Rebecca K.

Die Suche nach dem Glück

„Doch schon bald ist da ein Regenbogen

Schummelt sich am Unwetter vorbei

zunächst schwach, bei ruhigem Wind

werden die Farben des Himmels frei

Sie werden voller, bis neben ihm thronend

Ein zweiter Regenbogen den Himmel bewohnt,

dieser in ähnlich toller Farbpracht

Als die Sonne dem Himmel den Hof macht

Doch die gute Luft wird dick und heiß

bis uns allen der Schweiß bricht aus

Auch ohne Sonne, so erdrückend,

bis der Regen uns erlöst

und

nach ein, zwei Schauern, ist die Luft

erfrischend, wohlig und ein Traum

Ein Geruch von Gras und Nässe

und auch Leben schwirrt im Raum

Und die Welt wird wieder voller

Des Nachmittags traut sich die Sonn‘

wieder auf die Bilderfläche

wärmt von innen, außen, Wonn‘!“

 

Ich sitze auf einem Sofa-Kissen

Auf der Feuerleiter meiner Wohnung

Die Gitterstäbe hinter mir

Sind leicht verrostet

und wackeln im Wind

Es riecht nach Zigaretten und Bier

Und im Hintergrund

hört man Hupen

Und die Straßenbahn fahren

 

Ich klappe mein Buch zu

 

In der Stadt ist es nicht so leicht

Frieden zu finden

Oder einen Sonntag mit echter Sonne

Zu genießen

Irgendwo ist immer Lärm

Und so wie in dem Gedicht

Habe ich das Wetter

noch nie wahrgenommen

ich sehe höchstens auf meiner Handy-App nach

ob es regnen soll

oder wie warm ich mich anzuziehen habe

„Eigentlich schon traurig“,

denke ich, „was man alles so verpasst,

weil man gedanklich wo anders ist“

Ich überlege angestrengt,

doch ich weiß nicht mal mehr,

ohne hinzugucken,

ob sich in unserem Innenhof Bäume befinden

oder welche Farbe die Wand unseres Hauses hat

spontan beschließe ich also

meine improvisierte Leseecke zu verlassen

und mich leicht schwerfällig

mit Sonnenbrille und Kopfhörern bewaffnet

auf den Weg zu machen

Altstadt, Innenstadt oder Rheinpromenade?

Ich kann mich nicht entscheiden

Überall ist es so voll mit Menschen

Und ich will jetzt mal Ruhe

Von all dem Getümmel

Also laufe ich einfach drauf los

Bevorzugt in kleinen Gassen

Ziellos, einfach weg von allem und

Irgendwann sehe ich Haus

Mit lauter Schnörkeln und einem Gartenzwerg

Vor der Eingangstür

Das Törchen am Zaun ist offen

Und daran hängt ein selbstgeschriebenes Schild

„Zutritt verboten“, wobei verboten

Durchgestrichen ist und darunter in Kinderschrift

„kommt ruhig rein, hier ist es schön“,

gesetzt wurde.

Dazu mit einer kleinen Zeichnung

von einem lächelnden Menschlein daneben

als ich plötzlich hinter mir einen Schrei höre

als ich mich erschrocken umdrehe

sehe ich, wie ein volltrunkener Obdachloser

auf mich zu taumelt

und dabei die Flasche in seiner Hand anschreit

schnell rette ich mich in den Garten des Schnörkelhauses

und verstecke mich hinter dem nächsten Baum

als ich mich nach ein paar Minuten umdrehe

sehe ich einen kleinen Teich,

einen Meter neben meinem rechten Fuß

und einen kleinen Wasserfall daneben

neben dem Teich stehen ein paar Palmen

und über die Weite des Rasens sieht man

Blumen und kleine Skulpturen

Diese säumen eine kleine Bank ganz hinten

Und um sie herum ranken Rosen,

wie ein Dach

zum ersten Mal seit Langem

lächle ich

schon als Kind habe ich Rosen geliebt

und das Geräusch von fließendem Wasser

langsam gehe ich auf die Bank zu

dieser Ort scheint zu perfekt, um wahr zu sein

und das inmitten einer Stadt?

Öffentlich zugänglich?

Und dann auch noch komplett verlassen?

Sehr merkwürdig, finde ich

Ich lasse mich also auf der Bank nieder,

ziehe meine Schuhe aus, die Sonnenbrille an

und schließe für einen Moment die Augen

Atme ein, atme aus

Doch selbst jetzt

will sich keine Entspannung breit machen

was ist denn mein Problem bitte?

Ich bin an einem wunderschönen Ort

Der alles hat, was ich mir eben

Auf der Eisentreppe im Wind

Noch herbeigeträumt habe

Und trotzdem, bin ich nicht glücklich

Vielleicht brauche ich einfach mehr Zeit,

um mich einzustellen,

einzustellen auf die Ruhe dieses Ortes,

denke ich und versuche noch einmal

mit geschlossenen Augen,

den Zauber meiner Umgebung

in mir aufzunehmen

doch vergebens

frustriert mache ich die Augen wieder auf

was braucht es denn nun, für mich

um glücklich zu sein?

Ruhe, Schönheit und Alleinsein,

reichen wohl nicht,

obwohl ich immer geglaubt habe,

dass, wenn ich nur all das bekäme,

für nur einen Augenblick,

wäre mein Leben besser,

und ich hätte mehr Freude in mir

Doch es scheint, dass all das,

nicht ausreicht

ich muss also tiefer graben

was macht mir denn Freude?

Lesen

fällt mir da so spontan ein

Was noch? Singen vielleicht

Aber nur unter der Dusche

Und nur ABBA Songs

Meistens

Vielleicht Schreiben

Denke ich

Aber auch nicht immer

Und eigentlich nur Einkaufslisten und Emails

Und so richtig glücklich bin ich dann auch nicht

Warum bin ich denn so selten glücklich?

Ich hole mein Handy heraus

Und frage Google

Wie wird man glücklich?

Nachdem ich mich durch sämtliche Ratgeber-

Und Werbeseiten geklickt habe

Stoße ich auf ein Frage-forum

Und die erste Antwort lässt mich schmunzeln:

Essen

Aber das hilft mir nicht weiter

Als ich mein Handy schon resigniert weglegen will

Lese ich eine Antwort die mich zum Nachdenken bringt

Yourmom_ismymom94 schreibt:

 

„Das Glück zu suchen ist vergebens,

denn Glück ist immer da.

Um dich, in dir, in allem.

Sieh hin, es ist so nah.“

 

Für ein paar Minuten sitze ich schweigend

Auf meiner kleinen Bank

Dann packe ich mein Handy weg,

Stehe auf und laufe zurück

ich setze mich auf die Feuerleiter

Meiner Wohnung, mit einem Sofa-Kissen

und klappe mein Buch auf.

 

Ende

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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