Elke Müller

Amerika....

Die junge Frau, eben noch wütend, verzweifelt und ängstlich, war nun erleichtert, holte wortlos ein Tonkrug voll mit heißen Wasser, goss es in eine Schüssel. „ Akamos, lauf und hole mir aus dem Schrank Verbandszeug und siehe nach, ob noch ein Rest vom Whisky übrig ist, bringe diesen auch mit.“ Der Junge nickte und lief davon. „ Wenn Sie etwas essen möchten, ich habe noch Steak und Bohnen da, müssen aber noch etwas warten...“, zu Heika gewandt, „ kommen Sie, diese Schusswunde muss behandelt werden.“ Er blickte sie aufmerksam an und erkennt das die junge Frau eine zauberhafte natürliche Schönheit ist, zog aber sein ausgeblichenes Kattunhemd aus. Seine beeindruckenden Muskeln zeichneten sich gut unter seiner Haut ab. Kein Gramm Fett war an seinem muskolösen sportlichen Körper. Mit vorsichtiger Hand nahm sie den von Blut durchtränkten Verband ab, reinigte die Wunde und untersuchte Heika vorsichtig aber gründlich auf Hinblick Blutungen, gebrochene Knochen und mögliche innere Verletzungen, die er haben könnte, von Kopf bis Fuß. Langsam zog sie dann Heikas Bowie-Messer aus der Lederscheide, blickte dabei in seine Augen. Da war ein ungeahntes Vertrauen, ein gegenseitiges Verstehen darin. Ein leichtes Nicken erfolgte. Er setzte sich mit den Rücken an den Haltebalken für Pferde und senkte seinen Blick zu schmalen Schlitzen. Sie zog die dunklen geschwungenen Brauen zusammen.   „ Nicht bewegen.“ Mit geschickten Händen fand sie die Kugel. Blut lief als rote Linie herunter. „ Es wird eine schöne kleine Narbe werden.“ Heika ergreift ihre Hand mit dem Dolch, die rasiermesserscharfe Klinge war rot vom Blut. Sie wusste was es bedeutete, die Schmerzen der Behandlung zu ertragen, ohne einen Laut von sich zu geben. „ Man gewöhnt sich daran. Sie sind ein Teil von mir geworden.“ Sie lächelt. Nahm die Whiskyflasche aus den Händen von Akamos, entkorkte sie und schüttete einen großen Schluck auf die Wunde, schmierte dann eine Heilsalbe, aus einer kleinen Silberdose über die Wunde. Dann legte sie einen neuen Mullverband an. Danach ging sie in die Küche und servierte den beiden Freunden ein spätes reichhaltiges Essen. Redmon war von der Frau ungemein beeindruckt. Ihre Stimme war warm und weich, hatte ein umwerfendes Lächeln. Dicke lange schwarze Wimpern zierten die dunkelbraun leuchtenden Augen. Alles an ihr war so, wie es sich ein Mann wünscht. Er sah sie immer wieder an und spürte ein wildes Pochen in seiner Brust. „ Sie hatte Format, von allerbester Klasse – eine Raubkatze,“ flüsterte Heika. „ Sie sieht dich an, wie Frau zu Mann. Sie ist schlank, schön, wild und feurig.“ „ Rede kein Unsinn. Das trifft wohl eher auf dich zu. Ich bin doch ein Fremder, dazu noch ein gehasster Weißer.“ „ Oho, oho! Kein Unsinn! Das eigene Herz ist immer der größte Verräter…wenn du sie anschaust, was siehst du dann? Es gibt immer mehr als nur eine Antwort auf eine Frage. Du musst sie nur lösen. Wenn deine Antwort auf diese Frage, dein Problem löst, nun, dann kannst du sicher sein, die richtige Antwort gefunden zu haben. Wenn die Menschen auf diese Art die Dinge betrachten würden, gäbe es vielleicht keinen Streit und Kriege wären somit überflüssig. Aber dieses Bedürfnis ist uns verloren gegangen. Wir verstehen es nicht mehr die Reichtümer der Erde zu schätzen, nur zu zerstören und loszuwerden… Aber es gibt noch Dinge, die ein Mann tun muss, darf keinen Kampf ausweichen, das darf er nicht... er muss gut festhalten können was ihm gehört, ansonsten nimmt es sich jemand anderes und das will wohl keiner, auch ich nicht. Darum kämpfe ich mit der Waffe in der Hand, solange, bis ich alles wieder habe was mir geraubt wurde.“ Redmon runzelte die Stirn, musterte dann die junge Frau sekundenlang. Frauen sollten mit Respekt behandelt werden und nicht wie ein Eigentum mit dem man machen kann was man will. Sie hatte Mut, das musste er ihr lassen. Zum ersten Mal flackerte Interesse in ihm auf. Sie mag nicht älter als vierundzwanzig Jahre sein. Vielleicht, möglicherweise, stimmte es was Heika sagte. „ Na gut, wir nehme das Mädchen und den Jungen mit, wenn wir gehen. Dieses Land ist nichts für Frauen. Es ist öde und trocken, das wenige Wasser reicht gerade mal, um so um die Runden zu kommen. Wenn es dann mal ein trockenes Jahr gibt, trocknet die Wasserstelle restlos aus.“ Redmon streckte seine Hand ihr entgegen. „ Niemand wird euch je wieder etwas antun.“ Salida zögerte erst, ihre Augen waren groß und voller Verwirrung auf ihn gerichtet, doch dann legte sie langsam, ihre zitternde Hand, in die seine und spürte die Wärme, die sich für ein paar Sekunden fest um ihre schlanken Finger legte. „ Ich habe dafür gebetet, das einmal dieser Tag kommen möge.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie war lange Zeit eine Gefangene gewesen und Freiheit nur ein Traum.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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