Hans-Werner Kulinna

Der kleine Tannenbaum

 

Er lag schon ein paar Tage am Straßenrand in Wind und Kälte zusammen mit den anderen Bäumen. Jetzt nach Weihnachten wurden sie nicht mehr gebraucht und sie warteten auf die Entsorgung. Gern wäre auch der kleine Tannenbaum im warmen Zimmer geblieben. Aber seine Zeit war vorbei. Nun gingen viele Menschen an Tannenbäumen vorbei und niemand hatte noch ein Lächeln übrig. Da kam die kleine Linda mit ihren Eltern vorbei und sie entdeckte den kleinen Tannenbaum. Da sah sie es. Es hing noch ein ganz kleiner Strohstern an den vertrockneten Zweigen. Gerade wollte Linda den Stern an sich nehmen, da begann der kleine Baum ganz bitterlich zu weinen. „Jetzt sind wir ihnen nicht mehr gut genug“, schluchzte er. Linda schaute zu ihren Eltern. „Komm Linda, da können wir nichts machen“, sprach der Vater. Linda schaute zurück und hörte den kleinen Baum noch rufen: „Du hast ja den kleinen Stern, denk an mich!“

„Warum hat der Baum geweint?“ wollte Linda wissen. „So ist das Leben, Kind, die Tannenbäume haben ihre Aufgabe erfüllt, jetzt sind sie trocken und verlieren ihre Nadeln. Gleich werden sie alle abgeholt und vielleicht verbrannt oder zerkleinert und später wieder zu Erde.“ Linda hörte ihren Eltern aufmerksam zu, als sie an einem Garten vorbeikamen. „Guckt mal, rief sie plötzlich, da vorne steht auch so ein kleiner Baum, der ist noch schön und verliert keine Nadeln.“ „Ja, der wächst ja auch draußen und hat Wurzeln. Er lebt und wird weiter wachsen“, meinte Lindas Mutter. Nach einer Weile sagte der Vater: „Linda, im nächsten Jahr holen wir uns einen Baum mit Wurzeln. Wir lassen ihn dann im Topf und gießen ihn, wenn er im warmen Zimmer steht. Da wird er sicher sein Nadelkleid behalten. Und wenn Weihnachten vorbei ist, graben wir ihn im Garten wieder ein.“ Linda hörte gut zu und strahlte. Sie nahm ihren kleinen Stern und drücke ihn mit beiden Händen. Nun wusste sie, dass der kleine Stern im nächsten Jahr am lebenden Tannenbaum hängen wird.

 

© Hans- Werner Kulinna

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