Katja Baumgärtner

Winterwald bei uns zu Hause

Letzte Woche am 7.02.1998 waren in unserem Garten ein Stall voller Hasen. Unser Garten befindet sich in der Rosenstraße in Michelbach, und Hasenspuren und der zertretende Boden erinnern uns noch an das wilde Treiben der Hasen und an die Hasenjagd. Wir haben selbst keine Hasen, und so ist die Geschichte sicherlich interessant und amüsant. Feststeht, dass es ein Streich war. Wer dahinter steckt, weiß niemand, aber vermuten darf man ja mal. Es muss jemand gewesen sein, der über das Verweilen der Hasen bei Familie B. Bescheid wusste. Ein guter Streich war es sicherlich nicht, denn bei dieser Kälte Stallhasen auszusetzen, ist sicherlich bedenklich, wenn sie nicht gerade vor dem Schlachtbeil retten möchte. Aber sterben muss jeder irgendwann einmal, und der qualvollere Tod ist bestimmt das Erfrieren und damit keine sinnvolle Lösung.

Wir, meine Mutter und ich, wussten zunächst natürlich nichts von den tierischen Besuchern im Garten. Ich wunderte mich nur, wo die nahen Stimmen unserer Nachbarn herkamen, denn von denen leben wir räumlich sehr abgegrenzt, und es war niemand auf der Straße zusehen.

Kurz darauf löste sich das Rätsel schon auf, als ich vor der Haustür ein Rufen nach meiner Mutter hörte. Jeglicher Versuch uns auf die Jagd nach den Hasen zu informieren, blieb erfolglos, weil die Klingel gerade ihren Geist aufgegeben hatte.

In der Nacht vom Freitag auf Samstag zwischen 12 und 1 Uhr hatte jemand die Hasen unserer Nachbarn in unserem Garten ausgesetzt. Das Beweismaterial war ein Eimer, den wir neben unserem Haus fand.

Familie W., unsere angrenzenden Nachbarn, wies am nächsten Morgen daraufhin, in unserem Garten Hasen sitzen zu sehen, so dass Frau B. sofort mit der Suche und der Jagd nach den verschwundenen Hasen begann.

Frau B., Besitzerin der Hasen, meine Mutter und ich versuchten vergeblich die Hasen einzufangen. Die Hasen auf unsere Art und Weise zu schnappen, blieb so gut wie aussichtslos. Frau B. versuchte es mit List, die Hasen mit Karotten anzulocken, und sie in ein unbemerktes Moment zu ergreifen. Ihr glückte es bei Zweien, spätere Versuche misslangen. Die Hasen begriffen vermutlich jetzt noch mehr auf der Hut zu sein - auch wurden sie durch die Hetzjagd sehr munter und schienen es als regelrecht als Spaß anzusehen. Als sich einer der Hasen gerade unter dem Busch rettete, kam ein anderer zum Vorschein und saß gemütlich da. Ich hatte leider keinerlei Erfahrungen mit Hasen und versuchte es auf dümmster Art. Ich vermutete, meine Reaktionen seien schneller als die der Hasen. Die Hasen hatten aber auch größere Chancen, zu entkommen, da sie unter den Büschen und Bäumen und in den Ecken immer wieder neue Zufluchtswege fanden. Auch einen Sack über die Hasen zu werfen, blieb aussichtslos, da solche Hasen sehr flink sind und das Moment abwarten bis sie losrasen. Ebenso war ihr Gehör keineswegs zu unterschätzen. Dies bemerkte ich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt, denn während ich im Haus später einmal ans Fenster trat, spitzten sie schon die Ohren. Selbst die Katze der Familie B. schien helfen zu wollen. Die Hasen auf hinterhältige Tricks aus den Schlupfwinkeln zu locken, blieb erfolglos, nur die Katze schreckte miauend auf. Der Versuch, den Hasen den Weg ab zu sperren und sie so zu zwingen in den Korb zu rennen, war zwecklos. Die Hasen fanden immer einen Weg zu entkommen. Herr. B., erzählte uns seine Frau, wolle schlafen, er schaue später nach den Hasen. Natürlich wütend, dass jemand die Hasen in den Garten fremder Leute aus zu setzen, anstatt sie gleich zu stehlen, war Herr B `s erste Reaktion, als er nach den Hasen Ausschau hielt. Er winkte nach dem ersten Versuch, die Hasen zu fangen, sofort ab. Es sei sicherlich ein Streich eines Nachbarkindes. Gründe für den Tatbestand gab es nicht. Vielleicht wusste es von dem Vorhaben, die Hasen bald verspeisen, zu wollen oder vielleicht wollte es das Miteinander der Nachbarschaft bei brenzligen Momenten testen. Ein Nachbarkind jagte später auch noch die Hasen.

Seltsam hierbei war, dass keiner das Verweilen der Hasen, dem Mädchen erzählte. Vor halb vier wurde es still in unserem Garten. Es sollte eine Nacht überschlafen werden, die Hasen in ihr gewohntes Zuhause zu bringen. Die Hasen dann allein gelassen, fühlten sich recht wohl bei uns und schienen sich ihres Lebens, zu freuen. Sie spielten miteinander und kamen sich vermutlich im Garten näher. Es hatte wenigstens so den Anschein. Während des Fernsehens und dem Essen, sahen meine Mutter und ich aus dem Fenster schauend ab und zu Hasen vorbei hoppeln. Es erinnerte an einem Märchenwald inmitten dem unser Haus stand von hochgewachsenen Bäumen umgeben. Bis zum späten Abend amüsierten wir uns über unsere tierischen Besucher. Am nächsten Morgen war es seltsam anzusehen wie fremde Leute sich in unserem Garten unterhielten während ich drinnen in der Küche saß und das beobachtete. Stunden zu vor hatte Familie B. den Hasen etwas zum Fressen hingestellt. Später hatte Familie B einen Hund mit seinem Herrchen zu Hilfe geholt. Der Hund war geübt, die Hasen aus ihren Schlupfwinkeln zu jagen, ohne sie tot zu beißen. Ich holte meine Mutter und wir schauten dem Geschehen zu. Als ein Hase aufgespürt worden war, wurde ihm von allen Seiten mit einer dreimeterlangen Pappe der Weg versperrt, so dass es nach und nach gelang, alle Hasen auf diese Weise ein zu fangen. Der Hund fixierte sich immer nur auf einen Hasen, jagte ihn aus seinem Versteck und auf der anderen Seite war die Pappe, die den Weg versperrte. So blieben alle Hasen verschont, vom Jäger erschossen zu werden, der sich in dieser Angelegenheit bescheiden heraus hielt. Rechtlich gesehen, wären uns nun die Hasen gewesen, weil sie auf unserem Grundstück waren, aber jeder Märchenwald muss sich mal in Luft auflösen, und das war eben dieser Sonntagmorgen.

Während der Zeit zwischen Samstag um halb vier wurden weitere Hasen aus dem Stall der Familie B,. freigelassen, die seit dem jetzigen Zeitpunkt weiterhin spurlos verschwunden sind. Dies erzählte uns Frau B. nach der gelungenen Hasenjagd.

 

...und wenn sei nicht geschlachtet worden sind, dann leben sie noch heute ( vielleicht auch mit Nachwuchs).

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