Elke Müller

Amerika....

Der Mond schien milchig vom Himmel, leichte Nebelschleier zogen langsam über den Boden und die Umgebung verschwamm, wurde plötzlich fremd. Die kleine Gruppe um Heika, trieben ihre Pferde eilig voran, mussten sie doch auch vor möglichen Verfolgern auf der Hut zu sein. Splinter an der Spitze, hob öfter den Kopf, nahm Witterung auf, ob irgend eine Gefahr drohte, entspannte sich und rannte dann mit großen Sprüngen wieder vorne weg, Hindernisse umging er geschickt, immer in der Richtung der bewaldeten Hügel zu. Ihre Ankunft im Jagdlager der Lakota am späten Nachmittag, wurde von bellenden Hunden, durcheinander schreiende Frauen und Kinder begleitet. Die Männer bildeten schließlich ein Spalier, wo die Ankömmlinge hindurch ritten, wobei man mit Argwohn, Salida anstarrte. Diese sitzt geschmeidig im Sattel und sah sich mit wachen Blick um. Bevor Redmon aus den Sattel stieg, trat Abigail mit einer Schwarzhorn- Robe geschützt, schon aus seinem Zelt und blickte zu ihnen hin. Auch Ashley in einer bestickten blauen Decke gehüllt, begrüßte die Neuankömmlinge freundlich. Danach lud Abigail alle einander in sein Zelt ein. Heika musste seine brennende Ungeduld zügeln, so schwer es ihm auch fiel Ashley in die Arme zu schließen. Redmon ist seine Unruhe nicht entgangen. Aber Gastfreundschaft ist heilig und wird streng eingehalten. Es war ein gutes Jagdjahr gewesen und die Vorräte gut aufgefüllt. Man setzte sich an die Rückenlehne nahe an der Feuerstelle zusammen. Es war ihnen anzumerken, dass sie eine weite und anstrengende Reise hinter sich gebracht hatten. Im Moment machten wohl alle einen ungepflegten verwilderten Eindruck. Aber das spielte keine Rolle mehr. Nach Versorgung der Wunden, legte sich allmählich die ganze Aufregung. Ashley beugte sich vor, um Feuerholz nachzulegen, deutlich konnte man ihr langes schönes mit Bändern geflochtenes dunkles Haar, das zarte ernste Gesicht, über dessen eine dunkle Schwermut lag, sehen. Danach brachte sie Schalen mit Fleischbrühe für die Gäste. Im Kochkessel schmorte zartes saftig gebratenes Bisonfleisch, auf geflochtenen Matten lag frisches angemachtes Gemüse und gebackenes Rohrkolbenwurzelbrot bereit. Man aß mit großen Appetit. Anschließend wartete man geduldig, was sie wohl zu erzählen hatten. Denn man musste warten, bis sie selbst sprachen. Es erfolgte eine Reihe unwichtiger Bemerkungen um endlich zum Wichtigen zu kommen. Man beschloss eine Ratsversammlung einzuberufen wo ihre Abenteuer in allen Einzelheiten geschildert werden sollte. Nach ein paar Tagen war es dann so weit. Mit langsamen rhythmischen Trommelschlägen rief man zur öffentlichen Versammlung ins große Zelt ein. Zuerst kamen die jungen Krieger, dann die erfahrene Krieger und zuletzt traten die Häuptlinge und Schamanen ein. Man setzte sich ihren Rang entsprechend rechts oder links im Kreis am Feuer nieder. Alle anderen bildeten den äußeren Kreis. Zum Schluss betrat der Ratshäuptling das Zeltinnere. Er war ein hoch geachteter weißer Krieger mit hohen Rang. In seiner Hand lag, aus weißem Hirschleder gefertigtes Futteral. Die Hülle war kunstvoll mit Perlen bestickt. Darin befand sich eine sehr alte fein geschnitzte Pfeife aus rotem Stein. Ein Heiligtum, welches von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Als er die Pfeife aus der Hülle holte, trat Stille ein. So wie es Sitte war, diente Büffeldung als Anzünder, welcher aus dem Feuer geholt und durch kräftige Züge am Pfeifenkopf, den heiligen Tabak entzündet. Anschließend hob er die Pfeife empor und dankte Watantanka, dem Schöpfer. Zog erneut an der Pfeife und blies den Rauch in alle vier Himmelsrichtungen. Hielt dann erneut die Pfeife hoch, um nochmals das großen Geheimnis zu ehren und reichte sie an den Schamanen, an seiner linken Seite weiter. Die Pfeife umrundete nun einmal den Kreis bis sie wieder an den Ratshäuptling übergeben wurde. Noch einmal wurde die Pfeife empor gehalten, dessen Asche verstreut und in die kunstvolle Hülle zurück gesteckt. Damit war die Ratsversammlung eröffnet. Alle, jeden Alters, hörten nun aufgeregt und gespannt zu, was alles geschehen war.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.02.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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