Qayid Aljaysh Juyub

Wicked weird world: Von Gangstern, Nazis und Ratten

Ramazan Katiller und Alfred Schulze, genannt ‚Ali iri sıçan ‘, betraten Ernst Kippenneukers Imbiss am späten Vormittag jenes Frühlingstages in der ersten Dekade des neuen Millenniums. Mit gerunzelter Stirn betrachtete Ramazan, seines Zeichens Eintreiber der Alp-Arslan-Gang, die beiden einzigen, sich über ebenso viele halbe Hähnchen hermachenden Gäste.
„Ihr da, zischt ab!“
Jäh unterbrochen in ihrem Hühner vertilgenden Tun, sahen die beiden uniformierten Polizisten den stämmigen Seldschuken überrascht an. Empört richtete sich der jüngere Ordnungshüter halb von seinem billigen Plastikstuhl auf, um von seinem älteren Kollegen vehement zurückgehalten zu werden, sodass fast der billige Campingtisch an dem beide saßen umfiel.
„Selbstverständlich Herr Katiller!“
Der reifere Vertreter der Staatsohnmacht nickte dem Gangmitglied, das den Polizisten mit stolzer Verachtung musterte, beflissen zu.
„Harry, das ist einer von den Herren mit Migrationshintergrund, von denen ich Dir neulich erzählte. Geh doch schon einmal die Dienstfahrräder holen!“
Mit hochrotem Kopf und gesenktem Blick verließ der Angesprochene gehorsam die Lokalität.
„Herr Katiller, entschuldigen Sie nochmals unser Eindringen! Ich werde auch umgehend diesen gastlichen Ort verlassen, wenn es Ihnen recht ist?“
Mit einer gnädig wegwerfenden Geste erlaubte Ramazan dem fleischgewordenen Vertreter polizeilicher Deeskalationstaktiken zu gehen.
Derweil sonnte sich Schulze im warmen Licht des Respekts, dem die beiden diensteifrigen Ordnungshüter dem seldschukischen Intensivtäter entgegenbrachten und beobachtete feixend, wie auch der zweite Beamte erleichtert das Weite suchte. Er als Bioteutone und Kleinkrimineller hätte vermutlich in einer ähnlichen Situation Bekanntschaft mit der parteiisch kulturrelativierenden Härte absurdistanischer Gesetze gemacht. Natürlich spielten hinsichtlich der ordnungskräftlichen Demutsbekundungen auch diverse ‚Spenden‘ an Polizeipräsident Capone und allerlei lokalpolitische Entscheidungsträger eine Rolle.
„Haydi Ali, auf Deinen Platz!“
Routiniert bezog Schulze seinen Posten an der Tür des Imbisses, um zu verhindern, dass möglicherweise zeugnisablegende Gäste das Lokal zur Unzeit betraten. Als Handlanger des Eintreibers stellte dies eine seiner qualifizierteren Tätigkeiten dar, die zu einem guten Teil aus einfachen Dienstleistungen wie beispielsweise Einkäufe für Ramazan und andere Bandenmitglieder bestanden. Normalerweise engagierte die Gang für solche Dienste seldschukische Jugendliche, die dann später in die Organisation aufgenommen wurden. Das kam für Ali -Ramazan war übrigens einer der wenigen, die ihn so ansprachen- als fremdstämmigen Underdog nicht infrage. Der schmächtige Teutone, dessen nagetierhaftes Äußeres in gewisser Weise zu seinem Spitznamen beitrug, verdankte vielmehr seinen bescheidenen, aber relativ gut bezahlten Job einfach der Tatsache, dass zwischen ihm und dem hochangesehenen Katiller bereits seit dem Vorschulalter eine Art Freundschaft bestand.
Der Inhaber der Pommesbude hatte derweil die vorhergehende Szene hinter der schmuddeligen Theke mit zunehmendem Unbehagen beobachtet, während seine blondgelockte Gehilfin dem Eintreiber bewundernde Blicke zuwarf.
„Kippenneuker, alter Hühnerfreund, wie kannst Du es wagen, meine Augen mit fressenden Domuzlar zu beleidigen? Hast Du keinen Respekt vor mir?“
Unter dem strengen Blick Katillers erfasste den feisten Imbissbesitzer eine gewisse Nervosität, die sich durch diverse Schweißperlen auf seiner Stirn einen deutlichen Ausdruck fand.
„Verzeihen Sie mir, Effendi. Die Bullen haben vorher einen Haufen Tütchen ‚Spezialgewürz‘ für ihr ganzes Revier gekauft. Ich wusste nicht, Effendi, dass Sie jetzt schon kommen und gedacht, die beiden wären schon längst weg, wenn Sie uns die Ehre Ihrer Gegenwart angedeihen lassen.“
„Vielleicht sollte ich Dir die Ohren abschneiden!“
Ramazan grinste den erbleichenden Imbissbudenbesitzer, der an seinen unglücklichen wie ohrlosen Vorgänger dachte, schelmisch an.
„Aber Allah ist mit den Mitleidigen und ich will Dir dieses Mal verzeihen. Das kostet aber 500 extra, denn Strafe muss sein! Dann gib mir mal den Umschlag mit dem Tribut!“
„Vielen Dank für Ihre Güte, Ramazan Bey!“
Ebenso erleichtert wie eifrig überreichte der Hühner liebende Kippenneuker -seht doch einmal nach, was das aus dem Niederländischen übersetzt bedeutet- einen wohlgefüllten Briefumschlag.
Schon den Inhalt zählend, begab sich der ungewöhnlich menschenfreundliche Eintreiber zu einem sauberen Sitzplatz, denn Ausnahmen bestätigen die Regel, um sich niederzulassen.
„Tamam! Drei Riesen für diese Woche. Fehlen noch die 500!“
„So viel ist nicht in der Kasse. Ich habe aber die Kohle von den Bullen hinten im Tresor. Wenn Ramazan Bey mich kurz entschuldigen möge, dann hole ich die Knete sofort. Sabine kann Ihnen für die Wartezeit eine gut gewürzte Currywurst zubereiten, falls der Herr es wünscht.“
„Also gut, dann will ich Dir weitere Gnade erweisen, weil Du weißt, wo Dein Platz ist. Kostet aber noch nen Hunderter extra als Versäumnisgebühr und einmal Pommes rot-weiß für meinen Hizmetçi. Also ab mit Dir!”
“Danke Effendi!”
Mit erstaunlicher Behändigkeit angesichts seiner Körpermasse eilte der besondere Günstling des Eintreibers in die hinteren Räumlichkeiten, während besagte Sabine liebevoll die bestellten Köstlichkeiten zubereitete und die Currywurst abschließend mit einer ordentlichen Portion energiereichem, weißem Pulver verfeinerte.
Dem geneigten Leser mag vielleicht schon bewußt sein, dass in Kippenneukers Pommesbude eigentlich bewußtseinserweiternde, nicht ganz legale Substanzen verscherbelt wurden. Der Inhaber arbeitete sozusagen auf ‘Lizenz’ und durfte wöchentlich eine ‘Gebühr’ an die Alp-Arslan-Gang entrichten. Die Hälfte dieses Betrages führte die Bande an ihre eigentlichen Hintermänner -einer traditionsreichen Gruppe sikanischer Geschäftsleute, die die Lizenznehmer auf anderem Wege kostenpflichtig mit Drogen versorgten- ab. Viele Jahre später sollte das kriminelle System auch als ‘Currywurst-Connection’ bekannt werden, aber zu dieser Zeit herrschten auf dem Markt schon andere Bedingungen.
“Ali, komm setz Dich zu mir, Du brauchst nicht länger Schmiere stehen, die Junkies sind sowieso bei den Evangelen im Gemeindehaus, weil unser Pfaffe heute ‘Stein’ zu Diskounterpreisen verscherbelt; die Orospu dürfte auch gleich mit dem Essen fertig sein!”
Ramazan schenkte der wohlproportionierten Küchenhilfe ein breites Grinsen, die dieses freudig erwiderte.
“Danke Patron!”
Schulze verließ den türstehenden Posten und ließ sich mit dankbarem Respekt auf dem nur leicht verdreckten Platz gegenüber seiner gönnerhaft lächelnden Führungskraft nieder.
“Patron, die Kleine sieht echt scharf aus!”
“Ratte, Dir hat man wohl ins Hirn geschissen. Habe ich Dich um Deine Meinung gebeten? Was soll auch ein schmaler Hengst von Teutonca wie Du mit der Frau anfangen? Steh gefälligst auf, wenn ich mit Dir rede!”
Der führende Freund war allgemein berühmt berüchtigt für seine krankenhausfüllende Wutausbrüche, sodass Alfred das spitznamige Nagetier förmlich aufspritzte und demütig seine mit flehentlicher Miene Unschuld beteuerte.
“Aber Effendi, ich würde es nie wagen, Dich mit respektloser Rede zu beleidigen. Vielmehr, Patron, wollte ich mit meinem dummen Gerede nur andeuten, ob die Frau euch nicht zur Lust gereichen könnte!”
“Ali, manchmal glaube ich, dass Du nemli bist. Die Alte könnte wirklich eine gute Nebenfrau abgeben. Gut, setz Dich wieder!”
Leicht schaudernd kam Schulze der Aufforderung des dominanten Freundes nach. Der spielsüchtige Ramazan hatte trotz seines hohen Einkommens immer einen hohen Bedarf an finanziellen Mitteln, den er durch den gelegentlichen Verkauf von Freundinnen für beispielsweise Scheinhochzeiten deckte. Dem letzten Exemplar war jedoch nicht solch ein Glück beschieden, da hier eine direkte Veräußerung an ein Bordell erfolgte, dass von skipetarischen Geschäftsleuten geleitet wurde, vor deren Brutalität sich selbst die Alp-Arslan-Gang fürchtete.
Derartig schaurige Erinnerungen unterbrechend, ertönte der fanfarenartige Klingelton von des eintreibenden Loverboys ebenso ultramodernen wie prächtigen I-Phone.
„Verdammt, das ist Hayreddin Pascha!“
Leicht nervös nahm Ramazan den Anruf entgegen.
„Hayreddin Pascha, welche Ehre, womit kann ich dienen! Ja, ich fasse mich kurz. Nein, den Tribut vom Zulu im Stadtgarten habe ich noch nicht kassiert. Natürlich Hayreddin Pascha, ich bin ein beceriksiz Pislik. In einer Stunde? Teşekkürler, Majesteleri. Vielen ... Verflucht jetzt hat er aufgelegt. Verdammt Ratte, warum hast Du mich nicht daran erinnert! Undankbarer ...”
“Eine Currywurst für Ramazan Bey mit extra Koks und Pommes für die Ratte!”
Die vor Erotik triefende Stimme der attraktiven Kantinenhilfe unterbrach die sich anbahnende, nagetierfeindliche Philippika. Zunächst empört, dann aber wohlgefällig betrachtete der aus Furcht erzürnte Katiller die zuckersüß lächelnde, schöne Pommesbudenhilfswirtin.
“Danke Frau!”
Sabine, die das vorhergehende Gespräch ganz genau verfolgt hatte, rieb tröstend Teile ihres Körpers an die unteren Extremitäten des stämmigen Seldschuken während sie das lukullische mahl servierte. Schulze wiederum, sah hier die Gelegenheit den Zorn des Khan zu beschwichtigen.
“Fräulein Sabine, Ramazan Bey hat mir gerade mitgeteilt für was für eine tolle und intelligente Frau er Sie hält; würdig eine profitable Rolle in seinem Harem zu spielen. Vielleicht möchten Sie ihn in seinem Haus einmal besuchen, um die Inneneinrichtung seines Schlafzimmers zu erforschen?”
Die Angesprochene lächelte nach derart schöngeistiger Rede geschmeichelt den anzüglich grinsenden Eintreiber an.
“Jederzeit, es wäre mir ein Vergnügen Ramazan Bey zu Diensten zu sein!”
“Hier Frau, hast Du eine Visitenkarte. Du rufst mich dann um sechs Uhr an und erkundigst Dich, wann Du vorbeikommen darfst!”
“Danke, Ramazan Pascha! Alles was Sie sagen. Huch, Ramazan Bey, entschuldigen Sie mich! İch muss unbedingt meine Kosmetikerin anrufen, um noch heute einen Termin auszumachen, damit ich auch für Sie bei der Besichtigung des Dormitoriums attraktiv bin!”
“Klar Frau, Du darfst gehen!”
Angesichts der außerordentlichen Kooperationsbereitschaft der Haremsdame in spe verrauchte des Loverboys Wut und wich einer eher gönnerhaften Stimmung.
“Ali, das hast du gut gemacht! Ich will Dir noch einmal verzeihen, schließlich haben wir ja noch eine Stunde, um den Zulu abzukassieren und Hayreddin Pascha redet ja mit jedem so, wenn sein Zevk çocuk ihn nicht rangelassen hat.”
Erleichtert verbeugte sich der hagere Teutone vor seiner ihm wohlgesonnen Führungskraft.
“Du weißt, was sich gehört, Ali. Ich will Dir eine besondere Gunst gewähren: Du darfst mir während des Essens das Mäulchen abwischen. Ach, das ist ja auch der Kippenneuker! Alter Hühnerfreund, ich gewähre Dir die Audienz nach dem Essen!”
Von seinem Bediensteten assitiert, mupfelte Ramazan genussvoll seine Currywurst und machte anschließend einen anerkennenden Großbauern.
“Frau, das war wahrhaft ein Hochgenuss!”
“Effendi, Sabine hat sich zum Telefonieren in die hinteren Räumlichkeiten zurüchgezogen. Ramazan Bey, darf ich Ihnen jetzt untertänigst die Knete übergeben?”
“Also gut, Kippenneuker, ich will dir jetzt diese Gnade gewähren. Ali, hizmetkarım, iss Du nun Deine Pommes, aber spute Dich, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!”
Während der nagetierhafte Teutone gehorsamst sein bescheidenes Mal verschlang, näherte der Imbissbesitzer demütig und überreichte einen zweiten, wohlgefüllten Umschlag, den der Seldschuke mit einer stolzen Geste entgegennahm.
“Ramazan Bey, ich habe mir erlaubt, noch einen Hunderter extra hinzuzufügen. Effendi, ich hätte da noch ein Anliegen.”
“Sprich!”
“Ramazan Bey, es ist mir wirklich peinlich, Sie damit zu belästigen, aber gestern haben sich einige Glatzen der Teutonischen Schutzstaffel hier sehen lassen. Ich will es kurz machen: Die haben einige Einrichtungsgegenstände demoliert und mir gedroht, mein Restaurant abzufackeln, wenn ich Ihnen nicht wöchentlich die ‘Ariersteuer’ bezahle.”
“Was? Verdammte Nazis! Wage es ja nicht, das Faschistenpack zu bezahlen, sonst verlierst Du nicht nur Ohren und Nase, sondern auch südlicher gelegenere Teile, sodass Du Deine Hühner nicht mehr beglücken kannst!”
“Vergebt mir, Ramazan Bey! Bevor ich Don Genovese über die Störung der Geschäfte informiere, habe ich mir gedacht, ich rede erst einmal mit Ihnen, Effendi. Vielleicht sollte ich Hayreddin Pascha direkt ansprechen?“
„Also gut, Kippenneuker. Es ist richtig von Dir, die Kommandokette einzuhalten. Wir haben die Nazis schon auf dem Schirm! Wir wollen doch nicht den ehrenwerten Don mit solchem Kinderkram belästigen!“
Hier sollte erwähnt werden, dass Vito Genovese der Vertriebsleiter jener bereits erwähnten Gesellschaft sikanischer Geschäftsleute war und Störungen oftmals in letaler Form beseitigen ließ; das konnte durchaus auch versagende Gefolgsleute treffen. Anlässlich derartig unbehaglicher Aussichten beschloss Ramazan, in den sauren Apfel zu beißen und Hayreddin die üblen Neuigkeiten im Laufe des Tages mitzuteilen, wenn sich die Stimmung seines Vorgesetzten einigermaßen normalisiert hatte.
„Danke vielmals, Ramazan Bey. Sie wissen aber, dass ich den Don anrufen muss, wenn die Glatzen hier wieder auftauchen?“
Mühsam beherrschte der stolze Eintreiber seinen Zorn und antwortete mit ausdrucksloser Miene.
„Wir kümmern uns schon um die Nazi-Schweine! Kippenneuker eines noch: Deiner Aushilfs-Orospu kannst Du ausrichten, dass sie zum Besuch die Kondome mitbringen soll!“
Dienstbeflissen nickte der Pommesbudenbesitzer mit einem schleimig dreckigen Grinsen.
„Selbstverständlich, Ramazan Bey!“
„Haydi Ratte, hör auf zu fressen und beweg Deinen Anus, wir gehen jetzt!“
In freudiger Ergebenheit spritzte Schulze förmlich vom billigen Platz auf und folgte seinem Herrn und Meister, der bereits den Imbiss verlassen hatte, eilig.

*

Einst errichteten braune Honoratioren den Gelsumer Stadtgarten, um der Fascho-Jugend eine Ertüchtigungsstätte und der sonstigen Bevölkerung ein Naherholungsgebiet zu bieten. Mittlerweile hatten sich die Abkömmlinge besagter Ehrenmänner rot-grün lackiert, während die Jugend zwar weniger Fascho war, aber in Teilen die Lokalität aufsuchte, um bei freundlich dealenden Apothekern bewusstseinserweiternde Substanzen käuflich zu erwerben. Was nun sonstige Zeitgenossen angeht, die aus unerfindlichen Gründen dieses spezielle Biotop besuchten, so bestand eine hohe Wahrscheinlichkeit, einen Gratisaufenthalt in diversen Krankenhäusern oder bei der Gerichtsmedizin zu ergattern.
Mit heißem Reifen fuhr Ramazan mit seinem Porsche Carrera vor dem Südeingang selbigen Parks in der Man-Zikert-Straße 10/71 vor.
Hier fand übrigens vor einiger Zeit eine gewaltige Schlacht zwischen den Legionen des Kaisers der Rhomäer, Romanos, und Alp Arslan, dem legendären Gründer der gleichnamigen Gang, statt. Der seldschukische Bandenchef ließ gegenüber dem geschlagenen Romanos Gnade walten, wohl wissend, dass des Kaisers Unterführer, Michael und Django, bereits ein Komplott gegen ihren Herrn schmiedeten. So wurde der unglückliche Monarch vor seinem Lieblingswohnwagen von den Verrätern geblendet und erlag später seinen Wunden im Exil auf einer kleinen Insel in der Emscher. Der mächtige Seldschuke jedoch entriss den Rhomäern jedoch den größten Teil Gelsums, sodass sie sich hauptsächlich in ihrer Wohnwagensiedlung auf dem Byzantion-Hügel verschanzten und ihre Aktivitäten in den Westen verlegten. Arp Arslan wandte sich danach im Auftrag seiner sikanischen Gönner anderen Zielen zu und überließ Gelsum seinem Statthalter Hayreddin, einer erfahrenen Fachkraft im Freibeuterwesen - aber zurück zu unserer Geschichte.
Beflissen flitzte Schulze aus dem edlen Automobil und öffnete mit einer Verbeugung die Fahrertür. Ramazan entstieg gravitätisch dem Gefährt und würdigte seinen Assistenten, der geräuschlos hinter ihm die Tür wieder schloss, keines Blickes, obwohl sich die Stimmung des stolzen Seldschuken zum Positiven geändert hatte. Während der Fahrt kam den Gefährten nämlich ein uniformierter Repräsentant der Staatsmacht auf seinem bescheidenen Dienstfahrrad entgegen, der beim verzweifelten Ausweichmanöver in einem Haufen stehender Mülltonnen landete, dies wiederum löste beim rasenden Ramazan einen gewaltigen Heiterkeitsausbruch aus.
„Ali, Zigarette!“
Gehorsam steckte der treue Teutone seinem Meister eine von seinen Edelzigaretten ins Mäulche und zündete diese mit einer routinierten Bewegung an.
„Gut Ali, ich bin großzügiger Stimmung, Du darfst meinen Rauch schnuppern! Dann schnappen wir uns einmal den Zulu. Du folgst mir in drei Schritten Entfernung, wie es sich für einen guten hizmetkarım gehört!“
Wie Sultan Suleiman der Prächtige persönlich schritt der Eintreiber durch den heruntergekommenen Stadtgarten, begleitet von seinem devoten Haremschef, der zwar nicht so mächtig wie sein historisches Vorbild, aber mit Sicherheit genauso eierlos war.
„Verflucht!“
„Leck mich an ne Trüffel, dat Ramazan mit seine Ratte! Wir ham Dir schon erwartet!“
Der Katiller und sein Gehilfe erstarrten förmlich angesichts der Szenerie, die sich ihnen bot. Statt dem erwarteten, farbigen Dealer standen ihnen nach einer Wegbiegung fünf mit Baseballschlägern bewaffnete Skinheads gegenüber. Ihr Anführer, der den unbeteiligten Beobachter unweigerlich an den Golem des berühmten Rabbi Löw erinnerte und im Gegensatz zu diesem offensichtlich einer Art Sprache mächtig war, hielt obendrein einen in einer kleinen SS-Uniform gewandeten Kampfhund an der Leine und grinste die Neuankömmlinge mit höhnischer Einfältigkeit an.
„Dreckige Nazis, was habt ihr mit dem Zulu gemacht?“
Den Eintreiber interessierte zwar nicht wirklich das Schicksal seines farbigen Schutzbefohlenen, aber der erfahrene Straßenkämpfer hoffte damit Zeit zu gewinnen, um die Schwächen seiner Gegner besser einschätzen zu können. Leider sah es in der Beziehung eher schlecht aus, da die übrigen Skins nicht schmaler gebaut waren als ihr unförmiger Führer.
Hämisch grinste der Golem und kratzte sich mit seiner freien Hand die Glatze, die ein gewaltigen Tattoo in Form eines Hakenkreuzes schmückte.
„Tja, dat Bimbo, dat feige Aas, is weggerennt. Da der Schwatte aber den Stoff und die Kohle und dat Handy mit seine Koffer dalassen tat, haben wir dat laufen lassen. Schließlich haben wir ja auch nen Tänzken mit euch! Töte Rommel!“
Hämische grinsend ließ der Herr der Swastika unter dem Gejohle der anwesenden Oger den heftig an der Leine ziehenden Hund des Krieges frei. Gierig stürzte das Untier das Horst-Wessel-Lied kläffend auf Ramazan zu, der die Nazi-Töle jedoch kaltblütig mit einem gezielten, letalen Tritt in einen halbvollen Mülleimer entsorgte und blitzschnell sein geliebtes Bowiemesser hervorholte.
„Los Ali, übernimm den am rechten Rand! Ali?“
Statt den Angriff zu starten, entschloss sich Schulze nach Abwägung der Chancen in alter Offizierstradition sich für spätere Siege aufzusparen und möglichst schnell abzuhauen.
„Dat Ratte is wohl schlauer als-wie Du! Rübezahl, Du fangst dat Ratte. Killi, Filli und Thorin wir mache dat Kanake platt!“
„Dann komm, Du Sohn einer Sau!“
Während ein selbst für die niedrigen Hygienestandards der Gefolgschaft des Hakenkreuzes recht ungepflegter Skinhead die Verfolgung Schulzes aufnahm, griff der restliche Mob in alter Wehrmachtstradition den hoffnungslos unterlegenen Gegner an.
Bevor wir nun auf den, sagen wir einmal ‚taktischen‘, Rückzug des treuen aber kampfesunlustigen Teutonen eingehen, sind hier einige, erklärende Worte angebracht. Wie der geneigte Leser wohl schon bemerkt haben dürfte, fand unser einseitiger Kampf lediglich mit Hieb- und Stichwaffen statt. Gangster, da denkt man doch direkt an Schusswaffen, Raketenwerfer und entsprechende Hollywood-Massaker. Gerne hätten sich wohl die hier am Konflikt beteiligten Parteien auf diese Weise abgemetzelt, aber leider hatten die Hintermänner der Kombattanten etwas gegen derartiges Aufsehen und Presseberichte erzeugendes Herumgeballere. So waren die Mitglieder der Alp-Arslan-Gang mit Ausnahme Hayreddin Paschas nicht berechtigt, Schusswaffen zu tragen. Die wenigen Jobs, die diese Art von Gewaltanwendung erforderten, wurden diskret von Don Genoveses Leuten erledigt. Einige Underdogs, die sich gegenseitig erschlugen oder abstachen interessierten keinen so richtig, aber wenn Feuerwaffen ins Spiel kamen, reagierten damals noch die korruptesten Politiker; schlecht fürs Geschäft, gelle!
Während Ramazan sich heldenhaft verteidigte, konnte unser Flüchtender seinen Vorsprung dem schwerfälligen Verfolger gegenüber ausbauen. Schon geriet der Schauplatz des ungleichen Kampfes außer Sicht und die Geräusche desselben wurden allmählich schwächer.
„Wat rennse denn so flink rum, Ratte. Ne,ne! Bleib doch ma stehen!“
Seines Vorsprunges gewiss, drehte sich Schulze angesichts der schnaufend im Mezzosopran schnaufend hervorgestoßenen Worte lachend um und rutschte prompt aus, während sein Gegner gnadenlos heranwalzte. Auf dem Hosenboden sitzend, erkannte der tief Gefallene entsetzt, dass sein Verfolger ihn inzwischen eingeholt hatte.
„Jetze bisse dran, Ratte. Ick werde Dir zerreissen wie nen Broiler von ne Pommesbude!“
„Ich könnte einer der eurigen sein!“
„Wat?“
„Ich will mich euch anschließen, denn Blut und Boden ist stärker als der schnöde Mammon! Ich bin doch ein echter Teutone wie Du! Außerdem weiß ich eine Menge über die Seldschukenbastarde. Kann ich Dir alles verraten!“
Eher aus Verzweiflung startete der listige Teutone seinen Rettungsversuch, der den schlichten Verstand Rübezahls sichtlich überforderte, doch insoweit Erfolg zeitigte, als das der einfältige Riese zunächst nur verwirrt dastand.
„Wat denn, wat is denn? Mammo, dat tut Mama heißen, Alter. Wat würde dat Führer tun? Au ja, dat tu ick auswendig kennen: Bist Du auch reinen Blutes?“
„Ich sehe, Du bist sehr klug. Klar, ich bin kein verdammter Kanaaniter!“
Langsam öffnete die übelriechende Zierde aller Nazi-Wissenschaftler seine Hose und holte zum Entsetzen Schulzes sein stinkendes Gemächt hervor.
„Jau, ick bin schlau. Dat is jetze dat Ritual, wat alle bei dat Führer machen müssen tun. Du musst dat in ne Mund nehmen und saugen! Darfst mir danach Chef Rübe nennen!“
„Jawohl, mein Führer!“
Vorsichtig näherte sich der willige Rekrut auf den Knien der selig lächelnden Nazi-Rübe und rammte seinen Schädel in die teilweise erigierten Weichteile. Während der enttäuschte Galan mit schrill kreischender Stimme als Folge des missglückten, blasmusikalischen Liebesaktes zusammenbrach, sprang Schulze mit nagetierhafter Geschicklichkeit auf und setzte seine Flucht fort.

*

Mit einem flauen Gefühl in der Magengegend und einer Einkaufstüte bewaffnet, betrat Alfred Schulze die Taverne zum ‚Roten Korsaren‘, die als Operationsbasis der Alp-Arslan-Gang diente.
Nachdem der fluchtbegabte Teutone aus dem Stadtgarten durch den Nordausgang ohne verfolgende Glatzen entwich und erstmals zu vernünftigem Denken fähig war, kam ihm in den Sinn, dass sein wenig heroisches Verhalten doch üble Konsequenzen für ihn haben könnte. Ohne die nötige Courage und Autoschlüssel machte es wenig Sinn die Luxuskarosse Ramazans aufzusuchen, also begab sich der teutonische Recke aus Ermangelung besserer Ideen zu einem nahegelegenen Kiosk und vertilgte dort in schneller Reihenfolge drei kleine Fläschchen eines jagdmeisterlichen Kräuterlikörs. Allmählich beruhigten sich Nerven und zitternde Hände des Entkommenen. So wie es aussah, hatten die Nazis wohl mit Katiller Schluss gemacht, denn selbst eine messernde Fachkraft wie der dominante Freund hatte gegen eine derartige Übermacht keine Chance. Eine fromme Lüge brachte nicht nur Engel zum Weinen oder haltungsjournalistische Redakteure zum Sabbern, sondern konnte sich in diesem Fall auf Schulze äußerst hautrettend auswirken. Also begab sich der listige Teutone in den nächsten Feinkostladen und besorgte einige von Ramazans -vermutlich selig- bevorzugten Produkten, um dann seinen Plan mit besagtem Kneipgang in die Tat umzusetzen.
“Iyi günler beyler! Ist Ramazan Bey schon da?”
Schlagartig verstummten die vorher laut geführten Gespräche der Bandoleros. Einige Minuten sah sich der Eintretende einer Mauer aus ausdruckslosen und einigen überraschten Gesichtern gegenüber, um dann Mehmet Gelincik, den persönlichen Laufburschen Hayreddin Paschas, leichtfüßig auf sich zugehen zu sehen.
“Maşallah, da hatte Hayreddin Pascha wieder recht. Tja Ratte, Ramazan ist wohl verhindert, aber der Patron erwartet Dich schon sehnsüchtig im Hinterzimmer!”
“Mehmet Bey, haben Sie eine Ahnung, in welcher Angelegenheit mich onun lütfu sprechen möchte?”
Der Angesprochene stieß mit verächtlicher Miene ein kurzes, aber hartes Lachen aus.
“Das wird er Dir schon sagen, Ratte. Die Tüte kannst Du hier abstellen, die wirst Du nicht mehr brauchen. Geh Du voran, Du kennst den Weg ja!”
Angesichts der eher restringierten Fluchtmöglichkeiten fügte Schulze trotz eines sehr unguten Gefühls in sein Schicksal. Kurze Zeit später betrat das Gespann erwähnte Räumlichkeit, in der sich drei Personen befanden, die beim Öffnen der Zimmertür sofort ihre angeregte Konversation unterbrachen. Neben dem Bandenchef, einem Titan von Mann, befand sich noch der ähnlich proportionierte Cem Işkenceci -Inquisitor und Stellvertreter Hayreddins- und ein geschmackvoll gekleideter Herr von offensichtlich bioteutonischer Abstammung.
„Affedersiniz Patron, ich sollte die Ratte doch sofort zur Befragung herbringen.”
“Ich wußte, dass unsere Ratte zurückkommt und versucht sich rauszuwinden!”
Während der Räuberhauptmann den Rückkehrer keines Blickes würdigte, betrachtete ihn Işkenceci interessiert mit vor Freude leuchten den Augen.
“Herr Korsan, halten Sie es für richtig, wenn dieser Kleinbürger an unserer geschäftlichen Besprechung teilnimmt?”
Die gepflegte Stimme des nach der aktuellen Mode gekleideten Dritten im Bunde, der es offensichtlich wagen konnte, das Haupt der Alp-Arslan-Gang mit bürgerlichem Nachnamen anzusprechen, drückte eine gewisse Skepzis aus.
“Die Ratte wird nicht reden! Mehmet geleite doch unserer Gast zu dem Stuhl!”
Mehmet blitzschnell hervorgezogenes Messer in seinem Rücken hinderte Schulze daran, seinem aufkeimenden Fluchtgedanken nachzukommen.
“Gut Mehmet, bring ihn her!”
Cem -Inquisitor aus Leidenschaft, von dem noch manch mittelalterlicher Hexenjäger hätte etwas lernen können- stellte sich derweil neben dem mit massiven Fesseln versehenen, blutverkrusteten Möbel auf und vollführte eine einladende Geste.
“Meine Güte, Herr Korsan! Sie wollen doch nicht etwa die peinliche Befragung in meiner Gegenwart durchführen?”
“Keineswegs, Herr Abgeordneter Menschgut. Machen Sie sich keine Sorge, um die Ratte kümmern wir uns nach dem Meeting!”
“Das ist beruhigend, außerdem geht mir das Gejammer dieser Kleinbürger entsetzlich auf die Nerven!”
Der Volksvertreter schenkte dem resignierten, sich derweil widerstandlos fixieren lassenden Delinquenten einen verächtlichen Blick voller Hohn.
“Also, zum Geschäft! Ihre Zecken, Herr Abgeordneter, nehmen sich die Nazis am besten im Morgengrauen vor. Die hausen ja bekanntlich im Keller der Villa Kunterbunt und die Stroganows schlafen dann vermutlich noch. Dem Hausherr und seiner Familie darf kein Haar gekrümmt werden!”
“Korsan, halten Sie mich für dumm? Wobei wir schon bei dem anderen Thema sind. Jeder weiß, dass hinter diesen beknackten Faschisten die Sarmaten-Mafia steckt. Ich weiß nicht, ob ich meine guten Kontakte zu Zarewitsch Boris Godunow für eine solche Aktion aufs Spiel setzen soll. İch finde es obendrein seltsam, dass sie nicht ihre eigenen Leute für Ihren kleinen Stellvertreterkrieg einsetzen oder Iman Hisbollah und seine Islamistischen Garden um Hilfe bitten? Sie wollen mich doch nicht etwa aufs Kreuz legen?”
Unwillig schüttelte Hayreddin sein gewaltiges Haupt, wohl wissend worauf der Politker eigentlich hinauswollte.
“Der verrückte Ayatollah? Der sieht die Glatzen als nützlich an, um Gelsum kanaaniterfrei zu bekommen. Außerdem braucht der die gelegentlich als Sündenböcke, um seine Leute zu schützen. Dann haben wir noch diese verdammten Aramäer-Clans am Hals, die immer mächtiger werden. Ich habe einfach nicht die Ressourcen, mich um alle zu kümmern. Das wissen Sie genauso gut wie ich. Also gut, wenn wir verdoppeln, machen dann Ihre Antiimperialistischen Brigaden den Hausbesuch?”
Mit einem gierigen Glitzern in den Augen lächelte der Landtagsabgeordnete einer ökologisch wertvollen Partei verbindlich.
“Es ist uns natürlich eine Ehre! Für uns hat der Kampf gegen Rechts oberste Priorität. Nach Eingang auf das bekannte Nummernkonto, werden wir das Faschistenpack klimaneutral von der Erde tilgen!”
“Mehmet, führe doch den Herrn Abgeordneten raus und lasse ihn doch noch etwas von den guten Currywurst-Gewürzen zukommen!”
“Dann bitte ‘Columbian Blend’ mit einer Spur Crystal!”
Nach der Spezifikation der angebotenen Spezereien verabschiede sich der Menschgut mit einer leichten Verbeugung und folgte dem Laufburschen, der ihm respektvoll die Tür aufhielt und sie dann nahezu geräuschlos schloß.
“Nun zu Dir, Ratte! Du hast nicht zufällig eine Ahnung, wo sich unser Katiller befindet?”
Der titanenhafte Bandenchef nickte Schulze mit einem seltsamen Lächeln zu. Der wiederum entschloss sich, trotz eines sehr unguten Gefühls, bei seiner Erzählung zu bleiben.
“Hayreddin Pascha, ich habe wirklich keine Ahnung! Ramazan Bey zum Einkaufen geschickt, weil er heute Abend ein Rendevous mit der Orospu aus Kippenneukers Pommesbude hat. Ich sollte ihn hier treffen, ganz ehrlich!”
Während der der schmächtige Teutone seine Legende mit leicht zitternder Stimme vorbrachte, setzte der Räuberhauptmann ein süffisantes Grinsen auf.
“Ach tatsächlich, dann wird es Dich wohl überraschen, dass Ramazan von einer Nazi-Horde überfallen wurde und inzwischen auf der Intensivstation im Evangelischen Krankenhaus liegt?”
“Tanrı aşkına, wie konnte das nur geschehen? Wäre ich doch nur dabeigewesen, um den Herrn mit meinem Leben zu beschützen!”
“Das frage ich Dich, Ratte. Zum Glück trommelte der Zulu schnell seinen Stamm zusammen und verhinderte in letzter Minute, dass die Nazis Ramazan den Rest geben konnten. Ich frage mich, woher die eigentlich gewusst haben, wo Ramazan zu finden war? Vielleicht kannst Du mir da weiterhelfen?”
Schulze wußte, dass er ein toter Mann war, wenn er jetzt die Nerven verlor und die Wahrheit verkündete.
“Ekselansları, ich habe wirklich keine Ahnung! İch schwöre es beim Barte des Propheten!”
“Beim Barte des Propheten? Nur, ich glaube Dir nicht, ungläubige Ratte. Cem, kastriere den Verräter für seine Blasphemie!”
Laut jammernd wand sich Schulze in seinen Fesseln, während der Inquisitor betont langsam seinen Handwerkskasten mit den Spezialwerkzeugen öffnete und sich gemächlich mit einem Teppichmesser den edelsten Teilen seines Opfers näherte.
“Patron, die Ratte ist unschuldig!”
Überrascht wandten sich die ungebundenen Anwesenden dem am Eingang stehenden Mehmet zu. Mit einer herrischen Geste bedeutete Hayreddin seinem Folterknecht mit der erweiterten Vasektomie innezuhalten.
“Sprich!”
“Kippenneuker hat übers Festnetz angerufen und nach mir oder Cem verlangt. Angeblich verfügt die fette Kartoffel über Beweise, dass einer der anderen Ramazan und die Ratte an die Nazis verraten hat. Für ne Belohnung von 5000 Tacken will er die uns zukommen lassen. İch habe natürlich zugesagt, offensichtlich glaubt die dumme Kartoffel tatsächlich, dass wir dafür zahlen werden. Jedenfalls sollen wir in ner halben Stunde auf dem DFS-Parkplatz im Industriegebiet sein. Da erwartet uns Kippenneukers Aushilfs-Orospu, die zwar von nichts ne Ahnung hat, aber nur Dir persönlich die Unterlagen aushändigen soll.”
“Hayreddin, das riecht nach einer Falle!”
Der Inquisitor schüttelte zweifelnd sein klobiges Haupt.
“Cem Bey, das glaube ich kaum. Die Orospu bringt nämlich ihre 11-jährige Tochter mit. Außerdem ist der Parkplatz um diese Uhrzeit leer und man hat nach allen Seiten freie Sicht.”
“Mehmet, das hast Du gut gemacht! Kippenneuker ist viel zu feige, um uns zu verraten. Gut, Mehmet, Du begleitest mich!”
Noch immer verriet der Blick des Folterers eine gewisse Skepzis.
“Dann lass mich Dich wenigstens begleiten!”
“Tanrım! Cem, das ist doch nur ein Weib und ich brauche Dich hier. Außerdem habe ich ja auch noch meine Freunde Smith & Wesson dabei!”
Stolz klopfte der Banditenkönig auf sein Schulterholster, in dem sich ein fetter Revolver befand.
“Okay, was ist eigentlich mit der Ratte?”
“Ach, die hätte ich ja fast vergessen. Ratte, offensichtlich bist Du ja kein Verräter, deshalb werde ich Dich dafür nicht bestrafen!”
Mit gespieltem Bedauern betrachtete der Bandenchef den erleichtert lächelnden Schulze.
“Aber dummerweise hat Dich der Zulu durch den Stadtgarten rennen sehen und Feigheit vor dem Feind kann ich leider nicht dulden. Aber gräm Dich nicht, Du müßtest allein schon sterben, weil du unser Gespräch mit Menschgut belauscht hast! Cem, foltere die Ratte zu Tode und lass die Reste später von der ‘Müllabfuhr’ entsorgen! Wenn du schon nicht mitkommen kannst, sollst Du hier Deinen Spaß haben. Vergiss den Knebel nicht, ich möchte vermeiden, dass meine Jungs durch die Schreierei übermäßig belästigt werden!”
Bevor die Leiche in spe einen Entsetzensschrei ausstoßen konnte, hatte sie der Inquisitor bereits mit grobem Klebeband geknebelt. Während Hayreddin und sein Gefolgsmann den Raum verließen, begann die Fachkraft im Befragungswesen seinem Opfer die Finger zu amputieren.

*

Hayreddin und Mehmet standen lässig vor dem Mercedes-Maybach des Bandenchefs inmitten des leeren DFS-Parkplatzes. Vor einigen Minuten angekommen, betrachteten sie nun interessiert Mutter und Tochter, die sich ihnen vom Parkplatzrand her langsam näherten. Zur Erheiterung der anwesenden Gangsterschaft waren beide in einer Art Partnerlook, der aus gleichfarbigen, sehr offenherzigen Sommerkleidern und hochhackigen Stiefeln bestand, gekleidet. Neben der kleinen, roten Handtasche, die die Ältere mitsichführte, stachen besonders die stählernen Absätze der Stiefel beider Damen ins Auge.
“Maşallah Mehmet, das ist ja die reinste Nuttenparade!”
Der Laufbursche kicherte mit schleimiger Häme.
Inzwischen erreichte die holde Weiblichkeit die beiden Seldschuken und stellte sich ihnen gegenüber auf.
“Also Orospu, wo sind die Unterlagen?”
Während die Tochter Mehmet ein unschuldiges Lächeln schenkte, strahlte die Angesprochene Hayreddin mit Schlafzimmeraugen an.
“Kippenneuker hat was von einer Belohnung erzählt?”
“Zur Belohnung werde ich Dich auf der Kühlerhaube meines Wagens nehmen und das Töchterlein darf meinem Gehilfen einen Blowjob verpassen. Also her mit den Unterlagen!”
“Ja Dominus!”
In Sekundenschnelle öffnete die devote Aushilfe per Knopfdruck das Springmesser, das sie hinter ihrer handtasche verborgen hielt und rammte es Hayreddin routiniert ins Herz. Der Gangsterboß hatte nicht einmal die Gelegenheit die Mimik zu ändern, bevor er starb und verschied mit einem dreckigen Grinsen im Gesicht. Zur gleichen Zeit verpasste die Tochter Mehmet unvermittelt einen kräftigen Tritt mit dem Absatz ihrer Stiefelchen in die Geschlechtsteile, sodass dieser wimmernd zu Boden ging. Sich voller knisternder Erotik bewegend, fixierte schließlich die Mutter den Überlebenden am Boden, indem sie ihr Schuhwerk auf seinen Hals setzte.
“Mama, darf ich den Onkel töten?”
Mit einem zuckersüßen Lächeln sah die Kleine ihre Mutter bittend an.
“Du machst mich stolz mein Kind! In Deinem Alter hat mich Großmama auch Dissidenten im GULAG erschießen lassen!”
Stolz betrachtete das Muttertier das gelehrige Kind.
“Am besten erledigst Du den Onkel, wie damals den Besamer!”
Freudig lachend entfernte das Kind das Springmesser aus der Brust des Toten.
“Hoffentlich wimmert der auch wie Papa, das hat Spaß gemacht!”
Mit der tatkräftigen Hilfe ihrer Mutter schnitt das Töchterlein im Rahmen ihrer Ausbildung zur Auftragsmörderin Mehmet langsam die Kehle durch, denn auch die Arbeit sollte Freude bereiten.

*

Erstaunt? Okay, zunächst hieß Kippenneukers Aushilfskraft nicht Sabine, sondern eigentlich Pentesileya Ubiytsa und war ehemalige Geheimdienstmitarbeiterin, die jetzt lukrative Jobs für die Sarmaten-Mafia erledigte. Wie ihr euch denken könnt, hatte sie den Auftrag, die Alp-Arslan-Gang durch die Lequidierung ihrer Führungskräfte zu schwächen, ohne dass eine direkte Beteiligung der Sarmaten nachgewiesen werden konnte. Kıppenneuker rief natürlich die Seldschuken nicht ganz freiwillig an und beging ‘Selbstmord’ mit der freundlichen Unterstützung seiner Aushilfskraft indem er seinen häßlichen Schädel in eine heiße Friteuse packte. Ansonsten zeigte auch der Zeckenangriff einen gewissen Erfolg, sodass sich einige Zeit später sarmatische und sikanische Geschäftsleute dahingehend einigten, Nazis und Seldschuken auszubooten und die Geschäfte in einem Joint Venture an einen Aramäer-Clan zu übergeben.
So endet die Story von Gangstern, Nazis, Ratten und natürlich der Killer-Queen!

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