Doris Fischer

Winter auf der Alm

Katja und ihr kleiner Bruder Jonas leben mit ihrer Familie auf einer bewirtschafteten Alm hoch droben in den Bergen. Die Gegend ist bekannt für schneereiche und harte Winter. Die einzige, schmale Zufahrtsstraße, die von dem kleinen Ort im Tal zu der Alm hinaufführt, ist wie jedes Jahr während der Wintermonate auch in diesem Jahr für Autos nicht befahrbar. Das einzige Beförderungsmittel, mit dem die Almbewohner im Winter ihr Zuhause erreichen können, ist eine Seilbahn. Auch der Weg zum Bäcker oder in den Supermarkt bedeutet jedes Mal eine große Anstrengung und lässt sich nur mit der Gondel zurücklegen. Das Leben auf einer Alpe ist und bleibt für die Menschen eine herausfordernde, oft kräftezehrende Aufgabe und ist besonders in der Winterszeit mit oft erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden.

Katja‘ s Eltern lassen sich aber dadurch nicht die Freude am Leben verderben und die Kinder lieben das Toben im Schnee mehr als alles andere. Eine außergewöhnliche Herausforderung stellt jedoch der tägliche Schulweg für die beiden dar. Dieser Schulweg hat es wirklich in sich, denn Katja und Jonas werden weder mit dem Bus noch mit dem Auto zur Schule unten im Dorf befördert. Mit der Gondel zum Unterricht zu fahren, ist ebenfalls nicht möglich, da die Seilbahn so früh am Morgen wenn die Schule beginnt, noch nicht in Betrieb ist. Also müssen Katja und ihr Bruder bereits vor Tagesanbruch aus den Betten klettern und sich alleine für die Schule fertig machen. Mit dem Schulrucksack auf dem Rücken schnallen sie sich die Skier unter die Füße und hinaus geht es bei winterlicher Kälte in die Morgendämmerung.

Noch ziemlich verschlafen schieben sich die beiden Kinder auf ihren Skiern mit voller Kraft durch den knirschenden Schnee, bis sie schließlich an einer Bergkuppe angekommen sind. Inzwischen geht auch schon die Sonne auf und taucht die tiefverschneite Landschaft in eine glitzernde Märchenwelt. Katja und Jonas haben von hier oben einen wunderschönen Ausblick auf die Berge und bei klarem Wetter können sie sogar ihre Schule unten im Tal erkennen.

Heute sind sie später dran als an den anderen Tagen und müssen sich deshalb beeilen, wenn sie nicht zu spät zum Unterricht kommen wollen. So geht es nun in flottem Tempo den steilen Hang hinunter und mit ihren Skistöcken stoßen sie sich immer wieder kräftig ab, um die Geschwindigkeit noch zu steigern. Trotz ihres jugendlichen Alters beherrschen die beiden das Skierfahren wie zwei Profis. Nach einer kurvenreichen, etwa viertelstündigen Fahrt kommen Katja und Jonas mit roten Wangen und lachenden Gesichtern unten im Tal an. Nach Luft japsend bremsen sie ihre Fahrt ab, schnallen sich die Skier von den Füßen und klemmen sich Stöcke und Skier unten den Arm. Heute müssen sie sich sputen, denn der Unterricht beginnt schon in zehn Minuten. So geht es im Laufschritt in Richtung Schule, wo bereits ihre Freunde auf die beiden warten.

Nach einem anstrengenden Unterrichtstag stehen Katja und Jonas bereits wieder startklar mit Rucksack und Skiern vor der Schule, wo sie jeden Tag von ihrer Oma abgeholt werden. Die Oma wohnt hier im Dorf und begleitet deshalb ihre beiden Enkel nach Schulschluss immer zur Talstation der Seilbahn. Die Kinder klettern dann mit ihren Skiern und Schulsachen in eine der Seilbahnkabinen und los geht’s in gemächlichem Tempo zurück zu ihren Eltern auf die Alm. Nach einer etwa halbstündigen Fahrt hinauf auf den Berg wartet ihre Mutter bereits mit einem leckeren, warmen Mittagessen auf ihre beiden hungrigen Schulkinder.

Auf der Alm in den Bergen ticken die Uhren anders und das Leben und der Alltag der Menschen verlaufen in einem anderen Rhythmus und nach anderen Gesetzen. Solch ein hartes Leben fordert zwar große Anstrengung und persönliche Opfer, aber die Menschen leben noch weitaus mehr im Einklang mit der Natur, sind bescheidener und sehr wahrscheinlich auch glücklicher als woanders auf der Welt.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.04.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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