Josef von Stackelberg

Die Wurst vor der Nase

In der jüdischen Mythologie ist die Existenz einer unsterblichen Seele verankert. Die Seele macht letztendlich die individuellen Eigenschaften einer Person aus. Sie gelangt in das Fleisch eines Menschen (Zum Zeitpunkt der Zeugung, Geburt oder wann? Hier gibt es diverse Aber(?)glaubensrichtungen, dass die Seele erst deutlich nach der Geburt in den Menschen gelangt, siehe auch „Christine“ von Stephen King) und begleitet ihn sein Leben lang. Das Fleisch stirbt, und mit dem Tod verlässt die Seele die Hülle wieder. Je nach Lebensart des Menschen gelangt die Seele an einen guten Ort (den Himmel) oder an einen schlechten Ort (die Hölle). Wenn da noch ein paar Schulden abzuleisten sind, aber man geschafft hat, nicht total verdammt zu sein, dann gibt es die Zwischenstufe (das Fegefeuer), aus dem die Seele aber später in den Himmel gelangen kann, während der Aufenthalt in der Hölle zeitlich unbefristet ist.

Die jüdische Religion (und ebenso fast alle anderen Religionen) hält dem Gläubigen die Wurst, in den Himmel zu kommen, vor die Nase, um ihn zu einem „Gott gefälligen“ Leben zu animieren. Es scheint zwar sehr klar zu sein, was ein Gott gefälliges Leben ist, immerhin hat Gott dem Menschen die Zehn Gebote mitgeteilt, bei entsprechend sophistischer Interpretation dieser Gebote bleibt dem Menschen aber noch jede Menge Raum für egozentrische und sonstige asoziale Verhaltensweisen. Insbesondere ist es immer wieder der Priester und Schriftgelehrte, der sich selber über die Gebote stellt, weil er zu wissen vermittelt, was regelkonform ist, was noch vertretbar ist und was nicht. Aber darüber wollte ich gar nicht nachdenken.

Jesus der Gesalbte (Christus) wurde als Jude geboren, wurde als Jude in deren Glaubensgemeinschaft aufgenommen und lebte als Jude. Seine Lehre war die der Liebe und der Vergebung. All das ist nichts neues und kann in vielen Interpretationen des Neuen Testaments nachgelesen werden. Drum muss ich darauf auch nicht eingehen. Eine Frage, die mich eher umtreibt, ist die, ob es in diesem ganzen Von-der-Erbschuld-erlösen-Szenario von vornherein geplant war, dass die Leute, die ihm in Scharen nachliefen, um seine Lehre von der Liebe zu hören, sich irgendwann von ihren ursprünglichen Religionen lösten, um dieser neuen Sekte der Gesalbten (Christen) zu folgen und damit diese neue Sekte faktisch zu begründen. Betrachtet man die grundsätzliche Haltung des Menschen, insbesondere des Alpha-Menschen (des Machthabenwollers), und Priester waren und sind Alphamenschen, denn sie wollen über andere Menschen Macht ausüben, so ist dies kaum vorstellbar. Mit umso mehr Begeisterung werden die Priester, Schriftgelehrten und Pharisäer die Gott gewollte Hexenjagd auf Jesus betrieben haben, um die Schrift zu erfüllen und ihn ans Kreuz zu nageln.

Oder ob die Vorhersage, dass da irgendwann ein Erlöser kommen wird, um die Menschen von der Erbschuld zu befreien, nicht auch nur eine besonders perfide Wurst war, um die Gläubigen bei Laune zu halten. Immerhin ging es auch hier darum, eine bessere Zukunft in Aussicht zu stellen, wenn man sich in der Gegenwart so verhält, wie die von Gott gegebenen Spielregeln vorschreiben, und damit sicherzustellen, dass Gott nicht irgendwann die Schnauze endgültig voll hat und gar nicht einsieht, warum er seinen Sohn/sich selbst (siehe die Dreieinigkeit Gottes) opfern soll, um die nichtsnutzigen Menschen zu erlösen.

Wer versteht denn schon Gott mit seinem skurrilen Sinn für Humor?

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