Karl-Konrad Knooshood

Dystopia Minestrone

 

 

Es war in mehreren Schritten geschehen, wobei durch eine Veränderung der Geschichtsschreibung weg vom sachlich-nüchternen Faktennennen und wahrheitsgemäßer Dokumentation hin zu eher emotional konnotierter Faktenverdrehung zu dem, das die Herrschenden und ihre Vasallenmedien für das Wohlklingendste und ihren Agenden, Dogmen, kurz: ihrer Ideologie dienlich und günstig geschnitten galt.

 

Dann war, irgendwann, keiner wusste oder ahne genau, wann exakt, die Sozialistische Europäische Großrepublik (SEG) ausgerufen worden. Manche meinten, 2025 sei dies passiert – ein Politiker, längst in Vergessenheit geraten, einer vor einer gefühlten Ewigkeit ausgestorbenen sozialdemokratischen Partei, hatte dies 2017 gefordert, in einem Wahlkampf. Oder auch nicht, sicher war gar nichts mehr. Gesicherte Daten gab es zwar, doch sie waren vielfältig und zueinander widersprüchlich, es gab immer viele "alternative" Versionen, die alle unterschiedlich kranken Geistern entstammten.

Was nur sicher war: Die große RAUTE, die GRÖSAZ (Größte Sozialistin aller Zeiten), Solistin auf ihrem kalten Kurs der planvollen Politik, die in Sozialismus münden musste (und sicher sollte), spielte eine große Rolle bei der Ausrufung der Sozialistischen Europäischen Großrepublik. Man wusste den Namen dieser Person nicht mehr, darüber gab es widersprüchliche Daten, nur, dass sie eine Frau gewesen war, im weitesten Sinne, rein geschlechtlich, was jedoch auch nicht mehr als gesichert gelten konnte, denn Geschlechter waren irrelevant, es gab in den Irren-Wirren-Zeiten immerhin längst 72 davon, "Hosenanzug" war eines davon – und diese fragliche "Frau" hatte wohl mit Vorliebe solche getragen, also konnte sie auch sehr gut "Hosenanzug" sein und sich so identifizieren. Ihr Konterfei existierte: Ein altes Foto, auf dem sie scheinbar allwissend lächelt und in alle Richtungen zugleich zu blicken scheint, wenngleich schelmisch und linkisch, einigermaßen "sympathisch", halbhübsch, eine moderne "MONA LISA" mit weitem Kleid und obszön ausladendem Dekolleté (angesichts einer Person, deren Alter, Körperbau und Position dezentere, seriöse Körpersichtbarkeiten nach dem Motto "weniger ist mehr" mehr als gerechtfertigt hätten), sehr gewagt. 

 

Letzteres ein verzweifelter Appell an die Notgeilheit der Bevölkerung, insbesondere des männlichen und eventuell lesbischen Teils, Ablenkung von ihrem katastrophalen Regierungsstil und ihrem mangelhaften politischen Geschick – aber auch ihrer Perfidie und Hinterlist. Man hatte viel von "1984" gelernt (an dieser Stelle sei kurz angemerkt: "GEORGE ORWELL hat angerufen – er will sein dystopisches Buch zurück!"): Anstelle des dortigen "Großen Bruders" hatte man hier "Mutti" (was eindeutig auf eine Frau hindeutete, wenngleich auch hier Einige der Ansicht waren, auch Männer oder transhumane APACHE-Helikopter oder Mieze-Kätzchen, als die sich manche menschlichen Individuen inzwischen betrachteten, könnten "Mutter" sein), die "Mutter der Nation" auf allen Plakaten. Ob sie tot war oder lebendig: Niemand wusste Bescheid. Sie war als große Sozialistin aufgebaut worden, ein bunter Reigen Gerüchte, Legenden und Spekulationen hatte sich kultisch um sie aufgebaut, auch hier konnte kein Mensch mehr Fakten von Fiktion trennen, denn das Internet existierte nicht mehr in der Form, wie wir es noch kennen. Es war in solch akribischer Weise zensiert und gründlich von allem "Unreinen", allem "Hass" oder dem, das man dafür hielt, gesäubert worden, zudem waren ohnehin sämtliche Strukturen zerstört, sodass die meisten Menschen um ihr nacktes Überleben kämpfen mussten, was ihnen bereits jeden Gedankenansatz nahm, sich vor PC oder Klapprechner oder Tablet niederzulassen und stundenlang müßiggehend im Netz ihre Zeit mit Katzenvideos und FB-Posts zu verplempern. Es war totzensiert worden, zerzensiert, zersperrt, zerblockt. Man besaß kaum noch Gerätschaften dafür, die Wenigen, die es konnten, waren entweder reiche Yuppies oder gehörten zu dem nicht mal einen Prozent der Weltbevölkerung, das sich leisten konnte, sich in riesigen Safe-Spaces, Burgen und hermetisch abgeriegelten Sicherheitszonen zu verschanzen. Weder ausreichender 24/7 zur Verfügung stehender Strom noch genügend verbliebene Sendemasten, die man noch gegen Vandalen und randalierende Rowdy- und Arab-Gangs verteidigen konnte, hätten für stabile Verhältnisse wenigstens im Virtuellen sorgen können. Katzenvideos, politische Inhalte, Vlogs und Schminktipps waren ziemlich bedeutungslos geworden, inzwischen sowieso verboten, HARAM war das einzige noch nicht tabuisierte, letzte gestattete Wort dafür.

 

Im Laufe der Zeit war ohnehin alles verboten worden, das linken und grünen Politikern ein Dorn im scharfen Argusauge der Unerbittlichkeit und Ungnade war: Was ihnen einfallen konnte, verdarben sie durch Verbote. Nicht unwesentlich verantwortlich war das Wahlverhalten in einem gewissen ehemaligen demokratischen Staat inmitten Europas gewesen, in dem das tumbe Wahlvolk eine ehemals (werte-)konservative, realpolitisch in der Wirklichkeit statt Wunschdenken verhaftete Partei, die nun bis zur Unkenntlichkeit zu einem sozialdemokratischen, sozialistischen, umweltpolitischen Hybriden mutiert war, an die Landesspitze gewählt hatte. Diese Partei hatte dann die letzte konservative Konkurrenzpartei verboten – und es gab auf einen Schlag nur noch linksgerichtete Parteien, wobei sich eine ehemals halbkonservative, neoliberale Partei wurmartig feige angepasst hatte. Schrittweise, bemerkt und unbemerkt von vielen, die nichts dagegen unternahmen, breitete sich der Virus des Gesinnungssozialismus DDR-scher Prägung aus, bis es zu spät war.

 

Dann begann Deutschlands langer Gang in den Untergang, umso schmerzhafter. Der lange Weg auf dem Pfad der Verdammnis in ewige selbstzerstörerische Finsternis war vorgezeichnet, besiegelt das Schicksal, diesmal endgültig. Zunächst feierten die Mächtigen, die totalitären Sozialisten einen Sieg nach dem anderen, die Abschaffung aller Freiheiten ihres Volkes, wohl auch unter dem Vorwand, irgendein grassierendes Virus, dessen Namen schon niemand mehr kannte, wirksam bekämpfen zu wollen, mittels "der Wissenschaft", die zum neuen Glaubenssystem erhoben wurde, eh dann noch später die Islamisten, welche im Hintergrund bedenkliche Mannschaftsstärke erlangt hatten, die Parlamente beherrschten, allein quantitativ, übernahmen und einen faschistoid angehauchten, kollektivistischen Islam-Sozialismus etablierten, der die letzten Reste des Grundgesetzes, der Demokratie und aller Freiheiten komplett abschabte. Ja, abschabte, nicht abschaffte, das wäre der Beschreibung zu wenig.




(09.10.2018)(C) 2021, Knorke Dystopihood 


Stulle: Woher hast Du denn DIESE Zukunftsvision? Klingt gruselig und traurig. Wenig erbaulich. Absicht?

Knooshood: Natürlich.

Stulle: Wie auch der Schwimm-Text älteren Datums...Wie intensiv hast Du denn ausgemistet, hör mal?!

Knooshood: Nun, es war eine weitere Geschichte, die ich wiederfand. Diese Blöcke, allesamt kleine
Ringblöcke, die ich gern verwende, sind noch alle ziemlich voll. Und ich komm kaum hinterher, das alte
Zeug zu tippen. Es dauert noch Ewigkeiten, womöglich erlebe ich das Ende nicht mehr, jedenfalls nicht,
wenn ich auch so weiterschreibe. Seitdem ich Füllfederhalter verwende statt wie früher Bleistifte und
Kugelschreiber, gelingt es besser denn je.

Stulle: Dennoch fällt auf, dass die Story nicht sehr konkret ist, auch hast Du Corona samt Auswirkungen
eher marginal und nicht sehr geschickt aktualisierend eingestreut. Ein neuer Nostradamus bist Du damit
nicht.

Knooshood: Nein, das liegt auch nicht in meinem Interesse. Letztlich soll es eine Fiktion sein, eher
Fantasy, rein spekulativ, wohin die Reise jedoch geht. Drei Jahre nach dem großen Zinnober von 2015
konnte man schon zu der Einschätzung gelangen, dass hier einiges im Argen liegt und man nicht mehr
lang denselben Spaß haben würde und es sich hier allmählich von dem uns Bekannten, Bewährten und
Guten wegbewegt.

Stulle: Und der jetzige Ausblick?

Knooshood: Wenig optimistischer als damals. Wenngleich etwas.

Stulle: Denn men toooe.
Karl-Konrad Knooshood, Anmerkung zur Geschichte

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