Francois Loeb

VERFLOGEN

In meiner Wochengeschichte ein seltsames Waldgeschöpf kennenlernen!


Kaum zu glauben und doch wahr. Ich wanderte heute früh durch den frühlingshaften Wald in dem alles Grün zu explodieren schien. Die Vögel Konzerte veranstalteten. Der Specht seiner Klopforgie huldigte. Nimmersatt sich an Raupen und Käfern gütlich tat, wohl wissend, dass kommende Festmahle in wenigen Wochen mit dem Nachwuchs zu teilen sein würden, halbleerer Vogelmagen diesem täglichen Brot (ganz ohne Rinde) er sich zu ergeben haben werde. Als ich auf die große Lichtung trat, die ich um mir diese besser zu merken den Namen Rehwieslein gab, kam mir ein Geschöpf ganz ohne Scheu entgegengeflogen. Bunte Schmetterlingsflügel streichelten leicht die leise Brise, entlockten dieser einen seltsamen Klang der nach dem Jenseits klang. Bunt waren diese Flügel. In der ganzen Farbpalette eines Regenbogens strahlend, obwohl weit und breit kein Wölkchen am Himmel zu sehen war, geschweige denn ein Regentropfen.
Das fliegende Geschöpf kam näher und näher, umflatterte mich. Schlug Purzelbäume über meinem Haupt. Kitzelte mich an meinem Nacken. Vermied es tunlichst in mein Gesichtsfeld zu treten, obwohl ich mich wie eine Schlange wand und Pirouetten drehte, als befände ich mich auf glattem Eis. Und da! Das Schmetterding drehte drei kunstvolle Vrillen. Landete auf meiner Nasenspitze und ich erkannte, dass das Flatterding weder Fisch noch Vogel war, vielmehr ein schlichtes Wort. Ein Wort mit Flügeln. Ein geflügeltes Wort das ich deutlich lesen konnte, das mir einen tüchtigen Schrecken einzujagen vermochte: 'VERFLOGEN?'. So stellte es sich vor. Verflogen. Gefolgt von einem fetten? Was wollte das auf meiner Nase gelandete geflügelte Wort? Auskunft über seinen oder meinen Weg? Hatte es sich verflogen, wusste nicht weiter, wünschte sich meinen Rat? Doch wie einem Wort, auch wenn geflügelt, den richtigen Weg weisen. Eine Aufgabe der ich mich nicht gewachsen fühlte. Oder ging es nicht im Geringsten um den Weg? Wollte es mir zeigen, dass mein Leben verflogen war. Verflogen ohne jeden Sinn und Wert. Mir klar darlegen wollte, dass unergründliche Gefühle in mir verflogen seien. Nicht mehr das Aus fanden, nachdem diese vor Jahren den Eingang in meine Seele gefunden hatten. Echt verflogen sich hatten. Hilflos betrachtete ich meine Nasenspitze. Betrachte diese immer noch, denn das geflügelte Wort sitzt nach wie vor auf meiner Nasenspitze, erinnert mich sekundengenau an all die Rätsel meines Lebens.
Meines Lebens, dessen Ein und Aus. Aus und Ein, das ich lebenslang zu ergründen habe.


Nach Schnee, Regen, Kälte doppelt zu geniessen: Der FRÜHLING!
Herzlichst Ihr François

François Loeb liest seine Kurzgeschichten vor
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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