Istvan Hidy

Nur so kommen Kunden wieder

„Machen wir mal Nägel mit Köpfchen“ – meinen geschäftstüchtige Anleger, berufene Bastionen der freien neoliberalen Marktwirtschaft. Wenn es nach ihnen ginge, gebe es bald genauso viele Privatgefängnisse als Privatkliniken und Altersheime. Freiheitsentzug ist ein Wachstumszweig wie die Pflegebranche und sie sollte auch mal eine freie Chance haben nach den allmächtigen freien Marktgesetzen. Eine Firmengründung wurde auch schon unlängst registriert. Sie heißt Privat-Knast AG für das Geschäftsmodell Gefängnis.

 

Lieber Leser, wenn Du jetzt auf dein naiven Gedanken stößt: Wie soll man an Gefängnissen Geld verdienen – dann lies bitte weiter und wenn Du auch noch über flüssige Mittel verfügst sollst Du möglichst schnell in die Knast AG investieren. Die Privatisierung macht vor dem Knast auch nicht halt, das Gefängnis gilt als geniales Geschäftssegment der Zukunft.

 

Die Frage: Wie soll man an Gefängnissen Geld verdienen, wird natürlich durch nutzbringendes Management, wohltuenden Service und erfreuliche Steuervorteile beantwortet. In der Bundesrepublik besteht ein unglaublicher Bedarf an neuen Gefängnissen, wie die Marktradikalen es richtig, wie auch immer, vorausahnen. Die Bürger verlangen zwar, dass Verbrecher eingesperrt werden, weigern sich aber, für die Strafanstalten kostendeckendes Steuergeld zu zahlen. So sind nun mal die Deutschen generell, nicht nur die Schwaben. So vergibt der Staat Konzessionen an Privatunternehmer, die sich ausgerechnet haben, wie man den Justizvollzug profitabel macht. Gefängnisse in Deutschland sind inzwischen die verlängerte Werkbank vieler Unternehmen.

 

Die Regierung ist beim Einsperren von Menschen in die roten Zahlen geraten, nun soll es der Privatsektor richten um Schwarze zu schreiben! Logisch, nicht wahr? Wenn man an die erfolgreiche Privatisierung der Deutschen-Post, Bahn, geschweige von der kommunalen Energiewirtschaft denkt, dann müssen auch einem Blinden die vielseitigen Vorteile einleuchten.

Der springende Punkt ist die Finanzierung der Gefängnisse. Baut die Regierung eine Strafanstalt, muss sie einen öffentlichen Kredit aufnehmen. Zieht eine Privatfirma den Bau hoch, kann das von einer Steueroase gemacht werden. Nein. Nicht etwa Sträflinge werden in Steueroasen eingesperrt. Nein, von den Steueroasen kommen die Anleger. Die Knast AG verpachtet sie an die Regierung und erhält die Erlaubnis, sie zu betreiben. Die Investoren erhalten die Wertminderung des Gebäudes und einen Tagessatz für jeden, Strafgefangenen, den wir Steuerzahler beherbergen.

 

Wie es moralisch einzuordnen ist an Leuten, die ihre Freiheit verloren haben Geld verdienen, lassen wir einfach außer Acht. Aber die Privatwirtschaft ist in der Lage und sie tun den Insassen nur einen Gefallen, denn die Knast AG wird sie viel besser behandeln als im Augenblick die Bürokraten. Schließlich sind zufriedene Gefangene den Interessen der Firma nur förderlich, wenn sie Geld verdienen will, muss sie auf Mundpropaganda – eine Werbepropaganda ginge noch zu weit - setzen. Sobald Ex-Sträflinge anfangen, in der Unterwelt Nachteiliges über die Knast AG zu verbreiten, verlangen erwischte Täter, in Konkurrenzanstalten eingesperrt zu werden.

 

Ob es da keine Interessenkonflikte gebe! Nehmen wir einmal an, jemand soll zur Bewährung entlassen werden, aber die Knast AG weigert sich, ihn ziehen zu lassen, weil sie dann mit einem unbelegten Bett dasteht. Der Privatbetreiber möchte sicher doch keinen Menschen seiner Freiheit berauben, nur weil ein oder zwei Anleger Angst haben, ihn als Kunden zu verlieren.

Das Problem muss anders gelöst werden. Jede Strafanstalt hat eine Warteliste. Die Bundesrepublik garantiert Privatgefängnissen für die nächsten zwanzig Jahre eine hundertzwanzigprozentige Belegung. Natürlich muss das Service auch stimmen. Das Ziel: Der Konsument, in diesem Fall der Strafgefangene, soll sich wie zu Hause fühlen. Nur so kommen Kunden wieder.

 

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