Marion Batouche

DIE UHR

DIE UHR

Es war schön, wieder hier zu sein. 

Man verlässt irgendwann den Ort, der einem bisher so vertraut war und Geborgenheit vermittelt, sein Zuhause. 

Dies waren meine ersten Gedanken als ich erwachte und die Schläge des wunderschönen Glockenspieles unserer alten Uhr hörte, der Uhr meines Vaters. Er hatte sie sich so gewünscht  und sich eines Tages diesen kleinen Traum erfüllt. Sie hing jetzt im Wohnzimmer und doch konnte ich sie noch eine Etage höher schlagen hören. Der Klang ihres schönen Westminster Schlagwerkes schwebte immer weiter im Raum. Sie schlug zu jeder viertel, halben, dreiviertel und vollen Stunde. An ihr hingen viele meiner Kindheitserinnerungen, gute und auch sehr traurige. Meine Mutti hatte oft versucht, meinem Vater diese Uhr auszureden. Letztendlich gab sie sich aber dann geschlagen.

Bei dem Klang dieser Wanduhr ist so viel passiert. Sie war immer da und hängt bis heute an ihrem Stammplatz,  auch wenn Mutti es nicht mehr hören kann. Sie hat ihre Schläge im Innersten gezählt als sie damals schwer erkrankte und auf der Couch im Wohnzimmer direkt unter der Uhr gelegen hat. Ihr leises Ticken hat mich immer beruhigt wenn niemand da war, sie gehört einfach hierher , in diese Umgebung. 

Ich schlage die Decke zurück und gehe leise nach unten, schlafen kann ich wohl nicht mehr. Ich setze mich in die Wohnstube und lausche erneutem Klang der Uhr. Dann muss ich wohl doch nochmals eingenickt sein.

Marion Batouche am 03. Februar 2021
Es wäre der 87. Geburtstag meiner Mutter


 

 

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Stille Sehnsucht: Gedichte von Marion Batouche



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Marion Batouche, geb. 1962 in Waren an der Müritz; lebt zur Zeit mit ihrem Mann und ihren beiden erwachsenen Kindern in Lilienthal bei Bremen. Sie arbeitet seit dreizehn Jahren als Sachbearbeiterin in einer Bremer Im- und Exportfirma und füllt ihre Freizeit damit aus, Gedichte zu schreiben.

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