Bettina Forst

Cocoloco und der Osterhase

"Wie siehst du denn aus?", fragte Cocoloco, der Papagei, und lachte amüsiert. Die kleine Blaumeise war über und über mit Farbe bekleckert. Sie hatte grüne Fabe auf ihrem Schnabel, gelbe Tupfen auf dem Kopf und ihr blaues Federkleidchen war mit lila Farbsprenkeln übersät. "Ich male", sagte die kleine Blaumeise. "Ich möchte unserem Osterhasen etwas schenken und daher male ich schöne, bunte Ostereier." "Du möchtest dem Osterhasen tatsächlich Ostereier schenken?", fragte Cocoloco ungläubig und schüttelte sich jetzt vor Lachen. Die kleine Blaumeise war wirklich drollig. "Aber er hat doch selber genug Ostereier! Du weißt doch, dass er uns zu Ostern immer ein riesengroßes Nest voller bunter Ostereier schenkt." "Ja", antwortete die kleine Blaumeise", sie war nun doch eingeschüchtert, "aber weil er uns immer etwas schenkt und selber gar nichts bekommt, möchte ich ihm dieses Mal eine Freude machen." 
 
Cocoloco nickt. Ja, das war natürlich eine wirklich schöne Idee. "Aber", sagte die kleine Blaumeise etwas kleinlaut, "es stimmt. Bunt bemalte Ostereier hat er eigentlich genug." Und entmutigt ließ sie den Pinsel sinken. Beide dachten nach. Was könnten sie dem Osterhasen schenken? Worüber würde er sich freuen? "Schokolade!", krähte Cocoloco plötzlich, "ein ganz großer Osterhase aus Schokolade. Das wäre doch eine leckere Überraschung." Nun war es die kleine Blaumeise, die lachte und sagte: "Ach Cocoloco, du weißt doch, dass er eine große Kiepe auf dem Rücken trägt. Und, na, was ist darin? Schokoladenosterhasen! Schokolade hat er also auch mehr als genug." "Jaja", brummte Cocoloco," und ärgerte sich über sich selber. Das war wirklich keine gute Idee.
 
Puh! Das war ja gar nicht so einfach, das richtige Geschenk für den Osterhasen zu finden. Ratlos und in Gedanken versunken malte die Blaumeise Kreise und Kringel auf ein Stückchen Papier. Auf einmal strahlte sie über das ganze Gesicht und rief freudig: "Ich hab's! Ich weiß etwas. Ich male dem Osterhasen ein Bild." "Ein Bild?", wunderte sich Cocoloco. "Ja, genau. Das wird ein richtiges Kunstwerk", piepste die Blaumeise und hüpfte vor Freude mit dem Pinsel im Schnabel auf und ab. Cocoloco musste Modell stehen. "Halt endlich still, sonst kann ich dich nicht malen", befahl die kleine Blaumeise. Cocoloco konnte aber nicht still sitzen, sondern zog witzige Grimasssen, flatterte mit seinen Flügeln und hüpfte auf und ab. Die Blaumeise malte und malte bis sie endlich fertig war. "Endlich. Geschafft. Jetzt brauchen wir noch noch die kluge Eule", sagte die Blaumeise, "sie muß auch mit aufs Bild." Die Eule war einverstanden, ließ sich mit einem eleganten Schwung auf einem Ast nieder und neigte ihren Kopf grazil zur Seite. "So, nun kannst du mich malen", sagte die Eule und zwinkerte amüsiert mit den Augen.
 
Jetzt fehlte auf dem Bild nur noch die Künstlerin selber. Die Blaumeise holte aus ihrem Kosmetiktäschchen einen kleinen Taschenspiegel hervor, blickte abwechselnd erst in den Spiegel, dann auf das Bild und versuchte, sich dabei selber zu zeichnen. Das war wirklich schwierig! Nein, so ging es nicht. Die Blaumeise seufzte. Nein, so zerzaust und gräßlich sah sie in Wirklichkeit ja gar nicht aus! Doch schließlich hatte sie eine rettende Idee... Sie tuschte mit dem Pinsel einen kleinen, blauen Fleck auf das Papier,und malte noch ein goldenes Krönchen dazu. Fertig.
 
Das Bild war wunderbar geworden. So etwas hatte der Osterhase bestimmt noch nie gesehen. "Jetzt mußt du dein Bild noch signieren", meinte die kluge Eule. "Was soll ich?", fragte die Blaumeise erschrocken. "Sig-nie-ren. Das machen berühmte Künstler so. Du unterschreibst das Bild mit deinem Namen. Dann weiß der Osterhase, dass du das Bild gemalt hast." "Na gut", sagte die Blaumeise, tunkte den Pinsel in einen blauen Farbtopf und schrieb in krakeliger Meisenschrift: Die blaue Lady. "Das bin ich", verkündete die kleine Blaumeise stolz, "die blaue Lady. Das ist ab jetzt mein Künstlername." 
 
Einen Plan, wie sie den Osterhasen mit ihrem Geschenk überraschen konnten, hatten sie auch schon ausgeheckt. Wenn der Osterhase sich ganz früh morgens noch vor dem ersten Hahenkrähen auf den Weg machte, um die Ostereier zu verteilen, dann wollten sie die Gelegenheit nutzen. Das war ihre Chance. Sie würden schnell zum Osterhasenhaus laufen und dort im Hasengärtchen ganz heimlich ihr Geschenk gut verstecken. Wenn der Osterhase später hungrig wieder nach Hause kam, um sich Möhren aus seinem Garten zu holen, ja dann würde er sich bestimmt wundern und freuen. Nun konnte Ostern kommen.

(c) Bettina Forst, bettinaforst@web.de
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.03.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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