Hermann Karbe

Eine schweinemäßige Geschichte

Eine schweinemäßige Geschichte von Flecki und Pinky

Ich bin Flecki das Schwein und lebe mit meiner kleinen Familie auf einem Bauernhof. Mein bester Freund ist Pinky. Man hat uns diese Namen gegeben, weil wir so aussehen. Ich wegen meiner großen Flecken auf dem Rücken und Pinky weil er so eine hellrosafarbene Haut hat.

Vor etwa zwei Monaten herrschte große Aufregung in unserem Stall. Der Bauer hatte eine neue Anlage installiert. Merkwürdige große Kisten, aus denen es anfangs ständig surrte und piepte. In Pinky`s Box wurde eine dicke Keule, die Ähnlichkeit mit einem Baseballschläger hatte, auf den Boden geschraubt.

Pinky durfte damit machen, was er wollte. Viel ging ja nicht, weil die Keule ganz fest war. Aber darauf herumbeißen und sie besabbern ging natürlich. Pinky gab alles, aber das Ding war einfach nicht kleinzukriegen. Irgendwann hatte er es dann doch geschafft und sie ließ sich ein wenig bewegen. Was dann geschah, werde ich mein Lebtag nicht wieder vergessen. Pinky stemmte sich so sehr gegen die Keule, bis sie fürchterlich knackte. Aus den Boxen, die da oben hingen, erklangen seltsame Töne, die wir vorher nie gehört hatten. Uns und besonders unseren Frauen gefiel das natürlich total.
Von da an war es um Pinky geschehen. Stundenlang musste er an der Keule zerren und biegen, bis sie knackte und die Töne wieder von neuem erklangen. Irgendwann wurde es dem Bauern dann aber zu viel und die Keule wurde wieder abgebaut. Mit ihr verschwand auch Pinky.

Wir waren sehr traurig, denn wir wussten, was das bedeutete. Unser Chef, der Herr Eber, rief immer wieder zur Besonnenheit auf, aber wir konnten uns einfach nicht mit dem Verlust abfinden. Wir fraßen nicht mehr und waren schließlich nur noch Haut und Knochen.

Doch, oh Wunder, Pinky kam zurück. Anfangs wirkte er total genervt und litt unter starken Konzentrationsstörungen. Doch schnell war er wieder der alte Pinky. Und wie zur Belohnung bekam er sogar eine neue Keule. Eine viel schönere. Sie war viel beweglicher und ließ sich auch verschieben und nach oben und unten bewegen. Wie besessen nuckelte Pinky an dem Ding herum und fabrizierte bisher nie gehörte Kompositionen.

Dann, ich glaube es war ein Feiertag denn wir waren allein im Stall, war Schluss damit. Die Boxen blieben stumm, stattdessen wurde das Licht im Stall von einem Moment auf den anderen gleißend hell. Sekunden später wurde es wieder stockdunkel. Der große Ventilator an der Decke lief auf Hochtouren und wirbelte das ganze Stroh hoch bis zur Decke. Alles war in Bewegung und Pinky war nicht mehr zu bremsen. Er nuckelte sich so in Rage, dass er ohnmächtig umfiel.

Wir allen spürten, dass großen Veränderungen in ihm vorgingen. Herr Eber erzählte uns später, dass er mitbekommen hätte, dass die Ereignisse der letzten Wochen wohl auf ein wissenschaftliches Experiment zurückzuführen seien. Schlaue Menschen an einer fernen Universität hätten herausgefunden, dass wir, also genauer gesagt unsere Artgenossen, in der Lage waren, Computer zu bedienen. Sie wollten damit erreichen, dass wir ruhiger und entspannter am Tage unserer …., naja, ihr wisst schon, wovon ich spreche.

Das, was wir schon immer vermutet hatten, sollte uns quasi auch noch irgendwie gefallen. Deshalb hatte der Bauer diese Dinger eingebaut.

Schön und gut, aber nicht mit uns.

Herr Eber hatte die Idee, Pinky zu fördern und ihn an der Anlage weiter intensiv trainieren zu lassen.
Gesagt, getan. Pinky arbeitete Tag und Nacht. Irgendwann war er dann in der Lage, Unglaubliches aus der Keule herauszuholen. Schließlich konnte er all das steuern, was sonst nur der Bauer machen konnte. Für uns ein Riesenspaß. Gott sei Dank blieben Pinky`s Experimente vom Bauern unbemerkt.

Die Feiertage standen vor der Tür und damit war eine Zeit angebrochen, in der sonst immer einige von uns einfach verschwanden. Wir wussten, was mit ihnen geschah.

Aber dieses Mal waren wir gewappnet.
Herr Eber hatte einen Plan.
Mit Pinky`s Hilfe bestellten wir, natürlich online per Keule, einen Transporter, der uns abholte und auf den Gnadenhof “Schweineruhe“ brachte. Das ging dann ganz einfach. Die einzige Schwierigkeit war, uns alle mit einem Code zu markieren. Pinky meinte, das müsste unbedingt gemacht werden, da sonst das ganze System nicht funktionieren würde. Dafür mussten viele kleine Striche dicht nebeneinander auf unsere Ohren gezeichnet werden. Eine schweinemäßig mühselige Arbeit, die sich aber lohnte. Als wir schließlich alle gesund und munter auf „Schweineruhe“ ankamen, gab es dort ein Riesenhallo. Das war ein Geknuffe und Gequieke.

Tags darauf berichteten alle bekannten Nachrichtensender von unserer Aktion. Natürlich mussten wir schleunigst alle uns Aussehen verändern. Am nächsten Morgen hatten alle ihre Borsten umgefärbt. Manche ergriffen diese Gelegenheit beim Schopfe und verbesserten ihr Outfit so, wie sie es sich schon immer gewünscht hatten. Ich zum Beispiel hieß jetzt Streifi und Pinky nannten wird Nerdi. Nur der Herr Eber blieb weiterhin unser Eber und sah auch noch genauso wie vorher aus.

Wer jetzt denkt, diese Geschichte ist erfunden, der hat nicht ganz Unrecht. Sie könnte sich aber jederzeit so ereignen. Jedenfalls arbeiten wir daran.
 

Das muss noch gesagt werden:

Laut Forschungsbericht der „Purdue University im US-Bundesstaat Indiana, USA“ ist es jedenfalls möglich, Schweinen die Bedienung eines Computerspiels per Joystick beizubringen. Vielleicht werden demnächst Millionen Schweine vor ihren Laptops im Stall hocken und ihren Ausbruch vorbereiten.

Die Menschen reden immer häufiger von künstlicher Intelligenz und übersehen dabei die Intelligenz der Mitgeschöpfe.
Klüger als die Menschen sind wir allemal.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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