Marion Schanné

Kreativitätskiller und Schreibblockadenauslöser haben bei uns

Texteraufgabe: 
Schreibe eine Kurzgeschichte 
Ort: Casino
Protagonist: Bruder
Gegenstand: Ampel

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„Kreativitätskiller und Schreibblockadenauslöser haben bei uns Hausverbot.“

Mit diesem Slogan wirbt eine Texterschule für ihr neues Seminar.
Dieser auffällige Flyer liegt neben mir auf dem Beifahrersitz und grinst mich an jeder roten Ampel herausfordernd an.

Ich bin auf dem Weg zu meinem Bruder Sascha, der mich heute ins Casino in Bad Homburg eingeladen hat.

Jenny, meine 5 jährige Tochter, verbringt jedes zweite Wochenende bei ihrer Oma. Also brauche ich mir kein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Meine liebe, rüstige Mutti ist auch im Kreise ihrer Enkelkinder sehr beliebt. Ein Wochenende bei Oma bedeutet für die Kinder altersgerechtes Entertainment auf höchsten Niveau.

Zwei Kilometer noch, sagt mein Navi, dann wäre mein Ziel auf der rechten Seite. Wir haben uns am Restaurant am Römerbrunnen verabredet. Diese mediterrane ist Küche ein absolutes „must have“, wenn man als Frankfurter Mädchen schon mal in Bad Homburg isst.

Als ich langsam auf den Parkplatz fahre, sehe ich Sascha gleich an der Einfahrt stehen. Ich halte kurz an und mit einem jugendlichen Sprung katapultiere mein kleiner Bruder seinen trainierten Körper auf meinen Beifahrersitz.

Kraschpel, kraschpel tönte der Flyer unter dem Po von Sascha und das erschrockene Gesicht meines Bruders brachte mich zum fröhlichen Lachen.

Erleichtert stimmte mein Bruder mit ein und fischte den Flyer unter sich hervor. „Textseminar. Klingt gut,“ bemerkte Sascha „willst Du Dich da anmelden?“
„Vielleicht. Als Aufnahmetext muß man einen Text punktgenau auf 2400 Zeichen schreiben.“
„Strenge Sitten. Wenn Du Deine Produktbeschreibungen machst, hast Du mehr Freiheit.“
„Ja, das stimmt. Das ist ja auch das reale Leben. Meine Auftraggeber teilen mir im Briefing die gewünschte Textlänge mit. Da heißt es meistens 3-400 Zeichen.“

Während wir uns unterhalten fahre ich die Reihen zwischen den parkenden Fahrzeugen hoch und runter in der Hoffnung 2400 … ne, quatsch, mit dem Wunsch bald einen Parkplatz zu finden.

„Vorsicht! Alex pass auf!“ Sascha ruft mich zutiefst erschrocken zu erhöhter Aufmerksamkeit.
„Was ist denn?“ frage ich meinen Bruder, der anscheinend etwas gesehen hat, was ich nicht bemerkt habe. Neugierig warte ich auf seine hoffentlich charmante Antwort.
„Korinthenkicker von links“ lacht Sascha gutgelaunt „schau mal auf den Papyrus Zeichenzähler links unten auf dem Monitor.“

Da stand geschrieben: STOP! Sie haben exakt 2400 Zeichen erreicht.


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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