Fynn Beckmann

Sehnsucht nach Stille

Sehnsucht nach Stille. 

 

Die Stadt pulsiert. Sie ist voller Minderwertigkeitskomplexe, die durch Anerkennung gestillt werden möchten. Menschen die schnell und gehetzt auf dem Weg sind. Zielstrebig. Unglücklich. Nervige Motorräder heulen auf, dauernd müssen sich Krankenwägen den Weg durch die überfüllten Straßen freimachen, lautstark und ungelenk. 

Man sehnt sich plötzlich nach Stille. Als Teenager ist man vor der Stille geflohen, weil man sie nicht ertragen konnte. Mit der Zeit, schätze ich, merkt man, dass die Lautstärke irgendwann Zuhause zunimmt und man sie nicht auch noch vor der Tür gebrauchen kann.

Man will als heranwachsender nichts lieber, als in das Leben der Stadt einzutauchen, im Lärm der Baustellen zu versinken und von genervten Paketboten sein zehntes paar Sneaker unten ins Treppenhaus geworfen bekommen. Man ist abgelenkt. Angetrieben vom Materialismus. Heute suchen die Menschen händeringend nach jeder freien Minute, um diesem Wahn zu entkommen.

 

Sonntags zieht es die Menschen aus der Stadt zum spazieren. Dahin wo es schön ist, nicht da wo man wohnt. An die Seen, Wälder und Berge. Es ist sogar Mode geworden, rauszugehen und etwas zu erleben. Klamottenmarken die durch Wanderequipment und Outdoorzelten großgeworden sind, trägt mittlerweile jeder hippe Teenager. Es scheint als fliehen alle vor der pulsierenden Energie, vor dem niemals endenden Lärm. Die Beständigkeit der Natur zieht an. Bäume werden Morgen noch an selber Stelle stehen, egal ob ich das Job-Angebot bekomme, die Klausur am Montagmorgen bestehe oder nicht. Kein Strauch schaut mit verurteilendem Blick, weil die Hose farblich nicht zur Jacke passt. Der Berg wird sich nicht von mir wegbewegen oder einen Schritt auf mich zugehen, weil ich das Hemd was ich heute trage, eine Nummer zu groß gekauft habe. 

Hier zählt kein lauter V8-Motor, niemand dreht sich nach ihm um.

Wer schon mal auf einem Berg gestanden hat, hoch über dem Wolkenmeer, so nah an der Sonne, der hat diese Freiheit gespürt, nach der man sich sehnt. Es scheint als würde man mit jedem Höhenmeter ein Stück mehr zu sich selbst finden und seine inneren Konflikte und Gedanken abstreifen. The beauty of Nature. Zumindest für mich.

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