Gabriele A.

Das Leid-Wesen Teil 1

 

Lebensfreude übt Verzicht
das Lebensdrama ist hier Pflicht

Ja es gibt sie, solche Menschen, die in ihr eigenes Lebensdrama verliebt sind,
in ihre eigene Geschichte, denn es ist ihre Identität. Sie haben keine andere.
Und Sanna ist das beste Beispiel hierfür, denn dies wird so vehement von ihr verteidigt, wie nichts anderes in ihrem Leben.
Nichts wäre für sie schlimmer, als aus diesem Dilemma aufzuwachen und nicht mehr in jenen tiefen Abgrund blicken zu können, welcher sich in ihrem Innern verbirgt.. Oh nein, sie müsste sich ja selbst erkennen und mit dem Wort Einsicht hat sie so gar nichts am Hut.

Ach man sieht´s schon am Gesicht
sie lügt wenn sie die Wahrheit spricht

Wie sehr mag sie dieses trügerische Gefühl der Lebensfreude, welches ihr die Lüge
fortwährend übermittelt, gibt es ihr doch die nötige Kraft und hält sie am Leben. Ganz bewusst weigert sie sich täglich den inneren Schmerz zu durchschauen und den roten Faden zu erkennen, der sich schon seit langer Zeit durch ihr trauriges Dasein zieht.

 

Wer unentwegt den Hemmschuh pflegt
hat sich selbst Fesseln angelegt

Oh nein, sie nimmt lieber alle Entbehrungen in Kauf, schlüpft in den Hemmschuh, den sie sich selbst ausgesucht hat, um in die Zeitzone der schweren Depression mit Selbstmordgedanken zu schlappen, mit welchen sie wiederum die wenigen Bekannten die übrig blieben, mit genau dieser Androhung (Ich bringe mich um) zu schikanieren.

Und so pulsieren die Lügen wie Wellen in ihrem Leben, nehmen ihr durch die ständige Wiederholung den Bezug zur Realität und betäuben jegliche Wahrnehmungskraft.

Wen wundert es also, dass der Mann weglief, sämtliche Nachbarn sich umdrehen und ihr gesamtes Umfeld sich von ihr abgewandt hat.
Auch die scheinbare Mutterliebe entfremdete ihre Kinder, da sie stets in emotionale Erpressung entartete, wenn sie ihren Willen nicht bekam. Die Frage alleine, ob jemals eine Freundschaft mit ihr möglich wäre, ist schon illusionär, denn hinter ihrer vorgetäuschten süffisanten Art, verbirgt sich ein bösartiger krankhafter Charakter, mit dem sie nur allzu gerne Unfrieden stiftet und sich permanent anstrengt, immer wieder erneut Menschen zu finden, die es gut mit ihr meinen, und sie dann skrupellos in ihren Sumpf mit hineinziehen möchte.

In der Nähe oder Fern
Gleich und gleich gesellt sich gern

Wie es das Schicksal so wollte, lernte sie vor Jahren ihren Busenfreund Matze im Internet kennen. Sie geben in der virtuellen Welt das perfekte Paar ab.
Sie, die schon des Öfteren in der geschlossenen Psychiatrie verweilte, sich als anerkannte Stalkerin einen Namen machte und Er, ein berüchtigter Hausteufel sowie ein abgedroschener Gassenengel.., der einen Teil seiner Erfahrungen in einer Trinkerheilanstalt machten durfte, dem man im ganzen Viertel lieber auf den Rücken schaut, als in sein Gesicht.

 

Natürlich braucht sie eine starke Schulter zum Ausweinen und jemanden der gerne Klagelieder anhört. Und genau so einer ist Matze. Er hat stets ein offenes Ohr für Hirngespinste die diffamieren wie auch für Intrigen, geben sie doch seinem langweiligen Leben mit einem etwas einfachen naiven, aber liebem Frauchen an seiner Seite einen Kick. Und wenn jemand mit einer flexiblen Beziehung zur Wahrheit mit ihm auf einer Wellenlänge schwimmt, was spricht dagegen?

Zusammengefasst passen beide präzise in das Gesamtpaket der Mauschelei, irreführenden Machenschaften und Augenwischerei..

Wenn Treue so einfach wäre
bräuchte man keine Affäre

Auch das Wort Abstecher bekommt bei ihm eine ganz neue Bedeutung, denn oft scheint die Beziehungskiste einfach zu eng, erst recht wenn man der Angetrauten noch die Hörner aufsetzt. Schnell macht man einen Sprung zur Seite, man muss ja nicht unbedingt notorisch fremd gehen, bekannt tut es auch..

Ene meine miste
wenn das der and´re wüsste

Nun wie auch immer. Dieser grundlegende individuelle Austausch getunter subjektiven persönlichkeitsgefärbten Dialoge, bereichert vielversprechend auf beiden Seiten den grauen Alltag. Die Freude ist ganz ihrerseits, da beide Parteien dem Irrglauben erliegen, „Das bleibt unter uns“. Jedoch wer die Menschen kennt weiß, dass auf sie „Verlass“ ist, wenn auch in negativem Sinne.
 

Ist auch nichts mehr wie es war
die Menschheit ist berechenbar

Im anonymen Internet hat so jeder seine Verbindungen, daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn es da auch mal eine „Schnittmenge“ gibt, von der beide keinen blassen Schimmer haben, es gibt ihn nämlich den unsichtbaren Dritten, jene unbekannte Größe wie in der Mathematik..jedoch hat von diesem besonderen Pärchen keiner die passende Formel zur Hand, diesen Fall zu lösen.

Wissen ist Macht - wer nichts weiß, macht auch nichts..

Und so leben und erfreuen sich wahrscheinlich beide an ihrem sogenannten (Un)Wissen, in ihre ganz eigenen Blase der Vernebelung, bis es irgendwann mal heißt: Es war einmal….

© Nordwind

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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