Helga Moosmang-Felkel

Maurice Kap 3

Maurice und die Voodookatzen

 

 

„Das ist gerade noch einmal gut gegangen...“, sagte Pierre zwinkernd und verspeiste genüsslich einen frischen Fisch, den die Flussfischer ihm überlassen hatten. Er spielte auf die wilde Verfolgungsjagd mit den Mafiakatzen an, die nur ein paar Tage zurück lag. „Du bringst einen vielleicht in Zwangslagen...“, grinste er und räkelte sich in der Sonne. Maurice antwortete nicht. Ruhelos lief er am Flussufer auf und ab und spähte zum gegenüberliegenden Ufer hinüber. Er konnte sich nicht damit abfinden, jede Spur von der geheimnisvollen weißen Katze verloren zu haben. Insgeheim drängte es ihn immer noch zurück in die Altstadt. Gleichzeitig wusste er, dass er dort wahrscheinlich nicht noch einmal lebend herauskommen würde. Sein Glück war aufgebraucht. Der fuchsrote Cornelius gesellte sich zu ihnen. „Was hat er denn?“ fragte er Pierre und wies in Maurices Richtung. „Er dreht bald durch wegen einer weißen Katze, die verschwunden ist...“, antwortete Pierre und verdrehte viel sagend die Augen. „Was du nicht sagst, verschwunden,...einfach so?“ erkundigte sich Cornelius und seine bernsteinfarbenen Augen glitzerten neugierig. „Es hat was mit der Mafia zu tun...“, sagte Pierre wichtigtuerisch. Cornelius blinzelte listig: „Die Voodooschwestern könnten euch vielleicht helfen..., sie finden verschwundene Katzen und haben so ihre speziellen Zauber,.. sie kochen auch scharfe Suppen...“, er leckte sich über die Lippen.

Maurice spitzte die Ohren. „Wohnen sie nicht hinter dem Felsenfriedhof?“ fragte er schnell. Pierre sah Maurice empört an. Die Voodooschwestern Zouzie, Drumdrum und Pepper hatten einen furchtbar schlechten Ruf. Die wildesten Gerüchte kursierten über sie. Es hieß, sie verfluchten andere Katzen, die einfach tot umfielen und opferten junge Kätzchen, um ihren Blutzauber durchzuführen. Maurice zuckte die Achseln: „Ich könnte sie doch nur mal fragen...“, sagte er und sah Pierre unschuldig an. „Ohne mich,...“, sagte Pierre, „erst die Mafia und nun die Voodookatzen,...ich bin ein anständiger Perserkater,...auch wenn ich jetzt wild leben muss,...“ Pierre seufzte tief. Er versank in Erinnerungen an seine Vergangenheit in der Villa einer alten Dame und seine Augen überzogen sich mit einem traurigen Schimmer. Als Cornelius weiter zog, nahm Maurice seine ruhelosen Flusswanderungen wieder auf.

 

Sobald die Dunkelheit sich feucht und schwer über den Fluss senkte, hielt es ihn nicht länger im Schuppen. Geräuschlos schlüpfte er hinaus und blickte in das nächtliche Lichtermeer auf der anderen Seite des Flusses. Schnell und verstohlen tauchte er in die Dunkelheit der Büsche. Es raschelte leise. Pierre stand neben ihm. „Verdammt Maurice...“, stöhnte er, „kannst du nicht endlich aufhören,...wir haben ein gutes Leben am Fluss...“ Maurices grüne Augen blitzten ihn an: „Ich sehe mich nur mal um am Friedhof, das ist alles...“ „Ach ja...“, sagte Pierre ungewöhnlich aufgebracht, „wir sehen uns um in der Altstadt und werden fast umgebracht, jetzt sehen wir uns um auf dem Friedhof...“ Maurice drehte sich um und lief einfach weiter.

Der Felsenfriedhof lag hinter einem kleinen Kiefernwäldchen, das im tiefen Nachtschatten fast schwarz wirkte. Der Boden war sandig und ihre Pfoten sanken ein. Der Nachtwind säuselte und sirrte in den Bäumen, ein Geräusch, das Pierre die Nackenhaare aufstellte. Kleine rote Lichter glühten in der Ferne vor ihnen auf. Der Weg weitete sich plötzlich aus und man konnte das Plateau des Friedhofs überblicken.

Maurice verharrte kurz bewegungslos und starrte in die Nacht hinaus. Plötzlich hörten sie ein lautes Kreischen. Mehrere Katzen schrieen. Pierre drängte sich dichter an Maurice und sah ihn vielsagend an: „Hast du das gehört,...lass uns abhauen...“ Wieder schrie eine Katze, diesmal klang es kläglich und leise.

Das rote Funkeln verstärkte sich, als sie näher heranschlichen. Ihnen stockte der Atem. Im Licht einer rötlichen Grablampe drückte eine große schwarze Katze eine viel Kleinere, die wild zappelte, zu Boden. Sie hatte die Krallen gezückt und drohte, der Kleinen die Kehle aufzuschlitzen. Zwei andere Katzen umkreisten die beiden und zischten gefährlich. Bei einer hing ein Augelid herunter, und das andere Auge war seltsam verdreht. Sie begannen mit den Pfoten den Boden aufzuscharren und wilde, unzüchtige Lieder zu singen. Die Kleine jammerte und heulte, doch die große Katze drückte ihre Pfote noch fester auf ihre Kehle und erstickte ihre Schreie.

„Das ist doch die kleine Katze, die die Mafiakatzen abgelenkt hat...“, flüsterte Pierre, den die Kleine sehr beeindruckt hatte. „Wir müssen ihr helfen...“, sagte er leise. „Sie werden sie umbringen...“

Eine der schwarzen Katzen drehte sich um. „Ich habe ein Flüstern gehört,...“ stieß sie drohend hervor. „Schwestern,...wir werden belauscht...“ Maurice und Pierre drückten sich tiefer ins Gebüsch. Wieder sirrte der Wind in den Kiefern. Die Voodooschwestern lauschten in die Nacht hinaus. „Das war nur der Wind,...du siehst schon Gespenster...“, sagte Zouzie und kicherte. „Mach sie fertig, schlitz ihr die Kehle auf,...“, kreischte Pepper, „bald ist Mitternacht vorbei. „Aber ihr habt den schwarzen Fluchgesang noch nicht beendet...“, protestierte Drumdrum, die die kleine Katze unten hielt.

Pepper stieß unheimlich schrille Töne aus und verdrehte ihre Augen noch mehr. Wieder umkreisten sie Drumdrum.

„Ich lenke sie ab,...und du schleichst dich von hinten an und erschreckst Drumdrum...“; wisperte Maurice. „Hmmm,“ machte Pierre, „das ist gefährlich..., ich weiß nicht...“

„Diesmal habe ich es genau gehört, da sind fremde Katzen, ich rieche ihr Fell...“, zischte Drumdrum und stieß ein grelles Geheul aus.

Schnell trat Maurice aus dem Gebüsch und lief mit hoch erhobenem Schwanz auf die Katzen zu: „Hallo, ich bin Maurice, der Kater vom Fluss, ich habe einen wichtigen Auftrag für euch...“

Pepper und Zouzie schossen auf ihn los: „Was du nicht sagst,... Kerlchen, und deshalb drückst du dich im Gebüsch rum...?“ Sie bleckten ihre Zähne und peitschten mit ihren Schwänzen. „Ich habe... eben Respekt vor der Macht eures Zaubers...“, sagte Maurice, doch es klang ziemlich kläglich.

„Um was geht es denn, und was willst du opfern...?“ fauchte Zouzie. Inzwischen hatte sich Pierre von hinten an Drumdrum angeschlichen. Wie ein Blitz schoss er plötzlich aus der Dunkelheit hervor und prallte gegen Drumdrum. Drumdrum geriet einen Moment aus dem Gleichgewicht und lockerte ihren Griff. Die kleine Katze zappelte und rutschte zu Boden. Sie verschwand wie ein Blitz in der Dunkelheit. Die Voodooschwestern schimpften und buckelten und rannten wild durcheinander. Sie beschuldigten sich gegenseitig, nicht aufgepasst zu haben. In dem Durcheinander stieß Pierre die rote Lampe um und das Licht erlosch. Eingehüllt in die plötzliche Dunkelheit flüchteten Maurice und Pierre zurück in den Schutz des Kiefernwaldes.

„Sie haben uns hereingelegt,...sie haben die großen Voodooschwestern hereingelegt,...ich verfluche sie,...sie sollen aus ihrem Fell fallen,...“ schrie Drumdrum hinter ihnen her.

Maurice und Pierre sträubten sich die Nackenhaare, als sie die schaurigen Flüche hörten, die die Voodooschwestern ihnen nachsandten. Sie rannten um ihr Leben, bis sie endlich das vertraute Rauschen des Flusses hörten.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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