Jürgen Skupniewski-Fernandez

Das indische Pentagramm /10

Annabelle Durand war am Ende ihrer Pilates Trainings Stunde im Sofitel Imperial Palace Resort & SPA. Das Luxus Hotel in Flic en Flac lag nicht soweit von Tamarin entfernt. Sie arbeitete hier als freiberufliche Personal Trainerin, so wie in weiteren diversen Resorts auf Mauritius. Ihre ausgezeichneten Fachkenntnisse waren auch im Wellness Bereich sehr gefragt.

Die Trainingseinheit schloss mit der "Hundred" Übung. Sie tupfte sich mit einer Hand die Schweißperlen aus  ihrem Gesicht. Ihre Kundin war hellauf begeistert.

„Heute haben wir den Vogel abgeschossen. Ich bin erledigt. Es war wieder grandios mit Ihnen, Annabelle!“.

Beide Frauen lachten und erhoben sich von den Übungsmatten, um sich voneinander zu verabschieden. Ein Telefon klingelte.

„Annabelle, da ist ein Constable Elmire aus Port Louis und fragt nach dir. Soll ich ihm sagen, dass du gleich in die Lobby kommst?", fragte die Rezeptionistin des Wellness Bereichs.

„Ja, ist schon ok! Sag ihm, dass ich in ein paar Minuten an der Rezeption bin. Danke!".

Annabelle ging in den Personalraum und duschte schnell. Sie öffnete die Schranktür ihres Spinds, nahm ihre Handtasche, und kramte nach einem Umschlag ohne Beschriftung. Sie starrte auf einen Zettel und steckte ihn schnell wieder mit zitternden Händen zurück. Das pralle Geldbündel verstaute sie in einer Seitentasche. Sie schaute in den Spiegel, strich sich übers Gesicht und durch die Haare.

"Annabelle, bleibt es dabei, nächsten Mittwoch?".

"Ja, natürlich!".

"Die Kundin hat ausdrücklich dich gebucht", lächelte ihr die Kollegin keck zu. Annabelle verabschiedete sich.

 

Constable Elmire stand nicht weit von der Rezeption entfernt. Er sah Annabelle die Treppe hinaufkommen und rief ihren Namen.

„Miss Durand!“. Annabelle schaute zu ihm hinüber und kam auf ihn zu.

„Oh!, Constable! Ich habe sie beinahe nicht wieder erkannt. Heute mal ohne Uniform? Sie sehen ja richtig toll aus, so privat“.

Annabelle lachte und Elmire wuchs gleich ein paar Zentimeter in die Höhe.

„Sie sollten, was die Sensibilität der mauritischen Polizei angeht, uns nicht unterschätzen. Es macht auf Hotelgäste keinen guten Eindruck, einen uniformierten Polizisten aktiv im Hotel zu sehen. Ich denke, sie würden sich auch nicht wohl dabei fühlen“.

„Ja, da haben Sie vollkommen recht Constable, das ist wirklich rücksichtsvoll“.

Sie gingen die Treppen hinunter und kamen zu den Sitzgruppen des offenen Bereichs der Lobby. Von hier hatte man einen herrlichen Blick auf Pool, Strand, Palmen und Meer. Der Baustil hat asiatischen Einfluss und man spürt unter der schweren Holzvertäfelung mit seinen weißen Verstrebungen, das ausgehende Jahrhundert. Was durchaus vom Erbauer gewollt war.

„Ein toller Arbeitsplatz, Miss Annabelle, da lässt es sich aushalten“, bemerkte Elmire beiläufig.

Sie nickte nichtssagend; das hörte sie des Öfteren. Ein Kellner brachte ihnen Wasser und sie zeichnete als Mitarbeiterin des Hotels den Bon sofort ab.

„Miss Durand wir brauchen im Fall Veronique Vervier ihre volle Unterstützung. Ihnen als engste Freundin muss doch etwas aufgefallen sein?“

„Aber ich habe doch bereits auf dem Revier dem Inspektor alles mitgeteilt. Da gibt es nichts mehr, was ich Ihnen noch sagen könnte“.

„Wie lange leben Sie schon auf Mauritius? Seit wann wohnt Madame Vervier auf der Insel?“

„Ich habe mich vor fünf Jahren entschieden auf Mauritius zu bleiben, bin aber auch öfters im Ausland unterwegs. Nach unserem Studium in London, sind Veronique und ich durch die Welt gebummelt. Mal hier, mal da! Wir haben uns erst vor gut zwei Jahren wieder getroffen. Wir liebten Fitness, sportliche Herausforderungen. Das mache ich auch als Selbstständige. Ich kann entscheiden, ob ich etwas annehmen möchte und bin frei. Veronique hat was studiert oder studierte immer noch, was weiß ich. Sie verstand viel von Kunst und war oft im Ausland für dieses Marketing Unternehmen unterwegs“.

 

 

 

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