Patrick Rabe

A.ls d.er D.amm brach (eine apokalyptische Saga)

A.ls d.er D.amm b.rach

(Damm-Möse,Damm-Möse)

 

Eine apokalyptische Saga in vier Teilen

(Satire)

 

Teil 1:

Das Testament des Dr. M.B.

Immer wahnsinniger wurden die Zustände in der Irrenanstalt Gutgarten. Ausgerechnet dort, in jener kaum von der wissenschaftlichen Welt beachteten Vorstadtpsychiatrie, war es Ärzten gelungen, den Grund für das Corona-Virus herauszufinden. Man hatte es im Gehirn des Chinesen Chi-Li lokalisiert, der an einer entscheidenden Stelle im rechten Schläfenlappen eine Anomalie hatte, die es ihm erlaubte, durch das Fallen in epilepsieähnliche Zustände nach Belieben seine Gestalt verändern zu können. Immer, wenn er dies tat, schoss sein Gehirn jedoch tausende andere Gestalten hervor, die dann als Menschen, Tiere oder Phantasiegestalten zu leben begannen. Er nahm dann stets eine neue Gestalt an, die aber immer etwas Chinesisches an sich behielt. Eine Zeitlang hatten die Ärzte, die sich mittlerweile auch mit Psychologen und den Führern aller Weltreligionen berieten, erwogen, ob es sich bei Chi-Li um Gott handeln könnte, der zur Zeit in Menschengestalt auf Erden weilte, dann aber sah man, je mehr Experimente man mit ihm machte, immer deutlicher, dass alle Wesen, die er aus seinem Hirn hervorschoss, zum Bösen neigten. Daraufhin verfiel man der Theorie, dass es sich bei Ch-Li um den personifizierten Satan handeln müsse. Mittlerweile hatte man Chi-Li komplett in einem Einzelzimmer isoliert und gab ihm auch nur noch bedingt Medikamente, um die Produktion von neuerschaffenen Horrorwesen nicht noch mehr in die Höhe zu treiben, denn diese konnte schon keine Psychiatrie und kein Gefängnis der Welt mehr sinnvoll unterbringen und beherbergen. Viele Ärzte kehrten in diesen Tagen zu ganz altmodischen Gottesvorstellungen zurück, und begannen, zu beten. Schließlich kam man überein, dass, wenn der Satan bereits auf Erden weilte, auch Jesus Christus irgendwo sein müsse, und ihn besiegen können würde. Irgendwann erinnerte sich einer der älteren Ärzte an einen pensionierten Kollegen, der vor Jahren einmal in Gutgarten gearbeitet hatte, und der außerordentlich fromm gewesen war. Nach langem Suchen fand man seine Nummer und rief ihn an. Verschlafen ging er ans Telefon. „ Sind sie es, Dr. Busaker?“, fragte der alte Arzt. „Ja, Dr. Martin Busaker am Apparat.“, antwortete eine müde Stimme. „Ich bin es, Dr. Bileam Baum. Erinnern sie sich an mich?“ „Ja.“, sagte Dr. Busaker. „Wissen sie noch, unsere Theorie von damals, dass satanische Zirkel durch das Umstellen von Buchstaben den Satan in Menschen hineinprojizieren könnten?“ Busaker am anderen Ende war plötzlich hörbar schlagartig wach. „Von diesem Unsinn würde ich gerade in unserer jetzigen Lage wirklich die Finger lassen, Baum.“, sagte er. "Vor allem nach dem, was wir schon vor 40 Jahren gemeinsam erlebt haben.“ „Ja, Dr. Busaker.“, nickte Baum. "Aber damals haben wir uns geirrt. Das war noch nicht die Endzeit. Jetzt glauben zumindest wir hier aber, dass es soweit ist. Wir haben den Mann eingefangen, der die Phänomene auslöst, die wir auch damals schon beobachtet haben. Aus meiner Sicht müssen wir nur noch herausfinden, wo Jesus sich zur Zeit aufhält.“ „Ach, Baum, werden sie denn nie vernünftig?“. Busaker seufzte. „Na gut. Ich komme.“. Am anderen Ende wurde aufgelegt.

 

Dr. Martin Busaker war unbehaglich in seiner Haut. Er hatte all das bereits vor 40 Jahren erlebt, und es bereits damals hinterher keinem mehr vernünftig erklären können. Unter großen Mühen und mit viel Aufwand hatte man nach dem Unglück, das damals in Gutgarten geschehen war, die Ruhe im Staat wiederherstellen und das Krankenaus Gutgarten wieder aufbauen können. Busaker stieg in sein Auto. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch fuhr er von dem alten Bauernhaus, das er bewohnte, die Landstraße in Richtung Gutgarten hinunter. Er wusste, dass er auf dieser Fahrt mehreren Anhaltern begegnen würde. Und je nachdem, für wen davon er sich entschied, würde dies Jesus, der Antichrist, einer der Dämonen der Hölle oder ein Wesen sein, das völlig variabel war, und den Untergang über alle bringen würde. Vor 40 Jahren war dies die unscheinbare Anhalterin Maria Musalke gewesen. Busaker fuhr langsam und gemächlich die dunkle Straße hinunter. Seine Scheinwerfer beleuchteten die Bäume rechts und links der Allee. Wie schwarze Schatten huschten sie an ihm vorbei. Plötzlich geschah es. Ein Mann in einem Regencape stand auf der Straße und richtete einen großen runden Spiegelscheinwerfer auf Dr. Busakers Auto. Kurz noch gelang Busaker ein Blick in das Gesicht des Mannes vor ihm auf der Fahrbahn. Aber da war nichts. Nur weiße Haut. Keine Ohren, keine Nase, kein Mund und keine Augen. Mit einem lauten Schrei riss Busaker das Steuer herum. Sein Auto flog von der Fahrbahn und überschlug sich auf dem Acker.

 

Inzwischen waren in der Anstalt Gutgarten chaotische Zustände ausgebrochen. Immer mehr völlig deformierte, irre lachende und um sich schlagende Gestalten sprangen aus dem Kopf des Chinesen Ch-Li und wüteten auf den Gängen der Psychiatrie. Mehrere Pfleger hatten Chi-Li überwältigt, ihm eine Spritze gegeben und hielten ihn zu dritt auf eine Liege gedrückt. Seine funkelnden Augen schossen Blitze, und auch er selber veränderte mittlerweile andauernd seine Gestalt und sein Aussehen.

 

Plötzlich flog die Tür auf. Dr. Busaker stand im Türrahmen. Er trug ein gelbes Regencape. „Wir schaffen es.“, schnaufte er. „Wo ist Dr. Baum?“ „Hier!“. Der erschöpfte Dr. Baum, der in der Ecke gesessen hatte, erhob sich und wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ich habe auf der Straße einen Mutanten überwältigt.“, keuchte Busaker. „Aber er entpuppte sich als die Hülle des Erzengels Michael. Er hat mir das hier in die Hand gegeben. Das wird helfen.“ Busaker trat an die Liege, wo der zappelnde Chinese lag und öffnete die Hand. In seiner Hand lag eine kleine rote Chilischote. Busaker hielt sie dem Chinesen vor die Augen. „Können sie erkennen, was das ist?“, fragte er. „Ja.“, murmelte der Chinese und schnappte nach Luft. „Chi-Li. Chi-Li.“ Busaker lächelte wissend. „Ist das ihr Name?“ fragte er. „Ja.“, sagte der Chinese und lächelte erleichtert. „Dann beißen sie jetzt bitte auf diese Schote.“, sagte Dr. Busaker, und hielt sie ihm hin. Chi-Li nahm die Chilischote zwischen seine Zähne und biss darauf. Ein ohrenbetäubender Schrei ertönte. Chi-Li richtete sich urplötzlich kerzengerade auf seiner Liege auf, und stieß die Pfleger beiseite. Er schrie mit aller Kraft ins Gesicht von Dr. Busaker. „Satan! Du bist der Satan!“. „Haltet ihn.“, rief Busaker und sprang zu Chi Li auf die Liege. Busakers Gesicht begann sich zu verformen, und immer mehr aufzuquellen. Seine spärlichen, grauen Haare wurden ein weißer, seine Glatze umwehender Kranz. Chi-Lis Kopf hatte die Konsistenz von schmelzendem Gummi angenommen. „Den Spup! Man muss ihm den Spup entfernen.“, schrie Busaker mit hysterisch sich überschlagender Stimme. „Hilfe!“, rief Dr. Baum alarmiert. „Busakers Psychose von damals bricht wieder aus!“. „Nein!“, kreischte Busaker. „Ich irre mich nicht! Der Spup ist die Ursache von allem Übel!“. Mit zitternder Hand packte er Chi-Lis Kopf, drückte ihn auf die Liege und fasste mit seinen Fingern tief in Chi-Lis Nasenlöcher. Chi-Li schrie vor Qual. Busaker ächzte und stöhnte. Dann riss er Chi-Li einen großen, gelben Popel aus der Nase. „Der Spup!“, rief er erregt, „Das ist der Spup!“. Chi-Li kreischte laut, sein Gesicht wurde ein rotschwarzes Feuermäandern, und er fiel, in Flammen aufgehend mit Dr. Busaker von der Liege. Im selben Moment sprang Dr. Baum auf, kniete sich zu seinem Kollegen herunter, riss dessen brennende Überreste vom Boden hoch und stülpte sie sich über den Körper. Dann rannte er, gleichfalls nun brennend durch die Gänge von Gutgarten und schrie: „Es ist gut mit gut. Es ist gut mit gut!“. Eine junge, hübsche Krankenschwester mit großen , festen Brüsten riss sich die Kleider vom Leib und sprang Dr. Baum von hinten auf den Rücken. „Jaaa, Esmeralda!“, schrie er. „Läuten wir die Glocken!“. Mit schnellen Schritten rannte Dr. Baum aus dem Haupteingang der Klinik, riss noch das Schild mit der Aufschrift „Gutgarten“ herunter, und lief mit lauten Tierschreien in die Nacht. Ein Auto begann ihm zu folgen. Hinter dem Steuer saß ein Mann ohne Gesicht. Im Innern der Anstalt hatte man mittlerweile den Chinesen Chi-Li überwältigt und drückte ihn auf den Boden. Sein Mund öffnete sich, und Speichel floss heraus. „Ich war es nicht.“, murmelte er mit kaum vernehmbarer Stimme. „Es war Mabuse. Er benutzte mein Gehirn…“

Dieser Teil der Saga ist natürlich eine Hommage an Fritz Langs "Das Testament des Dr. Mabuse" und die "Dr. Mabuse"- Filme der 1960er. Aktuelle Bezüge sind selbstverständlich vorhanden.

 

 

***

 

 

 

Teil 2:

 

Die Landkommune des Teufels

 

Ich fuhr langsam auf dem Lost Highway hinein nach Craxtone Village, meiner kleinen Heimatstadt. Ich kam vom Steel Castle in Greenhills zurück, wo ich eigentlich hatte leben wollen. Die Universität, wo ich dort studierte, trug den Namen Whitecover. Abgesehen davon, dass ich den Hügel in Greenhills nicht besonders grün fand, war es dort ganz angenehm. Ich studierte siebeneinhalb Silvester Musiktheorie mit Praxiseinlagen, die vor allem in Turnübungen und Rock’n Roll-Aerobic in und vor Betten bestand, dass einem die Ohren nur so klingelten. Nur manchmal, wenn unser Prof hereinkam, kippten wir das Bier, das wir gesoffen hatten, ins Chili Con Carne und holten unsere Geigen, Celli und Querflöten heraus. Der Prof, ein Mann namens Hedold Harakiri nahm dann stets einen Löffel von dem Chili Con Carne und sagte: „Ihr macht was falsch. Das Essen ist gut. Aber die Musik ist zu leise.“ Und immer wieder schlich unser Prof hinter uns durch die Gänge und murmelte mit leiser Stimme: „Tut immer, was ihr wirklich wollt. Irgendwann kommt die Reifeprüfung. Und die legt kein Prof ab.“

 

Eines Tages kamen zwei Schwestern an die Universität, von der man munkelte, sie seien mit Harakiri verwandt, und er hätte ihnen den Studienplatz besorgt. Sie hießen Balista und Baretta, zwei absolut scharfe Geschosse, man nannte sie unter uns Studenten kurz die Ba-Ba-Sisters. Allerdings konnten sie nicht viel mehr, als in ihren Studentinnenbuden im Bett liegen, und sich gegenseitig massieren. Das war selbst der betagten und etwas tüdeligen Gesangslehrerin Greta Grätsche zu wenig, und eines Tages bat sie mich, den Mädels mal zu zeigen, wie man die Mundwinkel auseinanderbekommt.

 

Also ging ich klopfenden Herzens in das gegenüberliegende Internatsgebäude und erklomm den 6. Stock. Eigentlich hatte ich mit der geforderten Übung keine Probleme. Einfach mein Balisto auspacken, es barettamäßig hin und her zu schwenken, und schon gingen den Mädels vor Staunen die Münder auf. Doch diesmal schwante mir Übles. Wie sollte meine Nummer bloß hinhauen, wenn die beiden Mädchen schon so hießen?

 

An der Tür hing ein Plakat vom Bois de Bologne. Ich klopfte. Die Tür fiel auf und ich stürzte in eine unendliche Tiefe.

 

„Du lügst.“, sagte das blonde Mädchen. „Fick mich auf der Toilette!“ schrie das braunhaarige Mädchen.

 

Die Braunhaarige zog mich in die Toilette und die Blonde sperrte von außen ab. Dann drückte mich die Braunhaarige mit dem Kopf nach unten ins Klosett und schrie: „Kannst du da unten Hitler sehen?“ „Nein!“, schrie ich. „Das ist nur ein Klo.“ Im selben Moment schlug die Blonde mit voller Wucht irgendeinen Gegenstand gegen die Toilettentür. Die Braunhaarige stopfte mich tiefer ins Klo, und schrie: „Kannst du da unten Hitler sehen?“ „Nein!“ schrie ich. „Du hast einen an der Marmel!“. Da schlug die Blonde von draußen einen noch schwereren Gegenstand gegen die Tür. Die braunhaarige packte mich an den Beinen und schrie: „Dann bist du wahrscheinlich selber Hitler!“, und drückte mich tief in den Abfluss des Klos. Im selben Moment donnerte die Blonde den ganzen Zimmerschrank gegen die Toilettentür und wir stürzten alle noch ein paar Stockwerke tiefer.

 

Dort war es ganz dunkel. Irgendwann erhob sich ein massiger, farbiger Mann, den ich als den Boxer Mike Tyson erkannte. Er kam ächzend auf mich zu. „Sie haben doch einmal einen Boxkampf gegen mich verloren?“, fragte er. „Nicht, dass ich wüsste.“, antwortete ich. „Doch, doch.“, sagte er. „Ich sehe es ihnen an der Nase an. Sie sind dieser Italiener, Spinatus Spirelli.“ „Keineswegs.“, protestierte ich. „Doch.“, sagte er. „Sie haben gegen mich verloren, und mir angeboten, als Gegenleistung einen ganzen Kübel Scheiße zu fressen.“. „Das wüsste ich aber.“, sagte ich. „Sträub dich nicht!“, schrie Mike Tyson, packte mich und schleifte mich zu einer riesigen Tonne mit vergorenem Schweinekot. Dann tauchte er mich kopfüber in die Tonne und schaufelte mir mit einem riesigen Löffel bergeweise den dampfenden Kot in den Mund. Immer wieder übergab ich mich, und wurde von Mike Tyson dazu gezwungen, auch den ausgekotzten Kot noch einmal zu essen. Nachdem ich mit der Ersten Tonne fertig war, holte er noch eine zweite, die genauso groß war. Ich fiel in Ohnmacht. In purem, entfesselten Hass schlug und trat Mike Tyson mich daraufhin zusammen.

 

Professor Harakiri sah mich nachdenklich durch seine Brillengläser an. „Sie brauchen Urlaub, James.“, sagte er. „Ich heiße nicht James.“. entgegnete ich. „Ach, wissen sie“, sagte Professor Harakiri gelangweilt, „Man lebt nur fünfmal. Und dann muss man irgendwann immer nur noch auf Kuren gehen. Bis man dann zu „M“ wird, und James Bond eine Kur empfiehlt. Aber ich gebe ihnen noch etwas mit. ‚Siddharta‘ und ‚Klingsors letzter Sommer‘ von Hermann Hesse.

 

„I’ve been through this movie before“, dachte ich, als ich in das kleine Nest  Craxtone Villiage zurückfuhr. Irgendwann musste der Alte echt den Verstand verloren haben, und vor lauter Demenz schon nicht mehr peilen, dass das mein Heimatort war. Ich kannte sowohl das Knacken und Tönen des Windes im elektrisch aufgeladenen Sommergras, als auch den Krackston, wenn der Crack in the Ice unter den Füßen anzeigte, dass man jetzt besser den zugefrorenen See verlassen musste. Und wirklich, was musste ich feststellen? Der Alte hatte in der stillgelegten Kirche eine Landkommune aufgemacht, gab sich mal als Pastor, mal als Postbote und mal als Bürgermeister aus, und ging jeden Abend stockbesoffen durch die Gemeinde. Als er wieder mal aus der Kirche herausgeschlurft kam, und lallend den Bürgersteig entlangging, schlich ich mich zur Kirchentür und öffnete sie. Strahlend kamen Laura und Lassolinda heraus, die man im Ort nur die La-La-Schwestern oder die La-dys of the La-ke nannte, und die Jugendfreundinnen von mir waren. Als alte Freunde fielen wir uns um den Hals, ich löste das Lasso von Lindas selbigem, und wir peitschten uns gegenseitig nackt aus. Das fand niemand merkwürdig außer der jungen Gemeindekantorin Greta Grätsche, aber die ging dann auch nur noch kopfschüttelnd weiter und guckte mit Pastor Hustbert Hustler die DVD-Version von „Lolita“, hörte mit ihm dazu das weiße Album der Beatles, popelte hinter dem weißen Cover massenhaft Einlegebätter mit schwarzgedruckten Texten hervor, die sie träumerisch versunken las, und den halben Film dabei verpasste. Als Humbert Humbert in der vorletzten Szene Clare Quility erschoss, schrak sie auf, merkte, dass Pastor Hustler einen Herzinfarkt bekommen hatte, und rief den Landarzt an. Als Hustler dennoch verstarb, bevor er eintraf, schlenderte sie zur Kirche zurück, sah mir und den beiden La-La-Schwestern eine Weile zu, dann bekam sie Lust, mitzumachen, und wir vögelten auf dem Rasen, dass sogar die Toten Hosen wieder Liebeslieder sangen. ‚Revolution Number 9‘ ertönte vorwärts in voller Länge, ohne dass jemand an die 6 dabei dachte. Das passiert immer, wenn man dazu Sex macht, und nicht Sharon Tate ermordet.

 

Einige Etagen tiefer wurde Hustbert Hustler dann nicht müde, allen zu erklären, er wäre vor Langeweile gestorben, weil in dem Film überhaupt kein Sex vorkam. Sogar Hugh Hefner erzählte er das. Aber auch diesem entlockte diese Geschichte nur noch ein mildes Shining. Donnernd brach Steel Castle in sich zusammen und krachte in den grünen Hügel hinein. Dort wurden ein roter und ein weißer Drache in ihrem Ringkampf gestört, und irgendjemand brachte den Knaben Merlin herbei, um dieses Phänomen zu erklären.

 

 

 

Dieser Teil der Saga enthält Anspielungen auf „Lost highway“, „Lolita“, „James Bond“, „Peer Gynt“, die Artussage und den „Landarzt“. Selbstverständlich auch auf die ganze Problematik des Hugh-Hefner-Playboyuniversums und vieles andere. Wer die Artussage nicht nur aus „Die Nebel von Avalon“ kennt, ist deutlich im Vorteil. Greta Grätsche kommt absichtlich zweimal vor.

 

 

***

 

 

Teil 3:

 

Privat

(eine unprivate Kurzgeschichte, die jegliche Privatsphäre verletzt)

 

 

Sie machten ein Privatghetto mit Privatwegen, Privatspielplätzen und Privatpinkelbäumen für ihre Hunde.

 

Irgendwann kam jemand dort vorbei aus einem anderen Land, der das Wort „Privat“ nicht kannte. Er ging in das Privatghetto hinein, weil er es für ein Wohngebiet hielt, und grüßte alle freundlich. Man verwies ihn schreiend der Gegend.

 

Langsam ging er über den Privatweg weg, immer der Bahnlinie entlang. Es war der kürzeste Weg zum Bahnhof. Dort angekommen ging er noch schnell in einen Supermarkt, um sich für die Heimreise etwas zu Essen und zu Trinken zu kaufen. Pflichtbewusst setzte er seine Corona-Maske auf. „Da ist der Ladendieb von gestern!“, schrie eine Frau an Kasse eins. Der Securitymann des Supermarktes packte den Fremden und jagte ihn den Supermarkt hinaus. Von Angst und Panik getrieben rannte der Mann wieder den Privatweg zurück hinab, der in das Wohngebiet führte.

 

Traurig kehrte er noch einmal auf den Privatspielplatz zurück und streichelte Bänke und Spielgeräte, weil ihn all das an seine eigene Kindheit erinnerte. Da ging ein Alarm los, ein Polizist kam und schrie: „Jetzt haben wir dich, du Schwein, das unsere Kinder missbraucht!“.  „Aber ich bin doch erst heute angekommen…“, murmelte der Mann entsetzt. „Auch noch Wiederworte!“, schrie der Polizist mit hochrotem Kopf. Er schlug den fremden Mann zusammen.

 

Das alles wurde vom All aus durch eine Satellitenkamera gefilmt und fand seinen Weg in die Abendnachrichten. Im Laufe der Sendung bereits klingelte das Telefon der Nachrichtenredaktion. „Wir wollen nicht, dass über die Sache berichtet wird.“, sagte eine Anwohnerin aus dem Privatghetto. „Warum nicht?“ fragte der Redaktionsleiter. „Weil uns das zu privat ist, und es unser Privatleben und unsere Privatsphäre verletzt.“ „Aha.“, sagte der Redaktionsleiter der Nachrichtensendung, „Es ist aber schon im Fernsehen gelaufen.“ Die Frau am anderen Ende der Leitung fing an, mit sich überschlagender Stimme zu schreien. „Dann verklage ich ihren Sender! Sie verletzen die Privatsphäre unserer Siedlung!“. Entnervt legte der Redaktionsleiter auf. Nach der Sendung sagte er dem Anchorman der Spätnachrichten seufzend, dass schon wieder eine dieser Verrückten angerufen habe. Der Anchorman verzog gestresst das Gesicht, blaffte: „Lassen sie mich in Ruhe, ich habe jetzt Feierabend!“, setzte sich Kopfhörer auf, um die Bahnfahrt zu überstehen, ohne auszuflippen, ging zum Bahnhof in der Nähe des Senders und fuhr mit der U-Bahn Richtung seines Heimatstadtteils. Unterwegs kam ihm der Gedanke, dass er doch auch einmal in einen ruhigeren Teil der Stadt fahren könnte. Irgendwo an den Stadtrand, wo noch mehr Natur war. Er blickte kurz auf die Stadtteilapp auf seinem Smartphone und entschied sich dann für einen der östlich gelegenen Außenstadtteile. Dort sollte es recht grün und ruhig sein.

 

Er fuhr dorthin, stieg in aller Seelenruhe aus, kaufte sich am Abendschalter des Bahnhofskiosk noch ein Bier, und ging dann fröhlich singend den Weg am Bahngleis entlang. Die Luft war warm, es sangen noch ein paar Vögel, und ein Zug, der offenbar Richtung einer anderen Stadt fuhr, rauschte mit großer Geschwindigkeit an ihm vorbei. Als er eine Weile auf diesem Weg unterwegs gewesen war, fiel ihm die merkwürdige Atmosphäre dort auf. Es fühlte sich an wie in der trockensten Wüste, die man sich denken konnte, und übers Firmament schossen grüne Blitze. Plötzlich torkelte ihm ein dicker Mann in zerlumpten Klamotten entgegen, der ihn anschrie: „Ey, du bist auch einer von den Außerirdischen! Wir wollen dich hier nicht haben!“. Erschreckt ging der Nachrichtenanchorman weiter. Abwehrend hob er die Bierflasche. „Ach.“, lächelte der Mann plötzlich: „ Du gehörst zu dieser Anzugmafia. Dann ist ja gut. Ich hab noch `ne ganze Flasche puren Wodka hier in der Jacke. Willste haben?“ „Geh mir aus dem Weg, du Penner!“, schrie der Anchorman und ging an dem Zerlumpten vorbei. „Ich bin kein Penner.“, grunze er, „Ich wohne hier. Und übrigens: Dies ist ein Privatweg.“.

 

Der Anchorman ging kopfschüttelnd weiter. Schließlich kam er in das Wohngebiet, in das er wollte. Es war wirklich sehr schön grün. Er ging eine Straße entlang. Die leergetrunkene Bierflasche warf er in einen Mülleimer am Straßenrand. Dann merkte, er, dass er ziemlichen Harndrang hatte, öffnete den Hosenschlitz und pinkelte gegen einen Baum. Eine ältere Dame ging vorbei. „Hauen sie hier ab, das ist ein Privatbaum für meinen Hund!“ keifte sie. Der Anchormann drehte sich erschreckt um. „Oh!“ entfuhr es der alten Dame. „Sie sind ja der Nachrichtensprecher Soundso. Verzeihen sie bitte.“ Sie kratzbuckelte unterwürfig, zog ihren kleinen Rehpinscher an der Leine und ging einen anderen Weg entlang. Plötzlich zuckte hinter einem der Wohnhausfenster ein Lichtblitz auf. Kichernde Mädchenstimmen ertönten. Per Funksatellit wurde das Foto von dem pinkelnden Anchorman auf allen nur denkbaren sozialen Netzwerken geteilt.

 

Plötzlich schoss jemand neben dem Anchorman aus dem Boden. Es war ein Farbiger, der offenbar gebrochene Knochen hatte. „Du Verbrecher!“, schrie er. „Du hast in meiner Gegend gegen Privatbaum gepisst!“. „Gegen EINEN Privatbaum!“, berichtigte ihn der Anchorman. „Halt die Schnauze, du Arschloch!“ brüllte der Farbige. „Du Asylant, oder was? Asoziale Drecksau!“. Mit diesen Worten schlug er dem Nachrichtenanchorman ins Gesicht, dieser stolperte und fiel hintenüber auf den Kantstein, wo er sich sein Genick brach, und verkrümmt liegenblieb.

 

Ein Mann in einer leuchtenden Neonjacke kam auf Rollschuhen den Privatweg herunter. Der Farbige konnte sich kaum noch aufrecht halten. Seine gebrochenen Knochen splitterten immer mehr in seinem Körper kaputt, und nun tat auch seine Hand weh, mit der er zugeschlagen hatte. Erleichtert sah er, dass der Neuankömmling keine Füße hatte. Die Rollen waren an seinen Beinen festmontiert. „Ah, da bist du ja.“, sagte er glücklich. „Hast du mittlerweile herausgefunden, was das Wort ‚Privat‘ heißt?“. „Nein.“, entgegnete der andere. „Die Leute hier haben nur so eine komische Sache namens Google, die auch nichts weiß.“. „Und jetzt?“, fragte der Fremde. „Keine Ahnung.“, sagte sein Freund. „Aber ich habe beschlossen, mich den hiesigen Sitten anzupassen.“. Er zog seinen Protonenphaser und schoss den Farbigen in tausend leuchtende Moleküle. Der bürgernahe Polizeibeamte kam vorbei. „Gu’n aaaamd.“, grüßte er mit Mainzelmännchenstimme. „Moin!“, sagte der Neonmann mit den Rollschuhfüßen. „Ach schon zu Aldi?“, fragte der Polizist verdattert und stieg in seinen Manta.  Er hatte mittlerweile von seiner vorgesetzten Dienstelle gemeldet bekommen, dass der Privatweg des Privatghettos illegal war, und das Schild, auf dem „Privatweg“ stand, von Privatpersonen aus dem Privatghetto dort aufgestellt worden war, ohne vorher öffentlich nachzufragen. Nichts als Stress. Er startete den Motor und fuhr gemütlich nach Hause. Lächelnd ging der Fremde ein paar Straßen weiter und stieg stattdessen in den dort geparkten Polizeiwagen. Er grinste. „Sooooo priiiivaaaat.“, stöhnte er, und leckte das Lenkrad ab. Mit Gedudel, Gebimmel und schnarrenden Stimmen gingen mehrere Funkfunktionen in dem Polizeiwagen los. Mit ohrenbetäubendem Sirenenklang startete das Blaulicht auf dem Dach.

 

 

 

„Die Herrschenden wechseln, die Polizei bleibt!“

(Nada aus „Der Belagerungszustand“ von Albert Camus)

 

Dieser Teil der Saga enthält Anspielungen auf alle möglichen Filme, Serien, Witze, politischen und privaten Geschehenisse der 1980-2020er. Natürlich berührt dieser Teil der Saga auch massiv das Privatleben des Autors.

 

 

***

 

 

 

 

Teil 4:

 

Osterfeuer reloaded

(Teil 7: Ficken und Grill)

 

Mit meckerndem Lachen raste Pongo auf seiner Vespa die Straße zur Zufahrt herab. Er hatte sich einen eingeschagelt. Um ihn herum krachten die Wände zusammen und ‚Armageddon Street‘ röhrten ihren Marschkapellenbeat. „Jeah!“, rief Eric, „Du bist ein Geklonter!“. „Nein.“, sagte Pongo. „Ich bin dein allerschlimmster Alptraum.“. „Das sind zwei A“, sagte Eric. „Ja“. ,sagte Pongo. Die stehen für Abfalleimer und Abrissbirne.“ . „Nee.“, sagte Eric. „Das ist ein Zitat aus ‚Rambo‘ . Oder war es ‚Terminator‘?“ „Ach komm.“, sagte Pongo, „Das ist aus ‚Die walkenden Toten, Staffel 3‘.“

 

Im selben Moment kam die Geile aus ‚Game of thrones‘ vorbei. Eric und Pongo hatten beide vergessen, wie sie hieß. Aber während Pongo nur mit seinem blonden, geschmalzten Tollenkopf den Mund offenstehen ließ, entlud sich aus Erics Mund ein dreckiges, meckerndes Lachen, aus seinem Kopf schoss Brutalo Bumsmich Bretthart hervor, der alle drei B’s gefunden hatte, und irgendein heiß glühender Dämon ratterte die Geile aus ‚Game of Thrones‘ dermaßen durch, dass die Drachen alle wieder auferstanden.

 

 

 

Die Anspielungen, die in diesem letzten Teil der Saga stecken, müsst ihr selber herausfinden.

 

 

***

 

 

 

 

© by Patrick Rabe, 22. März bis 3. April 2021

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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