Jürgen Malodisdach

Höhlenforscher

Höhlenforscher

 

Eine Höhle, die innen warm und feucht ist, in der es wundervoll duftet. Deren Wände vibrieren können und Säfte ausschütten, die nicht nur wunderbar schmecken, sondern auch dafür sorgen, dass die Eindringlinge an den Wänden entlang immer tiefer rutschen.

Die Eindringlinge sind eine Handvoll Forscher, die in unwegsamem Gelände eine neue Höhle mit ihren Nebenhöhlen erkunden sollen.

Dabei geht es um das Aussehen und die Beschaffenheit dieser unterirdischen Gänge und des Umlandes. Und das erlebten die mutigen Höhlenforscher.

 

Sie standen am Rande des Bergmassives. Hatten schon eine Eingangsspalte gesehen. Die war aber noch mit dichtem Gebüsch umgeben. Am oberen Ende konnten sie einen spitzen Felsvorsprung sehen, der offenbar etwas beweglich schien.

Der Eingang selbst bestand aus doppelwandigen , leicht abgerundeten Wänden, die mit weichem Fell- oder Haar ähnlichem Material überzogen war. Nachdem sie die Eingangsöffnung von dem versperrenden Buschwerk befreit hatten, konnten sie ganz langsam ins Innere vordringen.

Langsam deshalb, weil der Eingang viel enger war, als es dem ersten Augenschein nach aussah. Sie berühren die Wände und quetschen sich durch. Stellen fest, das hier alles feucht und leicht glitschig ist.

Rechts und links gehen kleinere Gänge ab, aus denen Gewisper kommt und ein Rauschen. Es hört sich an als riefe Jemand leise: Kommt hier rein, wir warten auf euch. Zu sehen ist kaum etwas.

Undeutlich sind Umrisse zu erkennen.

Sie klettern in die Höhle, immer an den Wänden entlang.

Da ist ja auch der Felsvorsprung, der wie ein kleiner Nippel aussieht. Eine abgerundete Spitze, die ein bisschen auf und nieder wippt.

Einer kommt an diesen Nippel, streicht darüber. Plötzlich geht ein Zittern durch den Höhlengang und seltsame Laute sind zu hören. Wie Stöhnen und Schreien, die aber hier unten als sehr freundlich zu empfinden waren.

Als wollte jemand sagen, mehr, ...mehr, ...mehr, ...mach weiter, immer weiter, es macht Spaß. Es kitzelt und kribbelt überall, mach weiter. Und die kleinen Zwerge machten weiter.

Sie liefen vor und zurück, immer wieder, klammerten sich an den süßen Nippel, denn es war so glatt und rutschig, dass sie kaum stehen konnten.

Einer sah zufällig nach oben, am Anfang der Spalte. Da war ein noch größerer Felsvorsprung zu sehen. Er war beweglicher und konnte größer oder kleiner werden. Sie hatten ihn am Anfang ihrer Entdeckungsreise nicht sehen können, weil er sich zusammen gezogen hatte und somit nicht zu bemerken war.

Als sie diese Krabbelbergspitze bestiegen, ging ein Beben durch die ganze Höhle, noch schlimmer als beim anderen Geländenippel. Das ging ein paar Mal so weiter.

Plötzlich geschah etwas seltsames.

War am Höhleneingang bisher noch etwas Licht, wurde es jetzt zunehmend dunkler. Denn etwas versperrte den Eingang. Die Forschermännchen hatten aber keine Angst, waren nur neugierig, was nun passiert. Irgend jemand oder etwas wollte auch hier herein. Dabei drückte es die Eingangsspalte leicht auseinander. Dabei ertönten draußen allerlei freudige Töne und ein Zucken aller Wände und des Bodens war zu spüren.

Etwas großes Rundes mit einem Loch in der Mitte rutschte jetzt langsam in die Höhle. Das Loch in der Mitte dieses großen Körpers stellte sich als Kanal heraus, der darin verschwand. Das Zittern und Stöhnen zwischen den Höhlenwänden wurde immer stärker.

Und jetzt setzte sich dieses Ding langsam in Bewegung. Jetzt konnten die Forscher sehen , daß dieses Ding die Form einer großen dicken Keule hatte.

Trotzdem die groß und dick war, zuckte sie in dem nassen glitschigen Höhlengang, aber immer tiefer, so das die Forscher auch weiter ins Innere gedrängt wurden.

Im Schein ihrer Lampen konnten die forschen Forscher sehen, dass die große Keule doch anders aussah, als der erste Eindruck war.

Diese Keule sah mehr wie ein übergroßer Lutscher aus . Wie ein Lolli.

Ein großer dicker rötlicher Kopf, der vorn ein Kanalloch hat geht über in einen nicht ganz so dicken Stamm.

War der Kopf dick, rötlich und mit ziemlich glatter Oberfläche, war der Stamm nicht ganz so dick, dafür aber bedeutend länger und mit einer stark gemusterten Oberfläche versehen. Große Kraft und Stabilität verheißend.

Dieses Ding war außerdem nicht starr und unbeweglich, sonder flexibel beweglich.

Die äußere Hülle konnte sich vor und zurück bewegen und dabei auch den Kopf des Lollis bedecken. Das sahen die Forscher, als der Lolli langsam immer tiefer rutschte und die Forscher somit weiter in die Tiefe der Höhle drückten.

Einen Moment stand der Lolli still. Nur die Wände der Höhle zitterten leicht und es waren allerlei angenehme Geräusche zu vernehmen.

Die Forscher klammerten sich an die Wände , weil sie glaubten , am Ende der Höhle zu sein . Sie fanden immer noch kaum Halt, denn unaufhörlich kamen Ströme Flüssigkeiten, die rundherum alles glatt und schmierig machten aus dem Untergrund auf sie zu. Die machten es zudem der dicken Keule leichter, weiter in das Innere der Höhle vorzudringen. Das passierte ja auch immer wieder.

Der Lolli zog sich wieder langsam zurück bis an den Höhleneingang.. Da machte er aber keine Pause, sondern kam gleich wieder in die Tiefe. Den Beteiligten musste das alles großen Spaß machen, denn das Schreien und Stöhnen , das von draußen kam , wurde immer stärker. Auch in den Gängen der Höhle wurde es immer lauter aber nicht unangenehmer.

So fuhr die dicke Keule mit dem glatten Kopf und dem stark gemusterten Stamm erst langsam rein und raus in dem Höhlengang. Und dann immer schneller.

Dabei musste außerdem irgendwo ein Erdbeben stattfinden, das alle Beteiligten durcheinander schüttelte.

Es gab kein Halten mehr und keine Ruhe. Überall war Bewegung,

Die Höhlenwände zitterten und vibrierten so stark, dass auch der Lolli immer wieder eingeklemmt wurde. Ihm machte das aber offensichtlich nichts aus, trotzdem alles in Bewegung war.

Im Gegenteil, augenscheinlich hatte er großen Spaß dabei. Dazu diese vielen glitschigen Flüssigkeiten. Es gab nirgends ein Halten. Ein Inferno bahnte sich an. Die Forscher wurden so durchgeschüttelt, dass sie manchmal schon Angst bekamen.

Aber der Spaß überwog, denn die Entdeckerfreude war riesengroß. Der große dicke Stamm fuhr also wieder ganz langsam in der schlüpfrigen heißen Grotte tiefer und immer tiefer.

Die Wände zuckten und vibrierten immer stärker. Dann zogen sie sich zusammen und engten den dicken Stamm so ein, dass keiner glaubte, dass der jetzt noch tiefer in die Höhle eindringen kann. Aber der kann. Und wie.

Mit Gewalt und seiner großen Lust zum Erforschen des Inneren dieser unheimlich schönen Höhle schaffte es der Große, immer weiter vorzudringen. Das ganze Gebirge mit den feuchtwarmen glatten Wänden bewegte sich erst langsam, dann immer schneller auf und nieder.

Drehte sich nach rechts und nach links, dann urplötzlich nach oben, so das der dicke Stamm plötzlich ganz tief in die Höhle rutschte. Die kleinen Forscher konnten sich kaum auf ihren Beinen halten und rutschten hin und her, vor und zurück.

Aber sie hielten den vielen Bewegungen , den Schreien und Stöhnen die durch das Gebirge jagten, tapfer stand. Es war der blanke Wahnsinn, was sich hier abspielte.

Und sie wollten alles pur und live miterleben.

Dann verengten sich alle Wände dieses Tunnels so schnell wie es erst nach oben ging, wieder in die Tiefe. Der große Dicke bewegte sich deshalb rückwärts, fuhr also langsam unter ständigem Zucken seines Körpers aus der Höhle. Am Eingang blieb er stehen und bewegte sich in dem Gebüsch, das die Eingangsspalte wie ein Kranz umgab, mit seiner ganzen Größe kreuz und quer, hin und her, auf und nieder.

Kam bis an den zuckenden kleinen und spitzen Hügel oberhalb des Einganges, den streifte er, drückte von allen Seiten auf seine Oberfläche, was offenbar allen Beteiligten große Freude bereitete. Besonders die heraus ragende Spitze dieses beweglichen Gipfels muss tolle Gefühle hervorrufen. So ging das eine Weile.

Die Seitenwände am Höhleneingang zitterten, verengten sich, öffneten sich wieder. Immer begleitet vom Heben und Senken des ganzen Gebirges, in dem die Grotte in die sündig schöne warme, feuchte und glatte, teilweise gewellte, genoppt und uneben in die Tiefe führte.

Die kleinen Forscher fanden das aufregend, schön und unheimlich reizvoll. Dann konnte man ein Rauschen vernehmen. Erst zart und leise, wurde es langsam lauter.

Der große Kopf des Lolli fuhr in immer schnellerer Folge in die Tiefe der Höhle, fuhr dann wieder zurück, jetzt aber nicht mehr soweit nach draußen. Sondern in kürzeren Intervallen in die sich stark bewegenden und immer stärker zuckenden Wände der Grotte, die sich außerdem öfter ganz stark zusammen zogen.

Es war das pure Inferno, das sich anbahnte. Die Forscher wurden zwischen den Wänden der Höhle und der auf und ab fahrenden dicken Keule mit dem Loch hin und her gewirbelt.

Sie konnten hier nicht mehr stehen oder sitzen, sondern wurden in allen Zwischenräumen durcheinander gewirbelt.

Das Rauschen hatte unterdessen eine Lautstärke erreicht, die kaum noch erträglich war. Aber woher kam dieser Lärm einer Meeresbrandung? Sie sollten es sofort erfahren. Denn plötzlich schrien, jaulten, heulten alle Sirenen der Welt, alle Tiere des Waldes, der Wiesen und der Lüfte brüllten auf. Aber nicht vor Schmerz oder vor Angst, sondern vor Freude und Erlösung.

Die starke Keule fuhr noch zwei, dreimal in die Tiefe der Grotte und blieb dann unverhofft mittendrin stehen.

Die Öffnung an der Spitze weitete sich urplötzlich und ein Strom einer dicklichen, weißlichen Flüssigkeit, die aussah wie dicke süße Sahne, kam in einem riesigen Schwall heraus, überflutete

alles. Dabei zuckte dieser Große super stark und alles ergoss sich in alle Hohlräume.

Die Wände der Grotte vibrierten so stark wie nie, dadurch wurde die Flüssigkeit noch zusätzlich vor und zurück und auf und nieder gedrückt und schleuderte dabei durch die ganze große Höhle. Der Schwall nahm kein Ende, das Wogen der dicken Wellen, das Zucken rundherum war infernalisch.

Nichts blieb an seinem Platz, alles war in Bewegung. In der weißlichen Sahne war ein quirliges Leben, eine freudige Stimmung verbreitende Lebensform zu sehen.

Das waren unendlich viele kleine, nur aus einem Schwänzchen und einem Kopf bestehenden Geschöpfe zu sehen. Sie schlängelten sich unter großem Gejohle, wie Sportler bei einem lustigen Wettkampf, in die Tiefe.

Da wo die zuckende Grotte ein Ende hatte, waren mehrere kleinere Gänge zu sehen. In diese Richtung bewegte sich alles. Wie als Zuschauer eines Wettkampfes kamen sich die Forscher vor.

Die große dicke Keule war bis ans Ende der nassen und glibberigen Grotte gestoßen und spritzte immer noch vieles ab. Die vielen Fädchentiere schlängelten sich unter großem Gejohle in alle Öffnungen, die vorhanden waren. Sie suchten anscheinend ein für sie wichtiges Ziel.

Noch war überall ein großes Zittern und Zucken, ein Stöhnen und Kreischen, ein Wispern und Flüstern, ein zärtliches Musizieren und auch Trommelwirbel zu fühlen und zu vernehmen.

Aber die kleinen , mutigen Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass alles langsam zu Ende geht und immer mehr eine befreiende glückliche Zufriedenheit sich ausbreitet.

Eine wunderschöne zarte Ruhe breitete sich aus. Der große Kopf mit dem dicken Stamm fuhr noch ein paar Mal in der Höhle hin und her, verspritzte noch einen Rest seiner Flüssigkeiten , während die Wände der Grotte aufhörten zu zucken und sich zusammen zu ziehen, sich wieder zu öffnen und lockerer wurden.

Die vielen kleinen Tierchen verschwanden langsam in den Nebengängen auf ihrer Suche nach dem Ziel ihrer Aufgabe. Aber nur einer wird Sieger sein. Alle Anderen haben den Weg umsonst gemacht.

Jetzt konnte man ganz deutlich sehen, wie der Große kleiner und auch dünner wurde und sich dann langsam zurück zog.

Und nun verließ er die Höhle und Licht kam durch die Öffnung ins Innere.

Die Forscher krabbelten aus der Spalte ins Freie. Mussten sich am Eingang noch durch dicht bewachsenes Gelände bewegen, stolperten dabei über viele kleine Hügelchen, wateten durch Pfützchen der unterschiedlichen Flüssigkeiten mit großen Mengen von den kleinen Kopf-und Schwanztierchen. , die auch hier überall aus der Grotte zurück geflossen kam, weil da drinnen kein Platz mehr war, diese Menge aufzunehmen.

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