Nikolai Fritz

TAUBEN FÜTTERN VERBOTEN

Stadtgeschichten

Bei einem Spaziergang durch meine Heimatstadt Basel entdeckte ich kürzlich ein Plakat. Auf diesem stand geschrieben: "Tauben bitte nicht füttern! Füttern führt zu Überpopulation, Stress, Krankheiten, Parasiten und Kotverschmutzung."

Das Gute kommt vom Himmel. Könnte man meinen. Doch weit gefehlt. Denken wir nur an die verschmutzte Luft, die täglich auf uns niederprasselt, den schwarzen Regen, das stinkende Kerosin und die unsichtbaren Krankheitserreger. Du weisst schon.

Gut möglich, dass fremde Mächte und herrschsüchtige Politiker mitverantwortlich für unser momentanes Unheil und Leid sind. Aber dann noch diese Tauben. Bitteschön. Nicht auch noch die. Nein, ich spreche nicht von diesen Menschen, die uns weder hören können noch verstehen wollen. Das ginge ja gerade noch. Ich meine diese Tauben. Genau die da. Unglaublich. Diese gurrende Masse hat längst überhand in den meisten Städten genommen. Sie allein bestimmt die Melodie des Tages. Ein ständiges Rauschen, Surren und Gurren ist uns gewiss.

«Patsch», klatscht es auf mein Haupt. Verärgert wische ich sie weg, die weisse Vogelscheisse auf meinem getroffenen Antlitz. Wenige Minuten später passiert es noch einmal: «Peng», und schon rutsche ich aus demselben Grund an so einer Tramhaltestelle mit erhöhtem Randstein aus. Neudeutsch nennt man diese angepassten Haltestellen «Barrierefrei». Was für die einen wie eine Erlösung scheint, kommt den anderen wie eine unangenehme und auch gefährliche Lösung vor. Diese hohen Haltekanten sorgen einfach für eine Verlagerung der Unzufriedenheit.

Doch wir schweifen ab. Kommen wir also wieder zu den Tauben. Diesen Herrschern der Lüfte und Königen der grossen Plätze. Mit ihrem Kot verzieren sie ganze Hausfassaden, antike Skulpturen und wasserarme Brunnen. Wer wagt es noch von den jugendlichen Sprayern zu sprechen? Die Tauben sind unsere wahren Feinde.  Diese Tauben.

Besondere Schadenfreude verspüre ich immer, wenn die grosse Kirchturmuhr bei mir um die Ecke so richtig lange schlägt. Und das tut sie wochentags dreimal. Wieso ich dies so genau weiss? Dank Homeoffice nimmt man bestimmte Dinge des täglichen Lebens viel bewusster wahr. Ob man will oder nicht. Nun, diese Täubchen verschwinden dann auch schon nach dem ersten harten Gong der Kirchturmuhr und werden für einige Minuten nicht mehr gesehen und vor allem auch nicht mehr gehört.
Schöne, heile Welt!

Natürlich hat sich in den Grossstädten dieser Erde längst eine «Anti-Tauben-Bewegung» entwickelt. Wie so oft geht es der Menschheit aber auch hier nur um Profit und Gier. Gier, nicht «Gurr…»

So wurde beispielsweise in Frankreich die sogenannte «SPB-Box» entwickelt. Die «Stop-Bird-Pro-Box» ist ein professionelles Gerät, welche modulierte Hochfrequenzen aussendet. Diese wirken sich auf das Nervensystem der Vögel aus und vertreiben sie. Selbstverständlich ist diese Erfindung des Himmels jederzeit für Mensch und Tier ungefährlich. Der Rest steht… Du weisst schon… auf der Packungsbeilage.

Stellen wir uns doch einmal vor, diese vielbeschriebene Taube wäre gar kein Tier, sondern ein Mensch. Einer, der vielleicht gar nicht so richtig hierhergehört. Dann würden wir doch tatsächlich unsere Nebenbuhler mit Brotsamen mästen, die wir ohne weiteres auch bedürftigen Einheimischen geben könnten. Es scheint einfacher zu sein, Tauben zu füttern als Mitbürger ordentlich zu verpflegen. Im ersten Fall braucht man ja nur seine Essensreste achtlos auf den Boden zu kippen. Sie bleiben bestimmt nicht lange liegen.

Mit den Menschen verhält es sich ähnlich wie mit den Tauben. Sie kommen dorthin, wo es etwas zu holen gibt. 

In diesem Sinne sende ich ein kräftiges «gurr, gurr…»

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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