Iris Kölbl

Zerrissene Realitäten gebrochener Gedanken

Sie brechen. Immer wieder brechen sie. Sie halten nicht still, es hört nicht auf. Nie. Ich kann sie nicht abschalten, ich weiß nicht wie. Sie lassen mich nicht in Ruhe, sie lassen mich nicht schlafen. Ich möchte so gerne schlafen, er fehlt mir so sehr, der Schlaf. Es macht mich kaputt. Was kann ich tun, um Ruhe zu haben? Ich würde alles dafür tun. Alles.

Ich möchte schreien, aber es geht nicht. Es kommt kein Ton raus, wenn ich den Mund aufmache. Dieses Gefühl lässt mich zerbrechen. Ich habe keine Stimme. Bitte leiht mir eine. Wie kann ich mich retten, wenn mich keiner hört? Ohne meine Stimme fühle ich mich leer. Wenn ich reden würde, höre ich mir nicht zu. Ich kann es nicht, es klingt alles schief. Die Töne sind schräg und dennoch kommt kein Ton raus. Ich höre es, sonst niemand. Ich bin allein unter so vielen anderen Stimmen. Mich hört einfach keiner, egal was ich tue. Die Stimme ist taub.

Laufen geht nicht. Meine Beine bewegen sich so langsam. In Zeitlupe. Sie bewegen mich nicht vorwärts. Sie halten mich auf. Ich kann nicht fliehen. Es zerreißt mich. Ich will weg, aber es geht nicht. Ich werde festgehalten. Festgehalten von dem Unbekannten. Sie lassen mich nicht los. Sie zerren mich zurück, zurück in die Dunkelheit. Ich will dort nicht hin. Es ist nicht schön dort. Es ist so kalt. Ich brauche Hilfe.

Ich kann nicht sehen. Es ist alles verschwommen, nur Schatten sind zu sehen. Egal wie oft ich mir die Augen reibe, es ist alles trübe. Ich will sehen können. Ich muss wissen, was da vor mir ist, ohne es zu sehen, traue ich mich nicht weiter zu gehen. Bleiben ist keine Option, weiter gehen schon. Ich brauche Kraft, ich muss sehen, sonst geht es nicht. Was ist da vor mir, dass ich nicht sehen kann? Das ich nicht sehen soll? Will?

Sie sind überall um mich herum. Es passiert am Tag und in der Nacht. Ich habe es nicht unter Kontrolle. Ich spüre es überall um mich herum. Jetzt auch.

Sie werden immer größer und ganz plötzlich so klein. Sie werden immer schneller und auf einmal bewegen sie sich in Zeitlupe. Es macht mich verrückt. Ich weiß nicht, ob ich es schon bin. Es kommt immer wieder. Anders, aber dennoch gleich. Es verfolgt mich. Ich weiß nie wann es kommt. Ich habe keine Ruhe. Ich brauche jemanden, der es sieht. Ist es Einbildung? Ist es Realität? Bitte lass es nicht Realität sein. Bitte nicht.

Ich suche nach der Ruhe, nach der richtigen Realität, wenn es eine gibt. Eine Realität in der ich leben kann. Ruhe finden kann. Nicht mehr denken muss. Nicht mehr hin und her gerissen werde. Alles was ich will ist eine Pause. Eine lange und ruhige Pause von meinen Gedanken die mich Tagsüber quälen und nachts nicht schlafen lassen. Alpträume in der Nacht und am Tag, kein Ende in Sicht. Ich existiere nur noch physisch, ich bin schon lange nicht mehr präsent. Wann wird das alles aufhören? Wird es jemals aufhören?

In der Atmosphäre zu schweben, wo die Nächte so lange sind, dass du vergisst, dass du wach bist. So fühlt es sich an, seinen Gedanken ausgeliefert zu sein.

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