Pei Xu

Spiegelleben

Als ein Junge koreanischer Eltern in Nordchina sechs Jahre alt wurde, wollte
er ein Mädchen werden, nicht nur weil er gerne tanzte.
In der Pubertät begann er, sich für die Jungen zu interessieren. Seinen
männlichen Körper scheint eine weibliche Seele besetzt zu haben.

Als erfolgreicher Tänzer ließ er sich im Alter von 28 Jahren in Peking dreimal
operieren, um endlich seinen Traum zu erfüllen.
Der Adamsapfel, die Bartwurzeln und der Penis wurden der Reihe nach entfernt.
An seinem Körper wurden zwei Busen und eine Vagina künstlich angebracht.
Nach jahrelangen selbstgewählten Torturen durfte er in dem größten
Unrechtsstaat als Frau gelten.
Dort im Staatsfernsehen sieht er attraktiv aus, wie eine schöne Frau.
Nur die Stimme könnte das natürliche Geschlecht verraten.

Ihm reichte nicht aus, Tochter seiner Eltern und Schwester seiner Schwester zu
sein. Er wollte noch Mutter werden, also adoptierte er hintereinander drei
Kinder. 2005 heiratete er einen deutschen Mann, um eine normale Familie zu
bilden und den Kindern einen Vater zu geben.

Er sagte: „Vor dem Spiegel stehend, wurde die erfolgreiche Eitelkeit zum
Deckmantel des Selbstbewusstseins.“
Er wollte sein Leben als Mann nicht führen, wie ihm vorgegeben wurde.
Er tat alles, um sich der himmlischen Bestimmung zu widersetzen.
Ihm ist es auf der weltlichen Ebene auch gelungen, als Frau zu gelten, als
Mutter zu funktionieren und als Prominente anerkannt zu werden.

Einerseits erkannte er: „Um deine eigene Schönheit wirklich zu verstehen,
solltest du den Spiegel wegwerfen und von Anfang bis zum Ende akzeptieren, wie
Du aussahst, als der Himmel Dich in diese Welt warf.“ Andererseits forderte
er:„Wie viel Leiden ich ertragen kann, soviel Leben kann ich vom Himmel
erbitten.“

Das heißt, er respektiert eine himmlische Macht, auch wenn er seinen Willen
zur Frau gegen die himmlische Bestimmung durchgesetzt hat.


II

Ihm gegenüber kommt es einer Exilchinesin vor, als ob in ihrem weiblichen
Körper eine kindliche Seele lebt.
Als Mädchen hatte sie kein Interesse an Puppen und gesellte sich gerne zu den
Jungen.
Sie interessierte sich für jeden, der über mehr Wissen verfügte. Alles andere
spielte für sie keine Rolle.
Der Gedankenaustausch war ihr am wichtigsten.

Sie schminkt sich nicht und verschwendet keine Zeit für ihr Erscheinungsbild.
Wenn es nach ihr ginge, würde sie immer Sportkleidung und Turnschuhe tragen.
Da sie nicht unangenehm auffallen möchte, zieht sie sich auch schick an, wenn
es sein muss.

Sie lässt sich immer von Neugierde treiben.
Als Studentin lernte sie ein taoistisches Kloster kennen und wollte gleich
dort bleiben, wenn es ginge.
Stattdessen studierte sie zu Ende und nahm jede Gelegenheit wahr, um ihren
geistigen Horizont zu erweitern.
Sie hat sich auch auf Liebesbeziehungen eingelassen, aber auf eine Ehe ging
sie nicht ein. Sie kann sich nicht mit Schwangerschaft und Mutterschaft
anfreunden. Um nicht schwanger zu werden, vermied sie lieber
Geschlechtsverkehr.

Ihre einzige Leidenschaft: Nach Wahrheit zu streben und ihre Erkenntnisse zu
teilen.
So prangert sie die Kommunistische Partei Chinas an, sobald sie erkannte, dass
diese seit der Gründung unter der Direktive von Lenin Lügen verbreitet und
Menschen ermordet. Mit Wort und Tat unterstützt sie Personen und Gruppen, die
unter der KP-Diktatur verfolgt werden.

Während sie im Internet dem Chinazi-Regime Widerstand leistet, führt der
einstige Tänzer ein vorbildliches Familienleben in Schanghai, indem er sich
nach der KP-Grundlinie richtet. Im Vergleich zu ihm ist sie heimat-, eltern-,
ehe- , kinder- und besitzlos. Dennoch ist sie dankbar für die Freiheit in
Deutschland.

Ihr Lebensmotto lautet: „Ich möchte dem himmlischen Gesetz folgen, um das
Jüngste Gericht zu bestehen.“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.05.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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