Karl-Konrad Knooshood

Die schwarze Brücke

 

 

 

Schwarzgewandet, schwarzgekleidet, mit schwarzlackierten Fingernägeln (da ich ein Emo, ein Goth, eine "schwarze Seele" bin, was nicht heißt, dass ich schwarzbrenne oder schwarz-weiß denke) fuhr ich als Schwarzfahrer mit dem schwarzen ÖPNV-Bus des A-Teams zur Schwarzarbeit ins schwarze Kohlekraftwerk in Hinterschwarzstadt im Schwarzwald, das Stück Schwarzwälder Kirschtorte noch im Schwarz des Magenlochs rumoren spürend. Mein Name ist übrigens JESSICA SCHWARZ, wie die Schauspielerin, und ich bin im Besitz sog. Schwarzkopien eines Blaxploitation-Films namens "Blacula". "Schwarzleben zählt" steht auf meinem pechschwarzen T-Shirt, meine kohlrabenschwarze Tasche ziert das Logo: "Ich sehe schwarz". Im doppelten Sinne trifft dies auf mich zu: Ich sehe schwarz, was den Zustand dieser finsterschwarzen Gesellschaft betrifft – und ich zahle schon länger keine Rundfunkgebühren mehr, sehe also "schwarz". Ich hab rußschwarze Tattoos im Henna-Style, schwarzen Lidschatten, schwarze Socken, schwarze Strumpfhosen, schwarze Brauen und Wimpern.  Ich steh auf schwarze Küsse, schwarze Decken, schwarze Deko, schwarze Vorhänge und Gardinen, schwarze Tapeten, unter Schwarzlicht lackiere ich meine Nägel schwarz, schwarz sind meine Türen, Träume, Traumata – und ich esse gern Schwarzbrot und trinke schwarzen Tee dazu. Auch Cola, im Lichtschimmer eher karamellbraun, ist colaschwarz im Dunkeln – wo übrigens gut Munkeln ist. Ich schwärze gern meine nichtschwarzen White-Supremacists-Nachbarn, meine Schwarzen-Feinde wegen Schwarzparkens an – oder wenn sie ihren Restmüll nicht in die schwarze Tonne oder ihren Biomüll statt in die braune wiederholt in die schwarze schmeißen.

 

Schwarze Schokolade, dieses dunkle Teufelchen, nasche ich höchst selten, höchstens in schwärzester, mondloser Nacht, wenn niemand mich erwischen kann. Ein schwarzes Leben, eines auf Pump – und wenn wer was kritisiert, spreche ich plump: "Du Nazi, du Fanboy von TRUMP!",

 

Die schwarze Brücke,

das schwarze Regendach,

die schwärzeste Krücke,

der tiefschwarze Bach,

 

Wenn ich jemals lach,

dann findet 's im (schwarzen) Keller statt,

da dieser Hubschrauber, ach,

langschwarze Propeller hat,

 

Setz mich beim Schach,

bitteschön schachmatt,

schenk mir die Schmach,

die Figuren nehm ich, natürlich die schwarzen,

schwarzfahren bei allen Verfahren,

nicht zu viel auf schwarze Lunge quarzen,

doch umso mehr später sehr hartzen,

bin mir beim schwarzen Kaffee im Klaren,

dass ich, mit spitzen, schwarzen Molaren,

durch alles Schwarz zur schwarzen Wahrheit gelange…








(02.10.2020)(C) 2021, Kschwarzknarzerknooshood 


Stulle: Endlich mal wieder eine Kurzgeschichte, was?

Knooshood: Exakt, mein alter Freund.

Stulle: Eine Kurzgeschichte, die wiedermal in einem Gedicht endet. Was von beidem ist es denn nun?

Knooshood: Eine Kurzgeschichte, eher ein Wortspiel. Mit dem Wort "schwarz" für die wohl
einflussreichste Farbe der Welt, abgesehen von seinem Gegenstück "weiß"...

Stulle: ...der Geier.

Knooshood: Que?

Stulle: "Weiß der Geier". Wolfgang Petry.

Knooshood: Ach so. Sooo weit würde ich nicht gehen.

Stulle: Zum ersten Mal ein Gedicht, das sich an den Prosatext anschließt.

Knooshood: Im Prinzip ja. Sonst hatte ich immer erst den Poesie-Part, dann den Prosa-Part.

Stulle: Unter welchem Eindruck entstand der Text - und: Hand aufs Herz: unter Drogeneinfluss?

Knooshood: Nein. Es sei denn, Du rechnest einen exzellenten Käsekuchen und eine Tasse heißen Kakao
mit Sahne zu "Drogen". Der Text entstand in einem Café einer Bäckerei-Kette, die in meiner Heimatstadt
häufiger vertreten ist. Ich saß in einer abgeschiedenen, erhöhten Ecke an einem kleinen Tisch, zunächst
hatte die Bedienung mich nicht einmal bemerkt, sodass ich von weither rufen musste, damit sie meine
Bestellung aufnimmt. Ich wartete auf meine Freundin, die sich an anderer Stelle im Café mit einer alten
Freundin getroffen hatte - ich wollte die beiden nicht stören und hielt mich fern. Dabei schrieb ich gleich
mehrere Texte, unter anderem diesen hier, selbstverständlich unter den BLM- und sonstigen Eindrücken
des modernen Zeitgeistes. Ich versetzte mich in eine junge, sympathische (weiße) Emo-Dame, also eine
dieser Personen, die sich immer in schwarzer Kleidung gewanden und sich als "schwarze Seelen"
bezeichnen.
Die Schreibsituation war eine besondere, die ich nicht häufig habe: In der Öffentlichkeit, doch etwas
abgeschieden. Zu der Zeit waren Cafés ja noch offen. Normalerweise schreibe ich nach getaner Arbeit in
der Kantine des Arbeitsortes, wenn dort gerade keiner mehr ist - oder am heimischen Schreibtisch.
Andere Örtlichkeiten wären mal wieder fantastisch. Hörsäle sind zurzeit ja auch nicht mehr (oder nur sehr
eingeschränkt) besuchbar und gewisse andere Studienörtlichkeiten sind Corona-bedingt zu.

Stulle: Dann man töfte immer weiter.

Knooshood: Das weiß ich zu schätzen, danke.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zur Geschichte

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