Heinz-Walter Hoetter

Die unglaubliche Geschichte des Georg Brain

 


 

Es gibt die unmöglichsten Dinge im Leben, von denen man denkt, die können einfach nicht passieren, wie zum Beispiel diese kleine Geschichte hier von einem jungen Mann, der ein Mensch ohne Hoffnung auf Zukunft war. Doch dann geschah etwas, was er nie für möglich gehalten hätte.


 

Der 24-jährige Georg Brain war ein junger Mann, der es in seinem bisherigen Leben nicht leicht hatte. Sein Vater war ein Stadt bekannter Trinker, seine Mutter ging auf den Strich, die ihn wegen seiner entstellten Gesichtshälfte als Kind lieber in den Müll geworfen hätte, weil sie sagte, er sehe aus wie ein Monster und würde deswegen wohl auch nie eine Frau mitbekommen.


 

In der Schule war Georg ein Versager auf der ganzen Linie gewesen. Deshalb fand er später auch nur einen Job als Hilfsarbeiter in einem Klärwerk, wo er die ankommenden Fäkalien in einen großen Container schaufeln musste, der später von einem LKW in die nah gelegene Verbrennungsanlage gefahren wurde.


 

Ansonsten gab es über Georg nicht viel zu sagen, außer, dass er fast jeden Tag in diesem gottverdammten Klärwerk arbeiten musste, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Seine Wohnung, die nur aus einem kleinen Zimmer und einer winzigen Kochnische bestand, lag am Rande der Stadt in einem Elendsviertel mit ziemlich herunter gekommenen Menschen aus aller Herren Länder, von denen die meisten keiner geregelten Arbeit nachgingen und mehr oder weniger vom Drogenverkauf oder von der Prostitution lebten, Frauen wie Männer.


 

Aber auch Georg Brain hatte so seine Träume. Er träumte von einem anderen, besseren Leben und einem Gesicht, das nicht entstellt war und von einer Frau, die ihn begehrte, weil er in seiner Traumwelt schön und attraktiv aussah.


 

Eines Tages ging Georg wie immer frühmorgens in die Arbeit und marschierte zu Fuß von zu Hause los. Als er am Bahnhof ankam und die Treppe zu den Gleisen hoch ging, bemerkte er vor sich einen alten Mann mit einer schwarzen Aktentasche, der gerade auf seine Uhr schaute, die er aus seiner rechten Tasche gezogen hatte. Im gleichen Moment sah der junge Mann, wie etwas Funkelndes zu Boden fiel und dabei ein fast unhörbar klirrendes Geräusch verursachte. Der alte Herr hatte offensichtlich ein kleines, goldenes Kreuz aus seiner Tasche verloren, das mit einem Edelstein in der Mitte bestückt war, der wunderschön funkelte.


 

Georg bückte sich, hob das Kreuzchen auf und wollte es dem alten Mann zurückgeben, der aber zu seiner großen Überraschung plötzlich nicht mehr zu sehen war, als hätte ihn der Erboden verschluckt. Als der Zug schließlich einfuhr, stieg Georg ein, steckte das goldene Kreuz mit dem Edelstein in seine Jackentasche und fuhr in die Arbeit.


 

Auf der ganzen Zugfahrt döste Georg in seinem Abteil vor lauter Müdigkeit dahin, bis ihn auf einmal ein seltsames Flüstern aus seinem Dämmerschlaf riss. Die leise Stimme schien aus seiner Jackentasche zu kommen, wo er das Kreuzchen hinein gesteckte hatte.


 

"Ich mache alle deine Träume wahr! Du musst mir nur sagen, was ich für dich tun soll!" sagte die leise Stimme zu ihm, was der junge Mann im ersten Moment für einen Spuk hielt, weil er noch nicht ganz wach geworden war, wie er dachte. Aber das Flüstern war da, denn die sanfte Stimme sprach weiter.


 

"Ich kenne deine Sehnsüchte, Georg. Ich werde sie dir alle erfüllen, solange du mich bei dir trägst. Ich bin das goldene Kreuz mit dem Edelstein in deiner Tasche, das du auf dem Bahnsteig gefunden hast. Der alte Herr vor dir trug mich über 80 Jahre mit sich herum, aber er braucht mich jetzt nicht mehr, weil er bald sterben wird. Ab sofort gehöre ich dir, bis auch deine Zeit kommen wird, um für immer dieses Leben zu verlassen. Bis dahin aber werde ich dir jeden Wunsch verwirklichen, den du mir zuträgst. Fange gleich damit an, wenn du willst. Ich bin bereit und zeige dir, dass alle deine Träume für dich Wirklichkeit werden."


 

Als Georg Brain die letzte Bahnstation erreicht hatte, wo er aussteigen musste, ging er sofort auf eine der Schaufensterscheiben zu und betrachtete voller Glück sein neues Gesicht, das nicht mehr entstellt war. Er trug außerdem einen schicken Anzug und einen modischen Mantel aus dem besten Stoff, den man überhaupt auf dem Markt bekommen konnte. Auch Geld hatte er genug bei sich. Neben ihm ging eine wunderschöne junge Frau, die verliebt seine rechte Hand hielt und immer wieder voller Glück an ihm hoch blickte. Um seinen Hals hing an einer Kette ein goldenes Kreuz mit einem Diamanten in der Mitte, der gerade zu funkeln begann, als der junge Mann einen neuen Wunsch aussprach, der ihm augenblicklich erfüllt wurde.


 

Georg Brain und seine schöne Frau traten in den Schatten einer kleinen Seitenstraße und waren von einer Sekunde auf die andere verschwunden.


 

Wohin die Reise der beiden ging, das kann ich euch auch nicht sagen, denn das weiß nur Georg Brain selbst.


 

ENDE


 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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