Klaus Thomanek

Die Machtprobe oder wo ist die Grenze ?

 

Es war ein Sonntag, wie immer, denn heute war mein Sohn bei mir.

Wir lebten nicht mehr zusammen, seine Mutter und ich hatten uns getrennt.

Fünf Jahre und ein paar Tage zählte er jetzt.

Ein toller junger kleiner Mann und doch ein Kind mit all seinen Bedürfnissen

nach Zuwendung, nach Liebe, nach Verständnis, nach Geborgenheit, nach einer in seinen Augen heilen Welt  und nach noch so vielem mehr.

Wir spielten mit der Carrerabahn.

Alles was recht war, er fuhr mich glatt an die Wand –bildlich gesprochen-.

Bei  ihm war offensichtlich das notwendige Gespür dafür vorhanden für diese  kleinen

und doch so schnellen Autos, auf den Bruchteil einer Sekunde genau, die Steuerung richtig zu betätigen.

Naturtalent!

Neidlos erkannte ich das an.

Meine Autos wurden leider auf Grund zu hoher Beschleunigung  in den Kurven

oft  aus ihrer Bahn geworfen.

Er hatte drei Rennen nacheinander gewonnen.

Seine Augen strahlten und sein Gesicht glühte vor Aufregung.

„Drei mal gewonnen Papa, du bist zu langsam gefahren, viel zu langsam“!

Die Worte sprudelten förmlich aus seinem Mund.

Unwillkürlich musste ich lächeln, ob dieser Begeisterung, gewonnen zu Haben.

„Du bist einfach super gefahren, toll, meinen herzliche Glückwunsch aber ich bekomme doch irgendwann eine Revanche, oder“?

Er gab sich ganz fair im Bewusstsein seines Sieges und meinte gönnerhaft:

„Na klar“!

Ich freute mich für ihn und ich war ebenso stolz auf ihn, hatte er doch für sein Alter

eine ausgeprägte Nervenstärke bewiesen.

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Als ich ihn so strahlend und begeistert vor mir sitzen sah, wurde mein Herz ganz weit und ich fühlte

tief in mir meine große Liebe zu ihm.

„Was hältst du von einer Stärkung nach dieser Anstrengung“?  fragte ich ihn.

„Papa, ich habe mich nicht angestrengt“!

Ich war mir ziemlich sicher, er konnte es sich nicht verkneifen das zu erwidern. 

 Der Klang seiner Stimme deutete stark auf Nachsicht mit mir hin.   

Kleiner Schurke.

Dachte ich liebevoll  im Stillen.

 „Na ja, ich würde jetzt doch  gerne ein paar Plätzchen essen. Du möchtest du keine“?

 „Welche hast du denn“, wollte er wissen.

 Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass ich keinerlei  Naschwerk auf Vorrat hatte.

„Komm wir fahren zum Kiosk und kaufen uns dort welche“!

Ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, sprang mein Sohn auf, war in Nullkommanichts   an der Wohnungstür, um dort schon auf mich zu Warten.

Denn  eine seiner großen Vorlieben ist das Autofahren.

Der Kiosk ist nicht weit entfernt und daher war unsere gemeinsame Fahrt nicht besonders lang.

Mein Sohn hatte trotzdem seine Freude daran  und er  genoss die kurze Reise.

Am Kiosk angekommen stiegen wir beide aus.

Ich schloss den Wagen ab und wir machten uns auf den Weg in das Innere des Kiosks.

Ohne dass  ich mir erklären konnte, wo durch es wohl ausgelöst wurde, hatte ich ganz plötzlich

ein ungutes Gefühl in mir.

Weniger als ein Minute später wusste ich warum!

Im Schaufenster lagen allerlei Dinge. Unter anderem auch ein Waffengurt nebst Revolver.

                                                                                       -1-

„ Papa, Papa,  kaufst du mir den“?

Mein Sohn sah mich mit großen, hoffnungsvollen Augen an.

Meine Antwort läutete,  erst später nachvollziehbar, das Ende unseres bis jetzt schönen, harmonischen Zusammenseins ein.

„Du, wir sind hierher gekommen um uns eine Tüte Plätzchen zu Kaufen und keinen Waffengurt“, war meine Antwort.

Mein Sohn stellte sich demonstrativ vor das Schaufenster und versuchte es  mit  bittender

Kleinkindstimme noch einmal: „So einen habe ich mir immer schon mal gewünscht, bitte Papa“!

Seine auf mich gerichteten Augen, nahmen einen beinahe flehenden Ausdruck an.

Mir schoss durch den Kopf, er sollte Schauspieler werden.

Ohne nochmals auf seine Bitte und  seine offensichtlich vorhandenen schauspielerischen

Fähigkeiten ein zu gehen, wollte ich ihn erneut mit dem Hinweis:

„Los, lass uns jetzt die Kekse kaufen und wieder nachhause fahren“, vom Schaufenster weg

locken.

„Nein“, war seine Antwort.

„Du möchtest keine Kekse mehr“, wollte ich von ihm wissen.

„Ich will, dass du mir den Gurt mit der Pistole kaufst“!

Der Klang seiner Stimme, seine gesamte Körpersprache, sowie seine Mimik, die ich jetzt erst erkennen konnte, da er sich mir in diesem Augenblick  zu wandte, waren  eine deutliche Sprache.

Entweder du kaufst mir das, oder es gibt Ärger, war die eindeutige Botschaft.

In mir war immer noch die Hoffnung, diese Klippe umschiffen zu können.

Ich stellte mich zu ihm, betrachtete das Ganze ebenfalls und trat Sekunden später in eine selbst ausgelegte Fußangel.

„Der taugt doch nichts, sieh mal wie billig der aussieht. Da fahre ich doch lieber mit dir morgen

nach  Askania  und dort kaufe ich dir einen Besseren als den hier, der auch bestimmt länger hält“.

All meine Glocken läuteten jetzt Sturm, denn mit diesem Hinweis hatte ich einen unverzeihlichen Fehler in dieser Situation begangen.    

Denn genau das, war jetzt Wasser auf seine Mühlen.

„Ich will keinen von Askania, ich will den hier. Jetzt“!

Seine Augen begannen kleine Blitze in meine Richtung ab zu feuern und seine Stimme nahm an

Lautstärke deutlich zu.

An die Plätzchen dachte ich jetzt nicht mehr.

Wieso stehe ich jetzt hier und gebe Erklärungen ab in Richtung meines Sohnes, der auf stur schaltete.

Gleichzeitig spürte ich auch in mir Ärger aufsteigen.

„ Okay, du kannst dich jetzt entscheiden, ob  wir Kekse kaufen sollen oder nicht“, war mein letzter

Versuch, bevor ich mit ihm wieder zurück zu mir gefahren wäre.

Doch ich hatte meinen Satz noch nicht ganz zu Ende gebracht, fauchte er mich wütend an: „Entweder du kaust mir den Pistolengurt, oder du kannst mich nach Hause zur Mama fahren“!

Mit zu Fäusten geballten Händen stand er vor mir und sein Gesicht spiegelte seine jetzt deutlich vorhandene Wut wieder.

 Alles an ihm vibrierte.

„Wie war das“?

„Ich lasse mich doch von dir nicht erpressen!

Los einsteigen, ich bringe dich sofort  nach hause“!

Trotz seiner noch vorhandenen Wut schien er zu erkennen, was die Glocke geschlagen hat.

In seine Augen trat ein erschreckter Ausdruck.

Ohne ihn weiter zu beachten, drehte ich mich um und ging zum Auto zurück.

Schloss die Türen auf und forderte ihn auf:

„Los, einsteigen“!

Sein Zorn, seine Wut, war offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Wie aufgeschreckt, den Blick auf den Boden gerichtet, kam er, nach einem kurzen Zögern zum

                                                                                    -2-
Wagen und stieg hinten ein.

Ihm zu Gewand, wies ich ihn nochmals darauf hin: „Wir fahren  jetzt wieder zu mir und dann rufe ich

Deine Mama an. Ist sie zu Hause bringe ich dich sofort zu ihr! „Ich lasse mich nicht erpressen, auch  nicht  von meinem Sohn“!

Ich startete den Wagen und wir fuhren zurück.

In mir war ein Gemisch von vielen Gefühlen.

Von  Enttäuschung, Ärger auch über mich selbst, ein wenig Hilflosigkeit, von Fragen,  aber auch von Erkennen, von  allmählich beginnendem  Verständnis.

Warum musste es so kommen?

Leise klang es von hinten: „Papa ich möchte doch noch bei dir bleiben. Ja.“

 Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es war die Konsequenz meines Handelns und deshalb  antwortete ich ihm: „Ich habe dir gesagt, ich telefoniere gleich mit deiner Mama und ist sie zu Hause, bringe ich dich zurück zu ihr. Auch wenn ich dann selbst traurig bin“!

Ich versuchte  seine  Mutter telefonisch zu erreichen.

Sie war nicht zu Hause.

Also blieb mein Sohn bis zum Ende der ausgemachten Zeit bei mir.

Den Gedanken, die vorangegangene Situation jetzt mit ihm zu diskutieren, verwarf ich.

Sie  musste wohl  von uns beiden erst, vor allem von meinem Sohn, verarbeitet werden und es hätte ihn zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit überfordert. 

Er beschäftigte sich alleine mit Duplos und sah sich danach Bilderbücher an.

Wenn er Fragen hatte, antwortete ich ihm und als er Hilfe benötigte beim Bauen mit den Duplos, half ich ihm.

Doch das harmonische Miteinander von vor dem Versuch Kekse zu kaufen, stellte sich an diesem Tag nicht wieder ein.

Dennoch war etwas geschehen.

Wir hatten zwar keine Kekse, doch wir waren reicher geworden in uns selbst.

Mein Sohn hat erkannt, dass er nichts erzwingen kann und dass es für ihn Grenzen gibt,

an die auch er sich halten muss.   

 Trotz seiner damals jungen Jahre, hat er das, was geschehen war, wohl verinnerlicht.

Denn  eine ähnliche Situation ist danach nie wieder aufgetreten.

Ich bin mir sehr sicher, dass damals ein klares NEIN das alles hätte verhindern können.

Es gibt Situationen in denen eine Diskussion sicher angebracht ist.

Es gibt jedoch ebenfalls Situationen in denen zu diskutieren, sinnlos ist.

Ein NEIN ist ein ausgesprochener Widerstand und im Leben ist es wichtig zu lernen und  auch zu erkennen, sich gegen Widerstände, wenn es erforderlich ist, durch zu setzen.

Diese Chance ist in diesem Moment vertan worden.

Leider!

Was jedoch nicht so gravierend war, da wir Beide etwas erfahren, gelernt hatten. 

Mein Sohn und ich haben eine wunderbare  Vertraute und auf gegenseitiger  Achtung

ruhende Zuneigung zu einander.

Diese von mir erzählte Geschichte ist nicht fiktiv, sondern sie hat sich so wirklich zu Getragen.

Nur das ist schon sehr lange her.

Meine Gefühle für meinen Sohn sind  sehr tief und sie werden es immer bleiben.   

Egal, wie viele es sehen mögen, Kinder benötigen Grenzen!

Und ihre Beachtung muss eingefordert werden.

Freiheit, tun und lassen zu können, was man will, ist keine Freiheit, sondern oftmals nur die bewusste, absichtlich Einschränkung der Freiheit und legitimer Rechte anderer.

Erst das respektieren lernen, also das Beachten von Grenzen, setzt Denkprozesse in Gang,

die zu einem sinnvollem Miteinander und zu einer eigenen, in sich vorhandenen menschliche

Größe führen. Und nur diese ermöglicht es, seinen eigenen und nicht von anderen bestimmten Weg

durch ein erfülltes Leben  gehen zu können.  

Dieses im Sinne unserer Kinder zu tun, erfordert eine ständige Bereitschaft sich mit ihnen, mit ihren Bedürfnissen  auseinander zu setzen.Das ist im höchsten Maße unbequem, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Doch setze ich Kinder in diese Welt, habe ich die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass  ihnen jede mögliche Hilfe zuteil  wird,  um ihren ureigensten Weg in diesem Leben finden und auch gehen zu können. Das heißt in der Konsequenz, zu helfen “ ihren“  Weg gehen zu lerne und nicht einen von uns vorbestimmten. Um dass zu gewährleisten sollten sich Eltern, auch die, die es werden wollen, darüber im Klaren sein, dass sie nicht all die dazu gehörenden Aufgaben von sich weg delegieren können. Nicht die anderen haben die Aufgabe unsere eigenen Kinder „zu erziehen“, sondern es ist unsere Ureigenste und der können und dürfen wir uns im Sinne unserer Kinder nicht entziehen. Wer das vorhat, sollte keine Kinder in diese Welt setzen! Denn sie gehören nicht zum` guten Ton`! Wenn sie das das Licht unserer Welt erblicken sollen, dann nur um ihrer Selbstwillen. Aus keinem anderen Grund!    

(c)Klaus Thomanek 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Machtprobe oder wo ist `Meine ` Grenze?

 

Es war ein Sonntag, wie immer, denn heute war mein Sohn bei mir.

Wir lebten nicht mehr zusammen, seine Mutter und ich hatten uns getrennt.

Fünf Jahre und ein paar Tage zählte er jetzt.

Ein toller junger kleiner Mann und doch ein Kind mit all seinen Bedürfnissen

nach Zuwendung, nach Liebe,  nach Verständnis, nach Geborgenheit, nach einer in seinen Augen heilen Welt  und nach noch so vielem mehr.

Wir spielten mit der Carrerabahn.

Alles was recht war, er fuhr mich glatt an die Wand –bildlich gesprochen-.

Bei  ihm war offensichtlich das notwendige Gespür dafür vorhanden für diese  kleinen

und doch so schnellen Autos, auf den Bruchteil einer Sekunde genau, die Steuerung richtig zu betätigen.

Naturtalent!

Neidlos erkannte ich das an.

Meine Autos wurden leider auf Grund zu hoher Beschleunigung  in den Kurven

oft  aus ihrer Bahn geworfen.

Er hatte drei Rennen nacheinander gewonnen.

Seine Augen strahlten und sein Gesicht glühte vor Aufregung.

„Drei mal gewonnen Papa, du bist zu langsam gefahren, viel zu langsam“!

Die Worte sprudelten förmlich aus seinem Mund.

Unwillkürlich musste ich lächeln, ob dieser Begeisterung, gewonnen zu Haben.

„Du bist einfach super gefahren, toll, meinen herzliche Glückwunsch aber ich bekomme doch irgendwann eine Revanche, oder“?

Er gab sich ganz fair im Bewusstsein seines Sieges und meinte gönnerhaft:

„Na klar“!

Ich freute mich für ihn und ich war ebenso stolz auf ihn, hatte er doch für sein Alter

eine ausgeprägte Nervenstärke bewiesen.

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Als ich ihn so strahlend und begeistert vor mir sitzen sah, wurde mein Herz ganz weit und ich fühlte

tief in mir meine große Liebe zu ihm.

„Was hältst du von einer Stärkung nach dieser Anstrengung“?  fragte ich ihn.

„Papa, ich habe mich nicht angestrengt“!

Ich war mir ziemlich sicher, er konnte es sich nicht verkneifen das zu erwidern. 

 Der Klang seiner Stimme deutete stark auf Nachsicht mit mir hin.   

Kleiner Schurke.

Dachte ich liebevoll  im Stillen.

 „Na ja, ich würde jetzt doch  gerne ein paar Plätzchen essen. Du möchtest du keine“?

 „Welche hast du denn“, wollte er wissen.

 Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass ich keinerlei  Naschwerk auf Vorrat hatte.

„Komm wir fahren zum Kiosk und kaufen uns dort welche“!

Ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, sprang mein Sohn auf, war in Nullkommanichts   an der Wohnungstür, um dort schon auf mich zu Warten.

Denn  eine seiner großen Vorlieben ist das Autofahren.

Der Kiosk ist nicht weit entfernt und daher war unsere gemeinsame Fahrt nicht besonders lang.

Mein Sohn hatte trotzdem seine Freude daran  und er  genoss die kurze Reise.

Am Kiosk angekommen stiegen wir beide aus.

Ich schloss den Wagen ab und wir machten uns auf den Weg in das Innere des Kiosks.

Ohne dass  ich mir erklären konnte, wo durch es wohl ausgelöst wurde, hatte ich ganz plötzlich

ein ungutes Gefühl in mir.

Weniger als ein Minute später wusste ich warum!

Im Schaufenster lagen allerlei Dinge. Unter anderem auch ein Waffengurt nebst Revolver.

                                                                                       -1-

„ Papa, Papa,  kaufst du mir den“?

Mein Sohn sah mich mit großen, hoffnungsvollen Augen an.

Meine Antwort läutete,  erst später nachvollziehbar, das Ende unseres bis jetzt schönen, harmonischen Zusammenseins ein.

„Du, wir sind hierher gekommen um uns eine Tüte Plätzchen zu Kaufen und keinen Waffengurt“, war meine Antwort.

Mein Sohn stellte sich demonstrativ vor das Schaufenster und versuchte es  mit  bittender

Kleinkindstimme noch einmal: „So einen habe ich mir immer schon mal gewünscht, bitte Papa“!

Seine auf mich gerichteten Augen, nahmen einen beinahe flehenden Ausdruck an.

Mir schoss durch den Kopf, er sollte Schauspieler werden.

Ohne nochmals auf seine Bitte und  seine offensichtlich vorhandenen schauspielerischen

Fähigkeiten ein zu gehen, wollte ich ihn erneut mit dem Hinweis:

„Los, lass uns jetzt die Kekse kaufen und wieder nachhause fahren“, vom Schaufenster weg

locken.

„Nein“, war seine Antwort.

„Du möchtest keine Kekse mehr“, wollte ich von ihm wissen.

„Ich will, dass du mir den Gurt mit der Pistole kaufst“!

Der Klang seiner Stimme, seine gesamte Körpersprache, sowie seine Mimik, die ich jetzt erst erkennen konnte, da er sich mir in diesem Augenblick  zu wandte, waren  eine deutliche Sprache.

Entweder du kaufst mir das, oder es gibt Ärger, war die eindeutige Botschaft.

In mir war immer noch die Hoffnung, diese Klippe umschiffen zu können.

Ich stellte mich zu ihm, betrachtete das Ganze ebenfalls und trat Sekunden später in eine selbst ausgelegte Fußangel.

„Der taugt doch nichts, sieh mal wie billig der aussieht. Da fahre ich doch lieber mit dir morgen

nach  Askania  und dort kaufe ich dir einen Besseren als den hier, der auch bestimmt länger hält“.

All meine Glocken läuteten jetzt Sturm, denn mit diesem Hinweis hatte ich einen unverzeihlichen Fehler in dieser Situation begangen.    

Denn genau das, war jetzt Wasser auf seine Mühlen.

„Ich will keinen von Askania, ich will den hier. Jetzt“!

Seine Augen begannen kleine Blitze in meine Richtung ab zu feuern und seine Stimme nahm an

Lautstärke deutlich zu.

An die Plätzchen dachte ich jetzt nicht mehr.

Wieso stehe ich jetzt hier und gebe Erklärungen ab in Richtung meines Sohnes, der auf stur schaltete.

Gleichzeitig spürte ich auch in mir Ärger aufsteigen.

„ Okay, du kannst dich jetzt entscheiden, ob  wir Kekse kaufen sollen oder nicht“, war mein letzter

Versuch, bevor ich mit ihm wieder zurück zu mir gefahren wäre.

Doch ich hatte meinen Satz noch nicht ganz zu Ende gebracht, fauchte er mich wütend an: „Entweder du kaust mir den Pistolengurt, oder du kannst mich nach Hause zur Mama fahren“!

Mit zu Fäusten geballten Händen stand er vor mir und sein Gesicht spiegelte seine jetzt deutlich vorhandene Wut wieder.

 Alles an ihm vibrierte.

„Wie war das“?

 

„Ich lasse mich doch von dir nicht erpressen!

Los einsteigen, ich bringe dich sofort  nach hause“!

Trotz seiner noch vorhandenen Wut schien er zu erkennen, was die Glocke geschlagen hat.

In seine Augen trat ein erschreckter Ausdruck.

Ohne ihn weiter zu beachten, drehte ich mich um und ging zum Auto zurück.

Schloss die Türen auf und forderte ihn auf:

„Los, einsteigen“!

Sein Zorn, seine Wut, war offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Wie aufgeschreckt, den Blick auf den Boden gerichtet, kam er, nach einem kurzen Zögern zum

                                                                                    -2-

Wagen und stieg hinten ein.

Ihm zu Gewand, wies ich ihn nochmals darauf hin: „Wir fahren  jetzt wieder zu mir und dann rufe ich

Deine Mama an. Ist sie zu Hause bringe ich dich sofort zu ihr! „Ich lasse mich nicht erpressen, auch  nicht  von meinem Sohn“!

Ich startete den Wagen und wir fuhren zurück.

In mir war ein Gemisch von vielen Gefühlen.

Von  Enttäuschung, Ärger auch über mich selbst, ein wenig Hilflosigkeit, von Fragen,  aber auch von Erkennen, von  allmählich beginnendem  Verständnis.

Warum musste es so kommen?

Leise klang es von hinten: „Papa ich möchte doch noch bei dir bleiben. Ja.“

 Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es war die Konsequenz meines Handelns und deshalb  antwortete ich ihm: „Ich habe dir gesagt, ich telefoniere gleich mit deiner Mama und ist sie zu Hause, bringe ich dich zurück zu ihr. Auch wenn ich dann selbst traurig bin“!

Ich versuchte  seine  Mutter telefonisch zu erreichen.

Sie war nicht zu Hause.

Also blieb mein Sohn bis zum Ende der ausgemachten Zeit bei mir.

Den Gedanken, die vorangegangene Situation jetzt mit ihm zu diskutieren, verwarf ich.

Sie  musste wohl  von uns beiden erst, vor allem von meinem Sohn, verarbeitet werden und es hätte ihn zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit überfordert. 

Er beschäftigte sich alleine mit Duplos und sah sich danach Bilderbücher an.

Wenn er Fragen hatte, antwortete ich ihm und als er Hilfe benötigte beim Bauen mit den Duplos, half ich ihm.

Doch das harmonische Miteinander von vor dem Versuch Kekse zu kaufen, stellte sich an diesem Tag nicht wieder ein.

Dennoch war etwas geschehen.

Wir hatten zwar keine Kekse, doch wir waren reicher geworden in uns selbst.

Mein Sohn hat erkannt, dass er nichts erzwingen kann und dass es für ihn Grenzen gibt,

an die auch er sich halten muss.   

 Trotz seiner damals jungen Jahre, hat er das, was geschehen war, wohl verinnerlicht.

Denn  eine ähnliche Situation ist danach nie wieder aufgetreten.

Ich bin mir sehr sicher, dass damals ein klares NEIN das alles hätte verhindern können.

Es gibt Situationen in denen eine Diskussion sicher angebracht ist.

Es gibt jedoch ebenfalls Situationen in denen zu diskutieren, sinnlos ist.

Ein NEIN ist ein ausgesprochener Widerstand und im Leben ist es wichtig zu lernen und  auch zu erkennen, sich gegen Widerstände, wenn es erforderlich ist, durch zu setzen.

Diese Chance ist in diesem Moment vertan worden.

Leider!

Was jedoch nicht so gravierend war, da wir Beide etwas erfahren, gelernt hatten. 

Mein Sohn und ich haben eine wunderbare  Vertraute und auf gegenseitiger  Achtung

ruhende Zuneigung zu einander.

Diese von mir erzählte Geschichte ist nicht fiktiv, sondern sie hat sich so wirklich zu Getragen.

Nur das ist schon sehr lange her.

Meine Gefühle für meinen Sohn sind  sehr tief und sie werden es immer bleiben.   

Egal, wie viele es sehen mögen, Kinder benötigen Grenzen!

Und ihre Beachtung muss eingefordert werden.

Freiheit, tun und lassen zu können, was man will, ist keine Freiheit, sondern oftmals nur die bewusste, absichtlich Einschränkung der Freiheit und legitimer Rechte anderer.

Erst das respektieren lernen, also das Beachten von Grenzen, setzt Denkprozesse in Gang,

die zu einem sinnvollem Miteinander und zu einer eigenen, in sich vorhandenen menschliche

Größe führen. Und nur diese ermöglicht es, seinen eigenen und nicht von anderen bestimmten Weg

durch ein erfülltes Leben  gehen zu können.  

                                                                                 -3-           

Dieses im Sinne unserer Kinder zu tun, erfordert eine ständige Bereitschaft sich mit ihnen, mit ihren Bedürfnissen  auseinander zu setzen.

Das ist im höchsten Maße unbequem, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Doch setze ich Kinder in diese Welt, habe ich die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass  ihnen jede mögliche Hilfe zuteil  wird,  um ihren ureigensten Weg in diesem Leben finden und auch gehen zu können. Das heißt in der Konsequenz, zu helfen “ ihren“  Weg gehen zu lerne und nicht einen von uns vorbestimmten. Um dass zu gewährleisten sollten sich Eltern, auch die, die es werden wollen, darüber im Klaren sein, dass sie nicht all die dazu gehörenden Aufgaben von sich weg delegieren können. Nicht die anderen haben die Aufgabe unsere eigenen Kinder „zu erziehen“, sondern es ist unsere Ureigenste und der können und dürfen wir uns im Sinne unserer Kinder nicht entziehen. Wer das vorhat, sollte keine Kinder in diese Welt setzen! Denn sie gehören nicht zum` guten Ton`! Wenn sie das das Licht unserer Welt erblicken sollen, dann nur um ihrer Selbstwillen. Aus keinem anderen Grund!      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Machtprobe oder wo ist `Meine ` Grenze?

 

Es war ein Sonntag, wie immer, denn heute war mein Sohn bei mir.

Wir lebten nicht mehr zusammen, seine Mutter und ich hatten uns getrennt.

Fünf Jahre und ein paar Tage zählte er jetzt.

Ein toller junger kleiner Mann und doch ein Kind mit all seinen Bedürfnissen

nach Zuwendung, nach Liebe,  nach Verständnis, nach Geborgenheit, nach einer in seinen Augen heilen Welt  und nach noch so vielem mehr.

Wir spielten mit der Carrerabahn.

Alles was recht war, er fuhr mich glatt an die Wand –bildlich gesprochen-.

Bei  ihm war offensichtlich das notwendige Gespür dafür vorhanden für diese  kleinen

und doch so schnellen Autos, auf den Bruchteil einer Sekunde genau, die Steuerung richtig zu betätigen.

Naturtalent!

Neidlos erkannte ich das an.

Meine Autos wurden leider auf Grund zu hoher Beschleunigung  in den Kurven

oft  aus ihrer Bahn geworfen.

Er hatte drei Rennen nacheinander gewonnen.

Seine Augen strahlten und sein Gesicht glühte vor Aufregung.

„Drei mal gewonnen Papa, du bist zu langsam gefahren, viel zu langsam“!

Die Worte sprudelten förmlich aus seinem Mund.

Unwillkürlich musste ich lächeln, ob dieser Begeisterung, gewonnen zu Haben.

„Du bist einfach super gefahren, toll, meinen herzliche Glückwunsch aber ich bekomme doch irgendwann eine Revanche, oder“?

Er gab sich ganz fair im Bewusstsein seines Sieges und meinte gönnerhaft:

„Na klar“!

Ich freute mich für ihn und ich war ebenso stolz auf ihn, hatte er doch für sein Alter

eine ausgeprägte Nervenstärke bewiesen.

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Als ich ihn so strahlend und begeistert vor mir sitzen sah, wurde mein Herz ganz weit und ich fühlte

tief in mir meine große Liebe zu ihm.

„Was hältst du von einer Stärkung nach dieser Anstrengung“?  fragte ich ihn.

„Papa, ich habe mich nicht angestrengt“!

Ich war mir ziemlich sicher, er konnte es sich nicht verkneifen das zu erwidern. 

 Der Klang seiner Stimme deutete stark auf Nachsicht mit mir hin.   

Kleiner Schurke.

Dachte ich liebevoll  im Stillen.

 „Na ja, ich würde jetzt doch  gerne ein paar Plätzchen essen. Du möchtest du keine“?

 „Welche hast du denn“, wollte er wissen.

 Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass ich keinerlei  Naschwerk auf Vorrat hatte.

„Komm wir fahren zum Kiosk und kaufen uns dort welche“!

Ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, sprang mein Sohn auf, war in Nullkommanichts   an der Wohnungstür, um dort schon auf mich zu Warten.

Denn  eine seiner großen Vorlieben ist das Autofahren.

Der Kiosk ist nicht weit entfernt und daher war unsere gemeinsame Fahrt nicht besonders lang.

Mein Sohn hatte trotzdem seine Freude daran  und er  genoss die kurze Reise.

Am Kiosk angekommen stiegen wir beide aus.

Ich schloss den Wagen ab und wir machten uns auf den Weg in das Innere des Kiosks.

Ohne dass  ich mir erklären konnte, wo durch es wohl ausgelöst wurde, hatte ich ganz plötzlich

ein ungutes Gefühl in mir.

Weniger als ein Minute später wusste ich warum!

Im Schaufenster lagen allerlei Dinge. Unter anderem auch ein Waffengurt nebst Revolver.

                                                                                       -1-

„ Papa, Papa,  kaufst du mir den“?

Mein Sohn sah mich mit großen, hoffnungsvollen Augen an.

Meine Antwort läutete,  erst später nachvollziehbar, das Ende unseres bis jetzt schönen, harmonischen Zusammenseins ein.

„Du, wir sind hierher gekommen um uns eine Tüte Plätzchen zu Kaufen und keinen Waffengurt“, war meine Antwort.

Mein Sohn stellte sich demonstrativ vor das Schaufenster und versuchte es  mit  bittender

Kleinkindstimme noch einmal: „So einen habe ich mir immer schon mal gewünscht, bitte Papa“!

Seine auf mich gerichteten Augen, nahmen einen beinahe flehenden Ausdruck an.

Mir schoss durch den Kopf, er sollte Schauspieler werden.

Ohne nochmals auf seine Bitte und  seine offensichtlich vorhandenen schauspielerischen

Fähigkeiten ein zu gehen, wollte ich ihn erneut mit dem Hinweis:

„Los, lass uns jetzt die Kekse kaufen und wieder nachhause fahren“, vom Schaufenster weg

locken.

„Nein“, war seine Antwort.

„Du möchtest keine Kekse mehr“, wollte ich von ihm wissen.

„Ich will, dass du mir den Gurt mit der Pistole kaufst“!

Der Klang seiner Stimme, seine gesamte Körpersprache, sowie seine Mimik, die ich jetzt erst erkennen konnte, da er sich mir in diesem Augenblick  zu wandte, waren  eine deutliche Sprache.

Entweder du kaufst mir das, oder es gibt Ärger, war die eindeutige Botschaft.

In mir war immer noch die Hoffnung, diese Klippe umschiffen zu können.

Ich stellte mich zu ihm, betrachtete das Ganze ebenfalls und trat Sekunden später in eine selbst ausgelegte Fußangel.

„Der taugt doch nichts, sieh mal wie billig der aussieht. Da fahre ich doch lieber mit dir morgen

nach  Askania  und dort kaufe ich dir einen Besseren als den hier, der auch bestimmt länger hält“.

All meine Glocken läuteten jetzt Sturm, denn mit diesem Hinweis hatte ich einen unverzeihlichen Fehler in dieser Situation begangen.    

Denn genau das, war jetzt Wasser auf seine Mühlen.

„Ich will keinen von Askania, ich will den hier. Jetzt“!

Seine Augen begannen kleine Blitze in meine Richtung ab zu feuern und seine Stimme nahm an

Lautstärke deutlich zu.

An die Plätzchen dachte ich jetzt nicht mehr.

Wieso stehe ich jetzt hier und gebe Erklärungen ab in Richtung meines Sohnes, der auf stur schaltete.

Gleichzeitig spürte ich auch in mir Ärger aufsteigen.

„ Okay, du kannst dich jetzt entscheiden, ob  wir Kekse kaufen sollen oder nicht“, war mein letzter

Versuch, bevor ich mit ihm wieder zurück zu mir gefahren wäre.

Doch ich hatte meinen Satz noch nicht ganz zu Ende gebracht, fauchte er mich wütend an: „Entweder du kaust mir den Pistolengurt, oder du kannst mich nach Hause zur Mama fahren“!

Mit zu Fäusten geballten Händen stand er vor mir und sein Gesicht spiegelte seine jetzt deutlich vorhandene Wut wieder.

 Alles an ihm vibrierte.

„Wie war das“?

 

„Ich lasse mich doch von dir nicht erpressen!

Los einsteigen, ich bringe dich sofort  nach hause“!

Trotz seiner noch vorhandenen Wut schien er zu erkennen, was die Glocke geschlagen hat.

In seine Augen trat ein erschreckter Ausdruck.

Ohne ihn weiter zu beachten, drehte ich mich um und ging zum Auto zurück.

Schloss die Türen auf und forderte ihn auf:

„Los, einsteigen“!

Sein Zorn, seine Wut, war offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Wie aufgeschreckt, den Blick auf den Boden gerichtet, kam er, nach einem kurzen Zögern zum

                                                                                    -2-

Wagen und stieg hinten ein.

Ihm zu Gewand, wies ich ihn nochmals darauf hin: „Wir fahren  jetzt wieder zu mir und dann rufe ich

Deine Mama an. Ist sie zu Hause bringe ich dich sofort zu ihr! „Ich lasse mich nicht erpressen, auch  nicht  von meinem Sohn“!

Ich startete den Wagen und wir fuhren zurück.

In mir war ein Gemisch von vielen Gefühlen.

Von  Enttäuschung, Ärger auch über mich selbst, ein wenig Hilflosigkeit, von Fragen,  aber auch von Erkennen, von  allmählich beginnendem  Verständnis.

Warum musste es so kommen?

Leise klang es von hinten: „Papa ich möchte doch noch bei dir bleiben. Ja.“

 Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es war die Konsequenz meines Handelns und deshalb  antwortete ich ihm: „Ich habe dir gesagt, ich telefoniere gleich mit deiner Mama und ist sie zu Hause, bringe ich dich zurück zu ihr. Auch wenn ich dann selbst traurig bin“!

Ich versuchte  seine  Mutter telefonisch zu erreichen.

Sie war nicht zu Hause.

Also blieb mein Sohn bis zum Ende der ausgemachten Zeit bei mir.

Den Gedanken, die vorangegangene Situation jetzt mit ihm zu diskutieren, verwarf ich.

Sie  musste wohl  von uns beiden erst, vor allem von meinem Sohn, verarbeitet werden und es hätte ihn zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit überfordert. 

Er beschäftigte sich alleine mit Duplos und sah sich danach Bilderbücher an.

Wenn er Fragen hatte, antwortete ich ihm und als er Hilfe benötigte beim Bauen mit den Duplos, half ich ihm.

Doch das harmonische Miteinander von vor dem Versuch Kekse zu kaufen, stellte sich an diesem Tag nicht wieder ein.

Dennoch war etwas geschehen.

Wir hatten zwar keine Kekse, doch wir waren reicher geworden in uns selbst.

Mein Sohn hat erkannt, dass er nichts erzwingen kann und dass es für ihn Grenzen gibt,

an die auch er sich halten muss.   

 Trotz seiner damals jungen Jahre, hat er das, was geschehen war, wohl verinnerlicht.

Denn  eine ähnliche Situation ist danach nie wieder aufgetreten.

Ich bin mir sehr sicher, dass damals ein klares NEIN das alles hätte verhindern können.

Es gibt Situationen in denen eine Diskussion sicher angebracht ist.

Es gibt jedoch ebenfalls Situationen in denen zu diskutieren, sinnlos ist.

Ein NEIN ist ein ausgesprochener Widerstand und im Leben ist es wichtig zu lernen und  auch zu erkennen, sich gegen Widerstände, wenn es erforderlich ist, durch zu setzen.

Diese Chance ist in diesem Moment vertan worden.

Leider!

Was jedoch nicht so gravierend war, da wir Beide etwas erfahren, gelernt hatten. 

Mein Sohn und ich haben eine wunderbare  Vertraute und auf gegenseitiger  Achtung

ruhende Zuneigung zu einander.

Diese von mir erzählte Geschichte ist nicht fiktiv, sondern sie hat sich so wirklich zu Getragen.

Nur das ist schon sehr lange her.

Meine Gefühle für meinen Sohn sind  sehr tief und sie werden es immer bleiben.   

Egal, wie viele es sehen mögen, Kinder benötigen Grenzen!

Und ihre Beachtung muss eingefordert werden.

Freiheit, tun und lassen zu können, was man will, ist keine Freiheit, sondern oftmals nur die bewusste, absichtlich Einschränkung der Freiheit und legitimer Rechte anderer.

Erst das respektieren lernen, also das Beachten von Grenzen, setzt Denkprozesse in Gang,

die zu einem sinnvollem Miteinander und zu einer eigenen, in sich vorhandenen menschliche

Größe führen. Und nur diese ermöglicht es, seinen eigenen und nicht von anderen bestimmten Weg

durch ein erfülltes Leben  gehen zu können.  

                                                                                 -3-           

Dieses im Sinne unserer Kinder zu tun, erfordert eine ständige Bereitschaft sich mit ihnen, mit ihren Bedürfnissen  auseinander zu setzen.

Das ist im höchsten Maße unbequem, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Doch setze ich Kinder in diese Welt, habe ich die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass  ihnen jede mögliche Hilfe zuteil  wird,  um ihren ureigensten Weg in diesem Leben finden und auch gehen zu können. Das heißt in der Konsequenz, zu helfen “ ihren“  Weg gehen zu lerne und nicht einen von uns vorbestimmten. Um dass zu gewährleisten sollten sich Eltern, auch die, die es werden wollen, darüber im Klaren sein, dass sie nicht all die dazu gehörenden Aufgaben von sich weg delegieren können. Nicht die anderen haben die Aufgabe unsere eigenen Kinder „zu erziehen“, sondern es ist unsere Ureigenste und der können und dürfen wir uns im Sinne unserer Kinder nicht entziehen. Wer das vorhat, sollte keine Kinder in diese Welt setzen! Denn sie gehören nicht zum` guten Ton`! Wenn sie das das Licht unserer Welt erblicken sollen, dann nur um ihrer Selbstwillen. Aus keinem anderen Grund!      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Machtprobe oder wo ist `Meine ` Grenze?

 

Es war ein Sonntag, wie immer, denn heute war mein Sohn bei mir.

Wir lebten nicht mehr zusammen, seine Mutter und ich hatten uns getrennt.

Fünf Jahre und ein paar Tage zählte er jetzt.

Ein toller junger kleiner Mann und doch ein Kind mit all seinen Bedürfnissen

nach Zuwendung, nach Liebe,  nach Verständnis, nach Geborgenheit, nach einer in seinen Augen heilen Welt  und nach noch so vielem mehr.

Wir spielten mit der Carrerabahn.

Alles was recht war, er fuhr mich glatt an die Wand –bildlich gesprochen-.

Bei  ihm war offensichtlich das notwendige Gespür dafür vorhanden für diese  kleinen

und doch so schnellen Autos, auf den Bruchteil einer Sekunde genau, die Steuerung richtig zu betätigen.

Naturtalent!

Neidlos erkannte ich das an.

Meine Autos wurden leider auf Grund zu hoher Beschleunigung  in den Kurven

oft  aus ihrer Bahn geworfen.

Er hatte drei Rennen nacheinander gewonnen.

Seine Augen strahlten und sein Gesicht glühte vor Aufregung.

„Drei mal gewonnen Papa, du bist zu langsam gefahren, viel zu langsam“!

Die Worte sprudelten förmlich aus seinem Mund.

Unwillkürlich musste ich lächeln, ob dieser Begeisterung, gewonnen zu Haben.

„Du bist einfach super gefahren, toll, meinen herzliche Glückwunsch aber ich bekomme doch irgendwann eine Revanche, oder“?

Er gab sich ganz fair im Bewusstsein seines Sieges und meinte gönnerhaft:

„Na klar“!

Ich freute mich für ihn und ich war ebenso stolz auf ihn, hatte er doch für sein Alter

eine ausgeprägte Nervenstärke bewiesen.

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Als ich ihn so strahlend und begeistert vor mir sitzen sah, wurde mein Herz ganz weit und ich fühlte

tief in mir meine große Liebe zu ihm.

„Was hältst du von einer Stärkung nach dieser Anstrengung“?  fragte ich ihn.

„Papa, ich habe mich nicht angestrengt“!

Ich war mir ziemlich sicher, er konnte es sich nicht verkneifen das zu erwidern. 

 Der Klang seiner Stimme deutete stark auf Nachsicht mit mir hin.   

Kleiner Schurke.

Dachte ich liebevoll  im Stillen.

 „Na ja, ich würde jetzt doch  gerne ein paar Plätzchen essen. Du möchtest du keine“?

 „Welche hast du denn“, wollte er wissen.

 Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass ich keinerlei  Naschwerk auf Vorrat hatte.

„Komm wir fahren zum Kiosk und kaufen uns dort welche“!

Ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, sprang mein Sohn auf, war in Nullkommanichts   an der Wohnungstür, um dort schon auf mich zu Warten.

Denn  eine seiner großen Vorlieben ist das Autofahren.

Der Kiosk ist nicht weit entfernt und daher war unsere gemeinsame Fahrt nicht besonders lang.

Mein Sohn hatte trotzdem seine Freude daran  und er  genoss die kurze Reise.

Am Kiosk angekommen stiegen wir beide aus.

Ich schloss den Wagen ab und wir machten uns auf den Weg in das Innere des Kiosks.

Ohne dass  ich mir erklären konnte, wo durch es wohl ausgelöst wurde, hatte ich ganz plötzlich

ein ungutes Gefühl in mir.

Weniger als ein Minute später wusste ich warum!

Im Schaufenster lagen allerlei Dinge. Unter anderem auch ein Waffengurt nebst Revolver.

                                                                                       -1-

„ Papa, Papa,  kaufst du mir den“?

Mein Sohn sah mich mit großen, hoffnungsvollen Augen an.

Meine Antwort läutete,  erst später nachvollziehbar, das Ende unseres bis jetzt schönen, harmonischen Zusammenseins ein.

„Du, wir sind hierher gekommen um uns eine Tüte Plätzchen zu Kaufen und keinen Waffengurt“, war meine Antwort.

Mein Sohn stellte sich demonstrativ vor das Schaufenster und versuchte es  mit  bittender

Kleinkindstimme noch einmal: „So einen habe ich mir immer schon mal gewünscht, bitte Papa“!

Seine auf mich gerichteten Augen, nahmen einen beinahe flehenden Ausdruck an.

Mir schoss durch den Kopf, er sollte Schauspieler werden.

Ohne nochmals auf seine Bitte und  seine offensichtlich vorhandenen schauspielerischen

Fähigkeiten ein zu gehen, wollte ich ihn erneut mit dem Hinweis:

„Los, lass uns jetzt die Kekse kaufen und wieder nachhause fahren“, vom Schaufenster weg

locken.

„Nein“, war seine Antwort.

„Du möchtest keine Kekse mehr“, wollte ich von ihm wissen.

„Ich will, dass du mir den Gurt mit der Pistole kaufst“!

Der Klang seiner Stimme, seine gesamte Körpersprache, sowie seine Mimik, die ich jetzt erst erkennen konnte, da er sich mir in diesem Augenblick  zu wandte, waren  eine deutliche Sprache.

Entweder du kaufst mir das, oder es gibt Ärger, war die eindeutige Botschaft.

In mir war immer noch die Hoffnung, diese Klippe umschiffen zu können.

Ich stellte mich zu ihm, betrachtete das Ganze ebenfalls und trat Sekunden später in eine selbst ausgelegte Fußangel.

„Der taugt doch nichts, sieh mal wie billig der aussieht. Da fahre ich doch lieber mit dir morgen

nach  Askania  und dort kaufe ich dir einen Besseren als den hier, der auch bestimmt länger hält“.

All meine Glocken läuteten jetzt Sturm, denn mit diesem Hinweis hatte ich einen unverzeihlichen Fehler in dieser Situation begangen.    

Denn genau das, war jetzt Wasser auf seine Mühlen.

„Ich will keinen von Askania, ich will den hier. Jetzt“!

Seine Augen begannen kleine Blitze in meine Richtung ab zu feuern und seine Stimme nahm an

Lautstärke deutlich zu.

An die Plätzchen dachte ich jetzt nicht mehr.

Wieso stehe ich jetzt hier und gebe Erklärungen ab in Richtung meines Sohnes, der auf stur schaltete.

Gleichzeitig spürte ich auch in mir Ärger aufsteigen.

„ Okay, du kannst dich jetzt entscheiden, ob  wir Kekse kaufen sollen oder nicht“, war mein letzter

Versuch, bevor ich mit ihm wieder zurück zu mir gefahren wäre.

Doch ich hatte meinen Satz noch nicht ganz zu Ende gebracht, fauchte er mich wütend an: „Entweder du kaust mir den Pistolengurt, oder du kannst mich nach Hause zur Mama fahren“!

Mit zu Fäusten geballten Händen stand er vor mir und sein Gesicht spiegelte seine jetzt deutlich vorhandene Wut wieder.

 Alles an ihm vibrierte.

„Wie war das“?

 

„Ich lasse mich doch von dir nicht erpressen!

Los einsteigen, ich bringe dich sofort  nach hause“!

Trotz seiner noch vorhandenen Wut schien er zu erkennen, was die Glocke geschlagen hat.

In seine Augen trat ein erschreckter Ausdruck.

Ohne ihn weiter zu beachten, drehte ich mich um und ging zum Auto zurück.

Schloss die Türen auf und forderte ihn auf:

„Los, einsteigen“!

Sein Zorn, seine Wut, war offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Wie aufgeschreckt, den Blick auf den Boden gerichtet, kam er, nach einem kurzen Zögern zum

                                                                                    -2-

Wagen und stieg hinten ein.

Ihm zu Gewand, wies ich ihn nochmals darauf hin: „Wir fahren  jetzt wieder zu mir und dann rufe ich

Deine Mama an. Ist sie zu Hause bringe ich dich sofort zu ihr! „Ich lasse mich nicht erpressen, auch  nicht  von meinem Sohn“!

Ich startete den Wagen und wir fuhren zurück.

In mir war ein Gemisch von vielen Gefühlen.

Von  Enttäuschung, Ärger auch über mich selbst, ein wenig Hilflosigkeit, von Fragen,  aber auch von Erkennen, von  allmählich beginnendem  Verständnis.

Warum musste es so kommen?

Leise klang es von hinten: „Papa ich möchte doch noch bei dir bleiben. Ja.“

 Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es war die Konsequenz meines Handelns und deshalb  antwortete ich ihm: „Ich habe dir gesagt, ich telefoniere gleich mit deiner Mama und ist sie zu Hause, bringe ich dich zurück zu ihr. Auch wenn ich dann selbst traurig bin“!

Ich versuchte  seine  Mutter telefonisch zu erreichen.

Sie war nicht zu Hause.

Also blieb mein Sohn bis zum Ende der ausgemachten Zeit bei mir.

Den Gedanken, die vorangegangene Situation jetzt mit ihm zu diskutieren, verwarf ich.

Sie  musste wohl  von uns beiden erst, vor allem von meinem Sohn, verarbeitet werden und es hätte ihn zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit überfordert. 

Er beschäftigte sich alleine mit Duplos und sah sich danach Bilderbücher an.

Wenn er Fragen hatte, antwortete ich ihm und als er Hilfe benötigte beim Bauen mit den Duplos, half ich ihm.

Doch das harmonische Miteinander von vor dem Versuch Kekse zu kaufen, stellte sich an diesem Tag nicht wieder ein.

Dennoch war etwas geschehen.

Wir hatten zwar keine Kekse, doch wir waren reicher geworden in uns selbst.

Mein Sohn hat erkannt, dass er nichts erzwingen kann und dass es für ihn Grenzen gibt,

an die auch er sich halten muss.   

 Trotz seiner damals jungen Jahre, hat er das, was geschehen war, wohl verinnerlicht.

Denn  eine ähnliche Situation ist danach nie wieder aufgetreten.

Ich bin mir sehr sicher, dass damals ein klares NEIN das alles hätte verhindern können.

Es gibt Situationen in denen eine Diskussion sicher angebracht ist.

Es gibt jedoch ebenfalls Situationen in denen zu diskutieren, sinnlos ist.

Ein NEIN ist ein ausgesprochener Widerstand und im Leben ist es wichtig zu lernen und  auch zu erkennen, sich gegen Widerstände, wenn es erforderlich ist, durch zu setzen.

Diese Chance ist in diesem Moment vertan worden.

Leider!

Was jedoch nicht so gravierend war, da wir Beide etwas erfahren, gelernt hatten. 

Mein Sohn und ich haben eine wunderbare  Vertraute und auf gegenseitiger  Achtung

ruhende Zuneigung zu einander.

Diese von mir erzählte Geschichte ist nicht fiktiv, sondern sie hat sich so wirklich zu Getragen.

Nur das ist schon sehr lange her.

Meine Gefühle für meinen Sohn sind  sehr tief und sie werden es immer bleiben.   

Egal, wie viele es sehen mögen, Kinder benötigen Grenzen!

Und ihre Beachtung muss eingefordert werden.

Freiheit, tun und lassen zu können, was man will, ist keine Freiheit, sondern oftmals nur die bewusste, absichtlich Einschränkung der Freiheit und legitimer Rechte anderer.

Erst das respektieren lernen, also das Beachten von Grenzen, setzt Denkprozesse in Gang,

die zu einem sinnvollem Miteinander und zu einer eigenen, in sich vorhandenen menschliche

Größe führen. Und nur diese ermöglicht es, seinen eigenen und nicht von anderen bestimmten Weg

durch ein erfülltes Leben  gehen zu können.  

                                                                                 -3-           

Dieses im Sinne unserer Kinder zu tun, erfordert eine ständige Bereitschaft sich mit ihnen, mit ihren Bedürfnissen  auseinander zu setzen.

Das ist im höchsten Maße unbequem, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Doch setze ich Kinder in diese Welt, habe ich die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass  ihnen jede mögliche Hilfe zuteil  wird,  um ihren ureigensten Weg in diesem Leben finden und auch gehen zu können. Das heißt in der Konsequenz, zu helfen “ ihren“  Weg gehen zu lerne und nicht einen von uns vorbestimmten. Um dass zu gewährleisten sollten sich Eltern, auch die, die es werden wollen, darüber im Klaren sein, dass sie nicht all die dazu gehörenden Aufgaben von sich weg delegieren können. Nicht die anderen haben die Aufgabe unsere eigenen Kinder „zu erziehen“, sondern es ist unsere Ureigenste und der können und dürfen wir uns im Sinne unserer Kinder nicht entziehen. Wer das vorhat, sollte keine Kinder in diese Welt setzen! Denn sie gehören nicht zum` guten Ton`! Wenn sie das das Licht unserer Welt erblicken sollen, dann nur um ihrer Selbstwillen. Aus keinem anderen Grund!      

 

 

 

 

 

 

 

Die Machtprobe oder wo ist `Meine ` Grenze?

 

Es war ein Sonntag, wie immer, denn heute war mein Sohn bei mir.

Wir lebten nicht mehr zusammen, seine Mutter und ich hatten uns getrennt.

Fünf Jahre und ein paar Tage zählte er jetzt.

Ein toller junger kleiner Mann und doch ein Kind mit all seinen Bedürfnissen

nach Zuwendung, nach Liebe,  nach Verständnis, nach Geborgenheit, nach einer in seinen Augen heilen Welt  und nach noch so vielem mehr.

Wir spielten mit der Carrerabahn.

Alles was recht war, er fuhr mich glatt an die Wand –bildlich gesprochen-.

Bei  ihm war offensichtlich das notwendige Gespür dafür vorhanden für diese  kleinen

und doch so schnellen Autos, auf den Bruchteil einer Sekunde genau, die Steuerung richtig zu betätigen.

Naturtalent!

Neidlos erkannte ich das an.

Meine Autos wurden leider auf Grund zu hoher Beschleunigung  in den Kurven

oft  aus ihrer Bahn geworfen.

Er hatte drei Rennen nacheinander gewonnen.

Seine Augen strahlten und sein Gesicht glühte vor Aufregung.

„Drei mal gewonnen Papa, du bist zu langsam gefahren, viel zu langsam“!

Die Worte sprudelten förmlich aus seinem Mund.

Unwillkürlich musste ich lächeln, ob dieser Begeisterung, gewonnen zu Haben.

„Du bist einfach super gefahren, toll, meinen herzliche Glückwunsch aber ich bekomme doch irgendwann eine Revanche, oder“?

Er gab sich ganz fair im Bewusstsein seines Sieges und meinte gönnerhaft:

„Na klar“!

Ich freute mich für ihn und ich war ebenso stolz auf ihn, hatte er doch für sein Alter

eine ausgeprägte Nervenstärke bewiesen.

Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Als ich ihn so strahlend und begeistert vor mir sitzen sah, wurde mein Herz ganz weit und ich fühlte

tief in mir meine große Liebe zu ihm.

„Was hältst du von einer Stärkung nach dieser Anstrengung“?  fragte ich ihn.

„Papa, ich habe mich nicht angestrengt“!

Ich war mir ziemlich sicher, er konnte es sich nicht verkneifen das zu erwidern. 

 Der Klang seiner Stimme deutete stark auf Nachsicht mit mir hin.   

Kleiner Schurke.

Dachte ich liebevoll  im Stillen.

 „Na ja, ich würde jetzt doch  gerne ein paar Plätzchen essen. Du möchtest du keine“?

 „Welche hast du denn“, wollte er wissen.

 Zu meiner Verwunderung stellte ich fest, dass ich keinerlei  Naschwerk auf Vorrat hatte.

„Komm wir fahren zum Kiosk und kaufen uns dort welche“!

Ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, sprang mein Sohn auf, war in Nullkommanichts   an der Wohnungstür, um dort schon auf mich zu Warten.

Denn  eine seiner großen Vorlieben ist das Autofahren.

Der Kiosk ist nicht weit entfernt und daher war unsere gemeinsame Fahrt nicht besonders lang.

Mein Sohn hatte trotzdem seine Freude daran  und er  genoss die kurze Reise.

Am Kiosk angekommen stiegen wir beide aus.

Ich schloss den Wagen ab und wir machten uns auf den Weg in das Innere des Kiosks.

Ohne dass  ich mir erklären konnte, wo durch es wohl ausgelöst wurde, hatte ich ganz plötzlich

ein ungutes Gefühl in mir.

Weniger als ein Minute später wusste ich warum!

Im Schaufenster lagen allerlei Dinge. Unter anderem auch ein Waffengurt nebst Revolver.

                                                                                       -1-

„ Papa, Papa,  kaufst du mir den“?

Mein Sohn sah mich mit großen, hoffnungsvollen Augen an.

Meine Antwort läutete,  erst später nachvollziehbar, das Ende unseres bis jetzt schönen, harmonischen Zusammenseins ein.

„Du, wir sind hierher gekommen um uns eine Tüte Plätzchen zu Kaufen und keinen Waffengurt“, war meine Antwort.

Mein Sohn stellte sich demonstrativ vor das Schaufenster und versuchte es  mit  bittender

Kleinkindstimme noch einmal: „So einen habe ich mir immer schon mal gewünscht, bitte Papa“!

Seine auf mich gerichteten Augen, nahmen einen beinahe flehenden Ausdruck an.

Mir schoss durch den Kopf, er sollte Schauspieler werden.

Ohne nochmals auf seine Bitte und  seine offensichtlich vorhandenen schauspielerischen

Fähigkeiten ein zu gehen, wollte ich ihn erneut mit dem Hinweis:

„Los, lass uns jetzt die Kekse kaufen und wieder nachhause fahren“, vom Schaufenster weg

locken.

„Nein“, war seine Antwort.

„Du möchtest keine Kekse mehr“, wollte ich von ihm wissen.

„Ich will, dass du mir den Gurt mit der Pistole kaufst“!

Der Klang seiner Stimme, seine gesamte Körpersprache, sowie seine Mimik, die ich jetzt erst erkennen konnte, da er sich mir in diesem Augenblick  zu wandte, waren  eine deutliche Sprache.

Entweder du kaufst mir das, oder es gibt Ärger, war die eindeutige Botschaft.

In mir war immer noch die Hoffnung, diese Klippe umschiffen zu können.

Ich stellte mich zu ihm, betrachtete das Ganze ebenfalls und trat Sekunden später in eine selbst ausgelegte Fußangel.

„Der taugt doch nichts, sieh mal wie billig der aussieht. Da fahre ich doch lieber mit dir morgen

nach  Askania  und dort kaufe ich dir einen Besseren als den hier, der auch bestimmt länger hält“.

All meine Glocken läuteten jetzt Sturm, denn mit diesem Hinweis hatte ich einen unverzeihlichen Fehler in dieser Situation begangen.    

Denn genau das, war jetzt Wasser auf seine Mühlen.

„Ich will keinen von Askania, ich will den hier. Jetzt“!

Seine Augen begannen kleine Blitze in meine Richtung ab zu feuern und seine Stimme nahm an

Lautstärke deutlich zu.

An die Plätzchen dachte ich jetzt nicht mehr.

Wieso stehe ich jetzt hier und gebe Erklärungen ab in Richtung meines Sohnes, der auf stur schaltete.

Gleichzeitig spürte ich auch in mir Ärger aufsteigen.

„ Okay, du kannst dich jetzt entscheiden, ob  wir Kekse kaufen sollen oder nicht“, war mein letzter

Versuch, bevor ich mit ihm wieder zurück zu mir gefahren wäre.

Doch ich hatte meinen Satz noch nicht ganz zu Ende gebracht, fauchte er mich wütend an: „Entweder du kaust mir den Pistolengurt, oder du kannst mich nach Hause zur Mama fahren“!

Mit zu Fäusten geballten Händen stand er vor mir und sein Gesicht spiegelte seine jetzt deutlich vorhandene Wut wieder.

 Alles an ihm vibrierte.

„Wie war das“?

 

„Ich lasse mich doch von dir nicht erpressen!

Los einsteigen, ich bringe dich sofort  nach hause“!

Trotz seiner noch vorhandenen Wut schien er zu erkennen, was die Glocke geschlagen hat.

In seine Augen trat ein erschreckter Ausdruck.

Ohne ihn weiter zu beachten, drehte ich mich um und ging zum Auto zurück.

Schloss die Türen auf und forderte ihn auf:

„Los, einsteigen“!

Sein Zorn, seine Wut, war offensichtlich nicht mehr vorhanden.

Wie aufgeschreckt, den Blick auf den Boden gerichtet, kam er, nach einem kurzen Zögern zum

                                                                                    -2-

Wagen und stieg hinten ein.

Ihm zu Gewand, wies ich ihn nochmals darauf hin: „Wir fahren  jetzt wieder zu mir und dann rufe ich

Deine Mama an. Ist sie zu Hause bringe ich dich sofort zu ihr! „Ich lasse mich nicht erpressen, auch  nicht  von meinem Sohn“!

Ich startete den Wagen und wir fuhren zurück.

In mir war ein Gemisch von vielen Gefühlen.

Von  Enttäuschung, Ärger auch über mich selbst, ein wenig Hilflosigkeit, von Fragen,  aber auch von Erkennen, von  allmählich beginnendem  Verständnis.

Warum musste es so kommen?

Leise klang es von hinten: „Papa ich möchte doch noch bei dir bleiben. Ja.“

 Ich hatte eine Entscheidung getroffen. Es war die Konsequenz meines Handelns und deshalb  antwortete ich ihm: „Ich habe dir gesagt, ich telefoniere gleich mit deiner Mama und ist sie zu Hause, bringe ich dich zurück zu ihr. Auch wenn ich dann selbst traurig bin“!

Ich versuchte  seine  Mutter telefonisch zu erreichen.

Sie war nicht zu Hause.

Also blieb mein Sohn bis zum Ende der ausgemachten Zeit bei mir.

Den Gedanken, die vorangegangene Situation jetzt mit ihm zu diskutieren, verwarf ich.

Sie  musste wohl  von uns beiden erst, vor allem von meinem Sohn, verarbeitet werden und es hätte ihn zum jetzigen Zeitpunkt mit Sicherheit überfordert. 

Er beschäftigte sich alleine mit Duplos und sah sich danach Bilderbücher an.

Wenn er Fragen hatte, antwortete ich ihm und als er Hilfe benötigte beim Bauen mit den Duplos, half ich ihm.

Doch das harmonische Miteinander von vor dem Versuch Kekse zu kaufen, stellte sich an diesem Tag nicht wieder ein.

Dennoch war etwas geschehen.

Wir hatten zwar keine Kekse, doch wir waren reicher geworden in uns selbst.

Mein Sohn hat erkannt, dass er nichts erzwingen kann und dass es für ihn Grenzen gibt,

an die auch er sich halten muss.   

 Trotz seiner damals jungen Jahre, hat er das, was geschehen war, wohl verinnerlicht.

Denn  eine ähnliche Situation ist danach nie wieder aufgetreten.

Ich bin mir sehr sicher, dass damals ein klares NEIN das alles hätte verhindern können.

Es gibt Situationen in denen eine Diskussion sicher angebracht ist.

Es gibt jedoch ebenfalls Situationen in denen zu diskutieren, sinnlos ist.

Ein NEIN ist ein ausgesprochener Widerstand und im Leben ist es wichtig zu lernen und  auch zu erkennen, sich gegen Widerstände, wenn es erforderlich ist, durch zu setzen.

Diese Chance ist in diesem Moment vertan worden.

Leider!

Was jedoch nicht so gravierend war, da wir Beide etwas erfahren, gelernt hatten. 

Mein Sohn und ich haben eine wunderbare  Vertraute und auf gegenseitiger  Achtung

ruhende Zuneigung zu einander.

Diese von mir erzählte Geschichte ist nicht fiktiv, sondern sie hat sich so wirklich zu Getragen.

Nur das ist schon sehr lange her.

Meine Gefühle für meinen Sohn sind  sehr tief und sie werden es immer bleiben.   

Egal, wie viele es sehen mögen, Kinder benötigen Grenzen!

Und ihre Beachtung muss eingefordert werden.

Freiheit, tun und lassen zu können, was man will, ist keine Freiheit, sondern oftmals nur die bewusste, absichtlich Einschränkung der Freiheit und legitimer Rechte anderer.

Erst das respektieren lernen, also das Beachten von Grenzen, setzt Denkprozesse in Gang,

die zu einem sinnvollem Miteinander und zu einer eigenen, in sich vorhandenen menschliche

Größe führen. Und nur diese ermöglicht es, seinen eigenen und nicht von anderen bestimmten Weg

durch ein erfülltes Leben  gehen zu können.  

                                                                                 -3-           

Dieses im Sinne unserer Kinder zu tun, erfordert eine ständige Bereitschaft sich mit ihnen, mit ihren Bedürfnissen  auseinander zu setzen.

Das ist im höchsten Maße unbequem, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Doch setze ich Kinder in diese Welt, habe ich die Verpflichtung dafür zu sorgen, dass  ihnen jede mögliche Hilfe zuteil  wird,  um ihren ureigensten Weg in diesem Leben finden und auch gehen zu können. Das heißt in der Konsequenz, zu helfen “ ihren“  Weg gehen zu lerne und nicht einen von uns vorbestimmten. Um dass zu gewährleisten sollten sich Eltern, auch die, die es werden wollen, darüber im Klaren sein, dass sie nicht all die dazu gehörenden Aufgaben von sich weg delegieren können. Nicht die anderen haben die Aufgabe unsere eigenen Kinder „zu erziehen“, sondern es ist unsere Ureigenste und der können und dürfen wir uns im Sinne unserer Kinder nicht entziehen. Wer das vorhat, sollte keine Kinder in diese Welt setzen! Denn sie gehören nicht zum` guten Ton`! Wenn sie das das Licht unserer Welt erblicken sollen, dann nur um ihrer Selbstwillen. Aus keinem anderen Grund!      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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