Günter Weschke

Wolken über dem Huber-Hof

Wolken über dem Huber-Hof

Der idyllisch gelegene Huber-Hof, lag eingebettet zwischen zwei Hügeln die mit Reben bedeckt waren, dazwischen lagen große Flächen von Acker -und Weideland.
Der Hof war ein stattliches Anwesen, aus dem achtzehnten Jahrhundert.
Der jetzige Bauer war schon alt, seine Frau war gleich nach der Geburt ihres Sohnes, im Kindbett, gestorben.
Der “Bub” war jetzt achtundzwanzig, er galt als arrogant und eingebildet, bereits in der Schule war er unbeliebt.
Von seinem Vater hatte er die Landwirtschaft gelernt, er konnte alles, wenn es darauf ankam, mit dem Vieh und den Pferden kam er gut zurecht, aber es fehlte einfach die Beständigkeit. Leider wurde er des Öfteren in Spielkasinos gesehen und hatte wenig Glück dabei.
Die Arbeit auf dem Hof, tat er mehr schlecht als recht, in seinem Kopf arbeitete es immer öfter, ich, als einziges Kind, werde einmal den Hof erben!
Als der Huber-Bauer auf dem Sterbebett lag, verlangte er vom Sohn ein Versprechen, Den Hof weiterzuführen, zu heiraten, eine Familie gründen, damit dieses Erbe weiter bestehen bleibt.
Der Sohn hätte bereits vor Jahren heiraten sollen, aber die Mädchen mochten den eingebildeten Kerl einfach nicht, da konnte auch das große Erbe nicht locken.
Der Sohn versprach dem Vater, seinen Wünschen nachzukommen.
Der Huber-Bauer war ein angesehener Mann und so kamen viele Trauergäste zu seiner Beerdigung. Es war eine würdige Trauerfeier.
Im Hof des Anwesens waren große Tische aufgestellt und die zwei Köche hatten alle Hände voll zu tun, um, die Braten mit allen zugehörigen Zutaten und Desserts, so fertig zu stellen, dass es, wenn die Trauergäste eintrafen, keine Wartezeiten gab.
Die zu erwartenden Gäste waren hungrig und durstig, es wurde ein großes Fass Bier angestochen, Weine und Säfte lagen bereit.
Als der Herr Pfarrer zusammen mit dem Bürgermeister eintrafen, spielten die Dorfmusikanten auf, keine festliche Musik, eher getragen von Trompete und Bass. Es war alles nach den Wünschen des verstorbenen getan worden.
Üppiger Blumenschmuck auf den Tischen, gab den Anschein eines fröhlichen Festes.
Der Pfarrer hielt eine kleine Rede, von Liebe und Tod.
In dem Moment, wo er sich wieder setzte, fuhr ein großer Wagen langsam in den Hof, hielt an, der livrierte Chauffeur stieg aus, ging um den Wagen herum und öffnete eine der Wagentüren, ihr entstieg eine junge, wunderschöne Dame, das lange blonde fiel auf ihre Schultern.
Der junge Bauer stand auf und sah ihr neugierig entgegen.
Sie ging den kurzen Weg bis zu den Tischen, sie lächelte etwas und sagte:
”Mein Name ist Isabelle, Gräfin zu Hauenstein, der leider verstorbene Huber-Bauer wollte, dass ich heute her komme, um mein Erbteil zu beanspruchen!”
Im Hof war es plötzlich still geworden, die Musikanten spielten nicht mehr und alle blickten auf die junge Frau.
Der Jung-Bauer fragte mit etwas rauer Stimme” Wie war doch gleich ihr Name!” “Mein Name ist Isabelle, Gräfin zu Hauenstein!”
Der Jung-Bauer schüttelte seinen Kopf, nein, den Namen kenne ich nicht!”
Wie kommen Sie darauf, hier Erbansprüche geltend zu machen und das gerade Heute?”
“ Wie gesagt, Ihr Vater wollte es so!”
Der Pfarrer stand auf, ging zu der jungen Frau und sagte.” Ich heiße Sie hier, im Namen das Verstorbenen, herzlich Willkommen!”
Er führte sie an den Tisch, wo sie sich setzte.
Jetzt sprach der Pfarrer zu dem Jung-Bauern, “ Dein Vater hat mir gebeichtet, dass er nach dem Tod deiner Mutter, allen Lebensmut verloren hatte und er in einer Klinik auf Hilfe hoffte. Hier wurde er von der Mutter dieser Gräfin gepflegt, sie versah dort einen versprochenen Hilfsdienst.
In den langen Wochen seines Aufenthalts dort, kamen sich die Beiden näher.
Das musste natürlich alles unter größter Geheimhaltung geschehen.
Zur Geburt ihres Kindes, reiste die Gräfin in die Schweiz.
Dieses Kind, ist die hier anwesende Gräfin zu Hauenstein, also deine Halbschwester.”
Der Jung-Bauer ist bei den Worten des Pfarrers blass geworden, davon hatte sein Vater nie gesprochen.
Er reichte der jungen Frau die Hand und sagte, “ Seien Sie Willkommen, ich muss das alles erst einmal verkraften, das  kommt jetzt zu plötzlich. Aber gehen wir doch ins Haus, dort können wir ungestört alles Weitere besprechen.”
Einen Augenblick noch, sagte die Gräfin, sie gab dem wartenden Chauffeur ein Zeichen, der öffnete wieder die Wagentür und es entstieg dem Wagen eine
ältere Dame, ihr weißes Haar leuchtete im Sonnenlicht.
Die junge Gräfin ging ihr entgegen, nahm ihren Arm und führte sie an die Tische, “Das ist meine Mutter, die Gräfin Ursula zu Hauenstein!”
Auch der Bürgermeister begrüßte die Gräfin Ursula, gab ihr einen Handkuss und führte sie am Arm, in die sehr wohnlichen Räume des bäuerlichen Hofes.
Der junge Bauer kämpfte immer noch mit der großen Überraschung.
Als alle Platz genommen hatten, sagte Gräfin Ursula: “Wir waren damals sehr jung, aber unsere Liebe zueinander, war sehr groß!”
Der Bürgermeister sagte, :”Ich habe hier noch etwas schriftliches, von deinem Vater, er hatte mir sein Testament, zur  Verwahrung überlassen, das ich hiermit öffne!” Dann las er laut vor : (Hier nur das Wichtigste) “ die Gräfin Isabelle, erbt zweihunderttausend Reichsmark, wobei sie auf andere Ansprüche verzichtet!
Der Jung-Bauer blickt fassungslos in die Runde, “Zweihunderttausend habe ich nicht, die könnte ich niemals aufbringen!”
Die Frage des Bürgermeisters, ob er seinen Hof belasten könne`
“Nein, das kann ich nicht mehr, ich habe für achtzigtausend Mark Spielschulden!” Puh, sagt Gräfin Ursula, ich kann dir folgenden Vorschlag machen, ich übernehme deine Spielschulden und zahle dir dazu noch zwanzigtausend Reichsmark, die gebe ich dir in bar, im Gegenzug verzichtest du auf alle Ansprüche.
.Der junge Bauer schnaufte, er sah plötzlich eine entsetzliche Armut auf sich zukommen.
Alle Augen richteten sich auf ihn, was würde er tun?
Er sah Gräfin Isabelle an, “Kann ich dich einmal kurz allein sprechen?”  
Sie sah ihn an, sagte dann aber -ja-.
Er führte sie in das Arbeitszimmer seines Vaters, dort goss er zwei Gläser voll Wein, reichte ihr das Eine und trank ihr, mit dem Andren, zu.
Sie tat das Gleiche, sagte dann aber, “ Vergiss es, erstens geht es nicht und zweitens, ich mag dich nicht, es gehört mehr dazu als Geld!”
“Aber wir könnten doch…
“Nein, wir können nicht!”
“Jetzt lass uns zu den Anderen gehen!”
Gespannt sahen die ihnen entgegen.
Gräfin Isabelle sagte zum Bürgermeister, “ Soweit ist alles gesagt, wir überlassen ihnen alle weiteren Formalitäten und erwarten die Unterlagen für die Bank und dem Erbgericht!”
Nachdem die zwei Gräfinnen den Hof verlassen haben und fortgefahren waren, zog sich der junge Bauer zurück, er ging in den Stall, wo seine Pferde standen. Er sprach zu ihnen, dann sattelte er den schwarzen Hengst und ritt vom Hof.
Als man ihn am anderen Morgen fand, stand der Hengst neben ihm, der Arzt stellte fest, dass er vom Pferd gestürzt ist und sich dabei das Genick gebrochen hat.


















 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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