Katja Baumgärtner

Fred

 

 

Fred war 18 Jahre und telefonierte viel.

Er telefonierte so viel, dass diejenigen, die er anrief ihn nicht leiden konnten und ihm schon aufgelegten, wenn er sich bei ihnen meldete. Wenn sie Fred auf der Straße sahen, gingen sie ihm aus dem Weg, grüßten ihn nicht und schauten ihn erst gar nicht an. Darüber wurde der Junge sehr traurig, und er weinte deswegen bei seiner Mutter. Er verstand überhaupt nicht, weswegen ihn niemand leiden konnte. Fred telefonierte auch nur, weil er so alleine war.

Eines Tages lernte er aber am See Eli kennen.

Im Sommer war Fred meistens am See, aber alleine. Trotzdem genoss er es da zu liegen und sich zu bräunen. Manchmal schwamm er sogar. Fred war ein ausgezeichneter Schwimmer, hörte aber auf seine Mutter, die ihn bat, nicht zu weit raus zu schwimmen.

Eli fand Fred gleich nett. Natürlich wusste sie nicht, dass Fred wegen seiner Telefoniererei

unbeliebt und ein Außenseiter war. Sie unterhielten sich prächtig. Beide

sprachen darüber, wie sie ihre Freizeit verbrachten und welche Interessen sie hatten.

Sie beendeten in diesem Jahr ihre Schule und erholten sich gerade von den Prüfungen.

Eli war auch eine gute Schwimmerin und deswegen schwammen beide um die Wette, die Fred gewann.

Danach musste Eli gehen, denn es wurde schon Abend. Sie drehte sich, bevor sie ging noch einmal um, winkte Fred lachend zu und war verschwunden.

Fred wünschte sich nichts sehnlicheres, Eli wieder zu sehen. Er wollte Eli überraschen und fragte, während sie ihre Badesachen einpackte nach ihrem Namen. Er wollte sie anrufen. Fred fühlte sich auf einmal unheimlich stolz, dass er so viel telefonierte.

Das Telefon kam ihm zum ersten Mal zu gute, dachte er. Er wusste jedoch nicht,

dass es keine Möglichkeit gab, die Telefonnummer von Eli ausfindig zu machen.

Als er vom See nach Hause zurückkehrte, griff er nach dem Telefonhörer, ohne seiner Mutter von seinem Glück zu erzählen und stellte fest, dass Elis Telefonnummer nirgendwo verzeichnet war.

Damit hatte Fred nicht gerechnet und keine Chance, Eli zu erreichen. Sie am nächsten Tag am See zu suchen, war umsonst, denn es regnete. Fred sah Eli diesen Sommer nicht mehr. Nur ein Zufall konnte beide noch zusammen bringen, denn Eli kam nicht von der Gegend und da, wo Eli wohnte gab es noch andere Seen. Fred hoffte insgeheim auf den nächsten Sommer.

Nun war Fred wieder allein, und die Leute, die ihn kannten, gingen Fred wegen seiner Telefoniererei weiterhin aus dem Weg. In Gedanken war Fred aber bei Eli, die am See mit ihm um die Wette schwamm und sehr nett war.

Vielleicht würde Fred ein so nettes Mädchen wieder kennenlernen oder vielleicht würde er gar Eli wiedersehen, die er am See liebgewonnen hatte.

 

 

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