Die Verabredung
Joachim betritt froh gelaunt das Büro. Sein Kollege Erwin ist schon da. Die Begrüßung fällt nicht wie gewohnt freundlich aus. Ein kurzes „Hallo“ reicht Erwin.
„Was für eine Laus ist dir über die Leber gelaufen“, will Joachim wissen. “Gestern warst du den ganzen Tag über frohen Mutes und heute …“
Erwin fällt seinem Kollegen ins Wort „Erinnere mich nicht an gestern“, bittet er.
„Nun erzähl schon. Was ist passiert?“
„Wie du weißt, war ich gestern Abend verabredet. Ein sogenanntes Date stand an.“
„Ja und? Ist es nicht so gelaufen, als wie du es dir vorgestellt hastest? Bist du enttäuscht?“
„Enttäuschung ist wohl das richtige Wort.“
„Zu klein, zu dick? Zu groß, zu klein? Hässliches Gesicht? Zu lange Haare zu kurze Haare?. Hat sie gelispelt, zu viel erzählt zu wenig? Nun lass dir doch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen, Erwin.“
„Ich bin über mich selbst enttäuscht. Ich bin gar nicht hingegangen.“
„Was? Du bist nicht hingegangen? Verstehe ich nicht.“
„Ich verstehe mich auch nicht. Je näher der Zeitpunkt kam, zur Verabredung zu gehen, je mehr Zweifel kamen mir. In meiner Fantasie spielten sich Horrorgeschichten ab. Ich wollte mir Enttäuschungen ersparen, Joachim.“
„Und geht es dir mit deiner Entscheidung nicht hinzugehen gut?“
„Natürlich nicht.“
„Eines muss ich dir an dieser Stelle sagen: Wer im Vorfeld glaubt, er könnte enttäuscht werden, wird enttäuscht. … Übrigens, bist du dir sicher, dass der Termin für deine Verabredung gestern war?“
„Ja natürlich. Wieso fragst du?“
Na, weil ich auf deinem Tischkalender ein kleines rot ausgemaltes Herz erkennen kann, dass mir sagt, dass Deine Verabredung nicht gestern war, sondern heute stattfinden soll.“
Erwin schaut Joachim an und blickt anschließen auf seinen Kalender.
„Du hast recht, ich bin erst heute verabredet.“
„Ich hoffe, Du gehst vorurteilsfrei zu deinem Date. Und lass es Dir eine Lehre sein: Erst wenn etwas vorbei ist, lässt sich sagen, ob es sich gelohnt hat. Wer schon morgens wissen will, dass er am Abend enttäuscht sein wird, ist entweder ein Hellseher oder ein Narr. Beides passt nicht zu Dir.“
„Ich verspreche dir, mich auf das Date einzulassen Joachim.“
„Na denn viel Spaß Erwin.“
„Werde ich haben.“
Richtige Einstellung! … Hast schnell gelernt. Bin stolz auf Dich“
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.02.2021.
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