Qayid Aljaysh Juyub

Mieter von Renovierungsarbeiten sehr überrascht!

So ganz glaubten die ca. 150 Mieter der Dicke-Banker-Siedlung den Augen nicht zu trauen, als die Baukolonnen der Positiva Redittum Dekonstrukta GmbH –auch Betreiber des allseits beliebten Inkassobüros ‚Tscheka‘- ihre Wohnungen ohne Vorankündigung renovierten. 
Ab 05:30 Uhr MEZ begannen die Mitarbeiter der dynamischen Baufirma ohne festen Wohnsitz mit Hilfe von Äxten ihre Verschönerungsarbeiten an den Türen der einzelnen Wohneinheiten. Leider gelang es den unerklärlicherweise überraschten Mieter, die es leichtfertig mehrheitlich versäumten, den entsprechenden Aushang der Verwaltungsgesellschaft GULAG GmbH am schwarzen Brett in ihrem Firmensitz auf den schönen Cayman Islands zu studieren. Dummerweise bestand auch keine Möglichkeit einer verbalen Kommunikation mit den eifrigen Sanierern, da diese aus Kostengründen in der Inneren Mongolei von der menschenfreundlichen, chinesischen Regierung mit dem Lasso eingefangen bzw. mit vorgehaltener Kalaschnikow zusammengetrieben und an die Positiva Redittum Dekonstrukta GmbH für eine Handvoll Dollar als ‚Leiharbeiter‘ verkauft wurden. Nach dem Modernisieren der Eingänge setzten die ehemaligen mongolischen Nomaden ihre Arbeit, die sie nach Angaben eines der peitschenbewährten Kapos anhand von einfachen Zeichnungen erlernten, an der Inneneinrichtung der einzelnen Wohnungen fort, wobei der eine oder andere Bewohner versehentlich schon einige sanierende Axthiebe abbekam. Nach der Entrümpelung der Wohneinheiten und unter Zurücklassung einer Menge schönen Feuerholzes zogen sich die Bauretter unter motivierenden Peitschenhieben ihres Aufsichtspersonals um 23:59 Uhr zurück.
In der Versammlung der noch unbeschädigten Mieter am Folgetag, die unorthodox unter Verwendung wohnungsdurchkämmender, bewaffneter Sicherheitskräfte einberufen wurde, betonte der GULAG-eigene Referent für Mieterentsorgung, Dr. Lawrenti Beria, ‚man‘ sei völlig überrascht gewesen, dass die Bewohner sich dermaßen ausländerfeindlich verhalten und beispielsweise die mongolischen Fachkräfte bei ihrem demontierenden Werk nicht unterstützt hätten. Außerdem bedauerte Dr. Beria zutiefst, dass die verstockten Mieter nicht das großzügige Angebot, das er vor einigen Tagen sich beschwerenden ‚Mietlingen‘ gegenüber äußerte, nicht annahmen und partout nicht gedächten, ihren Wohnsitz unter die Autobahnbrücke zu verlegen. Dabei böte die halbstaatliche Verwaltungsgesellschaft doch jedem Umzugswilligen die gewaltige Summe von 50 Euro als Starthilfe für ein neues, wenn auch kurzes Leben! Ob denn diese ‚Querulanten‘ nicht begriffen, dass hier kostengünstige Luxuswohnungen für notleidende Bestverdiener entstehen sollten, denen man unmöglich zumuten könne, mit Asozialen zu leben! Außerdem bräuchten die neuen Luxusbewohner keine Kohlen mehr aus dem Keller zu holen oder etwa den Schimmel von den Wänden zu kratzen. Weil er selber Sozialdemokrat sei und ein fairer Mann gäbe er dem renitenten ‚Pack‘ nun eine letzte Chance, entweder ihre Behausungen umgehend zu räumen oder mit der tatkräftigen Unterstützung seiner schwerbewaffneten Sicherheitsleuten Suizid zu begehen. Die einfühlsame Art des Referenten überzeugte nun den Großteil des unfreiwilligen Auditoriums zum ‚Wohle der Allgemeinheit‘ auf ihre bescheidenen Unterkünfte zu verzichten, sodass nur ein geringer Anteil der Anwesenden es vorzog, in eine bessere Welt befördert zu werden; aber kann man das denen verdenken.

Ein entspanntes Wochenende wünscht JU

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.01.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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