Heinz-Walter Hoetter

Die tödliche Story von Max Rollox

 

 

 

Der 16-jährige Max war eigentlich ein stiller Junge, der nur selten etwas sagte. Er lebte mit seinem älteren Bruder weit außerhalb der Stadt auf einem alten Bauernhof zusammen mit seinen Eltern, die den Hof gemeinsam bewirtschafteten.

 

Max musste tagsüber die Kühe auf einer abgelegenen Weide eines nah gelegenen Tales hüten, wo es einige dunkle, verschwiegene Höhlen gab, von denen die einheimischen Bewohner sagten, dass sich dort manchmal eigenartige Kreaturen herum trieben, von denen man nicht wusste, woher sie kamen und was sie dort eigentlich so genau machten.

 

Aber viele Leute hielten diese Geschichten einfach nur für reine Sagen, die man gerne verbreitete, um besonders den ahnungslosen Kindern Angst zu machen.

 

Eines Tages schickten die Eltern Max wieder einmal los, um die Kühe zu hüten, weil es sich herum gesprochen hatte, dass sich offenbar ein gefährlicher Wolf in der Gegend herumtrieb, der die jungen Kälber der Kühe reißen könnte.

 

Deshalb drückte ihm sein Vater eine geladene Schrotflinte in die Hände, mit der Max schon sehr gut umgehen konnte, um die wertvollen Tiere damit besser schützen zu können, wenn es zu einer Konfrontation mit der Bestie kommen sollte.

 

Als Max die Kuhherde erreichte, wunderte er sich darüber, dass das große Tor des Stalles bereits weit offen stand und die meisten Kühe schon auf der grünen Wiese herum liefen. Jemand musste das Tor wohl schon geöffnet und die Tiere nach draußen gelassen haben. Aber wer konnte das gewesen sein? Max wusste darauf im Moment noch keine Antwort.

 

Vorsichtig nahm der Junge die Flinte von seiner Schulter und lud sie durch. In der linken Hand hielt er zwei weitere Patronen, um schnell nachladen zu können.

 

Ihm kam die ganze Sache ziemlich seltsam vor. Deshalb machte sich auch ein mulmiges Gefühl in seiner Magengrube breit.

 

Plötzlich hörte er ein seltsames Geräusch aus dem Stall, das sich wie das Surren eines leise laufenden Elektromotors anhörte. Das Surren kam näher.

 

Max wurde neugierig und richtete den Lauf der Schrotflinte direkt auf den weiten Eingang des Stalles. Dann rief er so laut er konnte: „Ist da jemand? Wer immer du bist, komm da raus oder ich schieße!“ Dann wartete er ab, was geschehen würde.

 

Auf einmal stand er da, dieser riesige Roboter, der aussah wie ein Alien aus einer fremden Welt. Sofort hob er beide Arme hoch, als wolle er sich ergeben.

 

Bitte nicht schießen, mein Junge! Ich habe nur die ganze Nacht hier bei den stinkenden Kühen verbracht, weil man mich gesucht hat. Im Stall war ich sicher, da man mich nicht bei den Tieren vermutete. Jetzt möchtest du bestimmt wissen, wer mich sucht bzw. hinter mir her ist – oder? Nun, ganz einfach! Es ist der finstere Bronk, ein Roboterjäger aus meiner Welt. Ich habe nämlich an seiner Zeitmaschine ein bisschen herum gespielt und fand mich von einer Sekunde auf die andere plötzlich hier in deiner Welt wieder. Dieser schreckliche Bronk verfolgt mich mit unerbittlicher Ausdauer, doch ich konnte mich in dem Stall bei deinen Kühen verstecken. Aber ich denke mal, er wird mich sicherlich schon bald aufspüren, um mich dann wieder in meine Welt zurück zu holen. Er ist sehr, sehr böse auf mich und hat mir damit gedroht, meine Energiestäbe heraus zu nehmen, um mich für eine lange Zeit zu deaktivieren. Das ist eine furchtbare Strafe für Roboter. Man ist weder tot noch lebendig. Aber ich möchte nicht deaktiviert werden. Lieber bleibe ich in deiner Welt und kehre nie mehr in meine zurück.“

 

Max war von der traurigen Geschichte des Roboters irgendwie beeindruckt. Deshalb ließ er den Doppellauf seiner Schrotflinte sinken. Er war außerdem darüber schon sehr erstaunt, dass der Roboter in seiner Sprache redete und ihn auch ganz gut verstand.

 

Du sprichst meine Sprache? Wie hast du das so schnell geschafft, Roboter?“

 

Ich lerne superschnell, ganz egal, was es auch immer sein mag. Aber sag' einfach Marmoron zu mir. Und wie heißt du, mein Freund?“

 

Mein Name ist Max, genau genommen heiße ich Max Rollox. Ich muss die Kühe und Kälber meiner Eltern, die gleich hinter dem Tal einen kleinen Bauernhof besitzen, heute den ganzen Tag behüten. Ich habe noch einen Bruder, der aber älter ist als ich. Er ist jetzt in der Schule. Es ist schon eine ziemlich eintönige Arbeit, jeden Tag diese blöden Viecher zu bewachen, das kann ich dir sagen. Ich wünschte, ich könnte hier weg, um mal etwas anderes kennenzulernen, als nur die blöden Kühe zu bewachen. Die Flinte hat mir mein Vater mitgegeben, damit ich die Herde vor einem bösartigen Wolf beschütze soll, der sich hier in unserer Gegend herum treibt. Entschuldige bitte, dass ich dir vielleicht Angst mit diesem Ding eingejagt habe. Das wollte ich nicht.“

 

Ach was, mein Freund. Ich hab' alles nur gespielt. Angst kenne ich nicht und schon gar nicht vor so einem Schießeisen, das mir bestimmt nicht gefährlich werden kann. Ich bestehe nämlich aus einem Metall, das sehr widerstandsfähig ist und mich praktisch so gut wie unzerstörbar macht. Na ja, fast, denn alles kann man zerstören, wenn man nur die richtigen Waffen gegen mich einsetzt.“

 

Auf einmal zuckte Marmoron, der Roboter, etwas zusammen. Hinter der Scheune tauchte ganz unerwartet ein weiterer, noch größerer Roboter auf, der eine ziemlich gefährlich aussehende Waffe in der rechten Metallhand hielt und damit auf den völlig verdatterten Max zielte.

 

Warum zielt der auf mich?“ fragte der Junge mit einem leicht ängstlichen Ton in seiner Stimme den vor ihm stehenden Roboter Marmoron.

 

Das ist der böse Bronk aus meiner Welt, von dem ich dir erzählt habe. Er hat mich ausfindig gemacht und wird mich wohl in meine Welt zurück bringen wollen. Ich ergebe mich lieber sofort, bevor er noch böser wird, als er schon ist.“

 

Bald stand der zweite Roboter vor den beiden.

 

Wer ist das das?“ fragte der böse aussehende Roboter mit krächzender Stimme, der offenbar dieser Bronk war und wandte sich mit seiner Frage an Marmoron.

 

Das ist ein Mensch namens Max. Ein ganz junges Exemplar dieser Spezies. Er hütet hier tagsüber die Kühe seiner Eltern. Ich habe ihm gesagt, dass ich nur durch einen Zufall in seine Welt geraten bin. Ich wollte ihn damit nur beruhigen, um ihm keine unnötige Angst einzujagen. Tatsächlich konnte ich in kürzester Zeit sein Vertrauen gewinnen. Ich wollte ihn eigentlich nur so lange hinhalten, bist du endlich den Sprung durch die Zeit geschafft hast. Wir können daher jetzt sofort mit der Durchführung unseres Planes beginnen, der mit diesem menschlichen Jungen anfängt. Die kleineren Roboter haben sich hier bereits in die Kühe verwandelt und warten vorerst weitere Befehle ab. Sie spähen schon die Umgebung aus. Ich werde einen der Spähroboter gleich in diesen Max verwandeln, um seine Eltern hier hin zu locken. Der Grund dafür ist der von uns verwandelte Wolf, der ebenfalls ein Roboter ist, den die Leute in dieser Gegend schon gesehen haben. Das war volle Absicht, denn der Wolf ist nur unser Köder, um die Eltern des Jungen hier hin zu locken. Das wird aber erst der Anfang sein, erhabener Bronk.“

 

Dann wandte sich Marmoron an den wie versteinert da stehenden Max, dem die Schrotflinte aus seinen Händen entglitt, die jetzt mit einem dumpfen Geräusch auf den weichen Rasenboden fiel.

 

Im gleichen Moment packte ihn der Roboter Marmoron brutal am Kragen seiner Jacke, schleppte ihn in die Scheune und warf den zappelnden Jungen in eine schwarze Öffnung, wo er mit einem schrillen Aufschrei in sekundenschnelle mit einem lauten Knall in einem hellen Blitz verdampfte. Der Gestank von verbranntem Fleisch machte sich ein wenig in der Scheune breit.

 

Kurz darauf verwandelte der Roboter Marmoron einen der wartenden Spähroboter in den Jungen Max Rollox und gab ihm haargenau das gleiche Aussehen, wie seinem Vorgänger, dem menschlichen Max. Dann marschierte das Duplikat des Jungen zurück zu seinen Eltern, um ihnen von dem gefährlichen Wolf zu erzählen, den er angeblich abgeschossen haben will. Die Eltern wollten natürlich das erlegte Tier sofort selbst in Augenschein nehmen und gingen mit ihrem vermeintlichen Sohn zusammen zurück zu den Kühen, die eigentlich keine mehr waren und alle mittlerweile verwandelte Duplikate waren.

 

Aber das war natürlich nur eine hinterlistige Täuschung von den beiden Robotern Bronk und Marmoron. Auch die ahnungslosen Eltern des Jungen würden man töten, damit die anderen Roboter endlich die Gestalt von Menschen annehmen konnten, die bereits einer nach dem anderen aus der Zeitmaschine in der Scheune hervor traten, die aus einer weit, weit entfernten Welt kamen. Die Invasion der Erde des Menschen hatte begonnen und bald würden die Roboter über sie herrschen.

 

Ende

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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