Eugen Moser

Ein Käfig voller Blitze - Eine Shadowrun Kurzgeschichte


Diese Kurzgeschichte ist eine Koproduktion von Janine Radeke und Eugen Moser


Einführung:

Wir schreiben das Jahr 2075, in Großbritannien. Die vielen Brüche in der turbokapitalistischen Gesellschaft, wie die Eurokriege, das Wiedererwachen der Magie oder diverse Naturkatastrophen haben auch das Leben unserer jungen Protagonisten gezeichnet.
Erst wenige Tage ist es her, dass die drei Jugendlichen aus einer Besserungsanstalt für magiebegabte Minderjährige bei Leeds entlassen wurden. Angesichts chaotischer Familienverhältnisse und eines versagenden Sozialsystems, beschließen die Drei eine Ersatzfamilie in Form einer Gang zu gründen. Nun geht es erstmal darum etwas Startkapital zu erwirtschaften, da sie bei Null beginnen.
Die Tante eines der Protagonisten, vermittelt die Jugendlichen weiter sodass sie zu ihrem ersten größeren Auftrag kommen. Hier nimmt die folgende Kurzgeschichte ihren Anfang.

 

Kurzbeschreibung der Protagonisten:

Ivy ‘Banshee’ Brixton, 15 Jahre:
Mit ihren weißen Haaren, roten Augen und selbst für britische Verhältnisse blasser Haut machen Ivy für viele zu einer auffälligen, und manchmal auch ein wenig unheimlichen Erscheinung. Doch ein unheimliches Images ist besser als ein lächerliches, und so begann Ivy mit ihrem Spitznamen ‘Banshee’ und dank ihrer chaos-magischen Fähigkeiten ihren zweifelhaften Ruf zu pflegen. Zumal Magie neben Musik das einzige ist, worin sie sie ihrer Meinung nach je gut war. Noch immer hadert sie mit den Mutationen und einer wankelmütigen Hirnchemie, die ihr die Surge-Meteoritenstürme vor einigen Jahren einbrachten. So ist auch die Zahl derer, die sie Freunde nennt ziemlich überschaubar. Das von Konflikten und familiären Spannungen gezeichnete Leben in der Londoner Vorstadt ließ Ivy mit einer herauf- beschworenen Feuerstrahl buchstäblich in Flammen aufgehen und landete so in der Besserungsanstalt.

 

Trevilian ‘Lyo’ Mara, 16 Jahre:
Ein Durchnitts-Typ, der so unauffällig ist das man ihn schon fast wieder vergessen könnte. Sein markantestes optisches Merkmal ist das verwaschene graue Basecap seines verstorbenen Vaters das er als Glücksbringer trägt. Trevilian ist nicht gerade auf den Kopf gefallen und daher sehr überlegt. Zudem ist er handwerklich und technisch sehr begabt und schraubt für sein Leben gern. Er ist eher introvertiert da er meistens alleine war und keine Freunde in seinem Leben hatte, da er seit seiner Kindheit von Pflegefamilie zu Pflegefamilie wanderte. Nichtsdestotrotz besitzt er ein stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und versucht das Richtige zu tun, auch wenn es nicht immer mit dem teilweise korrupten Gesetz einhergeht. Aus der Laune heraus die Welt bunter und freundlicher zu gestalten, hatte er einen leerstehenden Häuserblock mit Farbe bombardiert und landete wegen Vandalismus in einer staatliche Besserungsanstalt, wo er sich mit den anderen Außenseitern/Protagonisten anfreundete. 

 

Faoláin ‘Arrow’ Cooper, 17 Jahre:
Der zunächst schweigsame Elf ist im Gegensatz zu den meisten seines Metatyps eine eher dunkle Gestalt. Als sogenannter “Night Ones”, ist seine Haut von feinem violetten Flaum überzogene und er blickt aus dunklen pupillenlose Augen in die Welt. Aufgrund seiner Art ist die Nacht sein Freund, während der Tag seine Konzentration und Denkfähigkeit einschränkt. Gewandt und schnell wie ein Schatten verbrachte er viele Jahre in den Wäldern was seinen druidischen Glauben formte. Er ist ein Jäger durch und durch und daher wegen Wilderei in die Besserungsanstalt gekommen. Durch sein Einzelgängertum fällt es ihm nach wie vor schwer Gefühle nach außen hin zu zeigen. Sein engster Freund ist Blacky, ein schwarzer Fenriswolf, der erstaunlich zutraulich ist und so groß wie ein Pony.

 

Ein Käfig voller Blitze

 

Und dann kam Sven

“Sven Bolder?” Las Lyo skeptisch vom Klingelschild ab. Er ging nochmal näher ran bis seine Nase fast gegen das Schild stieß. Der grenzdebil grinsende Smiley-Sticker neben der Klingel, bestärkte nur seine Skepsis, die sich wellig auf seiner Stirn manifestierte, während er sich erneut von der Richtigkeit des Namens überzeugte. “Name passt, Adresse auch.” vergewisserte sich Arrow nüchtern.
Und dennoch breitete sich in den Dreien eine allgemeine Ungläubigkeit aus, als sie das unauffällige und penibel gepflegte Mehrfamilienhaus musterten, dessen titanweiße Fassade sich hinter einem perfekten englischen Rasen, vor quadratisch getrimmten Büschen erhob. Ein Nachbar stieg in seinen Wagen und winkte zu den Jugendlichen mit einem freundlichen “Tag.” auf seinen Lippen herüber, bevor er den Motor startete und davon fuhr.
“Echt jetzt? In dieser ‘anständigen’ Gegend?”

Ivy schauderte über die hochkonzentrierte Vorstadtidylle, die wie ein zum Leben erwachter Immobilienkatalog wirkte. Viel zu sehr erinnerte sie die Gegend an die Londoner Heile-Welt-Vorstadtstraßen, die sie selbst als Kind durchstreift hatte.
Hier waren tatsächlich die Rasen bis auf jeden einzelnen Halm gepflegt und der Müll sammelte sich auch nicht im Rinnstein. Verdammt, hier spielten sogar ganz friedlich Kinder auf dem Vorgarten mit ihrem Hund, ohne das man Angst haben müsste das ein SUV mit getönten Scheiben vorbei fuhr und eine Ladung Kugeln in die Häuserwände feuerte. Nicht mal ein Graffito war zu sehen. Nur ein Zettel an einer Straßenlaterne, der zu einem Flohmarkt in einlud. Jemand hatte sich sogar die Mühe gemacht kleine Herzen und lächelnde Blumen drauf zu malen.
Steif drückte sie die Schultern durch, betätigte den blank polierten Klingelknopf und schob, als sich die Kamera über der Gegensprechanlage mit einem Blinken aktivierte kurzerhand Lyo nach vorn. “Hey, was soll das?” protestierte er und wich wieder zurück. “Jetzt komm, du siehst normal aus, Arrow oder mich lässt der doch nie rein…” versuchte Ivy ihn wieder nach vorn zu schieben. Da meldete sich auch schon eine tiefe Stimme mit einem samtigen Unterton durch die Sprechanlage. “Ja… hallo?”
Arrow schüttelte knapp den Kopf über das kindische Herumgeschubse und drängte sich kurzerhand zwischen die beiden zur Sprechanlage.
“Arrow hier. Sonja schickt uns.”

Als Antwort erhielten sie Stille. “Sag ich doch.” stellte Ivy mit bitteren Triumph fest. Doch dann entriegelte sich die Tür mit einem leisen Surren.
Lyo schnaubte einfach nur ausdruckslos durch die Nase und schritt durch die Tür ohne Ivy eines Blickes zu würdigen, die konzentriert hinauf zu den blitzblank geputzten Fenstern sah, als hätte sie ihre Fehldiagnose niemals abgegeben.
Im dritten Stock begrüßte sie ein Home-Sweet-Home-Schild in geschwungenen Lettern, kaum dass die schlammverschmierten Schuhe der drei den weichen Fußabtreter berührten öffnete sich die bambusfarbene Tür und ein großgewachsener Mann mittleren Alters versperrte mit seiner trainierten Statur den Türrahmen. Der graue Norweger Pulli mit einer auffällig schwarz weißen Musterung straffte sich, als er seine breiten Schultern hob, um seine kräftigen Arme in die Hüfte zu stemmen.  Die rotblonden Haare hatte er in einer schwungvollen aber sehr akkuraten Tolle nach hinten gestylt, dazu trug er ein werbewirksames Lächeln im Gesicht. Er deutete kurz mit dem Finger auf ein Schuhregal neben der Tür und winkte dann seine unbehaglichen Gäste herein. Interessiert musterte er auch Blacky, welcher hintendrein trottete und sich neugierig die Nase reckte.
Ein zitronig-chemischer Geruch kribbelte in ihren Nasen, kaum dass sie einen Fuß über die Schwelle auf den dunklen flauschigen Teppich gesetzt hatten. Alles in Svens Wohnung schrie vor Ordnung und Sauberkeit. Sämtliche Möbel waren blitzblank und hatten einen seltsamen Schein in dem man sich spiegeln konnte.
Das Wohnzimmer verströmte trotz des Trideos an der Wand, den rustikalen Charm einer Berghütte. Das lag vor allem am grob gezimmerten Holztisch, dem Geweih an der graubraun tapezierten Wand und der jagdgrünen Couch. Ein paar dekorative Tierfiguren im massiven Eckregal rundeten das Bild des stilbewussten Jägers ab. Die rosa Pantoffeln an seinen Füßen und das gehäkelte Tischdeckchen wiederum zerstörten es aber beinahe. Sven verzog seine markante Kinnpartie zu einem gewinnenden Lächeln, das seine Augen jedoch nicht erreichte und wies auf die Couch: “Setzt euch doch. Wenn ihr was Trinken wollt oder Hunger habt, holt euch einfach was aus der Küche.”
Seine Freunde winkten jeweils ab, während es aus Lyo herausplatze: “Darf ich wirklich?” Irgendwo wusste er, dass es sich nicht gehörte, andererseits wurde ihm selten so ein Angebot gemacht. Und jetzt wo er darüber nachdachte, machte es die Szenerie noch seltsamer, schließlich waren sie hier wegen einem Auftrag, der bestimmt an den Grenzen der Legalität kratzte.
“Ja klar, bedien‘ dich einfach. Wenn du willst, kannst du dir auch was in die Pfanne hauen. Ist alles im Kühlschrank.” Einen Moment blieb Lyo unbewegt, viel zu sehr zog ihn Svens kalter Blick in seinen Bann. Wie konnte er nur so viel Lächeln ohne dabei buchstäblich auch nur mit der Wimper zu zucken? Dann setzte er sich leicht irritiert in Richtung der Küche in Bewegung. Zögerlich ließ sich Ivy neben Arrow auf der Couch nieder. Woher kam dieses mulmige Gefühl? Sie war froh, als Arrow seine typische Direktheit bewies und ohne Umschweife zur Sache kam: “Also, du hast einen Job für uns?”
Selbstgefällig schmunzelnd strich sich Sven über seinen sorgfältig getrimmten Bart und kräuselte sein Kinn “Nun gut kein Smalltalk, kommen wir direkt zum Thema. Sonja hat für euch gebürgt, also muss ich euch auch nicht näher kennen lernen. Ihr habt die Wahl zwischen zwei Aufträgen: Der Erste ist eine Critter-Jagd, der Zweite, das ’Beschaffen’ von seltenen Ingredienzien von einem Magier.”
Innerlich wägte Ivy ihre Optionen ab. Entweder sie stellten sich mutierten Tieren oder einem Meta-Menschen, der ganz ähnlich wie sie selbst, magische Sprüche wirken konnte. Letzteres würde mit Sicherheit gefährlich sein, bei Crittern war vermutlich alles zwischen relativ harmlos bis scheißegefährlich drin. Nachdenklich suchte sie Arrows Blick, der ohne groß zu überlegen antwortete: “Critter-Jagd. Definitiv.”
Mit jedem Moment in diesem wie geleckt sauberem Wohnzimmer wuchs das Gefühl von kalter Beklommenheit in Ivys Magen und sie hörte der weiteren Absprache immer weniger zu. Hinter dieser sauberen und durchgestylten Fassade stimmte irgendetwas ganz gewaltig nicht mit diesem Sven. Wachsam wanderte ihr Blick durchs Zimmer und verharrte bei Blacky, der mit vor Konzentration gespannter Haltung interessiert an der Bodenleiste einer Wand schnupperte, an der einige sorgfältig gerahmte Photos hingen. Die Bilder zeigten entweder ihn oder eine hübsche Frau mit langen schwarzen Haaren in freundlichen Portraitposen, auf einigen Bildern strahlten sie auch gemeinsam mit perfekten Zahnpastalächeln in die Kamera. Skeptisch runzelte sie die Stirn und ließ ihr Augenmerk auf die Ebene der astralen Energien wechseln. Eine Ecke des Raums gegenüber von Blacky erregte ihre Aufmerksamkeit, und bei genauerer Betrachtung schlug ihr ein unheilvolles Kribbeln von dort entgegen. Mit leerem Blick, wie bei einem Tagtraum, konzentrierte Ivy ihre astrale Sicht auf die seltsame Stelle und zuckte zusammen. War da nicht eine Bewegung, ein flinker Schatten, der ihr Blickfeld streifte? Ihr Herz schlug schneller, doch schon war der Eindruck verflogen und die Ecke war genauso grau und leblos, wie der Rest der Einrichtung. Verwirrt schüttelte sie den Kopf, hatte ihr ihre Phantasie vielleicht nur einen Streich gespielt?

Obwohl sie drinnen waren hatte Lyo das dringende Bedürfnis seine Sonnenbrille wieder aufzusetzen, so grell strahlten ihn die sauber polierten weißen Fliesen an. Die klinisch glänzenden Schränke, sowie auch die hellen Küchenutensilien machten es da nicht besser. Lyo war nicht schneeblind, sondern küchenblind! “...Wow…” hauchte er und schloss die Augen um seine gereizten Sehnerven zu schonen. Ein paar Sekunden verstrichen in denen er sich die Augen rieb, bis er halbwegs wieder was erkennen konnte. Sogleich torkelte er zum gigantischen Kühlschrank. „Krass, da würde ich sicherlich auch locker reinpassen...“ mutmaßte er, bevor er ihn öffnete. Eine eisige Kälte strömte aus dem zweitürigen Ungetüm und mit ihr ein sich steigerndes Unbehagen. Riesige fein säuberlich verpackte Fleischstücke füllten gut eine Hälfte des Schrankes. “Das meinte er also wohl mit: ‘in die Pfanne hauen‘…” schlussfolgerte  Trevilian flüsternd. Ungläubig piekste er mit dem Finger in eins der Pakete. Nur langsam kroch die Fleischmasse wieder in seine ursprüngliche Form. “Fuck, is das viel Fleisch…” starrte er es weiter an. Fleisch war teuer, dachte er sich, zumindest das Echte. Und auch wenn Sven in einer guten Gegend wohnte, wirkte er nicht unbedingt reich. Eine Gänsehaut überzog Lyos Rücken, ein unbestimmtes Gefühl ließ ihn schaudern oder einfach nur die Kälte aus dem Gerät vor ihm. ‘Iss das Fleisch nicht!’ mahnte ihn eine innere Stimme, die sich immer mehr ausspann, von wo das ganze rohe Zeug herkam. “Oh fuck… du meinst doch nicht- ?” antwortete Lyo schockiert der Stimme in seinen Gedanken und schlug entsetzt die Tür zu.
“Alles in Ordnung da hinten?” drang Svens Stimme in die Küche.

Lyo fühlte sich ertappt, beinahe, als ob er ein dunkles Geheimnis gerade aufgedeckt hatte. Jetzt musste er cool bleiben, im cool sein war er ein Profi, aber warum lachte er dann so schrill auf? “Ja~ha! Alles Supi! Hehehe.” Gut das niemand sein angespanntes Gesicht sehen konnte und die kalten Tropfen von Angstschweiß auf seiner Stirn.
“Gibt’s hier auch Toast?” fuhr Lyo mit übertrieben gespielter Fröhlichkeit fort. Seine Freunde nannten ihn auch Mr. Cool… nein taten sie nicht.

“Im Schrank neben dem Herd.” kam die Antwort.
Die Tür des Hängeregals schwang auf. Hier schien nichts verdächtig. Nur Brot und Gewürze. Hastig nahm Lyo das Brot, ging wieder zum monströsem Kühlschrank und schnappte sich schnell die Mayo und ein Bier heraus, um eilig die Türen seiner fleischlichen Befürchtungen zu schließen. Nach ein paar aufgezogenen Schubladen fand er dann auch einen Flaschenöffner, um dann hastig Alkohol seine Kehle hinunter zu kippen.

Schließlich kam er mit einem Mayosandwich auf gar nicht mehr so wackligen Beinen wieder ins Wohnzimmer. Das Bier hatte gut getan und zumindest vorerst seine Nerven wieder beruhigt. Vertieft im Gespräch bemerkten die anderen seine Rückkehr kaum.
“...also willst du uns auf Rattenjagd schicken.” stellte Ivy mit verschränkten Armen und einem leicht missbilligenden Unterton gerade fest.
“Sozusagen. Nur, dass es sich bei dieser Ratte um ein stattliches Exemplar von gut 600 Pfund handeln könnte.” erwiderte Sven gelassen.
“Huh?!” Lyos Augen wurden groß und die feinen roten Äderchen darin schwollen an. Der trockene Toast brannte sich einen sehr langsamen Weg seine Kehle hinab, die Verwunderung über ihren Auftrag sorgte nämlich für ein zu frühzeitiges Hinabwürgen der Mahlzeit. Kurz vor einem Hustenanfall löschte er dann das Kratzen im Hals mit noch mehr Bier: “Bitte was?! 600 Pfund Ratte? Aus welchem radioaktiv verstrahltem Labor ist die denn ausgebrochen?”
Beinahe überrascht wandten sich ihm die Gesichter der drei zu. “Keine Laborratte.” lachte Sven nachsichtig. “Nach den Beschreibungen der Nachbarn gehe ich eher davon aus, dass wir es mit einem Para-Critter zu tun haben, also eine Tierart die sich durch Mutation entwickelt hat. Ich tippe auf irgendeine Abart eines Zwerg-Barghests.”
Arrow nickte sogleich verständig, doch Ivy runzelte verwirrt die Stirn: “Bargheste… sind das nicht eigentlich so hundeartige Critter?”
“Richtig.” lächelte Sven liebenswürdig, als hätte ein kleines Kind eine Matheaufgabe richtig gelöst. Ein Lächeln für das sie ihm am liebsten mitten in das vornehm gebräunte Gesicht geschlagen hätte: “Allerdings stammt diese besondere Art von Ratten ab, auch wenn sie… naja, deutlich größer geraten.”

‚Da ist man fünf Minuten weg und schon hat man es mit Monsterratten zu tun‘, dachte Lyo und verkniff sich einen weiteren Kommentar. Dieser Auftrag war wie eine rotwirbelnde Sirene für ihn, sie schrie geradezu nach Gefahr.
“Und... und das machen wir also, ja?” noch war ihm völlig unklar, ob die anderen in seinen Abwesenheit alles niet- und nagelfest gemacht hatten, er war es ja gewohnt, dass Entscheidungen über seinen Kopf hinweg getroffen wurden. Aber vielleicht konnte er ja doch noch Einspruch erheben?
Der Blick in ihre Gesichter ließ seine Hoffnung qualvoll sterben, wie auch die Spannung in seinen Schultern: Arrow blickte entschlossen und konzentriert, und Ivys Miene wirkte eher angepisst, als beunruhigt, sie würdigte seine Frage nur mit einem knappen: “Wenn das Geld stimmt...” , bevor sie sich wieder Sven zuwandte. “Also, was kriegen wir für die Nummer?” fuhr sie fort, ungeduldig diese unangenehme Begegnung endlich hinter sich zu bringen.
“Das hängt davon ab, wie ihr den Auftrag erledigt. Ich würde es tatsächlich bevorzugen den Critter lebend zu bekommen…” setzte Sven zu einer viel zu ausführlichen Antwort an.

Auch wenn sich Trevilian für die Details interessierte blendete er mit einem und finalen Schluck aus der Flasche das weitere Gespräch aus. An dem Job konnte er jetzt eh nichts mehr ändern und seine Warnungen und Sorgen hatten bestimmt kein Gewicht mehr. Vielleicht würden sie ihm später zuhören, wenn sie schreiend vor dem 600 Pfund Koloss davon rannten. Ja, dann würde er wenigstens mit einem genügsamen Lächeln sterben, wenn auch auf brutale Art und Weise. Aber immerhin hätte er dann Recht gehabt, was die viel zu große Gefahr dieser Jagd anging. Mit dem Senken des braunen Glases in seiner Hand blickte er auf die lächelnden Gesichter an der Photo- Wand. Auf das von Sven und dieser schwarzhaarigen Frau. ‘Ob sie wohl zusammen sind?’, fragte sich Lyo unweigerlich. ‘Ob sie wohl glücklich sind?’ Allerdings ließ ihn ein unbestimmtes Gefühl nicht los, dieses Etwas das einem die Nackenhärchen aufstellen lässt. Vorsichtig hob er die Flasche wieder hoch und verdeckte damit die Mundpartie von Foto-Sven. Svens Augen leuchteten kalt, durchdringend, und unnatürlich starr. Sein Lächeln wirkte nur um so verstörender, weil es einfach nicht zu seinen gleichgültigen Augen passte, wie eine niedliche Katzenfigur aus C4/Plastiksprengstoff. Das war’s! Sven hatte den Blick eines Killers! Mit einem schwungvollen Hieb traf ihn die Erkenntnis. Sein Magen rebellierte, wandt sich und drängte den Inhalt gleichzeitig mit seiner vollen Blase fluchtartig nach außen.
‘Fuck!’ ächzte er innerlich auf, während es ihm heißkalt den Nacken runter lief. Egal was die anderen jetzt noch besprachen, sein Bedürfnis gewann von Sekunde zu Sekunde immer mehr an Priorität.
“Dürfte… dürfte ich BITTE, die Toilette benutzen?” versuchte er höflich ins Gespräch hinein zu platzen.

"Die Toilette? Ja klar. Im Flur die Tür rechts.” Da war es, schon wieder dieses liebtödliche Lächeln auf Svens Lippen, doch er hatte keine Zeit sich davor zu schaudern. Hastig machte er kehrt und eilte in den Flur, mit dem nagenden Gefühl von Svens mörderischen Augen beobachtet zu werden.
“Das andere rechts!” hörte Lyo es spöttisch aus dem Wohnzimmer während er an der falschen Tür rüttelte.
‚Will der mich verarschen!?‘ fragte sich Lyo angespannt und drehte sich um, um ins Bad zu stürmen. Ein Klappern dort, ein Ratsch hier, ein Griff da und seine Notdurft ergoss sich in das blütenweiße Porzellan. Das Plätschern erfüllte den Raum, den er sich erst einkehrender Erleichterung genauer ansah. Kleiner Raum, Badewanne, Duschvorhang beiseite geschoben. Eine Waschmaschine, gegenüber das Waschbecken, darüber ein kleiner Spiegelschrank. Auch Im Bad sprang einem die sterile Sauberkeit eines Krankenhauses ins Gesicht. Nur wurde hier alles mit dem schummrig kränklichen Licht einer Leichenhalle beschienen. Die Leuchtstoffröhre brummte in einem tiefen Dis, als er sich von der Schüssel bewusst ohne zu spülen entfernte. Solange er nicht das Knöpfchen drückte hatte er Zeit sich im Badezimmer umzusehen, vielleicht gab es hier beruhigende Details, die Sven in ein besseres Licht rückten. Lyo drehte leise den Wasserhahn auf, um sich die Hände zu waschen. Sven konnte bestimmt nicht so ein schlechter Mensch sein, er hatte doch eine Freundin, so wahnsinnig konnte er doch also gar nicht sein… oder? Und selbst wenn Sven ein Psycho war, würde er ihnen doch nichts tun, oder? Nein bestimmt nicht, die Tante von Arrow würde sie doch nicht einem Irren ausliefern. Außerdem war Sven Jäger, deswegen das ganze Fleisch im Kühlschrank, das ergab doch Sinn! Bestimmt ein anständiger Kerl. Vielleicht etwas sehr reinlich, aber ansonsten bis auf den Killerblick nett, ja. Seine Freundin fühlt sich bei ihm sicherlich auch ganz wohl, er ist sicher ein total verschmuster Kuschelbär.
Trevilian lächelte schief in den Spiegel vor sich. “Alles ist gut. Vollkommen normal.” Er beobachtete wie sich sein tapferer Mundwinkel bemühte ein beruhigendes Lächeln zustande zu bringen, sich aber nach ein paar mulmigen Seitenblicken immer weiter nach unten senkte.
‚Nur eine Zahnbürste im Zahnputzbecher... vielleicht teilen sie sich ja eine… ach nein, bestimmt ist sie hier im Schrank.‘ Lyo öffnete den Spiegel mit einem leisen Klack und sah keine weitere Zahnbürste, nur Rasierzeug, Männerpflegeprodukte, ein Pillendöschen und---. Nanu was war das? Neugierig streckte er seine Hand nach einem Plastikarmband aus. “Marie Schuhmacher… 12.09.2043” lass er leise. Das war doch eins dieser Dinger, die Patienten im Krankenhaus oder in einer Nervenanstalt trugen. Er wand das Bändchen auf die Rückseite. Nichts zu sehen nur ein leicht beißender Geruch ging von ihm aus. Das Bändchen warf mehr Fragen auf, zu viele Fragen mit denen er sich lieber nicht beschäftigen wollte. Schnell legte er es wieder zurück und warf flüchtig einen Blick auf das orangene Döschen. “Fluvoxamin? Hmm… kein Plan was das ist...” flüsterte er zu sich, allein um sein immer stärker wummerndes Herz zu beruhigen. Lyos Gedärme fingen sich langsam an zusammen zu ziehen. Vorsichtig schloss er wieder den Spiegelschrank und stützte sich am Waschbecken ab. Jetzt musste er erstmal kräftig durchatmen, um nicht durchzudrehen. Sein Kopf neigte sich nach vorne und blickte in den Abfluss. Er blinzelte einmal, zweimal, ein drittes Mal. Irgendwas lugte an dem Waschbeckenstöpsel hervor. Verwundert näherte er sich. Was war das? Zittrig umfassten seine kalten Finger den Stöpsel und hoben ihn hoch. “Haare?” wunderte er sich, doch nicht so rötlich wie die von Sven. Beherzt griff er ins Dunkel des Abflusses und musste einen plötzlich einsetzenden Würgereiz unterdrücken, als er die schleimigen feinen Strähnen zwischen Zeigefinger und Daumen spürte. Mit einem Ruck zog er eine lange Strähne schwarzer, feuchter Haare empor. Noch mehr von dem beißenden Gestank kroch aus dem finsteren Loch im Waschbecken. Vor Schreck ließ Lyo den Stöpsel ins Becken zurück fallen und taumelte mehrere Schritte nach hinten bis er gegen die Badewanne stieß. Panisch fing sein Verstand an alles miteinander zu verbinden, während sich sein Kopf wie eine Zentrifuge zu drehen begann. Die Fotos an der Wand von der schwarzhaarigen Frau, die Unmengen Fleisch im Kühlschrank, die klinisch gesäuberten Oberflächen in der Wohnung, das Armband, die Haare im Abfluss und Svens irrer Blick. Mit der Wucht einer Vollbremsung schleuderte sein Hirn die Erkenntnis gegen seine Schädeldecke. “...Fuck… er hat sie umgelegt…” Für unzählige Herzschläge, die in einer rasanten Reihenfolge aufeinander folgten, hatte er vergessen wie man blinzelte, bis seine Augäpfel im selben Takt seiner wummernden Brust mit zu pulsieren schienen.
*BUM BUM BUM* Ein energisches Pochen an der Tür verpasste ihm fast einen Herzinfakt. War das etwa Sven, der herausgefunden hatte, dass Lyo herausgefunden hatte, das er mehr war als nur ein Critter-Killer? Und jetzt stand er mit einer blutigen Axt vor der Tür, nachdem er seine Freunde beim Kaffeekränzchen umgelegt hatte? Schnell steckte er die Haare in seine Jackentasche und hämmerte auf die Spülung der Schüssel, die immer noch auf ihre reinigende Dusche wartete.

”Oi! Komm raus, wir wollen gehen.” rief Ivys ungeduldig vor der Badezimmertür. Wofür brauchte er bitte so ewig? Nun wo sie alle nötigen Absprachen getroffen hatten, wollte sie nichts, als endlich aus diesem hochgradig durchgestylten Apartment zu verschwinden. Absolut keine Lust, sich von Trevs blödsinnigen Getrödel aufhalten lassen. “HEY…!” setze sie nochmal lauter nach, als sich die Tür endlich mit einem zögerlichen Klicken öffnete. “Was machst du solange da drin, hast du Dünnschiss oder so?!” begrüßte sie ihn ungehalten und musterte den Trödler mit finsterem Blick. “Das… das Sandwich von heute Mittag…” Blass und vorsichtig trat er aus dem Bad heraus, und Ivys Augenbraue ruckte skeptisch in die Höhe. Lyo wischte sich die noch von den Haaren feuchte Hand an seiner Jacke ab und vermied den Augenkontakt mit Sven, der sich unweit von der Badtür an der Wand abstützte. Trevilians Herz schlug ihm bis zum Hals und schnürte ihm jegliches Wort ab. Er wollte nur noch so schnell wie möglich hier raus, ohne irgendeinen Verdacht zu erregen. Mit einer Miene bester Laune verabschiedete sich Sven und sah dabei fast so nervtötend aus wie mit seinem übertrieben liebenswürdigen Gegrinse zu Beginn des Gesprächs, befand Ivy.
“Meldet euch, wenn der Auftrag erledigt ist und fahrt vorsichtig, ich brauch den Wagen noch für meine Arbeit.” Lässig ließ Arrow den Schlüssel um seinen Zeigefinger kreisen “Aber sicher...!”

 

Der S-Van

Im Halbdunkel des Laderaumes zeichneten sich die kantigen Umrisse von Käfigen in verschiedenen Größen ab. Die kleineren boten gerade mal Platz für eine Katze oder eine sehr große Ratte, in die größeren würde bequem auch Blacky reinpassen, der interessiert schnüffelnd zwischen den leeren Crittergefängnissen hockte. Ein bisschen mulmig wurde ihr schon, als Ivy sich das Vieh ausmalte, das sie jagen sollten. Es würde bestimmt mindestens 2 Meter groß sein, für so ein Monstrum würden sie wohl den großen Käfig brauchen oder vielleicht sogar den ganzen Laderaum... Schnell drehte sie den Kopf wieder nach vorn und betrachtete Arrow, der konzentriert den weißen Van durch den grauen Nachmittag steuerte. Lyo saß noch immer steif wie ein Brett zwischen ihnen, mit gerunzelter Stirn prüfte sie seinen starren Blick nach vorn und stupste ihn mit dem Ellenbogen an: “Was’s eigentlich mit dir, Trev? Wolltest du vorhin bei dem Typen einziehen oder so?”
Immer wieder stellte er sich Sven vor. wie er am Waschbecken stand und sich die blutigen Hände wusch, während er sorgsam Hautreste unter seinen Fingernägeln herauspuhlte, ohne dabei sein fast schon höhnisches Grinsen zu verlieren.

Lyo zuckte beim Stupser zusammen und wand langsam seinen Kopf zu ihr. Ihre skeptisch zusammengeschobene Augenbrauen, wie düstere Regenwolken fokussierten ihn. Dann wandelte sich sein Gesicht in ein großes entsetztes Fragezeichen: “Spinnst du? Der Typ ist ernsthaft krank!”
Kurz wandte Arrow den Kopf: “Krank? Naja ein bisschen komisch vielleicht…”
“Ein Bisschen?!” fuhr er wild mit dem Kopf herum. “Am Arsch! Hast du etwa seine Augen nicht gesehen? Wie ein toter Fisch!”
Unbehaglich schob sich Ivy auf ihrem Sitz herum: “Ich fand sein blödes Gegrinse eher weird. Als ob er die ganze Zeit Werbung für irgendeine scheiß Zahnpasta machen muss…”
“Ihr habt nicht gesehen, was ich ihm Bad gesehen habe…” Seitdem sie im Wagen saßen fuhr er immer wieder mit den Fingerspitzen über die Haare in seiner Tasche. Jetzt zog er sie gut sichtbar, wie einen belastenden Beweiß aus der Jacke.
Arrow prüfte mit ein paar Atemzügen die Kostprobe des heranwehenden Geruchs und rümpfte pikiert die Nase: “Bäh, was ist das denn?”
“Das sind die Überreste von Marie Schuhmacher! A.k.a. Svens Freundin! A.k.a sein dunkles Geheimnis!” Es tat verdammt gut die Lösung seines Falls zu präsentieren. Doch Arrow starrte ihn nur verständnislos an: „Häh?”
“Ja klar. Marie Schuhmacher? Und wer soll das sein?” hakte Ivy nach.
“Habe ein Patientenarmband neben einer Pillendose gefunden. Irgendwas mit Flu-irgendwas-xin. Ich wette Sven hat Marie aus irgendeiner Anstalt entführt, sie benutzt oder sowas, sein Psycho-Spiel mit ihr gespielt und als er kein Bock mehr auf sie hatte, hat er sie in viele kleine Häppchen zerlegt, die er jetzt seinem Besuch als ‘Steak’ anbietet. So lässt er langsam die Leiche verschwinden, dieses… dieses kranke Schwein… ” Ein ekliger Brechreiz schwang sich wieder in Lyos Magen hinauf, bei der Vorstellung er hätte fast selbst etwas davon gegessen.
Arrow fixierte ihn mit dem typischen, nachdenklichen Blick, wenn ein von Sonnenlicht verstrahlter Verstand jede Information einzeln mühsam zu einem Puzzle zusammensetzen musste.
Ivy riss die Augen auf “What the Fuck?” Schon sprang das unbehagliche Bauchgefühl, das sie in Svens Wohnzimmer verspürt hatte wieder an, aber sie ließ sich nicht so schnell in Panik versetzen: “Klar, der Typ ist echt seltsam und hat sicher Dreck am Stecken… aber… hatte der ihren Kopf im Kühlschrank oder sowas?”
“Natürlich nicht… bestimmt hat er irgendwo einen creepy Raum oder eine Storage Unit mit den Köpfen seiner ‘Geliebten’ an der Wand, wie irgendwelche Trophäen… wie irgendwelche scheiß Trophäen…” Fassungslos schüttelt Trevilian seinen Kopf, um den Gedanken an ein Spalier aus ausgestopften Köpfen los zu werden.
Nervös lachte Ivy auf: “Haha, ja klar…” Aber es war ein sehr angespanntes Lachen, das eher aus ihrem Unbehagen, als aus echter Belustigung entsprang und sogleich wieder verstummte.
“Ach Quatsch. Sven ist ein Jäger, da hat man eben Fleisch im Kühlschrank. Schau dir doch den Wagen mal an, alles was ein Jäger braucht.” Wenn sich jemand damit auskannte, dann wohl Arrow.
“Menschenjäger meinst du wohl…” murmelte Lyo resignierend vor sich hin.
“Jetzt spinn dir mal nichts zusammen. Das ist schließlich unser Auftraggeber, der uns 400 Pfund pro Kopf zahlt.”
“Pro Kopf? Ja Super… wieviel Frauen wohl in diesen Van reinpassen?”
“Wisst ihr was komisch war?” klinkte sich Ivy nachdenklich ein. “In der einen Ecke im Wohnzimmer hab ich astral irgendwas schräges gespürt… da war so eine Art Schatten, und der hatte ne echt miese Ausstrahlung. Aber als ich es genauer anschauen wollte war es, ZACK, einfach weg…”
“Vielleicht hat dir aber auch einfach nur das Bleichmittel die Sicht vernebelt. Zumindest hat das Blacky dort erschnuppert...” Wie auf ein Kommando schnappten Lyos und Ivys Köpfe herum.
„Bleiche? Benutzt man das nicht um …Spuren zu verwischen? So wie Blut?“ griff Lyo die neue Information auf und fügte weiteres Teil in das gruselige Puzzle.“ Arrow blieb unbeeindruckt von den entgeisterten Blicken seiner Freunde.
“Jetzt reißt euch mal zusammen. Was Sven in seiner Freizeit tut ist seine Sache. Sonja hat uns den Auftrag verschafft und wir packen den schon. Wir liefern den Critter ab, kassieren und gut ist.”

 

Ein Käfig voller Blitze

“Bullshit! Ich kriech doch nicht wie ein Lurch durch den Wald! Es gibt da ein paar solide Parazoologie Kurse in der Matrix, da hab ich die Basics mindestens genauso gut mitbekommen!” entgegnete Ivy.
“Ah okay. Sorry, aber ich kann mir grade nicht vorstellen wie du stundenlang am Bildschirm hängst und dir solch ausgewählte “Kurse” reinziehst. Scheinst mir nicht wie die klassische Wildtierexpertin zu wirken… im Gegensatz zu dem da.”

“Lyo, ich weiß das Kompliment zu schätzen, aber hör auf mich anzustarren.” erwiderte Arrow.
Verstimmt krauste Ivy die Stirn und ihre eben noch halbwegs gelaunte Miene verfinsterte sich: “Achja, weil du voll die Ahnung hast, was ich kann! Nur weil ich nicht so einen dummen Schulabschluß hab, meinst du ich krieg keinen Online-Kurs hin?!”
“WTF?! Das hab ich doch gar nicht gesagt. Ich bin einfach überrascht, dass dich der Scheiß interessiert, hab dich zuvor davon einfach nie darüber labern gehört. Das ist auch schon alles.”
Schon öffnete Ivy den Mund, um zu einer energischen Antwort anzusetzen, da hielt der Van ruckartig an.
“Jetzt rafft euch mal, wir sind da.” beendete Arrow in betont professioneller Miene den Schlagabtausch.
Der weiße Van hielt auf dem nassen Pflaster eines Kreisverkehrs. Schwere Wolken hatten sich über den Himmel geschoben und verschluckten regelrecht die nachmittägliche Sonne. Typisch für Mitte März im Mersey Sprawl.
Neugierig musterten die drei die nackten Häuserfassaden der rundherum angeordneten Reihenhäuser. Wahrscheinlich war den Investoren nach dem letzten Matrixcrash die Kohle ausgegangen, denn es begrüßten die drei Neuankömmlinge ringsum graue Betonplatten und Stahlträger, statt fein säuberlich verputzter Fassaden. Aus einigen Häusern starrte ihnen sogar rahmenlose Fenster hohl und dunkel entgegen.
“Na Hallelujah, die sehen aber einzugsfertig aus…” Lyos blick schweifte über die feinstaubgeschwärzten mit Graffiti überzogenen Wände. “Würde mich nicht wundern, wenn das hier voll die Fixerstuben sind.”
“Wenigstens nicht so überstylt wie das Bonzennest, wo Sven wohnt.” kommentierte Ivy trocken und knallte die Autotür hinter sich zu.
“Schauen wir uns erstmal gründlich um, vielleicht können wir Spuren entdecken, oder Blacky eine Witterung aufnehmen.” Abschätzend betrachtete Arrow das verwilderte Wohnviertel. Unkraut überwucherte die einst für englischen Rasen angelegten Grünflächen und begrub gefallene Bauzäune, die in ihrem Dahinscheiden, verzweifelt wie Sterbende, ihre rostig verdrehten Glieder in die Luft reckten, um doch nicht vergessen zu werden.
Blacky streunte bereits um die Gruppe herum, als wollte er das Gras nach Gerüchen regelrecht abtasten. Mit seiner geschulterten Armbrust, die Umgebung rundherum ausspähend schien Arrow bereits ganz in seinem Element.
“Welcome to Sunny Reach…” las Lyo an einer abgeblätterten Werbetafel, die eine farbenfrohe, aufblühende Version des Wohngebiets illustrierte. Abgeblätterte Farbe zeigte eine lachende Familie, der ein Streetartist kleine Hitlerbärtchen verpasst hatte.
“Kommen sie auf die sonnigen Seite des Lebens.” zitierte er weiter. “Fertigstellung 2070… welp… hat ja wohl nicht so geklappt…” Trevilian konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Das Schild lag neben seiner eigentlich Befestigung am Boden und lehnte halb verdeckt vom hohen Gras zu Füßen des einzigen fertigen Gebäudes, dessen weiße Fassade bereits etliche graue Schlieren zierten.

“Also wenn es hier noch was zu holen gibt, dann bestimmt da drin oder?” stellte Lyo unsicher fest.
“Ist das einzige fertige Haus hier. Lass das mal checken.” stimmte Ivy zu.
“Wartet mal kurz…” Lyo hob die Hand, als ob er einen Einwand machen wollte, drehte sich um, lief zurück zum Van und ließ seine Freunde mit ratlosen Blick hinter sich zurück.
Nach einigen paar Türklacken, Geklirre von Ketten und anderen metallisch klappernden Geräuschen, kam er mit einem Brecheisen bewaffnet wieder zurück.
“Wollen wir ?” ein gewisser positiver Nervenkitzel machte sich in ihm breit, der seine Augenbrauen aufgeregt aufzucken ließ.
Arrow nickte nur knapp: “Sehen wir uns zuerst die Rückseite an.”
Hinter dem Gebäude empfingen sie ebenfalls hochwuchernde Gräser und Büsche, die Blacky mit lauten Schnuppern sogleich durchsuchte, sodass nur die eifrig wedelnde Rute die Anwesenheit des riesigen Wolfes verriet.
“Seht mal, da ist kein Fenster mehr drin, da kommen wir rein!” Rief Ivy und zeigte auf einen leeren Fensterrahmen im Erdgeschoss.
“Crap! Dann wird da sicher nichts mehr zu holen sein…” kommentierte Lyo enttäuscht.
“Was hast du erwartet? Das alle anderen Squatter und Straßenpunks auf uns warten, bis wir fertig sind mit plündern?” grinste Arrow kopfschüttelnd
“Vielleicht haben die ja was übersehen?” erwiderte Trevilian hoffnungsvoll.
Einen Moment später knirschten die Scherben des Fensters unter seinen Schuhen, als er sich kurz hinter seinen Freunden durch den leeren Fensterrahmen schob und sich in den halbdunklen Raum fallen ließ.
Kühle muffige Luft umgab sie. Das hereinfallende Tageslicht erreichte die gegenüberliegende Raumecke und erhellte das weit aufgerissene Maul eines Comic-Tigers mit neon-pink gemusterten Fell, der erstarrt mitten im Sprung an der Wand prangte. Staub, bröckeliger Putz und Tapetenfetzen knackten unter ihren Füßen, als sie sich mit vorsichtigen Schritten ihren Weg durch zusammengeknüllte Plastikfolien und auf dem Boden verteilte Injektionsnadeln zum Türrahmen bahnten.
“Wow gleich der erste Raum ist schon voller Nadeln. Nicht, dass ich es nicht bereits gesagt habe, aber... ich habs gesagt.” rechthaberisch kickte Lyo eine der Spritzen beiseite und durchquerte die Kammer in einen weiten Flur, der ebenfalls ähnliche Zustände aufwies. Hier an der Wand war ein Tag, das mitten im Wort das Weite suchte und in einem Strich ausklang.
Die übrigen Räume sahen dagegen einfach nur ziemlich verlassen aus. Die Überreste von billigen Büromöbeln standen eingestaubt in den kahlen Zimmern herum. Nur eine verbeulte Metallbox in einem der hinteren Räume passte nicht so ganz in die Büroüberbleibsel: “Hey, sieht aus wie eine Kühlbox. Ob da noch was drin ist?” Neugierig musterte Ivy eine hellgraue Truhe, die an Boden und Wand mit großen Bolzen fest montiert war.
“Wahrscheinlich schon, sonst wären da nicht so viele Beulen im Deckel und das Ding trotzdem zu.” kombinierte Arrow schlicht. ”Da ist sicher kein Soyfraß drin, wenn das Ding so schwer aufzukriegen ist.”
Lyo stand da, betrachtete die Box skeptisch aus schmalen Augen, dann fiel ihm das Logo auf der Seite auf. Schnell schoben die Neuronen in seinem Kopf Informationspakete zusammen. Kombinierten Größe und Form der Box mit dem Schriftzug, bis das eindeutige Ergebnis sich seine Augen weiten ließ. Fast wäre ihm das Brecheisen aus der Hand gefallen. Polternd gleitet es aus seinem Griff auf den kargen Tisch neben ihm.
“Bloody… fucking... Hell…! Sony…” hauchte er leise in den Raum, macht ein paar hastige Schritte zu dem Kasten und ging davor auf die Knie. Ohne die Box nur anzufassen umfuhr er ihre Kanten mit seinen Handflächen, als ob sich darin der heilige Gral befinden würde, der ja nicht mit seinen schmutzigen Händen verunreinigt werden durfte. Intuitiv folgten seine Finger den Weg zu dem kleinen Hebel entlang, der sich in der Nähe des Logos versteckte. Mit Gefühl, als ob er seine Liebste zärtlich streicheln würde, strich er über das Logo, bevor er mit vorfreudigem Lippenbiss den Schalter umlegte.
KLACK.
Nichts passiert.
Ein Räuspern neben ihm, egal.
KLICK-KLACK.
Nichts.
Die vor Spannung angehaltene Luft entwich aus ihm, wie aus einem aufgeplatzten Fußball und sein Kopf sackte enttäuscht nach vorne.
“Menno…” schmollte er vor sich hin.
“Hallo~o?!” drang schließlich Ivys schon leicht ungehaltene Stimme zu ihm durch. “Was geht denn mit dir plötzlich?”
“Ach…” seufzt er enttäuscht und richtet sich wieder auf. “Drohne…” murmelte er vielsagend, als ob damit alles erklärt wäre.
“Was, soll da ne Drohne drin sein?” Mit nur noch mäßigen Interesse begutachtete Arrow die mysteriöse Truhe.
“Wiz! Gut, dass du das Brecheisen dabei hast.” kommentierte Ivy aufgeregt.
“Was bist du verrückt?! Du könntest sie verletzen!” entgeistert blinzelte er Ivy an. Sie würde es doch nicht wagen mit Gewalt die zarte Öffnung aufzubrechen? Schlimm genug, dass irgendein Hooligan bereits das Gehäuse der Drohnengarage verbeult hatte.
Doch schon hörte er das Knirschen von Metall. Ungerührt von Trevilians fassungslosem Blick stemmte Arrow das Eisen zwischen die Kante. Seine schlanken Arme spannten sich, als er es mit aller Kraft herunter drückte. Ein unangenehmes Quietschen und Ächzen erfüllte den stillen Raum. Lyo riss den Kopf herum, die Kinnlade heruntergeklappt hörte er den Schmerzschrei der verbauten Elektronik, die über irreparablen Schäden klagte. “Das ist nicht nur eine Schachtel, du Neanderthaler, da ist das ganze scheiß Wartungssystem drin verbaut!”
Angestrengt schnaufte Arrow und zuckte die Schultern: “Geht sowieso nicht auf.”
Gefühlt 10 Kilo fielen von Lyos Brust und ließen ihn wieder aufatmen.
Doch da schob Ivy eifrig die Unterlippe vor und griff nach dem Brecheisen: “Lass mich mal!”
Wieder fuhr Lyos Kopf herum. “Wisst ihr denn nicht wie teuer das Tech is?” Mit vor Entsetzen geweiteten Augen, gelähmt durch die schiere Ungläubigkeit, dass seine Freunde diesen higtechverbauten Würfel wie eine Piratentruhe behandelten, fühlte er sich wie in einem Traum, in dem man versucht wegzurennen aber nicht vom Fleck kommt.
“Wird schon gehen...” murmelte Ivy beiläufig, und fuhr sich konzentriert mit der Zungenspitze über die Lippen, die Kante des Verdecks fest im Blick. Kurzerhand setzte sie das spitze Ende des Hebels an und stemmte ihr Gewicht auf den Griff. “Scheiß Truhe..” knurrte sie angespannt während ihr die Röte der Anstrengung in die bleichen Wangen stieg. Ein leises Knirschen dann Rucken, ein metallisches Knacken und irgendetwas riss mit einem lauten Ratschen auf der Rückseite des Behälters. “Na also!” grinste Ivy stolz, hebelte den Deckel mit einem Ruck auf, der einige Plastiksplitter herabrieseln ließ und den Deckel mit einem leisen Knall gegen die Wand prallen.
“Bitte! Hört endlich auf! Sonst ist die die Drohne auch gleich im Arsch!” Trevilian drängte sich eilig an den beiden vorbei und beugte sich mit dem Oberkörper schützend über die klaffende Wunde des Gehäuses. Sorgfältig hob er das mit Plastiksplitter bedeckte Gerät aus den Überresten der Wartungsstation und wiegte es wie ein Säugling in seinem Arm.
“Gern geschehen! Jetzt gehört das Baby dir!” erklärte Ivy mit einem gönnerhaften Grinsen und krauste irritiert über seine ausbleibende Begeisterung die Stirn. “Da hat Trev wohl ´nen neuen Lover gefunden…” wandte sie sich kichernd an Arrow, welcher ebenfalls grinsend den Kopf schüttelte und in feierlichem Ton verkündete: “Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…”
Lyo hörte nicht mehr was die anderen sagten, denn er war bemüht die Schäden zu analysieren. Fachmännisch und sehr sorgsam wendete er das ovale anthrazitfarbene Aluminiumei hin und her. Mit Bedacht pustete er den Staub von der glatten kühlen Oberfläche und aus den schmalen Fugen der ausklappbaren Rotorarme. Erleichtert atmete er auf, keine offensichtliche Deformierung zu sehen.
Dann fiel sein Blick mit Bedauern zurück in die Box, die mehr einem geschändeten Sarg glich.
“Ja dankeschön, die Steuereinheit ist euch sehr dankbar… die besteht jetzt nämlich nur noch aus Bröseln... ihr… Flachzangen... ” Sein schneidender Sarkasmus, ließ die letzte Beleidigung eher wie ein Kompliment wirken.
Ein gedämpftes Lachen war die einzige Antwort auf seine Tirade und demonstrierte gut, dass sie rein gar nicht rafften, welchen Schaden sie da angerichtet hatten.
“Kannst du dir das Bettgeflüster bei den beiden vorstellen?” gluckste Ivy Arrow zu. Und dieser hob mit einem vielsagenden Grinsen die Augenbrauen: “0-1-0-0-1-1-0-0-0?” Und schon prusteten sie los.
Wortlos ließ Trevilian erst die Beiden mit zügigen Schritten hinter sich, dann das Verwaltungsgebäude, um die Drohne in einer kleinen Kiste im Van in Sicherheit zu bringen.
‘Hoffentlich sind deine Innereien noch intakt. Keine Angst ich bring dich in Sicherheit, sie werden dir nicht mehr weh tun’, dachte sich Lyo, ‘Die haben doch echt kein Plan von Technik. Was soll Arrows Nonsense mit 152 überhaupt heißen?’ Abgespannt drückte er die Luft zwischen seinen Lippen heraus: “Prprrrprprpprprrrrrr…” Beiläufig und mit einem Schauder sah er sich die Folterspielzeuge von Svens Horrorvan an, als ihm plötzlich die Farbkombination aus Grellgelb und Neonorange aus dem Seitenfenster entgegenblitzte. Als er genauer hinsah, konnte er durch das hüfthohe Gras einer überwucherten Wiese das Flirren von knalligen Farben erkennen. “Was ist denn das jetzt…?” murmelte er verwundert. Doch aus dem Winkel konnte er nichts genaueres erkennen. Er öffnete die Türen der Ladefläche und sah wie seine “technik-affinen” Freunde grinsend und kichernd auf den Wagen zu schlenderten. ‘Na großartig, da sind ja auch schon Oscar und Felix…’ dachte sich Lyo und verglich seine beiden albernen Freunde mit dem Comedy-Duo aus der beliebten Sitcom der 2050er, The Odd Coven. Den überzeichneten Hauptfiguren passierte in der Serie ein humoristisch magisches Mißgeschick nach dem Anderen. ‘Ein schnell angepisster Hermetiker und ein verpeilter Hippie-Schamane, passt sogar irgendwie zu den beiden.’ stellte er mit zerknirschter Genugtuung fest. Kurz rollte Lyo mit den Augen und verschwand hinter den Wagen Richtung Wiese.
Ivy tauschte noch einen letzten amüsierten Blick mit Arrow, als Trevilian sich aus ihrem Sichtbereich davon machte: “Wo will er denn jetzt hin?” wandte sie sich an Arrow, doch dieser zuckte nur die Schulter und begann Blacky kräftig hinterm Ohr zu kraulen: “Vielleicht ist er eingeschnappt...”
Stirnrunzelnd versuchte sie seine Gestalt auszumachen und rief: “Ach komm schon Trev, war doch nur ein Witz…”
Doch dieser hörte ihr gar nicht zu, denn die Neugierde verdrängte seinen Unmut über ihr Unverständnis. Schnellen Schrittes kam Lyo mit vor Aufregung zuckenden Brauen zurück: “Hey Leute, ich glaub ich hab da hinten im Gras was gesehen!” Mit dem Daumen deutete er über ihren fahrbaren Untersatz hinweg.
“Was ist dort?” fragte Arrow und schaltete augenblicklich vom Herumgetolle auf seine professionelle Miene um.
Prüfend ließ Ivy ihren Blick in die von Trevilian gedeutete Richtung wandern und bewegte auf das Wiesenstück auf der anderen Seite des Kreisverkehrs zu. Hatte er etwa diesen Riesencritter entdeckt?  Nichts regte sich in dem wildwucherndem Buschwerk, doch zeichnete sich bei genauerem Hinsehen die stromlinienförmige Kontur eines Kleinwagens ab, der schon vor einer ganzen Weile in den Wildwuchs hinein gebrettert sein dürfte. Vorsichtig näherte sie sich, und sog die Luft ein. Sie nahm nur die Körperwärme ihrer Freunde neben ihr wahr, während im hohen Gras nur winzige Wärmeflecken umherhuschten, bestimmt irgendwelche Ratten.
“Wow!” rief Lyo plötzlich und machte einen zappeligen Ausfallschritt. “Fette Ratte!”
“Also das ist jetzt echt nicht nett von dir Ivy so zu nennen.” grinste Arrow weiter und schob ein paar besonders hochgewachsene Grashalme beiseite.
“Alter nein hier ist gerade ‘ne Ratte mit Anhang vorba-AAH! Fuck!”
Noch bevor er den Satz beenden konnte raste ein schattenhafter Schemen nur fingerbreit an ihm vorbei und stürzte sich mit gebleckten Lefzen und einem begeisterten Schwanzwedeln in das raschelnde hohe Unkraut. Arrow lachte nur: “Die hat Blacky wohl auch entdeckt!”
“Shit, Leute, das ist n Bullenwagen!” unterbrach Ivy die Beiden und blieb abrupt stehen.
Wie auf ein geheimes Kommando drehten die Drei ihre Köpfe, um nach mehr Polizeiautos oder den dazugehörigen Beamten Ausschau zu halten, doch die einsame Straße war noch immer genauso verlassen wie eben.
Das blaue Logo auf der in Signalfarben leuchtenden Rückseite des Wagens ließ keine Zweifel zu, hier waren staatliche Ordnungshüter von der Straße abgekommen, diverse Beulen und Schrammen zeugten von einer heftigen Kollision.
Die Drohne und die Witze auf Lyos Kosten waren endgültig vergessen, als die drei langsam den verlassenen Wagen umkreisten, der still aus dem Gras ragte wie ein verrottender Kadaver.
PAFF! Lyo trat mit der Fußspitze gegen den Autoreifen dessen schwarze Masse seltsam mit dem Boden und dem zerquetschten Halmen verwachsen war.
“Holy Moly, was ist denn hier passiert?” sogleich beugte er sich nieder um das Wrack genauer zu untersuchen.
“Urgh, sind die Reifen irgendwie zerschmolzen oder so?” kommentierte Ivy ein wenig angeekelt den seltsamen Anblick.
Arrow sah sich derweil die Schrammen und die große Beule an der Fahrertür an. Seine Finger glitten forschend über den spröden Lack und kratzten ein kleines, dunkelgraues Fellbüschel hervor. Seine Nasenflügel blähten sich, als er den Geruch des Fellknäuels einsog, als wollte er dessen Fährte aufnehmen. Schmatzend fokussierte er sich auf die Spur: “Ist schon länger als ein paar Tage her… Kurzes, struppiges Fell… wohl ausgewachsen, könnte unser Barghest sein.”
“FUCK! Das Vieh hat den Cop Wagen crashen lassen?!” Ein unbehaglicher Schauer kroch Ivys Rücken herauf, schnell straffte sie sich und sah sich wachsam um.
“Krass…” meldete sich Lyo erstaunt zu Wort, als er sich von seiner Reifenanalyse erhob.
“Wisst ihr noch beim Sturm, als ich vom Faradayschen Käfig gesprochen habe?” Schon zeichneten sich in den Gesichter seiner Freunde Fragezeichen ab. Doch noch bevor sie etwas erwidern konnten, erlöste er sie schnell: “Anyhow, ich glaube dass in die Karre ein verfluchter Blitz eingeschlagen ist. Und der hat die Reifen gegrillt! Heftig...”
Wie hypnotisiert starrten die Drei auf die schwarzen Schlieren der Autoreifen, tauschten einige nervöse Blicke miteinander aus, die sich dann wieder jeder für sich in der Szenerie des einsamen Autowracks verloren. Große Beulen, tiefe Schrammen, verwachsenes Gummi, alles zeugte davon, dass etwas Monströses den Wagen von der Bahn abgebracht haben musste. Der spaßige Trip nahm eine plötzliche Wendung, hier im hohen Gras konnte sich alles mögliche verstecken. Die Nervosität pirschte sich ihre Rücken hinauf bereit für den fatalen Biss der Angst und hüllte sie in angespanntes Schweigen. Unbeeindruckt von ihrem Verstummen, brachte der Wind die trockenen Halme in sanftes Schwingen und ließ sie verdächtig rascheln.
Unvermittelt durchbrach Arrows Räuspern die unheimliche Stille: “Wir… eh… sollten weiter gehen. Mit mehr Informationen können wir die Lage besser einschätzen.”
“Okay-Dokay!” Hastig wandten sich Trevilian und Ivy zur Flucht im schnellsten Schritttempo das noch als Gehen zählen konnte.
Währenddessen sah Arrow sich um und rief Blacky, der gleich mit großen Sätzen und einem neugierigen Funkeln in den Augen heran gesaust kam.
‘Na, wenigstens einer hat Spaß an diesem gruseligen Ort…!’ dachte sich Ivy.

Ihr Puls beruhigte sich ein wenig, jetzt nachdem sie die wuchernde Grünfläche verlassen hatten und im Kreis der halbfertigen Gebäude standen, die stumm und düster vor ihnen lagen. Hier und da lugten verwitterte Pfosten und Gerüste wie düstere Skelette aus dem Zwielicht.
“Wir sollten uns die anderen Häuser wohl genauer ansehen, vielleicht kann Blacky dort eine Witterung aufnehmen. Hier draußen könnte er alles mögliche erschnüffeln.” Arrows Kopf neigte sich leicht nach oben gen Himmel. “Außerdem sieht es nach Regen aus, da wird es hier sowieso ein Problem was Spuren angeht.”
“Hey brennt da hinten nicht Licht? Vielleicht wohnt da ja jemand den wir fragen können. Vielleicht hat ja wer was mitbekommen von dem Critter oder dem Polizeiwagen oder beidem?” sagte Lyo und zog den Schirm seines Caps, wie ein Visier zurecht.
“Kay, am besten gehst du gleich hin und fragst mal nach.” stellte Ivy fest und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter.
“Warum denn ich?” stutzte er und blickte erst in das blasse Antlitz von Ivy, aus dem ihn zwei rote Augen nur gelangweilt bedachten, dann zu dem pelzigen Gesicht von Arrow, der ihn mit einem genauso gelangweilten tiefschwarzen Blick bedachte. Wortlos betrachteten ihn seine beiden Freunde.
Lyo seufzte und gab mit seinen Schultern der Erdanziehung nach: “Nah~gut… dann frag ich halt... Hoffe nur, dass mich niemand mit ner Knarre begrüßt… Und was macht ihr jetzt so?“
“Na was wohl? Die restlichen Gebäude ausspähen. Immerhin könnte der Barghest sich hier überall verstecken...” klärte Ivy ihn mit wichtiger Miene auf.
“Ah okay… also seit ihr nicht in Un-Hörweite falls mir was passiert, ja?”
“Richtig.” Ignorierte Arrow sein Wortspiel und begann schon, sich auf den Weg zu machen, “Fangen wir bei dem Haus da vorne an…”
“Dann los. Bis später!” verabschiedete sich Ivy mit einem knappen Blick über die Schulter.
Stehen gelassen winkte Lyo seinen Freunden mit schiefem Mundwinkel zum Abschied hinterher. Dann drehte er sich um, ging mit schleppendem Füßen und den Händen tief vergraben in den Taschen seiner Windjacke dem einsamen Licht in einem der Fenster entgegen. So alleine auf weiter Flur, kam ihm die Umgebung noch düsterer und heruntergekommener vor. Seine flüchtigen Seitenblicke trieben ihn zur Eile an. Die Vorstellung davon schon als Beute von diesem Zwerg-Barghest auserkoren worden zu sein und in diesem Augenblick beobachtet zu werden, ließ ihn nur noch schneller laufen.
“Toller Plan sich jetzt aufzuteilen… einzeln sind wir die perfekten Opfer… Moment, der einzige der hier gerade alleine ist, bin ich…” Und da war auch schon der Versuch sich zu beruhigen gescheitert.

“Bäh!” Mit einer abrupten Umdrehung machte Ivy kehrt und verließ den Raum, kaum dass sie ihn betreten hatte. “Alte Decken und eine vollgepisste Ecke.” antwortete sie mit schmalen Lippen auf Arrows fragenden Blick. “Das zweite Haus ist also auch critterfrei.” stellte er mit sachlichem Ton fest, als sich die beiden daran machten den leeren Türrahmen des Hauses zu verlassen. Unvermittelt ließ ein knappes Bellen Arrow erstarren. Verwundert hielt auch Ivy inne: “Was ist? Blacky hat die ganze Zeit nicht gebellt…”
Arrow war augenblicklich gespannt wie die Sehne seiner Armbrust, die er sogleich in Anschlag nahm: “Das heißt er hat ein fremdes Tier entdeckt.” wisperte er und begann mit leisen, zügigen Schritten die kurze Treppe zum Keller hinunterzusteigen, wo Blacky bereits als ein geduckter Schemen mit den Schatten des dämmrigen Raums verschmolz. Die metallene Kellertür belauertend, zuckten die Ohren des schwarzen Fenriswolfs hin und her. Was hörte er dort? Ivy selbst vernahm es erst, als sie wenige Meter vor der Tür standen.
Zuerst dachte sie ihre eigenen Sinne würden ihr einen unheimlichen Streich spielen, doch dann war es deutlich zu hören und jagte ihr augenblicklich eine Gänsehaut über den Körper. Dumpf und blechernd drang durch die Tür ein hoher, jämmerlicher Laut, ein Wimmern und Weinen, wie von einem kleinem Kind, das allein im Dunkel aus einem Alptraum erwacht. Überrascht riss Ivy die Augen auf und wandte sich zu Arrow, der mit erstarrter Miene die Tür fixierte. Erst ein beherzter Stubser mit dem Ellenbogen brachte ihn dazu, ihr sein aufgewühltes Gesicht zu offenbaren. Doch er fasste sich nach einigen Herzschlägen wieder und tastete mit konzentriertem Blick in der Brusttasche seines Urban Explorer Anzug. Mit geübter Handbewegung zückte er einen Nadel, an deren breitem Ende eine helle Flüssigkeit in einem schmalen Zylinder schwappte. Das war dann wohl der Betäubungspfeil, von dem er gesprochen hatte. Wortlos machte Arrow seine Waffe bereit und deutete dann mit dem Kopf zur Tür. “Spinnst du? Mach die Tür doch selber auf!” wisperte Ivy scharf und erwiderte missmutig seinen auffordernden Blick, sah dann aber ein, dass eine schussbereite Armbrust eine ziemlich gute Sache war. Sie holte noch einmal tief Luft und näherte sich der geheimnisvollen Tür.  Sie streckte eine Hand zur Klinke, und erhob mit der anderen sicherheitshalber die Brechstange. Ob der Critter diese Geräusche machte? Oder schnappte er sich Menschen, die er dann in seine Höhle schleppte, um sie später zu verschlingen? Weinte da unten der Geist eines seiner Opfer? Jeden Muskel im Körper gespannt legte sie die eiskalten Finger um die Türklinke. Leise ächzte das rostige Metall unter ihrem sich verkrampfenden Griff.
Hoffentlich konnte Arrow wirklich so gut zielen, wie er immer behauptete…

 

Das Kammerjäger-Alibi

Außer Atem nach dem kurzen Sprint über den Platz musste Lyo erstmal Luft holen. Er spürte deutlich die tausend heißhungrigen Augen, die ihm im Nacken saßen. Zumindest konnte er schwören, dass er etwas vorbeihuschen gesehen hatte. Sollte er sich wirklich umdrehen, um nachzusehen? Sein Hals fühlte sich plötzlich sehr steif an, unfähig sich nur einen Millimeter nach hinten zu drehen. Besser von etwas Unsichtbarem von hinten getroffen zu werden, als ins Maul einer mörderischen Bestie zu blicken, dachte er sich. Außerdem war das bestimmt nur eine Ratte. Kühle Tropfen färbten den grauen Beton unter seinen Füßen noch finsterer ein. Jeder Tropfen, der die kleinen Härchen in seinem Nacken benässte, fühlte sich wie eine kleine Energieentladung an. Langsam baute er sich vor der Tür des zu großen Teilen fertigen Hauses auf. Das Dach stand und auch Fenster waren verglast, aus dem ihn ein Licht hierher gelockt hatte. Der Putz fehlte und die Garage nebenan war mehr Ruine als Autounterbringung, aber ansonsten wirkte das Gebäude aus flüchtigem Blick doch recht wohnlich. Hastig machte er einen Schritt nach vorne und drückte auf die Klingel. Fünf lange Sekunden verstrichen, in denen er viel zu deutlich seinen eigenen Herzschlag spüren konnte. Dann klingelte er noch einmal energisch und klopfte fest gegen die Tür. Mittlerweile würde er sich sogar darüber freuen, wenn ihm jemand die Tür mit einer Knarre öffnen würde. “Komm schon… mach auf…!” murmelte er vor sich hin und tippelte von einem Fuß auf den anderen. Nach weiteren qualvoll stillen fünf Sekunden hörte er ein leises Stimmchen hinter der Tür: “Wer ist da?”
Perplex blinzelte er einige Male mit offenem Mund. Er hatte sich keine Gedanken gemacht, was er überhaupt sagen sollte, einfach nach dem Vieh das hier sein Unwesen treibt fragen wäre vielleicht keine gute Idee.

“Ähm…” fing er grübelnd an und wagte doch einen Blick in die Richtung aus der er gekommen war.  „Ich bin…” Der weiße Van von Sven leuchtete in der Ferne wie eine Kerze, der immer dichter werdenden Dunkelheit trotzend “… Jäger… Kammerjäger! Svenson and Sons.” dichtete er sich schnell zusammen und runzelte beschämt aufgrund des billigen Einfalls seine Stirn.
RATSCH machte es, als ein lauter Riegel die Tür entsperrte, gefolgt vom Klacken eines Schlüssels im Schloss.
Lyo fuhr herum, als die Tür sich einen Spalt öffnete weiterhin gesichert durch eine Kette, die keinen allzu großen Einblick in das Haus erlaubte.
“Du siehst sehr jung aus für einen Kammerjäger.” Die Stimme hinter der Tür gehörte zu einer sehr dunkelhäutigen älteren Frau mit kurzem gräulichen Afro.
“Ich? Ja, also… ich bin noch in der Ausbildung…,” erklärte er sich “Mein Chef hat mich vorgeschickt, er ist da hinten im Wagen und bereitet schon alles vor… Er meinte, dass die Befragung von Anwohnern zum Job gehört und ich das auch mal alleine machen muss...“
Also dürfte ich Ihnen denn ein paar Fragen zu dem Ungeziefer stellen?” Schnell zog er sein Kommlink hervor, um den Anschein zu erwecken sich Notizen zu machen.
Die Frau hinter der Tür zögerte. Sie blickte zum Van, dann wieder zum Jungen der im leichten Regen vor ihr stand. Die Sorgenfalte auf ihrer Stirn, die ängstlichen Blicke an ihm vorbei, sowie die gut gesicherte Tür ließen entweder auf eine mega miese Gegend oder einem mega mieses Vieh schließen. Wahrscheinlich hatte sie sogar mit beidem den Jackpot gezogen.
“Nun gut, wenn es schnell geht…” gab sie sich mitleidig geschlagen. “Was willst du denn wissen? Ich nehme an es geht nicht um irgendwelche Ratten?”
Erleichtert, nicht verwiesen worden zu sein atmete Lyo auf: “Jaaaa genau. Unsere Firma wurde beauftragt, weil hier ein größerer Schädling sein Unwesen treibt. Was können Sie mir dazu sagen, Ma’am?”
Die Frau überlegte während sie sich erneut hinter Trevilian umsah. Hielt sie nach etwas bestimmten Ausschau, fragte er sich.
“Nun… Ich habe das Ding nicht oft gesehen…“ fing sie leise an. “Sobald ich nur die kleinsten Anzeichen davon mitbekommen habe, war ich weg von Tür und Fenster. Ich höre es öfter als es zu sehen.” Verengte Pupillen starrten ihn verstört an. “Diese Geräusche in der Nacht… wenn es um die Häuser zieht. Dieses röchelnde Grunzen und das Fiepen wenn es laut ausatmet. Das Scharren der Klauen dieses Monsters, das über den Asphalt kratzt. Und das entsetzliche brummende Jaulen…, das durch die leeren Gebäude hier hallt, als ob es vollkommen wahnsinnig wäre...”
Die Beschreibung der Soundkulisse ließ Lyo hart schlucken, Backsteine wanderten seine Kehle hinab.
“U-und wi-wie sieht es aus?” stotterte er angespannt.
“Wie ein 2 Meter großes und 5 Meter langes Ungetüm aus Fell, Haut, Sabber und Boshaftigkeit.” Die Frau kniff die Augen zusammen und schüttelte heftig den Kopf, doch die tiefen Augenringe zeigten, dass sie dieses Bild nicht verdrängen konnte.
“Was meinten Sie mit Anzeichen? Macht es sich irgendwie bemerkbar?” setzte Lyo nach, obwohl er eigentlich gar nicht mehr über den Critter wissen wollte. Wahrscheinlich war das dasselbe Phänomen, wie wenn man bei einem Unfall nicht wegsehen konnte.
“Außer die Geräusche die es macht? Man riecht es. Es sticht in der Nase, wie ein mit Chlor vollgekippter Pool.” Kurz stockte sie, “Aber das schlimmste ist… dass dieses Ding Blitze schleudern kann!” Ihre Augen weiteten sich, sodass ihm das Weiß unheilvoll aus ihrem dunklen Gesicht entgegen strahlte.
“DAS habe ich genau gesehen, diese blauvioletten Blitze, die aus Maul und Augen schießen… Kein Wunder das die Polizei hier nicht mehr auftaucht…”
Lyo fragte nicht nach, das Puzzle in seinem Kopf was das Wrack auf der Wiese betraf war bereits zusammengefügt. In das Auto hatte kein normaler Blitz eingeschlagen, sondern ein Blitz in Form eines 300 Kilo Monstrums, welches scheinbar wortwörtlich unter Strom stand.
“Aha… und können Sie mir sagen, wo es sich so rumtreibt?” ein wenig mechanisch fuhr Trevilian mit seiner Fragerei fort, während er mit zitternden Fingern auf dem Kommlink “WE ARE FUCKED!” notierte.

Prasselnd wie Starkregen donnerten Ivys Schritte über den Asphalt der Straße. Hektisch riss sie den Kopf hin und her und erfasste den verschwommenen Abglanz eines menschengroßen Lebewesens in den verlassenen Hausruinen. Endlich! Eilig spurtete sie darauf zu. Erleichtert stellte sie fest, dass es sich bei der in sich zusammengesunkenen Gestalt, mit durchnässtem Cap tatsächlich um Lyo handelte: “Oi!” rief sie atemlos und kam fast ins Stolpern, als sie abrupt zum stehen kam.
Vor Schreck hätte er das Wegwerfkommlink fast buchstäblich weggeworfen. “Wo ist Arrow?” war der erste Gedanke der es über seine Lippen schaffte. Die Folgefrage, ob er bereits tot war blieb ihm im Halse stecken, wahrscheinlich, weil ihr plötzliches Erscheinen sein Herz gegen seinen Kehlkopf geschleudert hatte. Sie schnappte ein paar Mal nach Luft und fuchtelte mit der Brechstange in die Richtung aus der sie gekommen war: “Da drüben… schnell… im Keller...” schnaufte sie.
Ohne weitere Informationen setzten sich Lyos Beine in Bewegung und folgten Ivy, die bereits zu einem neuen Spurt angesetzt hatte. Arrow brauchte seine Hilfe, er konnte einen Freund nicht im Stich lassen, auch wenn ihn alles in die entgegengesetzte Richtung zog. Gedanklich fasste er noch mal die Daten des Critters zusammen: groß, laut, gefährlich. Wie konnten sie da überhaupt eine Chance haben? Trotz weiterer negativer Gedanken durchschritt er den türlosen Rahmen des Gebäudes und rumpelte dicht hinter Ivy die Treppe hinab.
“Psst! Nicht so laut…” begrüßte sie Arrows ärgerliches Flüstern. Erleichtert ihn nicht in seiner eigenen Blutlache sondern mit schussbereiter Armbrust zu sehen, holte Lyo zum ersten Mal seit gefühlt fünf Minuten wieder Luft.
“Dir geht es gut?” fragte er ungläubig mit gesenkter Stimme sicherheitshalber nach, während sein Herz langsam wieder in Position rutschte. Arrow nickte nur knapp und deutete energisch auf die Tür. “Dahinter ist irgendwas. Kriegst du die auf?” flüsterte Ivy mit einem fragenden Ausdruck in den vor Aufregung aufgerissenen Augen.
“Deswegen bist du auf mich so zugestürmt?! Ich dachte es wäre sonst was passiert!” flüsterte er so laut er konnte um seiner Fassungslosigkeit ein wenig Luft zu machen.
“Eh… ja da war dieses Geräusch hinter der Tür, wie ein Weinen oder so! Wir müssen rausfinden, was dahinter ist. Und du kannst doch bestimmt ne Tür knacken, oder?!”
Lyo schnaubte kurz und schloss die Augen, um sie im Verborgenen ausgiebig rollen zu lassen.
“Nagut, ich kann’s ja versuchen, aber…” verwundert blickte Trevilian an Ivys Arm herab und zu der Stange in ihrer Hand und formte wortlos ein Fragezeichen mit seinen Augenbrauen.
“Zu laut!” war die einstimmig geflüsterte Antwort.
“Okay, okay… ich werd mich drum kümmern.” Lyo kniete sich vor das Schloss und kramte kurz in seinen Taschen. Seit seiner Inhaftierung im JDC Temple Newsam kam er nicht mehr dazu irgendwelche Schlösser zu knacken. Als er noch im Waisenhaus war, hat er sich immer mal wieder rausgeschlichen. Da war es immer gut, die eine oder andere Tür unbemerkt öffnen zu können. Gut, dass er für sowas immer etwas Draht und einen kleinen Schraubendreher zur Hand hatte und gut, dass er sowas in Svens Van mitgehen lassen konnte. Geschickt ließ er den Draht im Schlüsselloch verschwinden und fing an die Stifte hoch und runter zu hebeln.
Nach einigen Klicks, hielt er plötzlich inne und drehte sich mit einer Mischung aus Skepsis und Angst zu seinen Freunden um. “Hey… ist es wirklich schlau die einzige verschlossene Tür zwischen uns und dem Vieh zu öffnen? Die Frau bei der ich war, sagte das Ding schleudert Blitze. Beim Polizeiauto sind wohl die Reifen dadurch geschmolzen, was glaubt ihr wohl, was bei uns schmelzen würde?”
Ivy riss die Augen noch etwas weiter auf und umfasste die Brechstange fester: “Der Critter verschießt bloody Blitze? Heftig…”. Arrows Miene verdüsterte sich kurz, doch dann wich sie wieder seinem entschlossenen Pokerface. “Nicht wenn ich zuerst schieße. Außerdem… wollt ihr nun die Kohle oder nicht?”
‘Arrow mit seinem scheiß verfickten Totschlagargument!’ knirschte Lyo innerlich mit den Zähnen. Den fragenden Blick zu Ivy konnte er sich an der Stelle sparen.
Tief zog Ivy die Luft ein, als die Rede von einem Para-Critter war hätten sie sich eigentlich denken können, dass dieser über irgendwelche magischen Mutantenkräfte verfügen würde. ‘Aber Arrow kennt sich mit dem Scheiß aus, und dank Magie bin ich auch nicht gerade wehrlos…’ sprach sie sich selbst Mut zu. “Genau. Komm, mach die Tür auf.” bestätige sie leise und schob sich näher heran. Wieder zur Tür gewandt seufzte er leise in das Schlüsselloch und werkelte weiter daran herum. ‘Hätte ich ihnen noch sagen sollen wie groß das Ungetüm ist oder welche Geräusche es von sich gibt?’ versuchte er sich selbst ein wenig zu bremsen, doch da drehte er schon nach weiterem Geklacke das Schloss mit dem Schraubenzieher auf und entriegelte die Tür. “ah… fuck…” fluchte er unhörbar für die anderen vor sich hin und überraschte sich selbst über die doch nicht eingerosteten Fähigkeiten.
“Hast dus geschafft?” wisperte Ivy eifrig, während ihr Puls Fahrt aufnahm.
“Ich denke scho--- Was war das?” Jetzt konnte er es auch hören. Das leise doch deutliche Wimmern hinter der Metalltür.
“Ssh!” zischte Ivy “Da ist es wieder!” Ein Kribbeln durchfuhr ihre Glieder und ihr Herz schien plötzlich viel zu laut zu wummern. Es war Zeit das Geheimnis zu lüften. Langsam hob sie das Brecheisen und legte die Hand auf die Türklinke. “Achtung - Ich mach’s auf…”

Das kindliche Schluchzen ertönte erneut und ließ Trevilian das Blut in den Adern gefrieren. Ein eiskalter Nagel grub sich tief in das Herz einer sorgfältig vergrabenen Erinnerung, gut verborgen im dunkelsten Winkel seines Bewusstseins. Wie von einem blendenden Scheinwerfer getroffen zogen sich seine Pupillen schlagartig zusammen und sein Herz setzte für ein-zwei Schläge aus.
Plötzlich war er wieder vier Jahre alt und hämmerte voller Angst gegen die schwere Kellertür. Draht und Schraubendreher, fielen klirrend zu Boden, kurz darauf machte auch sein Hinterteil Bekanntschaft mit dem staubigen Beton. Aufgeschreckt von dem inneren Klopfen wandte er wie ein Nagetier in der Falle sein Kopf hin und her. Dunkle Wände schossen in die Höhe, neigten sich bedrohlich, wie Schulhofschläger über ihn und schoben sich immer näher. Hektisch schnappte er nach Luft und rappelte sich stolpernd und wankend auf. Selbst seinem Herz schien der Platz in der Brust nicht mehr ausreichend. Mit rumpelndem Anlauf warf es sich gegen seine Rippen, um dieser Schreckenskammer zu entkommen. Das dumpfe Schlagen kleiner Fäuste schepperte verzerrt in seinen Hirnwindungen, durch den langen Tunnel der Erinnerung. Alles drehte sich, wie in einem Kinderkarussell, das viel zu schnell wurde. Benommen tänzelte er zur Seite, schrammte unsanft mit der Schulter gegen die feuchte Wand, um sich hastig wieder davon wegzustoßen. Kalter Schweiß rann seine Schläfen hinab. Panisch sah er sich um, bis er eine Lücke in den sich auftürmenden Wänden fand, endlich, die Treppe nach oben!


Augen in der Dunkelheit

Gespannt lauschte Ivy auf das seltsame Wimmern und vergewisserte sich mit einem schnellen Schulterblick, dass Arrow seine Armbrust schussbereit erhoben hatte. Nur Lyo war plötzlich verschwunden und mit hektischen Scharren zurückgewichen. “Was ist mit dir?” flüsterte Arrow gepresst. “Ich muss hier raus…” hauchte Trevilian nur zart, als er in aufkommender Verzweiflung seine Arme dem erlösenden Ausgang entgegen streckte. ‘‘Raus hier, nur raus!’ mantrierte er seine Gedanken stoisch vor sich hin.
Kaum setzte er einen Fuß auf den Treppenabsatz, wuchsen weitere Stufen aus dem Nichts empor und ließ sein Ziel nur noch weiter in die Ferne rücken. Langsam drückte er sich mit den Händen an den Wänden hoch. Mit jedem ihm zur Verfügung stehenden Muskel erklomm er mühsam die schier unendlichen Stufen, bis er mit einem großen Satz über die unheilvolle Schwelle seiner persönlichen Hölle entkommen konnte.

“Wo will der denn so schnell hin?” verwirrt tauschte Ivy einen Blick mit Arrow, der Lyo noch kurz nachschaute. “Glaub er hat Schiss bekommen. Checken wir später.” erklärte Arrow und wandte sich wieder zielstrebig der Tür zu. “Also los…” befahl sich Ivy selbst das Drücken der Klinke. Nach anfänglichen Widerstand gab das Gelenk leise quietschend nach, das Schluchzen war nun deutlicher zu hören. So sehr sich Ivy auch bemühte, in dem dunklen Spalt ließ sich absolut nichts erkennen. Aber immerhin schien auch nichts Warmes und Lebendiges unmittelbar hinter der Tür zu lauern. Langsam öffnete sie die Tür, Arrow schloss lautlos zu ihr auf. So richtig beruhigen konnte sie diese Rückendeckung jedoch nicht. Umso fester umklammerte Ivy das Brecheisen und hob es schützend vor ihre Brust. Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an das Halbdunkel. Der grob geschlagene Kellergang wurde spärlich von einer kleinen quadratischen Öffnung erhellt, die wohl einmal als Kellerfenster geplant war. Sie schluckte, aber ihr Mund war genauso staubtrocken, wie der Boden unter ihren Füßen. In Gedanken verfluchte sie die sandigen Krümel unter ihren Sohlen, die bei jeden ihrer voranpirschenden Schritte ein hörbares Knirschen ertönen ließen. So hörte der Critter sie bestimmt schon von Weitem und könnte schon irgendwo da vorn im Dunkel lauern...
Langsam tat sie die nächsten Schritte, der Weg durch den zwielichtigen Korridor schien sich endlos zu strecken, eine halbdunkle Zwischenwelt, stumm und leblos, nur erfüllt vom Knirschen ihrer Schritte und dem dröhnenden Hämmern ihres Herzschlags. Da hob das Winseln wieder an und Ivy stoppte abrupt. Ihre schwitzigen Finger umklammerten das Eisen fester, während sie in die Dunkelheit lauschten. Der Klagelaut hallte nun viel klarer durch den Tunnel und vor allem wesentlich näher.

Arrow streifte sie am Arm, und riss sie aus ihrer Erstarrung. Die Laute ihrer Schritte schien das Wesen nicht bemerkt zu haben, denn das Jammern erklang ungebrochen weiter, gepaart mit einem seltsamen trockenen Röcheln. Noch drei weitere Schritte wagte Ivy sich vor, als ihr die feucht-kalte Kellerluft die Spur eines warmen Körpers zutrug. Nach zwei weiteren Schritten sog Ivy tief die Luft ein, schon war der vage Eindruck klarer, aus dem warmen Kribbeln auf ihrer Zunge wurde ein kurzes scharfes Aufblitzen einer Geschmacksnote und sie konnte ein hellgrünen Lichterkranz hinter der Ecke hervorscheinen sehen, wo keine Wand mehr die Wärme des Wesens abschirmte. Ivy hielt elektrisiert inne, zuviel Wärme für eine kleine Ratte, aber nicht genug für einen Menschen. Der leicht stechende Geruch, der hier durch den Gang wallte erinnerte sie an einen Ausflug in den Zoo. Bestimmt war es der Critter, der verborgen von der Tunnelbiegung in nur wenigen Schritt Entfernung lauerte.
“Der Critter hockt gleich hinter der Ecke…” flüsterte sie hastig an Arrow gewandt, dessen dunkle Augen schmal wurden.
Plötzlich wurde es still. Kein Klagen, kein Wimmern drang mehr durch den Gang.
“Shit, es hat uns gehört…!” zischte sie kaum hörbar. Für Arrow war das wohl zuviel Gelaber auf der Jagd, denn er runzelte missbilligend die Augenbrauen und bedeutete ihr mit ein paar knappen Gesten, etwas, das vermutlich Angriff heißen sollte. Ivys Magen krampfte sich zusammen, schließlich durfte sie sich dem Critter als erstes stellen. Ihre Lungen pumpten verräterisch laut die Luft durch ihren halb geöffneten Mund. Die Muskeln in Armen und Beinen spannten sich. Mit einem beherzten Sprung und einem erstickten Kampfschrei stieß sich Ivy ab. Hastig bremste sie wieder und kam hinter der Ecke zum Stehen. Da, aus der dunklen Sackgasse funkelte sie ein Paar dunkel glimmender Augen an. Das Wesen, groß wie ein Schäferhund kauerte sprungbereit am Boden. Kleine grelle Blitze umzuckten seinen gespannten Körper und enthüllten kurzes struppiges Fell in dem violetten Lichtschein. Die kleinen elektrischen Entladungen ließen kribbelnde Hitzefunken durch ihre Nase und über ihren Gaumen tanzten. Sie hob das Brecheisen, um es dem Critter auf den Schädel sausen zu lassen, doch das Metall rutschte in ihren schweißnassen Händen davon. Den Moment ihres Zögerns nutze der Critter. Er schoss mit einem kraftvollen Sprung auf sie zu. Schon sah sie wie in Zeitlupe das geöffnete Maul auf sie zu kam. Reißend gelbe Zähne, erhellt vom Zucken der Miniaturblitze und geifernder Speichel, der ihr unaufhaltsam entgegen flog. Obwohl alles in Slow-Motion ablief, schaffte sie es einfach nicht schnell genug das verdammte Brecheisen zwischen sich und das Crittermaul zu bringen.
Die Wucht des Aufpralls traf sie schmerzhaft an der Schulter und riss sie von den Füßen. Mit einem erschrockenen Aufschrei presste der Zusammenstoß ihr die Luft aus den Lungen. Die ganze Welt drehte sich in einem aberwitzigen Tempo. Der Schotter am Boden bohrte sich mit tausend kleinen Stichen schmerzhaft in ihren Rücken. Der durchdringende Tiergestank war nun überall. Ivy konnte die spitzen Zähne an ihrem Hals schon förmlich spüren. Das kalte Gefühl des Metalls in ihren Fingern drängte sich in ihr panisches Bewusstsein. Das Brecheisen! Schneller als jeder Gedanke reagierten ihre Reflexe und sie hämmerte das Eisen mit aller Kraft auf den haarigen Körper. Einmal, zweimal, noch einmal. “Stopp!” Jemand griff sie an der Schulter, Arrows Stimme durchdrang die Angriffswut. Heftig atmend wich sie von dem schlaffen Critterkörper zurück, und begriff erst jetzt, dass die Spritze in der Schnauze des defomierten Hundewesens Arrows Narcoject sein musste. “Genug, lebendig bringt es uns mehr.” Mit weit aufgerissenen Augen blickte sie von dem Critter zu Arrow. Die Gefahr schien vorüber.
“Bist du okay?” fragte er. Sie bewegte prüfend Arme und Beine und nickte, flau und erleichtert. Angewidert verzog sie den Mund, als sie sich den zähen kalten Sabber des Critters von der Wange wischte. “Ugh! …Shit, das war knapp…” murmelte sie.


Kinderheitstrauma

Seine Hände zitterten immer noch. Deutlich spürte Lyo seinen Herzschlag der seinen Körper immer wieder durchschüttelte. Doch die Last eines langsam einstürzenden Wolkenkratzers nahm im kühlen Regen auf der einsamen Straße immer weiter ab. Unruhig fuhren seine Hände an der nassen Regenjacke entlang bis sie die Kippenschachtel ertasteten. Fluchs zückte er die Packung und sah sich die teilweise geknickten Fluppen an. Wie vor dem Abgrund rettende Strohhalme starrten sie ihm entgegen. “Ich brauch euch eigentlich gar nicht…” murrte er sie zwar an, schnippte sich aber dann doch eine Zigarette in den Mund. Das Feuer folgte nur wenige Funken später. Mit einem stillen Dankgebet an das Laster von Dorian Briggs nahm er einen tiefen beruhigenden Zug. Einzelne Fragmente kreisten noch immer in seinem Kopf, die abgeschlossene Kellertür, das stumme Flehen, die alles verschlingende Dunkelheit. Wann hatte das alles angefangen, er allein im Keller, eingesperrt? Lyo schüttelte den Kopf, er wollte nicht darüber nachdenken. Aber die Gedanken so stehen zu lassen und wieder beiseite zu drängen würde die Unruhe in ihm trotz des Nikotins nicht lindern.
Einige Zeit nach dem Tod seines Vaters, war irgendwas mit seiner Mutter passiert. Sie sah ihn mit ganz anderen Augen an, teilnahmslos, als ob er gar nicht existieren würde. Zwar versorgte sie ihn mit Kleidung und Nahrung und erzog ihn, doch das alles ohne jemals dabei zu lächeln. Jede Umarmung fühlte sich seltsam kalt an.

Lyo schloss zerknirscht die Augen und nahm noch einen Zug, um seine Lungen mit blauem Qualm zu füllen.
Er erinnerte sich wie er seiner Mutter sagte: “Ich hab dich lieb Mom.” und sie sich mit stummen Blick einfach abwandte. Ab dem Zeitpunkt fühlte er bereits, dass er auf sich allein gestellt war, ohne Vater und ohne Mutter. Doch das war erst der Anfang. Dann kam der Keller.
Trevilians freie Hand ballte sich in einem fast unaufhörlichen Griff, der seine Knöchel bleich hervortreten ließ.
Der verdammte Keller. Wie oft hatte er gegen die schweren Verschläge der dunklen Tür geschlagen, nach seiner Mutter geschrien und allein im Dunkeln geweint. Wie oft hörte er, wie die unheimlichen Klänge von oben in den Keller sickerten: Zimbeln, Harfen, Trommeln und blecherne Töne, alles verzerrt und merkwürdig dumpf. Und dann waren da noch die markerschütternden Schreie und dieses animalische Stöhnen, das ihn jedes Mal zusammenzucken ließ.
All die Zeit dort unten hatte er immer das Gefühl gehabt beobachtet zu werden, schreckliche Fratzen schälten sich aus der Dunkelheit in seine Blickwinkel und raubten ihm die Kraft sich ihnen zu stellen. Ihm blieb nur das Wimmern. Verlassen und vergessen. Immer wieder.
Und dann war da diese eine Nacht...
Die Zigarette war schon längst abgebrannt und die feuchte Asche bröckelte schwer zu Boden, wie eine dunkle Paste aus schlechten Erinnerungen. “Fuck…” fluchte er mit hängenden Schultern vor sich hin und starrte dumpf seine Füße an.

“Ach hier bist du!” riss ihn eine vertraute Stimme aus den düsteren Gedanken. Seufzend schnippte er den Stummel aus seinen Fingern und wischte sich mit dem Handrücken das Wasser aus dem Gesicht. Gut, dass der Regen sein Gesicht ohnehin benässte. Lyo sah Ivy ratlos und irgendwie erschöpft an.
Ihre Augenbrauen zogen sich verwundert zusammen, als er keine Antwort gab. “Was machst du denn hier?” hakte sie nach.
“Ich?” er blinzelte, um seinen Verstand zu reaktivieren, “Frische Luft schnappen schätze ich.”
Irgendetwas ließ Ivy ihn noch genauer mustern, er schien sogar deutlich blasser als sonst:. “Was ist los mit dir?”
“Was meinst du? Was soll mit mir sein?”
“Na erst verschwindest du plötzlich… und jetzt siehst du aus als hättest du Schleimcurry aus dem Temple runterwürgen müssen.” Etwas sanfter setzte sie nach: “Was ist passiert?”
Lyo sah sich um, nicht um wieder irgendwo in der Gegend eine Antwort zu finden, sondern um seine Fluchtwege abzuschätzen. Dann schüttelte er aber doch einfach resignierend den Kopf.
“Was soll’s…” sagte er mehr zu sich selbst, “Ich… mag halt keine Keller… hatte ich damals mal erwähnt falls du dich erinnerst… hatte was mit meiner Mom zu tun.”
“Oh… achja.” betroffen betrachtete Ivy seine erschöpfte Miene, “Willst du… drüber reden oder so?”
Naserümpfend verzog er das Gesicht. “Naw, eigentlich nicht. Hat mich einfach nur an damals erinnert da unten…” Einen kurzen Moment starrte er sie wortlos an. “Aber danke.”
“Kay…” Ratlos und unsicher was sie darauf erwidern sollten, räusperte sich Ivy und beschloss lieber schnell das Thema zu wechseln. “Aber hey, voll gut dass du die Tür geknackt hast… wir haben das Vieh erwischt!”
“Echt jetzt? Wiz!” Lyo versuchte hinter Ivy ins Haus zu blicken. “Packt es Arrow grad ein oder wie?”
Sie lachte kurz auf “Ha… nee, was meinst du wie schwer das Ding ist?! Also, daher wollt ich dich eigentlich holen... zum Mitschleppen und so.”
“Oh…” Lyos Mundwinkel senkten sich wieder schnell. “Is‘ das Teil wirklich so schwer?” Sein Blick wurde zunehmend zerknirschter, da er definitiv helfen wollte, aber er war nicht bereit so bald wieder in die klaffende Wunde seiner Erinnerung hinabzusteigen. “Ich kann euch ab dem Treppenabsatz oder so helfen, aber ich will wirklich nicht wieder dort runter. Mega-Sorry!”
Kurz beäugte sie ihn kritisch, dann winkte sie ab: “Mh, kay, wir haben es eh schon fast bis zur Treppe geschliffen.” Ihre Miene hellte sich schnell wieder auf, als ihr die beeindruckende Story ihrer Jagd zum Besten geben konnte: “Das hättest du sehen sollen, das Vieh hat lauter Blitze um sich zucken gehabt! Lila Blitze! Und dann hat es mich angesprungen! Shit, das war echt knapp. Ich hab sogar was von seiner Sabber im Gesicht gehabt, so nah war das!” Aufmerksam lauschte er ihrer Erzählung und schenkte ihr mit dem ein oder anderen besorgten Blick auch ein kleines Lächeln, das wie ein Lichtstrahl durch die dunklen
Regenwolken in seinen Augen brach.


 
Nur ein Welpe

KLICK!
Das Kommlinkfoto zeigte einen großen Käfig mit grobem Gitter. Darin lag schlummernd die reglose Gestalt des Barghests. Seine Pfoten waren von Arrow fachkundig verschnürt worden und auf seiner Schnauze prangte ein klobiger Maulkorb.
“Hier hast du’s, verschnürt und verpackt!” stellte Ivy in triumphierenden Ton in Richtung Kommlink klar, “Wo laden wir’s ab?”

Am anderen Ende der Leitung schwieg Sven einige Augenblicke. Er nahm sich etwas Zeit das Bild genau zu betrachten und ließ die Drei erstmal in freudiger Erwartung zappeln.
“Ich würde ja sagen gut gemacht…” begann er mit geschmeidiger aber kühler Stimme, “...aber das da ist nur ein Welpe.”
PUFF machte die rosarote Blase des süßen Sieges.
Lyos und Ivy entgeisterte Blicke trafen Arrow fast zeitgleich. “War doch klar, ist noch ein Junges.” erwiderte dieser nur trocken.
“Warum hast du nichts gesagt?” fuhr Ivy auf.
Arrow zuckte nur die Schultern: “Hab ich doch… oder? Hmmm…” zweifelnd wurden seine pupillenlosen Augen schmaler.
“Nein Alter, hast du nicht!” rügte ihn Lyo.
“Wie dem auch sei. “schaltete sich Sven wieder ein, “Bringt das Jungtier auf jeden Fall nicht zu mir. Die Mutter würde euch nämlich quer durch die ganze Stadt jagen. Und das kann ich nicht brauchen und ihr wahrscheinlich noch weniger. Also schaltet am Besten die Mutter auch aus. Vorzugsweise lebendig, dann winkt euch auch ein schöner Bonus. Noch fragen? Nein? Bis später.”
Ein Signalton kündete von dem vorzeitig beendeten Gespräch.
“Ernsthaft?! Das ist nur ein Jungtier? Dann hat die Frau doch nicht übertrieben bei ihrer Geschichte? Holy crap!” Entfuhr es aus Lyos förmlich erstarrten Augäpfeln.
Es knallte als Ivy aufgebracht gegen die Plastikabdeckung des Fußraums trat: “Bloody brilliant!” stöhnte sie auf und ihre Haare peitschten um ihre Wangen als sie energisch zu Arrow herumfuhr: “Da du ja in dem Critter-Kram ja achso scheißschlau bist... Wie kriegen wir denn jetzt das Muttervieh, hm?!” starrte sie ihn herausfordernd an.
Arrow verzog kurz den Mundwinkel und tat Ivys Seitenhieb mit einem langsamen Wimpernschlag ab. Er überlegte während die anderen mit erwartungsvoll hochgezogenen Augenbrauen auf eine Antwort warteten.
“Hmm… ich glaub ich habe eine Idee.” beendete er seinen ausführlichen Gedankenakt.

Der Regen plätscherte gemächlich vor sich hin, kühlte die Umgebung weiter ab und zwang in einem milden Beat das hohe Gras zum Hin- und Herwippen.
Eine friedliche Stille legte sich über das ehemals vielversprechende Wohnungsprojekt. Nur das Zischen der verdampfenden Wassertropfen störte diesen harmonischen Klangteppich eines verregneten Frühlingsabends. Kleine violette Blitze zuckten über den Maulkorb hinweg, tanzten zwischen den Gitterstäben hin und her und brachten noch weitere Tropfen zum Verdunsten. Allmählich wurde das Scheppern des Käfigs in dem das Jungtier sich langsam regte immer lauter. Hinzu gesellte sich ein unnatürliches Geheule, das schon in der noch schwachen Lautstärke einem den Schweiß auf der Stirn gefrieren ließ. Wie ein Jäger auf seinem Hochsitz, lag Arrow bäuchlings auf dem Autodach, des gerammten Polizeiwagens. Gut getarnt mit seinem Urban Explorer verschmolz er fast schon ein wenig mit der Grasnarbe, die er sicher überblickte.
Der Bolzen mit dem Narcoject lag auf, der Finger entspannt am Abzug seiner Armbrust, den Blick fokussiert auf den unruhigen Käfig und auf alles was da kommen konnte.
Ein gequältes Gewinsel folgte dem nächsten. Nun hieß es warten, bis die wimmernden Laute die Mutter auf den Plan rufen würden. Doch stattdessen passierte… einfach nichts.
Nach einiger Zeit wurde die Tür des Vans schwungvoll aufgerissen. “Schon mehr als eine verkackte Stunde und im Radio läuft nur Schrott! Wie lange sollen wir denn noch warten?!” machte Ivy ihrer Ungeduld Luft während sie missmutig aus dem Türrahmen kletterte.
“Hey warte doch, ähm… wir können ja… ähm… Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst spielen?” versuchte sie Lyo zurück in den Wagen zu locken und wusste bereits, dass er mit seinem Vorschlag das Gegenteil geschafft hatte. Am liebsten hätte er seinen Kopf gegen das Lenkrad geschleudert aufgrund seines Mangels an Kreativität.
Skeptisch zuckte ihre Augenbraue nach oben: “Nicht dein Ernst….!”, sie musterte ihn mit einem kühlen Schweigen und schnaubte dann ungehalten, “Kein Bock Arrow noch länger beim Jäger spielen zuzuschauen.”
“Er hat doch gesagt, dass es etwas länger dauern kann und dass wir Geduld haben sollen.” zischelte er ihr beschwichtigend zu.
“Etwas ja, aber nicht den ganzen verkackten Tag. Selbst Blacky hat sich seit ner halben Stunde nicht mehr blicken lassen, weil es hier verdammt LANGWEILIG ist!” entgegnete sie lautstark.
Hilfesuchend blickte sich Lyo im Van um, gab es hier irgendwas, um sie wieder zurückzuholen? Vielleicht hätte er in der Wartezeit nicht anfangen sollen von den technischen Eigenarten der geretteten Drohne zu fachsimpeln. Die Erkenntnis strafte sein Gesicht mit Zähneknirschen ab. Wenn Ivy keine Vorliebe für SM hatte, denn im Laderaum gab es nichts außer Ketten, Riemen und Käfige, war es schwer sie zurück zu lotsen.
“Ähm vielleicht… ähm… können wir…” Trevilian wurde zunehmend verlegener, weil ihm einfach nichts einfiel, zudem musste er immer wieder an die Drohne denken und, dass er unbedingt eine Steuerungseinheit dafür brauchte.
“Mir reichts, ich hol mir jetzt ne Cola!” Mit großen Schritte stapfte Ivy am Van vorbei und drauf los. Hastig kurbelte Lyo das Fenster runter und streckte seinen Kopf in den Regen, wie ein zurückgelassenes Hündchen.
“Ach komm schon Ivy… vielleicht kommt das Muttermonster jetzt jeden Moment und wer weiß aus welcher Richtung… komm doch bitte wieder zurück. Kein Wort mehr über die Drohne, versprochen!”
Keine Antwort. Ivy strich sich ein paar nasse Strähnen aus dem Gesicht und warf einen Blick zurück, aber die Ungeduld brodelte noch immer in ihren Adern. Sie holte weit aus, um möglichst wenig im Matsch unter der Wiese zu versinken. Scheiß Warterei und dazu dieser blöde Dauerregen! Fast hatte sie den Rand der Wiese erreicht, als dem fernen Gewinsel des Critters ein durchdringendes Jaulen antwortete. ‚Na toll, noch mehr Crittergejammer!‘ dachte sie sich verärgert und hielt abrupt inne. Moment mal, dieses Jaulen klang ganz anders als das Gewimmer der gefangenen Kreatur… ‚Das Muttertier!‘ Hastig sah sie sich um, konnte aber in den wuchernden Gräsern keine verräterische Bewegung entdecken. Ihr wurde ein wenig mulmig, als ihr auffiel, wie allein sie nun hier auf der freien Fläche stand.

Schlug das Wasser in der Plastikflasche auf der Armatur wirklich gerade kleine Wellen oder bildete sich das Lyo nur ein? Doch eins war gewiss, dieser unförmige dumpfe Schrei kam von etwas Großem. Eilig kurbelte er sein Fenster wieder hoch und blickte zu Arrow.
Arrow lag immer noch wie ein Brett auf dem Dach, doch seine Körperhaltung war wesentlich angespannter. Präzise legte sich sein Finger um den Abzug, bereit seinen Bolzen fliegen zu lassen. Dann ertönte ein weiteres Heulen aus Richtung der Häuser.
“Fuckedy fuck fuck!” fluchte Lyo nervös, als er einige Schatten zwischen den unverputzten Mauern der nahegelegenen Gebäude herum huschen sah. Schnell wandte er seinen Kopf zu Ivy, war sie wirklich schon so weit weggelaufen? Fuchtelnd versuchte er sie herbeizuwinken, als ihm plötzlich einfiel, dass er ja in dem fahrbaren Untersatz saß. ”Alter! Nicht Wedeln! Fahren!” schrie er sich selber an. Der Motor kreischte auf, als er energisch das Gaspedal durchtrat. Einer der Schatten, schoss aus dem halbdunkel der Häuser und stürmte mit einer unglaublichen Geschwindigkeit genau in Richtung Ivy. Jetzt konnte Lyo erkennen dass es auch ein Jung-Barghest war. Doch anders als sein eingesperrter Kollege, galoppierte dieser, mit seinem weit aufgerissenen sabbernden Maul und den kleinen Entladungen um den struppigen Körper, in einem Affenzahn die Straße hinab.
Er zählte die Sekunden, versuchte einzuschätzen wie viele Meter das Vieh in der Zeit zurück legte, um dessen Beschleunigung zu ermitteln. Wann würde es Ivy wohl erreichen? Immer wieder linste er auf die Tachonadel, die nur langsam anstieg.
“10 Sekunden?! FUCK!”
Er warf die mathematische Gleichung über Bord und drückte noch fester auf die Tube.
Lyos Herz pumpte mehr Adrenalin als Blut durch seine Venen, die sich durch die abertausende kalten Schauer, die seinen Rücken hinunterzuckten, krampfhaft verengt hatten.
Mathe half ihm jetzt nicht mehr weiter, nun brauchte er ein verdammtes Wunder.

“Fuck, der Critter…!” Wie von allein spurteten ihre Beine los. Ihre eiligen Schritte klatschten gedämpft auf den durchweichten Boden und drosselten ihr Tempo, verfickter Matsch! Die dunklen Augen des borstigen Wesens funkelten angriffslustig auf, dann beschleunigte die galoppierende Gestalt und mit Entsetzen wurde ihr klar, dass es nun unbestreitbar auf sie zusteuerte.
Wie gebannt starrte sie auf den heranrasenden Critter, der nun schon so nahe war, dass sie die zuckenden Blitze als plötzlich aufglimmende Funken erkannte, bevor sie Hals über Kopf weiter stürmte. Shit, Shit, SHIT! Es war verdammt schnell und sie selbst viel zu langsam!

Immer wieder geriet sie ins Schlittern, als der klumpige Boden unter ihren Füßen nachgab. Genau! Der Matsch ergab eine ziemlich gute Schlitterbahn! Es musste der Mut der Verzweiflung sein, der ihr diesen Einfall bescherte. Mit ihrem nächsten Atemzug verlagerte Ivy ihr Gewicht ruckartig nach rechts und ließ sich seitlich mit einem lautstarken Klatschen über den rutschigen Untergrund gleiten. Auf Oberschenkel und Hüfte gestützt schlitterte sie auf dem abschüssigen Schlammfeld hinunter. Beschleunigt vom Schwung ihres Anlaufs gewann ihre Rutschpartie schnell an Geschwindigkeit. Wild ruderte sie mit den Armen, als das zunehmende Tempo sie nach vornüber riss. Mit einer beherzten Drehung in letzter Sekunde schaffte sie es noch, sich auf die Seite statt voll auf die Fresse zu packen. Gierig saugte der matschige Boden am Bauch ihres Hoodies. Gehetzt blickte Ivy sich um auf der Suche nach ihrem Verfolger. Der Blick zurück ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Das Monster hatte seinen Kurs mit einer leichten Kurve korrigiert und hielt wieder auf sie zu. Schon war es nah genug, dass sie die Hitze seines angriffslustigen Körpers in gelb, rot und pink über seinen Umriss tanzen sah. Stechende Schärfe überrannte ihren Gaumen und riss sie aus der Erstarrung. Zähnefletschend bäumte es sich mit einem Jaulen auf und schickte, wie eine Teslaspule eine grellweiße Welle der Entladung durch seinen Körper. Violette Blitze zuckten auf, durchschnitten die Luft und ließen Regentropfen vaporisieren. Fuck! Nur noch wenige Meter trennten sie von einem Ende als Grillhähnchen!
Ein metallisches Donnern knallte laut in ihren Ohren und wurde dann von einem durchdringenden Quietschen übertönt. Eine kalte, weiße Wand erhob sich plötzlich an der Stelle, wo eben noch sicheres Verderben auf sie zugerast kam.

‘ICH SCHAFFS NICHT! ICH SCHAFFS NICHT! ICH SCHAFFS NICHT!’ hallte es panisch durch seinen Kopf während er die Zähne fest zusammenbiss.
Blitze tasteten sich die Fensterscheibe hinauf, suchten einen Weg ins Innere des Wagens oder an ihm vorbei. Für den Bruchteil einer Sekunde schien bei ihm alles auf Pause zu stehen. Bis der gewaltsame Rums, der den gesamten Wagen durch schüttelte, das Geschehen mit einem heftigen Hämmern auf Play wieder in Bewegung setzte. Die Wucht des Aufpralls schleuderte Lyo zur Seite, sodass er das Steuer umwarf und mit festgetretener Bremse mit dem Hinterteil des Vans quietschend nach rechts ausschlug.

Einen Augenblick lang benommen, rappelte er sich vom Beifahrersitz halb auf und schüttelte sich, um den Tinnitus aus seinen Ohren zu verbannen. Es knackte laut neben ihm und er konnte sehen wie sich langsam Risse in die Fensterscheibe hineinfraßen und dabei ein verzerrtes Spinnennetz formten. Das wütende Knurren und Schnauben neben der Tür machte seine Sinne wieder hellwach. “Ivy!” fuhr es ihm wie ein Blitz durch den Schädel. Da er sie nicht sehen konnte, stieß er die Beifahrertür unter Ächzen auf und hielt nach ihr Ausschau. “Steig ein!” rief er ins dunkle Nass der Wiese ohne sie wirklich auszumachen.

Lyos Stimme hallte aus der offenen Beifahrertür. Ivy stieß sich hastig vom weichen Untergrund ab, und hetzte halb schlingernd unter das sichere Stahldach. Mit hämmernden Herzen knallte sie die Tür hinter sich zu und schnappte erleichtert nach Luft. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie Lyo an: “Go!” stieß sie atemlos hervor.
Überrascht über ihren Sprung ins Auto, erwiderte er das Starren, kurz gefolgt von einem Grinsen über sein perfektes Timing. “Fuck! Yeah… warte!” Erstmal anschnallen, um ein erneutes Umherschleudern zu vermeiden. Dann warf er einen schnellen Blick über die Armatur, ergriff zügig wieder das Lenkrad und blickte in den Rückspiegel. Wie ein sorgfältiger Fahranfänger setzte er den Safety-Check fort. Der Außenspiegel war gesprungen, doch kein Monster zu sehen. Der Schulterblick belehrte ihn eines Besseren. Durch den Schleier der rissigen Scheibe baute sich im toten Winkel der unheilvolle Umriss des mutierten Jung-Barghest langsam wieder unter dem Sound einer aufladenden Laserkanone auf. Erschrocken schnappte Lyos Kopf zurück nach vorn. Mit kaltem Schweiß auf der Stirn versuchte er hektisch den ersten Gang hineinzuknüppeln. Verdammt warum klappte es nicht?! Vor lauter Aufregung hatte er vergessen die Kupplung zu treten. “Bloody Hell…!” fluchte er seine eigene Unfähigkeit an, als er mit beherztem Tritt, die Schaltung überwand und mit noch energischerem Druck aufs Gaspedal den Wagen wieder in Bewegung setzte. Mit durchdrehenden Reifen schossen sie dem gereizten Critter davon.
“Haben wir’s geschafft?” fragte er gehetzt, nachdem sie einige Meter davon gerollt waren. Ivy öffnete den Mund, doch noch bevor sie etwas erwidern konnte, schleuderte ihr Verfolger ihnen schon ein schrilles, wuterfülltes Brüllen hinterher, das selbst durch die Autohülle dröhnte. Ivys Nackenhaare stellten sich auf, doch sie riss sich zusammen und sie versuchte den Schrecken mit einem ironischen Grinsen zu überspielen: “Geschafft es mächtig anzupissen?! Jep!”

Lyos erneuter Blick in den Außenspiegel zeigte ihm die verzerrte Fratze der heranstürmenden Bestie, die mit jeder Sekunde an Geschwindigkeit zunahm. Immer wieder flogen mit jedem kraftvollen Stoß alle vier Läufe gleichzeitig durch die Luft.
“Oh-oh…” kam es nur knapp auf seinem Mund. Das Gaspedal ließ kein Spiel mehr zu, er stand schon förmlich drauf und doch kroch die Tachonadel nur gemächlich voran, wie eine alte Oma, die sich im Schneckentempo über die Straße schleppt.
Ivys Kopf ruckte alarmiert herum: “Was is--- “
WUMMS! Ein mächtiger Schub erschütterte das Gefährt und schleuderte ihren Kopf mit einem schmerzhaften KLONK gegen das Fenster.
“Faaaaark!” quetsche Lyo zwischen seinen Zähnen hervor, als er mit krampfhafter Umklammerung des Lenkrads gegen hielt, damit der Van nicht aus der Spur geschleudert wurde.
Mit einem heftigen Blinzeln vertrieb Ivy die tanzenden Sternchen vor ihren Augen und taste nach der schmerzenden Stelle, die sicher eine fette Beule abgeben würde. “Fucking hell…” fluchte sie lauthals “Gib verfraggt nochmal Gas!”
“Das tu ich doch! Der Kübel kann nicht schneller!” Wenn er noch mehr die Zähne zusammenbeißen würde, würde sich der Zahnschmelz lösen.
Wieder ein Wums mit violett umrankten Blitzen, der den Wagen ins Schlingern brachte.
Das Adrenalin raste durch ihre Adern und löschte den Rest des benommenen Lichterfunken in ihrem Blickfeld. Wut flammte in ihr auf.
“Das Dreksvieh mach ich platt!” Mit entschlossener Miene fixierte sie Lyo: “Mach Platz!” rief sie knapp und erhob sich.
“WAS?!” schrillte es als Antwort, doch da bekam er schon unsanft ihr Knie in die Rippen, als sie über ihn hinweg kletterte.
Mit einem Bein abgestützt auf seinem angespannten Oberschenkel schaffte sie es noch gerade so mit dem anderen Bein im Türrahmen Halt zu finden, als das nächste Schlingern die beiden durchschüttelte.
“Halt still!” schrie sie und klammerte sich an dem Haltegriff über dem Fenster fest.
Lyo saugte hörbar die Luft ein um einen Schmerzschrei zu unterdrücken, als der Druck ihres Knies ein Stechen durch den Nervenstrang in seinem Schenkel jagte.
“Wie denn, wenn es uns immer wieder rammt?! Ich bin kein scheiß Rennfahrer!” protestierte er gedämpft durch die Zähne, bemüht an Ivy vorbei auf die Straße zu blicken und den Van irgendwie ruhig zu halten.
Statt auf seinen Einwand einzugehen konzentrierte sie sich lieber auf das nächste Hindernis. Die gesprungene Fensterscheibe ließ sich nicht mehr öffnen, aber sie sah auch nicht mehr sonderlich stabil aus. Sie griff so fest in die Halterung, dass sie das rasende Pumpen ihres eigenen Pulses spürte. Dann hob sie den anderen Arm und rammte ihren Ellenbogen gegen das Epizentrum der gesprungenen Linien. Mit einem vernehmlichen Klirren flogen die Scherben in das Halbdunkel hinaus und Regentropfen klatschen ihr ins Gesicht.
Lyo konnte seinen Augen nicht trauen. Hatte sie grade wirklich die Scheibe eingeschlagen? Seine Augenlider waren bis zum Anschlag hochgezogen: “Bist du wahnsinnig?! Die Blitze haben jetzt freie Bahn!”
“Nicht nur die Blitze! ” stieß sie unter zusammengebissenen Zähnen hervor.
Dann war seine Stimme nur noch ein aufgebrachtes Wabern am Rande ihrer Wahrnehmung. Sie konzentrierte sich auf die orange-gelbe galoppiernde Silhouette des erhitzten Critterkörpers, der umhüllt von einem Gespinst aus heftig zuckenden Blitzen aufgeholt hatte. ‘Verdammter Drek, das Ding will doch nicht noch einen Blitzstoß loslassen?!’
Ivy griff gedanklich nach ihrer Magie und streckte die freie Hand durch den scharfkantigen Rahmen hinaus in den nassen Fahrtwind. Mit einem Auflodern ihrer astralen Kraft rauschte ein grell flammender Strahl aus ihrer Handfläche auf ihren Verfolger zu und tauchte Critter und Fahrerkabine in ein versengendes orangerotes Licht. Der Barghest brüllte und warf sich ruckartig beiseite, sodass ihr magischer Flammenwerfer nur die Rückenborsten verkohlte.
Dennoch entlud sich das elektrische Gespinst des Critters in einem knisternden Strahl, der in einer dunkelrot gleißenden Wolke aus Funken und Flammen knapp an ihrem fauchenden Feuerstrahl vorbei schrammte. Im zuckenden Schein der elementaren Entladungen nahm der panische Critter Zuflucht vor den leckenden Flammen und sprang auf Kollisionskurs mit dem Wagen. “Festhalten!” kreischte sie und ihre magisch genährte Flamme erlosch, als sie hektisch nach dem erstbesten Halt griff und sich fest in Lyos Bauchgurt und Kleidung krallte.
Zu viele Kräfte waren für Trevilian am wirken, nicht nur tödlich magische, sondern auch reißend physikalische. Durch die Wucht des Aufpralls und Ivys Zerren wurde ihm das Steuer aus seinen feuchten Fingern gerissen. Irgendwie bekam er im Trubel die Handbremse zu fassen und zog verzweifelt aber fest daran. Alles fing an sich zu drehen, der Van um seine eigene Achse, wie ein wildgewordener Kreisel und mit ihm auch seine schreienden Insassen.
Der Schleudergang zerrte an Ivys provisorischen Griff und zwang sie den Fenstergriff loszulassen. Es blieb nur noch das verzweifelte Klammern an den Gurt zwischen ihren Fingern und sich noch fester in den Türrahmen zu stemmen, um nicht gegen die Frontscheibe geschleudert zu werden. Das Quietschen der über den Boden schlitternden Reifen verklang sowie auch ihre entsetzten Aufschreie, bis nur noch ihr hektisches Nachluftringen die Fahrerkabine erfüllte.
“Sind wir schon tot?” blinzelte Lyo schwindelig ins Diesseits, in seinen Ohren rauschte und klingelte es.
“Glaub nicht…?” japste Ivy unsicher und lockerte ihre lebensrettende Umklammerung.
Sie war ihm plötzlich ziemlich nahe, durch das Herumwirbeln, saß sie fast schon auf seinem Schoß. So viel Körpernähe war er bei weitem nicht gewöhnt und steigerte die Befremdlichkeit der Szene nur noch weiter. Da es für ihn keine Möglichkeit gab auszuweichen, zog er den Kopf zurück, um an Distanz zu ihr zu gewinnen und um sich einen Überblick über Ivys Zustand zu verschaffen.
“Alles in Ordnung?” fragte er mit hitzigen Wangen, ob nun der lebensbedrohlichen oder der ungewohnten Situation geschuldet.
“Glaub ich hab mich nur leicht angehauen… und du?” erwiderte sie noch halb benommen.
Trevilian sah schnell an sich hinab. Überall im Fußraum und seiner Kleidung hingen kleine Bruchstücke der Fensterscheibe. Ansonsten schien an ihm noch alles dran zu sein.
“Nur ein taubes Gefühl im Bein...”
Seine Worte riefen ihr ins Bewusstsein, dass der weiche Untergrund, auf dem sie sich da abstütze sein Oberschenkel war. Schnell zog sie sich hoch und ihr Knie zurück. “Oh sorry… Ich wollte--!”
Ein schrilles Aufjaulen ließ sie hochschrecken. Es war noch nicht vorbei. Lyo streckte vorsichtig den Kopf durch die nicht mehr vorhandene Scheibe in den kühlen Regen. Direkt vor der Autotür kauerte wundenleckend und mit versengtem Rückenfell der Zwerg-Barghest. Leise und mit gefrorener Miene zog Lyo den Kopf wieder ein und formte im Flüsterton Großbuchstaben:
“Es - ist - vor - der - Tür.”
Sie starrte erst ihn an und dann zur Tür. “Jetzt reichts…” zischte sie leise wie eine Zündschnur vor der Explosion. Ihr vom Adrenalin befeuerter Herzmuskel pumpte heftig und mobilisierte ihren Körper, um sich aufzurappeln. Konzentriert suchten ihre Augen die Kabine nach dem richtigen Winkel für einen kraftvollen Tritt ab. ‘Auf dem Fahrersitz!’ schoss es ihr durch den Kopf. “Halt dich fest!” wisperte sie Lyo in gespannten Ton zu, wartete aber keine Antwort ab, bevor sie den richtigen Halt auf seinen noch immer an den Sitz gegurteten Schoß suchte, wie auf einer Art weichen Startblock.
Irritiert hob er seine Arme nach oben um ihr bei ihrem kuriosen Kletterakt Platz zu machen und ihrer Anweisung zu folgen, auch wenn er noch nicht verstand was sie vorhatte. Mit einem leisen Klacken öffnete sie die verbeulte Fahrertür nur einen schmalen Spalt. Dann krallte sich Ivy mit einer Hand in den Rand des Sitzpolsters, mit der anderen in das Lenkrad und suchte mit angewinkelten Beinen einen sicheren Halt für ihre Füße an der Tür. Jetzt machte es auch bei Lyo klick, der gebannt den Atem anhielt. Sie spannte alle Muskeln, holte nochmal tief Luft und stieß dann mit aller Kraft die Tür gegen den davor lauernden Critter.
BAM! Mit einem dumpfen Knall donnerte die Stahlhülle gegen das Tier, das ein überraschtes hohes Quieken ausstieß. Doch das war sicher nicht genug! Die Tür schwang nach dem Aufprall gegen den Kopf des Ungetüms zurück, ideal für den nächsten energischen Tritt.
BAM! Vor Anstrengung nach Luft schnappend setzte sie zu einem dritten Stoß an.
Erneut BAM! Diesmal schwang die Tür nicht zurück. Schnell rappelte sie sich auf, zog die Tür wieder zu sich, um sie mit aller Wucht und einem wütenden Aufschrei gegen das verstummende Untier zu schmettern.
WUMS, dann lauschte sie schnaufend in die plätschernde Stille. Wie ein nasser Sack hallte das nahe Klatschen eines zu Boden sinkenden Körpers wieder. Vorsichtig lugte sie aus dem Fenster. Die gedrungene Gestalt des Critter lag regungslos im Schlamm. Mit einem erleichterten Seufzen entspannten sich ihre Muskeln und sie ließ sich mit einem atemlosen aber triumphierenden “Suck it!” zurückfallen.
Nun wagte auch Trevilian einen vorsichtigen Blick aus der stark verzogenen Tür. Keine Blitze, kein wütendes Schnauben, nur ein Häufchen bezwungenes Elend, halb Nackthund halb Wildschwein. “Übel…” kommentierte er leise den grotesken Anblick. Konzentriert versuchte er festzustellen, ob das Unwesen noch atmete. ‘Wo zum Teufel hat das Vieh überhaupt seinen Brustkorb?’ wunderte er sich, bis er eine leichte Erhebung und Senkung entdecken konnte.
“Ich glaube du hast es erledigt…”
“Autsch...” Mit einem unsanften Plumpsen landete Ivy rücklings in der Spalte zwischen den Sitzen, begann dann aber im Rausch ihres Siegs und der Erleichterung zu grinsen: “Ja, voll niedergehämmert das Vieh...!” Lyo drehte sich wieder ins Fahrzeuginnere und bedachte ihre Beine mit einem in Bedrängnis geratenen Blick. Da Ivy auf sein aufforderndes Wimpernklimpern nicht reagierte, räusperte er sich lautstark. Erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie noch immer ihre Beine auf ihm ausstreckte, und dazu eben noch ziemlich energisch auf seinem Schoß herumgerutscht war. Einen Moment lang starrte sie ihn verlegen an, dann zog sie sich hastig auf den Beifahrersitz zurück: “Sorry fürs Rumdrängeln…” murmelte sie schnell.
“Schon okay…” gab er umso schneller zurück.
Schweigen.
Die spannungsgeladene Luft, die nach einer Reaktion lechzte, drängte ihre Blicke in entgegengesetzte Richtungen. Sich jetzt bloß nicht ansehen. Die Situation mit dem Critter war schon schräg genug. Trotzdem ließ sich ihr Stöhnen, so unmittelbar auf seinem Schoß, nicht so einfach aus seinem auditiven Gedächtnis löschen. Vielleicht waren das Seiten von Ivy, von denen er besser nichts wissen sollte.
Weiteres Schweigen.
Konzentriert starrte sie raus in den Regen und versuchte ihren nervös trommelnden Puls zu beruhigen, in der Hoffnung, dass ihre brennenden Wangen dann endlich wieder runterkühlten.
Es folgte ziemlich peinliches Schweigen.
“Also das war dein berüchtigter Flammenwerfer?” brach Trevilian die unbehagliche Stille, bevor sie überhand nahm und sein Kopfkino sich selbstständig machte, mit ihnen beiden in der Hauptrolle.
“Jep, ziemlich mächtig der Zauber!” griff Ivy dankbar das Thema auf. “Aber hab den Critter leider nur so halb erwischt. Aber hast du gesehen wie das Feuer mit den Blitzen explodiert ist… echt wiz...” redete sie drauf los.
“Zum Teil…” dank des gesprungenen Seitenspiegels konnte er das Spektakel sogar achtfach sehen. “Ich war mehr damit beschäftigt nicht in den Tod zu schlittern...” antwortete er mit einem müden Lächeln.
Mit einem neugierigen Blick ruckte ihr Kopf zu ihm herum: “Wo hast du eigentlich Autofahren gelernt?”
“GTA XV. Außerdem hab ich damals in London ein paar Autos geknackt und naja… was aufgeschnappt. Aber hauptsächlich aus GTA.”
Anerkennend hob sie die Augenbrauen: “Autos geknackt? Wiz…”
“Ähm… ja… vielleicht sollten wir uns besser um den Critter kümmern, bevor er aufwacht.”
Behände ließ er den Gurt zurück in die Halterung schnappen, als er plötzlich inne hielt.
“Achja, Ivy?” Etwas zaghaft streckte er ihr seine flache Hand entgegen. “Gute Arbeit.”
Bereit die Tür zu öffnen, um der noch immer leicht unbehaglichen Situation zu entfliehen, hielt sie Inne. Schon wollte sie einschlagen, doch zögerte dann, als ihr siedend heiß die feuchte milchige Schicht ihres Verteidigungssekrets auffiel, die seiner Handfläche ein fieses Brennen bescheren würde. Noch so eine verdammte Eigenart ihres Surge. Mit einer schnellen Bewegung wischte sie ihre Hand an der Jeans ab und schlug schließlich in die ausgestreckte Hand ein. “Eh, danke… du auch!”
In der Hoffnung, dass das High Five, den peinlichen Moment zwischen ihnen verschwinden ließ, schwang sich Lyo vorsichtig aus der verbogenen Tür. ‘Alter Schalter... ‘ Zwischen ihm und dem Monster war nur noch ein zerschundenens Stück Metall, mit tief eingeschlagenen Kratern. Ein bis zwei wuchtige Rummser mehr und er hätte scharfkantige Blechteile in seinem Bein stecken gehabt.
“Das war knapper als gedacht…” murmelte er vor sich hin, als er den Kopf drehte und ihm der Atem im Hals gefror. Direkt neben ihm, neben dem reglosen Barghest, stand plötzlich ein zweites, wesentlich lebendigeres Exemplar und starrte ihn aus dunklen Augen an. Hatte sich das Vieh kurz bevor ihm die Lichter ausgegangen sind etwa geklont?!
Ein müdes Neuron, das für die Übertragung von Information vom Sehnerv ans Hirn verantwortlich war, musste bei seiner Arbeit wohl eingenickt sein, als mit einiger Verzögerung Lyo endlich einen kurzen kehligen Schrei aus der Brust stieß und rückwärts unsanft gegen die offene Tür prallte.

Mit einem klatschenden Tritt in eine Pfütze kam Ivy nach ihrem stürmischen Sprint um den Wagen zum stehen.”Was ist los?” Dann erfasste sie die Gegenwart der zweiten Kreatur und hob abwehrend die Hände, machte sich bereit, wenn nötig einen neuen Flammenstrahl heraufzubeschwören.
Noch bevor der vor Schreck blasse Lyo eine Antwort stammeln konnte, schälte sich bereits Arrow aus dem Dunkel des regnerischen anrückenden Abends.
“Was macht ihr denn für einen Lärm?” fragte er nüchtern und trat an den Critter von hinten heran.
“Da-da-da-da…!” stottere Lyo mit auf den Barghest ausgerichteten zittrigen Zeigefinger.
Ein metallisches Knirschen entwich der Tür gegen die sich er weiterhin drängte. Noch ein wenig mehr und sie würde mit einem lauten Knarren nachgeben und zu Boden scheppern.
“Entspann dich, ich hab’s unter Kontrolle…” Arrows Augen fokussierten das sabbernde Wesen, das mit leerem Blick ohne jegliche Regung vor Trevilian stand. Ivy verzog ungläubig das Gesicht: “Weg da! Die Viecher sind scheiße gefährlich… der andere wollte uns gerade umlegen!”
“Ich sagte es ist unter Kontrolle. Ich beherrsche es mit einem magischen Bann.” erwiderte Arrow ungerührt. Seine sonst kaum sichtbare Pupillen leuchteten in sanften Grün, wobei er den Critter unbeirrt fixierte. “Also… kann einer von euch einen Käfig holen? Wenn ich weggucke wirkt es nicht mehr.”
Den Herzinfarkt abgewandt, richtete sich Lyo wieder auf und saugte die auftauende Luft in seiner Kehle tief ein, bevor er aus einer Geste des Sich-Fassens anfing seine Klamotten zu richten. “Wa-Warum hast du nicht gleich was gesagt, bevor du mir das Vieh direkt vor die Pfoten platziert hast? Ich hätt mich fast nass gemacht!” Ohne eine Antwort abzuwarten stapfte er in einem großen Bogen um den Critter und lief zur Ladefläche des Vans, um einen Käfig bereit zu machen.
“Hättest du ja mal vorher sagen können, dass du Critter beherrschen kannst.” grummelte Ivy.
“Geht immer nur mit einem gleichzeitig.” Arrow ließ den Vorwurf natürlich an sich abperlen und konterte seinerseits mit einer kritischen Frage: “Warum seid ihr nicht auf eurer Position geblieben? Fürs Jagen braucht man schon ein bisschen mehr Geduld.”
Missgestimmt schob sie die Unterlippe vor und verschränkte die Arme vor der Brust: “Weil nix passiert ist, man! Hatte die Schnauze voll vom Rumsitzen! Und außerdem haben wir den Barghest ja trotzdem erledigt!” gab sie trotzig mit vorgestrecktem Kinn zurück.
“Ah-ha…” Keine Spur von Anerkennung war in seiner Stimme zu hören “3:1 für mich dann.”
“Drei?” hakte sie verwundert nach. Er nickte, den Blick noch immer auf den erstarrten Critter gesenkt und deutete schlicht in eine Richtung: “Da drüben liegt noch ein Vierter, glatter Blattschuss. Da müsst ihr euch schon ein wenig mehr ranhalten.“
“Ist doch kein verdammter Wettbewerb…!” Hinter ihnen ratterte es, als Lyo einen Käfig auf den Boden platzierte. “Außerdem haben wir ja auch nicht solche Jagd-Skills wie du. Oder eine Armbrust.”
Mit den fahrigen Bewegungen eines Schlafwandlers setzte sich das Unwesen in Bewegung und schleppte sich in den Käfig. Aus Respekt oder einfach aus Vorsicht heraus machte Lyo mehrere Schritte zurück. KLANK! Arrow verschloss den Käfig. Er blinzelte, um seine Augen zu entspannen und musterte mit einem anerkennenden Grinsen das verbeulte Gefährt: “Wow, ihr habt Svens Van ganz gut ramponiert.”

 
 

Big Mama

Die kleine Seilwinde am Wagen jaulte unter dem Gewicht des Jung-Barghests, als diese den reglosen Körper mit Hilfe der drei Teenager in das Innere des Wagens zog.
“Praktisch!” kommentierte Lyo das technische Wunderwerk mit breitem Grinsen. “Sowas kann man voll gut gebrauchen. So ’ne Mini-Winde am Gürtel wäre doch echt nice, oder?” Schon verfiel Trevilian wieder ins Grübeln, wobei er vorfreudig,  in brusthöhe seine Fingerspitzen aneinanderklimpern ließ. ‘So was könnte ich sicherlich zusammenbasteln, wenn ich nur die nötigen Materialien hätte und Zeit… und Werkzeug… und einen ruhigen Ort… ja ne eigene Werkstatt… hmm…’

Arrow und Ivy tauschten angesichts seiner Begeisterung nur einen ratlosen Blick und zuckten die Schultern. “Sicher. Packst du trotzdem auch mal mit an?” drängelte sich Ivys Stimme in seine gedanklichen Baupläne.
“Was? Achso… ja… also ja... okay.” druckste er vor sich hin. Doch insgeheim war es ihm lieber eher mehr Abstand zu den Viechern zu haben, als weniger.

Der ferne Hall eines Schusses unterbrach ihr Gespräch und ließ sie augenblicklich verstummen.
“Was war das?” fragte Lyo, nachdem das Echo verhallte, obwohl er sich ziemlich sicher war, dass es sich um eine Handfeuerwaffe handeln musste. Das Spielen unendlich vieler Shooter hatten sein Gehör zumindest in dieser Hinsicht geschult.

“Shit, n’ Schuss! Das ist voll nah, oder?!”, stellte Ivy eine überraschte Gegenfrage, “Irgend ‘ne Gang?”.
Augenblicklich schulterte Arrow seine Armbrust und sah sich um. Zunächst schien es, als ob er sich unsicher war, aus welcher Richtung das Knallen kam, bis seine Ohren deutlich abseits des vielversprechenden Wohnprojekts zuckten. “Sehen wir nach!” drängte er.
“Und was ist mit den Dingern hier? Wir haben noch drei volle Käfige, die in den Van müssen. Sollen wir die stehen lassen?” erhob Trevilian Einspruch.
“Guter Punkt. Dann bleibst du hier und lädst weiter ein.”
“Was? Warum ich?”
“Nicht nörgeln, machen. Ivy, kommst du?” Arrow wandte sich bereits zum Gehen.
“Echt jetzt? Ihr lasst mich hier alleine stehen, nur weil ich kurz nicht angepackt hatte?” Lyos Mund blieb mit einem großen verwunderten Fragezeichen stehen.
“Du bist nicht allein, sind ja noch vier Critter da.” kam der nüchterne Spruch von Arrow mit einem neckischen Grinsen als Begleitung.
Mit seiner entgeisterten Miene tat Lyo ihr schon ein bisschen leid, doch dafür war jetzt keine Zeit. Schulterzuckend erklärte Ivy: “Irgendjemand muss bleiben und du bist eh schon voll in diese Winde verschossen. Ich kann, wenns hart kommt, den Dreksviechern den Hintern rösten.”
Derweil legte Arrow trichterförmig eine Hand an seine Lippen und heulte wie ein Wolf in den Himmel hoch. Nur wenige Augenblicke später kam ein vertrauter dunkler Schatten durch das Gras gehüpft.

Arrow lief voraus und ließ die hohe nasse Wiese schnell hinter sich, dicht gefolgt von Blacky und schließlich schloss auch Ivy zu ihnen auf.
Schon nach kurzer Zeit konnte sie die dunkle, von Regen krause Oberfläche eines Pfuhls vor sich aufblitzen sehen, neben dessen von schlierigem Schlamm verschmiertem Ufer ein niedriger Erdhügel emporragte. Beim Näherkommen gähnte ihnen eine dunkle Öffnung aus dem Hügel entgegen, groß genug damit einer dieser Jung-Bargheste hindurchschlüpfen könnte. Arrow und Blacky blieben wie auf ein unhörbares Kommando stehen und begutachteten den Boden, der eine mit den Augen, der andere mit seiner zuckenden Nase. Ivy ließ ihren Blick am Ufer des Tümpels entlang wandern, aber keine Menschenseele war zu sehen.

“Spuren…” ließ Arrow leise verlauten und blickte auf. An einigen besonders matschigen Stellen zeichneten sich deutlich die Spuren von Stiefelsohlen auf der feuchtglänzenden Erde ab. Ivy betrachtete ebenfalls die Abdrücke und versuchte sich einen Reim darauf zu machen: “Sind die in die Höhle da geklettert?”
“Ja. Und wieder raus. Mehrfach. Drei Leute und dazu einige Pfotenabdrücke.”
Blacky schien zum gleichen Schluss gekommen zu sein, er war bereits in geduckter Haltung zu der dunklen Öffnung herangepirscht. Den Schwanz gerade von sich gestreckt, eine Vorderpfote angewinkelt starrte er wie gebannt in die Schwärze. Schnell, ebenfalls geduckt schlich Arrow zu seinem Wolfsfreund.
“Was is?” fragte Ivy unsicher, die keine Ahnung hatte, was dieses Verhalten bedeuten sollte.
Statt einer Antwort machte Arrow mit geübten Handgriffen seine Waffe bereit, schob sich langsam nach vorn und steckte seinen Kopf in die Düsternis des Durchgangs. Sie schnaubte frustriert und beobachtete, wie Arrow und Blacky im Dunkel verschwanden, bevor auch sie sich dem Eingang näherte. Beim Näherkommen nahm sie nicht nur die Körperwärme ihrer beiden Jagdgefährten wahr, sondern ihr stieg auch ein dritter, ein verglühender Hauch von Wärme in die Nase. Jemand oder etwas verbarg sich in dem Hügel, dessen Temperatur sich immer weiter verflüchtigte.

Arrows gedämpfte Stimme ließ sie aufhorchen: ”Ist schon tot.”
Mit ihrem Kommlink leuchte Ivy in einen Hohlraum hinein, dessen niedrige Decke sie zu einer gebückten Haltung zwang. In der Nähe des Eingangs ragte der struppige Körper eines weiteren Barghests aus dem Schlamm. Das letzte Blut sickerte aus mehreren Einschusslöchern in der Brust des Critters. “Wir haben wohl Konkurrenz...” stellte Arrow in düsterem Ton fest.
“Meinst du?”, Ivys Kopf hatte durchaus noch ein paar wesentlich beunruhigende Erklärungen parat, “Vielleicht treiben sich hier auch Junkies rum oder irgendwelche Gangs…”
“Nein. Das sieht nicht nach dem Werk von Anfängern aus. Die wollten das Herz treffen.”
“Und wo sind DIE hin?” sie schwenkte den schwachen Lichtkegel ihres Kommlinks durch den Hohlraum. Da war keine Wand, die das Licht reflektierte, stattdessen führte verheißungsvolle Dunkelheit tiefer in die Erde hinein.
“Schau, die Blutspur.” Arrow deutete mit dem Finger auf die vom Kommlink erhellten roten Flecken am Boden. “Der Barghest hat sich hierher geschleppt. Kam aus dem Tunnel. Wir sollten uns das genauer ansehen.”
Ein wenig mulmig wurde Ivy schon, als sie in die ungewisse Dunkelheit jenseits ihres kleinen Lichts spähte. ‘Sei kein Feigling!’ rief sie sich in Gedanken zur Ordnung, ‘Wir haben Magie und einen verdammten Critter-Wolf, wer da auch immer ist, sollte Angst vor UNS haben!’ Sie holte einmal tief Luft und sah Arrow fest an: “Kay, aber diesmal gehst du vor.”
“Klar.” Arrow grinste mit weiß aufblitzenden Zähnen. Im Halbdunkel der Höhle verschwamm sein Körper durch den Tarnanzug und seinem schwarzen Fell mit der Umgebung. Gäbe es da nicht den grünlich-gelbe Widerschein seiner Iris, wären seine Augen gar nicht zu sehen.

Sand rieselte von der Decke auf ihren Kopf, als sich Ivy hinter Arrow und Blacky durch den Tunnel wandt. Im blassen Schein des Kommlinks passierten sie einen unförmigen Tunnel, aus dem Steine und Wurzeln durch den feuchten Sand ragten und sie zum Ausweichen und drübersteigen zwangen. Immer wieder warf sie einen Blick zurück in Richtung des Eingangs, um sicher zu gehen, dass sich nicht irgendetwas auf ihren Rücken stürzte. Sie hatte kein gutes Gefühl, ganz hinten zu gehen, doch der Gang war einfach zu eng um nebeneinander zu laufen. Kaum verdammte sie diese räumliche Platznot, öffnete sich der schmale wie niedrige Gang.
Endlich etwas mehr Platz zum Atmen, auch wenn die Luft hier feucht und stickig war. Arrow konnte sich gerade so wieder aufrichten ohne mit dem Kopf an die zerklüftete, ockerfarbene Höhlendecke zu stoßen. Während Arrow noch seine Schultern kreisen ließ, machte Ivy ein paar Schritte zur Seite und leuchtete von der Wand zur Decke hinauf. Ihre Augen folgten einer Spur tiefer kleiner Löcher, die in der kühlen Erde klafften.

Sie schwenkte den Lichtkegel nach unten und sah dann den metallischen Glanz der verstreuten Patronenhülsen auf dem unebenen Boden. “Hier hat einer rumgeballert…” machte sie Arrow auf ihren Fund aufmerksam.
“Und hat getroffen…” lässig deutete er mit seinem freien Arm auf einen von Einschusslöchern übersäten Barghest Leichnam, den Blacky bereits aufmerksam schnüffelnd untersuchte. “Zu viele Kugeln für nur einen Critter… dazu die enge Kampfsituation… Panik? Nicht sehr professionell…” beurteilte er mit kritischem Blick die Szenerie vor ihnen.
Unbehaglich wanderte das schwache Licht des Kommlinks über den reglosen Körper. “Das muss schon länger tot sein, als das am Eingang… ich kann keine Wärme, äh riechen.”
Arrow zog erst fragend die Brauen zusammen und nickte dann, als er verstand. “Achja, du kannst das ja. Praktisch.” Er wendete sich ab und blickte in die weiterführende Dunkelheit der Höhle. “Hier geht es noch weiter, lass mal schauen, ob es hier noch mehr tote Critter gibt.”
Langsam gingen sie weiter, bis sie nach einem Dutzend Schritte das Ende des Hohlraums erreichten. Rechts schnitt ihnen ein lose aufgeschütteter Erdhaufen den Weg ab. Ivy schwenkte kurz das Licht über den Haufen. Hier und da blitzten kalte, graue Betonreste einer eingestürzten Wand aus der Decke, wie verformte Zähne eines großen Maules. Ein Weiterkommen war nur noch durch eine beklemmend enge Lücke zwischen Haufen und Decke möglich. Links von ihnen tat sich dunkel ein weiterer schmaler Gang auf. Sie tauschten nur einen kurzen Blick, bevor sie sich in die Öffnung schlängelten. Die niedrige Decke zwang diesmal nicht nur Arrow, sondern auch Ivy zu einem gebückten Gang. Doch nur nach wenigen Metern verjüngte sich der Gang bis kein Voranschreiten mehr möglich war. Schließlich wandte sich Arrow mit verkniffener Miene herum.
“Sackgasse…”
“Und jetzt?” fragte Ivy einerseits erleichtert darüber, dass sie nicht noch tiefer in irgendein Loch kriechen mussten, andererseits genervt, dass sich völlig umsonst hier hinein gequetscht hatten.
“Geh zurück.”
Ivy verdrehte die Augen und trottete rückwärts. Kurz bevor sie den Hohlraum betrat, drängte sich plötzlich Blacky mit kerzengerade aufgestellten Schwanz und ungeduldigen Schnauzenstubsern vor. Hastig stolperte sie in die Höhle zurück.
“Hey!” fuhr sie den großen Wolf an und bemerkte dann seine gespitzten Ohren und die angewinkelte Vorderpfote, “Ah-oh, er hat ne Spur oder?” schlussfolgerte sie neugierig.
“Gut gemacht.” nickte Arrow.
“Eh… Danke?” erwidert Ivy überrascht über das Lob aus Arrows Mund.
“Eigentlich meinte ich Blacky.” sagte er schlicht und drängte sich ebenfalls an ihr vorbei, um sich zu seinem Wolfsfreund hinunterzuknien.
Mit missmutig zusammengepressten Lippen trat auch Ivy einen Schritt näher zu den Beiden, um zu sehen, was Blacky entdeckt hatte.
PIEP PIEP! Mit dem durchdringenden Signal verkündete Ivys Kommlink das nahende Ende seines Akkus. “Willst du mich verarschen!? So ein verfraggter Billigschrott…!” ärgerte sie sich.
“Psst! Hörst du das?” unterbrach Arrow ihre Schimpftirade und sie horchte in die dumpfe Stille.
“… hmpf...” Da war wirklich etwas. “… hmpf… urgh… krr…” Schon wieder Laute und sie kamen bedenklicherweise direkt aus dem Erdhaufen neben ihnen.
Blackys Pfoten trommelten mit lautem Klapsen auf die aufgeschüttete Erde, als er Sand und Steine in hohen Bogen hinter sich warf.
Ivy wich einen Schritt zurück, und beobachtete aufgeregt, was Blackys Neugier so stark fesselte. Sie tauschte einen kurzen Blick mit Arrow, der mit wachsamer Miene seine Armbrust bereit machte.
Immer mehr lose Erde rieselte von dem hohen Haufen hinab in die größer werdende Kuhle, die der Fenriswolf mit einem glühenden Interesse bearbeitete. Prankenweise schob er noch mehr Schutt und Dreck beiseite, bis sein Kopf in einer kleinen Senke verschwand. Aufgeregt peitschte seine Rute hin und her und erstarrte dann wie ein Ausrufezeichen. Alle Muskeln angespannt verharrte Blacky und nur sein Schnüffeln durchbrach die plötzliche Stille, gefolgt von einem gedämpften Knurren. Ruckartig bäumte sich sein Nacken auf bei dem Versuch an irgendetwas in dem Loch zu zerren. Blitzschnell eilte Arrow an seine Seite.
Ein gedämpfter Schrei aus dem Erdhaufen ließ Ivy aufschrecken. Vorsichtig trat sie näher und sah, wie Arrow leise grollend die Hände nachdrücklich an Blackys Schultern presste.
“Ist das ein Bein?!” fragte sie entsetzt.
“Blacky, nein!” Mit strengen Ton wies Arrow seinen wölfischen Gefährten zurecht. Knurrend ließ Blacky von dem dreckverschmierten Hosenbein ab und zog sich mit missmutig angelegten Ohren zurück.
“What the fuck?!” staunte Ivy.
“Komm lieber her und pack mit an.” fing Arrow jetzt auch noch Ivy anzuweisen.
Vor ihnen ragte ein dunkles Hosenbein aus dem Loch, an dem ein schwerer schwarzer Stiefel steckte. Der Rest des Körpers ab dem Oberschenkel aufwärts verschwand im Erdhaufen.
“Mach hier nicht einen auf bossy!” gab sie verächtlich zurück. Sie war versucht ihm einfach gar nicht zu helfen, aber den Geräuschen nach schien der begrabene Typ noch am Leben zu sein. Noch. Der verschüttete Mensch würde sicher früher oder später an dem Dreck ersticken. Also packte sie kurzerhand das Bein oberhalb des Knies. “Zieh!” rief sie, doch schon nach wenigen Momenten der gemeinsamen Kraftanstrengung purzelte Arrow mit einem verärgerten Grunzen nach hinten. Im nächsten Moment hielt er nur noch den Stiefel umklammert.
Mit einem abfälligen “Pfff!” entschied Ivy es Arrow und seinem arroganten Gehabe zu zeigen. Sie stemmte die Beine fest in den weichen Erdboden und zog mit eiserner Entschlossenheit an dem Bein. Der Druck ihrer Anstrengung pulsierte in ihren Schläfen, während sich rote Flecken auf ihren blassen Wangen bildeten. “Scheiße, jetz komm schon...” presste sie atemlos hervor.
Ivy spannte ihren Körper bis zum äußersten, noch etwas mehr Power und ihre Klamotten würden reißen und grüne Muskeln hervorquellen. Einzelne Schweißperlen sammelten sich an ihrer Stirn, als endlich die gewaltige Masse an lockerer Erde nachgab und der Körper darin sich mit einem leichten Ruck in Bewegung setzte. Ein dreckbedeckter Hosenbund und eine leblose Hand tauchten aus dem Erdreich auf. “Pack DU lieber mit an!” schnaufte sie Arrow mit einem triumphierenden Grinsen entgegen.
Wortlos ergriff Arrow die freigelegte Hüfte und mit einem gemeinsamen Ziehen und Zerren beförderten sie erst den schmalen Oberkörper und schließlich das blasse, erdverkrustete Gesicht eines hageren, bewusstlosen Mannes zutage. Der Druck der Erdmasse hatte seine Haare, die wohl mal zu einem Iro gestylt waren, an die dunkle Haut des sonst kahlen Schädels geklebt.
“Lebt der noch?” fragte Arrow prüfend, als sie langsam wieder zu Atem kamen.
“Zumindest ist er noch warm…” stellte Ivy fest und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Blackys durchdringendes Knurren unterbrach sie. Mit gebleckten Lefzen pirschte sich der schwarze Wolf mit gesträubten Fell an die restliche Anhäufung neben dem frisch gegrabenen Loch heran.
“Steckt da noch einer drin?” fragte Ivy verwundert. Fixiert auf Blacky antwortete Arrow mit unheilvollem Tonfall, bei dem Ivy ein Schauer über den Rücken lief:
“Nein… etwas anderes… etwas Gefährliches.”
Der Erdhang geriet in Bewegung, Steine und Klumpen rieselten herunter. Sandverklebte Borsten und ledrige Haut schimmerten aus dem Schutt hervor. Langsam hob und senkte sich die Erde und noch etwas mehr Sand bröckelte herunter. Blacky fletschte die Zähne und grollte lauter.
Ivy wich unwillkürlich einen Schritt zurück: “Noch ein Barghest?!”, flüsterte sie nervös, “Was machen wir jetzt?”
Konzentriert und bis in die kleinste Faser gespannt fokussierte Arrow das sichtbare Stück Haut und dann den gesamten Schutthaufen. “Scheint betäubt oder k.o. zu sein…” vermutete er raunend mit deutlich gesenkter Stimme.
“Das buddel ich sicher nicht aus…!” erklärte sie schnell.
“Hmm... ich könnte es kontrollieren…” setzte Arrow seine Grübelmiene auf.
Ivy stutzte: “Kontrollieren? Du meinst wie das andere Vieh vorhin?”
“Ja.” er ließ seinen Blick nicht ab von dem sich schwach regenden Erdhaufen.
“Und das klappt… sicher? So todsicher?” Ivy stellte sich vor wie der Critter vielleicht durch Arrows magische Bemühungen wach werden könnte und dann sicher ziemliche üble Laune haben würde.
“Denke schon.”
Skeptisch betrachtete ihn Ivy mit gehobener Augenbraue. Sie stellte sich weiter vor, wie sie versuchen würden gegen einen wütenden und im wahrsten Sinne des Wortes ziemlich geladenen Critter in der Enge eines Tunnels zu kämpfen: “Wenn das schief geht und das Vieh wach ist sind wir ziemlich am Arsch…!”
“Wird schon klappen. Ist ja schon angeschlagen” Arrow zuckte die Schultern und trat einen Schritt vor. Für Ivys Geschmack war er viel zu optimistisch: “Nichts gegen deinen Bann aber… ich stell mich den Biestern lieber draußen an der frischen Luft…“
Arrow drehte kurz den Kopf zu ihr und musterte sie wortlos von Kopf bis Fuß. Dann wandte er mit wesentlich mehr Interesse seinen Blick wieder zurück zu dem verschütteten Critter.
“Okay. Mach das.” gab er nüchtern zurück.
Was in aller Welt sollte das denn jetzt? Sollte das eine Art Coolness-Wettbewerb werden? Sie ließ ihren Blick über die frischen Erdhaufen und die nicht gerade stabil wirkende, vor sich hin bröckelnde Decke wandern, schüttelte dann doch den Kopf und winkte ab. ‘Kein Bock auf den Scheiß!’ Bei einem weiteren Schritt zurück stieß sie an den schlaffen Stiefel des ausgegrabenen Mannes. Stimmt ja, wenn die Sachen hier mit dem Beherrschen in die Hosen gehen würde, hätte der Pechvogel da noch schlechtere Karten als nur vergraben zu sein.
“Verdammter Drek…” verfluchte Ivy leise ihren Entschluss, als sie sich zu dem hageren Typen hinunterbeugte. Sie packte ihn bei seiner militärisch wirkenden Jacke und fing ihn an zurück zum Ausgang zu ziehen. Doch nach nur wenigen Metern ließ sie ihn wieder erschöpft zu Boden sinken. Der Kraftakt von vorhin hatte ihr wohl doch mehr Energie als sie dachte aus den Knochen gesogen. Sie schnaufte, um wieder zu Atem zu kommen. “Moment mal…” Nicht nur Arrow konnte seine Magie hier einsetzen! Sie straffte sich und fixierte den bäuchlings vor ihr liegenden Typen. Langsam streckte sie die Hände aus, ihre Stirne legte sich konzentriert in Falten und die Haare an ihrem Hinterkopf stellten sich auf, als sie den Strom der Magie durch ihre Adern fließen ließ. In Gedanken griff sie mit der Kraft ihres Willens nach ihm, und tatsächlich hob sich sein Körper langsam vom Boden, als ob unsichtbare Hände ihn behutsam in die Höhe stemmen würden. Kurz überlegte sie, ob sie nicht Arrow zurufen sollte, nur um ihm ihren Levitations-Trick reinzuwürgen. Doch eine wahre Meisterin der Magie hatte das wohl kaum nötig. Coolness-Contest gewonnen!
Selbstgefällig lächelte sie, hob ihn mit einem gedanklichen Kommando auf Hüfthöhe in die Luft, um ihn dann langsam in Richtung Ausgang schweben zu lassen. Sie folgte ihm dicht, damit sie den Blickkontakt und damit den magischen Griff nicht verlor.
Schritt für Schritt bahnte sie sich ihren Weg durch den Tunnel. “Komm schon… schweb schneller” murmelte sie, um sich selbst etwas zu beruhigen. Sachen per Levitationszauber schweben lassen war zwar praktisch, aber das Tempo gefühlt nur kurz über Schnecken-Niveau.
Irgendwas tropfte im Höhleninneren, vor ihr rieselten ein paar Steinchen von der Decke und sorgte mit dem Pfeifen des Windes der durch den Bau zog für eine schaurige Tonkulisse. Dazu der Gedanke einen stromschleudernden Critter quasi im Nacken zu haben, ließ die Szenerie noch deutlich bedrohlicher wirken.
Hoffentlich würde der Akku des Kommlinks nicht mitten auf der Strecke schlapp machen...!
Dumpfe Laute holten sie aus ihren düsteren Gedanken. Ferne, kaum verständliche Worte drangen durch das Dunkel vor ihr. Ivy lauschte angestrengt, spielten ihre Sinne ihr einen Streich? Doch je weiter sie in den Gang nach oben voran ging, desto besser konnte sie die barsche Männerstimme aus Richtung des Einstiegs ausmachen. “... Spuren von Anderen…” worauf eine andere raue Stimme erwiderte: “... schnappen die auch noch…” Eiskalt lief es ihr den Rücken herunter. Wer auch immer da oben war, klang nach ganz schlechter Gesellschaft. Augenblicklich blieb sie stehen. ‘Ich muss Arrow Bescheid geben!’ schoss es ihr durch den Kopf. Ungeduldig senkte sie den noch immer bewusstlos schwebenden Mann herab, denn es würde ewig dauern ihn wieder zurückzubringen. Endlich konnte sie auf der Stelle kehrt machen und lief eiligen Schrittes im hektisch schwankenden Licht des Displays zurück zu Arrow und Blacky.
Ihre Schritte hallten von den bröckeligen Wänden der Höhle, als sie Arrow erreichte. Er war immer noch fest auf den Critter konzentriert, sein ganzer Körper war vor Spannung gestrafft und wandte sich nicht mal um, als sie auf ihn zu lief:
“Arrow, da kommen Typen, die wollen uns fertig machen!” zischte sie ihm zu.
Plötzlich bebte die Erde vor ihnen und ein schweres Schnaufen schoss kleinste Sandkörner aus der obersten Schicht des Schuttes.
Arrow antwortete weiterhin nicht, während sich um seinen Umriss von einem sanften grünen Leuchten umspielte wurde.
Immer wieder waren kleine Erschütterungen in dem losen Geröll zu sehen, begleitet von dumpfen Scharlauten. Blackys Grollen hatte sich mittlerweile in ein wachsames Knurren gewandelt, doch auch er reagierte nicht auf Ivys Rückkehr.
Alarmiert wandte sich Ivy dem verschütteten Critter zu, dessen massiver Leib sich nun langsam und bedächtig aus seinem Grab erhob.
“Fucking hell…!” Ivy keuchte überrascht und wich mit weit aufgerissenen Augen zurück. Das Tier, was sich vor ihr erhob stemmte sich mit derben Muskeln unter ledriger Haut aus dem Erdreich, gelbe Zähne blitzten ihr aus dem riesigen erdverschmierten Maul entgegen, das lang und spitz war, wie das einer Ratte. Unregelmäßige, blau verfärbte Geschwülste zogen sich über seine sandverkursteten Lefzen. Die Flanken waren breit und bei jedem pfeifenden Atemzug hoben sich Beulen unter dem struppigen Fell ab. Mit einem angestrengten Grunzen begann es seinen krummen Rücken, der mit knorpeligen Überwucherungen übersäht war zu strecken. KNACK KNACK! hallte es in der Höhle wieder. Es war größer, als die anderen Critter, viel größer, fast vom gleichen Format wie Svens Van!
“Ich habs…” antwortete Arrow geistesabwesend.
Ungläubig starrte sie auf den riesenhaften Critter, der sich mit leerem Blick in dem tiefliegenden Augen mit trägen Bewegungen aus dem Erdmantel schüttelte.
“Sicher?” hakte Ivy ungläubig nach.
“Ja…” brachte er mit gepresster Stimme unter der Last der geistigen Anstrengung hervor.
Kurz betrachtete sie gebannt das erstaunlich ruhige Wesen vor sich, dann besann sie sich auf die Gefahr in der sie schwebten: “Kay… da kommen Typen, die uns sowas von aufmischen wollen. Wir müssen was machen!” Arrows Ruhe und entrückte Miene setzte ihren angespannten Nerven nur noch mehr zu.
“Wir legen einen Hinterhalt…!” Ivy sah sich hektisch um, spähte nach einer Deckung für sie. Vom Eingang der Sackgasse aus hatten sie einen ziemlich guten Blick auf den gesamten Raum. “Rein da!” rief sie Arrow zu, schlüpfte gebeugt in den Tunnel links von ihnen und löschte das Licht ihres Kommlinks. Hinter ihr landete Blacky mit einem großen Satz und schließlich Arrow, der sich rückwärts mit festen Blick auf den Critter in den Eingang tastete. Das Ungetüm selbst torkelte wie ein ferngesteuerter Roboter an die Seite der Einbruchsstelle und legte sich dort auf die Lauer, bereit auf Arrows mentalen Befehl hin zu reagieren.
Jetzt hieß es warten.
Schwere Schritte hallten durch die Stille. Nun näherten sich auch leise geraunte Worte und die schwache Spur von einem schwankendem Licht. Den Geräuschen nach zu urteilen, musste ihr ungebetener Besuch am anderen Ende der Höhle aufgetaucht sein. Angespannt lauschten die drei und Ivy bemühte sich unsinnigerweise die Luft anzuhalten.
PIEP PIEP ---
Das Kommlink gab den Geist auf und verriet mit dem sterbenden Signalton sogleich ihre Position.
Abrupt verstummte das Raunen. “Da hinten!”
“Shit!” zischte Ivy. Sie konnte hinter Blacky und Arrow so gut wie gar nichts sehen und fühlte sich wie in der Falle. Hektische Lichtkegel suchten die Nische ab, als plötzlich sich der Schein abwand.
“DAS MUTTERTIER!” durchbrach ein alarmierender Männerruf die Stille. Durch einen schmalen Spalt zwischen Wand und Arrow konnte sie gerade noch erkennen, wie sich das borstige Ungetüm, langsam wie ein Zombie, vom Boden hoch stemmte.
“Es lebt noch!” ertönte eine verwunderte raue Stimme.
“Feuer frei, Jungs!” Das helle Rattern mehrerer Sturmgewehrsalven hallte ohrenbetäubend von den Höhlenwänden wieder.
Das Aufblitzen des Mündungsfeuers warf verzerrte, monströse Schatten des Critters auf die Tunnelwand neben Ivy. Sie kauerte sich enger zusammen, als ein tiefes Grollen der Schüsse antwortete und der dumpfe, unaufhaltsame Rhythmus der stampfenden Schritte des mächtigen Critters auch in ihr Versteck vordrang. Plötzlich ruckte Arrows Körper nach hinten, als ob ein tollwütiger Hund ihm die Leine aus der Hand gerissen hätte. “Bollocks...!” entfuhr es ihm, seine Stimme klang scharf vor Anspannung.
Dann erhob sich die markerschütternde Kakophonie aus Brüllen, dröhnenden Stampfen und hektischen Schüssen und zwang Ivy dazu die Hände auf die Ohren zu pressen.
Ein Blitzlichtgewitter aus Kugelhagel und violettem Starkstrom brannte diesmal klare, groteske Umrisse des Gefechts an die Wände und gipfelte schließlich in schmerzerfüllten Schreie und dem unheilvollen Knistern von verkohltem Fleisch.
Ivy spürte den krachenden Widerhall des Kampfgetöses wie viele kleine Schläge auf sich niederprasseln, schutzsuchend drückte sie sich an die Wand ihres Verstecks, und würgte, als ein durchdringender, verbrannter Gestank aus der Höhle zu ihnen hinein sickerte.

Draußen war alles ruhig, nur das Plätschern des trüben Regens auf dem Autodach erklang. Trevilian hievte den letzten der Käfige in den Van und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Das Surren der Winde verriet ihm, dass sie ebenfalls ordentlich zu Arbeiten hatte. In der Ferne Knisterte etwas, als er die Ladeklappe schloss. Er blickte besorgt auf. “Sie sind schon ganz schön lange weg… ob ihnen vielleicht etwas passiert ist?” sagte er zu sich selbst, um sich nicht völlig alleine mit den verladenen und betäubten Jung-Barghesten zu fühlen.
20 Minuten wartete er schon auf ein Zeichen von ihnen und langsam wurde er ziemlich unruhig.
“Vielleicht… Ich fahr einfach hin!” entschloss er, bevor er anfing sich mögliche Sterbeszenen seiner Freunde auszumalen.
Der Motor jaulte kurz auf, bevor er hinunter zum Teich fuhr.

 

Qualmende Augen

Sie waren alle tot.
Vorsichtig und mit noch immer weichen Knien stolperte Ivy durch die dunkle Höhle, in der sich nun eine unheilvolle Stille breit machte. Es lag immer noch eine gewaltige Spannung in der Luft, welche dafür sorgte, dass sich ihre weißen Haare aufwärts kräuselten.

Die schwindende Wärme von zwei menschlichen Körpern und dem massigen Leib des Critters stachen für ihre Nase spürbar aus dem kühlen Untergrund hervor. Die im Gegensatz dazu gleichbleibende Körperwärme von Arrow und Blacky beruhigte sie und verriet ihr, dass beide nicht weit von ihr ähnlich vorsichtig dabei waren das ehemalige Schlachtfeld zu erkunden. Dennoch lastete die allgegenwärtige Dunkelheit wie eine kaltes, bedrohliches Gewicht auf ihr.
“Kannst du was sehen?” fragte sie unsicher und tastete nach möglichen Steinen oder Stolperfallen vor ihr.
“Nein, und ich krieg dieses Kommlink einfach nicht an…” grummelte Arrow. “Hier mach du mal.”
Die schmale Kante des Geräts drückte sich unsanft gegen ihre Schulter.
“Hey, pass doch auf!” beschwerte sich Ivy und schnappte nach dem Gerät. Mit einem leisen Klacken klappte sie es auf. Nach und nach ertastete sie die Knöpfe und fand nach ein paar Griffen den richtigen. “Willkommen” blinkte es in fünf verschiedenen Sprachen in einem pixeligen, schlampig designten Schriftzug auf, der wohl nach High-Tec aussehen sollte. Ivy tippte sich weiter durch das Menü des Geräts und endlich warf die kleine Lampe an der Rückseite ein fahles Licht in die Höhle.
Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch hob sie den schwachen Lichtkegel. Eigentlich wollte sie das Ergebnis dieses Gemetzels gar nicht sehen, dennoch drängte es sie zu begreifen, was eigentlich geschehen war. Lauerte vielleicht noch immer Gefahr in einer der dunklen Nischen?

Vor ihnen ragte das haarige, von Einschusslöchern gezeichnete Massiv des Critters auf.
Ivy ließ den Lichtschein weiter wandern, am Eingang zum Hohlraum lagen die dampfenden Körper zweier Männer.
Vorsichtig näherten sie sich der ersten reglosen Gestalt, bis der Gestank von verbrannten Fleisch ihnen in die Nase stach. Der bullige Mann trug ein Cap und lag bäuchlings, das Gesicht im sandigen Untergrund verborgen.
“Ob sie noch leben?” der unheilvolle Verdacht machte sich in ihrem Magen breit, hier zwei Leichen direkt vor sich zu haben. Der durchdringende Geruch, der sie an vergangene Grillabende erinnerte, ließ ihren Magen zusammenkrampfen.
“Na dann…” Arrow ging runter in die Hocke. Er besah den qualmendem Leib für ein paar Augenblicke. Ivy bemerkte sein Zögern. Musste selbst er, der sonst immer so auf cool machte sich einen Moment fassen? Dann streckte er die Arme aus und drehte den Körper an den Schultern zur Seite. Im fahlen Licht des Wegwerfkommlinks rollte der Kopf wie bei einer losgelösten Marionette ungelenk zur Seite. Getrocknetes Blut war in rostfarbenen Schlieren nur noch krümelweise aus Ohren und Nase erkennbar. Schwerste Verbrennungen hatten seine Haut an Wangen und Hals aufquellen und platzen lassen. Und dann waren da die qualmend leeren Augenhöhlen. Was von den Augäpfeln noch übrig war klebte wie schwarzer Teer bis hinab zum Nasenflügel.
Ivy wandte sich würgend mit dem Licht ab und überließ die grausige Entdeckung dem gnädigen Schleier der Dunkelheit. Dumpf sackte der Körper wieder zu Boden, als ihn Arrow wie eine viel zu heiße Kartoffel los ließ.
“Tot…” bestätigte er leise und erhob sich.
Ivy presste sich die Hand auf dem Mund und kämpfte stumm den Brechreiz nieder. ‘Reiß dich zusammen, verdammt!’ hämmerte sie sich gedanklich ein und schwenkte zögerlich das Licht zu den anderen reglosen Wärmequellen. Die muskulöse Statur des Orks ragte nur wenige Schritt entfernt vor ihr auf. Die schwindende Intensität der Hitze ließ nichts Gutes ahnen “Der ist wohl auch hinüber…” kommentierte sie mit heiserer Stimme. Instinktiv machte sie einen Satz nach hinten, als wie aus dem Nichts die Finger des Mannes unkontrolliert in die Höhe zuckten. “Ah!” entfuhr es ihr überrascht und selbst Arrow starrte mit weit aufgerissenen Augen den Ork an. „Lebt der noch? Oder wird der Typ jetzt zum Zombie?“ Schnell fokussierte Ivy ihre Wahrnehmung um die Aura des Mannes zu checken. Tatsächlich, da war noch ein sanftes schimmern, dass ihn umgab.
“Der lebt …” stammelte sie überrascht. Nach dem Anblick des Mannes mit den vaporisierten Augen, rechnete sie fest damit, dass so ein Blitzlichtgewitter keiner überleben konnte. Wahrscheinlich war der Typ einer von den Leuten die einen Blitzschlag mehrfach überstanden. Der sollte definitiv Lotto spielen, aber noch war er nicht über den Berg.
“Erstaunlich…” murmelte Arrow.
Nachdem sie ihre Überraschung überwunden hatten, kniete Arrow sich neben dem gräulichen Ork nieder und hielt die Hand in einer behutsamen Geste über seinen Kopf, als wollte er den Verletzten streicheln ohne ihn zu Berühren. Im Halbdunkel der Höhle war das schwache grüne Leuchten um seine Finger besonders gut zu erkennen, als er die Magie langsam in den Mann strömen ließ. Fasziniert beobachtete Ivy was er tat. Arrow zeigte gerade eine ungewohnt sanfte Seite von sich, außerdem hatte sie noch nie Heilmagie in Aktion erlebt. Als der grüne Schein dann schließlich verblasste, ging der Atem des Bewusstlosen wieder regelmäßig, und Ivy konnte zu ihrer Erleichterung keine weiteren Zuckungen feststellen. “Er sollte an die frische Luft…”
“Warte. Waren das nicht drei Stimmen?” fiel es ihr dann wieder ein.
Suchend ließ Ivy das Licht weiterwandern, insgeheim voll Grauen, was sie als nächstes entdecken mochten. Hoffentlich hatte sich der Körper des dritten Mannes nicht in einer elektrisch geladenen Explosion auf die Höhlenwand verteilt. Aber egal wohin sie schauten, es lagen nur zwei der Critterjäger in der Höhle.
“Hat das Viech ihn etwa gefressen?” überlegte sie laut.
Prüfend musterte Arrow den Fleischberg von Critter und räusperte sich. “Glaub ich weiß wo er steckt…”. Dann wies er wortlos auf die mächtige Hinterkeule des Barghests unter der zwei verdrehte in Stiefel gekleidete Beine hervorragten.
“Shit…” entfuhr es Ivy als sie die Stiefel wieder erkannte. “Ich glaub das ist der Typ den ich vorhin raus schaffen wollte… Als die anderen kamen, musste ich ihn im Gang lassen...”
Arrow hob die Augenbrauen: “Vielleicht haben sie ihn mitgenommen, vermutlich einer ihrer Kumpels…”
Der Critter musste mindestens so schwer wie ein Kleinwagen sein. Konnte der Mann das überlebt haben? Ivy versuchte angestrengt den Glanz einer Aura auszumachen, doch da war nichts mehr. „Na toll… Das war’s für ihn… son Scheiß.” Seufzte sie.
Arrow straffte sich und setzte eine etwas zu bemühte professionelle Miene auf: “Ich bleibe hier und nehm den Critter aus.”
Ivys Kopf ruckte zu ihm herum und ihre Augen wurden Größer: “Fuck, was?!”
Seufzend drehte Arrow den Kopf zu ihr und zog aus seinem Overall eins von Svens Jagdmessern: “Ich nehm das Messer hier und schneide dem Muttertier alles Brauchbare heraus. Reagenzien, Trophäen und so weiter. Alles was ein Jäger so braucht oder was man gut verkaufen kann. Sven hat mir ‘ne Liste gemacht.”
“Irks! Nein danke!” erklärte sie hastig. “Bin ich nicht scharf drauf!” Sie schüttelte sich bei der Vorstellung von einem von Blut und Eingeweide verschmierten Arrow. “Ich nehm den Ork da mit und verschwinde. Viel Spaß!”
“Hey warte, ich brauch das Kommlink. Ich kann zwar gut im Dunkeln sehen, aber ganz ohne Licht wird das schwer.”
“Ja klar, vergiss es! Ich werd hier nicht in der Scheiß Dunkelheit durch die Höhle stolpern!”
“Leuchten nicht deine Finger, wenn du ihn raus zauberst?” erwiderte er trocken.
Ein wütender Funke blitze in ihren Augen auf. Sie streckte ihm die Hand entgegen und reckte den Mittelfinger. “Hier hast du ’nen Finger der nur für dich leuchtet…! Wie wärs wenn ich dir gleich ein verficktes Lagerfeuer unter deinem pelzigen Arsch mache? Huh?!”
Arrows selbstgefälliges Lächeln machte Ivys Stimmung nicht besser, doch plötzlich verschwand es und sein durchdringender Blick wurde fokussierter, als er ihr mit dem Zeigefinger an den Lippen andeutete leise zu sein.
Sie wandt den Kopf nach hinten. Ein vereinzelter Lichtstrahl wurde von den Höhlenwänden zu ihnen hinab reflektiert. ‘Oh Fuck? Noch mehr von den Jägern?’ sie hielt die Luft an und lauschte in das dumpfe Rauschen der Höhle.
“Hallo? Seid ihr da unten?” hallte es hinab.
“Lyo?!” entgegnete Ivy erleichtert über die vertraute Stimme “Ja wir sind hier!”
“Okay! Hier liegt ein totes Vieh, soll ich runterkommen?” war es immer noch aus der Entfernung zu hören.
Sie machte kurz einen Blick zur Seite und bedachte die Jäger-Überreste mit gerümpfter Nase. Die blutüberströmten Körper lagen verrenkt wie weggeworfene Puppen. Übelkeit stieg in ihr auf. Schnell schluckte sie ein erneutes Würgen hinunter und konzentrierte sich auf den Gang aus dem Lyo Stimmer herunter hallte.  “Ehm… wenn du auf Blut und tote Critter stehst...?” Wenn schon sein Mordverdacht gegenüber Sven ihn so beschäftigt hatte, wie würde dieses Schlachtfeld erst auf ihn wirken? ‘Vielleicht ist es besser ihm den Anblick zu ersparen…‘ schlussfolgerte sie und setze nach: „Bleib da. Leuchte mir einfach entgegen…!”
Noch einmal wandte sie sich an Arrow, die Frage mit dem Licht war wohl nun geklärt.
“Hier fang!” rief sie und warf das leuchtende Kommlink locker in seine Richtung.
Behände rammte Arrow das Messer in den massiven Leib des Muttertiers und fing geschickt mit ausgestrecktem Arm das Kommlink auf.
“Danke.” sagte er mit süffisanten Lächeln und machte sich sogleich ans Werk.
Perfekt getimte Reaktion, was auch sonst. Leise grummelnd wandte sie sich von ihm und der Critterleiche ab und konzentrierte sich lieber drauf diesmal einen anderen bewusstlos da liegenden Mann mit ihrem magischen Griff vom Boden anzuheben. Zielstrebig und ohne sich nochmal umzudrehen, ließ sie ihn voran schweben. “Bis später!” verabschiedete sie sich aus dem blutverschmierten Schauplatz, der wohl nun im Begriff war noch blutiger zu werden. Höchste Zeit die Biege zu machen...
 

Der Mühen Lohn 

“Das war’s jetzt, oder?” Lyo wischte sich den Schweiß von der Stirn und wollte grade die Hecktüren schließen.
“Fast.” ertönte plötzlich Arrows Stimme hinter ihm. Sein trockener Tonfall stand in krassem Kontrast zu den beiden großen blutverschmierten Beuteln, die bei jeder Bewegung umher wabbelten. Unter dem durchsichtigen Kunststoff glotzte ein milchigschwarzes Auge durch eine Pampe aus Blut, Zähnen und ineinander gemengten Innereien, die Lyo bei weitem nicht identifizieren konnte oder gar wollte. “Oh fuck… was zum...” Langsam fing sich an Trevilians Mageninhalt zu drehen, er fühlte sich schlagartig an das abgepackte Fleisch in Svens Kühlschrank erinnert. Zum Glück hatte er nichts davon gegessen, sodass er den aufkeimenden Brechreiz hinunterschlucken konnte.

“Na hast du dir ‘n Snack eingepackt…!?” kommentierte Ivy seine Beute mit einem gezwungenen Grinsen, doch ihr nun absolut kalkweißes Gesicht strafte dem lockeren Spruch lügen.
“Hab extra was für dich eingepackt.” konterte Arrow und lud seine hin und her wabbelnde Last auf die Ladefläche des Vans.
“Okay, können wir dann bitte endlich von hier abhauen? Wenn ich mir das Zeug aus dem Beutel noch weiter anschauen muss, bekomm ich doch noch das Kotzen...” protestierte Lyo. Sie waren gefühlt eh schon zu lange hier.
"Aber hey, was sollen wir eigentlich mit dem Typen machen den ihr aus der Höhle geholt habt? Zu einem Krankenhaus fahren, ihn heimlich abladen und dann schnell verschwinden?"
Arrow nickte nachdenklich auf Lyos Frage hin:  "Wir lassen ihn am besten hier. Er wird bald wieder OK sein und dann will er vielleicht gleich nach seinen Kollegen schauen… oder zumindest das was von ihnen übrig geblieben ist..."
Beim Gedanken an die toten Jäger breitete sich beklommenes Schweigen zwischen den Dreien aus.
Arrow entzog sich der unbehaglichen Stimmung als Erster, indem er einen Schritt zurück trat und bedächtig die Hecktür zuschwingen ließ: “Habt ihr noch was gefunden?” 
“Nicht viel… die Typen hatten zwar ein paar Waffen dabei, aber die Blitze haben alles geschrottet. Auch den Credstick und die Kommlinks… naja Lyo hat den Elektroschrott trotzdem eingesackt.” erklärte Ivy mit enttäuschter Miene.
“Vielleicht kann ich den Stick fixen, ich mein da könnten ein paar hundert Pfund drauf sein. Und die Kommlinks kann ich vielleicht ausschlachten. Ihr wisst schon, mit ein paar neuen Teilen: Prozessor, RAM oder ROM, bekomm ich vielleicht ein ziemlich leistungsstarkes Gerät zusammen und- ”
“Wenigstens hatten sie in bisschen Bargeld dabei.” unterbrach Ivy seinen beginnenden Vortrag.
‘Freunde…’ dachte sich Lyo und schloss den offen stehenden Mund wieder. ‘Ich erwähne besser erst gar nicht die eine Patrone, die die Hochspannung überstanden hat…’ geknickt senkte er den Schirm seiner Mütze in sein Gesicht, so wie er es immer tat, wenn er sich unsichtbar fühlte und stieg wortlos ins Auto.

Es war ein ziemlich merkwürdiges Gefühl mit einem Van voller gefährlicher Critter und den Überresten ihrer monströsen Mutter durch die Gegend zu fahren, vor allem da immer wieder ein leises Zischen und Knurren von einem der Tiere zu hören war. Umso seltsamer war es, mit dieser gefährlichen Ladung und dem vom Kampf gezeichneten Gefährt zurück in die makellose Vorstadtidylle zu fahren. Wenigstens hatte der leichte Regen die spielenden Kinder in die Häuser getrieben. Als sie auf die Auffahrt zu Svens Wohnhaus zu steuerten stand besagter Jäger bereits in der Einfahrt. Er begrüßte sie mit seinem makellosen, doch kalten Zahnpastalächeln, als sie den Wagen wieder vor seinem Haus parkten.
Während Sven das Auto umrundete und die verbeulte Fahrertür erblickte, gefror ihm jedoch sein makelloses Lächeln zu einer emotionslosen Maske. Jetzt sah er wirklich aus wie ein Killer.
“Denkt ihr er hat den Schaden gesehen?” fragte Lyo zerknirscht.
“Nein, ganz sicher nicht…” gab Ivy mit ironisch gehobener Augenbraue zurück.
Unbehaglich kletterten die Drei aus dem Van und stellten sich instinktiv näher aneinander, als sie vor ihrem eisäugigen Auftraggeber traten.
“Ich hoffe ihr habt eine sehr gute Erklärung dafür.” sagte er in frostigen Ton und wies auf die ramponierte Tür. Betreten tauschten Lyo und Ivy einen kurzen Blick.
“Nunja… die Dinger sind schneller, kräftiger und irrer als man denkt…?” druckste Trevilian ein wenig herum während Svens Augen schmaler wurden. “Ich… ich könnte die paar Beulen sicherlich ausbessern…”
Ivy holte Luft und straffte sich ‘Angriff ist die beste Verteidigung’ und schon platzte ein “Es war ja auch nicht nur eins, sondern sechs!” heraus. Ihr Herz klopfte, aber sie schaffte es Svens bohrenden Blick stand zu halten.
“Kollateralschaden.” schaltete sich Arrow in ruhigen Ton ein. “Dafür liefern wir deutlich mehr als bestellt. Hier ist die Liste. Abgehakt.”
Prüfend überflog Sven Arrows blutbefleckte Aufzeichnungen und machte sich wortlos daran, den Laderaum auf den Wahrheitsgehalt von Arrows Worten zu prüfen. “Hm...” ertönte es dann kurz darauf aus dem Wagen, in dem sogar ein Hauch von Anerkennung mitschwang.
Deutlich milder gestimmt erschien Sven wieder mit seinem ekelhaft akkuraten Grinsen und winkte zu ihrer Erleichterung abfällig in Richtung der Tür. “Ach wisst ihr...vergesst die Tür. Ihr habt eure Aufgabe gut gemeistert. Ich lege noch den versprochenen Bonus obendrauf. Hier ist erstmal die ausgemachte Summe.” Sven überreichte ihnen einen unauffälligen Credstick.
‘Bonus’ das Wort schmeckte süß wie Bonbons und hallte in Ivys Kopf wieder. Sie tauschte ein vorsichtiges Lächeln mit ihren beiden Freunden.
“Ich muss das allerdings erst organisieren und die Schätzchen im Wagen weg schaffen. Wir treffen uns in vier Stunden im Roundhay Park, ist gleich um die Ecke, dann bekommt ihr den Rest.”

“Wo steckt der blöde Arsch?!” energisch drückte Ivy zum fünften Mal im Halbdunkel des Hauseingangs Svens Klingelknopf.
“Ich glaub das Licht ist grad bei der Oma unter ihm angegangen… Vielleicht solltest du das Klingeln langsam lassen.” versuchte Lyo zu beruhigen. Er stand etwas abseits und sah sich immer wieder um. In dieser Gegend war es zu der späten Uhrzeit erschreckend still auf der Straße.
“Ich lass es, wenn er die verdammte Tür aufmacht...!” erwiderte sie ungehalten und drückte ein sechstes Mal. Irgendwo ein paar Häuser weiter begann ein Hund zu bellen.
“Oder du checkst, dass er offensichtlich nicht zuhause ist… Dass er nicht im Park war ist seltsam genug. Er wird wohl kaum einfach zuhause herumsitzen und dabei sein Kommlink ignorieren.” stellte Arrow in einem sachlichen Ton klar, wobei er sich locker gegen die Hauswand lehnte.
Kaum war es nachts, erwachte Arrows tagsüber benebeltes Hirn und er verwandelte sich fast schon in eine Plaudertasche. Sie schenkte ihm nur einen ärgerlichen Seitenblick.
“Ivy, meinst du wirklich dass er uns abzocken will? Ich mein wir haben immerhin 400 pro Nase bekommen und vor allem haben wir den Scheiß überlebt.“ appellierte Lyo an ihre Vernunft.
“Er hat uns den Bonus versprochen. Ich hab mich von Kopf bis Fuß mit Schlamm eingesaut und eins der Viecher wäre mir fast an die Kehle gesprungen!” trotzig schob Ivy das Kinn vor.
Arrow zuckte unbeeindruckt die Achseln und verschränkte die Arme: “Und wenn schon, ich war bis zum Ellbogen in den Eingeweiden eines Critters und beklage mich auch nicht. Komm mal runter.” In einem vorsichtigem, aber ruhigen Tonfall warf Lyo ein: “Wenns dir um deine Klamotten geht, die können wir auch für 5 Pfund waschen lassen. Wollt eh meine Sachen reinigen. Kannst dein Zeug dann einfach dazu schmeißen. Du natürlich auch, wenn du willst Arrow.
Frustriert schnaubte Ivy laut aus: “Können hier eh nix machen. Verfraggtes Arschloch!”
“Der meldet sich schon, ruhig Blut.” Arrow löste sich von der Wand und machte ein paar Schlenderschritte die Einfahrt herunter.
“Hoffe er hat ne verdammt gute Erklärung…” murrte Ivy und versetze der verschlossenen Tür zum Abschied einen wütenden Tritt.
Lyo seufzte als er seinen Freunden folgte. Warum gingen sie nicht auf sein Angebot ein? Passierte es ihm schon wieder dass sein Umfeld ihn ständig ignorierte? Seine Schultern fühlten sich seltsam schwer an, was nur noch von seinem hinab sackenden Kopf bestärkt wurde.
“Was solls!” schnaubte Ivy, als ihr Zorn langsam verrauchte und sie sich über die stillen, unwirklich sauberen Gehwege davon machten. “Also Trev, du hast uns eingeladen?! Na dann… wo ist der nächste Wasch-O-Mat?”
Innerlich zuckte er aufgrund der Nennung seines Namens zusammen, doch im gleichen Zucken freute er sich darüber, dass er nicht vergessen worden war: “Okay! Eure Höschen gehen auf mich!”

 


 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Eugen Moser).
Der Beitrag wurde von Eugen Moser auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • Eugen_moseryahoo.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Eugen Moser als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Tal der gebrochene Puppen: Die Muse von Paul Riedel



Myrte nach Jahren Arbeit als Kunsthändlerin organisiert das Jubiläumsfeier einer Galerie und erprobt sie ein neues Konzept, um ihre Konkurrenten zu überholen. Nur eine Muse kann sie retten.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Science-Fiction" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Eugen Moser

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Zimmer 22 von Eugen Moser (Lebensgeschichten & Schicksale)
Ganymed 1 von Paul Rudolf Uhl (Science-Fiction)
Musikunterricht á la Ganther von Norbert Wittke (Schule)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen