salli waren immer noch beim Weihnachtsplätzchen backen - als Sallis älterer Bruder Tim nach Hause kam. Er war BWL-Student hier an der Universität in München. Auch er hatte derzeit Semesterferien. Diesmal kam er nicht allein nach Hause. Er hatte jemanden mitgebracht. Einen Salli unbekannten mittelgroßen, recht schlacksigen, schwarzhaarigen jungen Mann. Vermutlich ein Kommilitone von Tim. „Mensch, ist das kalt draußen!“, rief Tim, rieb sich die Hände und trat in die Küche zu Salli und der Mutter. Er streckte die Hände nach den Plätzchen aus, nahm sich einige davon und ließ sie sich schmecken. „Guten Tag!“, sagte der fremde Jüngling. Salli und die Mutter grüßten zurück. „Bist du ein Kommilitone von Tim?“, fragte ihn Salli sofort. „Erraten“, erwiderte der Mann kurz.  „Das ist Patrick“, stellte Tim den beiden Frauen den Jüngling vor. „Er ist neu an der Uni und wir haben uns schon ganz gut angefreundet, stimmt´s, Alter?!“ Tim stieß Patrick freundschaftlich in die Seite. „Ja, das stimmt“, antwortete Patrick und zog eine Grimasse. Salli musste daraufhin ein wenig schmunzeln, während sie ihre mittellangen braunen Haare mit dem Zeigefinger spielerisch umwickelte. „Das sind meine Mutter Hanna und meine jüngere Schwester Salli“, stellte Tim die Frauen Patrick  nun vor. „Freut mich sehr Sie kennen zu lernen“, entgegnete Patrick höflich. „Du kannst uns ruhig duzen“, bot ihm die Mutter freundlich an. „Mache ich gerne“, antwortete Patrick und gab der Mutter und Salli  die Hand. „Patrick studiert Theaterpädagogik. Das ist doch was für dich, Salli!“, sprudelte es aus Tim heraus. Sallis Interesse war geweckt. Sie selbst spielte seit einigen Jahren in einer Theatergruppe. Es waren zwar nur Laien, aber immerhin. Sallis Augen leuchteten. „Das ist ja interessant. Ich spiele seit einiger Zeit Theater, zwar nicht professionell, aber es macht mir riesig Spaß!“ „Ich spiele auch viel Theater, aber im Studium lerne ich natürlich zudem die theoretischen Seiten des Theaterspielens kennen“, erwiderte Patrick ebenfalls begeistert. „Ich glaube das wäre auch ein Studiengang für mich“, meinte Salli. „Ich möchte gerne alles über das Theaterspielen wissen.“ „Ich habe jede Menge Bücher darüber. Wenn du willst kannst du ja mal darin stöbern“, schlug Patrick vor. „Nett von dir. Das mache ich gerne“, gab Salli zurück. Das Theaterspielen war auch eine Art Trost für sie – vor allem jetzt in dieser schwierigen Zeit, in der Robert sie verlassen und nicht mehr an ihrer Seite war. Salli liebte es sich zu verkleiden und in die Rolle einer anderen Person zu schlüpfen. Dabei konnte man schon mal die eigenen Probleme ein wenig vergessen machen. Der neue Freund von Tim wurde ihr immer sympathischer. Außerdem sah er nicht schlecht aus. Sie musste zugeben, dass er ihr sogar ausgesprochen gut gefiel. Sie musterte ihn abschätzend von Kopf bis Fuß. Leider bemerkte er das, denn ihre Blicke trafen sich und sein Blick blieb an ihr haften. Salli wurde daraufhin ein wenig verlegen. Ihr ansonsten blasses Gesicht verfärbte sich rötlich, was sie tierisch ärgerte. Patrick bemerkte dies und sein Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln. „Wie wär´s, wenn wir mal zusammen ins Theater gehen würden? Am Freitag spielen sie im Burgtheater die Weihnachtsgeschichte?“, fragte Patrick die immer noch puterrot angelaufene Salli. „Dann können wir uns über das Stück austauschen – was war gut, was hätte man besser machen können und so weiter, was meinst du?“Salli war von der Idee begeistert. „Also abgemacht. Am Freitag schauen wir uns das Stück an“, sagte sie ihm zu und freute sich schon darauf.

Am nächsten Tag hatte sich Salli um 16 Uhr mit ihrer Freundin Kathrin vor der Münchener Frauenkirche verabredet. Sie wollten gemeinsam über den Weihnachtsmarkt schlendern, einen heißen Glühwein trinken und hier und da nach Geschenken für Heilig Abend Ausschau halten. Salli war bereits eine Viertelstunde früher da als vereinbart. Sie hatte extra einen Bus eher genommen, falls es zu Verzögerungen wegen des verschneiten Wetters kommen würde. Der Bus verspätete sich jedoch nicht und so musste sie denn noch auf ihre Freundin warten. Die nahm sicherlich – wie immer – die U-Bahn, die ja alle paar Minuten pünktlich abfuhr. Es war ein kalter Tag und vereinzelte Schneeflocken fielen sanft vom sonnigen Himmel herab. „Was für ein schöner Tag“, dachte Salli und merkte, dass die Trennung von Robert sie gedanklich immer weniger einnahm. Überhaupt dachte sie jetzt permanent an Patrick und wurde schon nervös, wenn sie an das Treffen mit ihm am Freitag dachte. Patrick hatte sie wirklich beeindruckt. Abgesehen davon, dass er ein recht hübscher junger Mann war, war er zudem auch noch nett und teilte mit Salli das Interesse für´s Theater und die Schauspielerei. Salli rieb sich vor Kälte die in Handschuhe eingepackten Hände und stapfte von einem Fuß auf den anderen, nur um in Bewegung zu bleiben und nicht zu frieren. Sie zog die Pudelmütze etwas tiefer ins Gesicht und schlang den Schal noch enger um ihren Hals. Während sie so wartend dastand und das Treiben auf dem Weihnachtsmarkt beobachtete, fiel ihr plötzlich ein junger Mann auf, der ihr bekannt vorkam. Sie sah genauer hin. Tatsächlich, es war Patrick! An seiner Seite war ein junges Mädchen, so etwa in Sallis Alter. Die beiden hielten gerade an einem Stand, an dem man selbstgemachte Holzfiguren kaufen konnte. Das Mädchen nahm eine Figur in die Hand und betrachtete sie sich genauer. Dann sagte sie etwas zu Patrick und beide fingen an zu lachen. Mit einem Mal schlug Sallis gute Laune gegen den Nullpunkt. War das vielleicht Patricks Freundin? Sie sah recht hübsch aus – etwas kleiner als er, schlank und lange, blonde Haare, die zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden waren. Ja, genau so stellte sie sich Patricks Freundin vor! In Sallis Gesicht stand Enttäuschung – Patrick war also bereits vergeben. Warum konnte sie nicht auch mal Glück in der Liebe haben?! Aber sie hätte sich wohl auch denken können, dass ein so gut aussehender und zudem netter Junge wie Patrick nicht alleine war. Jetzt kamen die beiden auch noch direkt auf sie zu. Gesehen hatte Patrick Salli Gott sei Dank noch nicht. Nein, diese Blöße wollte sich Salli nicht geben! Womöglich würde man ihr die Enttäuschung im Gesicht ansehen oder sie würde wieder rot werden, wenn Patrick ihr seine Freundin vorstellte. Sie war jetzt schon den Tränen nahe. Schnell versteckte sie sich hinter einem Vorsprung, den die Kirche bot, und wartete ab bis die zwei an ihr vorüber gegangen waren. Dann seufzte sie einmal tief. Plötzlich spürte sie wie jemand mit den Fingern auf ihre Schulter tippte. „Hey, was versteckst du dich denn hier?!“, rief eine ihr sehr bekannte Stimme. Es war Kathrin. „Ach Kathrin, schön dass du da bist. Ich glaube, ich habe mich in jemanden verguckt, der schon eine Freundin hat“, platzte Salli mit der Neuigkeit heraus. „Ich habe sie hier gerade zusammen gesehen und mich vor ihnen versteckt.“ „Du machst Sachen...“, Kathrin schüttelte den Kopf. „Wenn er wirklich schon eine Freundin hat, solltest du wohl besser die Finger von ihm lassen“, riet sie Salli. „Aber tröste dich. Andere Mütter haben auch schöne Söhne.“ „Du hast gut reden, Kathrin“, entgegnete Salli. „Du hast ja schließlich Kai, der dich genauso über alles liebt und vergöttert wie du ihn.“ „Hast ja recht. Aber das ist noch lange kein Grund die Flinte ins Korn zu werfen. Vielleicht begegnest du heute noch deinem Traummann!“,erwiderte die Freundin optimistisch. „Aber Robert war mein Traummann...“, begann Salli. „Stopp, red nicht weiter!“, rief Kathrin schnell dazwischen. „Wir hatten abgemacht das Thema Robert ist tabu.“ „Ja, ja...“, stimmte ihr Salli kleinlaut zu. „Jetzt lass uns nicht Trübsal blasen! Schließlich sind wir hier, um uns zu amüsieren“, erinnerte Kathrin. „Aber wir müssen vorsichtig sein. Nicht dass Patrick, so heißt mein neuer Schwarm, und seine Freundin uns hier noch sehen“, gab Salli zu Bedenken. „Schade, dabei würde ich schon gerne mal einen Blick auf deinen neuen Schwarm werfen“, sagte Kathrin und grinste dabei. „Du wirst ihn schon noch kennenlernen“, meinte Salli daraufhin. „Er ist ein neuer Freund von meinem Bruder Tim und er studiert Theaterpädagogik. Interessant gell?!“ Sallis Augen leuchteten wie die kleiner Kinder zu Weihnachten. „...und du spielst schließlich auch Theater. Wirklich schade, dass der Typ schon vergeben ist“, stimmte ihr Kathrin jetzt zu. Dann hakte sie sich bei Salli ein und gemeinsam schlenderten sie über den festlich geschmückten Weihnachtsmarkt. Aus der Musikbox erklang das Lied „Last Christmas“ und überall roch es nach süßen Leckereien und Bratwürsten. Die beiden Mädchen ließen keinen Stand aus und schauten sich alle zum größten Teil selbstgemachten Arbeiten an. Schließlich kaufte sich Salli noch eine Tüte heißer Maronen, bevor sie und Kathrin später an einem Glühweinstand Halt machten und sich mit Glühwein aufwärmten. „Du Kathrin, ich bin am Freitag übrigens mit Patrick verabredet. Wir schauen uns die Weihnachtsgeschichte im Burgtheater an“, warf Salli plötzlich ein. „Ob das seiner Freundin wohl recht ist?“, wunderte sie sich im Nachhinein über diese Einladung. „Vielleicht ist sie ja nicht so eifersüchtig oder er erzählt ihr einfach nichts davon, weil er dich eben doch gerne näher kennenlernen möchte“, versuchte Kathrin zu erklären. „Soll ich überhaupt noch mit ihm dahin gehen?“, fragte Salli die Freundin nachdenklich. „Aber ja, schließlich hast du nichts zu verlieren. Vielleicht wird es auch einfach nur ein schöner Nachmittag“, räumte Kathrin ein. „Willst du nicht auch mitkommen? Dann hätte dieses Treffen nicht so den Anschein eines Dates?“, bettelte Salli die Freundin geradezu an. „Sorry, ich habe dann keine Zeit. Aber ich bin mir sicher, du wirst das auch gut alleine managen“, beruhigte Kathrin ihre jetzt nervöse Freundin. „Wenn du meinst...“, Salli zuckte die Achseln. Schließlich fuhr sie mit einem unguten Gefühl wieder nach Hause und sann unruhig dem Treffen mit Patrick am Freitag entgegen.

Die Tage bis Freitag vergingen nur langsam. Nicht dass Salli diesem Freitag freudig entgegen sah. Nein, sie wollte diesen Nachmittag endlich hinter sich bringen! Schließlich war der langersehnte Tag da. Salli hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan und sich nur unruhig im Bett hin und her gewälzt. Um 15 Uhr wollten sie und Patrick sich vor dem Burgtheater treffen. Bis dahin musste sie sich irgendwie die Zeit vertreiben. Seufzend blickte Salli aus dem Wohnzimmerfenster. Es hatte wieder angefangen zu schneien. Die weiße Pracht überzog Straßen, Häuser und Bäume. „Wenn doch Kathrin jetzt da wäre“, dachte Salli bei sich. „Sie hätte mich bestimmt ablenken können.“ Doch Kathrin war an diesem Tag leider schon mit ihrem Freund Kai verabredet. Gemeinsam wollten sie Freunde in Rosenheim besuchen. Also war Salli ganz auf sich allein gestellt. An diesem Vormittag versuchte sich Salli daher mit Facebook abzulenken. Aber auch in den sozialen Netzwerken im Internet war heute nichts los. Schließlich legte sich Salli auf´s Sofa im Wohnzimmer und schloss müde die Augen. Als sie völlig verschlafen ihre Augen wieder öffnete, verriet ihr ein Blick auf die Standuhr, dass es bereits halb zwei Uhr nachmittags war. Schnell und plötzlich wieder hellwach, richtete sich Salli kerzengerade im Sofa auf. Bis zum Burgtheater waren es zum Glück nur wenige U-Bahn-Stationen. Es reichte daher, wenn sie gegen halb drei von zu Hause aufbrach. Viel schlimmer war die Kleiderfrage, die jetzt anstand. Das Burgtheater war zwar keine Schicki-Micki-Bude, aber man legte dort schon Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Salli entschied sich daher für eine beigefarbene Leinenhose, eine roséfarbene Bluse und darüber ein schwarzes Jackett. Da es draußen bitterkalt war, zog sie noch ihren grauen Mantel über, der ihr, wie sie selbst fand, durchaus etwas Vornehmes verlieh. Vorher griff sie noch ein wenig in den Schminkkasten. Sie tuschte sich die Wimpern schwarz, legte blauen Lidschatten und etwas Rouge auf und zog ihre Lippen mit einem leichtrosa Lippenstift nach. Zum Schluss kämmte sie sich ihre braunen Haare und band sie zu einem Pferdeschwanz zusammen. Fertig! Salli angelte nach ihrer großen, schwarzen, aus Kunstleder gefertigten Handtasche, vergewisserte sich, dass ihr Haustürschlüssel, Portemonnaie und Handy darin waren und verließ etwas ungestüm die elterliche Wohnung.

Als Salli kurz vor 15 Uhr beim Burgtheater ankam – sie war immer noch ziemlich aufgeregt - , wartete Patrick bereits am Eingang. Er löste sich von der Hauswand, an die er sich gelehnt hatte und kam Salli entgegen. Sein Gesicht strahlte regelrecht als er sie sah. „Hi, schön, dass du gekommen bist“, verkündete er freudig. „Klar, hatte ich doch gesagt“, erwiderte Salli wie selbstverständlich. Dabei wusste sie ganz genau, dass es eben nicht selbstverständlich war, sich mit einem Typen zu treffen, der vermutlich eine Freundin hatte, der er nichts von dem Treffen erzählte. „Komm Salli, lass uns reingehen! Es fängt gleich an!“, riss Patrick sie aus ihren Gedanken. Sie kauften ihre Theaterkarten an der Kasse im Foyer und gaben anschließend ihre Mäntel, Schals und Mützen an der Garderobe ab. „Toll siehst du aus!“ Patrick betrachtete Salli von oben bis unten. „Jetzt macht er mir auch noch Komplimente und zu Hause wartet bestimmt seine Freundin auf ihn“, dachte Salli völlig entrüstet. Aber sie sagte nichts, sondern lächelte nur. Dabei fiel ihr auf, dass Patrick wieder einmal unverschämt gut aussah. Er trug ein schwarzes Hemd, eine ebenfalls schwarze Jeans und dazu lilafarbene Lackschuhe. Sein dunkles Haar hatte er leicht gegelt. Sallis Herz schlug höher. „Nur nicht so auffällig hingucken“, dachte sie und ihre Augen schweiften quer über die Eingangshalle. Plötzlich fuhr sie zusammen. Ihr Blick war an einem jungen Mann mit blonden Stoppelhaaren auf dem Kopf haften geblieben, der sie ebenfalls direkt ansah. Es war ihr Ex-Freund Robert. Hand in Hand stand er dort mit seiner neuen, schlanken Freundin, die ihr schönes rotes, langes Haar gerade nach hinten warf. Wegen ihr hatte er Salli verlassen. Salli wäre am liebsten im Erdboden versunken oder hätte sich schnell in ein Mauseloch verkrochen. Aber dazu war es eh zu spät. Robert und seine Freundin kamen direkt auf sie zu. „Hallo Salli! Wie geht es Dir?“, war Roberts erste Frage. Salli war als schnürte es ihr die Kehle zu. „Danke, ganz gut“, krächzte sie. Glaubwürdig klang das nicht gerade, wie Salli für sich feststellte. Es war absurd, aber da kam ihr plötzlich eine verrückte Idee: „Das ist Patrick, mein neuer Freund!“, stellte sie den daraufhin völlig verdutzten Patrick vor. Dessen Blick huschte fragend zu Salli herüber. Er glaubte, er hätte sich wohl verhört. Aber Salli zwinkerte ihm zu, um ihm verstehen zu geben, dass er ihr Spiel bitte mitspielen sollte. Patrick begriff und sagte mit einigem Zögern: „Ja, genau. Ich bin ihr neuer Freund.“ Dann reichte er Robert und dessen Freundin die Hand. „Das ist Robert, mein Ex-Freund, mit seiner Freundin...“, Salli fiel der Name nicht mehr ein. „Sabine“, warf daraufhin die Freundin von Robert ein. „Ja, richtig. Sabine“, wiederholte Salli den Namen und spielte eine übermäßige Freude vor. Auf keinen Fall sollte Robert merken, dass sie sich wegen ihm immer noch mies fühlte. Patrick hatte das Spiel mittlerweile durchschaut und er hatte auch nichts dagegen Sallis Freund zu spielen – im Gegenteil – es schien ihm sogar zu gefallen. Er legte seinen Arm um Salli und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange. „Komm Schatz, das Theaterstück beginnt gleich“, sagte er für alle deutlich zu hören und ging mit Salli im Arm in den mittlerweile schon gut gefüllten Theatersaal. Salli spürte wie Robert ihnen nachschaute und schmiegte sich noch näher an Patrick. 

Während des ganzen Theaterstücks verloren Patrick und Salli kein Wort über ihr kleines Schauspiel gegenüber Robert. Sie schauten sich aufmerksam die Weihnachtsgeschichte an und unterhielten sich hier und da über das Stück. Salli war erleichtert, dass Patrick sie jetzt nicht darauf ansprach. Dennoch wusste sie, dass es irgendwann zur Sprache kommen würde.
Als das Theaterstück zu Ende war – beide waren begeistert von diesem – lud Patrick Salli noch auf einen Drink im nahe gelegenen „Roger´s“ ein. Salli sagte zu, denn der Nachmittag hatte ihr gut gefallen und sie war bester Laune. Draußen hatte es die ganze Zeit ununterbrochen geschneit und Salli und Patrick stapften – sich munter unterhaltend und lachend – durch den vielen Neuschnee. „Nächstes Mal komme ich auf Skiern“, hörte man Patrick witzeln. Dabei tat er so, als würde er vor lauter Anstrengung schnaufen. Salli musste laut lachen. Beim „Roger´s“ angekommen, klopften sie den Schnee von ihren Mänteln ab und stampften mit den Füßen heftig auf den Boden, damit sich der Schnee von den Schuhen löste. „Hier ist es schön warm und gemütlich“, stellte Salli fest und bewunderte die schöne Weihnachtsdekoration im „Roger´s“. An den Fenstern waren Lichterketten und adventlicher Schmuck angebracht und auf jedem Tischchen stand ein kleines Weihnachtsgesteck mit einer Kerze. Kaum hatten es sich Salli und Patrick an einem der Tische bequem gemacht, kam auch schon ein Kellner, zündete die Kerze an und fragte höflich, ob er bereits etwas zu Trinken bringen könnte. Salli bestellte einen Mokka mit Rum und Patrick eine heiße Schokolade mit Sahne. Obwohl das „Roger´s“ gut besucht war, dauerte es nicht lange, da brachte der Kellner auch schon die gewünschten Getränke. Salli lauschte der Musik im Hintergrund und rührte zufrieden in ihrem Mokka, während Patrick genüsslich die Sahne von seinem Kakao löffelte. Dann wurde Salli ernst. „Danke, dass du vorhin bei Robert und seiner Freundin mitgespielt hast“, warf sie ein, denn sie dachte, dass jetzt der geeignete Moment war dies anzusprechen. Jetzt wurde auch Patrick ernst. „Ich bin zwar Schauspieler, aber ich habe das nicht gespielt, Salli“, erwiderte er und sah Salli dabei tief in die Augen. „Du meinst, du magst mich wirklich?“, fragte ihn Salli und lächelte dabei. „Ganz genau. Du hast mir vom ersten Moment an gefallen. Deswegen wollte ich dich auch gerne näher kennenlernen.“ „Ja, aber...“, Salli dachte an das junge Mädchen, mit dem sie Patrick neulich auf dem Weihnachtsmarkt gesehen hatte. „Du hast doch bestimmt eine Freundin. Ich hab dich doch mit ihr zusammen gesehen – vor ein paar Tagen auf dem Weihnachtsmarkt.“ Jetzt musste Patrick lachen. „Okay, ich hatte eine Freundin in Berlin, wo ich herkomme. Wir haben uns wegen der Entfernung getrennt. Während der kurzen Zeit, die ich hier in München bin, habe ich noch keine Freundin gefunden – das heißt bis jetzt jedenfalls. Die, mit der du mich auf dem Weihnachtsmarkt gesehen hast, war meine Schwester Marie. Sie hat mich hier für ein paar Tage besucht.“ Jetzt konnte Salli nicht verhindern, dass sie wieder einmal rot wurde. Gott sei Dank konnte man das bei der dämmerigen Beleuchtung  im „Roger´s“ nicht so gut erkennen. „Sorry, ich dachte...“, begann Salli. „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen“, unterbrach Patrick sie. „Ich muss schon sagen, du bist wirklich eine gute Schauspielerin!" „Ich hab auch nicht geschauspielert“, flüsterte Salli ihm daraufhin zärtlich ins Ohr. Patrick lächelte. Er fasste mit Zeigefinger und Daumen unter Sallis Kinn und zog ihr Gesicht an seines heran. „Ich liebe dich“, sagte er. Dann verloren sich beide in einem tiefen, innigen Kuss.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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