Angelika Güth

Der Nil

Der Nil

Eine Schiffreise

Das Kabinentelefon störte meine Träume. Schlaftrunken nahm ich den Hörer ab. „Good morning madam, it’s half past two“, sagte ein ägyptischer Jemand.  Ein gemurmeltes “Thank you”, schob sich über meine Lippen. Ich kuschelte mich noch einmal in mein bequemes Kajütenbett und horchte auf das leise, beruhigende Stampfen der Schiffsmotoren. Die Kabine war nur schwach beleuchtet, gegen das Bullauge klatschten die Wellen des Nils. Meine Reisefreundin war inzwischen ebenfalls wach. Wir zogen uns hastig an und schauten durch das runde Fenster-Auge auf den nachtschwarzen Nil. Heute die Fahrt zum  Abu Simbel,  der aufregende Höhepunkt unserer Abenteuer-Nil-Reise.

Und das Abenteuer begann schon im Frankfurter Flughafen, unsere Maschine der CAIRO Air startete mit knapp 3 Stunden Verspätung nach Hurghada. Die Ankunft um 3.30 Uhr ägyptische Zeit vertrieb aber unsere Müdigkeit. Die neonhelle Flughafenhalle war selbst zu dieser Nachtzeit voll Menschen, lange Reihen von Passagieren standen an den Passkontrollen. Russische Wortfetzen, Italienisch, Englisch, Arabisch und Deutsch war zu hören. Ich schnupperte, wie roch ägyptische Luft ? Ich schauderte, fühlte die ungewohnte Kühle der ägyptischen Wüstennacht. Vor der Weiterfahrt nach Luxor zu unserem Schiff hatten wir im Hotel noch etwas Zeit, inzwischen war es 5.00 Uhr morgens.

Auf das Balkongeländer des Hotels gestützt, warteten wir neugierig, müde auf den Sonnenaufgang, und als die Minarette von Hurghada am mauve-grauen Morgenhimmel sichtbar wurden und der Muezzin rief, wussten wir, wir sind im Orient. Um 8.10 Uhr startete unser Bus mit Polizei-Eskorte durch die Wüste nach Luxor. Am Nil-Ufer wartete schon unser Schiff und über eine schwankende, wohl eher ägyptische Plankenkonstruktion gelangten wir in die  imposante Eingangshalle des Nil-Schiffes. Der polierte, ocker-, schwarz- und rosa schimmernde Granitboden, die Marmorkacheln und die Messingbeschläge der Treppenaufgänge glänzten in der Nachmittagsonne, sehr majestätisch, pharaonisch?  

Unsere Außenkabine lag gerade über dem Wasserspiegel, die Wellen des Nils klatschten beruhigend gegen das Bullauge und das spiegelschöne Marmorbad hatte die doppelten Ausmaße meines deutschen Badezimmers. Schon am gleichen Abend machten wir uns auf den Weg, besuchten den illuminierten großen Tempel von Luxor und gingen staunend durch die Säulen-Kolonnaden des Karnak-Tempels zu den 14 m hohen Standfiguren Ramses II. Es war Mitternacht als wir zum Schiff zurückgingen, aber in den Basaren am Hafen war um diese Zeit alles auf den Beinen. Pferdekutschen klapperten auf unebenen Straßen zwischen hupenden Autos ohne Licht; es wurde gekauft und verkauft. Fremde Worte, unbekannte Laute und orientalische Gerüche begleiteten uns zurück zum Schiff und nach 24 Stunden ohne Schlaf fielen wir steinschwer in unsere Betten.

In den nächsten Tagen glitt die sich immer wieder verändernde ockergrüne Nil-Landschaft an uns vorbei, während wir auf dem Weg nach Assuan Landgänge machten. Staunend standen wir im Edfu-Tempel,  froren um 8.00 Uhr morgens im Tal der Könige. Wir schwitzten am Hatschepsut-Tempel und tauchten ein in das feuchtheiße Klima von Com Ombo mit seinen geschmückten Eselkutschen. Die jahrtausendalte ägyptische Kultur des Philae-Tempels, Elephantine und die Esna-Schleuse ließen uns Staunen. Mit einem Felukkenboot besuchten wir ein nubisches Dorf und die ägyptische Geschichte nahm uns gefangen. Es wurde wärmer, je mehr wir dem Nil Richtung Süden folgten. Der Sudan war nur ca. 90 km entfernt.

Und dann Assuan. Als unser Schiff anlegte, tobte ein Sandsturm. Der Himmel war gelb-orange, und die Stadtrundfahrt, der Blick über den Nassersee, der Besuch der großen Moschee und der unvollendete Obelisk wurde auf den frühen Abend verschoben. Das orientalisch-ägyptische Märchen lockte und betörte mit dem Besuch des Parfümpalastes, mit Sandelholz- und Weihrauchdüften, dem riesigen Assuan-Basar mit seinen Eselkarren, echten und unechten Gold- und Alabasterständen, orientalischen Gewürzen, Essenzen, wohlschmeckenden Pfefferminztees, und fröhlichen Ägyptern.

Die Eindrücke der letzten Tage waren üppig lockende orientalische Filmbilder vor meinem inneren Auge, waren in meinem Kopf, während ich um 3.00 Uhr nachts in der dämmrigen Kabine meine warme Jacke anzog, für unser letztes Abenteuer,  Abu Simbel.

Die Sonne ging schon auf, als wir um 7.45 Uhr, nach einer unbequemen Wüstenfahrt mit Polizeikonvoi  staunend vor den aus dem Fels gehauenen 20m hohen Sitzfiguren Ramses II standen. Es war sehr kalt, aber in der inneren Vorhalle des Tempels, mit seinen acht 10m hohen Osirispfeilern und den Reliefs, die die wichtigsten Schlachten von Ramses II darstellten, vergaßen wir Müdigkeit und Kälte und schauten durch ein kleines Zeitfenster ehrfürchtig, fasziniert auf die pharaonische Vergangenheit dieses Landes, seiner Menschen und ihrer Lebensweise.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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