Tina Kaiser

Christian - echte Männer tragen Stiefel

Emily hangelt sich hinüber zur Beifahrerseite. Es is zu warm verdammt. Der Typ hinter ihr denkt bestimmt, dass sie ein wenig dusselig sei, bei ihrem Fahrstil. Egal, soll er doch mal versuchen, während des Fahrens das blöde Beifahrerfenster herunterzukurbeln. Nein, dass kann er ja nicht, in seinem nagelneuen Mercedes. Tja, eine normal Angestellte kann sich eben nicht alles leisten. Lieber fahre ich mit meinem alten Passat in den Urlaub, als einen neueren Wagen zu fahren und dafür kein Urlaub zu haben.

Ich freue mich schon so sehr auf diese Woche und bin wirklich aufgeregt. Die Range sah auf den Fotos in der Urlaubsanzeige wunderschön aus. Ein idyllisches Stückchen Land irgendwo im nirgendwo. Perfekt. Ich kenne mich gut mit Pferden aus und reite sehr gern. Egal wie viele Probleme und Sorgen manchmal präsent sind, sobald ich in der Nähe eines Pferdes bin, kann ich mich vollkommen entspannen und vergesse alles.

Noch 5 Minuten. Oh Gott. Nur noch drei Minuten. Hoffentlich war das eine gute Idee. In 200 Metern bin ich da… ich freue mich ja so dadrauf… . Ich bin da. Hier ist es. Wow. Entlang der langen Einfahrt sind links und rechts Pferdekoppeln. Geradezu ist das große Haupthaus. Es sieht beeindruckend aus in dem Licht, welches die dahinter untergehende Sonne darauf wirft. Rechts neben dem Haupthaus ist der Pferdestall und daneben ist eine kleine Holzhütte. Das ist meine Holzhütte. Wunderschön.

Ich parke vor dem Haupthaus und steige aus. Die ältere Dame des Hauses, Liesbeth, sagte mir ich solle dann einfach klingeln, wenn ich angekommen sei. Ich bin angekommen. Also muss ich jetzt klingeln.

DING DONG DING

Wow, eine lange Klingel. Da kommt jemand. Die Tür geht auf und … ein Mann steht vor mir. Ein COWBOY. Ein attraktiver, gut aussehender, sexy COWBOY. Oh mein Gott.
„Hey du musst Emily sein, meine Mutter hat erzählt, dass du kommst.“
Oh ja, das tue ich! Mindestens fünfzehntausend Mal! Ich sollte was sagen, anstatt ihn, wie bekloppt anzustarren. Nein. Ein bisschen kann ich noch warten und seinen Anblick genießen. So hübsch.
„Die Gästehütte ist leider defekt, deswegen musst du bei uns im Haus schlafen, ich hoffe das ist okay für dich. Du kannst in meinem Zimmer schlafen, ich schlafe auf der Couch im Wohnzimmer.“
Okay. Jetzt sollte ich wirklich langsam auch mal was sagen, eh ich vollkommen neben der Spur rüberkomme.
„Kein Ding!“, sage ich und zeige mit dem behindertsten Grinsen, was ich aufsetzen konnte, ein Däumchen. Der muss auch denken ich wäre ein bisschen dumm. Er bittet mich rein und ich folge ihm ein Stück ins Haus hinein. Um meinen unfassbar guten Eindruck zu verbessern, sage ich lieber noch was: „Aber nich, dass du denn nachts in mein Bettchen kriechst.“
Na super du Vollidiotin! Was soll denn der Mist! Was wollte ich denn damit erreichen? Eigentlich hoffe ich, dass er jetzt sagt, dass es durchaus passieren könne und dabei frech grinst. Oder, dass ich ihm diese Idee ins Unterbewusstsein gepflanzt habe, weswegen er dann denkt, es sei seine Idee und es in die Tat umsetzt. Bekloppt.
„Keine Sorge, das wird definitiv nicht passieren.“
Natoll. Er findet mich hässlich. Oh Gott, wie konnte ich auch nur denken, dass er auch auf mich stehen würde! Sowas dummes. Er kann mich bestimmt nicht leiden. Bestimmt hat er eine wunderschöne Freundin. Ich bin nur irgendein Gast. Ein Name für eine Woche. Für ihn spielt es keine Rolle, ob ich 80 Jahre alt bin und Falten habe oder nicht. Er findet mich unattraktiv.
Ich fühle mich dumm und versuche das wieder gerade zu biegen.
„Schade.“
NEIN! Was zu Hölle stimmt denn nicht mit mir!
Er grinst daraufhin nur. Toll. Er lacht mich aus. Naja. Dann habe ich halt Pech. Wunderschöner Cowboy, der mich für dumm und hässlich hält. Super. Dann soll es eben nicht sein. Ist mir auch recht so. Ich will ihn gar nich. Zumal er sich mir noch nicht einmal vorgestellt hat. Sowas unhöfliches. Tzz, mir ist auch komplett egal, wie der Typ heißt. Interessiert mich nicht.

Als wir die Treppe hinaufsteigen, er vor mir, stolpere ich, weil mich sein Hintern ablenkt. Verdammt. Ich mag ihn nicht. Ich steh vielleicht auch nicht auf ihn. Genau. Er soll ruhig wissen, dass eine angesehene Frau von Welt sich nicht um einen Cowboy schert und er bei mir keine Chance hat, weil er null mein Typ ist. Hinterwäldler.
Er weist mich in mein Zimmer und ich schreite hohen Hauptes hinein. Tzz.
„Das Frühstück ist um 9, aber das hat meine Mutter dir sicher schon gesagt. Hast du alles, was du brauchst?“
Verdammt. Sage nichts Emily. Sei still. Halt einfach die Klappe. Er findet mich hässlich. Er steht nicht auf mich. Pa! Ich auch nicht auf ihn!
„Nein.“, sage ich und sehe ihn langsam von oben bis unten an und wieder zurück und beiße mir dabei auf die Unterlippe.
Du bist auch so blöd. Lass es doch einfach. Was willst du denn noch? Er hat dir deutlich gezeigt, dass du nicht sein Typ bist. Willst du, dass er dir sagt, dass er dich unattraktiv findet und du ihn in Ruhe lassen sollst? Sag jetzt was, damit er nich denkt, dass du ihn anhimmelst wie ein Schulmädchen!
„Ja ne lass mal Süßer.“
Bääm. 
Ich schiebe ihn aus der Tür, lächle ihn nochmal netterweise bemitleidenswert an und schließe die Tür. Phu, geschafft. Vielleicht ne Spur too much, aber egal. Hat er Pech. Mir ist auch immer noch egal, wie er heißt. Ich will es gar nicht wissen.
Wie könnte er heißen? Was für ein Name würde ihn unsexy machen? Desirée, Henriette oder Jaqueline. Okay. Welcher Männername würde ihn unsexy machen? … … … …
Ich bleibe einfach bei Desirée. Eine gute Idee.

Diese Nacht war die beste, die ich jemals hatte. Ich habe bestimmt noch nie so gut geschlafen!
Ich ziehe mich an, wasche mich und gehe hinunter zum Frühstück. Desirée ist bestimmt nicht da. Der muss bestimmt Rasen mähen oder sowas in der Art. Ich mag ihn nicht. Ich quatsche ihn auch nicht mehr dumm von der Seite an. Wenn er Interesse an mir hat, dann soll er mich doch ansprechen. Ich habe es nicht nötig einem Typen hinterherzurennen.
Na toll, Desirée steht am Abwaschbecken vor dem Fenster.
„Na du! Wie war deine Nacht auf der Couch?“
Verdammt, es ist mir egal. Warum kann ich nicht einfach damit aufhören!
„Gut und deine?“
Mh, was soll ich sagen? Dass ich nie wieder woanders schlafen will? Dass er blöd ist? Dass ich ihn unglaublich toll finde?
Ich zeige einfach wieder, mit meinem behindertsten Grinsen, ein Däumchen. Toll. 
Liesbeth kommt mir entgegen: „Ach Kindchen, du musst Hunger haben. Komm, setz dich. Christian kümmert sich um dich.“
Unsere Blicke treffen sich. Moment mal! Warte! Kann es sein, dass er gerade das Gleiche dachte, wie ich? Er sieht jedenfalls weder gelangweilt noch desinteressiert aus. Vielleicht steht er ja doch auf mich. Christian. Liesbeth huscht einfach wieder aus dem Raum heraus.
Ich setze mich an den gedeckten Tisch. Jetzt sind wir allein und ich bin unfassbar aufgeregt. Er trocknet sich die Hände ab und verschwindet aus der Küche. Toll. Ich sitze da wie bestellt und nicht abgeholt. Allein. In einer fremden Küche mit gedecktem Tisch. Was soll ich jetzt machen? Soll ich jetzt schon essen oder kommt er wieder? Oder hätte ich mit raus gehen sollen? Soll ich alles dann wegräumen oder nicht? Oh Gott, ich weiß nicht, was ich tuen soll! Ich warte einfach, bis er wieder da ist. … … …

Seit einer viertel Stunde sitze ich jetzt hier rum und warte. Ich Dummkopf. Wie unbeholfen. Ich höre, wie die Haustür geöffnet wird. Oh Gott, er kommt wieder! Was soll ich tun? Ich muss schnell irgendetwas tun, damit er nich merkt, dass ich hier die ganze Zeit still auf meinem Stuhl saß und auf des Cowboys Rückkehr gewartet habe! Soll ich auf meine Uhr gucken? Nein, lieber nicht. Oh ich esse einfach schon! Nein, lieber nicht. Ich gehe zum Fenster und schaue raus. Nein. Denn hätte ich ihn ja kommen sehen müssen. Ich… Die Küchentür geht auf. Ich sehe, auf meinem Stuhl sitzend, abrupt zur Decke und trommle mit den Fingern eine Melodie auf dem Tisch. Super. Emily du Trottel.
„Hast du noch gar nichts gegessen!?“
Er klingt super verwundert. Kein Wunder. Ich sehe ihn an und sterbe. Er trägt einen dunkelbraunen Cowboyhut, ein halb-offenes rot-schwarz-kariertes-Holzfällerhemd, nichts darunter, hellblaue Jeans und Cowboyboots. Oh mein Gott! Ich sterbe. Er geht zum Waschbecken und wäscht sich die Hände. Ich muss ihm nachsehen. Dann geht er wieder zur Küchentür und schließt sie und geht zur Kommode hinter mir. Die ganzen Meter über muss ich ihn anstarren. Ich glaube ich habe seit 2 Minuten nicht mehr geatmet. Was tut er eigentlich da? Er dreht sich um und stellt eine Vase mit Blumen darin auf den Küchentisch. Wow.
„Ich dachte du freust dich darüber, dort hinten auf der Wiese sieht sie ja niemand.“
Er hat nach dem Holzhacken Blumen auf einer Wiese für mich gepflückt. Ich muss diesen Mann auf der Stelle heiraten! Verdutzt sehe ich auf die Blumen, die in der Mitte des Tisches stehen. Wow.
Er steht links neben mir. Nicht hinsehen.
Er setzt sich einfach auf den Tisch. So halb. So richtig sexy. Oh man, was wir hier alles machen könnten mit diesen sexy Beinen in dieser sexy Jeans. Dieser tolle Hintern, der jetzt neben mir auf dem Tisch sitzt. Mit diesen schönen Händen, die er auf diesen sexy Beinen gelegt hat, an denen diese unglaublichen Arme dranhängen. Und diese tolle Brust mit diesen breiten Schultern dran, unter diesem Hemd, was er nie wieder ausziehen darf. Und dieses verführerische Lächeln. Lächeln? Oh nein! Er hat mich die ganze Zeit beobachtet, wie ich ihn jetzt bestimmt 12 Stunden sabbern angegafft habe! Ich seh schnell wieder zu der Blumenvase. Nur nichts anmerken lassen. Cool bleiben. Perfekt. Er bringt mich nicht aus der Fassung. Ich bin cool. Mega cool. Verdammt! Wo sind denn die Blumen!? Vollkommen verwundert suche ich den Tisch nach der Vase ab.
„Suchst du DIESE Blumen?“, fragt er und zeigt auf die Vase, die jetzt hinter mir auf der Kommode steht!
Was! Ich sehe ungläubig von der Kommode zum Tisch hin und her und verstehe es nicht. Wann zur Hölle hat der denn die blöde Vase weggestellt! Verdammt. Der kann zaubern.

„Ich muss dich ja ziemlich ablenken.“, sagt er und grinst mich triumphierend an.
Blödmann. Ich muss weggucken.
„Wenn du der Meinung bist.“, sage ich, während ich lächerlich die Augenbrauen hochziehe und wegschaue.
Ich sehe jetzt aus dem Fenster und beiße in mein Brötchen, welches ich mir vorhin aufgeschnitten hatte. Ich ignorier ihn einfach. Ich esse mein Brötchen und gucke lässig aus dem Fenster.

„Isst du dein Brötchen immer so trocken?“
Was? Ich sehe auf mein Brötchen. Mist. Ich habe vergessen es zu beschmieren. Ich sehe ihn an. Er grinst triumphierend. Blödmann.

Nach dem unvergesslichen Frühstück muss ich mich umziehen, denn ich reite nachher aus! Juhu! Liesbeth sagte mir, dass sie sicherheitshalber jemanden mit reiten lässt, damit ich mich nicht verreite. Seht gut. Endlich weg von Christian. Ruhe.
Auf dem Weg zum Stall genieße ich die Sonne und die Landluft. Ich liebe es hier. Ich biege in den Stall hinein und sehe Christian, wie er mir mein Pferd fertig macht. Mh. Naja, ich bin ja gleich wieder weg. Ich schmuse ein wenig mit dem Pferd, während der Cowboy mein Pferd putzt. Christian legt jetzt den Sattel auf das Pferd und abgesehen davon, dass er dabei umwerfend gut aussieht, rutsch sein Shirt hoch und ich kann ein bisschen Hüfte und Bauch sehen. Oh Gott. Wie gern würde ich ihn an den Schlaufen seiner Jeans, wo man den Gürtel durchzieht, nehmen und zu mir heran ziehen. Ich sehe hoch, er grinst. Mist.
Als er mir auf das Pferd hilft, stellt er sich ganz dicht neben mich. Ich kann seine Körperwärme spüren. Verdammt. Hilfe. Wie kann man nur so sexy sein? Er hilft mir herauf und ich bin glücklich. Reiten. Pferd. Western. Ausritt. Kein Christian. Ruhe.
Er dreht sich um und geht… . In eine Box, schwingt sich auf das gesattelte Pferd und reitet auf mich zu. Verdammt, was soll denn das.
„Ich dachte es sei besser, wenn ICH dich begleite, ich kenn die Wege hier am besten.“
Ja, das glaube ich, dass ER die Wege am besten kennt! Also die Ausreitwege… . Naja, dann ist das halt so. Stört mich nicht. Ich reite aus, ich bin glücklich.
Auf der großen Wiese reitet er neben mir. Wow. Wie sich seine Hüfte bewegt. So sexy. Ich stell mir vor, wie er das mit oder ohne Sachen woanders macht. Oh mein Gott. Das kann er den ganzen Tag lang machen. Dazu noch diese schönen Arme und Hände mit denen er ganz leicht die Zügel hält. Mh, wie er mich halten würkrrtzzzAARRRKKTZZT! WAS! AH! SCHEI.. VERDAMMT!!!
Uff. Mein Pferd ist gerade schnurstracks durch vierzigtausend herunterhängende Äste eines Baumes gelatscht. Toll. Jetzt seh ich aus wie ein Zausel, mit Blättern am Hut und zerschrammten Gesicht. Ich höre es neben mir lachen. Haha, wie witzig.
Ich sehe zu ihm herüber und mache: „Grrr.“

„Oho! Hast du mich gerade angeknurrt?“, fragt er immer noch lachend.
Ich schüttle desinteressiert den Kopf und reite weiter, muss jedoch über mich selbst grinsen.

Wie blöd ich mich doch manchmal anstellen kann….

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.02.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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