Elke Müller

Amerika....

Der Herr des Hauses, Ben Harper, stoppelbärtig, dickleibig und ungepflegt, mit bleichen Gesicht, saß am Tisch, stierte vor sich in das leere Glas, griff dann zur Flasche, schenkte sich erneut das Glas randvoll mit Whisky ein und lehrte es, ohne einmal abzusetzen. Wischte sich mit den Handrücken über die Lippen und schenkte sich erneut ein. Seine Hand zitterte dabei, der Blick war unsicher. „ Ich kann soviel trinken wie ich will, da hat mir keiner etwas zu sagen, klar?“ Mit einem Ruck schüttet er den ganzen Inhalt hinunter. Eine junge Frau stand barfuß etwas abseits. Sie war groß und schlank, trug ein einfaches Kleid, um ihre Schultern lag ein Wolltuch. Ihre langen blauschwarz glänzenden Haare hatte sie zu einen lockeren Zopf gebunden und hingen jetzt, zerzaust über ihrer Schulter und Rücken herab. In den Händen hielt sie eine bereits leere Flasche und ihre schwarzen Augen waren mit Angst, Zorn und Feindschaft gefüllt. Ihr Gesicht war von Schlägen blutunterlaufen, die Lippen geschwollen und mit blutigen Rissen versehen. Über der linken Augenbraue befand sich eine offene blutende Wunde. Erst als sein Kopf schlaftrunken auf den Tisch fiel, spürte sie ein würgen in der Kehle und wandte sich voller Ekel und Widerwillen ab. Das sie noch lebte hatte sie allein ihren Sohn zu verdanken, der sich zwischen den prügelten Mann und ihr geworfen hatte. „ Lass sie in Ruhe!“ schrie er. „ Sie hat nichts getan und ist kein Hund den du ständig verprügeln kannst!“ „ Du… du wagst es... ! Elender Wurm, habe ich dich nicht, gutwillig aufgenommen? Bilde dir nur nichts ein! Warte nur, dir werde ich es zeigen! Ich schlag dich so zusammen, du... du verdammter… .“ Akamos, schlank und geschmeidig, hebt die Fäuste, in seinen dunklen Augen brannte lodernder Hass, als er Ben Harper anschaut. „ Los, besoffener Fettsack, komm schon, versuch es nur! Ich werde mich wehren!“, antwortet er gepresst. „ Eine rote blutige Nase wirst du dir holen!“ Plötzlich schnappen zwei große Hände zu. „ Du kleine rote Ratte! Du elende Brut von einem Satan! Hier herum schreien was! Ich mach dich fertig! Ich werde dich lehren…!“ Mehrere heftige Hiebe trafen auf die abwehrenden Arme des Jungen. Doch Akamos hatte bis jetzt die Zähne zusammengebissen, klammert sich mit einem kurzen Laut an das Bein von Harper fest. „ Noch nicht genug, was,“ brüllte er, mit geröteten Gesicht von vielen Schnaps, krallte seine Finger um die Hosenträger des Jungen und schleifte diesen mit zur Tür und öffnete sie. Mit einem Ruck hob er ihn hoch und warf ihn, mit einem Fußtritt, auf den Hof hinaus, wo dieser keuchend liegen blieb. „ Hoffentlich hast du Hundesohn, jetzt genug! Du wirst mir gehorchen und tun was ich sage!“, knallte die Tür mit Wucht zu und stieß dann einen hellen Lachlaut aus, drehte sich zu der jungen Frau um. Sie war kreideweiß im Gesicht. Sie hat immer Angst um Akamos, als wäre es ihr eigener Sohn, doch er ist es nicht. Sie hat ihn allein groß gezogen, da seine Mutter bei einem Überfall der Weißen umgebracht wurde. Wieder sah sie, was man ihr schreckliches angetan hatte. Nun kam der Wahnsinn und der Schmerz zurück. Akamos ist oft danach einige Tage verschwunden. Er braucht Luft, will Land, die Berge und grüne Täler sehen, sagt er dann immer. Harper stieß sie bei Seite, hart, brutal, das sie gegen die Tischkante prallte. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht richtete sie sich wieder auf. Er lies sich murrend wieder am Tisch nieder, griff wieder zur Flasche, füllte sein Glas randvoll und leerte es wieder in einem Schluck, dann trank er weiter, bis Müdigkeit ihn erneut befällt. Nun, trat sie leise auf die kleine Veranda hinaus. Sie sah die Schrammen in Akamos Gesicht, aber auch den Hass und den Willen, diese Schmach nicht auf sich sitzen zu lassen. „ Schlagen und treten das kann dieser Sklaventreiber!... Sieh dich doch an, Mam! Er hasst uns zu tiefst.“ Ja, nicht nur einmal stand sie zerrissen, zerkratzt und mit blau geschlagenen Auge, aber nie reumütig oder gar demütig vor ihm. Sie hat einen Wall der Gefühlslosigkeit, wie einen Panzer, um ihr Herz gelegt. Und trotzdem fühlte sie Wut, Enttäuschung sowie bittere Verzweiflung. Sie hatte in der letzten Zeit oft geweint, manchmal ohne einen Grund zu haben. „ Es wird … bestimmt eines Tages alles gut sein.“ „ Hör auf, ich kann es nicht mehr hören!... Mir ist so ein Schweinehund noch nie begegnet, dies bezahlt er mir, der verdammte Verbrecher!“ Wischte sich trotzig mit den Handrücken über die Augen. „ Er hat kein Herz, weiß nicht was Mitleid ist, ist immer mürrisch und aggressiv und… jeder macht einen großen Bogen um ihn und uns, weil er gleich seine Flinte oder die Peitsche nimmt… Weißt du, ich habe dich lange nicht mehr lachen gesehen.“


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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