Carlotta May

Blossom


Hey, mein Name ist Mia DiGrazia und ich bin aktuell 18 Jahre alt. Zusammen mit meinen beiden Besten Freundinnen lebe ich in einer WG in München. Wir haben vorher in Düsseldorf gewohnt aber sind dann zusammen nach Bayern gezogen um, nachdem wir hier unser Abitur gemacht haben an einer Uni hier vor Ort zu studieren. Meine beiden Mitbewohnerinnen und Freundinnen heißen Nikolet Mentel, obwohl sie es bevorzugt Niki genannt zu werden und Audrey Collins. Wir sind schon seit unserer frühsten Kindheit befreundet, und haben schon so einige Katastrophen gemeistert, zum Beispiel meine letzte grauenhafte Beziehung oder Audreys Auszug von Zuhause, jedoch haben wir immer zusammengehalten.

 

 

 

 

Kapitel 1

Heute ist ein besonderer Tag denn wir feiern heute im Park Nikis 19 Geburtstag.


Audrey und ich haben uns etwas ganz Besonderes für sie überlegt, und zwar wollen wir sie in den Park führen, wo wir dann gemeinsam unter den blühenden Bäumen picknicken. „Niki nun komm endlich.“ schreit Audrey durch den Flur. „Ist ja gut ich komme schon!“ ruft sie aus ihrem Zimmer, und kommt wenige Sekunden später auch schon durch den Flur geeilt. Niki weiß nichts von unserem Plan. Wir haben ihr nur erzählt, dass wir in den Park gehen, der Rest ist eine Überraschung. Wir gehen ins Treppenhaus und Audrey schließt ab. Blitzschnell rasen wir die Treppen hinunter, um den Bus zu erwischen. Als wir gerade aus dem Treppenhaus gerannt kommen hält der Bus gerade an der Haltestelle, welche zu unserem Glück direkt vor unserer Haustür liegt. Der Busfahrer öffnet uns die Tür und wir steigen ein. Wir setzen uns auf einen Dreier Platz, Audrey ans Fenster, Niki in die Mitte und ich nach ganz außen. Der Bus fährt am großen Platz vorbei und an dieser Haltestelle steigt jemand ein. Nikis Augen strahlen vor Freude als sie sieht wer einsteigt. Emilio, ihr „Angebeteter“ seid wir hier auf die Schule gehen. Emilio ist außergewöhnlich groß und seine Augen funkeln in einem matten braun, sein Körper ist von der Sonne braun gebrannt. Auf seinem Kopf wachsen stachelige schwarze Haare, die er immer so gut es geht nach oben gellt. Niki starrt ihn mehr als auffällig an. Als Audrey dies bemerkt stößt sie Niki ihren Ellenbogen in die Seite. Um es mal objektiv zu betrachten sieht Emilio schon nicht schlecht aus mit seinen ganzen Muskeln, aber ich bevorzuge einen anderen Typ Mann. Emilio setzt sich vor uns und lächelt uns an. Ich verdrehe die Augen, doch Niki schmilzt förmlich dahin.

Obwohl sie genauso gut, wie jeder andere weiß das Emilio mit Cindy, der selbstgekürten Schulkönigin zusammen ist kann sie nicht aufhören für ihn zu schwärmen. Nur um kurz zu erläutern Cindy nennt sich nicht die „Queen“ ohne Grund, sie hat blonde lange Haare, blaue Augen und einen Körper, für den die meisten Frauen töten würden. Audrey schlägt die Beine übereinander und dreht sich zum Fenster. Sie mag Emilio nicht, sie findet er ist ein Angeber und Prollet. Womit sie nicht ganz unrecht hat. Niki unterhält sich mit Emilio, während ich einem Ehepaar dabei zusehe, wie sie eine ältere Dame anbrüllen, weil diese den Ausgang mit ihrem Rollator blockiert. Als wir fast da sind sagt Emilio „He Mia halllloooo!“ Ich drehe mich um: „Was ist?“ „Was macht ihr denn so? Audrey will nichts sagen und Niki kann mir nichts konkretes sagen“ sagt er. „Ähm… also wir fahren in den Park, um zu picknicken“ ich sehe zu Niki herüber, welche mich hoffungsvoll ansieht.
Also sage ich „Möchtest du vielleicht mitkommen?“ Er sieht mich erstaunt an, er weiß besser als jeder andere das ich ihn nicht besonders sympathisch finde. An der Haltestelle Rosen Weg steigen wir aus. Es geht mir zwar gewaltig gegen den Strich das Emilio mitkommt, aber was solls es ist schließlich Nikis Geburtstag und wenn es sie glücklich macht, dann halte ich das schon aus. 

Wir gehen an der kleinen Bäckerei vorbei sowie an dem Blumenladen an der Ecke. Doch als wir in die Wilhemsalle einbiegen kommt uns Leo entgegen. Der hat mir gerade noch gefehlt! Jeder aus unserer Schule weiß, dass er in Audrey verknallt ist. Von Natur aus hat er eigentlich schwarze Haare, die er aber blondiert hat. Seine Frisur, wenn man es überhaupt so nennen darf sieht einfach nur so als ob er keinen Kamm besitzen würde oder als ob ein Vogel darin hausen würde.

Eigentlich sieht er nicht schlecht aus, er hat ein markantes Kinn und süße Grüppchen auf den Wangen. Seine blauen Augen zerstören jedoch das Gesamtbild, er sieht aus wie bunt zusammengewürfelt. Heute trägt er seine zerfledderte schwarze Jeans und ein altes ausgeleiertes T-Shirt mit dem Batman Logo, dazu wie immer seine alte Sweatshirt Jacke, die er aus Amerika mitgebracht hat und weiße Sneaker. Um die ganze Pracht abzurunden, schmücken mehrere große Piercings sein linkes und rechtes Ohr. Audrey jedoch hat kein Interesse an ihm. Sie denkt er sei faul und genauso grob und arrogant wie die meisten Jungs auf unsere Schule. Dabei ist er eigentlich das genaue Gegenteil. Ich weiß das so gut, weil er einer von Kaitos besten Freunden ist und ich daher sehr viel Zeit mit ihm verbringe. „Na, Audrey wo geht ihr denn hin?“ sagt er lächelnd, doch sie geht einfach an ihm vorbei, so als ob sie ihn nicht gehört hätte. Lässig wirft sie ihr Haar zurück und stolziert weiter. Niedergeschlagen schaut er auf seine Schuhspitzen. So kann ich ihn doch nicht stehen lassen, außerdem schulde ich ihm noch etwas. „He Leo komm ich lad dich ein“ sage ich, wäre Audrey noch hier würde sie mich böse anstarren doch zu meinem Glück sind sie und die anderen schon weiter gegangen. „Aber Audrey will mich bestimmt nicht sehen“ sagt er. Er will schon gehen, aber ich halte ihn am Ärmel fest. „Nun komm schon du Weichei. So wird sie dich doch nie für voll nehmen.“ Ich will jetzt kein nein hören also packe ich ihn am Ärmel und ziehe ihn hinter mir her. Als wir endlich den Park erreichen sitzen Audrey und die anderen schon auf unserer rosa karierten Picknick Decke. Ich setze mich mit Leo zu ihnen. Die Kirschbäume sehen einfach wunderschön aus, sie stehen in voller Blüte und es duftet süßlich. Audrey holt aus ihrem Rucksack eine Tüte mit Lebensmitteln.! Ich pac ke die Tüte aus und hole eine weitere große Dose aus meiner Tasche. Ich halte Niki die Dose unter die Nase, und sie nimmt sie überrascht an.
Nach einem zustimmenden nicken meinerseits öffnete sie die Dose und ihre Augen beginnen vor Freude zu strahlen. Sie holt einen großen Kuchen aus der Dose. Es ist ihr Lieblingskuchen, ein Schokozimt Kuchen mit rosa Zuckerguss Glasur. Auf dem Kuchen steht in gelber Zuckerguss Schrift „Alles Gute zum Geburtstag.“ Audrey und ich haben ihn gestern Abend extra noch gebacken. Das heißt Audrey hat gebacken und ich habe probiert. Niki fällt uns in die Arme. „Mein Süße, dass hier ist von mir und Audrey für dich.“ Sage ich und überreiche ihr mit feierlicher Geste ein kleines Päckchen. Audrey und ich starren sie gespannt an. Langsam zieht sie die weiße Geschenkschnur auf und versuchte das Papier langsam und ordentlich aufzumachen. Doch dann kann sie sich nicht mehr zurückhalten und reist das Papier auf. „Oh danke! Diese CD habe ich mir schon so lange gewünscht“ kreischt sie. Mit den Fingern streicht sie langsam über das Cover und lächelt. Es handelt sich um eine limitierte und auch noch signierte Version von dem neusten Album von Arianna Grande. Audrey und ich haben wochenlang im Internet danach gesucht, und sind am Ende auch eine ordentliche Stange an Geld losgeworden. Emilio und Leo stehen auf und Emilio sagen „Wir kommen sofort wieder“ beide zwinkern sich zu, sehr verdächtig! Aber ich beschäftige mich lieber mit Niki.
„Heeyy Mia wie geht’s?“ ruft jemand. Ich sehe nach links und rechts, doch da ist niemand der mir irgendwie bekannt vorkommt. Plötzlich wird es dunkel. Jemand hält mir die Augen zu! Ich betaste die Hände, sie sind warm und irgendetwas duftet herrlich nach Mandeln. In dem Moment weiß ich genau wer mir die Augen zuhält. Es gab nur einen den ich kannte der so riecht.
„Ach du bist es Kaito“ sage ich. „Och man!“ er nimmt seine Hände von meinen Augen. Es ist tatsächlich Kaito, ich würde ihn überall erkennen.

Kaito Takemura, süße 19, ist wie es vom Namen her bestimmt schon zu vermuten ist Japaner und um es direkt klarzustellen, ich finde ihn einfach unglaublich attraktiv. Leider sieht Kaito in mir nichts als eine Freundin, und tatsächlich sind wir beste Freunde seit wir hier wohnen. Kaito hat schwarze Haare und dunkelbraune mandelförmige, verführerische Augen. Ein wahrer Traum. Ich begutachte Kaito von Kopf bis Fuß, er trägt eine schwarze Jogginghose und ein weißes Teng Top. Ich kann seine Muskeln sehen, was mir natürlich nicht missfällt. Ich starre sie intensiv an. Niki kneift mich in den Ellbogen, so fest, dass ich zusammenzucke. Ich glaube er kommt vom Sport denn er hat seine Sporttasche dabei.
„Willst du dich nicht zu uns setzen?“ fragt Audrey und dafür liebe ich sie. „Klar wieso nicht. Gibt’s denn was zu feiern? “ Er hockt sich im Schneidersitz neben mich und streicht sich die nassen Haare nach hinten. „Allerdings“ sagt Niki mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. „Und würde mir mal einer sagen was?“ fragt er leicht verwirrt. „Wir feiern meinen Geburtstag“ sagt Niki. Er schüttelt ihr die Hand, offensichtlich peinlich berührt, weil er das nicht wusste.
Da kommen Leo und Emilio wieder, in Emilios Hand baumelt eine große Tüte. Er kniet sich vor Niki und überreicht ihr die Tüte und lässt sein bezauberndstes Prinz Charming Lächeln aufblitzen. Theoretisch wäre dieses Lächeln eigentlich schon Geschenk genug. In der Tüte befindet sich eine kleine Schachtel, und aus der Schachtel holt Niki ein silbernes Armband mit einem Herz Anhänger. „Das ist von Emilio und mir extra für dich gekauft“ sagt Leo. Natürlich legt Niki es sofort an. Das ist glaube ich ein gelungener Geburtstag. Wir quatschen, bis es dämmert. Dann machen Kaito und ich uns auf den Weg etwas zu essen zukaufen. „He Mia?“ „Was ist?“ frage ich. Er kratzt sich verlegen am Hinterkopf.

„Ich wollte fragen ob du, Niki und Audrey vielleicht Lust hättet mit mir Emilio, Leo und noch ein paar Freunden in den Sommerferien ins Strandhaus meiner Eltern zu fahren.“ Verdutzt sehe ich ihn an und er wird rot. Wir betreten einen Laden.
Während Kaito bestellt gehe ich alles nochmal durch, ich muss das erst einmal sacken lassen. Soll ich ja sagen oder nein? Kaito bezahlt und wir gehen „Und hast du es dir überlegt?“ fragt er. „Hör mal Kaito also ich würde gern, aber ich bespreche das noch mal mit den anderen und sag dir dann morgen vorm Unterricht Bescheid ok?“ er nickt.
Es ist schon komplett dunkel als wir wieder bei den andern ankommen.
Wir essen und unterhalten uns weiter. Es wird kalt und ich fange an zu zittern. Audrey hat ihre eigene Jacke dabei so, dass Leo keine Chance hat ihr seine zu leihen. Obwohl ich in seinen Augen sehe das er es trotzdem gerne anbieten würde. Niki kuschelt sich an Emilio und dieser legt seinen Arm um sie. Dieses miese Schwein, er ist mit Cindy zusammen und macht Niki hier solche Hoffnungen. Ich schlinge die Arme um meine Knie, es ist kälter als ich erwartet hätte. Kaito sieht mich an und holt aus seiner Sporttasche eine Sweatshirt Jacke. Diese legt er mir um die Schultern. Sie duftet so herrlich nach Mandeln. Ich lehne mich an ihn und er drückt mich fest an sich. Es ist so schön, aber da muss Audrey mal wieder alles kaputt machen. „So kommt Leute wir schreiben morgen eine Arbeit und sollten schlafen gehen“ sagt sie und steht auf. Niki und ich wissen, dass sie keine Ruhe geben wird, bis wir aufstehen würden. Also gehorchen wir. Kaito ruft mir hinterher „Behalt die Jacke ruhig. Gib sie mir einfach morgen wieder und die Antwort ok?“ ich nicke und lächele ihm zu. Emilio fährt mit uns im Bus und Leo und Kaito nehmen die Bahn. Kaum sind wir durch die Tür in unsere Wohnung gegangen schmeiße ich mich auf die Couch.

„Man Audrey musstest du alles versauen?“ sage Niki schmollend. „Genau! Es war gerade so schön geworden“ sage ich. „Sorry Leute, aber es ist spät und wir schreiben morgen eine Arbeit“ sie geht in die Küche und setzt heißes Wasser auf.

„Ähm, Leute Kaito hat mich was gefragt-“ setze ich an, Niki schreit und unterbricht mich „Hat er dich endlich gefragt, ob du seine Freundin sein willst?“ Sie schlägt sich die Hand vor den Mund und sieht mich hoffnungsvoll an. „Nein das nicht, aber er hat gefragt ob wir mit ihm, Emilio und Leo und ein paar Freunden in den Sommerferien ins Strandhaus seiner Eltern fahren wollen?“ Niki muss nicht lang überlegen und sagt „Klar das wird sicher ein Riesen Spaß!“ Ich weiß das sie nur mit will, weil Emilio mitkommen würde. Ob ihr klar ist das Cindy vermutlich mitkommt? Ich meine sie lässt ihn schließlich nie aus den Augen. Audrey sieht uns an und runzelt die Stirn, doch schließlich sagt sie „Warum nicht wird sicher lustig“ sie lächelt sogar. „Niki hör mal das heute mit Emilio war bestimmt nur so ein kleiner Flirt mit dir“ wechselt Audrey auf einmal das Thema. „Genau wir wollen dich nicht verletzen aber vergiss nicht, dass er mit Cindy zusammen ist“ füge ich behutsam hinzu. Sie entgegnet „Es war sicher ernst gemeint. Ich glaube er wird sich bald von Cindy trennen und zu mir kommen. Und danke das ihr so an mich glaubt!“ sie verzieht den Mund zu einem Schmollmund. Ich werfe ihr ein Kissen ins Gesicht und sie lacht. Sie denkt bestimmt öfter als wir daran das Emilio zu Cindy gehört. Sie weiß all das was wir ihr sagen schon längst. Solange sie damit leben kann werde ich mich zurückhalten, aber sobald er sie zum Weinen bringt sollte er mit gebrochenen Knochen rechnen.

 

 

Kapitel 2

Nun liege ich im Bett, natürlich mit Kaitos Jacke. Sie riecht nach ihm. Ich bin einfach so verschossen in meinen besten Freund, welcher man bemerke mich wie eine kleine Schwester behandelt. Aber die Vorstellung das er womöglich auch gerade an mich denkt ist einfach zu schön. Ach, quatsch als ob Kaito solche Gedanken hätte, das ist bestimmt nicht so. Ich drehe mich zum Fenster und sehe hinaus. Meine rosa Vorhänge flattern im Wind. Der Mond scheint mir direkt ins Gesicht. Ich drehe mich auf den Rücken und starre an die Decke. Ich habe kaum Platz denn mein Bett ist vollgestopft mit Stofftieren. Ich setze mich auf und greife nach meinem Lieblingsstofftier, eine große rosa Katze.
Sie erinnert mich an einen Marshmallow deshalb heißt sie auch so. Ich drücke sie an mich. Ich kann einfach nicht einschlafen. Doch dann nehme ich mir wieder Kaitos Jacke und drücke sie fest an mich. Es duftet so nach ihm, nicht nur nach Mandeln es ist so eine Mischung aus Mandeln und Schweiß. Seit wann macht mich der Geruch von Schweiß an? Ist das normal? Vielleicht ist es nur so weil es mich an Kaito erinnert, quasi ein Teil von ihm. Ich schließe die Augen.
Ein lautes Geräusch weckt mich aus meinem Traum mit einem fliegenden Schwein und mir als Bäuerin. Merkwürdig, aber nicht sonderbarer als sonst.
 Das laute Geräusch kommt von meinem Wecker, den ich über alles hasse. Ich werfe die Decke zu Boden und sehe auf das Ziffernblatt. Es ist bereits 6:30Uhr in einer halben Stunde muss ich unten am Bus stehen. Ich springe auf und rase zum Kleiderschrank, ziehe mein schwarzes Top heraus und meine graue Jeans. Ich greife mir frische Unterwäsche aus dem untersten Fach und sprinte ins Bad. Nach wenigen Minuten bin ich fertig. Das Top ist ganzschön freizügig aber irgendwie auch süß.

Meine Haare binde ich zu einem hohen Zopf zusammen, ich schaue in den Spiegel, ich wünschte ich hätte süße Locken aber mein matt braunes Haar hängt einfach nur schlaff herunter. Ich stecke mir meine Diamant Ohrringe rein und kremple meine Jeans etwas hoch damit sie nicht zu lang ist. Dann renne ich in die Küche, wegen meiner Socken rutsche ich ganz schön herum. Audrey und Niki sitzen schon am Esstisch und essen Cornflakes, sie lächeln mich an. Audrey hat ebenfalls ein Top an aber ein weißes und dazu eine schwarze Leggins in Kombination mit einer weißen Strickjacke. Ihre dunkelbraunen Locken trägt sie heute zu Abwechslung mal offen. Niki hat einen Haarreif in ihren blonden schulterlangen Haaren. Dazu trägt sie eine Türkise Bluse und eine weiße Jeans. Sie sieht wirklich süß aus, wie eine kleine Porzellanpuppe.
Nach dem ich eine Tasse Café getrunken habe und mir ein Toast reingezwungen habe gehe ich erneut ins Bad. Audrey und Niki sind schon fertig geschminkt, aber ich erledigte das jetzt noch schnell und putze mir die Zähne. Danach kommen sie ebenfalls ins Bad und putzen sich die Zähne. Anschließend nehmen wir unsere Taschen und gehen ins Treppenhaus. Niki schließt ab und wir sprinten die Stufen hinunter zum Bus. Als wir die Tür vom Treppenhaus öffnen steht der Bus schon an der Haltestelle. Wir legen einen Letzen Sprint ein. „Guten Morgen Mädels!“ sagt Marianne, die Busfahrerin. „Morgen“ sagt Audrey und geht nach hinten durch „Guten Morgen“ sagt Niki lächelnd und folgt Audrey nach hinten. „Hallo Marianne. Danke, dass du immer auf uns wartest“ sage ich und lehne mich außer Atem gegen die Tür. „Mach ich doch gern“ antwortet sie und grinst mich an. Nachdem ich meinen Atem wieder unter Kontrolle habe gehe ich zu Audrey und Niki. Als wir am großen Platz halten steigt Emilio wieder ein.
 

Er hat seine Haare wie immer nach oben gegellt, ich glaube ja er kennt keine andere Frisur, aber meine Meinung wird ja immer von allen anderen gekonnt überhört. Genauso wie jeden Tag trägt er ein Teng Top dieses Mal ein gelbes und dazu eine abgeschnittene Jeans. Und natürlich durften seine ausgelatschten schwarzen Sneakers nicht fehlen. Er setzt sich neben Niki und Audrey rutscht eins auf und so dass ich allein neben den beiden sitze. Ich stecke mir Kopfhörer ins Ohr damit ich das widerliche gesülzte der beiden nicht hören muss. An der Burgstraße steigen wir aus und gehen den Weg zur Schule hoch. Wir sind alle in derselben Klasse außer Emilios „Besitzerin“ Cindy, diese geht, Gott sei Dank in die Parallelklasse.
 Wir betreten den Klassenraum und verteilen uns auf unsere Plätze. Ich starre die ganze Zeit wie gebannt auf die Tür, um Kaito ja nicht zu verpassen. Plötzlich steht er in der Tür. Ich schiebe den Stuhl zurück und renne auf ihn zu „Hi Kaito!“ sage ich voller Vorfreude auf das was ich sagen werde. „Hey Mia “sagt er und zwinkert mir zu. Ich starre ihn an. So lange bis er mich endlich nach meiner Antwort fragt.
 „Bist du so aufgeregt, weil dein Traummann vor dir steht, oder was?“ fragt er schließlich. „Nein-“obwohl es nicht gelogen wäre das ich jedes Mal aufgeregt bin, wenn er vor mir steht, aber das ist nicht der Punkt. „Ich bin so aufgeregt, weil ich dir nun antworten kann“ sage ich und grinse übers ganze Gesicht. Er sieht mich kurz so an also ob er nicht wüsste, wovon ich rede, doch dann begreift er. „Ja und kommt ihr mit?“ Ich nicke und wir klatschen uns ab. Da kommt Herr Gellert unser Englisch Lehrer. Wir setzen uns und der Unterricht beginnt, ich schiele unauffällig zu Kaito rüber und begutachte ihn von Kopf bis Fuß, er trägt wieder eine Jogginghose aber dieses Mal eine graue. Und darauf ein weißes T-Shirt, seine Haare sind leicht nach oben gegellt. Er hat sein Gesicht in die Hände gestützt und döst vor sich hin.

Vorsichtig reiße ich aus meinem Heft ein Blatt heraus und forme kleine Papierkügelchen, von denen ich eines der Kügelchen zu ihm rüber schnipse und damit seinen Kopf treffe. Er sieht zu mir herüber, lächelt und legt zwei Finger an die Schläfe. Ich liebe ihn einfach für sein Lächeln. In der Pause gibt es in der Mensa wie an jedem Montag Kartoffelauflauf. Widerliches Zeug. Franny, unsere Köchin kümmert sich mehr um ihr Aussehen als ums Essen. Kaito und Leo setzen sich zu uns an den Tisch, doch Emilio setzt sich zu Cindy. Wir alle können sehen, wie Niki das quält. Verdammt ich habe ja ganz vergessen Kaito seine Jacke wieder zu geben. „Sorry Kaito mir fällt gerade ich habe deine Jacke vergessen“ „Ist doch nicht schlimm ich wollte doch heute eh zum Lernen vorbeikommen“ antwortet er gelassen. Oh Gott, das habe ich total vergessen. Wir zwei wollten ja für Mathe lernen. Ich zwinge mich die ekelige Pampe hinunter zu schlucken. Es schmeckt grässlich. Kaito lacht als er sieht, wie ich mich dazu zwinge etwas zu essen. Ich grinse ihn an und er zwinkert mir zu. Mit einem großen Schluck Cola spüle ich das ganze hinunter.
Nach der Mittagspause haben wir Biologie. Ein Fach das ich mehr als langweilig finde. Kaito ist mein von Frau Lind bestimmter Laborpartner. Frau Lind ist eine groß gewachsenere Frau mittleren Alters, aber da sie immer einen strengen Dutt trägt wirkt sie sehr viel älter. Kaito stellt unser Bio-Buch als Abschirmung vor uns auf und wir fangen an uns zu unterhalten. „Kaito, Mia passt gefälligst auf. Flirten könnt ihr später“ schimpft Frau Lind. Ich muss mir ein Lachen verkneifen, obwohl mir die Situation schon peinlich ist. Ich schaue an die Tafel Frau Lind versucht der Klasse zu erklären wie das Nervensystem des Menschen funktioniert. Ich gebe wirklich mein bestes mich auf den Unterricht zu fokussieren, aber es hilft alles nichts. Kaito stößt mich in die Seite, woraufhin ich zusammenzucke und er mich amüsiert angrinst. Der Typ ist einfach unglaublich, da fängt der doch tatsächlich an mich zu kitzeln. Krampfhaft versuche ich das Lachen zurück zu halten, aber dann bricht es aus mir heraus. „Mia!“ schreit Frau Lind „Ich kann nichts dafür es war Kaitos schuld“ ich deute mit dem Finger auf Kaito welcher mich entsetzt ansieht so als wäre er hier das Opfer. „Mia, Kaito geht vor die Tür“ sagt sie und wir trotten zur Tür. Kaito setzt sich auf die schwarze Bank neben der Tür, ich setze mich auf die Bank auf der anderen Seite des Flures. Wütend verschränke ich die Arme vor der Brust und sehe bockig auf den Boden. „Jetzt sei doch nicht sauer Mia. Das war doch nur Spaß“ sagt er, worauf ich nichts antworte. Er zieht Grimassen, um mich zum Lachen zu bringen, doch ich bleibe stur. Er steht auf und setzt sich neben mich, bockig rutsche ich weg. Er kommt mir hinterher „Nun komm schon“ sagt er und klingt ein bisschen verzweifelt was mich nur ein ganz Klitzekleines bisschen erfreut. Er hebt mein Kinn an und zwingt mich so dazu ihn anzusehen. Er grins! t mich a n und hebt seine rechte Augenbraue. Ach Mensch! Wenn er so ein Gesicht macht muss ich ihm einfach verzeihen. Ich schubse ihn spielerisch so, dass er von der Bank fällt. Auf dem Boden sitzend fährt er sich mit den Fingern durch die Haare so dass ich seine Augen funkeln sehen kann. Ich habe das plötzliche Verlangen mich auf ihn zu stürzen und ihm mit den Fingern durch die Haare zu fahren.

Kaito steht gerade wieder auf als die Tür auf geht und Frau Lind uns wieder in die Klasse holt. Wir setzen uns wieder, und kaum bin ich wieder Teil des Unterrichtes fällt mir wieder ein das Kaito ja später zu mir kommen wird. Ich starre auf die Uhr, noch zehn Minuten. Ich habe das Gefühl die Zeit würde stehen bleiben. Als die Schule um 14:30Uhr vorbei ist stehe ich mit Kaito an der Haltestelle. Audrey ist unterwegs zu ihrem Job und Niki hat noch einen Sprachkurs. Wir werden also ganz allein sein.

Mein Herz klopft wie wild. Was werden wir nur machen? Er steht neben mir und hält in der rechten Hand seine weiße Sporttasche. Ach was, wir werden nichts machen außer lernen. Kaito ist einfach nicht der Typ der hemmungslos wird. Außerdem ist es ja nicht das erste Mal, dass wir alleine sind. Da ist mal wieder meine Fantasie mit mir durchgegangen. Der Bus kommt und bremst quietschend vor uns.
Der Fahrer will unsere Tickets sehen. Kaito steigt als erstes ein und holt aus seiner Hosentasche sein Portemonnaie, um seine Karte dem Fahrer zu zeigen. In der Zeit suche ich vergebens nach meinem Portemonnaie, doch es ist weg. Ach stimmt ja, es liegt auf meinem Schreibtisch. „Kein Ticket? Dann musst du dir eins kaufen“ grummelt der Fahrer. „Ich habe aber mein Portemonnaie nicht dabei“ „Dann musst du zu Fuß gehen“ sagt der massige Kerl.
Ich will gerade aussteigen als jemand ruft „Warte ich zahle das Ticket.“
Ich drehe mich um und sehe Finn, den Mieter zwei Wohnungen unter uns hinter mir. Er bezahlt das Ticket und reicht es mir durch. Kaito hat von all dem nichts mitbekommen, er sitzt schon und hat Kopfhörer in den Ohren. Er hört ein Stück von ACDC. Ich weiß das, weil er immer so laut stellt, dass der ganze Bus mithören kann. Ich gehe durch die Schranken als Finn ruft „He ist es schön dem Mädchen auf den Arsch zu glotzen?“ Ich erröte und drehe mich blitz artig um, der dickliche Busfahrer hat sich herüber gelehnt und seine dicken Finger schon ausgefahren. Ich gebe ihm eine Backpfeife und zische hinüber zu Kaito. Ich setze mich gegenüber von ihm und Finn nimmt neben mir Platz. Finn ist 23, studiert Kunst und hat strohblondes Haar und dunkelbraune Augen. Es sieht leicht seltsam aus muss ich zugeben.
Ich bemerke das Kaitos Augen jeder seiner Bewegungen folgen. Da Kaito nicht den Anschein macht als wolle er sich mit mir unterhalten, unterhalte ich mich eben etwas mit Finn.
Als wir aussteigen bleibt Finn sitzen, wie er eben berichtet hat, hat er heute noch eine wichtige Vorlesung in der Uni. Irgendwie ist die Stimmung mies als ich aufschließe. Wir gehen in die Küche und ich setze uns heißes Wasser auf. Kaito schaltet die Musik aus und fragt „Was machst du da?“ „Naja ich habe Hunger und mache uns Nudel Cup.“ Der Wasserkocher zischt als ich das Wasser in die Becher gieße. Still und schweigsamen essen wir ohne jedwede Art von Konversation. Anschließend gehen wir in mein Zimmer zum Lernen. In meinem Zimmer lässt Kaito erst mal seinen Blick durch den ganzen Raum wandern und setzt sich schließlich auf mein überfülltes Bett. Während ich den Schreibtisch freiräume sagt er lachend „Du hast immer noch zu viele Stofftiere“ er spielt mit Marshmallow. Diesen Spruch bringt er jedes Mal, wenn er hier ist. Ich ignoriere ihn und räume weiter. Als dies beendet ist gehe ich zur Tür „Wo gehst du hin? “ „Ich geh noch einen zweiten Stuhl holen“ antworte ich. „Komm das geht schon“ er setzt sich auf meinen Drehstuhl und zieht seine Jacke aus. Ich weiß nicht so recht was er mit dieser Aussage genau meint also bleibe ich erst einmal stehen. Plötzlich packt er mich am Arm und zieht mich auf seinen Schoss. Ich hoffe das er nicht spüren kann wie heftig mein Herz schlägt. „Siehst du! Geht doch“ ich werde rot. Aus Panik er könnte es bemerken schaue ich schnell weg und schlage das Mathe Buch auf. Er klappt es wieder zu und legt seine Hand auf meine. „Wer war dieser Typ aus dem Bus“ raunt er mir ins Ohr. Ich drehe mich zu ihm um, ist er etwa rot geworden? „Das war nur Finn er wohnt auch hier im Haus. Wieso? Bist du etwa eifersüchtig?“ „Ich bin nur besorgt.“ Ich bemerke sofort das er lügt, er kann einfach nichts vor mir geheim halten. Außer das was er über mich denkt. Ich seh! e ihm ei nfach immer in seinen Augen an wann er lügt.

 

Kapitel 3

In mir kommt der Drang auf ihm einen Kuss zu geben. Es juckt mich in den Fingern ihn zu verwirren, ihn mir meinem Handeln zu überrumpeln. Der Drang wird zu stark und ich entschließe mich ihm einen Kuss auf die Wange zugeben, wenigstens etwas. Ich will übermitteln: Mach dir keine Sorgen, mein Herz gehört nur dir. Er schlingt seine Hände um meine Taille und drückt mich gegen die Wand. Sein Gesicht kommt immer näher so nah, dass ich seinen Atem spüren kann. Ich kneife die Augen zusammen, mit der Situation bin ich vollkommen überfordert. Mein Herz klopft bis zum Hals, es fühlt sich so an als würde es gleich aufhören zu schlagen. Mein Gesicht ist bestimmt knallrot, die Hitze von 1000 Sonnen strömt durch meinen ganzen Körper. Ich fühle mich als stände ich in einem aktiven Vulkan. Ich öffne vorsichtig meine Augen, seine Lippen kommen meinen immer näher, doch dann lässt er mich los und verlässt das Zimmer. Ich sacke zusammen, ich weiß nicht was gerade passiert ist, aber mir ist es unendlich peinlich. Meine Knie zittern. Was war los? War er wirklich eifersüchtig? Auf Finn? Das sollte doch bloß ein Witz sein.

Als ich mich wieder beruhigt habe stehe ich auf und gehe in die Küche. Kaito sitzt am Küchentisch und starrt Löcher in die Wand. Ich setze mich neben ihn „He Kaito was ist los mit dir“ er reagiert nicht. Ist er jetzt sauer auf mich? Habe ich etwas falsch gemacht? Ich sehe geknickt auf den Tisch, vorsichtig schiele ich zu ihm herüber. Er sieht in dem Moment auch zu mir herüber und unsere Blicke treffen sich. Ich kann ein Knistern förmlich hören. „Hör mal Mia …. Das eben bitte vergiss das, ja? Es kam einfach so über mich!“ er sieht peinlich berührt auf den Tisch. Ein kleines Schmunzeln huscht über mein Gesicht, ich stehe auf und umarme ich ihn von hinten.

Er zuckt zusammen, als hätte er einen Stromschlag bekommen. Er schiebt den Stuhl nach hinten und steht auf, dreht sich um und kommt immer näher, seine Nasenspitze berührt schon meine. Ich schließe die Augen und spitze die Lippen in Erwartung eines Kusses. Doch dann sagt er „So lass uns lernen!“ und geht zurück in mein Zimmer. Was war das denn? So kurz vorm Kuss! Wir lernen in Stille bis 20:00 Uhr. Es gab keine weiteren Annäherungsversuche seinerseits, obwohl ich sehnlichst darauf gewartet habe. Er steht an der Tür und will gerade gehen als mein Handy klingelt. Ich ziehe es aus der Hosentasche und nehme den Anruf an. „Hallo?“ „Ja ich bin’s Audrey es wird heute sehr spät also bin wohl erst gegen halb 5 Uhr morgen früh zurück. Es tut mir leid!“ „Schon okay ich habe ja noch Niki“ sage ich.
„Alles klar pass auf dich auf. Es soll in letzter Zeit viele Einbrüche in unserer Gegend gegeben haben also schließ bitte ab“ ich kann sie kaum verstehen, weil es im Hintergrund so laut ist. Ich muss kurz drüber nachdenken dann antworte ich „Alles klar ich schließ ab. Bye“ „Bye.“ sagt Audrey und legt auf.
Dann klingelt mein Handy erneut, dieses Mal ist es Niki.
 „Hallo Süße! Ich bin noch mit Emilio und anderen ein bisschen feiern wird also spät. Bye!“ sie legt auf. Na super, jetzt werde ich allein sein. Ich! Wo ich doch so ein Angsthase bin. „Alles okay Mia?“ fragt Kaito. „Ja alles okay ich werde nur heute allein sein Zuhause“ ich versuche zu lächeln, aber es ist mehr so ein trauriges, verzweifeltes Lächeln. „Hast du etwa Angst allein? “ fragt er, ich entgegne schnell „Nein eigentlich nicht, aber hier soll ja so viel Eingebrochen worden sein, es ist einfach etwas beängstigend daran zu denken allein zu sein, wenn jemand einbrechen würde.“ „Okay, dann steht es fest, ich bleibe heute hier!“ Er ist so schnell wieder in der Wohnung das ich keine Zeit habe etwas zu entgegnen. Ich schließe die Tür und gehe in mein Zimmer.
 

Kaito sitzt auf dem Boden und sieht mich an. Ich gehe in den Abstellraum, denn da ist soweit ich weiß noch eine alte Luftmatratze. Ich versuche das alte Ding aus einem Regal zuziehen, sie ist zwischen alten Büchern eingeklemmt. Ich ziehe feste an der Luftmatratze aber sie bewegt sich nur ein kleines Stück. Mit aller Kraft ziehe ich an der Matratze und das aus Holz gebaute Regal gibt nach. Es gibt einen lauten Knall als das Regal über mir zusammenbricht. Kurze Zeit später höre ich Kaito. Er reißt die Tür zur Abstellkammer auf und entdeckt mich. Ich liege auf dem Boden und der gesamte Inhalt so wie das Regal stapeln sich auf mir. Ich versuche mich aus dem riesigen Haufen zu befreien aber das Regal ist einfach zu schwer. „Sieht aus, als ob du Hilfe gebrauchen könntest“ sagt Kaito mit einem gemeinen Grinsen. „Nein ich brauche keine Hilfe VON DIR!“ sage ich mit einer zickigen Art. „Gut dann geh ich wieder“ sagt er und geht tatsächlich. Will er mich nun wirklich hier so liegen lassen? Doch da taucht sein Gesicht auch schon wieder in der Tür auf „Außer du sagst das du Hilfe brauchst.“ Er macht das mit Absicht, dieser Idiot! Aber er ist gerade meine Einzige Chance. „Ich brauche deine Hilfe!“ nuschele ich. „Wie war das? Ich kann dich nicht hören“ sagt er. Er genießt das gerade so sehr, ich spüre es. Ich schreie „Ich brauche deine Hilfe!“ Er grinst und geht in die Hocke und stemmt das Regal hoch. Ich klettere unter dem Haufen hervor. Kurz bevor er das Regal wieder fallen lässt ziehe ich die Luftmatratze noch unter dem Regal hervor. „Ach deshalb warst du also hier“ sagt er und fügt noch hinzu „Das wäre doch nicht nötig gewesen wir hätten auch in einem Bett schlafen können“ er grinst und ich werde rot, im ganzen Gesicht, komplett. Ich bringe die Matratze ins Zimmer und gehe zur Haustür und schlie&s! zlig;e n och einmal auf. „Was hast du vor?“ fragt Kaito und lehnt im Türrahmen.
„Ich will mir nur eine Luftpumpe von Frau Martin leihen“ sage ich und klinge bei Frau Martin nebenan.

 Frau Martin. Frau Martin ist eine alte alleinlebende Frau. Sie hat eine Dauerwelle aus grauen Haaren und sehr viele Falten. Auf ihrer Nase sitzt eine kleine Nickelbrille. Sie sieht aus, wie die perfekte Oma, naja wenn man den Charakter nicht mitzählt dann schon. Sie schaut immer bis tief in die Nacht fern, und nicht solche Dinge wie den Bingo Channel, sondern sowas wie Dirty Paradise und allerhand solcher Dating Sendungen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie noch immer wach ist, also muss ich sie nicht wecken. Frau Martin öffnet die Tür „Oh hallo Mia dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen“ sie setzt ein breites Lächeln auf und sagt „Ist das etwa dein Freund?“ Ich drehe mich um und sehe Kaito in der Tür unserer Wohnung stehen. Mir wird wieder heiß vor Aufregung. „Nein wir sind nur Freunde“ stammele ich und schiele zu Kaito herüber, um zu sehen, ob sich irgendeine Reaktion zeigt.

„Ja ja, das hör ich oft“ sagt sie und ich weiß in diesem Moment genau an was sie denkt. „Was möchtest du denn?“ fragt sie „Ich würde mir gerne mal ihre Luftpumpe ausleihen? Geht das?“ frage ich. „Aber natürlich. Warte kurz liebes“ antwortet sie. Dann schlurft sie den Flur entlang und kommt kurze Zeit später mit der Pumpe in der Hand wieder. „Danke Frau Martin “ sage ich. „Keine Ursache, aber du kannst mich doch Betti nennen“ dann zieht sie mich zu sich runter und flüstert „Und euch noch viel Spaß! Und treibt es nicht zu wild, die Wände sind nicht sehr dick.“ Sie zwinkert und knallt mir die Tür vor der Nase zu, bevor ich noch etwas sagen kann. Leicht geschockt gehe ich in die Wohnung zurück. Kaito bläst die Luftmatratze auf, während ich mich im Bad fertig mache. Ich ziehe mein Nachthemd an, es handelt sich um ein pfirsichfarbenes Top und eine kurze schwarze Hose. Meine Haare lasse ich zusammengebunden, nur für den Fall der Fälle. Als ich fertig angezogen bin schminke ich mich ab und das dauert sehr lange denn meine Hände zittern vor Nervosität. Es ist lange her das Kaito mal hier übernachtet hat, und sonst hat er immer im Wohnzimmer geschlafen. Doch seit wir das neue Sofa haben ist das leider unmöglich. Als ich nach 10 Minuten fertig bin, knipse ich das Licht im Bad aus und gehe zurück in mein Zimmer. Kaito liegt ausgestreckt auf der Matratze und mustert mich von oben bis unten. „Sexy“ sagt er und zwinkert mir zu. Ich werfe mich zur Show in Pose und er lacht, woraufhin ich erneut rot werde. Viel zu nervös zum Schlafen frage ich schließlich „Wollen wir nicht noch einen Film oder so schauen?“ er sieht mich an „Klar wieso nicht, an welchen hatte die junge Dame denn gedacht?“ Ich hatte um ehrlich zu sein noch an Garnichts gedacht. Ich denke angespannt nach „Wie wäre es ! mit Roro uni Kenshin?“ ich hoffe das er genauso versessen auf solche Filme ist wie ich. „Welcher Teil?“ seine Augen leuchten „Ich habe Kyoto Inferno und The Legend Ends“ antworte ich. „Ich persönlich wäre für Kyoto Inferno.“ Ich nicke und atme erleichtert aus. Ich lege die DVD ein und deute Kaito an sich auf mein Bett zu setzen, um besser sehen zu können.

Nun sitzen wir beide also hier, eng aneinander gerutscht und sehen zu wie Kenshin gegen den verbrannten Attentäter Shishio kämpft. Es ist etwas kühl, doch ich möchte im Moment nicht aufstehen und den dunklen Flur entlang gehen, um mir unsere Ersatz Decke aus dem Wohnzimmer zu holen.
Anscheinend hat Kaito bemerkt das ich friere, denn er hebt seine Decke vom Boden auf und wickelt uns beide darin ein. Nun schmiegen sich unsere Körper aneinander und wir kuscheln. Es ist so ein schönes, wohlig warmes Gefühl in seinen Armen zu sein. Ich sitze vor ihm und er schlingt seine Arme von hinten um mich und zieht mich an seine Brust. „Sonst kann ich nichts sehen“ flüstert er mir ins Ohr und ein Kribbeln breitet sich vom Hals an in mir aus. Unter der Decke suchen meine Finger die seinen und als ich sie schließlich finde umklammere ich sie fest.

 In mir glimmt der Funken Hoffnung, den ich eigentlich löschen wollte, weil er zu viel Rauch und Illusionen produziert erneut auf. Darf ich etwa doch hoffen das Kaito mehr in mir sieht als seine beste Freundin? Ich bin viel zu nervös, um mich auf den Film zu fokussieren, und als er dann noch sein Kinn auf meiner Schulter abstützt und mich seine Haare im Nacken kitzeln ist auch der letzte Rest Selbstbeherrschung dahin. Kaitos Finger streicheln meine und er malt kleine Kreise mit dem Daumen auf meinen Handrücken. Es ist ein so schöner Moment, den ich am liebsten anhalten und für immer ansehen würde, doch da ist der Film schon vorbei. Die Zeit verging, wie im Flug, und durch Kaitos Kuschelaktion habe ich nur die ersten 15 Minuten mitbekommen. Kaito knipst mein kleines Nachtlicht an und klettert hinunter auf sein Bett. Ich bin traurig als er seine Arme von mir nimmt, doch ich kann seine Wärme und seine Berührungen noch immer spüren. Es kribbelt am ganzen Körper und ich danke Gott das ich mich in Kaito damals verliebt habe. Ich sehe zu Kaito hinunter und stelle fest, dass er in seinen Klamotten schlafen will.
 „Wenn du willst kann ich nachschauen ob noch Klamotten von meinem Bruder hier sind?“ sage ich, doch Kaito lehnt dankend ab. Während ich mich schon einmal ins Bett lege geht Kaito ins Bad und ich lasse noch einmal die letzten paar Stunden Revue passieren, der beinah Kuss, das Kuscheln, alles Momente, die ich niemals vergessen werde. Als er wieder kommt tue ich so als ob ich schon schlafen würde. Ich höre wie die Luftmatratze unter seinem Gewicht quietscht, ich höre das Rascheln der Decke und ein leises Räuspern. Der Mond scheint hell durchs Fenster. Ich bin zu nervös, um zu schlafen, ich meine mein Schwarm liegt bei mir im Zimmer, direkt neben mir, in greifbarer Nähe. Wie könnte man da ruhig schlafen?
 Ich sehe auf den Wecker, bereits 2:00 Uhr, langsam muss ich schlafen.  Meine Augenlider werden auf einmal ganz schwer und ich schlafe ein.

Kapitel 4

Plötzlich höre ich ein lautes Geräusch und schrecke hoch. Ich schaue auf den Wecker es ist 3:00 Uhr. „Psssstttt Kaito“ flüstere ich, doch es kommt keine Antwort. Ich setze mich auf und sehe über die Bettkannte. Er liegt auf dem Bauch und seine Arme baumeln von der Matratze. „Psst, Kaito“ zische ich erneut. Der Kerl schläft doch tatsächlich weiter. Also nehme ich mein Kissen und werfe es ihm mit voller Wucht auf den Kopf. Er nuschelt „Was ist?“ „Kaito es ist jemand in der Wohnung!“ sage ich und es ertönt ein lautes Poltern. Kaito schreckt hoch „Du hast Recht! Komm, wir gehen nachsehen.“ Er steht auf und öffnet leise die Tür. Leise und besonders vorsichtig folge ich ihm. Er nimmt sich einen Regenschirm aus dem Ständer im Flur und geht langsam in Richtung Tür. Dieser Schirm ist bestimmt eine super Waffe. Ich halte etwas Abstand zu ihm. Sollte tatsächlich jemand fremdes in der Wohnung sein ist Kaito ein besserer Schutzschild als ich. Das Schloss an der Tür ist aufgebrochen und auch die Tür selbst weist Spuren von roher Gewalt auf. Wir hören ein Knacken und Knirschen, welches aus Audreys Zimmer zu kommen scheint. Wir schleichen uns Ninja mäßig durchs Wohnzimmer in Richtung Audreys Zimmer. Kaito schiebt mich weiter hinter sich als wir vor Audreys Tür stehen. Er spielt gerade unübersehbar den Helden, doch ich liebe es, wenn er mich beschützt und mir das Gefühl gibt etwas wertvolles zu sein. Mit einem kräftigen Ruck stößt Kaito die Tür zu Audreys Zimmer auf und tritt ein. In ihrem Zimmer steht eine Person in schwarzer Kleidung samt Sturmmaske.
Die Person hat ihre Hände in Audreys Schmuckkästchen als wir in ihr Zimmer stürmen. „He wer bist du!“ ruft Kaito aggressiv wie eh und je.
Der Einbrecher dreht sich um und antwortet schnippisch „Ich bin jemand.“

Er verzieht seinen Mund zu einem gemeinen Lächeln. „Los Mia ruf die Polizei“ weist Kaito mich an. Der Dieb zuckt zusammen bei dem Wort Polizei und stürmt auf Kaito zu. Dieser lässt den Schirm fallen und stellt sich dem Flüchtenden breitbeinig in den Weg. Der Einbrecher weicht Kaito geschickt aus und rennt auf mich zu. Ich bin vor Schreck wie erstarrt und bleibe regungslos im Weg stehen. Er hebt seine Faust und holt zum Schlag aus, welcher genau auf mein Gesicht zielt.
 Vor lauter Panik schließe ich die Augen und wartet auf den Schlag, doch zu meinem Überaschen trifft keine Faust mein Gesicht. Langsam öffne ich die Augen.
Kaito hat sich vor mich gestellt und hält das Handgelenk des Einbrechers fest umklammert. Er starrt ihn zornig an, die Augen voller Hass und Abscheu.
Der Einbrecher verzieht schmerzhaft das Gesicht und starrt Kaito an.
Dieser hält das Handgelenk so fest umklammert, dass ich für einen kurzen Moment denke ich hätte Knochen knacken gehört. Der Dieb will sich losreißen, doch Kaito packt mit der anderen Hand seinen Oberarm und wirft ihn mit voller Wucht über die Schulter. Ich weiß ja das Kaito Kung Fu macht aber, dass er so gut ist hätte ich nie gedacht. Hätte der Einbrecher dies ebenfalls gewusst hätte er sich bestimmt nicht mit Kaito angelegt. Der Fremde bleibt auf dem Boden liegen und macht auch keine Anstalten wieder aufzustehen. Ich schiele vorsichtig zu Kaito herüber und entdecke kleine Schweißperlen auf seiner Stirn.
Als er meinen Blick bemerkt, wischt er sich die Schweißperlen schnell von der Stirn. „War gar nicht anstrengend!“ sagt er grinsend. Der Dieb rührt sich immer noch nicht. „Du hast ihn doch nicht etwa umgebracht?“ frage ich Kaito, dieser sieht mich bestürzt an und schüttelt wild den Kopf. „Natürlich nicht, was kann ich denn dafür das der Typ so einen einfachen Wurf nicht packt.“
 

„So nun lass uns doch mal schauen wer unter der Maske steckt.“ sage ich, um Kaito daran zu hindern mit mir eine Diskussion anzufangen.
Langsam beuge ich mich hinunter und ziehe dem Einbrecher die Maske vom Gesicht. Ich kann es einfach nicht glauben wessen Gesicht ich unter der Maske entdecke. Die Person, die versucht hat, uns auszurauben ist jemand der mir nur allzu gut bekannt ist. Ich sehe sein Gesicht jeden Morgen am Bus, ich grüße ihn jedes Mal, wenn ich ihn sehe.ES IST FINN!
Aber das kann doch nur ein schlechter Witz sein? Doch er ist unverwechselbar, seine Strohblonden Haare und das Grüppchen im Kinn. Mir steigen Tränen in die Augen. Hat er mich etwa nur benutzt? Die ganzen Ausflüge die wir alle zusammen gemacht haben, unsere gemeinsamen Partys hier. War das alles für ihn wertlos, wollte er nur auschecken ob hier bei uns was zu holen ist. Kaito umarmt mich und ich drücke ihn fest an mich. Er schiebt mich von sich weg und sieht mir ins Gesicht, seine Augen starre in mein Innerstes und Übertragen eine gewisse Ruhe auf mich.
„Wir sollten jetzt besser die Polizei rufen. Okay?“ Ich wische mir die Tränen weg und nicke. Kaito bewacht Finn der immer noch auf dem Boden liegt und keinen Ton von sich gibt, während ich das Telefon aus der Station in der Küche hole.
Ich unterhalte mich mit einer Frau, sie sagt mir das ich ganz ruhig bleiben soll und eine Streife in Kürze eintreffen wird. Als ich zurück in Audreys Zimmer gehe ist Finn wieder bei Bewusstsein. Kaito sitzt auf seinem Rücken, so dass er sich nicht weiterbewegen kann. Die beiden haben mich noch nicht bemerkt also husche ich ganz schnell hinter die in den Flur geöffnete Tür und lausche.
Kaito und Finn führen gerade eine hitzige Debatte.

 

„Du hast Mia verletzt du Arsch! Wie konntest du nur?“ sagt Kaito wütend, er schreit die Worte schon fast. „Man lass mich doch! Ist doch nicht dein Problem! Ich wollte nur in ihre Wohnung, mein Gott hast du gesehen was hier für Zeig rumsteht?“ keift Finn. „Du sagst es geht mich nichts an, aber es geht mich sehr wohl etwas an.“ brüllt Kaito und seine Stimme überschlägt sich dabei. „Junge sie ist nicht deine Freundin und ihr seid auch nicht schon ewig zusammen. Also was willst du eigentlich? Du hast kein Recht dich hier als Held aufzuspielen. Du bist nur einer von vielen für sie. Und geh von mir runter.“ brüllt Finn zurück. Für eine kurze Zeit herrscht toten Stille. Langsam beuge ich mich vor und linse in den Raum hinein. Kaito sitzt immer noch auf Finns Rücken und starrt die Wand an. Ich glaube sein Gesicht ist rot, entweder vor Scham, was sehr unwahrscheinlich ist oder eher vor Wut. Ich habe ihn noch nie zu vor so brüllen gehört. Dann sagt er „Sie ist zwar nur eine Freundin, aber sie ist mir wichtiger als jeder sonst“ entgegnet Kaito. Ich bin enttäuscht als ich höre das ich „nur“ eine Freundin bin. Er sagt etwas so leise, dass ich es kaum verstehen kann, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er so etwas gesagt das wie „Von wegen nur.“ Er rauft sich die Haare.
 Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer und ich spüre auf einmal das Klopfen bis zum Hals. Ich würde jetzt am liebsten rein stürmen und ihn umarmen, doch da klingelt es an der Tür. Ich schrecke hoch und renne zur Tür. Die Polizisten stehen schon im Flur da die Tür nun sowieso dauergeöffnet ist. Im Flur stehen eine schwarz haarige Frau mittleren Alters und ein Mann Mitte 50.Ich führe die beiden in Audreys Zimmer und erkläre ihnen auf dem Weg dahin was passiert ist.
Die Frau notiert sich alles akribisch. Als wir in Audreys Zimmer ankommen steht Kaito von Finns Rücken auf. In diesem Moment springt Finn auf und ergreift die Flucht.
Die Polizisten jagen ihm durch die Wohnung hinterher und schließlich schnappen sie ihn in der Küche. Sie legen ihm Handschellen an und führen ihn zu Tür.

Bevor er raus geht ruft er mir zu „Sorry, aber du warst nur ein Mittel zum Zweck“ dann wird er abgeführt. Mein Hals brennt, es fühlt sich an, als ob in ihm ein Feuer brennen würde. Ich spüre wie die Tränen in meinen Augen aufsteigen. Ich versuche sie runter zu schlucken, doch sie brechen aus mir heraus.
Sie laufen einfach weiter, ohne zu versiegen. Ich bin einfach so verletzt von Finns Worten, ich hatte ihn echt gern. Kaito kommt angelaufen und schließt mich in den Arm. Meine Tränen laufen über seine Schulter und durchnässen sein Shirt.
Er drückt mich fester an sich, er drückt schon fast zu fest. Es tut fast schon weh im Rücken. Ich drücke mich langsam von ihm weg und sehe ihn an. Röte leuchtet auf seinen Wangen und dennoch strahlen seine Augen einen solchen Schmerz aus, dass es mir das Herz zusammenschnürt. Ich versuche zu lächeln, aber ich kann es irgendwie nicht glaubwürdig rüberbringen. Er hebt seine Hand und wischt mir die Tränen aus den Augen. Ich lächele, aber dieses Mal richtig. Wir gehen nach meiner beendeten Weinerei durchs Treppenhaus zur Straße.
Vor der Tür steht ein Polizei Auto mit Blaulicht. Finn sitzt auf dem Rücksitz und sieht aus dem Fenster. Die Polizistin quatscht über Funk mit der Zentrale. Ihr Partner sitzt bereits im Wagen. Finn sieht mich an und grinst böse.
 Ich klopfe an die Fahrer Scheibe und der Polizist fährt das Fenster herunter. „Würden sie das hintere Fenster einmal kurz herunterfahren?“ frage ich ihn mit einem gespieltem lächeln. Es fällt mir schwer die Fassung zu bewahren. Der Mann mustert mich durchdringend und öffnet dann das hintere Fenster. „Danke sehr“ sage ich freundlich. Mit einem fast schon gruseligem lächeln gehe ich zu Finn ans Fenster

„Na Schneckchen bist du schon über mich hinweg?“ sagt er, und lächelt höhnisch. In mir steigen wieder die Tränen auf, aber ich will nicht das er sieht das mich seine Worte verletzten. Ich kneife ganz fest die Augen zusammen und balle meine Hand zu einer Faust, darauf bedacht das er dies nicht sieht
„Musst du jetzt etwa auch noch weinen, du hässliches Mauerblümchen?“ ärgert er mich. Nun hebe ich meinen Arm und verpasse ihm einen harten Kinnhacken. Er kippt nach hinten, und durch die Handschellen bleibt er weiterhin auf dem Rücken. Er sieht aus wie eine Schildkröte, eine echt hässliche Schildkröte. Meine Tränen fließen einfach ohne das ich es merke. Ich habe sie so lange zurückgehalten, dass es weh tut sie laufen zu lassen. „Lass dich nie wieder Blicken! Du Arschloch“ schrei ich. Mein Herz verkrampft sich regelrecht. Alles in mir zieh sich zusammen, es schmerzt so sehr.
Kaito kommt erneut angelaufen und will mir die Hand auf die Schulter legen, doch ich stoße ihn zurück. Ich will gerade einfach nur allein sein. Als Finn sich wieder aufgesetzt hat sagt er „Respekt kleine. Du schlägst wie ne eins meine süße!“ Meine Hand ballt sich ohne meinen Einfluss zu einer Faust. Ich will gerade ansetzen und ihm sein dreckiges lächeln aus dem Gesicht schlagen, doch bevor ich es tun kann schlägt jemand anderes zu. Jemand der neben mir steht, Kaito. Seine Faust bebt vor Wut. Finns linker Schneidezahn bricht ab, so fest hat Kaito zugeschlagen. Seine Augen funkeln vor Zorn. Es ist beängstigend ihn so zornig zu sehen, doch ich weiß das er nur meinetwegen so emotional ist. Sonst würde er nie so aus der Haut fahren. Die Ader an seinem Hals zuckt vor Anstrengung. Er hält seine Faust immer noch auf Finn gerichtet. Ich schmunzele, anscheinend bin ich ihm wichtiger als ich dachte. Auch wenn er sich bisher gut zurückgehalten hat, hat er sich mit dieser Action selber verraten.

Ich strecke, ohne es zu merken meine Hand aus und umfasse seine. Langsam versuche ich seinen Arm herunter zu drücken, es ist ein sehr mühsames Unterfangen, sein ganzer Arm ist ganz verkrampft.
Ich ziehe ihn mit mir mit und egal was er auch tut ich lasse seine Hand nicht los. Erst als wir wieder in meinem Zimmer stehen lasse ich ihn los. Langsam scheint er zu realisieren was passiert ist. „Mia es tut mir leid, dass ich mich nicht zurückhalten konnte“ „Schon okay. Das war echt süß von dir.“ Mein Herz hüpft in meiner Brust auf und ab und zieht sich gleichzeitig schmerzhaft zusammen. Werden meine Wünsche nun alle an einem in Erfüllung gehen? Kaito hat Gefühle für mich oder etwa nicht? Haben meine Ohren mir vielleicht nur einen Streich gespielt? Doch allein das nun die Möglichkeit besteht das Kaito Gefühle für mich hegt ist diese Unsicherheit und dieses Gefühlschaos wert. „Wir sollten wohl besser nun schlafen“ sagt er und legt sich hin, „Du hast wohl recht.“ „Was machen wir wegen der Tür?“ frage ich schläfrig. „Ich habe sie so gut es geht wieder eingegangen. Wir kümmern uns morgen darum“ antwortet er mit einem lauten Gähnen. Was Audrey und Niki wohl denken werden, wenn sie die Tür morgen früh sehen? Dann fallen mir doch glatt die Augen zu.
Mein Wecker ist es der mich mal wieder aus meinem Traum von einem Date mit Kaito weckte. Als ich ihn abstelle und auf die Matratze unter mir sehe merke ich das Kaito nicht mehr da ist. Langsam setze ich mich auf, durch meinen ganzen Rücken schießen kleine Schmerzenswellen. Ich zucke kurz zusammen Ich werfe meine Decke zurück und stehe auf. Leise schleiche ich mich durch den Flur Richtung Badezimmer. Direkt neben dem Bad liegt Nikis Zimmer, die Tür quietscht laut als ich sie öffne. Ich halte inne und lausche, ob sie dadurch wach geworden ist. Niki liegt ihn ihrem Bett und kuschelt mit ihrem Kissen.

Wenn ich mir ihr Zimmer mal ganz genau ansehe ist es wirklich auffallend strahlend. Ihre Wände sind Türkis gestrichen und auf dem Boden ist weißer Teppichboden verlegt. Auch ihre ganzen Möbel sind weiß. So kommt es einem vor, als ob das Zimmer leuchten würde. Das Einzige was irgendwie fehl am Platz war, sind die Bilder von Emilio die über ihrem Bett hängen, irgendwie gruselig. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken als ich an Emilio und sein übertriebenes Gesülze denke.

Leise schließe ich die Tür hinter mir. Vorsichtig wie Tom Cruise in Mission Impossible schleiche, ich mich durchs Wohnzimmer Richtung Audreys Zimmer. Auch Audrey liegt ruhig in ihrem Bett. Sie weiß ja nicht das ihr Zimmer der Schauplatz eines Verbrechens gewesen ist.
Ihr Zimmer wirkt im Vergleich zu meinem und dem von Niki eher erwachsen, alles ist ordentlich verstaut und nichts liegt irgendwo auf dem Boden rum, nicht so wie bei mir. Kein Staub oder Dreck ist zu entdecken. Ich traue mich gar nicht den Türgriff anzufassen. Ihre Wände wurden in einem sanften lavendel Ton gestrichen und auf dem Boden liegt ein grauer Teppich, der das Zentrum des Zimmers einnimmt. Aber selbst auf dem ist kein Dreck zusehen. Wie sie das wohl macht? Woher nimmt sie die Zeit alles sauber zu machen? Ihr Bett ist aus Buchenholz genauso wie ihr Schreibtisch und ihr Kleiderschrank. Ihr roter Stuhl zerstört die schöne Farbkombination, bestimmt gibt es irgendeine spannende Geschichte hinter diesem Stuhl. Naja, was soll's. Ihre Regale, die an der Wand hänge, sind vollgestellt mit den dicksten Büchern die ich je gesehen hab. Alles Fachwissen wie: Deutsche Grammatik oder Mathematische Formeln. All so ein Zeug was eigentlich kein normaler Mensch braucht. Auch ihr Schreibtisch ist vollgestellt mit Wörterbüchern in jeder Sprache. Ich höre ein Rascheln und kann unter ihrer Pechschwarzen Decke ihren Kopf ganz leicht erkennen. Vorsichtig schließe ich die Tür, ohne die Klinke zu berühren.

Ich schlurfe zurück in die Küche und setze mich an den Küchentisch, ob sie wohl das kaputte Tür Schloss bemerkt haben. Ich meine wie kann man es auch übersehen, immerhin kann man die Tür nun mit der Hand aufdrücken. Ich schreibe auf ein kleines Memo Pad, „Schloss reparieren lassen“ und klebe ihn an unser „To Do Brett.“  Langsam sehe ich herüber zu unserm Kühlschrank an dem plötzlich eine mir unbekannte Postkarte klebt. Haben wir gestern etwa noch Post bekommen? Ich stehe auf und pinne sie vom Kühlschrank ab. Sie zeigt ein türkisfarbenes Meer und einen weißen Sandstrand. Als ich sie umdrehte erkenne ich Kaitos Handschrift.

Hi Mia,
Tut mir leid, dass ich, ohne ein Wort zu sagen verschwunden bin.
Aber ich habe gedacht das ich nun nicht mehr von Nöten bin, da Audrey und Niki ja nun da sind. Nun da wir nur noch bis übernächsten Mittwoch zur Schule müssen können wir ja am Sonntag deinen Geburtstag feiern.

Ps. Ich habe schon jemanden kontaktiert der heute vorbei kommt und sich die Tür ansieht.
LG Kaito.

Nun bin ich wieder total happy. Heute ist Samstag, was bedeutet ich habe ungefähr eine Woche Zeit, um mir etwas für meinen Geburtstag zu überlegen. Ich gehe nochmal in mein Zimmer und kuschele mich unter meine noch immer warme Decke. Doch schlafen kann ich nicht mehr. Das leise Ticken meines Weckers kommt mir unvorstellbar laut vor, das Echo prallt von den Wänden ab und kommt immer wieder zurück zu mir, so als wolle es mich wahnsinnig machen.  Ich setze mich wieder auf, nun ist es 8:12 Uhr. Ich greife nach meinem Handy und löse es von der Ladestation ab.
Mein Handy ist heiß gelaufen. Warum wohl? Ich entsperre es und öffne WhatsApp. Neben den 102 Nachrichten aus meiner Schulgruppe entdecke ich eine noch ungelesene Nachricht von Kaito!! Ich öffne unseren Chat und sehe als erstes ein Bild von mir beim Schlafen, das er heimlich gemacht hat. Ich werde rot und es ist mir auf einmal unendlich peinlich, dass er mein schlafendes Gesicht so gesehen hat. Ich lese die angehängte Nachricht: Sonntag gibt es eine Überraschung zu deinem Geburtstag. Versuch etwas weniger zu sabbern, während du schläfst. Dahinter ein zwinkernder Smiley.
Ich muss schmunzeln, es ist schon irgendwie süß aber auch gleichzeitig unangenehm das er mich damit aufzieht.
Langsam streiche ich mit den Fingern über meine rosafarbene Hardcover Hülle. Ich seufze, mir ist langweilig! Da ich weiß das Audrey und Niki erst gegen 10:00 Uhr aufstehen würden gehe ich herüber zum Kleiderschrank und ziehe meine graue Jogginghose mit der blauen Vier auf der Tasche aus dem obersten Fach meines unaufgeräumten Schranks. Dazu ziehe ich meinen schwarzen Sport BH und mein schwarzes bauchfreies Top an. Nachdem ich mich vollständig umgezogen habe schleiche ich mich leise in den Flur und ziehe mir meine Turnschuhe an. Kopfhörer ins Ohr, mein Lieblings Lied spielt und auf geht’s. Wenn ich mal joggen gehe höre ich am liebsten Lieder aus den 80er und 90er Jahren. Im Moment höre ich zum Beispiel „Strong enough“ von Cher. Langsam schließe ich die Tür hinter mir und gehe durchs Treppen Haus. Erst als ich die Tür, die hinaus zur Straße führt geschlossen habe, drehe ich Cher auf volle Lautstärke. Die Autos, die schon in aller Frühe an mir vorbei rasen höre ich nicht.  Als ich im Park ankomme jogge ich los. Weiter einfach weiter ohne halt.

 

Kapitel 5

Nach einer Weile stoppe ich denn ich sehe ein mir nur allzu gut bekanntes Gesicht auf der Bank am alten Brunnen sitzen. Langsam gehe ich herüber und setze mich. Ich stoppe die Musik und ziehe mir die Kopfhörer aus den Ohren.
„Na Leo! Was machst du hier?“ frage ich und Leo dreht sich langsam zu mir um.
Er sieht ziemlich fertig aus. „Ach du bist es nur Mia“ „Was soll das denn heißen? Nur Ich? Sag, was ist?“ antworte ich. „Also ich habe Audrey gestern geschrieben und sie gefragt, ob sie mit mir noch einen trinken gehen will. Und sieh dir an was sie geantwortet hat“ er hält mir sein Handy unter die Nase und ich lese was Audrey ihm geantwortet hat: Lass mich in Ruhe, du gehst mir langsam auf die Nerven. Das tut sicher weh, armer Leo. „Ach sie war sicher nur müde wegen der Arbeit“ versuche ich ihn zu trösten, obwohl ich genau weiß das es nicht so war. „Nein, sie mag mich einfach nicht“ jammert er. Er stützt sein Gesicht in die Hände, aber ich kann trotzdem sehen, dass er die Mundwinkel herunterhängen lässt. Dafür, dass er so furchteinflößend aussieht ist er doch ganz schön weich im Inneren. Ich lege ihn die Hand auf die Schulter. Er sieht zu mir auf, seine Augen strahlen pure Verzweiflung und Schmerz aus. Ich weiß genau was er fühlt, aber er macht es sich noch schwerer. Er versteckt sein errötetes Gesicht immer hinter einem fiesen Blick und spitzzüngigen Bemerkungen, doch im Inneren ist er soft wie ein Kleinkind. Er muss einfach lernen Audrey und allen anderen genau diese kindliche, liebe Seite an ihm zu zeigen. Genauso wie er es bei mir auch gemacht hat.
„Leo hör mal. Sei einfach du selbst“ nun setzt er sich wieder auf und schaut mich hilfesuchend an. „Aber Audrey mag mich nicht! Sie will nichts mit mir zu tun haben.“ Mir reißt endgültig der Geduldsfaden

Wie kann man nur so wenig Selbstvertrauen haben. Na gut, ich kann auch nicht gerade mit Selbstbewusstsein prahlen, aber Aufgeben kommt bei mir nie in Frage. Ich springe auf und stemme die Hände in die Hüfte. „Leo so wie du dich gerade verhältst ist mir schon klar, warum Audrey kein Interesse hat, an dir. Aufgeben gibt es nicht! Zeig ihr die guten Seiten an dir die sie noch nicht kennt. Bring sie dazu dich zu mögen. Wenn du so rumjammerst wird es doch nicht besser“ sage ich mehr als deutlich. Er steht auf, in seinen Augen lodert ein Feuer, das ich zuvor noch nicht bei ihm gesehen habe. Ich glaube das könnte wirklich etwas werden, doch dann sagt er „Das schaff ich doch nie! Du kennst mich doch. Du weißt, wie ich bin.“ Er hat schon irgendwie Recht, neben Kaito kenne ich Leo am besten, und Leo fällt wirklich nicht gerade in Audreys Beuteschema. Aber was nicht ist kann ja noch werden, und wenn es von alleine nicht klappt helfe ich eben etwas nach. Ich packe ihn am Ärmel und schleife ihn bis ans Ende vom Park. „So, du joggst jetzt mit mir bis zu unserer WG und dort wirst du dann mit uns Frühstücken klar!“ verdutzt sieht er mich an, doch dann nickt er leicht. Ein nein hätte ich sowieso nicht akzeptiert.
Wir joggen bis zu unserer Haustür, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Wir hören beide Musik. Ich drücke leise unsere Wohnungstür auf. Ich sehe Leos verwirrten Blick „Frag erst gar nicht. Ist eine lange Geschichte.“ Wie Einbrecher schleichen wir uns in die Wohnung. Wir ziehen die Schuhe aus und gehen Richtung Küche.
Leo setzt sich auf einen Stuhl und meint: „Hier riecht es überall nach Audrey.“ Er sieht überglücklich aus, und merkt gar nicht wie seltsame seine Aussage gerade war. Ich öffne den oberen Küchenschrank und hole vier Brettchen heraus. Leo kommt gar nicht erst auf die Idee mir zu helfen, obwohl ich hier die komischsten Verrenkungen mache, um an die Brettchen zu kommen. Wie als wäre er in Hypnose gefangen sitzt er da und starrt mit leeren Augen auf die Tischplatte.

Ich stelle mich vor ihn und fuchtle mit den Händen vor seinem Gesicht herum. Erst als ich mit den Fingern vor seinem Ohr schnipse kehrt wieder Leben in seinen Körper zurück. „Du kannst mir gern mal helfen“ langsam hebt er seinen Kopf und starrt mich aus traurigen Augen an. Verzweifelt seufze ich, dieser Junge ist echt anstrengend. „Also gut, du kannst ja mal kurz zur Bäckerei auf der anderen Straßen Seite gehen und Brötchen kaufen?“ er nickte nur stumm. „Sag mal Leo hast du etwa deine Zunge verschluckt!“ „Nein! Ich male mir nur gerade Audreys Reaktion aus. Ich wette sie wird mir den Hals umdrehen, wenn sie mich hier sieht“ antwortet er. So langsam fängt er an mir mit seiner Jammerei tierisch auf die Nerven zu gehen. Ich ignoriere ihn einfach und drücke ihm das Geld in die Hand. Widerwillig schlurft er zur Eingangstür und drückt sie auf. „Du wirst mir nicht verraten, warum die Tür kaputt ist, oder?“ ich lege den Finger an die Lippen und flüstere „A secret makes a woman a woman.“ Hoffentlich wird Leo sich beeilen damit nicht alle schon wach sind, wenn er kommt. Während ich den Tisch deckte kommt es mir so vor als würde die Uhr an der Wand immer lauter Ticken und immer schneller werden.

In mir kommt langsam der Gedanke auf wie ich mich wohl verhalten würde, wenn Kaito mich vielleicht irgendwann mal abblitzen lassen würde. Für mich ist Leos Gejammer unerträglich doch was ist, wenn ich mich irgendwann mal genauso benehmen werde. Was wenn er eines Tages genauso versuchen wird mich aufzuheitern, wie ich es gerade bei ihm versuche? Ich will wirklich nicht das mich die anderen dann bemitleiden, dass wäre schlimmer als alles andere. Doch mit meinen trübsinnigen Gedanken will ich mir nun nicht den Tag verderben, also mache ich weiter mit meiner Arbeit. Ich lege Messer auf den Tisch und stelle Nikis Lieblings Marmelade, die mit Himbeergeschmack auf den Marmortisch.

Ich ordne den verschiedenen Aufschnitt schön auf dem Tisch an und fertig ist ein nettes samstags Frühstück. Gerade als ich mich aufs Sofa setzen will klingelt es unten an der Tür zum Treppenhaus. Ich bin nicht sonderlich überrascht als Leo durch die Kamera unten zu sehen. Ich öffne mit dem Knopf die untere Gebäudetür. Leo kommt wütend die Stufen hoch gestampft, ich traue mich gar nicht etwas zu sagen. Wir gehen in die Küche und setzen uns hin. Erst jetzt fällt mir auf das er ja heute mal keine Jeans trägt, sondern eine locker sitzende graue Jogginghose in einer Kombination mit einem blauen Kapuzenpulli. Das sieht sehr lässig aus, gefällt mir, ist mal was anderes. „Hör mal Mia?“ ich schrecke ruckartig aus meinem Tagtraum auf und er spricht weiter. „Schick mich nie wieder zu dieser Bäckerei!“ Ich sehe ihn etwas verdutzt an „Warum nicht? War etwas?“ nun veränderte sich seine Miene, er starrt mich förmlich mit Blicken an, die mir sagen: Zerfalle zu Staub. „Ja, es war was“ seine Stimmlage veränderte sich und wird lauter. „Was hast du getan?“ frage ich besorgt. Ich habe Angst vor der Antwort die gleich kommt.
„Hinter mir in der Reihe stand so ein protziger Typ, und ich sah, wie du bestimmt weißt sehr niedergeschlagen aus“ er macht kurz Pause und spricht dann weiter „Also labbert dieser Typ mich von hinten an mit den Worten: Na kleiner, haste nen Korb bekommen, oder was?“ Ich verkneife mir ein leises Kichern, Leo funkelt mich böse an „Bitte fahre fort“ sage ich und er erzählt weiter. „Ich habe den Typen ignoriert da reißt der an meinem Hoodie und sagt: Kein Grund zu schmollen, die Weiber sind doch eh alle gleich, ohne Geld machen die für keinen die Beine breit“ ich habe schon so eine ungute Vorahnung was jetzt kommt. „Tja und dann bin ich leicht überdeutlich geworden und habe ihm einen ordentlichen Stoß verpasst“ ich weiß das es bestimmt nicht nur ein Stoß war. „Leider ging dabei seine ach so teure Designer Brille zu Bruch“ führt er fort. 
Seine Augen verziehen sich zu kleinen Schlitzen und er grinst fast schon stolz. Ich muss mir mein Lachen deutlich verkneifen. Leo verdreht seine Augen in alle Richtungen. Ich glaube mein Gesicht läuft schon rot an, weil ich es so sehr zurückhalten muss. Das sieht er und streckt mir die Zunge raus und schneidet Grimassen. Nun platzt mein Lachen aus mir heraus. Es hallt durch die ganze Wohnung. „Ach man Mia lass den Scheiß!“ Ich versuche mich wieder zu beruhigen und gerade als ich denke es geht wieder stelle ich mir ohne es zu wollen vor wie die anderen Gäste auf Leos kleinen Ausraster reagiert haben. Das führt nur wieder dazu, dass ich einen weiteren Lachkrampf bekomme.
Erst nach einer gefühlten Stunde komme ich wieder dazu Luft zu holen und mich zu beruhigen. Ich setze mich wieder gerade auf meinen Stuhl und wische mir eine Lachträne aus dem Gesicht. „Bist du fertig mit lachen? “ fragt Leo genervt, ich nicke. „Was ist denn hier los?“ fragt Niki die aus ihrem Zimmer geschlurft kommt. Müde reibt sie sich über die Augen. Sie blinzelt mehrmals und reißt die Augen weit auf als sie Leo sieht. Plötzlich schreit Niki los und rennt zurück in ihr Zimmer. Etwas verdutzt sieht mich Leo an. Ich zucke mit den Schultern. Nach exakt 5 Minuten kommt sie wieder aus ihrem Zimmer, und zwar komplett angezogen und aufgebrezelt. Sie hat ihre kurzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und trägt eine hellgraue Jeans mit einem weißen Bauchfreiem Top. So kenn ich meine Niki, immer perfekt.

Nun sage ich und trommle mit den Fingern auf den Tisch „Niki leiste Leo doch kurz Gesellschaft, während ICH mich umziehen gehe.“ Ich lächele und ohne, dass sie etwas erwidern kann verschwinde ich in mein Zimmer. In Windeseile reiße ich mir die verschwitze Jogginghose vom Leib und schlüpfe in eine noch nicht vom Schweiß durchnässte schwarze Leggings.
Auch mein am Körper klebendes schwarzes Top und den Sport BH tausche ich gegen einen normalen weißen BH und ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift: Not cute, just psycho. Nun nur noch schnell einmal mit der Bürste durch die Haare und fertig ist eine wahre Beauty Queen. Meine Haare sind elektrisiert und stehen in alle Richtungen ab. Ich sause zurück in die Küche, in der peinliche Stille herrscht.

Als ich mich gerade setze kommt Audrey aus ihrem Zimmer, wie immer schon fertig angezogen und mal wieder, makellos. Ein eng sitzendes Top mit einem weißen Rüschen Vorhänger schmückt ihren Oberkörper und eine dunkelgraue Jeans verziert den Rest. Dazu einen großen strengen Dutt und passende weiße Perlenohrringe. Als sie Leo sieht presst sie die Lippen fest aufeinander. „Was will der den hier!“ sie setzt ihren schärfsten Blick auf, so als wäre sie Medusa und er einer ihrer nervigen Verehrer. „Audrey ich habe ihn eingeladen mit uns zu essen“ ihr Blick wird härter und sie durchbohrt nun mich mit ihrem puren Hass und all ihrer Verachtung, doch das Einzige was sie antwortet ist „Ok.“ Niki und ich sehen uns verdutzt an. Dann ändern sich unsere Blicke und wir schauen uns hämisch an und quietschen „Hast du etwa jemanden nettes kennengelernt?“ „Sorry Leo“ fügen wir hinzu, er ist bestimmt nicht scharf darauf diesem Thema zuzuhören. „Nein!“ zischt sie schnell zurück, etwas zu schnell. Ich weiß das sie lügt, jedes Mal, wenn Audrey innerhalb von Milli Sekunden antwortet lügt sie. Niki und ich wissen, dass es nichts bringt mit Audrey zu diskutieren, weshalb wir es gut sein lassen. In eisiger Stille essen wir leise unser Frühstück. Vorsichtig tippe ich Niki auf die Schulter sie sieht mich an, ich weise ihr an das wir zwei Mal kurz verschwinden sollen um die beiden allein zu lassen. Sie versteht sofort. „Ich muss mal kurz aufs Klo“ sage ich und stehe auf „Ich auch“ sagt Niki. Naja, etwas unauffälliger hätte wir es schon machen können, aber so ist es witziger.

Wir gehen Richtung Badezimmer und kurz davor bleiben wir stehen und schleichen uns leise wieder Richtung Küche. Vorsichtig linsen wir um die Ecke und schauen in die Küche. Audrey schlürft ihren Kaffee und sieht desinteressiert auf die Uhr. Leo spielt an seinen Finger, bis er schließlich sagt: „Also Audrey wie war die Arbeit gestern?“ Wir erwarten eine ausführliche Antwort wie wir es von ihr gewöhnt sind, aber es kommt nur ein kurzes: „So wie immer“ aus ihrem Mund. Mir fällt die Kinnlade herunter. Sonst erzählt sie immer von aufdringlichen Typen, die ihr unter den Rock kucken wollen oder betrunkene Jugendliche, die nicht wussten, wie viel Bier sie vertragen. Einmal hat sie sogar erzählt das eine Frau in die Bar kam und ihrem Ehemann eine riesige Szene gemacht hat, weil er mit einer anderen Frau da war. Aber SO etwas haben wir beide nicht erwartet. Wir sehen, dass Leo die Fragen ausgehen. also gesellen wir uns wieder zu den beiden. „Na Gruppensitzung auf dem Klo beendet?“ ist das erste was aus Audreys Mund kommt. Ihr angesäuerter Blick lässt das Blut in meinen Adern gefrieren. Ich atme einmal ein und aus, dann setzen wir uns wieder. Schweigend essen wir unsere Brötchen. Vorsichtig schiele ich zu Leo herüber der nur verunsichert an seinem Café nippt.
Als alle fertig sind stehe ich auf und schiebe Leo ohne große Worte zur Tür. Dort angekommen rufe ich extra laut in die Wohnung, damit es auch ja jeder hörte: „Danke Leo das du mit uns gegessen hat. Und dir nun noch einen schönen Tag.“ Als ich mir sicher bin, dass ich gerade eine Zimmertür hab knallen hören flüstere ich „Tut mir echt leid, ich dachte nicht, dass sie so extrem reagiert“ ich drücke seine Schulter. „Schon okay, du hast es ja nur gut gemeint“ er lächelt, doch ich weiß das ihm gerade mehr nach weinen zumute ist.

 

Ich drücke seine Schulter nur noch fester, ich versuche ihm zu verdeutlichen das es okay ist traurig zu sein, doch er hält seine Wand aufrecht und fügt lächelnd hinzu „Es soll wohl einfach nicht sein. Solang sie glücklich ist.“ Ich sehe den Schmerz in seinen Augen, Schmerz, den dieses aufgesetzte Lächeln nicht zu verstecken vermag. Als ich die Tür hinter ihm wieder so gut es geht zugedrückt habe schleiche ich mich vorsichtig zurück in die Küche. Audrey hat so eine Art 7 Sinn, mit dem sie sofort weiß, wer sich wo in der Wohnung aufhält. Mit einem lauten Knall fliegt ihre Zimmertür auf und ich höre ihre wütenden Schritte in einem zügigen Tempo den Flur entlangkommen. Ich packe Niki am Arm und will schnell mit ihr in mein Zimmer flüchten als Audrey auch schon ruft „HIER GEBLIEBEN!“ Wir zucken zusammen und drehen uns auf dem Absatz langsam um. Audrey steht breit beinig im Zwischengang von Küche und dem Bereich der Wohnung in dem Nikis und mein Zimmer liegt, und starrt uns mit ihrem Todesblick an. Sie ist sauer, und zwar so richtig.
Ihre Nasenflügel beben und sie hat dieses nervöse zucken ihrer Augenbraue.
Alles Anzeichen dafür das sie jede Minute hochgehen würde. „Ach komm Audrey war doch lustig“ fängt Niki an, wie beim Bombenentschärfungskommando versucht sie vorsichtig den Sprengsatz zu entschärfen. „Lustig…lustig?“ sie lacht spöttisch sie ist auf 180. „Wie sollte das lustig gewesen sein? Ihr wisst, dass ich Leo nicht mag. Er ist ein Proll, einer dieser Möchtegerngangster. Ich hasse das.“ Sie zetert und redet sich immer weiter in Rage. „Wie kommt ihr eigentlich dazu zu glauben ihr könntet Amor spielen, und was? Mir zeigen was für ein ach so toller Kerl Leo ist?“ ich öffne den Mund, um etwas zu entgegnen, doch ich glaube dies ist eine rhetorische Frage auf, die sie keine Antwort erwartet, denn sie redet direkt weiter. „Ich würde ja auch nicht einfach wen einladen den ihr nicht mögt-S oll ich etwa Cindy einladen? Oder etwa Jane?“ sie sagt das nur weil sie weiß es würde uns treffen.

Kapitel 6

 Kaum hat sie die Namen ausgesprochen zieht sie scharf Luft ein, so als wolle sie die Worte wieder zurückziehen. Sie unausgesprochen machen. Es tat ihr im selben Moment leid, dass sie ihre Namen erwähnt hatte. Wir beide sehen es in ihrem Gesicht, doch das ändert nichts daran das es weh tut.

 Jane ist Kaitos Ex Freundin, die mit ihm bis vor einem Jahr zusammen war. Kaito und ich hatten in der Zeit weniger Kontakt, weil Jane fand es gäbe keine Beste Freundschaft zwischen Mann und Frau ohne sexuelle Spannung. Sie hatte nicht unrecht. Ich stand damals wie heute auf Kaito, doch mir wäre nie in den Sinn gekommen ihn ihr weck zunehmen oder irgendwas dergleichen. Er war zu der Zeit glücklich mit ihr und ich hatte das akzeptiert. Kaito hat sie mir nie vorgestellt, er hat mir immer nur von ihr erzählt. Sie ging auch auf eine andere Schule und war einen Jahrgang über uns. Ich habe sie einmal zufällig auf einer Hausparty von einem Klassenkameraden getroffen. Auch wenn es schmerzt zuzugeben, sie war bildschön und dazu auch noch unglaublich nett. Hätte sie wenigstens eine schlechte Eigenschaft würde ich mich nicht so schlecht fühlen sie zu hassen. Ich hasse sie einfach, weil sie zu perfekt ist und mir dadurch das Gefühl gibt ihr nicht das Wasser reichen zu können. Nie das für Kaito zu sein was sie für ihn war. Das ist lächerlich, dass weiß ich selbst, denn Kaito zeigt mir offen und oft genug, wie wichtig ihm unsere Freundschaft und auch ich bin, und dennoch zeigt mir Jane meine schlechten Eigenschaften. Diese blöde Eifersucht auf sie und das was sie mit Kaito hatte und diese Angst das ich ihn verlieren könnte an sie oder irgendjemandem. Angst das er merkt, wie sehr es mich verletzt zu sehen, wie er mit anderen Mädchen flirtet.
 

Und Wut, Wut über meine eigene Schwäche und die Tatsache, dass obwohl ich weiß das ich Kaito wichtig bin und er mich nie absichtlich verletzen würde, ich seine Zuneigung und unsere Freundschaft immer wieder anzweifele. Ich hasse meine eigene Unsicherheit, diese Dunkelheit in mir die ich zu verstecken versuche. Ich finde diese Seite an mir so unendlich hässlich, was wenn Kaito bemerkt wie erschreckend mein Innerstes doch sein kann?

 Niki reißt mich aus meinem Frust und dem Selbstmitleid in dem ich mich gerade zu ertränken versuche und sagt „Das ist nicht dasselbe und das weißt du auch. Du hast das gerade nur gesagt, weil du wusstest das es uns verletzt. So warst du schon immer “ ihr Blick ist eisern. Auch Niki hat die Erwähnung von Cindy getroffen, sogar noch tiefer als mich der bloße Name Jane. Sie ist anders als Jane bei Kaito noch immer Teil von Emilios Leben, und sie weiß das nur zu gut. Cindy ist Teil unseres Alltags, sie ist mit uns in mehreren Kursen, Niki sieht sie mehr als ihr lieb ist.
Überall wo sie ist, ist auch Cindy. Selber Yoga Kurs, selber Chemie Kurs und auch noch selbe Vorbereitungsschule. Ich sehe Jane, wenn es hoch kommt alle 3 Monate auf einer Party und das auch dann nur für ein paar Stunden. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie mies sich Niki fühlt, wenn sie Cindy die ganze Zeit um sich rumhat. Sie weiß sicher das Cindy Emilio fest im Griff hat, ich will mir nicht ausmalen was für ein unglaublicher Schmerz das Sein mag zu wissen, dass er sie, ohne zu zögern zurücklassen würde, wenn Cindy nach ihm pfeifen würde. Es muss unglaublich hart sein das zu wissen und dennoch in ihrer und vor allem seiner Nähe zu sein.
Audrey stockt, als sie sieht wie Niki auf ihrer Unterlippe herum kaut. Sie weiß das sie zu weit gegangen ist. Niki hat die Angewohnheit auf ihrer Unterlippe zu kauen, wenn sie kurz davor ist in Tränen auszubrechen. Audrey weiß das genau so gut wie ich.

 Es waren nicht Audreys harschen Worte, sondern die Erinnerungen, die sie damit wachrief, die Niki so zu setzen. Audrey ist zu stolz, um sich für ihre Worte zu entschuldigen, so war sie schon immer. Es wird mindestens 20 Minuten dauern bis sie den ersten Versuch wagen wird sich zu entschuldigen.
Wie zu erwarten dreht sie sich um und stampft in ihr Zimmer zurück. Mit einem lauten krachen fliegt die Tür zu und man hört nur noch, wie ihr verrostetes Türschloss beim Abschließen laut quietscht. Damit ist die Unterhaltung für sie beendet. Niki hält sich mit einer Hand an ihrem eigenen Arm fest, so als könnte sie so verhindern in den Sumpf des Selbsthasses und der Verzweiflung zu stürzen.
Ich nehme sie an der Hand und wir verkriechen uns in mein Zimmer. Sie setzt sich mit angezogenen Knien aufs Bett und schlingt ihre Arme darum
Es tut ihr weh an Emilio zu denken, und vor allem, das wusste ich, an das zu denken was sie sonst immer verdrängt. Der Gedanke das ihre Gefühle nie zu ihm durchdringen werden und alles hoffnungslos ist, all ihre Mühen ins Leere laufen.
 „I got chills they‘re multiplyin‘–“ singe ich und Niki schaut auf. Sie liebt Grease und ich weiß, wenn es etwas gibt was sie aufmuntert dann sind es John Travolta und Julia Newton John im 50er Jahre Look. Ich bewege mich rüber zur Stereoanlage „And I‘m losin‘ control..“ ich drehe die Anlage voll auf und schon singt John Travolta „Cause the power you‘re supplyin it‘s electrifyin‘ -“ Ich grinse Niki an und wenige Sekunden später singen wir beide. Sie den Part von Sandy und ich Dannys. Sie singt und zeigt dabei mit dem Finger auf mich „You better shape up up up- cause i need a maaaan, who can keep me satisfied.“ Wir singe beide weiter und tanzen wild durch den Raum, die Trauer von vor wenigen Minuten ist wie weggeblasen. Unisono singen wir den Refrain „You’re the one that i want o o oo honey, the one that I want.”

Wir kullern uns vor Lachen auf dem Boden als das Lied zu Ende ist. „Du wärst eine super Sandra D“ sage ich und drehe meinen Kopf zu ihr. Sie versucht unbeeindruckt zu wirken doch ihre Mundwinkel zucken. Ich wusste es freute sie das ich das sage. Sie wollte schon als kleines Kind wie Sandy sein. Während Audrey und ich uns darüber stritten wer Schneewittchen und wer Jasmin sein durfte polierte sie ihre weißen Lackschuhe.
Sie wollte auch schon immer eine Liebesgeschichte wie in Grease. Ihr war es auch egal das Audrey und ich immer mit ihr darüber diskutierten, wie dumm es doch war auf jemanden wie Danny herein zu fallen. All dies blendete sie gekonnt aus und überstimmte uns immer mit den Worten „Wäre die Liebe einfach, wäre es doch langweilig“ und damit hatte sie Recht.
Einmal in der 7ten Klasse hatten wir einen Mitschüler aus Amerika namens Danny O’hara, Niki klebte ihm den ganzen Sommer an den Hacken und flehte ihn an der Danny zu ihrer Sandy zu sein. Es ist eine meiner liebsten Erinnerungen, die kleine Niki mit Tonnenweise Haarspray und aufgebauschter Fönfrisur, Audrey in einem Schneewittchen Kostüm und natürlich meine Wenigkeit als überstolze Prinzessin Jasmin, sogar mit Plüschtiger Raja.

„Du würdest einen mittelprächtigen Danny abgeben“ sagt Niki kichernd und prompt fliegt ihr ein Kissen an den Kopf. „Eyy, ich wäre der beste Danny überhaupt“ sage ich und posier vor ihr. Aus meiner imaginären Jacke ziehe ich einen imaginären Kamm, mit dem ich mir wie im Film die Schmalzlocke zurecht streiche. Wir beide schauen uns an und brechen in schallendes Gelächter aus. Es tut so gut sie wieder lachen zu sehen, so gefällt sie mir am besten.

Das Telefon klingelt und ich deute Niki an still zu sein, bevor ich dran gehe. Noch bevor das erste Wort fällt weiß ich wer dran ist, ist Frau. Laurens unsere Mathe Lehrerin. Ich höre durch den Hörer ihr typisches Räuspern, das so klingt als würde gerade ein altes Auto im zweiten Gang um die Kurve rasen, irgendwie kratzig und absolut nervtötend. „Ähm… Hallo Frau Laurens. Wie geht es ihnen?“ säusele ich in mein Handy. „Ja Hallo Mia- mir geht es den Umständen entsprechend. Also der Grund meines Anrufes ist das von Montag bis Mittwoch ein Vertretungslehrer meine Stelle übernehmen wir. Da du die Klassensprecherin bist musst du die Klasse informieren und die Materialien besorgen“ ich bin froh, dass sie durchs Handy nicht sehen kann, wie sehr ich die Augen verdrehe. Ich hasse mich selbst immer noch dafür mich diesen blöden Posten angenommen zu haben, ich bin keine Führungsperson, doch Kaito hat mich einfach zu Wahl gestellt, und tatsächlich hat die Mehrheit für mich gestimmt. „Ja, aber sicher werde ich diese „höchst“ (un)wichtige Info an die Klasse weiterleiten“ natürlich werde ich das nicht tun, ich werde die Materialien verteilen und schön still sein. Ich habe keine Lust das mir wie dem Letzen Klassensprecher Kreide an den Kopf geworfen wird, wenn ich versuche die Klasse zur Ordnung zu ermahnen. Sie fügt hinzu „Bitte versucht euch eurem Alter entsprechend zu verhalten- kein Uhr-Frisbee und auch kein Deo Flammenwerfer.“ Sie legt auf, bevor ich etwas entgegnen kann. Ich muss schmunzeln, wenn ich an den Deo Vorfall denke. Marco Bricks hat vor einem guten Monat mit einer Deoflasche und einem Feuerzeug eine riesige Stichflamme erzeugt und damit die Tische abgeflämmt. Ach ja, und auch das alte Uhren-Frisbee ist fast schon ein tägliches Ritual, wenn wir mal kurz unbeaufsichtigt sind.

 

Die Gang um Lukas Sander, nimmt sich im jeweiligen Raum die großen Wanduhren und werfen sie wie eine Frisbee quer durch den Raum. Natürlich gehen die meisten dabei zu Bruch aber sie werden einfach wieder an die Wand gehangen und man hofft es wird lang genug keiner merken. Meistens fiel es aber sofort auf.
 

Der Tag heute kommt mir so unglaublich kurz vor, denn ehe ich es bemerke ist es auch schon Zeit fürs Bett. Ich kann einfach nicht einschlafen, also ziehe ich meine Kopfhörer unter dem Wäscheberg auf meinem Schreibtisch hervor und hole meinen alten Walkman heraus. Den meisten würde jetzt bestimmt die Kinnlade herunterfallen, aber ich liebe meinen Walkman, auch wenn es nur der alte meiner Mutter ist. Ich finde es irgendwie cool und schön noch CDs zu hören. Man kann sie anfassen und spüren. Ich mag sogar das Ruckeln der CD im Walkman und das leichte kratzen und knacken der Musik. Es erinnert mich irgendwie immer an die Zeit als ich noch jeden Tag Spaß hatte. An die Zeit in der ich mir den Kopf noch nicht über Jungs und dergleichen zerbrochen habe. Es ist die Zeit, in die ich so oft zurückreisen möchte. Zurück nach Hause, zu meiner Mutter, meinem Vater und selbst zurück zu meiner nervigen großen Schwester. Wir hatten einen alten Kirschbaum im Garten, er stand einfach nur da und reckte die Blätter der Sonne entgegen. Jeden Sommer bis ich neun war habe ich unter diesem Baum gesessen und Musik über diesen Walkman gehört. Ich habe gebastelt und Musik gehört, ich habe mit meinen Puppen gespielt und Musik gehört. Musik war schon immer Teil meines Lebens. Vielleicht liegt es in der Familie, immerhin ist meine Mutter Pianistin. Ich schließe die Augen und denke an diesen Baum, an die warmen Sommerwinde und den süßlichen Duft der weißen Blüten.

 Gerade singen die Backstreet Boys „I’ll be the one (I’ll be the one) who will make all your sorrows undone-“ als auf meinem Handybildschirm eine Nachricht von Kaito auftaucht

„Na wer ist denn da noch wach?“

„Keine Sorge ich bin morgen topfit.“

„Lass mich raten, es ist Walkman Zeit?“

         „Korrekt, es gibt doch nichts Besseres, wenn man nicht schlafen kann.“

„Wer ist es heute? Backstreet Boys oder Britney? “

                                                             „Backstreet Boys haha. “

„Ist es mein Lieblingslied?“

                                                  „Nein, nicht I want it that way rate mal.”

„Zu einfach! Wenn es nicht das ist, ist es The One.“

                                                             „Verdammt, du kennst mich zu gut was?“

Ich habe absolut nichts dagegen das er nahezu alles über mich weiß. Im Gegenteil, es freut mich sogar. Es gab mal einen Abend, in dem wir beide in seinem Auto saßen und ich ihm erzählt habe das ich Musik höre, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann. Er hat nicht etwa gelacht oder so, wie es vermutlich viele andere getan haben. Er hat nur gesagt „Wenn du mal nicht schlafen kannst, ruf mich an und ich singe dich in den Schlaf“. Ich weiß das es nur ein Scherz seinerseits war, doch in dem Moment hat es mich unendlich froh gemacht.

 

„Hilft es? Wirst du schon müde? “             ;              ;              ;              ;              ;              ;              ;                                                    „Nicht wirklich…“

Das ist gelogen, ich bin echt müde, aber irgendwie will ich einfach noch etwas seine Aufmerksamkeit genießen. Es fühlt sich schön an mit ihm zu schreiben. Ein leichtes Kribbeln breitet sich von meinem Bauch aus durch den ganzen Körper aus, meine Fingerspitzen zittern und ich kann einfach nicht aufhören das Display anzulächeln.

„Erinnerst du dich noch an unsere erste gemeinsame Autofahrt? Und mein Angebot von damals?“

                                                                                          „Natürlich haha“

Mein Herz klopft bis zum Hals, als ich sehe das er eine Voice Nachricht aufnimmt. Mein Finger zittert richtig als ich die Nachricht abspiele.

Mit seiner leicht rauen und tiefen Stimme, welche ich unglaublich sexy finde, singt er „You are my fire- The one desire- Believe when I say- I want it that way.” Ich kann es einfach nicht fassen, er singt tatsächlich für mich. FÜR MICH!
Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen als Kaito ansetzt und singt „Tell me why- I never wanna hear you say- I want it that way-“ es ist als würde er hier nur Millimeter entfernt neben mir liegen und mir die Worte direkt ins Ohr flüstern .Sie klingen so verführerisch, so warm, und so reizend. Ich will seine Stimme, welche für mich den schönsten Klang auf der Welt hat für immer anhören.

„Na wie bin ich? Kann ich den Backstreet Boys Konkurrenz machen?“

        „Ein zweiter Justin Timberlake wirst du nicht, aber es ist echt nicht schlecht.“

„Ja dann, schlaf schön mein kleines Fangirl.“

Am liebsten hätte ich ihm gesagt, wie sehr mich seine Audio gefreut hat, und noch mehr wie sehr es mich gefreut hat das er diese eigentlich unwichtige Unterhaltung nicht vergessen hat. Ich kann ihm einfach keine wirklichen Komplimente machen, meine Komplimente sind immer hinter einem bissigen oder frechen Kommentar versteckt. Kaito ist mittlerweile echt gut darin die Komplimente aus diesen frechen Bemerkungen heraus zu filtern, aber es ist tatsächlich so, dass es mir nur bei ihm schwer fällt ehrlich zu sein, und ihm zu sagen was ich an ihm toll finde oder ihn allein nur zu loben. Ich habe immer Angst er könnte hinter meine Fassade schauen und bemerken, wie ich wirklich für ihn fühle. Manchmal wünsche ich mir dennoch er würde meine Gefühle bemerken ohne dass ich sie aussprechen müsste.
Es wäre alles so viel einfacher, wenn er all die Arbeit machen würde. Ich schließe die Augen, hoffentlich ist die Nacht schnell vorbei und Sonntag kommt.

 Die Sonnenstrahlen wecken mich so gegen halb zehn. Scheiße ich habe total verpennt. Aber als ich in die Küche sehe sind die Stühle noch leer, gerade nochmal Glück gehabt. Ich schlüpfe in mein schwarzes Sommerkleid mit dem roten Mohn drauf und flechte mir die Haare zu zwei Bauernzöpfen zusammen. Ich reiße Nikis Tür auf und ziehe ihr die Bettdecke weg, es kann ja wohl nicht sein das ich die Einzige bin, die an einem Sonntagmorgen schon so früh wach ist. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich ihren blauen Pyjama mit den rosa Schweinen darauf sehe. Sie hält ihre Hände vors Gesicht, und tritt wild um sich. Ist ja fast so als würde sie sich wie eins verhalten. Ich öffne das Fenster und lehne mich weit hinaus. Es kommt mir eine teuflisch geniale Idee wie ich Niki aus dem Bett kriegen kann. Ich reiße die Augen auf und starre nach draußen, dann sage ich mit Absicht extrem laut „Ist das da vorne im Park etwa Emilio?“ ich schiele zu ihr herüber, doch sie dreht sich nur mürrisch um.

„Und trainiert er da etwa- OBERKÖRPER FREI?“ wie vom Blitz getroffen fährt sie hoch und gafft aus dem Fenster. Ich grinse in mich hinein, es ist echt viel zu leicht sie zu durchschauen. Ich gehe seelenruhig aus dem Raum, und auf dem Weg zu Audreys Zimmer frage ich mich, ob Niki klar ist das sie immer noch ihren Schweinchen Pyjama trägt und sich gerade damit aus dem Fenster lehnt. Kaum habe ich den Gedanken beendet höre ich einen lauten quietschenden Schrei. Vorsichtig stoße ich die Tür zu Audreys Zimmer mit der Hüfte auf und schleiche mich in Richtung ihres Bettes. Wie ein Raubtier lauer ich vor meiner Beute. Vorsichtig ziehe ich ihr die Decke weg und kippe vor Überraschung beinahe um. In ihrem ganzen Bett verteilt liegen Bücher aller Art, sie schläft sogar auf einem. Mir ist klar, dass sie von uns dreien diejenige ist die am meisten für die Schule tut, aber sogar so lange zu lernen das sie auf den Büchern schläft ist doch etwas zu viel Ehrgeiz. Ich hebe das Physikbuch von ihrem Kopf, kein Wunder, das sie sich über Kopfschmerzen beklagt. Ich lutsche meinen Finger an und stecke ihn Audrey ins Ohr. Jaja ich weiß, wie kindisch und unreif das ist, aber es macht einfach zu viel Spaß. Sie schreckt hoch und ich lasse blitzschnell die Hand hinter meinem Rücken verschwinden. „Was war das?“ sie dreht sich um und sieht mich an. Ihre Augen verziehen sich zu kleinen Schlitzen „Das ist doch nicht dein Ernst? Wie alt bist du eigentlich?“ ich zucke nur mit den Schultern und mache langsam ein paar Schritte rückwärts. „Du bist tot Mia. Tot!“ ich entscheide mich für einen zügigen Rückzug. Sie wird aufstehen, allein um sich an mir zu rächen. Ich gehe in die Küche und mache Frühstück.

 

Kaito sitzt auf dem Boden und sieht mich an. Ich gehe in den Abstellraum, denn da ist soweit ich weiß noch eine alte Luftmatratze. Ich versuche das alte Ding aus einem Regal zuziehen, sie ist zwischen alten Büchern eingeklemmt. Ich ziehe feste an der Luftmatratze aber sie bewegt sich nur ein kleines Stück. Mit aller Kraft ziehe ich an der Matratze und das aus Holz gebaute Regal gibt nach. Es gibt einen lauten Knall als das Regal über mir zusammenbricht. Kurze Zeit später höre ich Kaito. Er reißt die Tür zur Abstellkammer auf und entdeckt mich. Ich liege auf dem Boden und der gesamte Inhalt so wie das Regal stapeln sich auf mir. Ich versuche mich aus dem riesigen Haufen zu befreien aber das Regal ist einfach zu schwer. „Sieht aus, als ob du Hilfe gebrauchen könntest“ sagt Kaito mit einem gemeinen Grinsen. „Nein ich brauche keine Hilfe VON DIR!“ sage ich mit einer zickigen Art. „Gut dann geh ich wieder“ sagt er und geht tatsächlich. Will er mich nun wirklich hier so liegen lassen? Doch da taucht sein Gesicht auch schon wieder in der Tür auf „Außer du sagst das du Hilfe brauchst.“ Er macht das mit Absicht, dieser Idiot! Aber er ist gerade meine Einzige Chance. „Ich brauche deine Hilfe!“ nuschele ich. „Wie war das? Ich kann dich nicht hören“ sagt er. Er genießt das gerade so sehr, ich spüre es. Ich schreie „Ich brauche deine Hilfe!“ Er grinst und geht in die Hocke und stemmt das Regal hoch. Ich klettere unter dem Haufen hervor. Kurz bevor er das Regal wieder fallen lässt ziehe ich die Luftmatratze noch unter dem Regal hervor. „Ach deshalb warst du also hier“ sagt er und fügt noch hinzu „Das wäre doch nicht nötig gewesen wir hätten auch in einem Bett schlafen können“ er grinst und ich werde rot, im ganzen Gesicht, komplett. Ich bringe die Matratze ins Zimmer und gehe zur Haustür und schlie&s! zlig;e n och einmal auf. „Was hast du vor?“ fragt Kaito und lehnt im Türrahmen.
„Ich will mir nur eine Luftpumpe von Frau Martin leihen“ sage ich und klinge bei Frau Martin nebenan.

 Frau Martin. Frau Martin ist eine alte alleinlebende Frau. Sie hat eine Dauerwelle aus grauen Haaren und sehr viele Falten. Auf ihrer Nase sitzt eine kleine Nickelbrille. Sie sieht aus, wie die perfekte Oma, naja wenn man den Charakter nicht mitzählt dann schon. Sie schaut immer bis tief in die Nacht fern, und nicht solche Dinge wie den Bingo Channel, sondern sowas wie Dirty Paradise und allerhand solcher Dating Sendungen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie noch immer wach ist, also muss ich sie nicht wecken. Frau Martin öffnet die Tür „Oh hallo Mia dich habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen“ sie setzt ein breites Lächeln auf und sagt „Ist das etwa dein Freund?“ Ich drehe mich um und sehe Kaito in der Tür unserer Wohnung stehen. Mir wird wieder heiß vor Aufregung. „Nein wir sind nur Freunde“ stammele ich und schiele zu Kaito herüber, um zu sehen, ob sich irgendeine Reaktion zeigt.

„Ja ja, das hör ich oft“ sagt sie und ich weiß in diesem Moment genau an was sie denkt. „Was möchtest du denn?“ fragt sie „Ich würde mir gerne mal ihre Luftpumpe ausleihen? Geht das?“ frage ich. „Aber natürlich. Warte kurz liebes“ antwortet sie. Dann schlurft sie den Flur entlang und kommt kurze Zeit später mit der Pumpe in der Hand wieder. „Danke Frau Martin “ sage ich. „Keine Ursache, aber du kannst mich doch Betti nennen“ dann zieht sie mich zu sich runter und flüstert „Und euch noch viel Spaß! Und treibt es nicht zu wild, die Wände sind nicht sehr dick.“ Sie zwinkert und knallt mir die Tür vor der Nase zu, bevor ich noch etwas sagen kann. Leicht geschockt gehe ich in die Wohnung zurück. Kaito bläst die Luftmatratze auf, während ich mich im Bad fertig mache. Ich ziehe mein Nachthemd an, es handelt sich um ein pfirsichfarbenes Top und eine kurze schwarze Hose. Meine Haare lasse ich zusammengebunden, nur für den Fall der Fälle. Als ich fertig angezogen bin schminke ich mich ab und das dauert sehr lange denn meine Hände zittern vor Nervosität. Es ist lange her das Kaito mal hier übernachtet hat, und sonst hat er immer im Wohnzimmer geschlafen. Doch seit wir das neue Sofa haben ist das leider unmöglich. Als ich nach 10 Minuten fertig bin, knipse ich das Licht im Bad aus und gehe zurück in mein Zimmer. Kaito liegt ausgestreckt auf der Matratze und mustert mich von oben bis unten. „Sexy“ sagt er und zwinkert mir zu. Ich werfe mich zur Show in Pose und er lacht, woraufhin ich erneut rot werde. Viel zu nervös zum Schlafen frage ich schließlich „Wollen wir nicht noch einen Film oder so schauen?“ er sieht mich an „Klar wieso nicht, an welchen hatte die junge Dame denn gedacht?“ Ich hatte um ehrlich zu sein noch an Garnichts gedacht. Ich denke angespannt nach „Wie wäre es ! mit Roro uni Kenshin?“ ich hoffe das er genauso versessen auf solche Filme ist wie ich. „Welcher Teil?“ seine Augen leuchten „Ich habe Kyoto Inferno und The Legend Ends“ antworte ich. „Ich persönlich wäre für Kyoto Inferno.“ Ich nicke und atme erleichtert aus. Ich lege die DVD ein und deute Kaito an sich auf mein Bett zu setzen, um besser sehen zu können.

Nun sitzen wir beide also hier, eng aneinander gerutscht und sehen zu wie Kenshin gegen den verbrannten Attentäter Shishio kämpft. Es ist etwas kühl, doch ich möchte im Moment nicht aufstehen und den dunklen Flur entlang gehen, um mir unsere Ersatz Decke aus dem Wohnzimmer zu holen.
Anscheinend hat Kaito bemerkt das ich friere, denn er hebt seine Decke vom Boden auf und wickelt uns beide darin ein. Nun schmiegen sich unsere Körper aneinander und wir kuscheln. Es ist so ein schönes, wohlig warmes Gefühl in seinen Armen zu sein. Ich sitze vor ihm und er schlingt seine Arme von hinten um mich und zieht mich an seine Brust. „Sonst kann ich nichts sehen“ flüstert er mir ins Ohr und ein Kribbeln breitet sich vom Hals an in mir aus. Unter der Decke suchen meine Finger die seinen und als ich sie schließlich finde umklammere ich sie fest.

 In mir glimmt der Funken Hoffnung, den ich eigentlich löschen wollte, weil er zu viel Rauch und Illusionen produziert erneut auf. Darf ich etwa doch hoffen das Kaito mehr in mir sieht als seine beste Freundin? Ich bin viel zu nervös, um mich auf den Film zu fokussieren, und als er dann noch sein Kinn auf meiner Schulter abstützt und mich seine Haare im Nacken kitzeln ist auch der letzte Rest Selbstbeherrschung dahin. Kaitos Finger streicheln meine und er malt kleine Kreise mit dem Daumen auf meinen Handrücken. Es ist ein so schöner Moment, den ich am liebsten anhalten und für immer ansehen würde, doch da ist der Film schon vorbei. Die Zeit verging, wie im Flug, und durch Kaitos Kuschelaktion habe ich nur die ersten 15 Minuten mitbekommen. Kaito knipst mein kleines Nachtlicht an und klettert hinunter auf sein Bett. Ich bin traurig als er seine Arme von mir nimmt, doch ich kann seine Wärme und seine Berührungen noch immer spüren. Es kribbelt am ganzen Körper und ich danke Gott das ich mich in Kaito damals verliebt habe. Ich sehe zu Kaito hinunter und stelle fest, dass er in seinen Klamotten schlafen will.
 „Wenn du willst kann ich nachschauen ob noch Klamotten von meinem Bruder hier sind?“ sage ich, doch Kaito lehnt dankend ab. Während ich mich schon einmal ins Bett lege geht Kaito ins Bad und ich lasse noch einmal die letzten paar Stunden Revue passieren, der beinah Kuss, das Kuscheln, alles Momente, die ich niemals vergessen werde. Als er wieder kommt tue ich so als ob ich schon schlafen würde. Ich höre wie die Luftmatratze unter seinem Gewicht quietscht, ich höre das Rascheln der Decke und ein leises Räuspern. Der Mond scheint hell durchs Fenster. Ich bin zu nervös, um zu schlafen, ich meine mein Schwarm liegt bei mir im Zimmer, direkt neben mir, in greifbarer Nähe. Wie könnte man da ruhig schlafen?
 Ich sehe auf den Wecker, bereits 2:00 Uhr, langsam muss ich schlafen.  Meine Augenlider werden auf einmal ganz schwer und ich schlafe ein.

Kapitel 4

Plötzlich höre ich ein lautes Geräusch und schrecke hoch. Ich schaue auf den Wecker es ist 3:00 Uhr. „Psssstttt Kaito“ flüstere ich, doch es kommt keine Antwort. Ich setze mich auf und sehe über die Bettkannte. Er liegt auf dem Bauch und seine Arme baumeln von der Matratze. „Psst, Kaito“ zische ich erneut. Der Kerl schläft doch tatsächlich weiter. Also nehme ich mein Kissen und werfe es ihm mit voller Wucht auf den Kopf. Er nuschelt „Was ist?“ „Kaito es ist jemand in der Wohnung!“ sage ich und es ertönt ein lautes Poltern. Kaito schreckt hoch „Du hast Recht! Komm, wir gehen nachsehen.“ Er steht auf und öffnet leise die Tür. Leise und besonders vorsichtig folge ich ihm. Er nimmt sich einen Regenschirm aus dem Ständer im Flur und geht langsam in Richtung Tür. Dieser Schirm ist bestimmt eine super Waffe. Ich halte etwas Abstand zu ihm. Sollte tatsächlich jemand fremdes in der Wohnung sein ist Kaito ein besserer Schutzschild als ich. Das Schloss an der Tür ist aufgebrochen und auch die Tür selbst weist Spuren von roher Gewalt auf. Wir hören ein Knacken und Knirschen, welches aus Audreys Zimmer zu kommen scheint. Wir schleichen uns Ninja mäßig durchs Wohnzimmer in Richtung Audreys Zimmer. Kaito schiebt mich weiter hinter sich als wir vor Audreys Tür stehen. Er spielt gerade unübersehbar den Helden, doch ich liebe es, wenn er mich beschützt und mir das Gefühl gibt etwas wertvolles zu sein. Mit einem kräftigen Ruck stößt Kaito die Tür zu Audreys Zimmer auf und tritt ein. In ihrem Zimmer steht eine Person in schwarzer Kleidung samt Sturmmaske.
Die Person hat ihre Hände in Audreys Schmuckkästchen als wir in ihr Zimmer stürmen. „He wer bist du!“ ruft Kaito aggressiv wie eh und je.
Der Einbrecher dreht sich um und antwortet schnippisch „Ich bin jemand.“

Er verzieht seinen Mund zu einem gemeinen Lächeln. „Los Mia ruf die Polizei“ weist Kaito mich an. Der Dieb zuckt zusammen bei dem Wort Polizei und stürmt auf Kaito zu. Dieser lässt den Schirm fallen und stellt sich dem Flüchtenden breitbeinig in den Weg. Der Einbrecher weicht Kaito geschickt aus und rennt auf mich zu. Ich bin vor Schreck wie erstarrt und bleibe regungslos im Weg stehen. Er hebt seine Faust und holt zum Schlag aus, welcher genau auf mein Gesicht zielt.
 Vor lauter Panik schließe ich die Augen und wartet auf den Schlag, doch zu meinem Überaschen trifft keine Faust mein Gesicht. Langsam öffne ich die Augen.
Kaito hat sich vor mich gestellt und hält das Handgelenk des Einbrechers fest umklammert. Er starrt ihn zornig an, die Augen voller Hass und Abscheu.
Der Einbrecher verzieht schmerzhaft das Gesicht und starrt Kaito an.
Dieser hält das Handgelenk so fest umklammert, dass ich für einen kurzen Moment denke ich hätte Knochen knacken gehört. Der Dieb will sich losreißen, doch Kaito packt mit der anderen Hand seinen Oberarm und wirft ihn mit voller Wucht über die Schulter. Ich weiß ja das Kaito Kung Fu macht aber, dass er so gut ist hätte ich nie gedacht. Hätte der Einbrecher dies ebenfalls gewusst hätte er sich bestimmt nicht mit Kaito angelegt. Der Fremde bleibt auf dem Boden liegen und macht auch keine Anstalten wieder aufzustehen. Ich schiele vorsichtig zu Kaito herüber und entdecke kleine Schweißperlen auf seiner Stirn.
Als er meinen Blick bemerkt, wischt er sich die Schweißperlen schnell von der Stirn. „War gar nicht anstrengend!“ sagt er grinsend. Der Dieb rührt sich immer noch nicht. „Du hast ihn doch nicht etwa umgebracht?“ frage ich Kaito, dieser sieht mich bestürzt an und schüttelt wild den Kopf. „Natürlich nicht, was kann ich denn dafür das der Typ so einen einfachen Wurf nicht packt.“
 

„So nun lass uns doch mal schauen wer unter der Maske steckt.“ sage ich, um Kaito daran zu hindern mit mir eine Diskussion anzufangen.
Langsam beuge ich mich hinunter und ziehe dem Einbrecher die Maske vom Gesicht. Ich kann es einfach nicht glauben wessen Gesicht ich unter der Maske entdecke. Die Person, die versucht hat, uns auszurauben ist jemand der mir nur allzu gut bekannt ist. Ich sehe sein Gesicht jeden Morgen am Bus, ich grüße ihn jedes Mal, wenn ich ihn sehe.ES IST FINN!
Aber das kann doch nur ein schlechter Witz sein? Doch er ist unverwechselbar, seine Strohblonden Haare und das Grüppchen im Kinn. Mir steigen Tränen in die Augen. Hat er mich etwa nur benutzt? Die ganzen Ausflüge die wir alle zusammen gemacht haben, unsere gemeinsamen Partys hier. War das alles für ihn wertlos, wollte er nur auschecken ob hier bei uns was zu holen ist. Kaito umarmt mich und ich drücke ihn fest an mich. Er schiebt mich von sich weg und sieht mir ins Gesicht, seine Augen starre in mein Innerstes und Übertragen eine gewisse Ruhe auf mich.
„Wir sollten jetzt besser die Polizei rufen. Okay?“ Ich wische mir die Tränen weg und nicke. Kaito bewacht Finn der immer noch auf dem Boden liegt und keinen Ton von sich gibt, während ich das Telefon aus der Station in der Küche hole.
Ich unterhalte mich mit einer Frau, sie sagt mir das ich ganz ruhig bleiben soll und eine Streife in Kürze eintreffen wird. Als ich zurück in Audreys Zimmer gehe ist Finn wieder bei Bewusstsein. Kaito sitzt auf seinem Rücken, so dass er sich nicht weiterbewegen kann. Die beiden haben mich noch nicht bemerkt also husche ich ganz schnell hinter die in den Flur geöffnete Tür und lausche.
Kaito und Finn führen gerade eine hitzige Debatte.

 

„Du hast Mia verletzt du Arsch! Wie konntest du nur?“ sagt Kaito wütend, er schreit die Worte schon fast. „Man lass mich doch! Ist doch nicht dein Problem! Ich wollte nur in ihre Wohnung, mein Gott hast du gesehen was hier für Zeig rumsteht?“ keift Finn. „Du sagst es geht mich nichts an, aber es geht mich sehr wohl etwas an.“ brüllt Kaito und seine Stimme überschlägt sich dabei. „Junge sie ist nicht deine Freundin und ihr seid auch nicht schon ewig zusammen. Also was willst du eigentlich? Du hast kein Recht dich hier als Held aufzuspielen. Du bist nur einer von vielen für sie. Und geh von mir runter.“ brüllt Finn zurück. Für eine kurze Zeit herrscht toten Stille. Langsam beuge ich mich vor und linse in den Raum hinein. Kaito sitzt immer noch auf Finns Rücken und starrt die Wand an. Ich glaube sein Gesicht ist rot, entweder vor Scham, was sehr unwahrscheinlich ist oder eher vor Wut. Ich habe ihn noch nie zu vor so brüllen gehört. Dann sagt er „Sie ist zwar nur eine Freundin, aber sie ist mir wichtiger als jeder sonst“ entgegnet Kaito. Ich bin enttäuscht als ich höre das ich „nur“ eine Freundin bin. Er sagt etwas so leise, dass ich es kaum verstehen kann, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er so etwas gesagt das wie „Von wegen nur.“ Er rauft sich die Haare.
 Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer und ich spüre auf einmal das Klopfen bis zum Hals. Ich würde jetzt am liebsten rein stürmen und ihn umarmen, doch da klingelt es an der Tür. Ich schrecke hoch und renne zur Tür. Die Polizisten stehen schon im Flur da die Tür nun sowieso dauergeöffnet ist. Im Flur stehen eine schwarz haarige Frau mittleren Alters und ein Mann Mitte 50.Ich führe die beiden in Audreys Zimmer und erkläre ihnen auf dem Weg dahin was passiert ist.
Die Frau notiert sich alles akribisch. Als wir in Audreys Zimmer ankommen steht Kaito von Finns Rücken auf. In diesem Moment springt Finn auf und ergreift die Flucht.
Die Polizisten jagen ihm durch die Wohnung hinterher und schließlich schnappen sie ihn in der Küche. Sie legen ihm Handschellen an und führen ihn zu Tür.

Bevor er raus geht ruft er mir zu „Sorry, aber du warst nur ein Mittel zum Zweck“ dann wird er abgeführt. Mein Hals brennt, es fühlt sich an, als ob in ihm ein Feuer brennen würde. Ich spüre wie die Tränen in meinen Augen aufsteigen. Ich versuche sie runter zu schlucken, doch sie brechen aus mir heraus.
Sie laufen einfach weiter, ohne zu versiegen. Ich bin einfach so verletzt von Finns Worten, ich hatte ihn echt gern. Kaito kommt angelaufen und schließt mich in den Arm. Meine Tränen laufen über seine Schulter und durchnässen sein Shirt.
Er drückt mich fester an sich, er drückt schon fast zu fest. Es tut fast schon weh im Rücken. Ich drücke mich langsam von ihm weg und sehe ihn an. Röte leuchtet auf seinen Wangen und dennoch strahlen seine Augen einen solchen Schmerz aus, dass es mir das Herz zusammenschnürt. Ich versuche zu lächeln, aber ich kann es irgendwie nicht glaubwürdig rüberbringen. Er hebt seine Hand und wischt mir die Tränen aus den Augen. Ich lächele, aber dieses Mal richtig. Wir gehen nach meiner beendeten Weinerei durchs Treppenhaus zur Straße.
Vor der Tür steht ein Polizei Auto mit Blaulicht. Finn sitzt auf dem Rücksitz und sieht aus dem Fenster. Die Polizistin quatscht über Funk mit der Zentrale. Ihr Partner sitzt bereits im Wagen. Finn sieht mich an und grinst böse.
 Ich klopfe an die Fahrer Scheibe und der Polizist fährt das Fenster herunter. „Würden sie das hintere Fenster einmal kurz herunterfahren?“ frage ich ihn mit einem gespieltem lächeln. Es fällt mir schwer die Fassung zu bewahren. Der Mann mustert mich durchdringend und öffnet dann das hintere Fenster. „Danke sehr“ sage ich freundlich. Mit einem fast schon gruseligem lächeln gehe ich zu Finn ans Fenster

„Na Schneckchen bist du schon über mich hinweg?“ sagt er, und lächelt höhnisch. In mir steigen wieder die Tränen auf, aber ich will nicht das er sieht das mich seine Worte verletzten. Ich kneife ganz fest die Augen zusammen und balle meine Hand zu einer Faust, darauf bedacht das er dies nicht sieht
„Musst du jetzt etwa auch noch weinen, du hässliches Mauerblümchen?“ ärgert er mich. Nun hebe ich meinen Arm und verpasse ihm einen harten Kinnhacken. Er kippt nach hinten, und durch die Handschellen bleibt er weiterhin auf dem Rücken. Er sieht aus wie eine Schildkröte, eine echt hässliche Schildkröte. Meine Tränen fließen einfach ohne das ich es merke. Ich habe sie so lange zurückgehalten, dass es weh tut sie laufen zu lassen. „Lass dich nie wieder Blicken! Du Arschloch“ schrei ich. Mein Herz verkrampft sich regelrecht. Alles in mir zieh sich zusammen, es schmerzt so sehr.
Kaito kommt erneut angelaufen und will mir die Hand auf die Schulter legen, doch ich stoße ihn zurück. Ich will gerade einfach nur allein sein. Als Finn sich wieder aufgesetzt hat sagt er „Respekt kleine. Du schlägst wie ne eins meine süße!“ Meine Hand ballt sich ohne meinen Einfluss zu einer Faust. Ich will gerade ansetzen und ihm sein dreckiges lächeln aus dem Gesicht schlagen, doch bevor ich es tun kann schlägt jemand anderes zu. Jemand der neben mir steht, Kaito. Seine Faust bebt vor Wut. Finns linker Schneidezahn bricht ab, so fest hat Kaito zugeschlagen. Seine Augen funkeln vor Zorn. Es ist beängstigend ihn so zornig zu sehen, doch ich weiß das er nur meinetwegen so emotional ist. Sonst würde er nie so aus der Haut fahren. Die Ader an seinem Hals zuckt vor Anstrengung. Er hält seine Faust immer noch auf Finn gerichtet. Ich schmunzele, anscheinend bin ich ihm wichtiger als ich dachte. Auch wenn er sich bisher gut zurückgehalten hat, hat er sich mit dieser Action selber verraten.

Ich strecke, ohne es zu merken meine Hand aus und umfasse seine. Langsam versuche ich seinen Arm herunter zu drücken, es ist ein sehr mühsames Unterfangen, sein ganzer Arm ist ganz verkrampft.
Ich ziehe ihn mit mir mit und egal was er auch tut ich lasse seine Hand nicht los. Erst als wir wieder in meinem Zimmer stehen lasse ich ihn los. Langsam scheint er zu realisieren was passiert ist. „Mia es tut mir leid, dass ich mich nicht zurückhalten konnte“ „Schon okay. Das war echt süß von dir.“ Mein Herz hüpft in meiner Brust auf und ab und zieht sich gleichzeitig schmerzhaft zusammen. Werden meine Wünsche nun alle an einem in Erfüllung gehen? Kaito hat Gefühle für mich oder etwa nicht? Haben meine Ohren mir vielleicht nur einen Streich gespielt? Doch allein das nun die Möglichkeit besteht das Kaito Gefühle für mich hegt ist diese Unsicherheit und dieses Gefühlschaos wert. „Wir sollten wohl besser nun schlafen“ sagt er und legt sich hin, „Du hast wohl recht.“ „Was machen wir wegen der Tür?“ frage ich schläfrig. „Ich habe sie so gut es geht wieder eingegangen. Wir kümmern uns morgen darum“ antwortet er mit einem lauten Gähnen. Was Audrey und Niki wohl denken werden, wenn sie die Tür morgen früh sehen? Dann fallen mir doch glatt die Augen zu.
Mein Wecker ist es der mich mal wieder aus meinem Traum von einem Date mit Kaito weckte. Als ich ihn abstelle und auf die Matratze unter mir sehe merke ich das Kaito nicht mehr da ist. Langsam setze ich mich auf, durch meinen ganzen Rücken schießen kleine Schmerzenswellen. Ich zucke kurz zusammen Ich werfe meine Decke zurück und stehe auf. Leise schleiche ich mich durch den Flur Richtung Badezimmer. Direkt neben dem Bad liegt Nikis Zimmer, die Tür quietscht laut als ich sie öffne. Ich halte inne und lausche, ob sie dadurch wach geworden ist. Niki liegt ihn ihrem Bett und kuschelt mit ihrem Kissen.

Wenn ich mir ihr Zimmer mal ganz genau ansehe ist es wirklich auffallend strahlend. Ihre Wände sind Türkis gestrichen und auf dem Boden ist weißer Teppichboden verlegt. Auch ihre ganzen Möbel sind weiß. So kommt es einem vor, als ob das Zimmer leuchten würde. Das Einzige was irgendwie fehl am Platz war, sind die Bilder von Emilio die über ihrem Bett hängen, irgendwie gruselig. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken als ich an Emilio und sein übertriebenes Gesülze denke.

Leise schließe ich die Tür hinter mir. Vorsichtig wie Tom Cruise in Mission Impossible schleiche, ich mich durchs Wohnzimmer Richtung Audreys Zimmer. Auch Audrey liegt ruhig in ihrem Bett. Sie weiß ja nicht das ihr Zimmer der Schauplatz eines Verbrechens gewesen ist.
Ihr Zimmer wirkt im Vergleich zu meinem und dem von Niki eher erwachsen, alles ist ordentlich verstaut und nichts liegt irgendwo auf dem Boden rum, nicht so wie bei mir. Kein Staub oder Dreck ist zu entdecken. Ich traue mich gar nicht den Türgriff anzufassen. Ihre Wände wurden in einem sanften lavendel Ton gestrichen und auf dem Boden liegt ein grauer Teppich, der das Zentrum des Zimmers einnimmt. Aber selbst auf dem ist kein Dreck zusehen. Wie sie das wohl macht? Woher nimmt sie die Zeit alles sauber zu machen? Ihr Bett ist aus Buchenholz genauso wie ihr Schreibtisch und ihr Kleiderschrank. Ihr roter Stuhl zerstört die schöne Farbkombination, bestimmt gibt es irgendeine spannende Geschichte hinter diesem Stuhl. Naja, was soll's. Ihre Regale, die an der Wand hänge, sind vollgestellt mit den dicksten Büchern die ich je gesehen hab. Alles Fachwissen wie: Deutsche Grammatik oder Mathematische Formeln. All so ein Zeug was eigentlich kein normaler Mensch braucht. Auch ihr Schreibtisch ist vollgestellt mit Wörterbüchern in jeder Sprache. Ich höre ein Rascheln und kann unter ihrer Pechschwarzen Decke ihren Kopf ganz leicht erkennen. Vorsichtig schließe ich die Tür, ohne die Klinke zu berühren.

Ich schlurfe zurück in die Küche und setze mich an den Küchentisch, ob sie wohl das kaputte Tür Schloss bemerkt haben. Ich meine wie kann man es auch übersehen, immerhin kann man die Tür nun mit der Hand aufdrücken. Ich schreibe auf ein kleines Memo Pad, „Schloss reparieren lassen“ und klebe ihn an unser „To Do Brett.“  Langsam sehe ich herüber zu unserm Kühlschrank an dem plötzlich eine mir unbekannte Postkarte klebt. Haben wir gestern etwa noch Post bekommen? Ich stehe auf und pinne sie vom Kühlschrank ab. Sie zeigt ein türkisfarbenes Meer und einen weißen Sandstrand. Als ich sie umdrehte erkenne ich Kaitos Handschrift.

Hi Mia,
Tut mir leid, dass ich, ohne ein Wort zu sagen verschwunden bin.
Aber ich habe gedacht das ich nun nicht mehr von Nöten bin, da Audrey und Niki ja nun da sind. Nun da wir nur noch bis übernächsten Mittwoch zur Schule müssen können wir ja am Sonntag deinen Geburtstag feiern.

Ps. Ich habe schon jemanden kontaktiert der heute vorbei kommt und sich die Tür ansieht.
LG Kaito.

Nun bin ich wieder total happy. Heute ist Samstag, was bedeutet ich habe ungefähr eine Woche Zeit, um mir etwas für meinen Geburtstag zu überlegen. Ich gehe nochmal in mein Zimmer und kuschele mich unter meine noch immer warme Decke. Doch schlafen kann ich nicht mehr. Das leise Ticken meines Weckers kommt mir unvorstellbar laut vor, das Echo prallt von den Wänden ab und kommt immer wieder zurück zu mir, so als wolle es mich wahnsinnig machen.  Ich setze mich wieder auf, nun ist es 8:12 Uhr. Ich greife nach meinem Handy und löse es von der Ladestation ab.
Mein Handy ist heiß gelaufen. Warum wohl? Ich entsperre es und öffne WhatsApp. Neben den 102 Nachrichten aus meiner Schulgruppe entdecke ich eine noch ungelesene Nachricht von Kaito!! Ich öffne unseren Chat und sehe als erstes ein Bild von mir beim Schlafen, das er heimlich gemacht hat. Ich werde rot und es ist mir auf einmal unendlich peinlich, dass er mein schlafendes Gesicht so gesehen hat. Ich lese die angehängte Nachricht: Sonntag gibt es eine Überraschung zu deinem Geburtstag. Versuch etwas weniger zu sabbern, während du schläfst. Dahinter ein zwinkernder Smiley.
Ich muss schmunzeln, es ist schon irgendwie süß aber auch gleichzeitig unangenehm das er mich damit aufzieht.
Langsam streiche ich mit den Fingern über meine rosafarbene Hardcover Hülle. Ich seufze, mir ist langweilig! Da ich weiß das Audrey und Niki erst gegen 10:00 Uhr aufstehen würden gehe ich herüber zum Kleiderschrank und ziehe meine graue Jogginghose mit der blauen Vier auf der Tasche aus dem obersten Fach meines unaufgeräumten Schranks. Dazu ziehe ich meinen schwarzen Sport BH und mein schwarzes bauchfreies Top an. Nachdem ich mich vollständig umgezogen habe schleiche ich mich leise in den Flur und ziehe mir meine Turnschuhe an. Kopfhörer ins Ohr, mein Lieblings Lied spielt und auf geht’s. Wenn ich mal joggen gehe höre ich am liebsten Lieder aus den 80er und 90er Jahren. Im Moment höre ich zum Beispiel „Strong enough“ von Cher. Langsam schließe ich die Tür hinter mir und gehe durchs Treppen Haus. Erst als ich die Tür, die hinaus zur Straße führt geschlossen habe, drehe ich Cher auf volle Lautstärke. Die Autos, die schon in aller Frühe an mir vorbei rasen höre ich nicht.  Als ich im Park ankomme jogge ich los. Weiter einfach weiter ohne halt.

 

Kapitel 5

Nach einer Weile stoppe ich denn ich sehe ein mir nur allzu gut bekanntes Gesicht auf der Bank am alten Brunnen sitzen. Langsam gehe ich herüber und setze mich. Ich stoppe die Musik und ziehe mir die Kopfhörer aus den Ohren.
„Na Leo! Was machst du hier?“ frage ich und Leo dreht sich langsam zu mir um.
Er sieht ziemlich fertig aus. „Ach du bist es nur Mia“ „Was soll das denn heißen? Nur Ich? Sag, was ist?“ antworte ich. „Also ich habe Audrey gestern geschrieben und sie gefragt, ob sie mit mir noch einen trinken gehen will. Und sieh dir an was sie geantwortet hat“ er hält mir sein Handy unter die Nase und ich lese was Audrey ihm geantwortet hat: Lass mich in Ruhe, du gehst mir langsam auf die Nerven. Das tut sicher weh, armer Leo. „Ach sie war sicher nur müde wegen der Arbeit“ versuche ich ihn zu trösten, obwohl ich genau weiß das es nicht so war. „Nein, sie mag mich einfach nicht“ jammert er. Er stützt sein Gesicht in die Hände, aber ich kann trotzdem sehen, dass er die Mundwinkel herunterhängen lässt. Dafür, dass er so furchteinflößend aussieht ist er doch ganz schön weich im Inneren. Ich lege ihn die Hand auf die Schulter. Er sieht zu mir auf, seine Augen strahlen pure Verzweiflung und Schmerz aus. Ich weiß genau was er fühlt, aber er macht es sich noch schwerer. Er versteckt sein errötetes Gesicht immer hinter einem fiesen Blick und spitzzüngigen Bemerkungen, doch im Inneren ist er soft wie ein Kleinkind. Er muss einfach lernen Audrey und allen anderen genau diese kindliche, liebe Seite an ihm zu zeigen. Genauso wie er es bei mir auch gemacht hat.
„Leo hör mal. Sei einfach du selbst“ nun setzt er sich wieder auf und schaut mich hilfesuchend an. „Aber Audrey mag mich nicht! Sie will nichts mit mir zu tun haben.“ Mir reißt endgültig der Geduldsfaden

Wie kann man nur so wenig Selbstvertrauen haben. Na gut, ich kann auch nicht gerade mit Selbstbewusstsein prahlen, aber Aufgeben kommt bei mir nie in Frage. Ich springe auf und stemme die Hände in die Hüfte. „Leo so wie du dich gerade verhältst ist mir schon klar, warum Audrey kein Interesse hat, an dir. Aufgeben gibt es nicht! Zeig ihr die guten Seiten an dir die sie noch nicht kennt. Bring sie dazu dich zu mögen. Wenn du so rumjammerst wird es doch nicht besser“ sage ich mehr als deutlich. Er steht auf, in seinen Augen lodert ein Feuer, das ich zuvor noch nicht bei ihm gesehen habe. Ich glaube das könnte wirklich etwas werden, doch dann sagt er „Das schaff ich doch nie! Du kennst mich doch. Du weißt, wie ich bin.“ Er hat schon irgendwie Recht, neben Kaito kenne ich Leo am besten, und Leo fällt wirklich nicht gerade in Audreys Beuteschema. Aber was nicht ist kann ja noch werden, und wenn es von alleine nicht klappt helfe ich eben etwas nach. Ich packe ihn am Ärmel und schleife ihn bis ans Ende vom Park. „So, du joggst jetzt mit mir bis zu unserer WG und dort wirst du dann mit uns Frühstücken klar!“ verdutzt sieht er mich an, doch dann nickt er leicht. Ein nein hätte ich sowieso nicht akzeptiert.
Wir joggen bis zu unserer Haustür, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Wir hören beide Musik. Ich drücke leise unsere Wohnungstür auf. Ich sehe Leos verwirrten Blick „Frag erst gar nicht. Ist eine lange Geschichte.“ Wie Einbrecher schleichen wir uns in die Wohnung. Wir ziehen die Schuhe aus und gehen Richtung Küche.
Leo setzt sich auf einen Stuhl und meint: „Hier riecht es überall nach Audrey.“ Er sieht überglücklich aus, und merkt gar nicht wie seltsame seine Aussage gerade war. Ich öffne den oberen Küchenschrank und hole vier Brettchen heraus. Leo kommt gar nicht erst auf die Idee mir zu helfen, obwohl ich hier die komischsten Verrenkungen mache, um an die Brettchen zu kommen. Wie als wäre er in Hypnose gefangen sitzt er da und starrt mit leeren Augen auf die Tischplatte.

Ich stelle mich vor ihn und fuchtle mit den Händen vor seinem Gesicht herum. Erst als ich mit den Fingern vor seinem Ohr schnipse kehrt wieder Leben in seinen Körper zurück. „Du kannst mir gern mal helfen“ langsam hebt er seinen Kopf und starrt mich aus traurigen Augen an. Verzweifelt seufze ich, dieser Junge ist echt anstrengend. „Also gut, du kannst ja mal kurz zur Bäckerei auf der anderen Straßen Seite gehen und Brötchen kaufen?“ er nickte nur stumm. „Sag mal Leo hast du etwa deine Zunge verschluckt!“ „Nein! Ich male mir nur gerade Audreys Reaktion aus. Ich wette sie wird mir den Hals umdrehen, wenn sie mich hier sieht“ antwortet er. So langsam fängt er an mir mit seiner Jammerei tierisch auf die Nerven zu gehen. Ich ignoriere ihn einfach und drücke ihm das Geld in die Hand. Widerwillig schlurft er zur Eingangstür und drückt sie auf. „Du wirst mir nicht verraten, warum die Tür kaputt ist, oder?“ ich lege den Finger an die Lippen und flüstere „A secret makes a woman a woman.“ Hoffentlich wird Leo sich beeilen damit nicht alle schon wach sind, wenn er kommt. Während ich den Tisch deckte kommt es mir so vor als würde die Uhr an der Wand immer lauter Ticken und immer schneller werden.

In mir kommt langsam der Gedanke auf wie ich mich wohl verhalten würde, wenn Kaito mich vielleicht irgendwann mal abblitzen lassen würde. Für mich ist Leos Gejammer unerträglich doch was ist, wenn ich mich irgendwann mal genauso benehmen werde. Was wenn er eines Tages genauso versuchen wird mich aufzuheitern, wie ich es gerade bei ihm versuche? Ich will wirklich nicht das mich die anderen dann bemitleiden, dass wäre schlimmer als alles andere. Doch mit meinen trübsinnigen Gedanken will ich mir nun nicht den Tag verderben, also mache ich weiter mit meiner Arbeit. Ich lege Messer auf den Tisch und stelle Nikis Lieblings Marmelade, die mit Himbeergeschmack auf den Marmortisch.

Ich ordne den verschiedenen Aufschnitt schön auf dem Tisch an und fertig ist ein nettes samstags Frühstück. Gerade als ich mich aufs Sofa setzen will klingelt es unten an der Tür zum Treppenhaus. Ich bin nicht sonderlich überrascht als Leo durch die Kamera unten zu sehen. Ich öffne mit dem Knopf die untere Gebäudetür. Leo kommt wütend die Stufen hoch gestampft, ich traue mich gar nicht etwas zu sagen. Wir gehen in die Küche und setzen uns hin. Erst jetzt fällt mir auf das er ja heute mal keine Jeans trägt, sondern eine locker sitzende graue Jogginghose in einer Kombination mit einem blauen Kapuzenpulli. Das sieht sehr lässig aus, gefällt mir, ist mal was anderes. „Hör mal Mia?“ ich schrecke ruckartig aus meinem Tagtraum auf und er spricht weiter. „Schick mich nie wieder zu dieser Bäckerei!“ Ich sehe ihn etwas verdutzt an „Warum nicht? War etwas?“ nun veränderte sich seine Miene, er starrt mich förmlich mit Blicken an, die mir sagen: Zerfalle zu Staub. „Ja, es war was“ seine Stimmlage veränderte sich und wird lauter. „Was hast du getan?“ frage ich besorgt. Ich habe Angst vor der Antwort die gleich kommt.
„Hinter mir in der Reihe stand so ein protziger Typ, und ich sah, wie du bestimmt weißt sehr niedergeschlagen aus“ er macht kurz Pause und spricht dann weiter „Also labbert dieser Typ mich von hinten an mit den Worten: Na kleiner, haste nen Korb bekommen, oder was?“ Ich verkneife mir ein leises Kichern, Leo funkelt mich böse an „Bitte fahre fort“ sage ich und er erzählt weiter. „Ich habe den Typen ignoriert da reißt der an meinem Hoodie und sagt: Kein Grund zu schmollen, die Weiber sind doch eh alle gleich, ohne Geld machen die für keinen die Beine breit“ ich habe schon so eine ungute Vorahnung was jetzt kommt. „Tja und dann bin ich leicht überdeutlich geworden und habe ihm einen ordentlichen Stoß verpasst“ ich weiß das es bestimmt nicht nur ein Stoß war. „Leider ging dabei seine ach so teure Designer Brille zu Bruch“ führt er fort. 
Seine Augen verziehen sich zu kleinen Schlitzen und er grinst fast schon stolz. Ich muss mir mein Lachen deutlich verkneifen. Leo verdreht seine Augen in alle Richtungen. Ich glaube mein Gesicht läuft schon rot an, weil ich es so sehr zurückhalten muss. Das sieht er und streckt mir die Zunge raus und schneidet Grimassen. Nun platzt mein Lachen aus mir heraus. Es hallt durch die ganze Wohnung. „Ach man Mia lass den Scheiß!“ Ich versuche mich wieder zu beruhigen und gerade als ich denke es geht wieder stelle ich mir ohne es zu wollen vor wie die anderen Gäste auf Leos kleinen Ausraster reagiert haben. Das führt nur wieder dazu, dass ich einen weiteren Lachkrampf bekomme.
Erst nach einer gefühlten Stunde komme ich wieder dazu Luft zu holen und mich zu beruhigen. Ich setze mich wieder gerade auf meinen Stuhl und wische mir eine Lachträne aus dem Gesicht. „Bist du fertig mit lachen? “ fragt Leo genervt, ich nicke. „Was ist denn hier los?“ fragt Niki die aus ihrem Zimmer geschlurft kommt. Müde reibt sie sich über die Augen. Sie blinzelt mehrmals und reißt die Augen weit auf als sie Leo sieht. Plötzlich schreit Niki los und rennt zurück in ihr Zimmer. Etwas verdutzt sieht mich Leo an. Ich zucke mit den Schultern. Nach exakt 5 Minuten kommt sie wieder aus ihrem Zimmer, und zwar komplett angezogen und aufgebrezelt. Sie hat ihre kurzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und trägt eine hellgraue Jeans mit einem weißen Bauchfreiem Top. So kenn ich meine Niki, immer perfekt.

Nun sage ich und trommle mit den Fingern auf den Tisch „Niki leiste Leo doch kurz Gesellschaft, während ICH mich umziehen gehe.“ Ich lächele und ohne, dass sie etwas erwidern kann verschwinde ich in mein Zimmer. In Windeseile reiße ich mir die verschwitze Jogginghose vom Leib und schlüpfe in eine noch nicht vom Schweiß durchnässte schwarze Leggings.
Auch mein am Körper klebendes schwarzes Top und den Sport BH tausche ich gegen einen normalen weißen BH und ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift: Not cute, just psycho. Nun nur noch schnell einmal mit der Bürste durch die Haare und fertig ist eine wahre Beauty Queen. Meine Haare sind elektrisiert und stehen in alle Richtungen ab. Ich sause zurück in die Küche, in der peinliche Stille herrscht.

Als ich mich gerade setze kommt Audrey aus ihrem Zimmer, wie immer schon fertig angezogen und mal wieder, makellos. Ein eng sitzendes Top mit einem weißen Rüschen Vorhänger schmückt ihren Oberkörper und eine dunkelgraue Jeans verziert den Rest. Dazu einen großen strengen Dutt und passende weiße Perlenohrringe. Als sie Leo sieht presst sie die Lippen fest aufeinander. „Was will der den hier!“ sie setzt ihren schärfsten Blick auf, so als wäre sie Medusa und er einer ihrer nervigen Verehrer. „Audrey ich habe ihn eingeladen mit uns zu essen“ ihr Blick wird härter und sie durchbohrt nun mich mit ihrem puren Hass und all ihrer Verachtung, doch das Einzige was sie antwortet ist „Ok.“ Niki und ich sehen uns verdutzt an. Dann ändern sich unsere Blicke und wir schauen uns hämisch an und quietschen „Hast du etwa jemanden nettes kennengelernt?“ „Sorry Leo“ fügen wir hinzu, er ist bestimmt nicht scharf darauf diesem Thema zuzuhören. „Nein!“ zischt sie schnell zurück, etwas zu schnell. Ich weiß das sie lügt, jedes Mal, wenn Audrey innerhalb von Milli Sekunden antwortet lügt sie. Niki und ich wissen, dass es nichts bringt mit Audrey zu diskutieren, weshalb wir es gut sein lassen. In eisiger Stille essen wir leise unser Frühstück. Vorsichtig tippe ich Niki auf die Schulter sie sieht mich an, ich weise ihr an das wir zwei Mal kurz verschwinden sollen um die beiden allein zu lassen. Sie versteht sofort. „Ich muss mal kurz aufs Klo“ sage ich und stehe auf „Ich auch“ sagt Niki. Naja, etwas unauffälliger hätte wir es schon machen können, aber so ist es witziger.

Wir gehen Richtung Badezimmer und kurz davor bleiben wir stehen und schleichen uns leise wieder Richtung Küche. Vorsichtig linsen wir um die Ecke und schauen in die Küche. Audrey schlürft ihren Kaffee und sieht desinteressiert auf die Uhr. Leo spielt an seinen Finger, bis er schließlich sagt: „Also Audrey wie war die Arbeit gestern?“ Wir erwarten eine ausführliche Antwort wie wir es von ihr gewöhnt sind, aber es kommt nur ein kurzes: „So wie immer“ aus ihrem Mund. Mir fällt die Kinnlade herunter. Sonst erzählt sie immer von aufdringlichen Typen, die ihr unter den Rock kucken wollen oder betrunkene Jugendliche, die nicht wussten, wie viel Bier sie vertragen. Einmal hat sie sogar erzählt das eine Frau in die Bar kam und ihrem Ehemann eine riesige Szene gemacht hat, weil er mit einer anderen Frau da war. Aber SO etwas haben wir beide nicht erwartet. Wir sehen, dass Leo die Fragen ausgehen. also gesellen wir uns wieder zu den beiden. „Na Gruppensitzung auf dem Klo beendet?“ ist das erste was aus Audreys Mund kommt. Ihr angesäuerter Blick lässt das Blut in meinen Adern gefrieren. Ich atme einmal ein und aus, dann setzen wir uns wieder. Schweigend essen wir unsere Brötchen. Vorsichtig schiele ich zu Leo herüber der nur verunsichert an seinem Café nippt.
Als alle fertig sind stehe ich auf und schiebe Leo ohne große Worte zur Tür. Dort angekommen rufe ich extra laut in die Wohnung, damit es auch ja jeder hörte: „Danke Leo das du mit uns gegessen hat. Und dir nun noch einen schönen Tag.“ Als ich mir sicher bin, dass ich gerade eine Zimmertür hab knallen hören flüstere ich „Tut mir echt leid, ich dachte nicht, dass sie so extrem reagiert“ ich drücke seine Schulter. „Schon okay, du hast es ja nur gut gemeint“ er lächelt, doch ich weiß das ihm gerade mehr nach weinen zumute ist.

 

Ich drücke seine Schulter nur noch fester, ich versuche ihm zu verdeutlichen das es okay ist traurig zu sein, doch er hält seine Wand aufrecht und fügt lächelnd hinzu „Es soll wohl einfach nicht sein. Solang sie glücklich ist.“ Ich sehe den Schmerz in seinen Augen, Schmerz, den dieses aufgesetzte Lächeln nicht zu verstecken vermag. Als ich die Tür hinter ihm wieder so gut es geht zugedrückt habe schleiche ich mich vorsichtig zurück in die Küche. Audrey hat so eine Art 7 Sinn, mit dem sie sofort weiß, wer sich wo in der Wohnung aufhält. Mit einem lauten Knall fliegt ihre Zimmertür auf und ich höre ihre wütenden Schritte in einem zügigen Tempo den Flur entlangkommen. Ich packe Niki am Arm und will schnell mit ihr in mein Zimmer flüchten als Audrey auch schon ruft „HIER GEBLIEBEN!“ Wir zucken zusammen und drehen uns auf dem Absatz langsam um. Audrey steht breit beinig im Zwischengang von Küche und dem Bereich der Wohnung in dem Nikis und mein Zimmer liegt, und starrt uns mit ihrem Todesblick an. Sie ist sauer, und zwar so richtig.
Ihre Nasenflügel beben und sie hat dieses nervöse zucken ihrer Augenbraue.
Alles Anzeichen dafür das sie jede Minute hochgehen würde. „Ach komm Audrey war doch lustig“ fängt Niki an, wie beim Bombenentschärfungskommando versucht sie vorsichtig den Sprengsatz zu entschärfen. „Lustig…lustig?“ sie lacht spöttisch sie ist auf 180. „Wie sollte das lustig gewesen sein? Ihr wisst, dass ich Leo nicht mag. Er ist ein Proll, einer dieser Möchtegerngangster. Ich hasse das.“ Sie zetert und redet sich immer weiter in Rage. „Wie kommt ihr eigentlich dazu zu glauben ihr könntet Amor spielen, und was? Mir zeigen was für ein ach so toller Kerl Leo ist?“ ich öffne den Mund, um etwas zu entgegnen, doch ich glaube dies ist eine rhetorische Frage auf, die sie keine Antwort erwartet, denn sie redet direkt weiter. „Ich würde ja auch nicht einfach wen einladen den ihr nicht mögt-S oll ich etwa Cindy einladen? Oder etwa Jane?“ sie sagt das nur weil sie weiß es würde uns treffen.

Kapitel 6

 Kaum hat sie die Namen ausgesprochen zieht sie scharf Luft ein, so als wolle sie die Worte wieder zurückziehen. Sie unausgesprochen machen. Es tat ihr im selben Moment leid, dass sie ihre Namen erwähnt hatte. Wir beide sehen es in ihrem Gesicht, doch das ändert nichts daran das es weh tut.

 Jane ist Kaitos Ex Freundin, die mit ihm bis vor einem Jahr zusammen war. Kaito und ich hatten in der Zeit weniger Kontakt, weil Jane fand es gäbe keine Beste Freundschaft zwischen Mann und Frau ohne sexuelle Spannung. Sie hatte nicht unrecht. Ich stand damals wie heute auf Kaito, doch mir wäre nie in den Sinn gekommen ihn ihr weck zunehmen oder irgendwas dergleichen. Er war zu der Zeit glücklich mit ihr und ich hatte das akzeptiert. Kaito hat sie mir nie vorgestellt, er hat mir immer nur von ihr erzählt. Sie ging auch auf eine andere Schule und war einen Jahrgang über uns. Ich habe sie einmal zufällig auf einer Hausparty von einem Klassenkameraden getroffen. Auch wenn es schmerzt zuzugeben, sie war bildschön und dazu auch noch unglaublich nett. Hätte sie wenigstens eine schlechte Eigenschaft würde ich mich nicht so schlecht fühlen sie zu hassen. Ich hasse sie einfach, weil sie zu perfekt ist und mir dadurch das Gefühl gibt ihr nicht das Wasser reichen zu können. Nie das für Kaito zu sein was sie für ihn war. Das ist lächerlich, dass weiß ich selbst, denn Kaito zeigt mir offen und oft genug, wie wichtig ihm unsere Freundschaft und auch ich bin, und dennoch zeigt mir Jane meine schlechten Eigenschaften. Diese blöde Eifersucht auf sie und das was sie mit Kaito hatte und diese Angst das ich ihn verlieren könnte an sie oder irgendjemandem. Angst das er merkt, wie sehr es mich verletzt zu sehen, wie er mit anderen Mädchen flirtet.
 

Und Wut, Wut über meine eigene Schwäche und die Tatsache, dass obwohl ich weiß das ich Kaito wichtig bin und er mich nie absichtlich verletzen würde, ich seine Zuneigung und unsere Freundschaft immer wieder anzweifele. Ich hasse meine eigene Unsicherheit, diese Dunkelheit in mir die ich zu verstecken versuche. Ich finde diese Seite an mir so unendlich hässlich, was wenn Kaito bemerkt wie erschreckend mein Innerstes doch sein kann?

 Niki reißt mich aus meinem Frust und dem Selbstmitleid in dem ich mich gerade zu ertränken versuche und sagt „Das ist nicht dasselbe und das weißt du auch. Du hast das gerade nur gesagt, weil du wusstest das es uns verletzt. So warst du schon immer “ ihr Blick ist eisern. Auch Niki hat die Erwähnung von Cindy getroffen, sogar noch tiefer als mich der bloße Name Jane. Sie ist anders als Jane bei Kaito noch immer Teil von Emilios Leben, und sie weiß das nur zu gut. Cindy ist Teil unseres Alltags, sie ist mit uns in mehreren Kursen, Niki sieht sie mehr als ihr lieb ist.
Überall wo sie ist, ist auch Cindy. Selber Yoga Kurs, selber Chemie Kurs und auch noch selbe Vorbereitungsschule. Ich sehe Jane, wenn es hoch kommt alle 3 Monate auf einer Party und das auch dann nur für ein paar Stunden. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie mies sich Niki fühlt, wenn sie Cindy die ganze Zeit um sich rumhat. Sie weiß sicher das Cindy Emilio fest im Griff hat, ich will mir nicht ausmalen was für ein unglaublicher Schmerz das Sein mag zu wissen, dass er sie, ohne zu zögern zurücklassen würde, wenn Cindy nach ihm pfeifen würde. Es muss unglaublich hart sein das zu wissen und dennoch in ihrer und vor allem seiner Nähe zu sein.
Audrey stockt, als sie sieht wie Niki auf ihrer Unterlippe herum kaut. Sie weiß das sie zu weit gegangen ist. Niki hat die Angewohnheit auf ihrer Unterlippe zu kauen, wenn sie kurz davor ist in Tränen auszubrechen. Audrey weiß das genau so gut wie ich.

 Es waren nicht Audreys harschen Worte, sondern die Erinnerungen, die sie damit wachrief, die Niki so zu setzen. Audrey ist zu stolz, um sich für ihre Worte zu entschuldigen, so war sie schon immer. Es wird mindestens 20 Minuten dauern bis sie den ersten Versuch wagen wird sich zu entschuldigen.
Wie zu erwarten dreht sie sich um und stampft in ihr Zimmer zurück. Mit einem lauten krachen fliegt die Tür zu und man hört nur noch, wie ihr verrostetes Türschloss beim Abschließen laut quietscht. Damit ist die Unterhaltung für sie beendet. Niki hält sich mit einer Hand an ihrem eigenen Arm fest, so als könnte sie so verhindern in den Sumpf des Selbsthasses und der Verzweiflung zu stürzen.
Ich nehme sie an der Hand und wir verkriechen uns in mein Zimmer. Sie setzt sich mit angezogenen Knien aufs Bett und schlingt ihre Arme darum
Es tut ihr weh an Emilio zu denken, und vor allem, das wusste ich, an das zu denken was sie sonst immer verdrängt. Der Gedanke das ihre Gefühle nie zu ihm durchdringen werden und alles hoffnungslos ist, all ihre Mühen ins Leere laufen.
 „I got chills they‘re multiplyin‘–“ singe ich und Niki schaut auf. Sie liebt Grease und ich weiß, wenn es etwas gibt was sie aufmuntert dann sind es John Travolta und Julia Newton John im 50er Jahre Look. Ich bewege mich rüber zur Stereoanlage „And I‘m losin‘ control..“ ich drehe die Anlage voll auf und schon singt John Travolta „Cause the power you‘re supplyin it‘s electrifyin‘ -“ Ich grinse Niki an und wenige Sekunden später singen wir beide. Sie den Part von Sandy und ich Dannys. Sie singt und zeigt dabei mit dem Finger auf mich „You better shape up up up- cause i need a maaaan, who can keep me satisfied.“ Wir singe beide weiter und tanzen wild durch den Raum, die Trauer von vor wenigen Minuten ist wie weggeblasen. Unisono singen wir den Refrain „You’re the one that i want o o oo honey, the one that I want.”

Wir kullern uns vor Lachen auf dem Boden als das Lied zu Ende ist. „Du wärst eine super Sandra D“ sage ich und drehe meinen Kopf zu ihr. Sie versucht unbeeindruckt zu wirken doch ihre Mundwinkel zucken. Ich wusste es freute sie das ich das sage. Sie wollte schon als kleines Kind wie Sandy sein. Während Audrey und ich uns darüber stritten wer Schneewittchen und wer Jasmin sein durfte polierte sie ihre weißen Lackschuhe.
Sie wollte auch schon immer eine Liebesgeschichte wie in Grease. Ihr war es auch egal das Audrey und ich immer mit ihr darüber diskutierten, wie dumm es doch war auf jemanden wie Danny herein zu fallen. All dies blendete sie gekonnt aus und überstimmte uns immer mit den Worten „Wäre die Liebe einfach, wäre es doch langweilig“ und damit hatte sie Recht.
Einmal in der 7ten Klasse hatten wir einen Mitschüler aus Amerika namens Danny O’hara, Niki klebte ihm den ganzen Sommer an den Hacken und flehte ihn an der Danny zu ihrer Sandy zu sein. Es ist eine meiner liebsten Erinnerungen, die kleine Niki mit Tonnenweise Haarspray und aufgebauschter Fönfrisur, Audrey in einem Schneewittchen Kostüm und natürlich meine Wenigkeit als überstolze Prinzessin Jasmin, sogar mit Plüschtiger Raja.

„Du würdest einen mittelprächtigen Danny abgeben“ sagt Niki kichernd und prompt fliegt ihr ein Kissen an den Kopf. „Eyy, ich wäre der beste Danny überhaupt“ sage ich und posier vor ihr. Aus meiner imaginären Jacke ziehe ich einen imaginären Kamm, mit dem ich mir wie im Film die Schmalzlocke zurecht streiche. Wir beide schauen uns an und brechen in schallendes Gelächter aus. Es tut so gut sie wieder lachen zu sehen, so gefällt sie mir am besten.

Das Telefon klingelt und ich deute Niki an still zu sein, bevor ich dran gehe. Noch bevor das erste Wort fällt weiß ich wer dran ist, ist Frau. Laurens unsere Mathe Lehrerin. Ich höre durch den Hörer ihr typisches Räuspern, das so klingt als würde gerade ein altes Auto im zweiten Gang um die Kurve rasen, irgendwie kratzig und absolut nervtötend. „Ähm… Hallo Frau Laurens. Wie geht es ihnen?“ säusele ich in mein Handy. „Ja Hallo Mia- mir geht es den Umständen entsprechend. Also der Grund meines Anrufes ist das von Montag bis Mittwoch ein Vertretungslehrer meine Stelle übernehmen wir. Da du die Klassensprecherin bist musst du die Klasse informieren und die Materialien besorgen“ ich bin froh, dass sie durchs Handy nicht sehen kann, wie sehr ich die Augen verdrehe. Ich hasse mich selbst immer noch dafür mich diesen blöden Posten angenommen zu haben, ich bin keine Führungsperson, doch Kaito hat mich einfach zu Wahl gestellt, und tatsächlich hat die Mehrheit für mich gestimmt. „Ja, aber sicher werde ich diese „höchst“ (un)wichtige Info an die Klasse weiterleiten“ natürlich werde ich das nicht tun, ich werde die Materialien verteilen und schön still sein. Ich habe keine Lust das mir wie dem Letzen Klassensprecher Kreide an den Kopf geworfen wird, wenn ich versuche die Klasse zur Ordnung zu ermahnen. Sie fügt hinzu „Bitte versucht euch eurem Alter entsprechend zu verhalten- kein Uhr-Frisbee und auch kein Deo Flammenwerfer.“ Sie legt auf, bevor ich etwas entgegnen kann. Ich muss schmunzeln, wenn ich an den Deo Vorfall denke. Marco Bricks hat vor einem guten Monat mit einer Deoflasche und einem Feuerzeug eine riesige Stichflamme erzeugt und damit die Tische abgeflämmt. Ach ja, und auch das alte Uhren-Frisbee ist fast schon ein tägliches Ritual, wenn wir mal kurz unbeaufsichtigt sind. Die Gang um Lukas Sander, nimmt sich im jeweiligen Raum d! ie gro&s zlig;en Wanduhren und werfen sie wie eine Frisbee quer durch den Raum. Natürlich gehen die meisten dabei zu Bruch aber sie werden einfach wieder an die Wand gehangen und man hofft es wird lang genug keiner merken. Meistens fiel es aber sofort auf.
 

Der Tag heute kommt mir so unglaublich kurz vor, denn ehe ich es bemerke ist es auch schon Zeit fürs Bett. Ich kann einfach nicht einschlafen, also ziehe ich meine Kopfhörer unter dem Wäscheberg auf meinem Schreibtisch hervor und hole meinen alten Walkman heraus. Den meisten würde jetzt bestimmt die Kinnlade herunterfallen, aber ich liebe meinen Walkman, auch wenn es nur der alte meiner Mutter ist. Ich finde es irgendwie cool und schön noch CDs zu hören. Man kann sie anfassen und spüren. Ich mag sogar das Ruckeln der CD im Walkman und das leichte kratzen und knacken der Musik. Es erinnert mich irgendwie immer an die Zeit als ich noch jeden Tag Spaß hatte. An die Zeit in der ich mir den Kopf noch nicht über Jungs und dergleichen zerbrochen habe. Es ist die Zeit, in die ich so oft zurückreisen möchte. Zurück nach Hause, zu meiner Mutter, meinem Vater und selbst zurück zu meiner nervigen großen Schwester. Wir hatten einen alten Kirschbaum im Garten, er stand einfach nur da und reckte die Blätter der Sonne entgegen. Jeden Sommer bis ich neun war habe ich unter diesem Baum gesessen und Musik über diesen Walkman gehört. Ich habe gebastelt und Musik gehört, ich habe mit meinen Puppen gespielt und Musik gehört. Musik war schon immer Teil meines Lebens. Vielleicht liegt es in der Familie, immerhin ist meine Mutter Pianistin. Ich schließe die Augen und denke an diesen Baum, an die warmen Sommerwinde und den süßlichen Duft der weißen Blüten.

 Gerade singen die Backstreet Boys „I’ll be the one (I’ll be the one) who will make all your sorrows undone-“ als auf meinem Handybildschirm eine Nachricht von Kaito auftaucht

„Na wer ist denn da noch wach?“

      „Keine Sorge ich bin morgen topfit.“

„Lass mich raten, es ist Walkman Zeit?“

                                                          „Korrekt, es gibt doch nichts Besseres, wenn man nicht schlafen kann.“

„Wer ist es heute? Backstreet Boys oder Britney? “

                                                          „Backstreet Boys haha. “

„Ist es mein Lieblingslied?“

                                                          „Nein, nicht I want it that way rate mal.”

„Zu einfach! Wenn es nicht das ist, ist es The One.“

                                                             „Verdammt, du kennst mich zu gut was?“

Ich habe absolut nichts dagegen das er nahezu alles über mich weiß. Im Gegenteil, es freut mich sogar. Es gab mal einen Abend, in dem wir beide in seinem Auto saßen und ich ihm erzählt habe das ich Musik höre, wenn ich mal wieder nicht schlafen kann. Er hat nicht etwa gelacht oder so, wie es vermutlich viele andere getan haben. Er hat nur gesagt „Wenn du mal nicht schlafen kannst, ruf mich an und ich singe dich in den Schlaf“. Ich weiß das es nur ein Scherz seinerseits war, doch in dem Moment hat es mich unendlich froh gemacht.

„Hilft es? Wirst du schon müde? “             ;              ;              ;              ;              ;              ;              ;                                                
                                                      „Nicht wirklich…“

Das ist gelogen, ich bin echt müde, aber irgendwie will ich einfach noch etwas seine Aufmerksamkeit genießen. Es fühlt sich schön an mit ihm zu schreiben. Ein leichtes Kribbeln breitet sich von meinem Bauch aus durch den ganzen Körper aus, meine Fingerspitzen zittern und ich kann einfach nicht aufhören das Display anzulächeln.

„Erinnerst du dich noch an unsere erste gemeinsame Autofahrt? Und mein Angebot von damals?“

                                                                                                                                                       „Natürlich haha“

Mein Herz klopft bis zum Hals, als ich sehe das er eine Voice Nachricht aufnimmt. Mein Finger zittert richtig als ich die Nachricht abspiele.

Mit seiner leicht rauen und tiefen Stimme, welche ich unglaublich sexy finde, singt er „You are my fire- The one desire- Believe when I say- I want it that way.” Ich kann es einfach nicht fassen, er singt tatsächlich für mich. FÜR MICH!
Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen als Kaito ansetzt und singt „Tell me why- I never wanna hear you say- I want it that way-“ es ist als würde er hier nur Millimeter entfernt neben mir liegen und mir die Worte direkt ins Ohr flüstern .Sie klingen so verführerisch, so warm, und so reizend. Ich will seine Stimme, welche für mich den schönsten Klang auf der Welt hat für immer anhören.

„Na wie bin ich? Kann ich den Backstreet Boys Konkurrenz machen?“

                                                                                         „Ein zweiter Nick Carter wirst du nicht, aber es ist echt nicht schlecht.“

„Ja dann, schlaf schön mein kleines Fangirl.“

Am liebsten hätte ich ihm gesagt, wie sehr mich seine Audio gefreut hat, und noch mehr wie sehr es mich gefreut hat das er diese eigentlich unwichtige Unterhaltung nicht vergessen hat. Ich kann ihm einfach keine wirklichen Komplimente machen, meine Komplimente sind immer hinter einem bissigen oder frechen Kommentar versteckt. Kaito ist mittlerweile echt gut darin die Komplimente aus diesen frechen Bemerkungen heraus zu filtern, aber es ist tatsächlich so, dass es mir nur bei ihm schwer fällt ehrlich zu sein, und ihm zu sagen was ich an ihm toll finde oder ihn allein nur zu loben. Ich habe immer Angst er könnte hinter meine Fassade schauen und bemerken, wie ich wirklich für ihn fühle. Manchmal wünsche ich mir dennoch er würde meine Gefühle bemerken ohne dass ich sie aussprechen müsste.
Es wäre alles so viel einfacher, wenn er all die Arbeit machen würde. Ich schließe die Augen, hoffentlich ist die Nacht schnell vorbei und Sonntag kommt.

 Die Sonnenstrahlen wecken mich so gegen halb zehn. Scheiße ich habe total verpennt. Aber als ich in die Küche sehe sind die Stühle noch leer, gerade nochmal Glück gehabt. Ich schlüpfe in mein schwarzes Sommerkleid mit dem roten Mohn drauf und flechte mir die Haare zu zwei Bauernzöpfen zusammen. Ich reiße Nikis Tür auf und ziehe ihr die Bettdecke weg, es kann ja wohl nicht sein das ich die Einzige bin, die an einem Sonntagmorgen schon so früh wach ist. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich ihren blauen Pyjama mit den rosa Schweinen darauf sehe. Sie hält ihre Hände vors Gesicht, und tritt wild um sich. Ist ja fast so als würde sie sich wie eins verhalten. Ich öffne das Fenster und lehne mich weit hinaus. Es kommt mir eine teuflisch geniale Idee wie ich Niki aus dem Bett kriegen kann. Ich reiße die Augen auf und starre nach draußen, dann sage ich mit Absicht extrem laut „Ist das da vorne im Park etwa Emilio?“ ich schiele zu ihr herüber, doch sie dreht sich nur mürrisch um.

„Und trainiert er da etwa- OBERKÖRPER FREI?“ wie vom Blitz getroffen fährt sie hoch und gafft aus dem Fenster. Ich grinse in mich hinein, es ist echt viel zu leicht sie zu durchschauen. Ich gehe seelenruhig aus dem Raum, und auf dem Weg zu Audreys Zimmer frage ich mich, ob Niki klar ist das sie immer noch ihren Schweinchen Pyjama trägt und sich gerade damit aus dem Fenster lehnt. Kaum habe ich den Gedanken beendet höre ich einen lauten quietschenden Schrei. Vorsichtig stoße ich die Tür zu Audreys Zimmer mit der Hüfte auf und schleiche mich in Richtung ihres Bettes. Wie ein Raubtier lauer ich vor meiner Beute. Vorsichtig ziehe ich ihr die Decke weg und kippe vor Überraschung beinahe um. In ihrem ganzen Bett verteilt liegen Bücher aller Art, sie schläft sogar auf einem. Mir ist klar, dass sie von uns dreien diejenige ist die am meisten für die Schule tut, aber sogar so lange zu lernen das sie auf den Büchern schläft ist doch etwas zu viel Ehrgeiz. Ich hebe das Physikbuch von ihrem Kopf, kein Wunder, das sie sich über Kopfschmerzen beklagt. Ich lutsche meinen Finger an und stecke ihn Audrey ins Ohr. Jaja ich weiß, wie kindisch und unreif das ist, aber es macht einfach zu viel Spaß. Sie schreckt hoch und ich lasse blitzschnell die Hand hinter meinem Rücken verschwinden. „Was war das?“ sie dreht sich um und sieht mich an. Ihre Augen verziehen sich zu kleinen Schlitzen „Das ist doch nicht dein Ernst? Wie alt bist du eigentlich?“ ich zucke nur mit den Schultern und mache langsam ein paar Schritte rückwärts. „Du bist tot Mia. Tot!“ ich entscheide mich für einen zügigen Rückzug. Sie wird aufstehen, allein um sich an mir zu rächen. Ich gehe in die Küche und mache Frühstück.

Kapitel 7

Als die beiden in die Küche kommen strahlen sie bis über beide Ohren. Es ist höchst merkwürdig, sonst sind sie nie so gut gelaunt, wenn ich sie wecke. Niki trägt ihren beigen Hosenanzug mit passendem Wildleder Gürtel um die Hüfte, ihr Haar schmückt ein mit weißen Perlen verzierter Haarreif.
Audrey ist wie immer im erwachsenen Modus, sie trägt weit geschnittene Jeans und ein graues Hemd, das sie in der Mitte zusammengeknotet hat. Ihre Haare hält sie mit einer schwarzen Haarklammer zusammen.

Aktuell sitzen wir drei im Bus Richtung Innenstadt. Es ist Shopping Zeit. Heute ist zwar Sonntag, aber so kurz vor den Ferien haben die Läden bei uns auch an einigen Sonntagen auf. Wir haken uns beieinander unter und gehen auf den ersten Laden zu. Es fühlt sich an als wären wir die Hauptdarstellerinnen aus Sex and the City. „Leute wir könnten die Mädels aus „Sex and the City“ sein sage ich und schiebe lässig meine Sonnenbrille hoch. Es fehlt nur noch die Windmaschine, die unsere Haare wild fliegen lässt und ein toller Song im Hintergrund, sowas wie Oops, i did it again oder Run the world von Beyoncé. „Niki, du wärst auf jeden Fall Charlotte“ sage ich grinsend und knuffe sie in die Seite. „Ja dann muss Audrey einfach Miranda sein, die Rolle ist dir wie auf den Leib geschneidert“ fügt Niki hinzu, und sie hat Recht. Audrey muss unsere Miranda sein, sie ist die Mutter unsere Truppe und vor allem die, die immer alles im Griff hat. Es geht fast nie etwas schief was Miranda plant und das gilt auch für Audrey. „Wenn ich Miranda bin fehlt uns aber eine Samantha, denn du Mia bist auf jeden Fall Carrie“ sagt Audrey fast schon gelangweilt und schnippst eine Fliege von ihrer Handtasche. Hat sie Recht? Muss ich Carrie sein? Klar ich liebe Carrie, aber kann ich nicht auch der Männertraum Samantha sein?

Ich kann doch wohl sexy und verführerisch sein oder etwa nicht? „Wieso kann ich nicht Samantha sein?“ frage ich, obwohl ich auch Angst vor ihren Antworten habe. „Mmh du bist einfach wie Carrie, jagst der wahren Liebe hinterher und hoffst das sie auf dich zu kommt“ sagt Niki und streichelt meinen Arm. Ok da hat sie Rech, ich warte wirklich auf Prinz Charming. „Du bist außerdem unsere prüdeste Freundin. Du bist brav und bist deshalb seit Ewigkeiten Single“ erläutert Audrey und beide lachen. Ich weiß sie meinen es beide nicht böse, aber es tut schon echt weh.

Mir ist durchaus bewusst das ich diejenige von uns bin die sich immer Hals über Kopf in eine Liebe verrennt und dann verletzt wird. Ich hatte in meinem 18-jährigen Leben erst einen festen Freund, und diesem hatte ich mein erstes Mal geschenkt und wurde verletzt. Seitdem gab es keinen mehr bei dem ich mehr wollte als nur eine kurze Begegnung oder einen One-Night-Stand. Doch seit ich Kaito kenne wünsche ich mir nichts sehnlicher als seine Liebe, und zwar seine echte.
„Hey es ist nichts schlechtes Carrie zu sein, du wartest zwar lange doch am Ende wirst du deinen Mr. Big finden und er wird für immer bei dir bleiben“ sagt Niki die vermutlich meinen traurigen Blick bemerkt hat. Sie hat Recht, mein Mr. Big wird kommen, kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Ich bin nicht Carrie ich ähnele ihr nur, ich werde Kaito für mich gewinnen, ohne ewiges warten.
Wir betreten den ersten Laden und gehen in die Bikini Abteilung. Ich suche mir einen schwarzen Bikini ohne Träger mit ebenfalls schwarzer Hose aus. Die Hose ist mit einem schlichtem Rüschenmuster bestickt. Kaito mag es, wenn ich schwarz trage, er sagt das würde das grün meiner Augen hervorheben. Dabei hat er sich zwar auf einen schwarzen Pulli bezogen, aber Bikini und Pulli ist ja fast dasselbe. Bei den Bikinis mit Trägern suche ich mir einen blass rosafarbenen aus, welcher im Nacken zusammengeknotet wird.

Die Hose ist sehr hoch ausgeschnitten, doch ansonsten ist er sehr schlicht, nichts Besonderes. Ich betrachte mich im Spiegel, die Hose bereitet mir Sorgen. Sie gibt sehr viel Haut preis und es ist noch etwas befremdlich daran zu denken das mich Leo und die anderen alle darin sehen werden. Ich denke mal das wird er Bikini für besondere Anlässe. Vielleicht können Kaito und ich ja mal alleine schwimmen gehen das wäre dann ein besonderer Anlass. Niki sucht sich zwei Bikinis mit Trägern aus, einen Neckholder und einen normalen. Der eine ist hellblau mit weißen Streifen und an der Hose war ein kleiner Rock befestigt. Der zweite ist weiß, aber es ist nicht so einer der durchsichtig wird, wenn Niki ins Wasser gehen würde. Audreys Bikinis sind wie meine, einer ohne und einer mit Trägern. Der trägerlose ist weinrot und hat ein Rüschen Vorhang an das Oberteil genäht. Der mit Trägern ist dunkelgrün und hat eine dazu passende String Hose, wann sie den wohl anziehen will? Hebt sie den etwa auch für besondere Anlässe auf? Wenn ja, für wen? Wir gehen bezahlen, nun sind wir für den Urlaub mit Kaito gewappnet. Was wird er wohl für Augen machen, wenn er mich im Bikini sieht? Bei dem Gedanken an seinen Blick, der mich von Kopf bis Fuß begutachtet steigt mir die Hitze ins Gesicht. Es ist ja auch nicht so als hätte Kaito mich noch nie im Bikini gesehen, aber das war damals als ich mir meiner Gefühle für ihn noch nicht sicher war. Da machte es mir nichts aus von ihm begutachtet zu werden, oder besser gesagt damals hat er mich auch noch nicht mit diesem Blick angesehen. Diesem Blick der mir das Gefühl gibt die schönste Frau auf Erden zu sein. Wir waren letztes Jahr mal am See zusammen. Damals wusste ich schon längst, dass er für mich nicht nur ein Freund war. Ich habe mir das schönste Outfit rausgesucht was ich hatte und den auf reizendsten Bikini gekauft, den sie im Laden hatten. Doch e! r hat mi ch keines Blickes gewürdigt, er hatte nur Augen für die anderen Mädchen. Diesen Sommer wird das geändert.

Die Tage bis Sonntag vergehen, wie im Flug. Ich realisiere erst das es schon so weit ist als Niki und Audrey mir meinen Lieblingskuchen ans Bett bringen und für mich singen. Es ist ein Schokoladen Kuchen mit einer Himbeere Buttercreme mit exakt neunzehn Kerzen. Ich puste sie aus und wünsche mir den besten Sommer aller Zeiten, und natürlich wünsche ich mir wie jedes Jahr, Kaito.
Danach verschwinden die zwei ins Wohnzimmer, während ich mich umziehe.
Ich ziehe mir mein pastellfarbenes rosa Sommerkleid an. Obenrum ist es enganliegend, doch der Rock ist lang und weit geschnitten, so dass er im Wind tanzen wird. Die Ärmel des Kleides sind lang und weit geschnitten, so da sie wie Flügel herunterhängen. Fast wie eine kleine Sommerelfe. Meine Haare lasse ich mal zur Abwechslung offen, meine Totenkopf Ohrringe tausche ich gegen karoförmige Diamanten, welche im Sonnenlicht funkeln. Ich schleiche mich ins Bad und schminke mich leicht, nur etwas Rusch und Wimperntusche und natürlich Eyeliner, ich liebe es meine Augen zu schminken. Kaito hat einmal gesagt, dass meine Augen wie die Augen eines Jaguars aussehen. Er nannte sie mystisch und wunderschön. Seitdem habe ich so lange geübt, bis ich den Eyeliner nun jedes Mal perfekt hinbekomme.

Ich schaue in den Spiegel, und bewundere mein Werk, ich finde mit dem Lidstrich habe ich wirklich die Augen einer Raubkatze. Meine Schwester würde mich vermutlich auslachen, wenn ich ihr das sagen würde. Sie fand schon immer das ich aussehe wie eine Schlange, und das nicht nur wegen meiner oft so giftigen Bemerkungen.
Ich schlendere ins Wohnzimmer und begutachte die Outfits der Mädels
„Schick schick“ sage ich grinsend. Niki trägt ihr schwarzweiß kariertes knielanges Kleid, das oben einen großen Ausschnitt und unten einen kurzen fließenden Rock hat.
Jedes Mal, wenn sie dieses Kleid trägt muss ich mich richtig zusammen reißen nicht zu lachen, denn ich find sie sah aus wie ein Schachbrett mit Beinen. Ihre Haare hat sie hinterm Ohr her geflochten, dazu kleine rote Feder Ohrringe. Sie sieht einfach zu süß aus, ich habe ihren Stil schon immer bewundert. Audrey hingegen sieht überraschend cool aus. Sie trägt einen schwarzen knielangen Kort Rock und eine weiße Bluse mit einer dunkelroten Schleife auf der Brust. Ihre Haare trägt sie wie immer zu einem Dutt hochgebunden, ich glaube seit wir hier wohnen habe ich Audrey erst zehn Mal oder so mit einer anderen Frisur gesehen. Wenn wir feiern gehen, und Niki und ich uns die wildesten Frisuren machen, bleibt sie immer bei ihrem Dutt. Sie sagt immer es sei pragmatisch und äußerst praktisch, wir finden es ist einfach nur langweilig.  

Die beiden lassen mich noch schnell ein Stück von dem Kuchen essen, als sie mir auch schon die Augen verbinden. „Ey macht aber nicht so fest, ich habe mir echt viel Mühe mit dem Eyeliner gegeben“ sage ich und richte die Augenbinde. Sie führen mich raus auf die Straße und zur Bushaltestelle, ohne die beiden wäre ich ziellos in der Gegend rumgetaumelt und hätte bestimmt nicht einmal den Ausgang aus dem Treppenhaus gefunden.
Wir steigen in einen Bus, und jemand sagt mir Hallo. Ich drehe mich in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen ist, um ebenfalls Hallo zu sagen doch, ehe ich auch nur einen Ton sagen kann, knallt mein Kopf gegen etwas hartes, eisernes. Niki fängt an zu lachen, während ich mir meine Stirn reibe. „Haha wie witzig“ säusle ich und taste nach einer möglichen Beule. Ich höre, wie jemand ansetzt etwas zu sagen, doch da zischt jemand „pssst.“ Ich lasse mich stumm zu einem Platz führen und lausche der automatischen Stationen Ansage. Die Fahrt kommt mir wie eine Ewigkeit vor dabei waren es bestimmt nicht mehr als zehn oder fünfzehn Minuten.
Der Bus hält an und die Mädels führen mich aus dem Bus. Beinahe wäre ich über die Stufe beim Aussteigen gestolpert. So langsam habe ich keine Lust mehr mich einfach so durch die Gegend führen zu lassen. Ich werde mir bestimmt noch den Hals brechen, wenn das so weiter geht. Die beiden passen ja nicht mal auf wohin sie mich führen. Dann wird mir, Gott sei Dank die Augenbinde abgenommen.
Zaghaft blinzle ich gegen die Sonne, um mich an die Helligkeit zu gewöhnen.
Erst dann erkenne ich das Kaito, Emilio, Leo, Joel und Laura vor mir stehen. Laura ist eine Klassenkameradin und Freundin aus meiner Kunst AG. Sie ist nicht sonderlich groß und trägt eine große runde Brille mit feinem Gestell.
Ihre schwarzen Haare sind kurz geschnitten, bis vor wenigen Tagen trug sie, sie noch schulterlang. Aber es steht ihr so gut, es passt irgendwie zu ihrem Charakter, es macht sie mutiger und selbstsicherer, was sie eigentlich absolut nicht ist. Und, ja Joel ist ein Arbeitskollege von Audrey. Er ist groß und kräftig gebaut, hat dunkelbraune gelockte Haare, die er an den Seiten abrasiert hatte und oben länger wachsen ließ. Das besondere an ihm sind seine Tattoos und besonders das Tattoo einer Geisha welches groß und breit seinen rechten Oberarm schmückt.
Im linken Ohr noch ein dicker Tunnel und fertig ist der Augenschmaus. Er ist ein guter Freund von uns, und mit gutem Freund meine ich, ich mag ihn überhaupt nicht. Er ist selbstverliebt und versucht sich immer bei mir und den anderen einzuschleimen. Ich finde ihn widerlich und bin froh über jede Minute, in der ich ihn nicht sehen muss. Doch irgendwie scheint Audrey an ihm Interesse gefunden zu haben, weswegen sie ihn überall hin mitschleppt. Ich verdrehe die Augen. Der Kerl hat irgendetwas, das mich wahnsinnig macht, etwas Böses. Vermutlich bilde ich mir das nur ein, aber mein sechster Sinn schlägt aus und meistens will das etwas heißen.

Ich sehe mich um und realisiere, wo wie sind. Wir stehen mitten im Zoo. Ich liebe den Zoo, und besonders die Bären, Pandas und Tiger. Vor Freunde hüpfe ich von einem Fuß auf den anderen „Kommt lasst euch drücken“ quietsche ich und strecke die Arme aus. Die Mädels umarmen mich und auch Kaito und Leo bekommen von mir eine dicke Umarmung. Nur Emilio und Joel schenke ich ein kleines Lächeln. Ich mag die beiden nicht wirklich, also sollen sie auch nichts anderes denken.
„Ok, Mia wir haben uns gedacht, wir teilen uns erstmal in Gruppen auf und treffen uns dann alle später im Park“ sagt Audrey und reibt sich die Hände. Gesagt, getan, wir teilen uns erst mal in Gruppen auf. Das ist auch irgendwie logisch, denn jeder von uns will andere Tiere sehen. Ich und Kaito gehen zusammen, nicht weil ich gerne mit ihm allein sein will, nicht nur, sondern weil wir beide zuerst zu den Pandas wollen.
Ich lehne mich gegen den Zaun und suche verzweifelt nach den Pandas. „Oh man, wo sind sie denn, ich sehe gar keine“ jammere ich und lasse den Kopf hängen. „Schau da vorne“ sagt Kaito der auf einmal direkt hinter mir steht und deutet mit dem Finger auf einen Bambushain im hinteren Bereich. Ich kann seinen Worten nicht wirklich folgen, denn ich bin zu sehr von seinem Duft abgelenkt, der mir in die Nase strömt. Er ist mir so nah, sein Mandel Shampoo Duft gemischt mit etwas Schweiß verwirrt meine Sinne. Kann er vielleicht hören wie laut mein Herz schlägt? Ich schiele zu ihm hoch, sein Gesicht funkelt im Sonnenlicht und ich muss unwillkürlich lächeln. Es fühlt sich einfach so richtig an ihn in meiner Nähe zu haben. „Du schaust ja gar nicht. Siehst du sie nicht dahinten?“ fragt Kaito und dreht meinen Kopf in Richtung der Pandas. „Sie verstecken sich vor der prallen Sonne“ sein Mund ist nun direkt neben meinem Ohr und haucht die Worte ganz sanft.
Ich entdecke die Pandas tatsächlich in dem Bambushain.

Wie süß sie da übereinander liegen und schlafen. Völlig auf die niedlichen Zoobewohner fokussiert merke ich gar nicht wie Kaito seine Arme um mich legt.
Als er mich dann an sich zieht und ich seinen Kopf in meinem Nacken spüre, realisiere ich das wir hier eng umschlungen stehen. Ich würde mich gern zu ihm umdrehen, doch er hält mich fest in seinen Armen. Kaito umarmt mich doch tatsächlich schon wieder. Genau wie neulich Abend. Ich spüre seinen Atem im Nacken und seine Hände die zaghaft meine Hüfte streicheln. Passiert das gerade wirklich? Oder habe ich mal wieder einen Hitzschlag und halluziniere?
Nein, keine Halluzination, das hier ist echt. Kaito Takemura, der echte Kaito umarmt mich, mich! Klar wir haben uns schon oft umarmt, aber das hier ist anders, es ist intimer und persönlicher. Es ist auch anders als die Umarmungen beim Film schauen letzten Freitag, denn da waren es nur wir zwei. Hier sind wir in der Öffentlichkeit, jeder kann uns sehen, und jeder kann sich nun seine eigene Interpretation der Dinge ausdenken. Auf einmal ist mir das alles unendlich peinlich und ich laufe knallrot an. Ich drehe mich zu ihm um und sehe ihm tief in die Augen. Diese verführerischen, geheimnisvollen braunen Augen die ich stundenlang ansehen könnte.
„Happy Birthday Mia“ sagt er und setzt sein süßestes lächeln auf. Sein Lächeln ist so voller Zuneigung, mich kann man eigentlich nicht mehr glücklicher machen.
Ich meine ich stehe hier in den Armen des Mannes, den ich liebe und er hat für diesen einen winzig kleinen Moment nur Augen für mich. Da beugt er sich langsam zu mir herunter und drückt mir einen Kuss auf den Kopf. Mein Herz rast wie wild.
Es war ein Kuss, wenn auch nur einer auf den Kopf, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Mir wird auf einmal höllisch warm, ich habe Angst das mein Gesicht nun aussieht wie eine Tomate. Meine Knie zittern und ich habe Angst das sie gleich nachgeben und ich in mich zusammensacke.

Kaito scheint meinen panischen Gesichtsausdruck zu ignorieren und zieht mich enger an sich, um mich noch fester in die Arme schließen zu können. Mein Gesicht ist nun an seine Brust gedrückt und ich höre sein Herz klopfen. Etwas enttäuscht bin ich schon, denn sein Herz schlägt ruhig und im gleichen Rhythmus. Er ist also nicht nervös, während mein Herz hier gerade Mambo tanzt. Doch irgendwie beruhigt mich seine Anwesenheit und seine Gelassenheit, dieses beruhigende Gefühl kann mir nur Kaito vermitteln. Ich kralle mich in seinem Harvard Hoodie fest, und versuche alles in mich aufzunehmen, wie er riecht, wie er sich anfühlt und wie ich mich neben ihm fühle. Er zuckt kurz, doch lässt mich ihn festhalten. Dann ruft plötzlich jemand „Kein knutschen im Zoo!“ Ich schrecke hoch und löse mich schnell aus Kaitos Umarmung. Ich sehe ihm ins Gesicht und suche nach einem Zeichen dafür das es ihn gekränkt hat, doch ich entdecke nicht die geringste Spur.
Ein kleiner Junge zeigt mit dem Finger auf uns und singt amüsiert „Ei ei ei was sehe ich da ein verliebtes Ehepaar.“ Der Junge lacht und hüpft um uns herum, erst als Kaito ihn anzischt „Verschwinde Kleiner“ rennt er weg. Sehen wir für die Leute um uns herum wirklich wie ein Paar aus? Ich sacke in mich zusammen, das ist einfach zu viel Glück für einem Tag. „Mia alles in Ordnung?“ Kaito beugt sich zu mir herunter „Alles bestens ich bin nur etwas wackelig auf den Beinen. Ich bin einfach zu froh.“ Ich schmunzle „Was ist, wenn ich all mein ganzes Glück heute aufgebraucht habe?“ er verdreht die Augen. „Also wenn die Prinzessin nicht mehr laufen kann dann gibt es andere Wege“ sagt er und hebt mich hoch. Wie eine Prinzessin hält er mich in seinen Armen „Kaito ich kann alleine laufen“ maule ich, weil mir das alles furchtbar peinlich ist. „Kein Gejammer, euer edler Ritter wird euch von dannen tragen“ redet er geschwollen daher. Ich lege meine Arme um seinen Hals und ziehe mich eng an ihn. Wenn er mich schon trägt, muss ich auch dafür sorgen nicht herunter zu fallen.

Quer durch den Zoo bis zum kleinen Souvenir Shop werde ich getragen. Alle an denen wir vorbei kommen drehen sich nach uns um. Nur gut das Audrey und die anderen dieses Spektakel nicht gesehen haben, sie würden keine Chance auslassen, um mich damit aufzuziehen. Ich habe einen hoch roten Kopf und mein Schädel dampft. Wir betreten den Laden, und ich stolpere beinahe über meine eigenen Füße. Kaito lacht als er das sieht und sagt „Soll ich dich wieder tragen, meine kleine Prinzessin?“ „Nein danke“ entgegne ich blitzartig. Er schmunzelt. In einem Regal etwas weiter hinten im Laden stapeln sich Haufenweise süße Panda Stofftiere in allen möglichen Größen. Meine Augen beginnen zu leuchten wie bei einem Kleinkind. Kaito kommt und stützt sein Kinn auf meinem Kopf ab „Möchtest du das?“ ich nicke aufgeregt. Ich dachte er wird mich jetzt auslachen, aber mit diesen Worten habe ich nicht gerechnet. „Dann kauf ich dir einen. Such dir irgendeinen aus“ „Wirklich?“ sage ich mit einem fast schon Schraubstock artigen Lächeln, er nickt. Ich wähle weise und suche mir ein Fußballgroßes Exemplar aus, klein genug, um es zu tragen, aber immer noch groß genug, um damit zu kuscheln. Ehe ich es so wirklich realisieren kann stapfe ich auch schon mit dem Panda im Arm aus dem Laden. Ich kann es immer noch nicht fassen, er hat mir doch tatsächlich einen Panda gekauft. Freudig begutachte ich meinen neuen besten Freund „Ich glaube ich werde ihn Momo nennen“ „Wie das Mädchen Momo aus der Geschichte?“ fragt Kaito und zieht eine Packung Kaugummis aus seinen Shorts. „Ja genauso, wie Momo“ er schüttelt amüsiert den Kopf „Du wirst echt nie erwachsen, oder?“ „Niemals“ antworte ich und stupse ihn in die Seite. Er tätschelt mir den Kopf „Von mir aus kannst du für immer genauso bleiben, denn so gefällst! du mir am besten“ nuschelt er kaum hörbar. Ich will ihn gerade von hinten anspringen als eine starke Windbö mir Momo aus den Händen fegt.

Kapitel 8

Ich renne Momo hinterher und hole ihn schließlich ein nur um festzustellen das er mich mitten in den Blumengarten des Zoos geführt hat. Es ist so wunderschön. Ich stehe in einem Meer aus Löwenmäulchen, Nelken, Rosen und Sonnenblumen. Ich setze mich auf eine Bank und betrachte das bunte Blumenmeer. Kaito kommt außer Puste zu mir gelaufen „Da lasse ich dich einmal kurz aus den Augen und schon bist du weg“ keucht er, ohne etwas zu sagen ziehe ich ihn neben mich auf die Bank. Ohne ihn direkt anzusehen sage ich „Danke. Das ist einer der schönsten Tage seit langem. Mit dir.“ Seine Ohren werden rot, er ist doch tatsächlich verlegen, meine Worte freuen ihn, dass weiß ich. Ich schmunzle, halte meinen Kopf schräg und betrachte ihn still. Mit der einen Hand berühre ich seine Wange, er zuckt doch lässt mich. Mit der anderen Hand ziehe ich Kaito zu mir herunter und gebe ihm einen Kuss auf die Wange, zu mehr bin ich noch nicht bereit. Ich lächele und stehe auf. Eine leichte Sommerbrise weht mir durchs Haar und lässt mein Kleid im Wind tanzen. Kaito streckt seine Hand nach meiner aus, doch dann werden wir von seinem Handy klingeln unterbrochen, und er zieht seine Hand zurück. Leise flüstert er etwas in sein Handy und als er aufgelegt hat sagt er „Wir treffen uns mit den anderen.“ Mehr sagt er nicht, stumm und etwas enttäuscht trotte ich hinter ihm her, bis wir wieder beim Eingang sind. Dort warten schon alle auf uns. Audrey und Niki stürmen auf mich zu und schleifen mich an den Armen zu einem Picknick Tisch auf der Wiese direkt gegenüber vom Streichelzoo und platzieren mich am Kopfende. Laura und Niki verschwinden kurz und kommen kurz darauf mit einer riesigen Schokoladentorte wieder. Mir steigen Tränen in die Augen. Ich bin gerührt, so wunschlos glücklich war ich schon lange nicht mehr gewesen.
 

Leo schneidet den Kuchen an und verteilt aufmerksam die Stücke. Einer nach dem anderen überreichen sie mir ihre Geschenke.
Emilio und Leo haben für mich einen Gutschein fürs Autokino besorgt. Ich liebe das Autokino, und hoffe inständig das ich dort einmal wie in Grease ein romantisches Date haben würde. Ich drücke die beiden einmal fest, auch Emilio, obwohl es mir etwas zuwider ist. Laura überreicht mir eine kleine Flasche mit Bodyspray, das nach Kokosnuss und Ananas duftet, großzügig sprühe ich es auf mich und auch auf alle anderen „Jetzt riechen wir alle wie Pina Coladas“ sagt Leo und schnüffelt an seinem T-Shirt. Alle lachen. Ich drücke Laura ganz fest, ich weiß das sie nicht sehr viel Geld zur Verfügung hat, weil sie ihre Wohnung komplett allein finanziert, und doch bin ich ihr wichtig genug so ein teures Spray zu kaufen. Niki und Audrey schenken mir zwei Schallplatten, und dazu einen Plattenspieler. Ich habe mir schon solange einen gewünscht und bin immer mit traurigen Augen an dem Plattenladen bei uns in der Straße vorbei gegangen. Diese Dinger kosteten einen Haufen Geld, und es ist auch noch das Vintage Model aus dem Schaufenster. Bei den Schallplatten handelt es sich einmal um das Thriller Album von Michael Jackson und um das The Greatest Hits Album von Abba. „Kommt her Mädels“ sage ich und zwinge den beiden eine lange und innige Umarmung auf. Nun wandert mein Blick zu Kaito, erwartungsvoll starre ich ihn an. Ob er mir wohl etwas besorgt hat? Wenn ja, was? Peinlich berührt sieht er auf den Boden und kratzt sich am Hinterkopf „Es kann zwar nicht mit einem Plattenspieler mithalten, aber ich hoffe es gefällt dir trotzdem.“ Audrey seufzt und verdreht fast schon hörbar die Augen „Nun gib es ihr doch endlich“ drängt sie ihn. Er überreicht mir eine kleine Schachtel, die in rosa Geschenkpapier eingewickelt ist, obendrauf klebt eine kleine weiße Schleife. Langsam ziehe ich die Schleife auf und stopfe das Band in meine Tasche.
Ich werde es später in mein Scrap Book kleben. Voller Ungeduld und reiße ich das Papier ab und hebe den Deckel ab. Ungläubig starre ich auf den Inhalt der Schachtel. „Was ist es denn? Zeig her“ fordert Leo und reißt mich aus meiner Trance.
Ich hebe den Inhalt heraus und zeige es in die Runde. In meiner Hand halte ich eine dünne silberne Kette mit einem weißen Diamanten Anhängers in Form eines Herzens. Alle starren auf die Kette und fangen an stumm zu grinsen. Laura ist die erste die das Schweigen bricht und aufgeregt kreischt „Die ist ja traumhaft schön Mia.“ Ich würde am liebsten schreien: „Ich weiß“ doch ich will nicht zu aufgedreht klingen. Es soll nicht so wirken als würde es mir extrem viel bedeuten, was es natürlich tut. Niki hilft mir sie anzulegen. Verträumt schaue ich auf den kleinen Anhänger auf meiner Brust. „Da haste dir ja echt Mühe gegeben“ stichelt Emilio und klopft Kaito auf die Schulter. Unsere Blicke treffen sich und er hält meinem starren wenige Sekunden stand, bevor der den Blick abwendet. „So was soll ich dir als Belohnung geben?“ überlege ich und lege den Kopf in den Nacken. Alle rufen im Chor „Küssen, küssen, küssen.“ Ich werde rot und falte die Hände unterm Kinn zusammen und tue so als müsste ich erst darüber nachdenken. Dabei gibt es nichts was ich im Moment lieber tun würde als Kaito zu küssen. Ich versuche meine Nervosität herunter zu spielen und äußerst lässig rüber zu kommen als ich sage „Na dann mach dich auf was gefasst.“ Kaito sieht mich verwundert an, und ich hoffe inständig das er mir diese gespielte Coolness abkauft. Langsam lehne ich mich zu ihm herüber und lege ihm die Hände auf die Schultern. Am liebsten würde ich mir dafür all die Zeit der Welt lassen, aber ich spüre die ungeduldigen Blicke der anderen im Rücken. Ich beuge mich zu ihm hoch und gebe ihm einen kurzen aber immer noch langen Kuss auf den Mund. Es kann wirklich nicht länger als ein paar Sekunden gedauert haben, und doch hat es sich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt.

Alle applaudieren und Kaito grinst mich hämisch an „Jetzt weiß ich sogar wie meine beste Freundin küsst. Damit weiß ich echt fast alles von dir“ er zwickt mich in die Seite. Seine Worte bohren sich tief in mein Herz, klar dies war ein flüchtiger Kuss aufgrund der Aufforderung unserer Freunde und dennoch dachte ich er würde es als etwas intimeres betrachten. Es war für ihn nichts, für mich bedeutete es die Welt und für ihn war es nur ein flüchtiger Moment, den er in seine Das weiß, ich über Mia Akte hineinstopfen kann. Ich weiß das er es als unwichtig abspeichern wird.
 Es tut weh immer noch die beste Freundin zu sein, nach all dem was er mit mir schon erlebt hat. Er denkt bestimmt das all dies ein Scherz, ein dummer Witz war, der aus den Gedanken unserer Freunde entstanden ist. Aber es ist so viel mehr. Ich sehe ihn vorsichtig an, keinerlei Reaktion außer ein dummes Grinsen.
Wir bleiben, bis es dunkel ist und das große Feuerwerk losgeht. Ich unterhalte mich freudig mit allen, außer mit Kaito. In unbeobachteten Momenten wandert mein Blick zwar immer wieder zu ihm, doch er sieht mich nicht einmal an. Der Himmel leuchtet in allen Farben. Es ist als würden bunte Blumen am Himmel aufblühen. Rote, grüne und blaue Tupfer zerplatzen auf dem dunklen Nachthimmel und lassen bunte Funken auf uns regnen. Das ist einfach der beste Geburtstag, den ich bis jetzt je hatte. Kaito und ich reden kein Wort miteinander für den Rest des Abends. Ich weiß nicht, ob er sauer oder irgendwie angewidert ist, doch ich weiß das ich es leid bin immer auf ihn zu zugehen. Wieso stellt er sich nicht all diese Fragen? Wieso kann er nicht mal etwas über mich nachdenken?
Wir sind so ungefähr gegen 3:00 Uhr zuhause, und sind alle so müde, dass wir uns sofort in unsere Zimmer begeben und dort in voller Montur einschlafen. Als jemand gegen halb elf an unserer, man bemerke neue Tür klopft wache ich auf. Noch im halb schlaf trotte ich zur Tür und öffne sie.
Ich reibe mir die verschlafenen Augen und sehe herunter zu Frau Martin, welche freudestrahlend vor mir steht. Sie schiebt sich ihre Nickelbrille hoch und atmet einmal kräftig ein und singt „Heute soll es regnen stürmen oder schneien denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein. Heut ist dein Geburtstag darum feiern wir-“ Da stoppt sie, vermutlich hat sie den Rest vergessen. Ich sehe sie aus verklebten Augen unschlüssig an. Sie scheint das nicht zu interessieren, denn sie grinst mich nur an und holt aus ihrer Rocktasche eine kleine Partytröte. Sie bläst kräftig hinein, es tut schon fast weh in den Ohren. Etwas verlegen kratze ich mich am Hinterkopf „Ähm…. Frau Martin ich hatte gestern Geburtstag.“ Sie sieht mich verdutzt an „Echt?“ fragt sie, ich nicke. „Ach verdammt noch mal. Ich wusste es doch. Ich wollte ja gestern kommen, aber da lief gerade Love Island und dann hatte ich einfach keine Lust mehr.“ Eins muss man dieser Frau ja lassen, sie nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht brutal die Wahrheit. Ein leises Lachen kommt aus der Küche. „Naja kann man nichts machen. Aber nimm wenigstens das hier“ sie überreicht mir eine kleine Papiertüte. In der Tüte befinden sich zwei silberne sehr schlichte Ringe. Ich sehe sie fragend an „Zwei?“ „Die sind für deinen Freund und dich.“ Ich laufe rot an, wissen jetzt sogar schon die Nachbarn das ich in Kaito verliebt bin. „Frau Martin-“ beginne ich, doch sie ist schon wieder hinter ihrer Wohnungstür verschwunden. Sie ruft noch durch die Tür hindurch „Umtausch ausgeschlossen!“ diese Frau ist einfach unglaublich. Ich schließe die Tür und bringe die Tüte in mein Zimmer. Seufzend lasse ich mich auf mein Bett fallen und spiele mit einem der Ringe. „Natürlich werde ich zu Kaito hingehen und ihm sagen: Hier der ist von meiner Nachbarin für dich und oh ganz zu! fäl lig auch einer für mich. Das klingt doch schräg oder Momo?“ ich drehe meinen Kopf zu Momo der stumm neben meinem Kopfkissen sitzt.

Ich starre an die Decke, wieso sind Gefühle so schwierig? Ich bin schon soweit das ich mit einem Stofftier rede. Grübeln bringt doch alles nichts, also ziehe ich mich an und fange an meine Sachen zu packen für den morgigen Trip mit Kaito. Mein Pinker Koffer ist bis oben hin voll und geht fast nicht mehr zu. Ich werfe mich mit ganzer Kraft auf den Koffer während Niki ihn schnell zu macht. Nur für den Fall der Fälle stopfe ich die Tüte mit den Ringen in eins der Seitenfächer. Wer weiß was auf diesem Trip passiert, vielleicht werde ich sie ihm ja wirklich geben können.
Nikis Koffer ist ebenfalls bis zum Rand vollgestopft, und nur mit viel Mühe kriegen wir ihn zu. Audreys Koffer wirkt dagegen echt mickrig und nur leicht bepackt, war ja klar, dass sie mal wieder nur das nötigste Mitnehmen würde. Sie hat sich sogar eine Checkliste angefertigt, und geht diese akribisch durch, während sie in der Wohnung auf und ab läuft. Sie ist voll und ganz in ihrem Element, und Niki und ich tun gut daran sie auch ja nicht zu unterbrechen. Wir beide putzen wie die Irren, um alles auf Vordermann zu bringen, damit wir morgen nichts noch auf den letzten Drücker erledigen mussten, wie das schon des Öfteren vorgekommen ist. Als es anfängt zu dämmern bestellen wir uns Pizza. Es ist zu einem kleinen Ritual geworden am Abend vor der Abreise in einen gemeinsamen Urlaub Pizza bei Gatti’s zu bestellen. Dieses kleine Ritual hat seinen Ursprung in der 10ten Klasse unserer damaligen Gesamtschule, damals waren wir der Pizza von Antonio Rizzaro treu ergeben. Damals haben wir alle am Abend vor der Abfahrt nach Hamburg bei Niki übernachtet. Ihre Eltern waren nicht zu Hause, und wir mussten uns selbst versorgen, was kläglich scheiterte. Bei dem Versuch Nudeln aufzukochen, schmolzen wir eine Tupperdose die noch auf der Herdplatte stand. Dadurch roch es im ganzen Haus nach verbranntem Plastik.
 

 Ach, und bei dem Versuch Brötchen für den morgigen Tag aufzubacken setzten wir fast die ganze Küche in Brand. Der Tag vor dem Beginn der Abschlussfahrt stand wahrlich unter keinem guten Stern. Der Abend endete mit einem Anruf bei der Pizzeria Rizzaro und einem Trinkgeld von 10€ damit Lenny, der Lieferjunge und gleichzeitig Nikis Nachbar ihren Eltern nicht erzählte das deren Küche noch immer qualmte als die Pizza eintraf.
Es ist kurz vor neun als wir uns in unsere Zimmer zurückziehen. Wir müssen früh schlafen da wir morgen sehr früh aufstehen müssen, und übermüdete Mädels echt nicht hilfreich sein werden. Ich liege in meinem Bett und sehe hinaus aus dem Fenster, der Mond wirft sein kaltes Licht auf mein Gesicht. Es fühlt sich leicht merkwürdig, und doch so gut an. Mit diesem unwirklichen Gefühl schlafe ich schließlich ein. Warme Sonnenstrahlen kitzeln mich im Gesicht solange bis ich davon niesen muss und aufwache. Langsam setze ich mich auf und strecke die Müden Glieder. Meine Knochen knacksen, es tut nicht weh, aber das Geräusch allein lässt mich schaudern. Mühsam quäle ich mich aus dem Bett und schleppe mich ins Bad. Dort spritze ich mir kaltes Wasser ins Gesicht zum wach werden. Ich putze mir schon die Zähne da wir notgedrungen sowieso auf ein Frühstück verzichten müssen. Ich packe die Zahnbürste weg und ziehe mich an. Da wir fliegen werden, wenn auch nicht für lange, ziehe ich mir etwas Bequemes an. Eine graue Jogginghose und ein schwarzes ausgeleiertes Shirt mit dem Aufdruck Unpretty Rap Star und zum drüber werfen einen schwarzen Cardigan. Zeitgleich mit Niki trete ich auf den Flur, zu meiner Freude sieht sie genauso verschlafen aus wie ich. „Na, auch nicht gut geschlafen? “ frage ich sie ironisch „Wieso? Sieht man das? “ fragt sie und grinst. Für wenige Sekunden starren wir uns nur wortlos an, bevor wir in schallendes Gelächter ausbrechen.

Mein Koffer fühlt sich so unendlich schwer an und mit Mühe und viel roher Gewalt ziehe ich hinter mir her. Im Flur vor der Haustür warten Niki und ich ungeduldig auf Audrey. Diese kommt wenige Minuten total ruhig und konzentriert aus ihrem Zimmer. Im Vergleich dazu hüpfen Niki und ich wie wild gewordene Flummis durch den Gang. „Komm Audrey, wo bleibt die Aufregung und die Vorfreude?“ fragt Niki und zieht mit ihren Fingern Audreys Mundwinkel nach oben. Mein Handy klingelt und ich nehme verwundert Emilios Anruf entgegen. Wieso habe ich seine Nummer überhaupt? Und wieso ruft er mich an und nicht Niki? „Hi Mia. Wir sind vor eurer Haustür. Kommt bitte runter. Tom will schnell weiter“ rasselt er herunter „Ja alles klar wir kommen“ dann lege ich auch schon auf. „So Ladies es geht los“ Niki klatscht in die Hände. Audrey schließt hinter uns ab und wir tragen die Koffer runter auf die Straße. Auf halbem Weg überlege ich, ob ich den Koffer einfach den Rest der Treppe herunter treten soll, es sind immerhin noch zwei Stockwerke. Aber nein, nachher würde er aufgehen, und außerdem ist das nicht sonderlich Lady Like würde meine Schwester jetzt sagen. Auf der Straße angekommen hupt Tom und winkt uns aus seinem riesigen VW Bus. Wir klettern auf die Rücksitze und ich muss ehrlich zu geben das ich noch nie so ein Auto gesehen hab. Der hintere Bereich erinnert mich an ein Londoner Taxi, es gibt zwei Sitzreihen, die eine ist, dem Fahrer zugewandt und die andere ist rückwärts zum Fahrer platziert worden. Wir sitzen uns also gegenüber statt hintereinander. Tom sitzt am Steuer und Kaito auf dem Beifahrersitz. Tom ist einer der wenigen Freunde von Kaito die ich wirklich mag, außerdem sind wir Laborpartner in Chemie und kannten uns bevor Kaito uns einander vorgestellt hat nur flüchtig. Er hat knapp, schulterlanges blondes lockiges Haar, das mehr oder weniger zu einem Dutt zusammen! gebunden ist. Es sieht zerzaust aus und irgendwie schief, aber so kenne ich ihn und nicht anders.

Immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen und dieses süße Grüppchen auf der linken Wange. Er bemerkt das ich ihn im Rückspiegel beobachte und zwinkert mir zu. Ich finde das Beste an ihm sind seine eisblauen Augen, doch Audrey findet das seine Art zu Reden ihn attraktiv machte, obwohl ich keine Ahnung habe was sie damit meint. Ich schaue mir die Konstellation hier hinten an und bemerke das Leo und Emilio uns direkt gegenübersitzen, zusammen mit Joel. Niki zupft mich an meinem Ärmel und flüstert mir ins Ohr „Bitte tausch mit Emilio die Plätze“ „WAS!“ sage ich angesäuert. Ich schüttele den Kopf, und forme mit dem Mund das Wort NIEMALS. Sie sieht mich mit ihren Hundebaby Augen an, verdammt sie ist gerissen. Sie weiß das ich ihr keine Bitte abschlagen kann, wenn sie diese Miene aufsetzt. Von außen wirkt sie zwar, wie ein Unschuldsengel, aber dieses Mädchen weiß welche Knöpfe sie drücken muss, um zu bekommen was sie will. Ich deute Emilio mit den Fingern an Plätze zu tauschen, er versteht sofort.
Nun sitze ich neben Leo und Niki kann schön mit Emilio flirten. Ich verdrehe über deutlich die Augen und verschränke die Arme vor der Brust. Dieses miese Drecksschwein, er weiß doch genau, dass Cindy auch mitkommt und trotzdem sitzt er hier ganz unverblümt und streichelt Nikis Wange. In mir kocht schon wieder die Wut, am liebsten würde ich aufstehen und ihm seine ach so geliebten Haare ausreißen, oder ihm seine neuen Sneaker verdrecken. „Entspann dich, wir können ihn später in seine Schranken weisen“ flüstert Leo und legt mir beruhigend die Hand auf den Arm. Um mich wegen den beiden nicht weiter aufzuregen ziehe ich eine CD aus meinem Handgepäck. Es handelt sich um meine allseits gefürchtete 80er Jahre Playlist. Sie ist nicht gefürchtet wegen den Liedern, sondern wegen mir. Jedes Lied kenne ich auswendig, und werde es gnadenlos mitsingen. Ich gebe die CD zu Kaito nach vorne, und dieser legt sie ein.
Sofort spielt eins unserer Lieblingslieder. „Leute seid ihr bereit“ frage ich als der Refrain einsetzt. Alle zusammen singen wir „Karma Karma Karma Karma Karma Chameleon- You come and go, you come and gooo-.“  Als wir auf den Flughafen Parkplatz einbiegen packe ich die CD wieder in mein Handgepäck. Wir laden aus und machen uns auf den Weg zum Terminal. Meinen Rucksack ziehe ich auf, und den Koffer zerre ich zeternd hinter mir her.

Niki klemmt sich an Emilios Arm und schleift ihren Koffer nebenbei. In meinem Kopf male ich mir erneut ein paar Mordszenarien für Emilio aus, verwerfe sie aber wieder schnell, als ich sehe wie glücklich Niki aussieht.
Tom und Kaito unterhalten sich mit mir, während wir gehen, und ich erfahre das Tom einen Wagen für Italien gemietet hat. Im Augenwinkel bemerke ich wie Leo mit gesenktem Kopf hinter Audrey und Joel hertrottet. Ich schüttle mitleidig den Kopf, so wird das doch nichts. Als wir beim Check- in sind treffen wir auf Michelle, Cindy und Laura. Laura fällt mir in die Arme und flüstert mir ins Ohr „Gott sei Dank seid ihr endlich da. Mit den beiden war es die Hölle.“ Wir beide sehen zu Cindy herüber, sie starrt mich mit diesem herablassenden Blick an. Michelle ist ja noch erträglich aber Cindy kann und will ich einfach nicht ertragen. Michelle lächelt mir zu und winkt leicht, wir haben Chemie zusammen und verstehen uns eigentlich recht gut, nur bei der Wahl unsere Freunde scheiden sich die Geister. Sie hat rückenlange gold-braune Locken und fast schon Karamell Farben Augen, ihre niedliche Stupsnase ist übersäht mit Sommersprossen, aber es steht ihr Ich mochte es und beneide sie sogar dafür. In ihrem Haar sitzt eine goldene Sonnenbrille und sie trägt eine hellgrüne Cargo Hose und ein weißes bauchfreies Top. Würde sie mal aus Cindys Schatten hervortreten, wäre sie vermutlich echt beliebt. Emilio befreit sich aus Nikis Griff und läuft auf Cindy zu, um sie freudig in den Arm zu nehmen.

Cindy drückt ihm einen langen Kuss auf die Lippen, und ich bin mir fast sicher, dass er auch zu Demonstration gilt, um Niki zu zeigen, dass er ihr Eigentum war. Laura und ich gehen zu Niki, wir beide sehen den Schmerz in ihren Augen klar und deutlich. Laura streichelt ihr den Arm und sagt „Er hat dich nicht verdient“ „Doch das hat er, er hat gesagt das er mit Cindy Schluss macht und mit mir zusammenkommt“ entgegnet Niki. Ich glaube ihm kein Wort, der Kerl hat nicht das nötige Rückgrat, um sich aus ihrem Todesgriff zu befreien. Ich lächele sie an, um ihr meine Zustimmung zu zeigen, doch eigentlich würde ich ihr gern meine gnadenlos ehrliche Meinung sage. Damit wäre aber die Stimmung im Flieger für die nächsten Stunden zerstört, und das will ich nicht, wer weiß, vielleicht täusche ich mich in Emilio auch. Doch eins weiß ich, würde er Niki nur einmal zum Weinen bringen und sie verletzen, würden Audrey und ich zu seinem schlimmsten Albtraum werden.

Als wir in den Flieger steigen beginne ich mit der Suche nach meinem Platz. Perfekt, einen am Fenster., nun hoffe ich das Kaito oder Niki und Audrey neben mir sitzen werden. Mich trifft fast der Blitz als sich Cindy und Michi neben mich setzen. Ich suche mit den Augen hilfesuchend die anderen Reihen ab. Audrey hat mit ihrem Sitz da schon weitaus mehr Glück, sie sitzt neben Niki und Tom. Und hinter ihnen sitzen Kaito, Leo und Emilio. Selbst mit Laura würde ich in diesem Moment gern tauschen wollen, und sie sitzt zwischen Joel und einer Frau mit Baby, dass seit wir das Flugzeug betreten haben ununterbrochen schreit. Sie sieht mich gequält an und ich forme mit den Lippen die Worte „Rette mich“, sie grinst. Ich rutsche tief in meinen Sitz und versuche möglichst langsam zu atmen. Das ist erst das zweite Mal, dass ich in einem Flugzeug sitze „Mia du bist ganz bleich. Möchtest du einen Kaugummi das beruhig“ sagt Cindy zuckersüß. Ich nicke, sie reicht mir eine kleine pinke Packung. Großzügig bediene ich mich, und kaue direkt drei auf ein Mal.

Igitt, zuckerfrei! Schmeckt als würde man auf einer Schuhsohle herumkauen. Und sie hat unrecht, Kaugummi kaufen beruhigt mich kein bisschen. Wir starten.
Krampfhaft krallen sich meine Hände in die Armlehne und ich sehe zu wie die Häuser immer kleiner werden, und schließlich unter einer Wolkendecke verschwinden.
Meine Hände zittern als wir endlich die Gurte abmachen dürfen. Ich stecke meine Kopfhörer ins Handy und höre erst mal zum Runterkommen Sunshine Reggae von Bob Marley. Meine verkrampften Beine beginnen sich zu entspannen, und auch der Druck in meinen Ohren löst sich. Langsam will ich die Augen schließen, doch da bekomme ich zufällig mit wie Cindy und Michelle anfangen zu lachen. Ich stelle die Musik ab, und spitze angestrengt die Ohren. „Hast du gesehen, wie sich diese Niki an Emilio ran macht. Das ist ja so bemitleidenswert und peinlich“ zwitschert Cindy „Oh ja. Voll scheiße sie weiß doch das er dir gehört, denkt sie wirklich sie hätte gegen dich eine Chance? Sowas nennt man dann wohl maßlose Selbst-überschätzung, sie ist einfach nur hässlich“ fügt Michi hinzu. Dann brechen die beiden in lautes Gelächter aus. Nun ist das Maß voll, wer über meine Freundin lacht hat keine Gnade von mir zu erwarten. Ich tippe Cindy an und sie dreht sich zu mir um. „Oh Mia du bist ja auch noch da“ sie sieht mich mit ihrer typischen angeekelten Miene an. Deutlich hörbar ziehe ich scharf die Luft ein „Hör mal Cindy. Bitte tu mir einen Gefallen, nur einen- und halt endlich die Fresse, ja? Niki hat es nicht nötig über dich herzuziehen, dabei gäbe es da so viel zu lachen, glaub mir. Leider hat Gott dich mit keiner Persönlichkeit gesegnet, und ein Gehirn hat er dabei auch direkt vergessen. Glaubst du allen Ernstes du hättest irgendwelche Freunde außer Michelle? Du hast keine, niemand kann dich leiden-“ ich laufe gerade erst warm, und lasse sie erst gar nicht zu Wort kommen.

Kapitel 9

„Weißt du noch die Party bei Justin Fischer? Die Einladung ist nicht verloren gegangen, es wollte dich einfach niemand dahaben! Wag es dich, noch einmal über Niki zu lachen- dasselbe gilt für dich Michelle- “ ich funkle sie böse an „dann glaub mir werde ich dafür sorgen, dass du freiwillig oder nicht von hier verschwindest.“ Ich hole tief Luft, man das hat gutgetan. Anscheinend habe ich so laut geredet, dass es das ganze Flugzeug mitbekommen hat. Ich sehe in ihren Augen das ich sie überrumpelt habe, und auch das einige der Bemerkungen einen wunden Punkt getroffen haben. Bestimmt hat so etwas noch nie jemand zu ihr gesagt. Mir tut es etwas leid, dass ich das mit Justin Fischers Party erwähnt habe, aber auch nur ein kleines bisschen. Ich stelle meine Musik an und schaue aus dem Fenster, selbst wenn sie etwas zu entgegnen hat, ich werde sie sowieso nicht hören.
Als wir landen werde ich unsanft aus meinem Schlaf gerissen, als die Stewardess mich bittet meinen Sitz wieder in eine Aufrechte Position zu bringen. Die 1 ½ Stunden kamen mir so kurz vor. Der Pilot kündigt an „Landeanflug auf Tanaunella, Sardinien abgeschlossen.“
Das Warten am Gepäckband kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Als ich endlich als letzte meinen pinken Koffer vom Band zerre, nehmen wir uns ein Taxi, das uns zum Ferienhaus fährt. Das Ferienhaus liegt keine 10 Minuten vom Meer entfernt inmitten eines Pinienwaldes. Um uns herum ist nichts, das Einzige was man hört ist das Knacken der trockenen Piniennadeln unter unseren Füßen. Das Ferienhaus selbst ähnelt einer alten Jagdhütte aus Holz, nur war es um einiges größer und geräumiger mit zwei Etagen und drei Bädern. Dies hat Kaito auf der Fahrt hierhin erzählt. Bevor wir eintreten begutachten wir den gemieteten VW Bus, der vor dem Haus steht.
Geräumig, genug Platz, und das wichtigste eine funktionierende Klimaanlage.
Audrey, Niki, Laura und ich suchen uns das größte Zimmer im ersten Stock aus. Aber als dann noch Cindy und Michelle bei uns klopfen und fragen ob sie mit in unser Zimmer können knallen wir ihnen wortlos die Tür vor der Nase zu.
Klar, wir haben genug Platz, das Zimmer ist ein sechs Bett Zimmer wie in einer Jugendherberge, aber ich würde es keine Woche mit den beiden hier aushalten. Die Jungs bekommen das größte Zimmer im Erdgeschoss, immerhin sind sie zu fünft. Cindy und Michelle müssen sich mit dem kleinsten Zimmer im ganzen Haus zufriedengeben. Ihr Zimmer befindet sich direkt unter der Treppe, welche in den zweiten Stock führt. Wir springen auf den Betten herum wie kleine Kinder, und insgeheim hoffen wir das in Cindys Zimmer ihr der Putz von der Decke auf den Kopf rieselt. Unser Zimmer hat ein riesiges Erker Fenster, wodurch man den Wald, der die Hütte umgibt, betrachten kann. Ich bin so dreist und nehme mir das Bett rechts neben dem Fenster. Das Bett hinter meinem wird von Audrey besetzt und das Bett links neben dem Fenster verwandelt sich im Nu zu Nikis Territorium, nach langem hin und her entscheidet sich Laura für das Bett hinter Nikis anstelle des Bettes neben der Tür. Vor oder hinter jedem Bett steht ein kleiner weißer Nachttisch aus Buchenholz. Ein riesiger Schrank aus dunkler Eiche steht rechts neben der Tür und seine Farbe dominiert den Raum, dort hat jeder seinen eigenen Bereich, wo seine Kleider abgelegt werden. Wir beziehen unsere Betten und gehen die große Treppe hinunter, durch die Küche und rüber zum Zimmer der Jungs. Wir klopfen und öffnen dann die Tür. Die Jungs sitzen auf ihren Betten und winken uns zu ihnen, brav verteilen wir uns auf ihre Betten.

 

„Wie wär‘s Leute, so als Start in den Urlaub könnten wir doch ein Lagerfeuer machen“ schlägt Tom vor und wir jubeln Die Jungs richten eine Feuerstelle ein und wir holen aus unseren Taschen all den Vorrat an Süßigkeiten den wir im Handgepäck haben. Laura hat sogar Marshmallows dabei. Leo ist gerade dabei die Holzbänke zu drapieren als wir zurückkommen. Dort setzten wir uns nieder, das Feuer wärmt gut und macht alles sehr viel gemütlicher.
Als es zu dämmern anfängt sagt Kaito „Ein paar Minuten von hier gibt’s nh tolle Pizzeria, wollen wir da nicht was essen?“ Wir stimmen mit Handzeichen ab, und entscheiden gemeinschaftlich mit dem VW zu fahren. „Ok ihr Genies, wie löschen wir das Feuer?“ fragt Joel und stochert mit einem Stock in der Glut. „Ah, stimmt ja das Wasser wird erst morgen früh angestellt“ sagt Kaito und faltet die Hände unterm Kinn. „Ich kann kurz mit einem Eimer zum Meer laufen und Wasser holen“ biete ich an, und da niemand eine bessere Idee hat gehe ich los. „Pass bloß auf dich auf, und geh einfach nur gerade aus“ ruft Kaito mit hinterher.
Ich habe nicht bedacht das es so schnell dunkel werden würde. Es ist stockfinster auf dem Rückweg, ich kann fast die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen. Langsam gehe ich Schritt für Schritt vorwärts, und hoffe das ich immer noch auf dem richtigen Weg bin. Überall um mich herum, knackt und raschelt es. Ängstlich kralle ich mich an den Eimer voller Wasser in meinem Arm.
Plötzlich fliegt irgendetwas ganz nah an meinem Kopf vorbei. Ich schrecke auf und renne kreischend weg, einfach weiter, ohne zu wissen, wohin ich renne. Das Wasser aus dem Eimer schwappt über und durchnässt meine komplette Kleidung, doch ich sprinte einfach weiter durch die Dunkelheit. Dann plötzlich verliere ich den Boden unter den Füßen und stürze tief hinunter. Ich schlage mit dem Rücken auf dem harten Boden auf. Mühsam stütze ich mich auf und ringe verzweifelt nach Luft.
Ein stechender Schmerz jagt durch meinen Körper und ich gehe gekrümmt zu Boden. Als ich wieder normal atmen kann, taste ich meine Beine ab, ich kann spüren das meine Hose zerrissen ist, und als ich mit den Fingern über meine Knie streiche brennt es teuflisch. An meinen Fingern klebt irgendwas, und als ich daran rieche muss ich geschockt feststellen das es Blut ist. Meine Knie sind aufgeschlagen und blutüberströmt Das Mondlicht lässt mich für einen Moment genug von meiner Umgebung sehen, so dass ich feststellen kann, wo ich bin. Ich bin einen tiefen Abhang hinuntergestürzt, und sitze jetzt hier unten fest. Meine Beine schmerzen so sehr, dass ich nicht mehr aufstehen kann, außerdem brennt mein Rücken bei jeder Bewegung. Ich bin hier gefangen, und muss darauf hoffen, dass irgendjemand mein Verschwinden bemerken wird, blöd wie ich bin, habe ich natürlich auch mein Handy in der Hütte gelassen. Wer hätte auch ahnen können das mit so etwas passiert. „HILFE, HILFE!“ schrei ich und hoffe das irgendwer kommen wird.
 

Währenddessen bei den anderen:

Kaito

Wo bleibt Mia? Hoffentlich hat sie sich nicht verlaufen, so schusselig wie sie ist, ist dies kein abwegiger Gedanke. Ich sehe nervös auf die Uhr, sie ist schon länger als 20 Minuten weg. Vermutlich überreagiere ich gerade, und sie bummelt nur auf dem Weg, aber mich lässt dieses merkwürdige Gefühl einfach nicht los. Dieses Gefühl, dass mir sagt das sie in Schwierigkeiten steckt. Ich stehe auf „Wo gehst du hin? “ fragt Tom und legt den Kopf in den Nacken. „Ich gehe Mia suchen. Ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl“ sage ich und sehe in die Runde.

An ihren beschämten Blicken bemerke ich das niemandem aufgefallen ist das sie schon zu lange unterwegs ist. Tom steht auf und sagt „Ich komm mit, ich kann dich doch nicht allein durch den ach so dunklen Wald laufen lassen“ er lacht sarkastisch, ich sollte sauer sein, weil er mich nicht ernst nimmt, aber andererseits bin ich sehr dankbar das er mitkommt. Ich hole aus der Küche zwei Taschenlampen und werfe Tom eine zu, mit Leichtigkeit fängt er sie ihm dunkeln. Ich hasse die Dunkelheit, und ausgerechnet jetzt finde ich meine Brille nicht. So gut wie niemand weiß überhaupt, dass ich je dunkler es wird eine Brille brauche, um noch anständig sehen zu können. Es ist nicht so, dass ich in der Dunkelheit gar nichts mehr sehen kann, es ist einfach schwieriger Worte zu fokussieren, oder Gesichter zu erkennen. Wir spielen Stein, Schere, Papier und entscheiden damit wer in welche Richtung geht. Mit dem bisschen Licht, dass die Taschenlampe spendet ertaste ich mir zügig meinen Weg durch das Dickicht. Hoffentlich überreagiere ich nur, und sie wird mich lachend am Feuer empfangen, wenn ich zurückkomme.

 

Mia

Es fühlt sich an als würde die Nacht ewig dauern. Es wird kälter und ich fange an zu frieren. Wie sehr wünsche ich mir das Kaito kommt, um mich zu retten. Ich wünsche mir das er mich auslacht und Witze über meine Blödheit macht, und dass er mich dann mit diesem Blick ansieht, der mir sagt, dass alles gut wird. Noch einmal schreie ich mit Leibeskräften „HILFE! HÖRT MICH DEN KEINER?“ Mir laufen Tränen übers Gesicht, wieso, wieso muss so etwas immer mir passieren? Wieso kann mir nicht einmal etwas Gutes passieren? Schluchzend ziehe ich die Knie unters Kinn und schlinge die Arme um meine Beine. Da höre ich ein rascheln über mir. Ein wildes Tier? Was für ein Tier? Eine Schlange? Ein Kaninchen wäre schön.
Ich schaue nach oben und kneife angestrengt die Augen zusammen, um etwas zu erkennen. Eine Silhouette bewegt sich den Hang hinunter und klettert genau auf mich zu. „KAITO?“ rufe ich freudig und starre auf die sich langsam nähernde Silhouette. Eine Taschenlampe wird auf mich gerichtet und blendet mich. Als das Licht nicht mehr auf mein Gesicht gerichtet ist, sehe ich nur weiße Flecken.
„Mia?“ die Stimme kommt mir bekannt vor. Ich reibe meine Augen damit sie sich erneut an die Dunkelheit gewöhnen und erkenne Toms blond gelockte Schulterlange Haare, die im Licht seiner Taschenlampe aufleuchten. Seine blauen Augen sehen erleichtert auf mich herab. Er kniet sich zu mir herunter und fällt mir um den Hals. Überrascht und doch sehr erleichtert drücke ich ihn fest an mich.
„Ich bin so froh, dass ich dich gefunden habe“ er atmet erleichtert aus und streicht mir über die Haare. Ich fange an zu weinen, und rede mir ein es ist wegen des noch immer pochenden Schmerzes, der durch meine Beine jagt, und nicht wegen der Angst, die ich endlich loslassen kann. „Es ist zu dunkel. Ich kann hier mit dir nicht rausklettern. Wir müssen wohl oder übel bis morgen warten.“ Tom zieht seine Jacke aus und wickelt sie um mich. „Komm lehn dich an mich, und versuch etwas zu schlafen“ sagt Tom und zieht mich zu sich. Er lehnt an einem Baum und ich lehne mich nun an ihn. In jeder anderen Situation hätte ich dieses Angebot dankend abgelehnt, doch durch die verpuffte Anspannung merke ich erst jetzt wie müde ich in Wirklichkeit bin, und wie sehr mir der Rücken von dem Sturz noch immer weh tut. „Wie hast du mich gefunden?“ frage ich schniefen. „Ich habe deinen verzweifelten Ruf nach Hilfe gehört, denn ich habe Ohren wie ein Lux“ ich kichere leise. „Danke“ flüstere ich kurz bevor mir die Augen zufallen.

 

 

Kapitel 10

Tom

Vielleicht ist es eine dumme Idee gewesen Kaito bei der Suche zu helfen. Nun sitze ich hier mit ihr fest, allein, im Dunkeln. Ich glaube das ist keine perfekte Situation, um mir erneut einzugestehen das ich immer noch Gefühle für sie hege. Ich dachte ich hätte diese Gefühle, die sie im Februar letzten Jahres bei mir ausgelöst hat, ganz weit weggesperrt, doch sie waren anscheinend nie ganz weg. Vermutlich habe ich sie einfach nie wirklich wahrgenommen, weil ich nur zu gut weiß das Mia in Kaito verliebt ist. Ich sehe zu ihr runter, ihr Haar schimmert matt im Mondlicht, und ihr Gesicht sieht so friedlich aus. Sie riecht so gut, wie Lagerfeuer im Sommer, wie Zuckerwatte beim Stadtfest, wie Rosen im Regen. Kaito und ich hätten zusammen nach ihr suchen sollen, dann würde ich jetzt nicht in Versuchung geraten sie zu küssen, ihr über die Wange zu streichen und ihre Tränen weg zu küssen.
Ich will das sie mich mit demselben Blick ansieht, mit dem sie Kaito ansieht. So ein Blick, der dich automatisch zum Lächeln bringt, ein Blick, der dir ohne Worte zeigt, wie wichtig du ihr bist. Ich weiß noch, wann Kaito sie mir vorgestellt hat. Letztes Jahr Karneval, auf der Party von Judy Hägen, er kam mit ihr als Begleitung.
Ich wusste bis da nur das sie in unsere Stufe geht, und das wir glaube ich Chemie zusammen belegt hatten. Damals trugen sie ein Team Kostüm, er ging als Aladdin, und sie war bei Gott die schönste Jasmin die ich je gesehen hatte. Ich fand sie nett, sie lachte viel und das mochte ich. Doch sehr schnell habe ich festgestellt, dass sie Kaito mag, und zwar auf eine andere Art als sie mich je mögen würde. Er redete damals mit Diana vom Fitnessstudio welche als Cat Women im knappen Body erschien. Mia saß mit mir auf der Couch und als Diana ihre Hand auf Kaitos Brust legte und ihn küsste, drehte Mia den Kopf weg, um es nicht mit ansehen zu müssen. Ihr Blick war so voller Schmerz, doch als sie merkte das ich sie ansah grinste sie und legte einen Finger an die Lippen. Ich wusste ohne dass sie es aussprach, was sie mir sagen wollte. Und seitdem behalte ich ihr kleines Geheimnis für mich.
Nicht um meintet Willen, sondern um ihretwillen. Natürlich könnte ich es Kaito erzählen, weil so wie ich meinen besten Freund kenne steht er vollkommen auf dem Schlauch. Jeder hat es mittlerweile gerafft, selbst das Hohlbrot Cindy, nur er hat mal wieder eine lange Leitung. Ich lege den Kopf in den Nacken und schaue zum Mond hoch. „Wenn du in meiner Situation wärst, was würdest du tun?“ flüstere ich und wie zu erwarten kommt keine Antwort. „Vermutlich werde ich einfach weiter auf unwissend machen, damit sie sich neben mir nicht verstellen muss-“ ich lache leise „Wer hätte gedacht, dass ich es einmal gut finden würde als Blender gebrandmarkt zu sein. Wenn ich wie immer so tue als wüsste ich nichts, und als würde mich das nichts angehen, kann sie sich bei mir entspannen.“. Was mache ich hier eigentlich? Ich war doch früher nicht so? Seit wann nehme ich Rücksicht auf die Gefühle anderer Leute? Klar Kaito ist mein bester Freund, aber wieso lasse ich ihm Zeit seine Gefühle zu begreifen? Wenn ich früher ein Mädchen gut fand bin ich in die Offensive gegangen und habe sie mir genommen. Erneut sehe ich hinunter zu ihrem schlafenden Gesicht. Mit der freien Hand streiche ich ihr ein paar Strähnen aus dem Gesicht. „Tja, wahrscheinlich bin ich doch nicht so ein gefühlloser Frauenheld wie ich immer dachte, denn zum ersten Mal ist es mir nicht egal, wenn ein Mädchen weint“ flüstere ich ganz leise. Sie kuschelt sich im enger an mich und murmelt leise etwas vor sich hin. Ich lege meinen Arm um sie und ziehe sie noch etwas näher. Wer hätte das nur gedacht. Schmunzelnd schließe ich die Augen.

 

 

Mia

Warme Sonnenstrahlen kitzeln mich und wecken mich aus einem erholsamen und doch unbequemen Schlaf. Ich drehe meinen Kopf und erschrecke kurz als ich Toms schlafendes Gesicht neben meinem sehe. Ich habe ganz vergessen, dass er gestern Nacht zu mir in die Schlucht geklettert ist. Ich bemerke, wie ich ihn anstarre, und senke hastig den Blick. Vorsichtig stupse ich ihn an. Er reibt sich verschlafen die Augen. „Na alles gut bei dir? Was machen deine Knie?“ murmelt er und rafft sich auf. Ich habe bis gerade nicht mehr an meine Knie gedacht, aber auf einmal spüre ich wieder den höllischen Schmerz. Tom streckt mir seine Hand entgegen und zieht mich hoch. Ich kann kaum geradestehen, und im Hellen sehe ich erst das komplette Ausmaß meines Sturzes. Meine Hose ist an den Knien total zerfetzt und große klaffende, noch immer blutende Wunden schimmern durch. Auch meine Hände und Unterarme sind zerkratzt und aufgescheuert. „Naja es geht“ lüge ich und bemühe mich mir den Schmerz nicht anmerken zu lassen. Ich glaube Tom bemerkt das ich lüge, denn er schüttelt seufzend den Kopf. Er stemmt die Hände in die Hüfte und beäugt den Abhang. „Zu unserem Glück, ist es zwar sehr tief, aber nicht sehr steil. Ich glaube ich kann uns hier rausbringen“ sagt er und grinst mich an. „Und wie willst du das machen? Kannst du nicht einfach mit deinem Handy Hilfe rufen?“ frage ich und sehe zu ihm herüber. Verlegen kratzt er sich am Hinterkopf und sagt schließlich „Tja weißt du, wir sind so plötzlich aufgebrochen, da habe ich es im Zimmer liegen lassen“ „Wir?“ frage ich leicht frustriert über unsere Situation. „Oh, hatte ich das nicht erwähnt? Kaito hatte die Idee nach dir zu suchen“ ich werde rot, er hat tatsächlich nach mir gesucht. Im ist also wirklich aufgefallen das ich zu lange weg war. Ich freue mich unglaublich, ich vergesse sogar für einen kurzen! Moment meine Schmerzen.

„Also gut, beginnen wir mit dem Aufstieg“ ich nicke und mache einen Schritt nach vorne. Meine Beine geben nach und ich klappe zusammen wie ein Taschenmesser. „Ich glaube so wird das nichts. Du kannst nicht laufen, also tu nicht so als würde es 

Kapitel 7

Als die beiden in die Küche kommen strahlen sie bis über beide Ohren. Es ist höchst merkwürdig, sonst sind sie nie so gut gelaunt, wenn ich sie wecke. Niki trägt ihren beigen Hosenanzug mit passendem Wildleder Gürtel um die Hüfte, ihr Haar schmückt ein mit weißen Perlen verzierter Haarreif.
Audrey ist wie immer im erwachsenen Modus, sie trägt weit geschnittene Jeans und ein graues Hemd, das sie in der Mitte zusammengeknotet hat. Ihre Haare hält sie mit einer schwarzen Haarklammer zusammen.

Aktuell sitzen wir drei im Bus Richtung Innenstadt. Es ist Shopping Zeit. Heute ist zwar Sonntag, aber so kurz vor den Ferien haben die Läden bei uns auch an einigen Sonntagen auf. Wir haken uns beieinander unter und gehen auf den ersten Laden zu. Es fühlt sich an als wären wir die Hauptdarstellerinnen aus Sex and the City. „Leute wir könnten die Mädels aus „Sex and the City“ sein sage ich und schiebe lässig meine Sonnenbrille hoch. Es fehlt nur noch die Windmaschine, die unsere Haare wild fliegen lässt und ein toller Song im Hintergrund, sowas wie Oops, i did it again oder Run the world von Beyoncé. „Niki, du wärst auf jeden Fall Charlotte“ sage ich grinsend und knuffe sie in die Seite. „Ja dann muss Audrey einfach Miranda sein, die Rolle ist dir wie auf den Leib geschneidert“ fügt Niki hinzu, und sie hat Recht. Audrey muss unsere Miranda sein, sie ist die Mutter unsere Truppe und vor allem die, die immer alles im Griff hat. Es geht fast nie etwas schief was Miranda plant und das gilt auch für Audrey. „Wenn ich Miranda bin fehlt uns aber eine Samantha, denn du Mia bist auf jeden Fall Carrie“ sagt Audrey fast schon gelangweilt und schnippst eine Fliege von ihrer Handtasche. Hat sie Recht? Muss ich Carrie sein? Klar ich liebe Carrie, aber kann ich nicht auch der Männertraum Samantha sein?

Ich kann doch wohl sexy und verführerisch sein oder etwa nicht? „Wieso kann ich nicht Samantha sein?“ frage ich, obwohl ich auch Angst vor ihren Antworten habe. „Mmh du bist einfach wie Carrie, jagst der wahren Liebe hinterher und hoffst das sie auf dich zu kommt“ sagt Niki und streichelt meinen Arm. Ok da hat sie Rech, ich warte wirklich auf Prinz Charming. „Du bist außerdem unsere prüdeste Freundin. Du bist brav und bist deshalb seit Ewigkeiten Single“ erläutert Audrey und beide lachen. Ich weiß sie meinen es beide nicht böse, aber es tut schon echt weh.

Mir ist durchaus bewusst das ich diejenige von uns bin die sich immer Hals über Kopf in eine Liebe verrennt und dann verletzt wird. Ich hatte in meinem 18-jährigen Leben erst einen festen Freund, und diesem hatte ich mein erstes Mal geschenkt und wurde verletzt. Seitdem gab es keinen mehr bei dem ich mehr wollte als nur eine kurze Begegnung oder einen One-Night-Stand. Doch seit ich Kaito kenne wünsche ich mir nichts sehnlicher als seine Liebe, und zwar seine echte.
„Hey es ist nichts schlechtes Carrie zu sein, du wartest zwar lange doch am Ende wirst du deinen Mr. Big finden und er wird für immer bei dir bleiben“ sagt Niki die vermutlich meinen traurigen Blick bemerkt hat. Sie hat Recht, mein Mr. Big wird kommen, kein Grund den Kopf hängen zu lassen. Ich bin nicht Carrie ich ähnele ihr nur, ich werde Kaito für mich gewinnen, ohne ewiges warten.
Wir betreten den ersten Laden und gehen in die Bikini Abteilung. Ich suche mir einen schwarzen Bikini ohne Träger mit ebenfalls schwarzer Hose aus. Die Hose ist mit einem schlichtem Rüschenmuster bestickt. Kaito mag es, wenn ich schwarz trage, er sagt das würde das grün meiner Augen hervorheben. Dabei hat er sich zwar auf einen schwarzen Pulli bezogen, aber Bikini und Pulli ist ja fast dasselbe. Bei den Bikinis mit Trägern suche ich mir einen blass rosafarbenen aus, welcher im Nacken zusammengeknotet wird.

Die Hose ist sehr hoch ausgeschnitten, doch ansonsten ist er sehr schlicht, nichts Besonderes. Ich betrachte mich im Spiegel, die Hose bereitet mir Sorgen. Sie gibt sehr viel Haut preis und es ist noch etwas befremdlich daran zu denken das mich Leo und die anderen alle darin sehen werden. Ich denke mal das wird er Bikini für besondere Anlässe. Vielleicht können Kaito und ich ja mal alleine schwimmen gehen das wäre dann ein besonderer Anlass. Niki sucht sich zwei Bikinis mit Trägern aus, einen Neckholder und einen normalen. Der eine ist hellblau mit weißen Streifen und an der Hose war ein kleiner Rock befestigt. Der zweite ist weiß, aber es ist nicht so einer der durchsichtig wird, wenn Niki ins Wasser gehen würde. Audreys Bikinis sind wie meine, einer ohne und einer mit Trägern. Der trägerlose ist weinrot und hat ein Rüschen Vorhang an das Oberteil genäht. Der mit Trägern ist dunkelgrün und hat eine dazu passende String Hose, wann sie den wohl anziehen will? Hebt sie den etwa auch für besondere Anlässe auf? Wenn ja, für wen? Wir gehen bezahlen, nun sind wir für den Urlaub mit Kaito gewappnet. Was wird er wohl für Augen machen, wenn er mich im Bikini sieht? Bei dem Gedanken an seinen Blick, der mich von Kopf bis Fuß begutachtet steigt mir die Hitze ins Gesicht. Es ist ja auch nicht so als hätte Kaito mich noch nie im Bikini gesehen, aber das war damals als ich mir meiner Gefühle für ihn noch nicht sicher war. Da machte es mir nichts aus von ihm begutachtet zu werden, oder besser gesagt damals hat er mich auch noch nicht mit diesem Blick angesehen. Diesem Blick der mir das Gefühl gibt die schönste Frau auf Erden zu sein. Wir waren letztes Jahr mal am See zusammen. Damals wusste ich schon längst, dass er für mich nicht nur ein Freund war. Ich habe mir das schönste Outfit rausgesucht was ich hatte und den auf reizendsten Bikini gekauft, den sie im Laden hatten. Doch e! r hat mi ch keines Blickes gewürdigt, er hatte nur Augen für die anderen Mädchen. Diesen Sommer wird das geändert.

Die Tage bis Sonntag vergehen, wie im Flug. Ich realisiere erst das es schon so weit ist als Niki und Audrey mir meinen Lieblingskuchen ans Bett bringen und für mich singen. Es ist ein Schokoladen Kuchen mit einer Himbeere Buttercreme mit exakt neunzehn Kerzen. Ich puste sie aus und wünsche mir den besten Sommer aller Zeiten, und natürlich wünsche ich mir wie jedes Jahr, Kaito.
Danach verschwinden die zwei ins Wohnzimmer, während ich mich umziehe.
Ich ziehe mir mein pastellfarbenes rosa Sommerkleid an. Obenrum ist es enganliegend, doch der Rock ist lang und weit geschnitten, so dass er im Wind tanzen wird. Die Ärmel des Kleides sind lang und weit geschnitten, so da sie wie Flügel herunterhängen. Fast wie eine kleine Sommerelfe. Meine Haare lasse ich mal zur Abwechslung offen, meine Totenkopf Ohrringe tausche ich gegen karoförmige Diamanten, welche im Sonnenlicht funkeln. Ich schleiche mich ins Bad und schminke mich leicht, nur etwas Rusch und Wimperntusche und natürlich Eyeliner, ich liebe es meine Augen zu schminken. Kaito hat einmal gesagt, dass meine Augen wie die Augen eines Jaguars aussehen. Er nannte sie mystisch und wunderschön. Seitdem habe ich so lange geübt, bis ich den Eyeliner nun jedes Mal perfekt hinbekomme.

Ich schaue in den Spiegel, und bewundere mein Werk, ich finde mit dem Lidstrich habe ich wirklich die Augen einer Raubkatze. Meine Schwester würde mich vermutlich auslachen, wenn ich ihr das sagen würde. Sie fand schon immer das ich aussehe wie eine Schlange, und das nicht nur wegen meiner oft so giftigen Bemerkungen.
Ich schlendere ins Wohnzimmer und begutachte die Outfits der Mädels
„Schick schick“ sage ich grinsend. Niki trägt ihr schwarzweiß kariertes knielanges Kleid, das oben einen großen Ausschnitt und unten einen kurzen fließenden Rock hat.
Jedes Mal, wenn sie dieses Kleid trägt muss ich mich richtig zusammen reißen nicht zu lachen, denn ich find sie sah aus wie ein Schachbrett mit Beinen. Ihre Haare hat sie hinterm Ohr her geflochten, dazu kleine rote Feder Ohrringe. Sie sieht einfach zu süß aus, ich habe ihren Stil schon immer bewundert. Audrey hingegen sieht überraschend cool aus. Sie trägt einen schwarzen knielangen Kort Rock und eine weiße Bluse mit einer dunkelroten Schleife auf der Brust. Ihre Haare trägt sie wie immer zu einem Dutt hochgebunden, ich glaube seit wir hier wohnen habe ich Audrey erst zehn Mal oder so mit einer anderen Frisur gesehen. Wenn wir feiern gehen, und Niki und ich uns die wildesten Frisuren machen, bleibt sie immer bei ihrem Dutt. Sie sagt immer es sei pragmatisch und äußerst praktisch, wir finden es ist einfach nur langweilig.  

Die beiden lassen mich noch schnell ein Stück von dem Kuchen essen, als sie mir auch schon die Augen verbinden. „Ey macht aber nicht so fest, ich habe mir echt viel Mühe mit dem Eyeliner gegeben“ sage ich und richte die Augenbinde. Sie führen mich raus auf die Straße und zur Bushaltestelle, ohne die beiden wäre ich ziellos in der Gegend rumgetaumelt und hätte bestimmt nicht einmal den Ausgang aus dem Treppenhaus gefunden.
Wir steigen in einen Bus, und jemand sagt mir Hallo. Ich drehe mich in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen ist, um ebenfalls Hallo zu sagen doch, ehe ich auch nur einen Ton sagen kann, knallt mein Kopf gegen etwas hartes, eisernes. Niki fängt an zu lachen, während ich mir meine Stirn reibe. „Haha wie witzig“ säusle ich und taste nach einer möglichen Beule. Ich höre, wie jemand ansetzt etwas zu sagen, doch da zischt jemand „pssst.“ Ich lasse mich stumm zu einem Platz führen und lausche der automatischen Stationen Ansage. Die Fahrt kommt mir wie eine Ewigkeit vor dabei waren es bestimmt nicht mehr als zehn oder fünfzehn Minuten.
Der Bus hält an und die Mädels führen mich aus dem Bus. Beinahe wäre ich über die Stufe beim Aussteigen gestolpert. So langsam habe ich keine Lust mehr mich einfach so durch die Gegend führen zu lassen. Ich werde mir bestimmt noch den Hals brechen, wenn das so weiter geht. Die beiden passen ja nicht mal auf wohin sie mich führen. Dann wird mir, Gott sei Dank die Augenbinde abgenommen.
Zaghaft blinzle ich gegen die Sonne, um mich an die Helligkeit zu gewöhnen.
Erst dann erkenne ich das Kaito, Emilio, Leo, Joel und Laura vor mir stehen. Laura ist eine Klassenkameradin und Freundin aus meiner Kunst AG. Sie ist nicht sonderlich groß und trägt eine große runde Brille mit feinem Gestell.
Ihre schwarzen Haare sind kurz geschnitten, bis vor wenigen Tagen trug sie, sie noch schulterlang. Aber es steht ihr so gut, es passt irgendwie zu ihrem Charakter, es macht sie mutiger und selbstsicherer, was sie eigentlich absolut nicht ist. Und, ja Joel ist ein Arbeitskollege von Audrey. Er ist groß und kräftig gebaut, hat dunkelbraune gelockte Haare, die er an den Seiten abrasiert hatte und oben länger wachsen ließ. Das besondere an ihm sind seine Tattoos und besonders das Tattoo einer Geisha welches groß und breit seinen rechten Oberarm schmückt.
Im linken Ohr noch ein dicker Tunnel und fertig ist der Augenschmaus. Er ist ein guter Freund von uns, und mit gutem Freund meine ich, ich mag ihn überhaupt nicht. Er ist selbstverliebt und versucht sich immer bei mir und den anderen einzuschleimen. Ich finde ihn widerlich und bin froh über jede Minute, in der ich ihn nicht sehen muss. Doch irgendwie scheint Audrey an ihm Interesse gefunden zu haben, weswegen sie ihn überall hin mitschleppt. Ich verdrehe die Augen. Der Kerl hat irgendetwas, das mich wahnsinnig macht, etwas Böses. Vermutlich bilde ich mir das nur ein, aber mein sechster Sinn schlägt aus und meistens will das etwas heißen.

Ich sehe mich um und realisiere, wo wie sind. Wir stehen mitten im Zoo. Ich liebe den Zoo, und besonders die Bären, Pandas und Tiger. Vor Freunde hüpfe ich von einem Fuß auf den anderen „Kommt lasst euch drücken“ quietsche ich und strecke die Arme aus. Die Mädels umarmen mich und auch Kaito und Leo bekommen von mir eine dicke Umarmung. Nur Emilio und Joel schenke ich ein kleines Lächeln. Ich mag die beiden nicht wirklich, also sollen sie auch nichts anderes denken.
„Ok, Mia wir haben uns gedacht, wir teilen uns erstmal in Gruppen auf und treffen uns dann alle später im Park“ sagt Audrey und reibt sich die Hände. Gesagt, getan, wir teilen uns erst mal in Gruppen auf. Das ist auch irgendwie logisch, denn jeder von uns will andere Tiere sehen. Ich und Kaito gehen zusammen, nicht weil ich gerne mit ihm allein sein will, nicht nur, sondern weil wir beide zuerst zu den Pandas wollen.
Ich lehne mich gegen den Zaun und suche verzweifelt nach den Pandas. „Oh man, wo sind sie denn, ich sehe gar keine“ jammere ich und lasse den Kopf hängen. „Schau da vorne“ sagt Kaito der auf einmal direkt hinter mir steht und deutet mit dem Finger auf einen Bambushain im hinteren Bereich. Ich kann seinen Worten nicht wirklich folgen, denn ich bin zu sehr von seinem Duft abgelenkt, der mir in die Nase strömt. Er ist mir so nah, sein Mandel Shampoo Duft gemischt mit etwas Schweiß verwirrt meine Sinne. Kann er vielleicht hören wie laut mein Herz schlägt? Ich schiele zu ihm hoch, sein Gesicht funkelt im Sonnenlicht und ich muss unwillkürlich lächeln. Es fühlt sich einfach so richtig an ihn in meiner Nähe zu haben. „Du schaust ja gar nicht. Siehst du sie nicht dahinten?“ fragt Kaito und dreht meinen Kopf in Richtung der Pandas. „Sie verstecken sich vor der prallen Sonne“ sein Mund ist nun direkt neben meinem Ohr und haucht die Worte ganz sanft.
Ich entdecke die Pandas tatsächlich in dem Bambushain.

Wie süß sie da übereinander liegen und schlafen. Völlig auf die niedlichen Zoobewohner fokussiert merke ich gar nicht wie Kaito seine Arme um mich legt.
Als er mich dann an sich zieht und ich seinen Kopf in meinem Nacken spüre, realisiere ich das wir hier eng umschlungen stehen. Ich würde mich gern zu ihm umdrehen, doch er hält mich fest in seinen Armen. Kaito umarmt mich doch tatsächlich schon wieder. Genau wie neulich Abend. Ich spüre seinen Atem im Nacken und seine Hände die zaghaft meine Hüfte streicheln. Passiert das gerade wirklich? Oder habe ich mal wieder einen Hitzschlag und halluziniere?
Nein, keine Halluzination, das hier ist echt. Kaito Takemura, der echte Kaito umarmt mich, mich! Klar wir haben uns schon oft umarmt, aber das hier ist anders, es ist intimer und persönlicher. Es ist auch anders als die Umarmungen beim Film schauen letzten Freitag, denn da waren es nur wir zwei. Hier sind wir in der Öffentlichkeit, jeder kann uns sehen, und jeder kann sich nun seine eigene Interpretation der Dinge ausdenken. Auf einmal ist mir das alles unendlich peinlich und ich laufe knallrot an. Ich drehe mich zu ihm um und sehe ihm tief in die Augen. Diese verführerischen, geheimnisvollen braunen Augen die ich stundenlang ansehen könnte.
„Happy Birthday Mia“ sagt er und setzt sein süßestes lächeln auf. Sein Lächeln ist so voller Zuneigung, mich kann man eigentlich nicht mehr glücklicher machen.
Ich meine ich stehe hier in den Armen des Mannes, den ich liebe und er hat für diesen einen winzig kleinen Moment nur Augen für mich. Da beugt er sich langsam zu mir herunter und drückt mir einen Kuss auf den Kopf. Mein Herz rast wie wild.
Es war ein Kuss, wenn auch nur einer auf den Kopf, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Mir wird auf einmal höllisch warm, ich habe Angst das mein Gesicht nun aussieht wie eine Tomate. Meine Knie zittern und ich habe Angst das sie gleich nachgeben und ich in mich zusammensacke.

Kaito scheint meinen panischen Gesichtsausdruck zu ignorieren und zieht mich enger an sich, um mich noch fester in die Arme schließen zu können. Mein Gesicht ist nun an seine Brust gedrückt und ich höre sein Herz klopfen. Etwas enttäuscht bin ich schon, denn sein Herz schlägt ruhig und im gleichen Rhythmus. Er ist also nicht nervös, während mein Herz hier gerade Mambo tanzt. Doch irgendwie beruhigt mich seine Anwesenheit und seine Gelassenheit, dieses beruhigende Gefühl kann mir nur Kaito vermitteln. Ich kralle mich in seinem Harvard Hoodie fest, und versuche alles in mich aufzunehmen, wie er riecht, wie er sich anfühlt und wie ich mich neben ihm fühle. Er zuckt kurz, doch lässt mich ihn festhalten. Dann ruft plötzlich jemand „Kein knutschen im Zoo!“ Ich schrecke hoch und löse mich schnell aus Kaitos Umarmung. Ich sehe ihm ins Gesicht und suche nach einem Zeichen dafür das es ihn gekränkt hat, doch ich entdecke nicht die geringste Spur.
Ein kleiner Junge zeigt mit dem Finger auf uns und singt amüsiert „Ei ei ei was sehe ich da ein verliebtes Ehepaar.“ Der Junge lacht und hüpft um uns herum, erst als Kaito ihn anzischt „Verschwinde Kleiner“ rennt er weg. Sehen wir für die Leute um uns herum wirklich wie ein Paar aus? Ich sacke in mich zusammen, das ist einfach zu viel Glück für einem Tag. „Mia alles in Ordnung?“ Kaito beugt sich zu mir herunter „Alles bestens ich bin nur etwas wackelig auf den Beinen. Ich bin einfach zu froh.“ Ich schmunzle „Was ist, wenn ich all mein ganzes Glück heute aufgebraucht habe?“ er verdreht die Augen. „Also wenn die Prinzessin nicht mehr laufen kann dann gibt es andere Wege“ sagt er und hebt mich hoch. Wie eine Prinzessin hält er mich in seinen Armen „Kaito ich kann alleine laufen“ maule ich, weil mir das alles furchtbar peinlich ist. „Kein Gejammer, euer edler Ritter wird euch von dannen tragen“ redet er geschwollen daher. Ich lege meine Arme um seinen Hals und ziehe mich eng an ihn. Wenn er mich schon trägt, muss ich auch dafür sorgen nicht herunter zu fallen.

Quer durch den Zoo bis zum kleinen Souvenir Shop werde ich getragen. Alle an denen wir vorbei kommen drehen sich nach uns um. Nur gut das Audrey und die anderen dieses Spektakel nicht gesehen haben, sie würden keine Chance auslassen, um mich damit aufzuziehen. Ich habe einen hoch roten Kopf und mein Schädel dampft. Wir betreten den Laden, und ich stolpere beinahe über meine eigenen Füße. Kaito lacht als er das sieht und sagt „Soll ich dich wieder tragen, meine kleine Prinzessin?“ „Nein danke“ entgegne ich blitzartig. Er schmunzelt. In einem Regal etwas weiter hinten im Laden stapeln sich Haufenweise süße Panda Stofftiere in allen möglichen Größen. Meine Augen beginnen zu leuchten wie bei einem Kleinkind. Kaito kommt und stützt sein Kinn auf meinem Kopf ab „Möchtest du das?“ ich nicke aufgeregt. Ich dachte er wird mich jetzt auslachen, aber mit diesen Worten habe ich nicht gerechnet. „Dann kauf ich dir einen. Such dir irgendeinen aus“ „Wirklich?“ sage ich mit einem fast schon Schraubstock artigen Lächeln, er nickt. Ich wähle weise und suche mir ein Fußballgroßes Exemplar aus, klein genug, um es zu tragen, aber immer noch groß genug, um damit zu kuscheln. Ehe ich es so wirklich realisieren kann stapfe ich auch schon mit dem Panda im Arm aus dem Laden. Ich kann es immer noch nicht fassen, er hat mir doch tatsächlich einen Panda gekauft. Freudig begutachte ich meinen neuen besten Freund „Ich glaube ich werde ihn Momo nennen“ „Wie das Mädchen Momo aus der Geschichte?“ fragt Kaito und zieht eine Packung Kaugummis aus seinen Shorts. „Ja genauso, wie Momo“ er schüttelt amüsiert den Kopf „Du wirst echt nie erwachsen, oder?“ „Niemals“ antworte ich und stupse ihn in die Seite. Er tätschelt mir den Kopf „Von mir aus kannst du für immer genauso bleiben, denn so gefällst! du mir am besten“ nuschelt er kaum hörbar. Ich will ihn gerade von hinten anspringen als eine starke Windbö mir Momo aus den Händen fegt.

Kapitel 8

Ich renne Momo hinterher und hole ihn schließlich ein nur um festzustellen das er mich mitten in den Blumengarten des Zoos geführt hat. Es ist so wunderschön. Ich stehe in einem Meer aus Löwenmäulchen, Nelken, Rosen und Sonnenblumen. Ich setze mich auf eine Bank und betrachte das bunte Blumenmeer. Kaito kommt außer Puste zu mir gelaufen „Da lasse ich dich einmal kurz aus den Augen und schon bist du weg“ keucht er, ohne etwas zu sagen ziehe ich ihn neben mich auf die Bank. Ohne ihn direkt anzusehen sage ich „Danke. Das ist einer der schönsten Tage seit langem. Mit dir.“ Seine Ohren werden rot, er ist doch tatsächlich verlegen, meine Worte freuen ihn, dass weiß ich. Ich schmunzle, halte meinen Kopf schräg und betrachte ihn still. Mit der einen Hand berühre ich seine Wange, er zuckt doch lässt mich. Mit der anderen Hand ziehe ich Kaito zu mir herunter und gebe ihm einen Kuss auf die Wange, zu mehr bin ich noch nicht bereit. Ich lächele und stehe auf. Eine leichte Sommerbrise weht mir durchs Haar und lässt mein Kleid im Wind tanzen. Kaito streckt seine Hand nach meiner aus, doch dann werden wir von seinem Handy klingeln unterbrochen, und er zieht seine Hand zurück. Leise flüstert er etwas in sein Handy und als er aufgelegt hat sagt er „Wir treffen uns mit den anderen.“ Mehr sagt er nicht, stumm und etwas enttäuscht trotte ich hinter ihm her, bis wir wieder beim Eingang sind. Dort warten schon alle auf uns. Audrey und Niki stürmen auf mich zu und schleifen mich an den Armen zu einem Picknick Tisch auf der Wiese direkt gegenüber vom Streichelzoo und platzieren mich am Kopfende. Laura und Niki verschwinden kurz und kommen kurz darauf mit einer riesigen Schokoladentorte wieder. Mir steigen Tränen in die Augen. Ich bin gerührt, so wunschlos glücklich war ich schon lange nicht mehr gewesen.
 

Leo schneidet den Kuchen an und verteilt aufmerksam die Stücke. Einer nach dem anderen überreichen sie mir ihre Geschenke.
Emilio und Leo haben für mich einen Gutschein fürs Autokino besorgt. Ich liebe das Autokino, und hoffe inständig das ich dort einmal wie in Grease ein romantisches Date haben würde. Ich drücke die beiden einmal fest, auch Emilio, obwohl es mir etwas zuwider ist. Laura überreicht mir eine kleine Flasche mit Bodyspray, das nach Kokosnuss und Ananas duftet, großzügig sprühe ich es auf mich und auch auf alle anderen „Jetzt riechen wir alle wie Pina Coladas“ sagt Leo und schnüffelt an seinem T-Shirt. Alle lachen. Ich drücke Laura ganz fest, ich weiß das sie nicht sehr viel Geld zur Verfügung hat, weil sie ihre Wohnung komplett allein finanziert, und doch bin ich ihr wichtig genug so ein teures Spray zu kaufen. Niki und Audrey schenken mir zwei Schallplatten, und dazu einen Plattenspieler. Ich habe mir schon solange einen gewünscht und bin immer mit traurigen Augen an dem Plattenladen bei uns in der Straße vorbei gegangen. Diese Dinger kosteten einen Haufen Geld, und es ist auch noch das Vintage Model aus dem Schaufenster. Bei den Schallplatten handelt es sich einmal um das Thriller Album von Michael Jackson und um das The Greatest Hits Album von Abba. „Kommt her Mädels“ sage ich und zwinge den beiden eine lange und innige Umarmung auf. Nun wandert mein Blick zu Kaito, erwartungsvoll starre ich ihn an. Ob er mir wohl etwas besorgt hat? Wenn ja, was? Peinlich berührt sieht er auf den Boden und kratzt sich am Hinterkopf „Es kann zwar nicht mit einem Plattenspieler mithalten, aber ich hoffe es gefällt dir trotzdem.“ Audrey seufzt und verdreht fast schon hörbar die Augen „Nun gib es ihr doch endlich“ drängt sie ihn. Er überreicht mir eine kleine Schachtel, die in rosa Geschenkpapier eingewickelt ist, obendrauf klebt eine kleine weiße Schleife. Langsam ziehe ich die Schleife auf und stopfe das Band in meine Tasche.
Ich werde es später in mein Scrap Book kleben. Voller Ungeduld und reiße ich das Papier ab und hebe den Deckel ab. Ungläubig starre ich auf den Inhalt der Schachtel. „Was ist es denn? Zeig her“ fordert Leo und reißt mich aus meiner Trance.
Ich hebe den Inhalt heraus und zeige es in die Runde. In meiner Hand halte ich eine dünne silberne Kette mit einem weißen Diamanten Anhängers in Form eines Herzens. Alle starren auf die Kette und fangen an stumm zu grinsen. Laura ist die erste die das Schweigen bricht und aufgeregt kreischt „Die ist ja traumhaft schön Mia.“ Ich würde am liebsten schreien: „Ich weiß“ doch ich will nicht zu aufgedreht klingen. Es soll nicht so wirken als würde es mir extrem viel bedeuten, was es natürlich tut. Niki hilft mir sie anzulegen. Verträumt schaue ich auf den kleinen Anhänger auf meiner Brust. „Da haste dir ja echt Mühe gegeben“ stichelt Emilio und klopft Kaito auf die Schulter. Unsere Blicke treffen sich und er hält meinem starren wenige Sekunden stand, bevor der den Blick abwendet. „So was soll ich dir als Belohnung geben?“ überlege ich und lege den Kopf in den Nacken. Alle rufen im Chor „Küssen, küssen, küssen.“ Ich werde rot und falte die Hände unterm Kinn zusammen und tue so als müsste ich erst darüber nachdenken. Dabei gibt es nichts was ich im Moment lieber tun würde als Kaito zu küssen. Ich versuche meine Nervosität herunter zu spielen und äußerst lässig rüber zu kommen als ich sage „Na dann mach dich auf was gefasst.“ Kaito sieht mich verwundert an, und ich hoffe inständig das er mir diese gespielte Coolness abkauft. Langsam lehne ich mich zu ihm herüber und lege ihm die Hände auf die Schultern. Am liebsten würde ich mir dafür all die Zeit der Welt lassen, aber ich spüre die ungeduldigen Blicke der anderen im Rücken. Ich beuge mich zu ihm hoch und gebe ihm einen kurzen aber immer noch langen Kuss auf den Mund. Es kann wirklich nicht länger als ein paar Sekunden gedauert haben, und doch hat es sich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt.

Alle applaudieren und Kaito grinst mich hämisch an „Jetzt weiß ich sogar wie meine beste Freundin küsst. Damit weiß ich echt fast alles von dir“ er zwickt mich in die Seite. Seine Worte bohren sich tief in mein Herz, klar dies war ein flüchtiger Kuss aufgrund der Aufforderung unserer Freunde und dennoch dachte ich er würde es als etwas intimeres betrachten. Es war für ihn nichts, für mich bedeutete es die Welt und für ihn war es nur ein flüchtiger Moment, den er in seine Das weiß, ich über Mia Akte hineinstopfen kann. Ich weiß das er es als unwichtig abspeichern wird.
 Es tut weh immer noch die beste Freundin zu sein, nach all dem was er mit mir schon erlebt hat. Er denkt bestimmt das all dies ein Scherz, ein dummer Witz war, der aus den Gedanken unserer Freunde entstanden ist. Aber es ist so viel mehr. Ich sehe ihn vorsichtig an, keinerlei Reaktion außer ein dummes Grinsen.
Wir bleiben, bis es dunkel ist und das große Feuerwerk losgeht. Ich unterhalte mich freudig mit allen, außer mit Kaito. In unbeobachteten Momenten wandert mein Blick zwar immer wieder zu ihm, doch er sieht mich nicht einmal an. Der Himmel leuchtet in allen Farben. Es ist als würden bunte Blumen am Himmel aufblühen. Rote, grüne und blaue Tupfer zerplatzen auf dem dunklen Nachthimmel und lassen bunte Funken auf uns regnen. Das ist einfach der beste Geburtstag, den ich bis jetzt je hatte. Kaito und ich reden kein Wort miteinander für den Rest des Abends. Ich weiß nicht, ob er sauer oder irgendwie angewidert ist, doch ich weiß das ich es leid bin immer auf ihn zu zugehen. Wieso stellt er sich nicht all diese Fragen? Wieso kann er nicht mal etwas über mich nachdenken?
Wir sind so ungefähr gegen 3:00 Uhr zuhause, und sind alle so müde, dass wir uns sofort in unsere Zimmer begeben und dort in voller Montur einschlafen. Als jemand gegen halb elf an unserer, man bemerke neue Tür klopft wache ich auf. Noch im halb schlaf trotte ich zur Tür und öffne sie.
Ich reibe mir die verschlafenen Augen und sehe herunter zu Frau Martin, welche freudestrahlend vor mir steht. Sie schiebt sich ihre Nickelbrille hoch und atmet einmal kräftig ein und singt „Heute soll es regnen stürmen oder schneien denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein. Heut ist dein Geburtstag darum feiern wir-“ Da stoppt sie, vermutlich hat sie den Rest vergessen. Ich sehe sie aus verklebten Augen unschlüssig an. Sie scheint das nicht zu interessieren, denn sie grinst mich nur an und holt aus ihrer Rocktasche eine kleine Partytröte. Sie bläst kräftig hinein, es tut schon fast weh in den Ohren. Etwas verlegen kratze ich mich am Hinterkopf „Ähm…. Frau Martin ich hatte gestern Geburtstag.“ Sie sieht mich verdutzt an „Echt?“ fragt sie, ich nicke. „Ach verdammt noch mal. Ich wusste es doch. Ich wollte ja gestern kommen, aber da lief gerade Love Island und dann hatte ich einfach keine Lust mehr.“ Eins muss man dieser Frau ja lassen, sie nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht brutal die Wahrheit. Ein leises Lachen kommt aus der Küche. „Naja kann man nichts machen. Aber nimm wenigstens das hier“ sie überreicht mir eine kleine Papiertüte. In der Tüte befinden sich zwei silberne sehr schlichte Ringe. Ich sehe sie fragend an „Zwei?“ „Die sind für deinen Freund und dich.“ Ich laufe rot an, wissen jetzt sogar schon die Nachbarn das ich in Kaito verliebt bin. „Frau Martin-“ beginne ich, doch sie ist schon wieder hinter ihrer Wohnungstür verschwunden. Sie ruft noch durch die Tür hindurch „Umtausch ausgeschlossen!“ diese Frau ist einfach unglaublich. Ich schließe die Tür und bringe die Tüte in mein Zimmer. Seufzend lasse ich mich auf mein Bett fallen und spiele mit einem der Ringe. „Natürlich werde ich zu Kaito hingehen und ihm sagen: Hier der ist von meiner Nachbarin für dich und oh ganz zu! fäl lig auch einer für mich. Das klingt doch schräg oder Momo?“ ich drehe meinen Kopf zu Momo der stumm neben meinem Kopfkissen sitzt.

Ich starre an die Decke, wieso sind Gefühle so schwierig? Ich bin schon soweit das ich mit einem Stofftier rede. Grübeln bringt doch alles nichts, also ziehe ich mich an und fange an meine Sachen zu packen für den morgigen Trip mit Kaito. Mein Pinker Koffer ist bis oben hin voll und geht fast nicht mehr zu. Ich werfe mich mit ganzer Kraft auf den Koffer während Niki ihn schnell zu macht. Nur für den Fall der Fälle stopfe ich die Tüte mit den Ringen in eins der Seitenfächer. Wer weiß was auf diesem Trip passiert, vielleicht werde ich sie ihm ja wirklich geben können.
Nikis Koffer ist ebenfalls bis zum Rand vollgestopft, und nur mit viel Mühe kriegen wir ihn zu. Audreys Koffer wirkt dagegen echt mickrig und nur leicht bepackt, war ja klar, dass sie mal wieder nur das nötigste Mitnehmen würde. Sie hat sich sogar eine Checkliste angefertigt, und geht diese akribisch durch, während sie in der Wohnung auf und ab läuft. Sie ist voll und ganz in ihrem Element, und Niki und ich tun gut daran sie auch ja nicht zu unterbrechen. Wir beide putzen wie die Irren, um alles auf Vordermann zu bringen, damit wir morgen nichts noch auf den letzten Drücker erledigen mussten, wie das schon des Öfteren vorgekommen ist. Als es anfängt zu dämmern bestellen wir uns Pizza. Es ist zu einem kleinen Ritual geworden am Abend vor der Abreise in einen gemeinsamen Urlaub Pizza bei Gatti’s zu bestellen. Dieses kleine Ritual hat seinen Ursprung in der 10ten Klasse unserer damaligen Gesamtschule, damals waren wir der Pizza von Antonio Rizzaro treu ergeben. Damals haben wir alle am Abend vor der Abfahrt nach Hamburg bei Niki übernachtet. Ihre Eltern waren nicht zu Hause, und wir mussten uns selbst versorgen, was kläglich scheiterte. Bei dem Versuch Nudeln aufzukochen, schmolzen wir eine Tupperdose die noch auf der Herdplatte stand. Dadurch roch es im ganzen Haus nach verbranntem Plastik.
 

 Ach, und bei dem Versuch Brötchen für den morgigen Tag aufzubacken setzten wir fast die ganze Küche in Brand. Der Tag vor dem Beginn der Abschlussfahrt stand wahrlich unter keinem guten Stern. Der Abend endete mit einem Anruf bei der Pizzeria Rizzaro und einem Trinkgeld von 10€ damit Lenny, der Lieferjunge und gleichzeitig Nikis Nachbar ihren Eltern nicht erzählte das deren Küche noch immer qualmte als die Pizza eintraf.
Es ist kurz vor neun als wir uns in unsere Zimmer zurückziehen. Wir müssen früh schlafen da wir morgen sehr früh aufstehen müssen, und übermüdete Mädels echt nicht hilfreich sein werden. Ich liege in meinem Bett und sehe hinaus aus dem Fenster, der Mond wirft sein kaltes Licht auf mein Gesicht. Es fühlt sich leicht merkwürdig, und doch so gut an. Mit diesem unwirklichen Gefühl schlafe ich schließlich ein. Warme Sonnenstrahlen kitzeln mich im Gesicht solange bis ich davon niesen muss und aufwache. Langsam setze ich mich auf und strecke die Müden Glieder. Meine Knochen knacksen, es tut nicht weh, aber das Geräusch allein lässt mich schaudern. Mühsam quäle ich mich aus dem Bett und schleppe mich ins Bad. Dort spritze ich mir kaltes Wasser ins Gesicht zum wach werden. Ich putze mir schon die Zähne da wir notgedrungen sowieso auf ein Frühstück verzichten müssen. Ich packe die Zahnbürste weg und ziehe mich an. Da wir fliegen werden, wenn auch nicht für lange, ziehe ich mir etwas Bequemes an. Eine graue Jogginghose und ein schwarzes ausgeleiertes Shirt mit dem Aufdruck Unpretty Rap Star und zum drüber werfen einen schwarzen Cardigan. Zeitgleich mit Niki trete ich auf den Flur, zu meiner Freude sieht sie genauso verschlafen aus wie ich. „Na, auch nicht gut geschlafen? “ frage ich sie ironisch „Wieso? Sieht man das? “ fragt sie und grinst. Für wenige Sekunden starren wir uns nur wortlos an, bevor wir in schallendes Gelächter ausbrechen.

Mein Koffer fühlt sich so unendlich schwer an und mit Mühe und viel roher Gewalt ziehe ich hinter mir her. Im Flur vor der Haustür warten Niki und ich ungeduldig auf Audrey. Diese kommt wenige Minuten total ruhig und konzentriert aus ihrem Zimmer. Im Vergleich dazu hüpfen Niki und ich wie wild gewordene Flummis durch den Gang. „Komm Audrey, wo bleibt die Aufregung und die Vorfreude?“ fragt Niki und zieht mit ihren Fingern Audreys Mundwinkel nach oben. Mein Handy klingelt und ich nehme verwundert Emilios Anruf entgegen. Wieso habe ich seine Nummer überhaupt? Und wieso ruft er mich an und nicht Niki? „Hi Mia. Wir sind vor eurer Haustür. Kommt bitte runter. Tom will schnell weiter“ rasselt er herunter „Ja alles klar wir kommen“ dann lege ich auch schon auf. „So Ladies es geht los“ Niki klatscht in die Hände. Audrey schließt hinter uns ab und wir tragen die Koffer runter auf die Straße. Auf halbem Weg überlege ich, ob ich den Koffer einfach den Rest der Treppe herunter treten soll, es sind immerhin noch zwei Stockwerke. Aber nein, nachher würde er aufgehen, und außerdem ist das nicht sonderlich Lady Like würde meine Schwester jetzt sagen. Auf der Straße angekommen hupt Tom und winkt uns aus seinem riesigen VW Bus. Wir klettern auf die Rücksitze und ich muss ehrlich zu geben das ich noch nie so ein Auto gesehen hab. Der hintere Bereich erinnert mich an ein Londoner Taxi, es gibt zwei Sitzreihen, die eine ist, dem Fahrer zugewandt und die andere ist rückwärts zum Fahrer platziert worden. Wir sitzen uns also gegenüber statt hintereinander. Tom sitzt am Steuer und Kaito auf dem Beifahrersitz. Tom ist einer der wenigen Freunde von Kaito die ich wirklich mag, außerdem sind wir Laborpartner in Chemie und kannten uns bevor Kaito uns einander vorgestellt hat nur flüchtig. Er hat knapp, schulterlanges blondes lockiges Haar, das mehr oder weniger zu einem Dutt zusammen! gebunden ist. Es sieht zerzaust aus und irgendwie schief, aber so kenne ich ihn und nicht anders.

Immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen und dieses süße Grüppchen auf der linken Wange. Er bemerkt das ich ihn im Rückspiegel beobachte und zwinkert mir zu. Ich finde das Beste an ihm sind seine eisblauen Augen, doch Audrey findet das seine Art zu Reden ihn attraktiv machte, obwohl ich keine Ahnung habe was sie damit meint. Ich schaue mir die Konstellation hier hinten an und bemerke das Leo und Emilio uns direkt gegenübersitzen, zusammen mit Joel. Niki zupft mich an meinem Ärmel und flüstert mir ins Ohr „Bitte tausch mit Emilio die Plätze“ „WAS!“ sage ich angesäuert. Ich schüttele den Kopf, und forme mit dem Mund das Wort NIEMALS. Sie sieht mich mit ihren Hundebaby Augen an, verdammt sie ist gerissen. Sie weiß das ich ihr keine Bitte abschlagen kann, wenn sie diese Miene aufsetzt. Von außen wirkt sie zwar, wie ein Unschuldsengel, aber dieses Mädchen weiß welche Knöpfe sie drücken muss, um zu bekommen was sie will. Ich deute Emilio mit den Fingern an Plätze zu tauschen, er versteht sofort.
Nun sitze ich neben Leo und Niki kann schön mit Emilio flirten. Ich verdrehe über deutlich die Augen und verschränke die Arme vor der Brust. Dieses miese Drecksschwein, er weiß doch genau, dass Cindy auch mitkommt und trotzdem sitzt er hier ganz unverblümt und streichelt Nikis Wange. In mir kocht schon wieder die Wut, am liebsten würde ich aufstehen und ihm seine ach so geliebten Haare ausreißen, oder ihm seine neuen Sneaker verdrecken. „Entspann dich, wir können ihn später in seine Schranken weisen“ flüstert Leo und legt mir beruhigend die Hand auf den Arm. Um mich wegen den beiden nicht weiter aufzuregen ziehe ich eine CD aus meinem Handgepäck. Es handelt sich um meine allseits gefürchtete 80er Jahre Playlist. Sie ist nicht gefürchtet wegen den Liedern, sondern wegen mir. Jedes Lied kenne ich auswendig, und werde es gnadenlos mitsingen. Ich gebe die CD zu Kaito nach vorne, und dieser legt sie ein.
Sofort spielt eins unserer Lieblingslieder. „Leute seid ihr bereit“ frage ich als der Refrain einsetzt. Alle zusammen singen wir „Karma Karma Karma Karma Karma Chameleon- You come and go, you come and gooo-.“  Als wir auf den Flughafen Parkplatz einbiegen packe ich die CD wieder in mein Handgepäck. Wir laden aus und machen uns auf den Weg zum Terminal. Meinen Rucksack ziehe ich auf, und den Koffer zerre ich zeternd hinter mir her.

Niki klemmt sich an Emilios Arm und schleift ihren Koffer nebenbei. In meinem Kopf male ich mir erneut ein paar Mordszenarien für Emilio aus, verwerfe sie aber wieder schnell, als ich sehe wie glücklich Niki aussieht.
Tom und Kaito unterhalten sich mit mir, während wir gehen, und ich erfahre das Tom einen Wagen für Italien gemietet hat. Im Augenwinkel bemerke ich wie Leo mit gesenktem Kopf hinter Audrey und Joel hertrottet. Ich schüttle mitleidig den Kopf, so wird das doch nichts. Als wir beim Check- in sind treffen wir auf Michelle, Cindy und Laura. Laura fällt mir in die Arme und flüstert mir ins Ohr „Gott sei Dank seid ihr endlich da. Mit den beiden war es die Hölle.“ Wir beide sehen zu Cindy herüber, sie starrt mich mit diesem herablassenden Blick an. Michelle ist ja noch erträglich aber Cindy kann und will ich einfach nicht ertragen. Michelle lächelt mir zu und winkt leicht, wir haben Chemie zusammen und verstehen uns eigentlich recht gut, nur bei der Wahl unsere Freunde scheiden sich die Geister. Sie hat rückenlange gold-braune Locken und fast schon Karamell Farben Augen, ihre niedliche Stupsnase ist übersäht mit Sommersprossen, aber es steht ihr Ich mochte es und beneide sie sogar dafür. In ihrem Haar sitzt eine goldene Sonnenbrille und sie trägt eine hellgrüne Cargo Hose und ein weißes bauchfreies Top. Würde sie mal aus Cindys Schatten hervortreten, wäre sie vermutlich echt beliebt. Emilio befreit sich aus Nikis Griff und läuft auf Cindy zu, um sie freudig in den Arm zu nehmen.

Cindy drückt ihm einen langen Kuss auf die Lippen, und ich bin mir fast sicher, dass er auch zu Demonstration gilt, um Niki zu zeigen, dass er ihr Eigentum war. Laura und ich gehen zu Niki, wir beide sehen den Schmerz in ihren Augen klar und deutlich. Laura streichelt ihr den Arm und sagt „Er hat dich nicht verdient“ „Doch das hat er, er hat gesagt das er mit Cindy Schluss macht und mit mir zusammenkommt“ entgegnet Niki. Ich glaube ihm kein Wort, der Kerl hat nicht das nötige Rückgrat, um sich aus ihrem Todesgriff zu befreien. Ich lächele sie an, um ihr meine Zustimmung zu zeigen, doch eigentlich würde ich ihr gern meine gnadenlos ehrliche Meinung sage. Damit wäre aber die Stimmung im Flieger für die nächsten Stunden zerstört, und das will ich nicht, wer weiß, vielleicht täusche ich mich in Emilio auch. Doch eins weiß ich, würde er Niki nur einmal zum Weinen bringen und sie verletzen, würden Audrey und ich zu seinem schlimmsten Albtraum werden.

Als wir in den Flieger steigen beginne ich mit der Suche nach meinem Platz. Perfekt, einen am Fenster., nun hoffe ich das Kaito oder Niki und Audrey neben mir sitzen werden. Mich trifft fast der Blitz als sich Cindy und Michi neben mich setzen. Ich suche mit den Augen hilfesuchend die anderen Reihen ab. Audrey hat mit ihrem Sitz da schon weitaus mehr Glück, sie sitzt neben Niki und Tom. Und hinter ihnen sitzen Kaito, Leo und Emilio. Selbst mit Laura würde ich in diesem Moment gern tauschen wollen, und sie sitzt zwischen Joel und einer Frau mit Baby, dass seit wir das Flugzeug betreten haben ununterbrochen schreit. Sie sieht mich gequält an und ich forme mit den Lippen die Worte „Rette mich“, sie grinst. Ich rutsche tief in meinen Sitz und versuche möglichst langsam zu atmen. Das ist erst das zweite Mal, dass ich in einem Flugzeug sitze „Mia du bist ganz bleich. Möchtest du einen Kaugummi das beruhig“ sagt Cindy zuckersüß. Ich nicke, sie reicht mir eine kleine pinke Packung. Großzügig bediene ich mich, und kaue direkt drei auf ein Mal.

Igitt, zuckerfrei! Schmeckt als würde man auf einer Schuhsohle herumkauen. Und sie hat unrecht, Kaugummi kaufen beruhigt mich kein bisschen. Wir starten.
Krampfhaft krallen sich meine Hände in die Armlehne und ich sehe zu wie die Häuser immer kleiner werden, und schließlich unter einer Wolkendecke verschwinden.
Meine Hände zittern als wir endlich die Gurte abmachen dürfen. Ich stecke meine Kopfhörer ins Handy und höre erst mal zum Runterkommen Sunshine Reggae von Bob Marley. Meine verkrampften Beine beginnen sich zu entspannen, und auch der Druck in meinen Ohren löst sich. Langsam will ich die Augen schließen, doch da bekomme ich zufällig mit wie Cindy und Michelle anfangen zu lachen. Ich stelle die Musik ab, und spitze angestrengt die Ohren. „Hast du gesehen, wie sich diese Niki an Emilio ran macht. Das ist ja so bemitleidenswert und peinlich“ zwitschert Cindy „Oh ja. Voll scheiße sie weiß doch das er dir gehört, denkt sie wirklich sie hätte gegen dich eine Chance? Sowas nennt man dann wohl maßlose Selbst-überschätzung, sie ist einfach nur hässlich“ fügt Michi hinzu. Dann brechen die beiden in lautes Gelächter aus. Nun ist das Maß voll, wer über meine Freundin lacht hat keine Gnade von mir zu erwarten. Ich tippe Cindy an und sie dreht sich zu mir um. „Oh Mia du bist ja auch noch da“ sie sieht mich mit ihrer typischen angeekelten Miene an. Deutlich hörbar ziehe ich scharf die Luft ein „Hör mal Cindy. Bitte tu mir einen Gefallen, nur einen- und halt endlich die Fresse, ja? Niki hat es nicht nötig über dich herzuziehen, dabei gäbe es da so viel zu lachen, glaub mir. Leider hat Gott dich mit keiner Persönlichkeit gesegnet, und ein Gehirn hat er dabei auch direkt vergessen. Glaubst du allen Ernstes du hättest irgendwelche Freunde außer Michelle? Du hast keine, niemand kann dich leiden-“ ich laufe gerade erst warm, und lasse sie erst gar nicht zu Wort kommen.

Kapitel 9

„Weißt du noch die Party bei Justin Fischer? Die Einladung ist nicht verloren gegangen, es wollte dich einfach niemand dahaben! Wag es dich, noch einmal über Niki zu lachen- dasselbe gilt für dich Michelle- “ ich funkle sie böse an „dann glaub mir werde ich dafür sorgen, dass du freiwillig oder nicht von hier verschwindest.“ Ich hole tief Luft, man das hat gutgetan. Anscheinend habe ich so laut geredet, dass es das ganze Flugzeug mitbekommen hat. Ich sehe in ihren Augen das ich sie überrumpelt habe, und auch das einige der Bemerkungen einen wunden Punkt getroffen haben. Bestimmt hat so etwas noch nie jemand zu ihr gesagt. Mir tut es etwas leid, dass ich das mit Justin Fischers Party erwähnt habe, aber auch nur ein kleines bisschen. Ich stelle meine Musik an und schaue aus dem Fenster, selbst wenn sie etwas zu entgegnen hat, ich werde sie sowieso nicht hören.
Als wir landen werde ich unsanft aus meinem Schlaf gerissen, als die Stewardess mich bittet meinen Sitz wieder in eine Aufrechte Position zu bringen. Die 1 ½ Stunden kamen mir so kurz vor. Der Pilot kündigt an „Landeanflug auf Tanaunella, Sardinien abgeschlossen.“
Das Warten am Gepäckband kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Als ich endlich als letzte meinen pinken Koffer vom Band zerre, nehmen wir uns ein Taxi, das uns zum Ferienhaus fährt. Das Ferienhaus liegt keine 10 Minuten vom Meer entfernt inmitten eines Pinienwaldes. Um uns herum ist nichts, das Einzige was man hört ist das Knacken der trockenen Piniennadeln unter unseren Füßen. Das Ferienhaus selbst ähnelt einer alten Jagdhütte aus Holz, nur war es um einiges größer und geräumiger mit zwei Etagen und drei Bädern. Dies hat Kaito auf der Fahrt hierhin erzählt. Bevor wir eintreten begutachten wir den gemieteten VW Bus, der vor dem Haus steht.
Geräumig, genug Platz, und das wichtigste eine funktionierende Klimaanlage.
Audrey, Niki, Laura und ich suchen uns das größte Zimmer im ersten Stock aus. Aber als dann noch Cindy und Michelle bei uns klopfen und fragen ob sie mit in unser Zimmer können knallen wir ihnen wortlos die Tür vor der Nase zu.
Klar, wir haben genug Platz, das Zimmer ist ein sechs Bett Zimmer wie in einer Jugendherberge, aber ich würde es keine Woche mit den beiden hier aushalten. Die Jungs bekommen das größte Zimmer im Erdgeschoss, immerhin sind sie zu fünft. Cindy und Michelle müssen sich mit dem kleinsten Zimmer im ganzen Haus zufriedengeben. Ihr Zimmer befindet sich direkt unter der Treppe, welche in den zweiten Stock führt. Wir springen auf den Betten herum wie kleine Kinder, und insgeheim hoffen wir das in Cindys Zimmer ihr der Putz von der Decke auf den Kopf rieselt. Unser Zimmer hat ein riesiges Erker Fenster, wodurch man den Wald, der die Hütte umgibt, betrachten kann. Ich bin so dreist und nehme mir das Bett rechts neben dem Fenster. Das Bett hinter meinem wird von Audrey besetzt und das Bett links neben dem Fenster verwandelt sich im Nu zu Nikis Territorium, nach langem hin und her entscheidet sich Laura für das Bett hinter Nikis anstelle des Bettes neben der Tür. Vor oder hinter jedem Bett steht ein kleiner weißer Nachttisch aus Buchenholz. Ein riesiger Schrank aus dunkler Eiche steht rechts neben der Tür und seine Farbe dominiert den Raum, dort hat jeder seinen eigenen Bereich, wo seine Kleider abgelegt werden. Wir beziehen unsere Betten und gehen die große Treppe hinunter, durch die Küche und rüber zum Zimmer der Jungs. Wir klopfen und öffnen dann die Tür. Die Jungs sitzen auf ihren Betten und winken uns zu ihnen, brav verteilen wir uns auf ihre Betten.

 

„Wie wär‘s Leute, so als Start in den Urlaub könnten wir doch ein Lagerfeuer machen“ schlägt Tom vor und wir jubeln Die Jungs richten eine Feuerstelle ein und wir holen aus unseren Taschen all den Vorrat an Süßigkeiten den wir im Handgepäck haben. Laura hat sogar Marshmallows dabei. Leo ist gerade dabei die Holzbänke zu drapieren als wir zurückkommen. Dort setzten wir uns nieder, das Feuer wärmt gut und macht alles sehr viel gemütlicher.
Als es zu dämmern anfängt sagt Kaito „Ein paar Minuten von hier gibt’s nh tolle Pizzeria, wollen wir da nicht was essen?“ Wir stimmen mit Handzeichen ab, und entscheiden gemeinschaftlich mit dem VW zu fahren. „Ok ihr Genies, wie löschen wir das Feuer?“ fragt Joel und stochert mit einem Stock in der Glut. „Ah, stimmt ja das Wasser wird erst morgen früh angestellt“ sagt Kaito und faltet die Hände unterm Kinn. „Ich kann kurz mit einem Eimer zum Meer laufen und Wasser holen“ biete ich an, und da niemand eine bessere Idee hat gehe ich los. „Pass bloß auf dich auf, und geh einfach nur gerade aus“ ruft Kaito mit hinterher.
Ich habe nicht bedacht das es so schnell dunkel werden würde. Es ist stockfinster auf dem Rückweg, ich kann fast die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen. Langsam gehe ich Schritt für Schritt vorwärts, und hoffe das ich immer noch auf dem richtigen Weg bin. Überall um mich herum, knackt und raschelt es. Ängstlich kralle ich mich an den Eimer voller Wasser in meinem Arm.
Plötzlich fliegt irgendetwas ganz nah an meinem Kopf vorbei. Ich schrecke auf und renne kreischend weg, einfach weiter, ohne zu wissen, wohin ich renne. Das Wasser aus dem Eimer schwappt über und durchnässt meine komplette Kleidung, doch ich sprinte einfach weiter durch die Dunkelheit. Dann plötzlich verliere ich den Boden unter den Füßen und stürze tief hinunter. Ich schlage mit dem Rücken auf dem harten Boden auf. Mühsam stütze ich mich auf und ringe verzweifelt nach Luft.
Ein stechender Schmerz jagt durch meinen Körper und ich gehe gekrümmt zu Boden. Als ich wieder normal atmen kann, taste ich meine Beine ab, ich kann spüren das meine Hose zerrissen ist, und als ich mit den Fingern über meine Knie streiche brennt es teuflisch. An meinen Fingern klebt irgendwas, und als ich daran rieche muss ich geschockt feststellen das es Blut ist. Meine Knie sind aufgeschlagen und blutüberströmt Das Mondlicht lässt mich für einen Moment genug von meiner Umgebung sehen, so dass ich feststellen kann, wo ich bin. Ich bin einen tiefen Abhang hinuntergestürzt, und sitze jetzt hier unten fest. Meine Beine schmerzen so sehr, dass ich nicht mehr aufstehen kann, außerdem brennt mein Rücken bei jeder Bewegung. Ich bin hier gefangen, und muss darauf hoffen, dass irgendjemand mein Verschwinden bemerken wird, blöd wie ich bin, habe ich natürlich auch mein Handy in der Hütte gelassen. Wer hätte auch ahnen können das mit so etwas passiert. „HILFE, HILFE!“ schrei ich und hoffe das irgendwer kommen wird.
 

Währenddessen bei den anderen:

Kaito

Wo bleibt Mia? Hoffentlich hat sie sich nicht verlaufen, so schusselig wie sie ist, ist dies kein abwegiger Gedanke. Ich sehe nervös auf die Uhr, sie ist schon länger als 20 Minuten weg. Vermutlich überreagiere ich gerade, und sie bummelt nur auf dem Weg, aber mich lässt dieses merkwürdige Gefühl einfach nicht los. Dieses Gefühl, dass mir sagt das sie in Schwierigkeiten steckt. Ich stehe auf „Wo gehst du hin? “ fragt Tom und legt den Kopf in den Nacken. „Ich gehe Mia suchen. Ich habe irgendwie ein ungutes Gefühl“ sage ich und sehe in die Runde.

An ihren beschämten Blicken bemerke ich das niemandem aufgefallen ist das sie schon zu lange unterwegs ist. Tom steht auf und sagt „Ich komm mit, ich kann dich doch nicht allein durch den ach so dunklen Wald laufen lassen“ er lacht sarkastisch, ich sollte sauer sein, weil er mich nicht ernst nimmt, aber andererseits bin ich sehr dankbar das er mitkommt. Ich hole aus der Küche zwei Taschenlampen und werfe Tom eine zu, mit Leichtigkeit fängt er sie ihm dunkeln. Ich hasse die Dunkelheit, und ausgerechnet jetzt finde ich meine Brille nicht. So gut wie niemand weiß überhaupt, dass ich je dunkler es wird eine Brille brauche, um noch anständig sehen zu können. Es ist nicht so, dass ich in der Dunkelheit gar nichts mehr sehen kann, es ist einfach schwieriger Worte zu fokussieren, oder Gesichter zu erkennen. Wir spielen Stein, Schere, Papier und entscheiden damit wer in welche Richtung geht. Mit dem bisschen Licht, dass die Taschenlampe spendet ertaste ich mir zügig meinen Weg durch das Dickicht. Hoffentlich überreagiere ich nur, und sie wird mich lachend am Feuer empfangen, wenn ich zurückkomme.

 

Mia

Es fühlt sich an als würde die Nacht ewig dauern. Es wird kälter und ich fange an zu frieren. Wie sehr wünsche ich mir das Kaito kommt, um mich zu retten. Ich wünsche mir das er mich auslacht und Witze über meine Blödheit macht, und dass er mich dann mit diesem Blick ansieht, der mir sagt, dass alles gut wird. Noch einmal schreie ich mit Leibeskräften „HILFE! HÖRT MICH DEN KEINER?“ Mir laufen Tränen übers Gesicht, wieso, wieso muss so etwas immer mir passieren? Wieso kann mir nicht einmal etwas Gutes passieren? Schluchzend ziehe ich die Knie unters Kinn und schlinge die Arme um meine Beine. Da höre ich ein rascheln über mir. Ein wildes Tier? Was für ein Tier? Eine Schlange? Ein Kaninchen wäre schön.
Ich schaue nach oben und kneife angestrengt die Augen zusammen, um etwas zu erkennen. Eine Silhouette bewegt sich den Hang hinunter und klettert genau auf mich zu. „KAITO?“ rufe ich freudig und starre auf die sich langsam nähernde Silhouette. Eine Taschenlampe wird auf mich gerichtet und blendet mich. Als das Licht nicht mehr auf mein Gesicht gerichtet ist, sehe ich nur weiße Flecken.
„Mia?“ die Stimme kommt mir bekannt vor. Ich reibe meine Augen damit sie sich erneut an die Dunkelheit gewöhnen und erkenne Toms blond gelockte Schulterlange Haare, die im Licht seiner Taschenlampe aufleuchten. Seine blauen Augen sehen erleichtert auf mich herab. Er kniet sich zu mir herunter und fällt mir um den Hals. Überrascht und doch sehr erleichtert drücke ich ihn fest an mich.
„Ich bin so froh, dass ich dich gefunden habe“ er atmet erleichtert aus und streicht mir über die Haare. Ich fange an zu weinen, und rede mir ein es ist wegen des noch immer pochenden Schmerzes, der durch meine Beine jagt, und nicht wegen der Angst, die ich endlich loslassen kann. „Es ist zu dunkel. Ich kann hier mit dir nicht rausklettern. Wir müssen wohl oder übel bis morgen warten.“ Tom zieht seine Jacke aus und wickelt sie um mich. „Komm lehn dich an mich, und versuch etwas zu schlafen“ sagt Tom und zieht mich zu sich. Er lehnt an einem Baum und ich lehne mich nun an ihn. In jeder anderen Situation hätte ich dieses Angebot dankend abgelehnt, doch durch die verpuffte Anspannung merke ich erst jetzt wie müde ich in Wirklichkeit bin, und wie sehr mir der Rücken von dem Sturz noch immer weh tut. „Wie hast du mich gefunden?“ frage ich schniefen. „Ich habe deinen verzweifelten Ruf nach Hilfe gehört, denn ich habe Ohren wie ein Lux“ ich kichere leise. „Danke“ flüstere ich kurz bevor mir die Augen zufallen.

 

Kapitel 10

Tom

Vielleicht ist es eine dumme Idee gewesen Kaito bei der Suche zu helfen. Nun sitze ich hier mit ihr fest, allein, im Dunkeln. Ich glaube das ist keine perfekte Situation, um mir erneut einzugestehen das ich immer noch Gefühle für sie hege. Ich dachte ich hätte diese Gefühle, die sie im Februar letzten Jahres bei mir ausgelöst hat, ganz weit weggesperrt, doch sie waren anscheinend nie ganz weg. Vermutlich habe ich sie einfach nie wirklich wahrgenommen, weil ich nur zu gut weiß das Mia in Kaito verliebt ist. Ich sehe zu ihr runter, ihr Haar schimmert matt im Mondlicht, und ihr Gesicht sieht so friedlich aus. Sie riecht so gut, wie Lagerfeuer im Sommer, wie Zuckerwatte beim Stadtfest, wie Rosen im Regen. Kaito und ich hätten zusammen nach ihr suchen sollen, dann würde ich jetzt nicht in Versuchung geraten sie zu küssen, ihr über die Wange zu streichen und ihre Tränen weg zu küssen.
Ich will das sie mich mit demselben Blick ansieht, mit dem sie Kaito ansieht. So ein Blick, der dich automatisch zum Lächeln bringt, ein Blick, der dir ohne Worte zeigt, wie wichtig du ihr bist. Ich weiß noch, wann Kaito sie mir vorgestellt hat. Letztes Jahr Karneval, auf der Party von Judy Hägen, er kam mit ihr als Begleitung.
Ich wusste bis da nur das sie in unsere Stufe geht, und das wir glaube ich Chemie zusammen belegt hatten. Damals trugen sie ein Team Kostüm, er ging als Aladdin, und sie war bei Gott die schönste Jasmin die ich je gesehen hatte. Ich fand sie nett, sie lachte viel und das mochte ich. Doch sehr schnell habe ich festgestellt, dass sie Kaito mag, und zwar auf eine andere Art als sie mich je mögen würde. Er redete damals mit Diana vom Fitnessstudio welche als Cat Women im knappen Body erschien. Mia saß mit mir auf der Couch und als Diana ihre Hand auf Kaitos Brust legte und ihn küsste, drehte Mia den Kopf weg, um es nicht mit ansehen zu müssen. Ihr Blick war so voller Schmerz, doch als sie merkte das ich sie ansah grinste sie und legte einen Finger an die Lippen. Ich wusste ohne dass sie es aussprach, was sie mir sagen wollte. Und seitdem behalte ich ihr kleines Geheimnis für mich.
Nicht um meintet Willen, sondern um ihretwillen. Natürlich könnte ich es Kaito erzählen, weil so wie ich meinen besten Freund kenne steht er vollkommen auf dem Schlauch. Jeder hat es mittlerweile gerafft, selbst das Hohlbrot Cindy, nur er hat mal wieder eine lange Leitung. Ich lege den Kopf in den Nacken und schaue zum Mond hoch. „Wenn du in meiner Situation wärst, was würdest du tun?“ flüstere ich und wie zu erwarten kommt keine Antwort. „Vermutlich werde ich einfach weiter auf unwissend machen, damit sie sich neben mir nicht verstellen muss-“ ich lache leise „Wer hätte gedacht, dass ich es einmal gut finden würde als Blender gebrandmarkt zu sein. Wenn ich wie immer so tue als wüsste ich nichts, und als würde mich das nichts angehen, kann sie sich bei mir entspannen.“. Was mache ich hier eigentlich? Ich war doch früher nicht so? Seit wann nehme ich Rücksicht auf die Gefühle anderer Leute? Klar Kaito ist mein bester Freund, aber wieso lasse ich ihm Zeit seine Gefühle zu begreifen? Wenn ich früher ein Mädchen gut fand bin ich in die Offensive gegangen und habe sie mir genommen. Erneut sehe ich hinunter zu ihrem schlafenden Gesicht. Mit der freien Hand streiche ich ihr ein paar Strähnen aus dem Gesicht. „Tja, wahrscheinlich bin ich doch nicht so ein gefühlloser Frauenheld wie ich immer dachte, denn zum ersten Mal ist es mir nicht egal, wenn ein Mädchen weint“ flüstere ich ganz leise. Sie kuschelt sich im enger an mich und murmelt leise etwas vor sich hin. Ich lege meinen Arm um sie und ziehe sie noch etwas näher. Wer hätte das nur gedacht. Schmunzelnd schließe ich die Augen.

 

 

Mia

Warme Sonnenstrahlen kitzeln mich und wecken mich aus einem erholsamen und doch unbequemen Schlaf. Ich drehe meinen Kopf und erschrecke kurz als ich Toms schlafendes Gesicht neben meinem sehe. Ich habe ganz vergessen, dass er gestern Nacht zu mir in die Schlucht geklettert ist. Ich bemerke, wie ich ihn anstarre, und senke hastig den Blick. Vorsichtig stupse ich ihn an. Er reibt sich verschlafen die Augen. „Na alles gut bei dir? Was machen deine Knie?“ murmelt er und rafft sich auf. Ich habe bis gerade nicht mehr an meine Knie gedacht, aber auf einmal spüre ich wieder den höllischen Schmerz. Tom streckt mir seine Hand entgegen und zieht mich hoch. Ich kann kaum geradestehen, und im Hellen sehe ich erst das komplette Ausmaß meines Sturzes. Meine Hose ist an den Knien total zerfetzt und große klaffende, noch immer blutende Wunden schimmern durch. Auch meine Hände und Unterarme sind zerkratzt und aufgescheuert. „Naja es geht“ lüge ich und bemühe mich mir den Schmerz nicht anmerken zu lassen. Ich glaube Tom bemerkt das ich lüge, denn er schüttelt seufzend den Kopf. Er stemmt die Hände in die Hüfte und beäugt den Abhang. „Zu unserem Glück, ist es zwar sehr tief, aber nicht sehr steil. Ich glaube ich kann uns hier rausbringen“ sagt er und grinst mich an. „Und wie willst du das machen? Kannst du nicht einfach mit deinem Handy Hilfe rufen?“ frage ich und sehe zu ihm herüber. Verlegen kratzt er sich am Hinterkopf und sagt schließlich „Tja weißt du, wir sind so plötzlich aufgebrochen, da habe ich es im Zimmer liegen lassen“ „Wir?“ frage ich leicht frustriert über unsere Situation. „Oh, hatte ich das nicht erwähnt? Kaito hatte die Idee nach dir zu suchen“ ich werde rot, er hat tatsächlich nach mir gesucht. Im ist also wirklich aufgefallen das ich zu lange weg war. Ich freue mich unglaublich, ich vergesse sogar für einen kurzen! Moment meine Schmerzen.

„Also gut, beginnen wir mit dem Aufstieg“ ich nicke und mache einen Schritt nach vorne. Meine Beine geben nach und ich klappe zusammen wie ein Taschenmesser. „Ich glaube so wird das nichts. Du kannst nicht laufen, also tu nicht so als würde es nicht weh tun“ sagt Tom und kniet sich zu mir herunter. „Und was schlägst du dann vor? Soll ich vielleicht fliegen?“ frage ich sarkastisch. Er legt die Stirn in Falten und sagt ernst „Also, wenn du das kannst wäre es wirklich praktisch, aber wie wärs, wenn ich dich einfach trage?“ „Tragen? Du? Mich?“ ungläubig sehe ich ihn an. Gekünstelt verletzt sagt er „Ey, ich bin ein großer starker Mann, ich kann das“ er geht in die Hocke und deutet mir an mich auf seinen Rücken zu setzen. Missmutig und zögerlich klammere ich mich an ihn. „Auf geht die wilde Reise“ sagt er und steht auf. Mit Mühe und Not schaffe ich es mich richtig an ihm fest zu halten, meine Arme schlinge ich um seinen Hals, und seine Hände halten meine Beine. Langsam und vorsichtig klettert er den Abhang hoch. Es schaukelt hin und her, wie als würde ich auf einem Kamel reiten. „Danke“ flüstere ich ihm ins Ohr, und seine Ohren nehmen direkt einen kräftigen rot Ton an. Ich kichere, es freut ihn also doch. Tom keucht und schnauft laut als wir endlich das Ende des Abhangs erreicht haben. „Siehst du-“ er hechelt „war doch ein Kinderspiel, keine große Sache.“ So sehr wie er schwitzt, war es sehr wohl eine große Sache, und das weiß er auch. Ich glaube er will nur nicht das ich mich schlecht fühle. „Weißt du, ich fühle mich wie in meinem Lieblings K-Drama“ sage ich und denke an eine vergleichbare Szene „Hau raus, welches?“ sagt Tom, während er langsam weiter trottet. „Angel´s Last Mission Love, da gibt es eine Folge, in der sich die weibliche Hauptfi! gur Yeon -seo betrinkt und dann von ihrem Engel Dan nach Hause getragen werden muss, sie ist frustriert darüber das er ihre Liebe nicht erwidert und fragt ihn im Rausch immer wieder wieso.“

 

Lächelnd denke ich an diese Szene, es ist eine meiner Lieblingsszenen, denn Dan gesteht Yeon-seo seine Liebe, während diese ihren Rausch ausschläft. Die Szene war unglaublich romantisch, und für einen kurzen Moment wünsche ich mir, Kaito wäre an Toms Stelle hier. „Hmm“ das ist seine einzige Reaktion, und dann schweigt er. Ich sehe auf den Boden „Kennst du das Gefühl, wenn du dir wünschst in einem Film zu sein?“ frage ich Tom und überlege gleichzeitig was meine Antwort auf diese Frage wäre. „Klar, wer kennt das nicht? “ sagt Tom und hebt mich etwas höher. „In welchem Film würdest du im Moment gern sein?“ frage ich und lege meinen Kopf auf seine Schulter. „Mmh also ich wäre am liebsten in 27 Dresses, dann wäre ich Kevin Doyle und würde mein Mädchen kriegen“ sagt er. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass Tom diesen Film kennt. Ich liebe Katherine Heigl in 27 Dresses, der Film behandelt eine außergewöhnliche Frau und eine besondere Liebe. „Wow, ich bin überrascht. Ich hätte nie gedacht das du überhaupt weißt das es diesem Film gibt“ „Tja, ich stecke voller Überraschungen“ er lacht. „Aber im Moment fühle ich mich mehr wie Julia Roberts in Die Hochzeit meines besten Freundes nur ohne Hochzeit“ ich runzle die Stirn. Dieser Film hat doch nicht Mal ein Happy End. Ich schweige für mehrere Minuten, weil ich nicht weiß, ob er weiterreden will. Ich habe das Gefühl, dass ich einen wunden Punkt getroffen hab. „In welchem Film würdest du gerade gern leben? “ fragt er und ich bin dankbar das er die Stille zwischen uns beendet. Meine Antwort ist einfach „Am liebsten wäre ich Teil von Love Rosie, du weißt schon der mit Lily Collins“ er nickt. „Aber wieso? Willst du unbedingt von einem Idioten schwanger werde? Oder liegt es an der zwei beste Fr! eunde di e sich ineinander verlieben Kiste?“ Ich weiß das Tom mein kleines Geheimnis kennt und deshalb vermutet das es mir nur um Kaito bei dieser Auswahl geht. „Es geht schon etwas um diese Sache mit den besten Freunden“ murmle ich.

„Ist das schon alles? Das ist die Handlung fast aller Liebesfilme? “ sagt Tom skeptisch und leicht sarkastisch. Mit der Frage habe ich schon gerechnet, Tom ist ein Mensch, der alles hinterfragt. „Nein, dass nicht alles. Ich liebe die Rolle von Lily Collins in diesem Film. Sie hatte es nie leicht, wurde ungewollt schwanger, hat ihre Zukunftsträume auf Eis gelegt und ich hoffe das wir so etwas nicht passiert, aber sie hat nie aufgegeben. Sie wusste das Alex nicht immer an ihrer Seite sein wird und hat das akzeptiert und versucht ihm Glück zu wünschen. Wenn es bei mir soweit ist, dass ich Kaito loslassen muss will ich genauso stark sein wie sie“ Tom schweigt nur nach dieser langen Antwort.

 

Tom

Mia ist unglaublich leicht auf meinen Schultern, und umso peinlicher ist es mir, dass ich wie ein Schwein schwitze. Aber Gott sei Dank haben wir diese verdammte Schlucht hinter uns gelassen. „Kennst du das Gefühl, wenn du dir wünschst in einem Film zu sein?“ fragt sie, und überrumpelt mich mit der Frage. Was soll ich darauf antworten? Soll ich ehrlich antworten? Dann würde ich sagen, dass ich am liebsten Tom Cruise in Mission Impossible sein würde, doch das wäre eine zu einfache Antwort. Also antworte ich mit etwas, von dem ich weiß, dass es sie zum Grübeln bringen wird. Und ich weiß das es irgendwie manipulativ ist, weil ich will das sie meine Gefühle bemerkt, und über mich nachdenkt. Als sie sagt „Wow, ich bin überrascht. Ich hätte nie gedacht das du überhaupt weißt das es diesem Film gibt“ grinse ich innerlich, denn um ehrlich zu sein habe ich den Film nur geschaut, weil ich weiß, wie sehr sie ihn liebt. Ich war einmal mit ihr und ein paar anderen in einer Bar, und sie hat mir betrunken vorgeschwärmt wie sehr sie 27 Dresses liebt, und wie sehr sie sich wünscht eine derartige Liebesgeschichte zu durchleben.

Normalerweise bin ich nicht so berechnend, aber langsam bin ich es leid unter ihrem Radar zu fliegen. Aber als dann Todesstille zwischen uns herrscht, überlege ich krampfhaft was ich sagen kann, damit sie sich nicht schlecht fühlt. Tja und die Frage nach dem Film, in dem sie am liebsten leben würde, ist die offensichtlichste. Und tatsächlich habe ich mit einem Film wie Love Rosie gerechnet. Bestimmt hat sie sich diesen Film ausgesucht, weil Alex sich in seine beste Freundin Rosie verliebt und die beiden nach vielen Hürden dennoch glücklich werden. Ich würde alles darauf wetten, dass sie damit auf ihre Situation mit Kaito anspielt. Doch um sicher zu gehen frage ich nach. Langsam nervt es mich wirklich das sich ihre ganze Welt um Kaito dreht. Klar ich weiß das sie mich mag, aber ich will das sich ihre Welt um mich dreht so wie meine Welt sich um sie dreht. Ihre Antwort auf mein Nachfragen hat zwar Sinn ergeben, aber ich weiß das meine Eingebung richtig war, sie will das Kaito und ihre Beziehung sich so entwickelt wie die von Rosie und Alex. Es nervt mich unheimlich, das Kaito ein Mädchen wie Mia so lange warten lässt. Er könnte sie jederzeit haben, wie eine Blume am Straßenrand. Er müsste nur die Hand ausstrecken und sie pflücken. Ich hebe Mia wieder etwas höher. Ihre Hände streichen an meinem Ohr vorbei. Ein Kribbeln wandert durch meinen ganzen Körper. Ich habe mich wirklich nicht mehr unter Kontrolle. Ich meine ich denke gerade darüber nach einfach kehrt zu machen und mit ihr weg zu laufen. Aber wenn ich jetzt in die Offensive gehe wird sie mir bestimmt davonlaufen und sich dadurch noch weiter entfernen. Dann bleibe ich eben noch eine Weile der Kummerkasten an ihrer Seite. Irgendwann bietet sich mir schon eine Chance.

 


 

Mia

Als wir die Hütte sehen können kreische ich vor Freude lauthals los. Audrey reißt die Tür auf und sprintet auf uns zu. Kaum hat Tom mich auf eine der Bänke abgesetzt fällt sie mir auch schon um den Hals. Ich drücke sie feste an mich. Auch die anderen kommen nach draußen vors Haus und umarmen mich. „Was ist denn hier los?“ ist das erste das Cindy sagt als sie in ihren roten Pumps durch die Tür stakst.
„Mia ist wieder da. Tom hat sie tatsächlich gefunden“ sagt Niki mit Tränen in den Augen „Wartet, Mia war weg? Ist mir anscheinend nicht aufgefallen“ sagt sie arrogant wie eh und je. Ich packe Audreys Arm, um sie daran zu hindern Cindy ins Gesicht zu springen. Ich grinse sie an „Würdest du deinen Arsch bitte einfach irgendwo hinbewegen, wo ich dich nicht sehen muss?“ frage ich mit aufgesetzter Freundlichkeit. Sie schnaubt verächtlich, schiebt sich die Sonnenbrille auf die Nase, dreht sie sich um und tippelt ins Haus zurück. Tom hebt mich erneut hoch und trägt mich durchs Haus auf die Veranda und drapiert mich auf der Hollywoodschaukel. „Ist dieser Platz Ihnen genehm werte Dame?“ fragt er mit verstellter Stimme.
„Dieser Platz ist vorzüglich, danke James“ säusle ich und gebe ihm mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er sich entfernen darf. Mit einer tiefen Verbeugung setzt er sich auf einen der Stühle, die um den großen Holztisch auf der Veranda stehen, ich muss lachen. Die anderen setzen sich auf die verbleibenden Stühle und sehen mich erleichtert an. Ich muss erst mal durchatmen.
Ich unterhalte mich gerade mit Laura über vergangene Nacht, als Kaito auf die Veranda gestürmt kommt. Er atmet erleichtert aus. Tom steht auf und setzt sich dicht neben mich, demonstrativ legt er langsam seinen Arm um meine Schulter. Aus einem mir unbekannten Grund laufe ich rot an. Vorsichtig sehe ich zu Kaito herüber, ob er wohl reagiert. Mit zornigen Augen starrt er auf Toms Arm auf meiner Schulter. „Weißt du, wir beide- waren die ganze Nacht zusammen, es war echt nicht leicht für mich Mias weinendes Gesicht anzusehen. Hast du ihre Knie gesehen? Was das wohl für Schmerzen sein müssen, und ohne mich hätte sie die allein aushalten müssen“ Tom betont mit Absicht die Worte „wir beide“ und „allein.“ Niki und Audrey werfen mir beide fragende Blicke zu, doch auch ich habe absolut keinen Plan, warum Tom das jetzt provoziert. Kaito zieht seine Augenbrauen zornig zusammen, sein Kiefer zuckt nervös und seine Hand ist zu einer Faust geballt. „Auch gut. Dann war sie wenigstens nicht alleine, wenn du bei ihr warst“ er spuckt das Wort „Du“ förmlich aus und ich sehe genau wie verletzt er ist. Er dreht sich um und geht, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Wieso ist er deshalb so gereizt? Habe ich irgendwas nicht mitgekriegt? Ich springe auf und ein stechender Schmerz jagt durch meinen Körper, doch verzweifelt humple ich hinter Kaito her.

Audrey

Kaum ist Mia außer Hörweite springe ich auf und verpasse Tom eine Ohrfeige, die ihm das gehässige Grinsen aus dem Gesicht schlägt. „Wie konntest du so etwas sagen! Du riesiger Idiot!“ schrei ich ihn an. „Wieso musstes du Kaito unbedingt provozieren? War das echt nötig?“ er reibt sich die Wange „Ganz locker“ sagt er und sieht mich mit einem frechen Grinsen an. „Das hast du mit Absicht gemacht?“ frage ich ungläubig. „Ich wollte Kaito endlich mal aus der Reserve locken. Und außerdem mag ich es, wenn Kaito eingeschnappt ist“ er grinst. Geschockt starre ich ihn an und bin erst mal sprachlos „Hättest du das nicht sagen können, bevor ich dir eine gescheuert habe?“ frage ich und werfe mich neben ihm auf die Hollywoodschaukel.
Leider muss ich zugeben, sein Plan war gar nicht mal so schlecht, um ehrlich zu sein ist er wirklich clever. Es ist langsam an der Zeit das Kaito sich darüber klar wird was er wirklich will.

Kapitel 11

Mia

„Kaito was ist den los?“ er geht einfach weiter „Bleib doch bitte mal stehen“ flehe ich und ignoriere krampfhaft die erneut aufgerissenen Wunden an meinen Knien.
Er verschwindet in seinem Zimmer und ich folge ihm, fest entschlossen mich mit ihm auszusprechen. Als ich rein komme sitzt er auf seinem Bett mit dem Rücken zur Wand. Vorsichtig setze ich mich neben ihn. Erst jetzt bemerke ich die Kratzer und Schrammen auf seinen Armen. Ich freue mich so unheimlich, denn diese Schrammen und Kratzer sind der Beweis dafür, dass er wirklich intensiv nach mir gesucht hat.
Ich lege ihm die Hand auf die Schulter, und endlich sieht er mich an. „Was ist denn los?“ frage ich zaghaft und schaue ihm fest in die Augen. Er fährt sich mit den Fingern durch die Haare „Sorry“ nuschelt er. „Was?“ frage ich erneut.‘
„Sorry für das“ sagt er nun etwas lauter und deutet auf meine blutigen Knie. Niedergeschlagen sieht er auf den Boden. „Mach dir deswegen keine Sorge“ sage ich und lächle „Ich habe meine Knie kaum belastet, Tom hat mich extra getragen.“ „Ach du raffst es einfach nicht“ brüllt er und starrt mich sauer an. Ich weiß einfach nicht was ich gesagt habe, was ihn dermaßen verärgert hat. „Ich verstehe dich einfach nicht. Wieso brüllst du mich jetzt so an? Dazu hast du kein Recht“ sage ich und stehe auf. Wenn er nicht reden will dann gut, ich habe genug von seiner unberechenbaren Art. Fast bin ich an der Tür da sagt er sanft, fast schon flüsternd „Ich hätte dich halt gerne gefunden.“ Ich bin so überrascht das, ich für mehrere Minuten einfach schweigend dastehe. „Kannst du bitte etwas sagen, sonst wird das ganze nur noch unangenehmer für mich“ sagt Kaito scherzhaft. Ich humple zu ihm herüber, setze mich, hebe lächelnd meine Hand und tätschle ihm den Kopf. Er zuckt etwas, aber dann legt er seinen Kopf auf meine Schulter.

Ich will ihm gerade durch die Haare streichen, als er plötzlich anfängt zu kippen. Er ist echt schwer und ich kann seinem Gewicht nicht standhalten und kippe mit ihm um. Er begräbt mich unter sich und ich bin absolut mit der Situation gerade überfordert, ich weiß nicht wohin mit meinen Händen. Er flüstert an meiner Schulter „Ich war die ganze Nacht wach, um dich zu suchen. Ich bin hundemüde. Lass mich nur kurz so bleiben.“ Ich bin so froh über das was er sagt, also lasse ich ihn. Er schläft tatsächlich mit seinem Kopf auf meiner Schulter, den Rest von ihm habe ich vorsichtig von mir runter gerollt. Tja das ist wahrlich ein interessantes Bild. Kaito der neben mir liegt mit seinem Kopf auf meiner Schulter, und schönen Blutflecken von meinen Knien auf seiner Jeans.

Erst als er mich weckt merke ich das ich auch eingeschlafen bin. „Na, hast wohl auch nicht genug geschlafen“ sagt Kaito und stützt seinen Kopf auf die Hand. „Ja leider war der Waldboden nicht so extrem bequem“ entgegne ich sarkastisch. „Was machen deine Knie?“ fragt er und ich setze mich auf, um sie zu begutachten.
Die Wunden sind getrocknet und bluten zumindest nicht mehr. „Joa, sie bluten immerhin nicht mehr. Aber vielleicht sollte ich sie mal versorgen“ sage ich und kremple meine Hose hoch. „Warte kurz ich hole den Verbandskasten aus der Küche“ sagt Kaito und steht auf. Ich nutze die Zeit, in der er weg ist und kremple mein T-Shirt hoch und begutachte meinen Rücken im Badezimmerspiegel. Erschreckt stelle ich fest, dass ein riesiger blauer Fleck meinen Rücken schmückt. Er strahlt in blau bis hin zu einem Senf gelb, und tut verdammt weh als ich draufdrücke. Kaito stapft ins Zimmer, als ich gerade dabei bin das volle Ausmaß meines Sturzes im Spiegel zu bewundern. „Was machst du da? “ fragt Kaito und lehnt in der Badezimmertür. Peinlich berührt ziehe ich mein Shirt herunter. „Nichts“ sage ich und weiß selbst was das für eine billige Antwort ist.
„Ist der auch vom Sturz gestern?“ fragt er und zieht mein Shirt am Rücken hoch.
„He lass das!“ rufe ich und schlage seine Hand weg. Es ist mir offensichtlich peinlich, dass Kaito meinen Körper aufs genauste mit seinen Blicken abscannt. „Nun komm schon, ich mach doch nichts“ er grinst mich hämisch an „Setz dich aufs Bett, ich werde mir mal deine hübschen Knie anschauen.“ Ich schiebe mich an ihm vorbei und werfe mich aufs Bett. Nun liege ich hier auf meinem Rücken und starre an die Decke. Ich fühle mich total unwohl, und versuche möglichst lässig zu klingen als ich sage „Na dann legen sie mal los werter Doktor.“ Kaito setzt sich aufs Bett und beginnt damit meine Hose hoch zu krempeln. Es ist irgendwie ein surreales Gefühl, es ist erregend und elektrisierend, meine Haut kribbelt. „Es wird jetzt kurz brennen, ok? “ fragt Kaito und noch bevor ich antworten kann, spüre ich den etwas kaltes auf der Haut und kurz danach ein Unangenehmes brennen. „Was war das?“ frage ich und stütze mich hoch. Kaito wedelt mit einer Flasche Desinfektionsmittel vor meiner Nase rum. Langsam beginnt er mein linkes Knie mit einem Verband zu umwickeln, er ist so sanft und irgendwie sehr zaghaft. „Das machst du aber schön“ stichle ich und er sagt geschmeichelt „Ich gebe mir größte Mühe dir nicht weh zu tun.“
Ich grinse in mich hinein, auch wenn Kaito oft so unberechenbar ist, dass er mich zur Weißglut treibt, so kann er im nächsten Moment so sanftmütig und liebevoll sein das all dies vergessen ist. Gerade zieht er den Verband am anderen Knie fest, als er plötzlich aus heiterem Himmel fragt „Was hast du mit Tom gemacht, als ihr allein wart?“ er stockt bei dem Wort allein. Unsicher was ich sagen soll schweige ich, bis er mich so eingeschüchtert ansieht. „Tja nachdem ich aufgehört habe zu weinen, habe ich geschlafen und dann, am Morgen hat er mich zurückgetragen“ grübelnd lege ich die Stirn in Falten, war das alles? Kaito sieht mich so traurig an, es schnürt mir das Herz in der Brust zusammen.
„Setz dich mal hin und zieh das T-Shirt hoch“ ich sehe ihn verwundert an. Widerstandslos folge ich seinem Befehl und ziehe mein Shirt so hoch, dass er meinen schönen Bauch bewundern kann. „Ja du sollst dich umdrehen“ sagt er monoton, ohne mich auch nur anzusehen. „Das kann man auch freundlicher sagen“ brummle ich, während ich mich mühsam umdrehe. Kaito schmiert mir irgendwas auf den Bluterguss auf meinem Rücken und seine Berührung ist wirklich schmerzhaft. Jedes Mal, wenn er seine Hand erneut auf den Erguss legt löst er neue Schmerzwellen aus. Das ist echt kein harmloser Sturz gewesen. Stillschweigend wickelt er mir einen Verband um den Rücken als er plötzlich seine Arme um meine Hüfte legt. „Kaito?“ frage ich und will mich zu ihm umdrehen „Nicht“ fährt er mich an. Erschrocken starre ich weiter geradeaus. Vorsichtig zieht er mich näher an sich und ich fühle mich zurück zu unserem Lernabend versetzt. „Du hast geweint-“er stoppt „und ich war nicht da“ erneut legt er eine lange Pause ein. „Diese Vorstellung ist unglaublich schmerzhaft, und ich fühle mich so schlecht, dass ich nicht da war“ „Kaito das ist nicht deine Schuld, ich hätte einfach besser aufpassen sollen“ sage ich und drehe meinen Kopf leicht zu ihm. „Weißt du aber was mich noch mehr stört?“ es ist eine rhetorische Frage, weshalb ich nicht antworte. „Das was mich am meisten stört, ist das Tom bei dir war. Er hat dich so verwundbar gesehen, er hat eine Seite gesehen, von der ich weiß, dass du sie immer krampfhaft vor mir versteckst, und das macht mich rasend“ der Griff wird fester. Ich fass es einfach nicht. Kaito ist doch tatsächlich eifersüchtig wegen so einer lächerlichen Sache? Ich löse mich aus seinem Griff und drehe mich zu ihm um. Mit beiden Händen umfasse ich sein Gesicht, und zwinge ihn mi! ch anzus ehen. „Jetzt hör mal, du kennst so viele Seiten von mir die Tom niemals zu Gesicht bekommen wird ok?“ ich lege den Kopf schief und lächle. Er bleibt stumm.
„Erinnerst du dich an den Film Abend im April? Du bist hingefallen und ich habe so sehr gelacht, dass ich den Shot in meinem Mund vergessen und eingeatmet habe. Ich habe einfach puren Vodka eingeatmet und unglaublich stark gehustet, weil es gebrannt hat wie die Hölle“ ich lege eine kurze Pause ein, doch ich sehe an seinem leichten Lächeln, das er sich genau daran erinnert. „Ich wäre fast an diesem Lachen erstickt weißt du noch? Dieses panische Gesicht in diesem Moment hast nur du gesehen, oder mein Gesicht, wenn ich vor lauter lachen anfange zu weinen“ mit den Fingern streiche ich ihm über die Wange. „All diese Seiten, Momente und Gesichter kennst nur du, Tom kann da doch nicht mithalten“ sage ich und schnaube. Endlich grinst er „Du hast ja recht“ er nimmt mich fest in den Arm und ich drücke ihn mindestens genauso fest zurück. Nach dieser langen und innigen Umarmung begeben wir uns langsam zurück in die Küche. Mit diesen ganzen Verbänden fühle ich mich wie eine Mumie und genauso starren mich alle an. Die anderen erzählen uns das, als sie uns nicht mehr finden konnten sie an den Strand gefahren sind und uns kurz darauf komplett vergessen haben. Niki und Audrey starren mich unauffällig an, und als ich ihr Starren bemerke werfe ich ihnen einen verräterischen Blick zu, der so viel heißen soll wie „Ich erzähle euch alles später.“

„Und was machen wir jetzt?“ fragt Cindy, während sie schmatzend Kaugummi kaut. Alle schweigen und denken angestrengt nach „Also ich für meinen Fall hab echt Hunger“ bricht Emilio das Schweigen und schaut freudig in die Runde. „Geht mir auch so. Haben wir was da?“ frage ich und lehne mich an den Tresen in der Küche. „Ich glaube nicht. Wegen deinem kleinen „Ausflug“ gestern hatten wir noch keine Zeit einkaufen zu gehen“ stichelt Kaito und piekst mich in die Seite. Wieder herrscht betretenes Schweigen
 

„Tja wir könnten doch alle mit dem VW in die Stadt fahren, und dort etwas essen. Wie wäre das?“ schlägt Tom vor und sieht dabei auf meine Beine. Ich lächle ihn dankend an, denn ich weiß das wir eigentlich ausgemacht haben die meiste Zeit mit dem Fahrrad zu fahren, um Benzin zu sparen. Aber dank meinem freien Fall bin ich nicht sehr gut zu Fuß. „Find ich gut, danke das du auf mich Rücksicht nimmst“ sage ich und nicke ihm anerkennend zu. „Ok Leute dann machen wir uns schnell frisch und treffen uns dann draußen am Auto“ sagt Niki und kurz darauf packt sie mich am Arm und schleift mich nach oben. Nachdem Laura und Audrey ebenfalls das Zimmer betreten haben beginnen sie mit dem Kreuzverhör. Ich kann ihre Fragen gar nicht schnell genug beantworten. Natürlich lasse ich ein paar Details aus, wie zum Beispiel das Gespräch mit Tom über unsere Lieblingsfilme ebenso wie das elektrisierende Gefühl als Kaito mich berührt hat. Sie sind zwar meine besten Freundinnen aber auch die müssen nicht alles wissen. Sowie Vermouth es gesagt hat A secret makes a woman a woman. Als ich wieder Zeit zum Atmen habe grinsen mich alle drei an. „Naww Mia das sind doch mal wirkliche Fortschritte“ quietscht Niki und boxt mir gegen den Arm. Es tut gut mit ihnen zu reden, dadurch kommt mir das alles so viel realer vor. Nach dieser anstrengenden Frage Antwort Runde beginnen wir uns fertig zu machen. Ich streife mir die zerfetzte Hose von den Beinen und springe in frische Unterwäsche und einen langen cremefarbenen Faltenrock. Ich drehe mich im Kreis und genieße das kalte Gefühl des Stoffes an meinen Beinen. Zu dem Rock ziehe ich mir eine hochgeschlossene ärmellose weiße Bluse an. „Was sagt ihr? Lieber den goldenen oder den kupferfarbenen Lidschatten?“ ich halte ihnen die Palette vor die Nase. „Also ich würde den goldenen nehmen, der gibt dem ganzen etwas glamouröses! “ sagt Laura, während sie auf dem Boden vor dem Spiegel sitzt und Mascara aufträgt.

„Willst du dich nicht fertig machen?“ fragt Niki Audrey welche mit über dem Kopf verschränkten Armen auf ihrem Bett liegt. „Ich glaube ich komme nicht mit“ nuschelt sie und kriecht unter ihr Lacken. Ich bin gerade dabei mir einen Dutt zu machen als ich das höre. „Was? Wieso?“ frage ich mit während ich krampfhaft versuche ein paar einzelne Strähnen, die aus dem Dutt heraus stehen zu bändigen. „Ich habe dröhnende Kopfschmerzen, alles scheint sich um mich herum zu drehen. Ich will mich lieber etwas ausruhen, bringt mir einfach irgendetwas zu Essen mit“ damit dreht sie sich zur Wand um, ein Zeichen, das damit das letzte Wort gesprochen ist. „Hat jemand mein rotes Bandana gesehen?“ frage ich und schlüpfe in meine goldenen High Heels. Ich kann zwar generell schlecht in Heels laufen, und mit diesen Verletzungen ist es fast schon unmöglich, aber ich will es unbedingt, sie machen dieses Outfit perfekt. „Hier“ ruft Niki und wirft es mir zu. Sie steht vor mir in einem violetten Cocktailkleid mit weißen Tupfern drauf.
„Niedlich, wirklich niedlich“ sage ich und zwinkere ihr zu. Sie macht einen Knicks und wirft mir einen Luftkuss zu. Ich binde mir das Bandana um den Kopf und zurre es vor der Stirn zusammen. „Wie eine Frau aus den 50er“ lacht Laura als sie vom Boden aufsteht. Sie trägt dezentes Make-up und eine luftige lange blau weiß gestreifte Sommerhose und dazu ein rotes Hawaii Hemd. „Let’s go ladies“ sage ich und hake mich bei Laura und Niki unter damit sie mir beim Laufen helfen. „Wir bringen dir was leckeres mit“ flüstern wir bevor wir die Tür hinter uns schließen.

Wie edle Diven schreiten wir die Treppe ins Erdgeschoss herunter. „Ja was seh‘ ich denn da“ ruft Tom der mit den Händen in den Hosentaschen am Treppenende steht. Er trägt schwarze knielange Shorts, dazu weiß rote Sneaker mit weißen bis über die Schienbeine gezogenen Sportsocken. Auf seinem himmelblauen Hawaii Hemd sind kleine Delfine abgebildet.
„Niedlich deine kleinen Delfine“ sage ich und schnipse ihm gegen die Brust. Er grinst und zieht spielerisch an meinem Bandana. Auf seinem Kopf sitzt eine umgedrehte weiße Baseball Cap, unter der seine blonden Locken nur noch voluminöser aussehen. „Du siehst aus wie Goldlöckchen“ stichle ich und knuffe ihn in die Seite.
Er wirft seine Haare hin und her „Ich bin die schönste Prinzessin hier im Land“ er lacht. Auf einmal hustet jemand auffällig laut hinter mir „Stör ich bei irgendwas?“ fragt Kaito deutlich sarkastisch. Ich trete von Tom zurück und lächle ihn an. „Na wie sehe ich aus?“ frage ich und drehe mich vor ihm im Kreis. „Joa geht so“ sagt Kaito und geht. Das ist echt niederschmetternd, da gebe ich mir mal wirklich Mühe gut auszusehen und kriege nicht mal ein Du siehst gut aus.  Niedergeschlagen schaue ich auf meine frisch lackierten Zehen. So ein Idiot, wenigstens ein nettes Wort hätte er ja sagen können. „Also ich finde du siehst echt hübsch aus“ flüstert Tom mir von hinten ins Ohr. Ich drehe mich zu ihm um „Findest du wirklich?“ frage ich freudestrahlend. „Können diese Augen lügen?“ er zieht die Augenbrauen hoch. Ich weiß das er versucht mich aufzuheitern, und es funktioniert. „Danke“ sage ich wirklich dankbar. Kaito sollte sich mal ein Beispiel an Tom nehmen, so behandelt man eine Lady richtig. Tom stützt mich als ich die Treppen zum VW Bus herunter stakse. Cindy sitzt mit übereinander geschlagenen Beinen auf der Bank vorm Haus. Tom schiebt mich in den Bus und setzt sich auf den Fahrer sitzt, Kaito sitzt grummelig wie eh und je auf dem Beifahrersitz. „Worauf wartet die Werte Dame?“ fragt Joel Cindy als er aus dem Haus stampft. Ich hasse sein Outfit, er trägt graue Sportshorts und ein ekeliges ausgeleiertes Mintgrünes Teng Top mit einem roten Drachen drauf. Was sieht Audrey nur in dem? „Ich warte auf Emilio, damit er mir zum Auto hilft“ sagt sie, ohne auch nur von ihrem Handy aufzuschauen. „Kannst’e das etwa nicht alleine?“ ruft Tom lachend.

„In diesen Schuhen?“ sie deutet auf ihre über und über mit pinken Strasssteinen besetzten 30 cm Heels. „Diese Schuhe waren echt teuer, ich riskiere es doch nicht mir einen Absatz abzubrechen, bei dem Versuch über diesen modrigen Boden zu laufen“ für mich sehen die Schuhe aus wie vom Flohmarkt aber unsere Queen muss es ja wissen. Selbst Michelle die neben mir sitzt verdreht die Augen. Als Emilio endlich kommt, reicht er Cindy brav eine Hand und führt sie wie ein Butler zum Auto. Auf dem Weg zieht und zupft sie immer wieder an ihrem viel zu engen und meiner Meinung nach viel zu kurzem Minirock und ihrer weit ausgeschnittenen Bluse. Sie tätschelt ihm nach vollendeter Tat die Wange, erst dann darf er sich neben sie setzten. „Er ist mehr ihr Schoßhund als ihr Freund“ flüstere ich Laura zu, wir beide grinsen. „Wo ist Leo?“ frage ich, denn mein Magen tut langsam weh vor lauter Hunger. „Ich bleibe auch hier“ ruft er vom Hauseingang herüber. „Was soll das man?“ brüllt Emilio zurück. Leo schabt mit dem Fuß nervös über den Boden.
„Naja ich mache mir Sorgen um Audrey und werde einfach mit ihr hier auf euch warten“ sagt er und steckt die Hände in die Taschen. Ich quetsche mich an Laura vorbei und rufe aus dem Fenster „Das ist total lieb von dir vielen Dank“ „Ja vielen Dank“ rufen nun auch Niki und Laura unisono. Als wir losfahren kann ich nicht anders als Joel einen bösen Blick zuzuwerfen. Leo bleibt bei Audrey, weil er sich Sorgen macht, und was ist mit dir? Hast du überhaupt bemerkt das sie nicht hier ist? Eigentlich wäre das dein Job nach ihr zu sehen, du als ihr „fast Freund.“ Ich werde diejenige sein die am lautesten klatscht, wenn sie dir endlich den Laufpass gibt.

 

Kapitel 12

Leo

Nun bin ich allein mit Audrey. Ob es eine gute Idee war hier zu bleiben? Sicher, es ist eine spontane Idee gewesen nicht mit zu fahren, aber irgendwie kam es mir richtig vor. Und was soll ich nun machen? Ich schlurfe die Treppe ins Obergeschoss hoch und schleiche mich vorsichtig in ihr Zimmer. Wie eine Prinzessin liegt sie auf ihrem Bett. Sie sieht so schön aus, wie ihre Haare ihr sanft übers Gesicht hängen. Ich würde ihr so gern über die Wange streicheln. Man das ist doch Wahnsinn, was mache ich hier eigentlich? Ich stehe hier neben ihr, obwohl ich besser als jeder andere weiß, dass ich nie eine Chance bei ihr haben werde. „Soo heiß“ flüstert sie im Schlaf und dreht sich wild umher. Ich gehe an ihr Bett, und lege ihr die Hand auf die Stirn. Sie glüht ja förmlich, sie schwitzt extrem viel ihr T-Shirt ist ganz durchnässt. Was tun? Was tun? Was macht meine Mutter immer, wenn es mir nicht so gut geht? Ah, ein Kühlpad. Ich renne die Treppe hinunter in die Küche und krame im Eisfach herum, irgendwo muss doch so ein verdammtes Kühlpäckchen sein. Als ich endlich eins habe, wickle ich es in ein Handtuch, das am Tresen hängt und gehe wieder nach oben. Langsam reibe ich ihr das Kühlpäckchen über die Arme, um sie zu kühlen und lege es ihr schlussendlich auf die Stirn. Sie schläft ruhig weiter, also gehe ich wieder ins Erdgeschoss und lege mich auf die Coach im Wohnzimmer. „Was machst du bloß Leo? Das ist doch erbärmlich“ sage ich zu mir selbst. Ich ziehe mein Handy aus der Tasche und scrolle durch meine Watchlist. Was soll ich bloß schauen? Naruto? Ne das habe ich schon oft genug geschaut. Oder doch lieber Death Note? Ich würde schon gern Death Note schauen, aber irgendwie brauche ich etwas was mich aufzuheitern. Ich entknote meine Kopfhörer und beginne damit Avatar erneut zu schauen.
Viele würden sicher sagen das Anime und Cartoons etwas für Kleinkinder sind, aber ich habe das schon immer anders gesehen. Wer denkt das die blutigen Kämpfe in Attack on Titan oder Naruto was für Kinder sind sollte wohl besser nie eigene Kinder haben. Irgendwie ist diese Situation total deprimierend. Klar es war meine eigene Idee bei ihr zu bleiben, aber irgendwie klappt es nicht so wirklich meine Gefühle einfach zu verdrängen und normal mit ihr befreundet zu sein. Wäre ich doch nur in einer meiner Serien. Aber Aang hat ja auch mehrmals eine Abfuhr bekommen und am Ende sind sie dennoch zusammengekommen. „Verrat mir dein Geheimnis Aang“ ich realisiere das ich mit einer Figur in einer Serie rede. „Na toll, ist es schon so weit gekommen? Ich rede mit dem Avatar, einer nicht realen Person“ es herrscht eisige Stille um mich herum. „Ist das traurig, ich rede schon mit mir selbst“ ich raufe mir die Haare und seufze. Wären wir in einem meinen Anime würde Audrey sich im Fieberwahn auf mich stürzen und mir ihre wahren Gefühle für mich offenbaren. Allein der Gedanke daran lässt mich rot werden. So was würde sie nie machen. Ich sollte an sowas gar nicht erst denken. Ich widme mich wieder meiner Serie und überspringe ein paar Episoden, um zu einer meiner Lieblingsepisoden zu kommen. In dieser Folge verirren sich der Avatar und sein Team in der Wüste.
Ich liebe diese Folge so sehr. „Was schaust du da?“ auf einmal steht Audrey neben mir und beäugt meinen Handy Bildschirm. Ich schrecke hoch, ich habe sie gar nicht kommen gehört. Sie lacht, ich find ihr Lachen unglaublich süß.
Ich ziehe die Kopfhörer aus und setze mich auf. Vorsichtig beäuge ich sie von oben bis unten, sie hat sich umgezogen. Eigentlich kein Wunder denn sie war ja komplett durchgeschwitzt. Nun trägt sie graue Hot Pants und ein lavendel farbenes Top, ihr dunkelbraunes Haar, fällt ihr in langen glänzenden Wellen über die Schultern.

„Sind die anderen schon wieder zurück?“ fragt sie. Ich schüttle den Kopf „Sollen wir auch noch in die Stadt?“ ich sehe die verblüfft an. „Geht es dir den wieder besser?“ frage ich ungläubig. Sie grinst und sagt „Tja ich denke der Power Nap war nötig“ ich lache nervös. „Danke dafür“ sie hält mir das Eispäckchen hin. Aus irgendeinem Grund werde ich rot. „Wollen wir auch los?“ fragt sie erneut „Klar, wir können auch gleich los. Ich geh mich nur noch kurz umziehen.“ Ich gehe in mein Zimmer und ziehe mir eine Knielange schwarz-weiß karierte Hose an und ein schwarzes T-Shirt, noch etwas Gel in die platt gelegenen Haare und fertig. Danach gehe ich wieder in die Küche und werfe mir eine Jacke über, nur für den Fall. Dann gehe ich mit Audrey vors Haus. Nachdem ich abgeschlossen habe gehen wir zu den Fahrrädern. Ich ziehe eine Karte aus meiner Tasche, die mir Kaito gegeben hatte. „Na dann aufgeht‘s“ sage ich und halte die Karte in der einen Hand und das Fahrrad in der anderen.
„Bist du sicher, dass du das hinkriegst?“ fragt Audrey, während sie neben mir herfährt. „Tja das muss es wohl, den mit dem Handy hat man hier nicht genug Empfang.“ Stillschweigend fahren wir nebeneinander und kommen schließlich an der Hauptstraße entlang, dort biegen wir auf einen Waldweg ab. „Bist du sicher das dies der richtige Weg ist? Weil irgendwie habe ich das Gefühl, das wir immer tiefer in den Wald fahren“ sagt Audrey als wir schon gute 15 Minuten durchs Dickicht fahren. „Um ehrlich zu sein, habe ich keinen Plan, wo wir sind“ sage ich peinlich berührt.
Also halten wir an, weil ich wirklich mit der Karte nicht zu Recht komme und uns vermutlich in die tiefste Pampa geführt habe. Im Wald ist es dunkler als an der Hauptstraße, es gibt fast kein Licht. „Ähm…Audrey wir haben uns verfahren“ sage ich mit eingezogenem Kopf in Erwartung einer Standpauke. „WAS! Was bist du für ein riesiger Idiot. Lotst mich hier in den dreckigsten Winkel des Waldes, um mir zu sagen das du nicht weißt, wo wir sind“ zetert sie los.
„Ich werde Joel anrufen damit er uns hilft. Dir kann man echt nichts überlassen“ sagt sie etwas ruhiger. Wieso? Wieso muss sie sich in solchen Momenten an Joel wenden? Bin ich wirklich ein derartiger Versager? „Es tut mir doch leid“ murmle ich und versuche heraus zu finden, wo wir sind. Sie klettert auf einen großen Stein und streckt ihr Handy Richtung Himmel. „Verdammt, ich kriege keinen Empfang. Das ist alles deine Schuld Leo“ sie verschränkt die Arme vor der Brust und setzt sich auf den Stein. „Audrey nun hör endlich mal auf so zu meckern. Ich habe einen Fehler gemacht ok? Das weiß ich selbst, und dein Gemecker bringt uns auch nicht weiter. Komm wir schieben unsere Räder“ brülle ich sie an. Es macht mich einfach so unglaublich wütend, dass sie mich immer wie einen Versager behandelt. Und ich dachte wir wären uns heute etwas nähergekommen. Wütend hebe ich mein Rad vom Boden auf und schiebe es weiter den Weg entlang, ohne mich auch nur einmal nach ihr umzudrehen. Ich weiß so oder so dass sie da ist, denn ihr stechender Blick durchbohrt meinen Nacken. Irgendwo tut es mir schon leid, dass ich eben so laut geworden bin, aber selbst mir reißt irgendwann einmal der Geduldsfaden. „Leo-“ setzt Audrey an „Was?“ fahre ich sie entnervt an. „Da-“ sagt sie mit leiser Stimme und deutet auf das Gestrüpp am Wegrand. Dann plötzlich raschelt es in dem Gebüsch. Eine braun gefleckte Schlange kommt aus dem Gebüsch gekrochen. Langsam kriecht das Tier auf uns zu „Audrey, bloß keine hektischen Bewegungen“ Audrey bleibt wie festgefroren stehen und starrt mit weit aufgerissenen Augen auf die Schlange. Als das Tier jedoch immer näherkommt, und an Audreys Fahrrad hochkriecht passierte es. Sie schreit auf und schmeißt ihr Fahrrad mit voller Wucht in den Dreck und rennt weg. Sie sprintet kreischend in den dunklen Wald und kommt nicht! wieder. Daraufhin lasse ich mein Fahrrad ebenfalls zurück und renne ihr hinterher. „Audrey! Audrey!“ rufe ich vergeblich.

Antworte doch, verdammter Mist, nicht einmal in so einer Situation hört sie auf mich. Warum vertraut sie mir nicht? Warum denkt sie die ganze Zeit an Joel, was sieht sie bloß in dem? „Audrey! Audrey wo bist du? “ „Verschwinde“ kommt es aus irgendeiner Ecke. Ich versuche der Stimme zu folgen und suche mit den Augen angestrengt die Umgebung ab. „Geh weg“ ruft eine mir allzu vertraute Stimme. Mein Blick wandert einen Baum hoch und hoch oben auf einem Ast entdecke ich Audrey. Ich muss mir ein Lachen wirklich verkneifen. „Komm runter Audrey“ rufe ich zu ihr hoch. „Nein!“ ruft sie von oben herunter. Sie sitzt in fast zwei Metern Höhe. Und von unten betrachtet war es schwer dort herauf zu klettern. „Wie bist du denn da rauf gekommen“ frage ich lachend. „Willst du lieber nicht wissen“ sagt sie mürrisch „Komm schon Audrey. Wir müssen weiter“ schreie ich. „Meinetwegen“ flüstert sie zurück. Da höre ich ein Knacken und einen lauten Schrei. Ich sehe kurz hoch und stelle fest das mir Audrey entgegen geflogen kommt. Instinktiv strecke ich die Arme aus fange sie, doch sie kommt mit so einer großen Wucht angeflogen das meine Beine den Halt verlieren und ich mit einem harten Sturz auf dem Boden lande. Mein Steißbein schmerzt höllisch, doch Gott sei Dank geht es Audrey gut. Sie liegt regungslos in meinen Armen, vorsichtig stupse ich sie an. Sie sieht mich an und wird doch tatsächlich rot, das kann ich sogar im Dunkeln erkennen. Ich stehe mit ihr auf dem Arm auf. Mein Rücken brennt wie Feuer, doch ich lasse mir nichts anmerken. „Lass mich sofort runter du Idiot“ murmelt sie, ohne mich dabei anzusehen. Sie boxt mich gegen die Brust, bis ich sie runterlasse. Wütend und peinlich berührt stampft sie weg. Ich weiß echt nicht, warum ich sie so faszinierend finde. Als wir wieder bei unseren Rädern ankommen spricht sie kein Wor! t mit mi r. Sie hebt einfach nur ihr Rad auf und schiebt es weiter.

 

Audrey

Leo ist so ein Idiot. Er weiß doch das ich nicht so für ihn fühle wie er für mich, und dennoch ist er mir nachgekommen. Obwohl, ich in ihm nichts Besonderes sehe, hat mein Herz schneller geschlagen, als ich in seinen Armen lag. Bestimmt war das nur das Adrenalin, welches meinen Puls so hochgetrieben hat. „Leo wo müssen wir lang?“ sage ich und drehe mich nach hinten zu ihm um. Er ist nicht da. Ich steige voll auf die Bremse und rufe erneut „Leo?“ Keiner antwortet. Ich bekomme langsam Panik, ich hasse es alleine im Dunkeln zu sein. Ich steige ab und gehe den Weg zurück, erst langsam, und dann immer schneller, bis ich schließlich renne.
„Leo? Leo! Lass mich doch nicht einfach allein“ schrei ich lauthals mit einem leisen schluchzen in der Stimme. Während ich den Weg entlang renne komme ich an einer Lichtung vorbei, doch ich renne einfach weiter. Dunkelheit macht mir Panik, sie erinnert mich an die Zeiten, in denen meine Mutter mich im Schrank eingesperrt hat, wenn sie mal wieder zur Flasche griff. Ich weiß das diese Zeiten schon lange vorbei sind, aber jedes Mal, wenn ich in kompletter Dunkelheit bin kommen sie wieder hoch. Kurz bevor ich die Lichtung hinter mir gelassen habe, ist mir so als hätte ich Leo dort im Augenwinkel gesehen. Instinktiv gehe ich zurück und sehe mir die Lichtung genauer an. Die Lichtung ist riesig und überall wächst grünes saftiges Gras, es sieht friedlich aus. Vorsichtig gehe ich auf die Lichtung und bahne mir einen Weg durch das feuchte Grass. Meine Augen scannen die Lichtung ab und tatsächlich sitzt Leo wenige Meter vor mir im Gras. Ich lasse mich neben ihn nieder „Sieh nur dort“ sagt er leise und deutete in den Himmel. Tausend kleine Glühwürmchen fliegen über den Himmel und um uns herum. „Ich habe diese Lichtung eben entdeckt, und habe dir Bescheid gesagt, aber du schienst so in deiner Welt zu sein das du es nicht gehört hast“ sagt Leo und legt sich ins Gras.

Ich lege mich zu ihm und schaue in die Sterne. „Ich wollte dir diesen Ort unbedingt zeigen, ich dachte er könnte dich aufheitern“ sagt Leo und sieht mich an.
Wow, ich dachte nicht, dass es ihm so wichtig wäre, wie es mir geht. Er legt mir zögernd seinen Arm um die Schulter, und zum ersten Mal gefällt es mir. Für einen kurzen Moment fühlt es sich so an als würde die Welt um uns herum stehenbleiben. „Hast du auch das Gefühl, die Zeit würde stillstehen?“ fragt Leo flüsternd neben mir. Ich muss ungewollt kichern „Ja das habe ich gerade auch gedacht.“ Dieser Moment fühlt sich so unwirklich an, und ich wünsche mir gerade wirklich es würde sich noch lange so anfühlen. „Hast du dich schonmal gefragt, ob aus Freundschaft Liebe werden kann?“ frage ich und wundere mich im gleichen Moment, warum ich das frage. „Weißt du vergiss es-“ sage ich, doch Leo unterbricht mich und sagt „Ich glaube das ist sogar sehr wahrscheinlich. Um aus Freundschaft Liebe zu machen muss nur einer den ersten Schritt wagen. Entweder man verliert etwas Gutes oder man gewinnt etwas unglaubliches.“ Ich will etwas entgegnen doch da hören wir plötzlich ein lautes Hupen. Ich setze mich auf und entdecke vorbeiziehende Lichter am Ende der Lichtung. Ich stehe auf und strecke Leo meine Hand entgegen die er verwundert ergreift. Mit einem kräftigen Ruck ziehe ich ihn auf die Beine. Wir gehen zum Rand der Lichtung, geradewegs auf die Lichter zu. Zu unserer Überraschung und kommen wir an der Marktstraße heraus. Wir haben es tatsächlich geschafft „Die Straße war einfach direkt hier, wir hätten einfach nur etwas genauer hinhören sollen“ sagt Leo und grinst mich an. Ungewollt lächle ich ihn zurück an und sehe ihm direkt an, wie sehr es ihn überrascht. Wir gehen zurück und holen unsere Räder, mit ihnen im Schlepptau stampfen wir über die Lichtung zurück zur Marktstraße. Dort angekommen schließen wir unsere Räder an einen Laternenpfahl und machen uns auf die Suche nach den ande! ren.

„Warte kurz-“ich ziehe Leo zu mir heran und gebe ihm einen Kuss auf die Wange. Er starrt mich an und läuft scharlachrot an, ich grinse und schlendere weiter. Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe und im Nachhinein ist es mir auf furchtbar peinlich. Aber in diesem Moment kam es mir einfach richtig vor. „Interpretiere da bloß nichts rein. Das war nur ein kleines Dankeschön fürs Auffangen“ sage ich gelassen. Ich werfe mein Haar lässig über die Schulter und gehe an ihm vorbei. Ich habe mich wieder vollends unter Kontrolle, die ängstliche und impulsive Audrey ist wieder in ihrem Käfig eingesperrt und wird so schnell nicht wieder herausgelassen. Wir treffen die andere vor einer Pizzeria. Ich schiebe einen Stuhl zwischen Mia und Niki und erzähle ihnen was passiert ist, von der Schlange und meinem mehr als peinlichem Sturz vom Baum, und von den Glühwürmchen. Mir kam der ganze Weg wie eine halbe Ewigkeit vor, doch Kaito erzählte uns, dass wir seit Leo Bescheid gesagt habe das wir auch kommen nur knapp 45 Minuten vergangen waren. Die Welt um uns herum ist vielleicht wirklich für diesen einen Moment um uns herum stehen geblieben.

Mia

Ich freue mich unheimlich für Leo, vielleicht hat sich das verzweifelte Warten ja doch gelohnt. Audrey sieht auch glücklich aus als sie über ihre abenteuerliche Reise berichtet. Ich bin froh, dass wir nun alle zusammen essen können, gut, dass ich die Idee hate zuerst auf den Jahrmarkt hier zu gehen. Die Pizza hier ist unglaublich lecker, und die Stimmung ist ausgelassen. Wir sitzen alle um einen großen silbernen Metalltisch auf einem kleinen Marktplatz. Auf einmal tauchen mehrere Leute mit einer riesigen Box auf und fangen an laut Musik zu spielen und die Leute zu animieren „Come on everybody start to dance“ schreit einer der Animatoren in sein Mikrofon.

Kapitel 13

Mehrere ältere Pärchen begeben sich auf den Marktplatz und fangen um uns herum an zu tanzen. „Come on hottie. It’s time to have some fun“ sagt der Typ am Mikro und zieht Kaito von seinem Stuhl. „Sorry, I can’t dance to this kind of music” versucht Kaito sich aus dem Griff des Animators zu winden.
Hilfesuchend sieht Kaito zu uns herüber, doch wir tun so als würden wir ihn nicht kennen. „Choose your style buddy“ sagt der Mann und schiebt Kaito zu seinem Laptop, von dem die Musik abgespielt wird. „I’m only doing this with a partner, and I want her” er deutet auf mich. Der Animator grinst und deutet seinen Kollegen an mich herzubringen. Ich versuche zu flüchten als der Rest des Teams sich auf mich zu bewegt, doch sie sind schneller und schieben mich zu Kaito in die Mitte des Marktplatzes. „Was soll das?“ frage ich ihn als er sich vom Laptop zu mir herüber bewegt. „Wenn ich mich schon blamiere, dann wenigstens nicht alleine“ sagt er grinsend und zieht mich näher zu sich heran. „Du weißt genau das ich nicht tanzen kann“ zische ich ihn an, alle Blicke sind auf uns gerichtet. „Oh glaub mir diesen Tanz kannst du in und auswendig“ sagt er selbstsicher und legt meine Hand auf seine Schulter und seine eigene auf meine Hüfte. Walzer Stellung? Ich kann keinen Walzer tanzen. Da endet der aktuelle Song und Kaitos Wunsch Song beginnt zu spielen. „Das ist nicht dein Ernst?“ frage ich ungläubig „Und wie es das ist, und nun sei mein Baby“ sagt er und wirbelt mich herum. Es spielt doch tatsächlich The time of my life über den ganzen Marktplatz und alle schauen zu. Ich sehe aus dem Augenwinkel heraus, dass Niki alles haarscharf mit ihrem Handy filmt. Das hat mir gerade noch gefehlt, ich mache mich lächerlich und es ist für die Ewigkeit konserviert.
„Entspann dich“ flüstert Kaito mir ins Ohr als er mich zu sich dreht. Aber er hat Recht, ich kenne diesen Tanz in und auswendig und er auch.

Wir beide haben mal zusammen einen Tanzkurs besucht, zu dem ich ihn genötigt habe und dort war unsere erste Wahl Dirty Dancing. Kaito wirbelt mich wild hin und her und tatsächlich habe ich Spaß.
„Du machst das ganz toll Baby“ sagt er und wir beide mimen Baby und Johnny nach. „Du bist auch nicht schlecht, du Johnny Castle Kopie“ stichle ich und werfe meine Haare wild umher. Es fühlt sich unglaublich an, um mich herum sehe ich nur funkelnde Lichter, und Kaito dessen Blick die ganze Zeit auf mir haftet. Meine Knie brenne und jedes Mal, wenn Kaito seine Hand wieder zurück auf meinen Rücken legt jagt mir ein blitzartiger Schmerz durch den ganzen Körper aber das war es wert. Ich erlebe hier gerade meinen Once in a Lifetime Moment. Das ist dieser Moment, in dem man nicht glaubt das es wirklich passiert, man durchlebt einen Moment so surreal wie als wäre man in einem Film.

„Mach dich bereit“ zischt er mir zu, und ich höre am Lied, dass es bald Zeit wird für die Hebefigur wird. „Ich kann das nicht“ deute ich ihm mit den Augen an.
Im Tanzkurs hat mich Kaito fallen lassen und ich war 3 Wochen gehandicapte mit einem gebrochenen Arm. „Vertrau mir“ mimt er mit den Lippen. Das ist sicher eine dumme Idee, aber irgendwie vertraue ich ihm dennoch. Wehe er lässt mich wieder fallen. Die Stimme singt „Peopleee, cause IIIIIIII had the time of my life” und ich renne auf Kaito zu und springe ihm in die Arme. Er hebt mich wirklich über seinen Kopf. Ich gebe mir allergrößte Mühe meine Spannung zu halten und Kaito dreht uns im Kreis. Die Leute klatschen und ich genieße alles davon. „Siehst du? Ich habe doch gesagt ich lasse dich nicht fallen“ sagt Kaito zu mir hoch, dann lässt er mich herunter und schließt mich in seine Arme. „Ok that was very impressive“ sagt der Moderator und klopft uns beiden auf die Schulter. Völlig aus der Puste schlurfen wir wieder zu den anderen zurück.

Schwerfällig lassen wir uns in unsere Stühle sinken und klatschen uns ab.
„Ihr beide das war unglaublich. Wo habt ihr das gelernt?“ fragt Michelle und starrt mich aufgeregt an. „Diese Dame da-“ Kaito holt erneut Luft „- wollte unbedingt diesen beschissenen Tanzkurs machen, und hat mich angefleht mitzukommen“ er wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Gibs zu, der Kurs hat dir am Ende mehr Spaß gemacht als mir“ entgegne ich und genehmige mir einen großen Schluck von Kaitos Cola. „Keine Sorge, ich habe alles aufgenommen. Da gibt es etwas das du sehen musst“ flüstert mir Niki ins Ohr und lächelt verschmitzt.

Als wir uns gegen halb 1 zum Auto zurückbewegen, erdrückt mich eine gewaltige Müdigkeit. „Na, etwa schon müde?“ stichelt Kaito vom Beifahrersitz aus. Ich ignoriere ihn einfach und beobachte wie Leo, Audreys und sein Fahrrad in den Kofferraum quetscht. Ich verschlafe die gesamte Rückfahrt und schleppe mich mühsam die Treppe ins Obergeschoss hoch und werfe mich auf mein Bett.

„Nicht schlafen Mia“ schreit Niki mir ins Ohr und rollt sich neben mich ins Bett. Sie hält mir ihr Handy direkt unter die Nase und spielt das Video vom Marktplatz ab. „Schau mal wie Kaito dich ansieht“ sie zoomt das Video heran und ich sehe, wie Kaitos Blick immer wieder zu mir herüber wandert, und er dabei lächelt. Er sieht so süß aus und ich sehe, dass er wirklich Spaß hat in diesem Moment. „Ach, ich sehe da nichts“ sage ich zu Niki und schiebe ihr Handy weg. Irgendwie möchte ich diesen Moment nur für mich behalten. „Na gut“ sagt sie und wirft sich auf ihr eigenes Bett. „Kannst du mir das Video dennoch schicken?“ frage ich vorsichtig „Schon längst geschehen. Du bist viel zu einfach zu durchschauen“ sagt Niki kichernd. „Leute, auch wenn das erst der 3 Tag war liebe ich diesen Trip jetzt schon“ sagt Laura und stützt sich auf ihre Bettkante.

„Es ist gar nicht mal so übel“ sagt Audrey, welche sich vor dem Spiegel die Haare bürstet. „Liegt das an uns oder daran, dass du mit Leo allein unterwegs warst“ stichle ich vorsichtig und beobachte ihre Reaktion. „An beidem“ sagt sie zögerlich, ohne uns anzusehen. Niki, Laura und ich wechseln hastig ein paar Blicke und kreischen dann lauthals los. „Oh mein Gott, das ist nicht dein Ernst, oder? Was ist mit der Audrey passiert die jede noch so kurze Minute mit Leo gehasst hat“ prustet Laura los. Wir sind alle wirklich überrascht, so eine Reaktion gab es noch nie. Genau deshalb löchern wir sie mit Fragen, ich habe keine Ahnung wie lang, aber irgendwann mittendrin bin ich wohl eingeschlafen.

Die Sonnenstrahlen wecken mich und ich öffne zögerlich die Augen. Das Licht brennt in den Augen. Ich setzte mich auf und strecke mich, meine Haare sind total zerzaust, und ich ertaste einen gigantischen Knoten. Müde schlurfe ich zum Fenster und öffne es. Eine warme Brise weht mir entgegen, also schließe ich meine Augen und genieße den warmen Wind auf meiner Haut. Schleppend begebe ich mich auf den Weg zur Tür. Als ich das Zimmer verlasse, regen sich auch die anderen in ihren Betten. Ich stapfe Richtung Bad, welches sich am Ende des Flurs befindet, welcher das Obergeschoss abteilt. Wenn man ins Bad im Obergeschoss will, muss man von der Treppe aus einfach nur gerade aus gehen, und wenn man zu uns will muss man von der Treppe aus einfach die erste Tür rechts. Ich greife gerade nach der Türklinke zum Bad als die Tür auch schon aufgerissen wird und Joel mir gegenübersteht. Joel blinzelt mich verschlafen an, dann quetsch er sich an mir vorbei und begibt sich ins Erdgeschoss herunter. Warum ist er hier im zweiten Stock, obwohl neben dem Jungenzimmer auch ein Bad ist? Vermutlich denke ich wieder über unnötige Kleinigkeiten nach. Als ich aus dem Bad komme, kommt mir Audrey mit hochrotem Kopf entgegen.

Als sie mich sieht dreht sie sich schnell weg und sprintet die Treppe runter. Das ist doch mehr als verdächtig, also schleiche ich ihr hinterher. Ich verstecke mich hinter einer Wand und schaue vorsichtig um die Ecke. Audrey steht in der Küche und unterhält sich mit irgendjemandem. Ich bin zu weit weg, um zu hören mit wem sie sich unterhält, und eine blöde Stützsäule verdeckt die zweite Person. Ich verrenke meinen Hals und stelle erschrocken fest, dass sie sich mit Joel unterhält. Deswegen war er also oben gewesen, er hat auf Audrey gewartet, und ich habe ihn gestört. Aha so läuft der Hase also. Ich versuche angespannt zu lauschen, doch ich verstehe kein Wort von dem was sie sagen.
Als ich noch einmal den Hals verrenke und um die Ecke schaue sehe ich wie Joel Audrey in die Arme schließt und ihr einen Kuss auf die Stirn gibt. Leise renne ich die Treppe hoch und schmeiße Niki und Laura aus ihren Betten. „Kommt mit“ zische ich und ziehe sie die Treppe herunter. Die beiden sind immer noch nicht richtig wach und verstehen meine Aufregung erst als ich ihnen andeute das sie um die Ecke schauen sollen. Ihnen fällt beinahe die Kinnlade herunter, ich schaue ebenfalls noch einmal um die Ecke und kann meinen eigenen Augen nicht trauen. Die sonst so gefasste Audrey, schaut mit großen Kulleraugen zu Joel hoch und küsst ihn, sie küsst ihn. Das ist doch nicht zu fassen. „Das ist doch wohl-“ gerade will ich anfangen zu meckern als mir Laura den Mund zu hält. Die beiden ziehen mich die Treppe wieder hoch. Erst als wir in unserem Zimmer sind lassen sie mich los und schon komme ich voll in Fahrt „Wie kann sie nur! Und was ist mit Leo! Sind die zwei etwa schon zusammen? Und wenn ja, wie lange, und warum wissen wir nichts davon? Ich dachte unter Freundinnen erzählt man sich alles“ ich stoppe, um wieder Luft zu holen. „Das ist so unfair, wieso redet sie nicht mit uns darüber? Wir erzählen ihr auch immer alles, denkt sie wir würden das nicht akzeptieren?“ fragt Niki.

Ich habe keine Antwort auf ihre Fragen „Laura geh mal kurz runter und hör nochmal was die beiden sagen. Für uns beide ist es denk ich schwerer die Fassung zu bewahren“ sage ich und sie geht auch tatsächlich runter. Ungeduldig warten wir, bis sie wieder ins Zimmer kommt „Sie sitzen auf dem Sofa und Audrey sitzt auf Joels Schoss. Er meinte das sie euch endlich sagen soll, dass sie seit fast zwei Monaten zusammen sind. Doch sie meinte das ihr das nicht verstehen würdet“ da hat sie recht wir verstehen es wirklich nicht. Was findet sie bloß an Joel? Mag sie etwa seine süßen Locken, oder eher seine tiefblauen Augen? Oder seinen durchtrainierten Körper? Okay, wenn ich so darüber nachdenke wird mir klar das Leo dagegen eher schwach rüberkommt.
Trotzdem, dass sie uns nichts gesagt hat ist einfach unfassbar. Plötzlich hören wir Schritte auf der Treppe. Ich gehe zur Tür und presse mein Ohr gegen das kalte Holz. Ich kann zwar kaum etwas genaues hören, doch ich erkenne deutlich Audreys und Joels Stimme. „Sag es ihnen!“ sagt Joel bestimmend „Ja, ja!“ sagt Audrey abweisend. Wenn sie jaja sagt heißt das so viel wie, dass sie es uns nicht erzählen wird. Vorsichtig schaue ich durchs Schlüsselloch, und mir fällt fast die Kinnlade herunter. Joel drückt Audrey einen langen sehr langen, feuchten Kuss auf die Lippen. Ich stehe vom Boden auf und versuche den beiden pantomimisch so gut es geht darzustellen was ich gesehen habe. Die Klinke wird heruntergedrückt, Ninja mäßig werfen wir uns in unsere Betten und tun so als ob wir schlafen. Der Plan funktioniert und Audrey schleicht sich nichtsahnend ins Zimmer. Sie will gerade wieder unter ihre Decke schlüpfen, als wir uns wie ein bedrohlicher Mob um sie herum platzieren. „Ist was Leute?“ frage sie und setzt sich auf. „Hast du uns nicht etwas zu sagen?“ sagt Niki mit einem Zwinkern. „Nein. Nicht das ich wüsste“ aha sie will also immer noch schweigen.

Vermutlich würde es nichts bringen sie unter Druck zu setzen, Niki und ich wissen das nur allzu gut. Sie muss es uns schon freiwillig erzählen, sonst würde das nichts bringen. Audrey war in solchen Dingen wie eine Auster, wenn man sie bedrängt macht sie die Klappe zu und nicht mehr auf. Mit hängenden Köpfen werfen wir uns alle für eine weitere gute Stunde ins Bett. Gegen halb 10 stehen wir endgültig auf. Es ist nicht so dass wir geschlafen hätten, eigentlich haben wir meinen Laptop in der Mitte des Zimmers aufgestellt und Disneys Hercules geschaut. Irgendwie traurig, nicht wahr? Ich schlüpfe in meinen kurzen roten Jumpsuit mit süßen Sonnenblumen drauf und binde mir die Haare zu einem hohen Zopf zusammen. Wie kann es so früh am Morgen nur schon so warm sein? Niki holte sich ein Pastell blaues Babydoll Kleid aus dem Schrank, es ist kurz, luftig und wirklich niedlich. Es steht ihr super.
„Mia willst du mir einen Bauernzopf flechten“ fragt sie und sieht mich freudestrahlend an. „Klar setzt dich my lady“ sage ich und deute auf den Boden zu meinen Füßen. Laura zieht sich eine kurze schwarze Latzhose an und dazu ein trägerloses orangenes Top. Audrey sieht wie immer etwas zu perfekt aus, fast schon gruselig. Während wir mit losen Strähnen und rutschenden BHs kämpfen läuft bei ihr irgendwie immer alles reibungslos. Sie trägt einen grauen knöchellangen Sommerrock und dazu eine rote Bluse, die sie vor ihrem Bauch locker zusammengeknotet hat. Wir sehen scharf aus, auch wenn es traurig ist das wir uns das selbst sagen müssen. Ich bin wirklich froh, dass ich kein Make-up tragen muss, klar ich liebe es, aber eigentlich tue ich es nur wenn was Besonderes ansteht, oder weil ich mich vor den anderen schäme für die wenigen Pickel, die ich habe. Aber dies hier sind alle meine Freunde, und selbst Kaito hat mich schon so oft ohne Make-up gesehen, das es in Ordnung ist.

Am Anfang dachte er zwar das ich krank sei, weil ich so bleich aussah aber als ich erklärt habe das ich einfach nur kein Make-up trage war die Sache damit gegessen.

Im Gleichschritt marschieren wir in die untere Etage und in Richtung Jungs Zimmer. Leise öffnet Audrey die Tür, und wir schlüpfen hinein. In dem Zimmer ist es komplett dunkel und zuerst denke ich das hier drin irgendwas verwest, aber beim genaueren betrachten ist es nur der ekelerregende Schweißgeruch der 5 vor uns schnarch-enden Jungs. Zaghaft tasten wir uns durch das dunkel hinüber zu den Betten, wohl bedacht auf keiner Unterhose oder so auszurutschen. Dieser Boden ist wie ein Minenfeld aus Schmutz. Wie kann man in so kurzer Zeit nur so viel Dreck machen?
Wir verteilen uns um die Betten von den Jungs, natürlich stelle ich mich zu Kaito ist doch logisch. Niki steht neben Emilio und sieht im fasziniert dabei zu wie ihm der Sabber vom Kinn tropft. Mal ernsthaft, wir sind alle wirklich berechenbar. Außer Audrey, ich war mir sicher sie würde Joel gleich aus dem Bett treten, doch überraschender Weise steht sie am Rande von Leos Bett und grinst ihn an. Am liebsten würde ich jetzt die Fassung verlieren und laut werden, aber irgendwie ist es ja logisch, schließlich will sie es ja geheim halten. Laura steht hilflos an der Tür und sieht sich unentschlossen um. Sie ist mit den Jungs nicht so eng befreundet wie wir, deshalb fühlt sie sich sichtlich unwohl in deren Zimmer. Ich zische sie an du deute ihr mit der Hand an sie solle Tom wecken, lieber ihn als Joel. Tom würde sich wenigstens freuen geweckt zu werde, irgendwie rechne ich bei Joel mit einer sehr gereizten Reaktion. Quietschend wird die Tür einen Spalt aufgeschoben und Michelle schiebt ihren Kopf zur Tür rein. „Kann ich euch helfen? Sieht spaßig aus, Cindy schläft noch und mir ist mega langweilig“ flüstert sie und schaut uns bittend an. Schnell wechsele ich mit den anderen ein paar Blicke, und da wir eigentlich alle nichts gegen Michelle haben winken wir sie zu uns herein.

Leise zähle ich bis drei runter und schreie „DREI!“ dann reißen wir ihnen die Decken weg und ich ziehe die Rollladen hoch und der grelle Sonnenschein fällt ins Zimmer. Die Jungs stöhnen und versuchen sich so gut es geht vor der Sonne zu schützen. Kaito blinzelt kurz in die Sonne und legt sich sein Kissen übers Gesicht „Zieh Leine“ nuschelt er durch die Federn und versucht mich mit einem Arm vom Bett zu schieben. Ich mache mich schwer und lehne mich gegen sein Drücken. Murrend dreht sich Kaito auf den Bauch „Komm schon steh auf“ maule ich und ziehe an seinem T-Shirt. Keine Reaktion, ich setze mich auf seinen Rücken und trommele mit den Händen auf ihm herum. Stöhnend versucht er meine Hände wegzuschlagen.
Audrey zieht Leo am Arm, und zwar solange bis er mit einem lauten Knall aus dem Bett fällt. „Ach verdammt, was soll’n der Mist?“ flucht er und reibt sich den Kopf. Als er Audrey mit verschränkten Armen und einem eisernen Blick vor sich stehen sieht wird er plötzlich ganz ruhig. „Morgen“ sagt Audrey und streckt ihm eine Hand entgegen. Still greift er ihre Hand und lässt sich von ihr hochziehen. Mein Blick wandert zu Niki hinüber welche Emilio nervös in die Seite piekst. Emilio kichert leise vor sich hin und lässt es über sich ergehen. Er bleibt kalt wie Stein und regt sich nicht einen Millimeter. Sie beginnt ihn zu kitzelt, so lange bis er das Kissen, hinter dem er sich versteckt weglegt und sich aufsetzt, um sie anzusehen.
Er streckt seine Hände nach ihr aus und fängt nun an sie zu kitzeln. Sie kann kaum atmen vor lauter Lachen und rutscht auf dem Müll auf dem Boden aus und landet auf ihrem Hintern. Plötzlich verstummt ihr Lachen und sie sieht peinlich berührt zu Emilio hoch. Dieser starrt von seinem Bett aus auf sie runter und grinst über beide Ohren. Michelle bohrt Joel ihren spitzen Fingernagel in den Rücken, wodurch dieser mit schmerzverzerrtem Gesicht brüllt „Was soll das?“ er reibt sich den Rücken.

Ich grinse in mich hinein, ich finde das war ein super Weg ihn zu wecken. Er hat es verdient. Warum? Das weiß ich selbst nicht, aber es fühlt sich richtig an.
Laura aber beugt sich nach vorne zu Toms Ohr und flüstert etwas Das Einzige was ich verstanden habe ist das Wort Unterwäsche. Wie von der Tarantel gestochen schreckt Tom hoch und sieht sich um. Als sich unsere Blicke treffen, wandert sein Blick einmal über meinen ganzen Körper und er atmet deutlich hörbar enttäuscht aus. Fehlt nur noch Kaito „Kaito wach auch“ flehe ich fast schon und trommle weiter auf seinem Rücken rum. Mit einem lauten Murren bewegt er sich, hastig klettere ich von ihm runter und er dreht sich endlich um. Er legte das Kissen weg und setzte sich auf. Ich setze mich neben ihn und sehe ihn an. Seine Augenbraue zuckt langsam, das heißt nichts Gutes für mich. „Mia!“ ruft er und nimmt mich in den Schwitzkasten „Spinnst du? Das tut weh“ sage ich und versuche seinen Arm von mir zu lösen. „Kaito du stinkst“ sage ich und huste leicht aufgesetzt. Er lässt mich los und öffnet das Fenster.

Unsere Mädels Brigade macht sich bereit für den Rückzug „Und ja nicht wieder einschlafen“ sagt Niki und schließt die Tür hinter uns. Wir hören noch, wie sie uns hinterher brüllen „Bald kommt die Rache.“ Wir gehen auf die Veranda und decken den Frühstückstisch, irgendwie fühle ich mich wie eine Mutter, die sich um ihre 5 Babys kümmern muss. Die Jungs kriegen echt sehr sehr wenig alleine hin, ich glaube ohne uns würden sie einfach nur den ganzen Tag Cornflakes essen. Als die Jungs dann nach fast 20 Minuten auch aus ihrem Zimmer kommen fangen wir mit dem Essen an. Aber irgendjemand fehlt? Ach ja Cindy, es war so angenehm still, aber wenn man vom Teufel spricht, da kommt sie auch schon aus ihrem Zimmer hinter der Treppe gestampft. „Wieso hat mich keiner geweckt? Bin ich etwa nicht wichtig? Schatz hast du mich etwa vergessen?“ sagt sie und setzt ihr schmoll Gesicht auf.

Kapitel 14

Fast schon hörbar verdrehe ich die Augen. „Nein. Du bist die wichtigste überhaupt“ sagt Emilio und schließt sie in den Arm. Also für den Rest der Gruppe war sie anscheinend auch wirklich wichtig, denn nicht mal ihre beste Freundin hat gemerkt das sie fehlt. Niki senkt traurig den Kopf, mitfühlend legt Leo ihr den Arm um die Schultern und drückt sie. Ich mustere Cindy angestrengt von Kopf bis Fuß. Für meinen Geschmack ist sie wie immer etwas zu freizügig angezogen. Sie trägt eine schwarze kurze Hose aus der, der halbe Arsch raushängt, so als hätten die Hersteller bei der Hälfte keinen Stoff mehr gehabt und ein Top das zu eng sitzt in der hässlichen Farbe violett. Emilio setzt sich zurück neben Niki. Cindy quetscht sich daneben und verdrängt so Niki von ihrem Platz neben ihm. Durch Cindys Anwesenheit verläuft der Rest des Essens eher schweigsam.

Nach dem Essen fahren wir mit dem Mietwagen ins Dorf, um eine richtige Shoppingtour zu machen. Uns fehlt noch alles, wie zum Beispiel Essen, Wasser, Waschmittel und all sowas.
Sofort als wir im Auto sitzen und losfahren wollen flehe Tom an, wieder meine CD einzulegen. „Bitte Tom nur noch einmal “bettele ich und mache große Kulleraugen, solange bis er nachgibt. „Meinetwegen. Aber nur noch einmal“ sagt er „YEAHHHH“ quietsche ich und befehlige Kaito die CD einzulegen. Ich quetsche mich zwischen den Kopfstützen vorbei und spule einige Lieder vor, bis ich schließlich bei einem stehen bleibe. Ich brauche irgendwie etwas das mir gute Laune macht. Niki beginnt die Melodie zu summen und am Ende singen wir alle „Let’s groove tonight“ von Eart, Wind & Fire. Als wir im Dorf ankommen teilen wir uns in zwei Gruppen auf. Ich, Kaito, Audrey, Tom und Niki bilden die erste Gruppe.
Cindy, Michelle, Laura, Joel, Leo sowie Emilio die zweite. Meine Gruppe ist für Lebensmittel und Getränke zuständig und die andere Gruppe übernimmt den Rest. Niki hackt auf unserer Liste alles ab und Tom schiebt denn Wagen. Mit mir Einkaufen gehen ist ein wahrer Fluch. Kaito weiß das besser als jeder andere, weil ich ihn immer zum Einkaufen mitschleppe, denn ich habe keine Lust die Wasserkästen in den zweiten Stock zu tragen. Also weicht er mir im Supermarkt keinen Schritt von der Seite und nimmt mir alles aus der Hand was nicht auf dem Einkaufszettel steht. Als ich anfange das Gesicht zu verziehen und schmolle erlaubt er mir ein paar Tüten Chips zu kaufen. Freudig durchstöbere ich die verschiedenen Regale, um auch ja die besten Sorten ausfindig zu machen.
Alles läuft reibungslos und wir sind in weniger als 2 Stunden wieder alle am Auto versammelt. Während die Jungs alles einladen, rette ich meine Tüten Chips davor in den Kisten zerquetscht zu werden und bringe sie in die sichere Zone, meinen Sitz. Eine Packung Chips öffne ich und kaum ist sie offen greifen schon alle mit ihren Händen hinein und holen sich Chips aus meiner Tüte. Als ich reinschaue ist die Tüte fast leer, geschockt bewache ich sie nun wie einen Schatz. Wie als wäre ich Golum und sie mein Ring. Als wir wieder an dem Ferienhaus ankommen tragen die Jungs die Kisten ins Haus. Natürlich könnten wir Mädels auch ein paar Kisten tragen, aber sobald wir auch nur eine hochheben wird sie uns aus der Hand genommen. Ich glaube das würde zu sehr an ihrem Ego kratzen würden wir die schweren Sachen tragen. Dafür dürfen wir alles in der Küche verstauen und sortieren. Ich liebe das, so weiß ich immer direkt wo die leckeren Sachen aufbewahrt werden, und meine Süßigkeiten werden so auch perfekt versteckt. Nach getaner Arbeit genehmigen wir uns ein Eis auf der Veranda und starren in die Sonne.
 

„Und was machen wir nun?“ fragt Joel. Für eine kurze Weile ist es ganz ruhig.
Niemand sagt etwas, also sage ich unsicher „Wie wär’s wenn wir ans Meer fahren?“
Keiner antwortet, na toll war wohl zu leise, doch dann sagt Emilio „Ich finde das ist eine klasse Idee. Wenn wir schon hier sind, sollten wir das Meer doch genießen.“ Alle zucken zustimmend mit den Schultern. Freudestrahlend hüpfe ich in unserem Zimmer herum „Leute das wird klasse, das Meer ist bestimmt wunderschön“ quieke ich und grinse. „Jaja wir wissen das du das Meer liebst“ sagt Audrey und schmiert sich mit Sonnencreme ein. „Also ich freue mich, ich war gestern zum ersten Mal am Meer“ sagt Laura und schlüpft in ihren Bikini. Wann war eigentlich das letzte Mal, das ich am Meer war? Ich glaube das war vor zwei Jahren als ich mit Kaito und unserem Bio Kurs an der Nordsee war. Ich habe keine guten Erinnerungen an diesen Trip, ich bin im Wattenmeer stecken geblieben und als Kaito versucht hat mich rauszuziehen bin ich mit dem Gesicht im Watt gelandet.
Ich hole meine Strandtasche aus dem Koffer und packe Sonnencreme und eine Taucherbrille sowie zwei Handtücher ein. Ich überlege lange hin und her, welchen Bikini ich nehmen soll und entscheide mich schlussendlich für den schwarzen trägerlosen Bikini mit dem Rüschenmuster. Als wir uns vor dem Haus treffen fehlt nur noch Cindy. Aber wen wundert’s? Dieses Mädchen ist immer zu spät, sie denkt die Welt würde sich nur um sie drehen. Als sie dann endlich kommt schnappen wir uns die Räder und fahren durch denselben Wald, in dem ich mich verlaufen habe, nur dieses Mal weiß ich, wo ich lang muss. Ungefähr 20 Minuten später halten wir am schneeweißen Sandstrand. Wir hätten schneller hier sein können, aber ich bin immer noch nicht fit und daher sind wir relativ langsam gefahren. Wir suchen uns einen Platz unter den schattigen Pinienbäumen, die den Strand umgeben.

Ich breite mein Aladdin Handtuch aus und natürlich kann sich Tom ein Grinsen nicht verkneifen. Wir ziehen uns aus und ich begutachte die Outfits der anderen. Audrey trägt ihren trägerlosen weinroten Bikini, mit dem Rüschenvorhang am Oberteil. Er steht ihr wirklich wunderbar, ich sehe im Augenwinkel wie Leo und Joel sie vorsichtig anstarren. Niki trägt ihren weißen Bikini und der von Laura erst. Wow, also wow sie sieht Hammer aus. Sie trägt einen sonnengelben Neckholder, ihre schwarzen Haare sind ein super Kontrast dazu, und mir ist vorher noch nie aufgefallen, was für eine super Figur sie hat. Naja Cindy trägt wie immer ihre Lieblingsfarbe, pink. Es sieht ganz nett aus, aber im Vergleich mit Michelle verblasst Cindy irgendwie. Michelle trägt einen orangefarbenen trägerlosen Bikini und ein paar Jungs, die den Strand entlang gehen, drehen sich nach ihr um. „Auf ins Wasser“ jubeln Niki und ich und wir laufen Hand in Hand ans Meer. Vorsichtig gehen wir bis zu den Knöcheln ins Wasser.
Es ist angenehm frisch, nicht zu kalt, aber auch nicht zu warm. Wir gehen langsam immer tiefer ins Wasser, die größte Überwindung ist es bis zum Hals unterzutauchen. Niki und ich kichern wegen des sanften Prickelns auf der Haut, als wir ganz untertauchen. Die anderen Mädchen kommen zögerlich immer tiefer ins Wasser. Die Jungs hingegen stürmen regelrecht hinein und spritzen uns mit Wasser nass, wodurch wir amüsiert kichern. „Na du süße“ sagt eine Stimme hinter mir. Ich drehe mich um und stehe vor einem Riesen. Er hat Mandelförmige Augen und sehr viele Tattoos auf seinen muskulösen Armen, wow. Seine Haare sind dunkelbraun gefärbt und er grinst mich aus fast zwei Metern Höhe an. „Na“, sage ich leicht eingeschüchtert „Wie heißt du denn? Ich für meinen Fall heiße Tao“ fragt er und stemmt die Hände in die Hüfte. Seine Augen sind genau so schön wie die von Kaito, ich verliere mich darin. Es dauert ein paar Minuten, bis ich wieder in der realen Welt ankomme

„Du kannst mich Mia nennen, und das ist meine Freundin Niki“ sage ich und drehe mich um. Ich stelle überrascht fest das Niki gar nicht mehr da ist. Ich bemerke das ich ziemlich weit vom Strand abgetrieben bin. „Hi Mia und unsichtbare Freundin“ sagt er spöttisch. „Das ist nicht witzig“ sage ich und starre auf den Grund des Meers. Er lacht. Ich deute zum Strand, um ihm zu zeigen, wo meine Freunde sind. „Komm mit und ich stell sie dir vor“ sage ich und ziehe ihn am Arm hinter mir her, vermutlich bin ich etwas zu unvorsichtig, aber er wirkt nicht wie eine bedrohliche Person, irgendwie finde ich ihn sympathisch. Der weiche Sand unter meinen Füßen fühlte sich schön an, doch plötzlich verliere ich den Boden unter den Füßen und ich rutschte unter die Wasseroberfläche.
Es passiert so ruckartig, dass ich keine Luft mehr holen kann. Ich spüre einen stechenden Schmerz im linken Fuß, es brennt wie die Hölle. Mein Bein verkrampft vor Schmerz, und ich schaffe es nicht an die Oberfläche zu schwimmen. Na super, dass kann auch nur mir passieren, erst der Sturz und nun das. Die letzte Luft, die sich noch in meiner Lunge befindet, droht zu entweichen, mein Körper schreit förmlich nach Sauerstoff. Na klasse, natürlich habe ich so geträumt das ich im tiefen Wasser gelandet bin. Wenn man gerade so auf Zehenspitzen stehen kann und dann auch noch in ein beschissenes Loch rutscht, dann hat man ein Problem. Jemand greift mich von oben und zieht mich zurück an die Oberfläche. Wie wild japse ich nach Luft. Tao hält mich in seinen Armen und sieht mich geschockt an. Ich falle ihm um den Hals „Danke“ japse ich und weine. Er streichelt mir durch die nassen Haare und drückt mich fest. „Ist ja alles gut. Du kannst doch nicht einfach so einem fremden Kerl um den Hals fallen“ sagt er scherzhaft „Was war denn los? Warum bist du nicht wiederaufgetaucht?“ „Ich bin auf etwas draufgetreten und mein Bein ist verkrampft“ sage ich schluchzend.

„Geht es denn jetzt wieder?“ fragt er mit einem besorgten Gesichtsausdruck.
Ich schüttele den Kopf „Vermutlich bist du auf einen Seeigel getreten, die verstecken sich gern unter Steinen in Senkungen“ sagt er und streicht sich mit einer Hand die Haare aus der Stirn. Mit der anderen hält er mich an der Hüfte über Wasser. Na, perfekt ein Seeigel, irgendwie habe ich das Gefühl das Italien etwas gegen mich hat. „Also dann“ sagt er und taucht unter. Etwas verwundert versuche ich auf dem linken Fuß zu stehen und mich über Wasser zu halten. Plötzlich taucht er unter mir auf und hebt mich aus dem Wasser. Nun trägt er mich wie eine Prinzessin in den Armen. Wie in den Filmen, nur das da die Prinzessin nicht auf einen Seeigel tritt und deshalb nicht mehr laufen kann.
Langsam trägt er mich durchs Wasser bis an den Strand. Dort angekommen navigiere ich ihn zu unseren Sachen hinüber. Kaum haben die anderen uns entdeckt kommen sie angelaufen und umkreisen mich. „Was ist passiert? “ fragen sie alle durcheinander. „Alles ist okay. Mal wieder ein kleiner Unfall meinerseits. Ich bin vermutlich auf einen Seeigel getreten“ Audrey verschränkt die Arme vor der Brust. „Also echt, irgendwie ist das nicht deine Woche“ sagt sie seufzend. Verlegen lache ich und bemerke, wie unwohl ich mich in dieser Position fühle. Die Mädels starren Tao an und die Jungs begutachten ihn kritisch. „Das ist Tao“ sage ich und deute auf ihn. Er grüßt sie mit einer leichten Handbewegung und hebt mich dann wieder etwas höher auf seinen Arm. „Wassup“ sagt er lässig und setzt mich auf meinem Handtuch ab. Mein Bein sticht immer noch, ich lege es vorsichtig auf dem Boden ab. Tao hebt meinen Fuß hoch und begutachtet ihn gründlich „Wie es aussieht sind keine Stacheln abgebrochen. Also wird es bald weggehen.“ Er grinst mich an und klopft mir aufmunternd auf die Schulter.

„He Tao, wie lange hattest du vor mich warten zu lassen?“ schreit eine männliche Stimme von irgendwo her. Ein großer Mann kommt auf uns zu. Er hat blond gefärbte Haare und seine Brust ist übersäht mit Tattoos, ein bisschen sieht er aus wie ein Mitglied der chinesischen Mafia aus den Hollywoodfilmen
„Hier ist deine Brille“ sagt er und gibt Tao eine Runde Brille, mit großen Gläsern. Als er sie aufgesetzt hat ist es zwar erst etwas fremd doch es sieht super süß aus. „Brauchst du nh Brille?“ frage ich, obwohl es eine sehr offensichtliche Antwort auf diese Frage gibt. „Ja, ohne sehe ich alles wie durch ein milchiges Glass“ er grinst mich an und fügt hinzu „Jetzt kann ich endlich sehen was für ein süßer Fang mir da doch um den Hals gefallen ist.“ „Wow, das war echt schlecht“ sagt sein Kumpel und lacht, dafür kassiert er auch direkt einen Schlag gegen den Arm. „Übrigens das ist Lou, wir sind leider Mitbewohner“ sagt Tao mehr als sarkastisch und knufft Lou in die Seite. Wir sehen ihn etwas verwundert an. „Na fragt ihr euch gerade, wie alt wir Pracht Exemplare sind?“ fragt Lou und fährt sich selbst gefällig durch die Haare. Keiner von uns hat sich das gefragt, das kann ich an Audreys und Nikis angewidertem Gesicht erkennen.
„Ähm eigentlich nicht, aber wenn du es schon so ansprichst“ fährt Michelle ihm in die Parade. „Mister Adonis da drüben und ich“ er deutet mit einem Kopfnicken auf Tao „sind beide stolze 21.“ Überstolz stemmt er die Hände in die Hüfte und zwinkert Michelle zu. Michelle starrt ihn eisig an, sie ist diese Art von Mädchen, die jedem Jungen ihre deutliche Abneigung offen und ehrlich zeigt, doch irgendwie ist ihr Blick sanfter als sonst. „Ich bin Cindy. Hi“ quatscht Cindy dazwischen und drängt sich zwischen die beiden. Ohne ihr Beachtung zu schenken schiebt er sich an ihr vorbei und stellt sich zu mir und Tao. Krampfhaft versuche ich ein Lachen zurück zu halten, als ich Cindys entgeisterten Blick sehe.

„Michelle, hör doch auf ihm so hinterher zu starren“ ruft Niki ganz direkt und grinst Michelle hämisch an. Alle Augen richten sich auf Michelle welche rot anläuft. Wir brechen in schallendes Gelächter aus „Braucht dir doch nicht peinlich zu sein“ sagt Lou und zwinkert ihr zu. Niki setzt sich zu mir auf den Boden und flüstert mir zu „Das ist das erste Mal, dass ich sie rot werden sehe. Er scheint ihr zu gefallen“ wir beide kichern wie zwei kleine Mädchen. „Was lacht ihr zwei denn da?“ fragt Tao und setzt sich zu uns. Wir weihen ihn in unsere kleine Theorie ein und er grinst verschwörerisch. Tao und Niki verstehen sich blendend, so als wären sie schon immer Freunde gewesen. Tao berichtet uns das er und Lou gerade in ihren Semesterferien sind und insgesamt noch eine weitere Wochen hierbleiben würden. Er schiebt seine Brille hoch und sagt „Lou und ich studieren beide Geschichten an, in Wahrheit sind wir zwei echt die Bücherwürmer, aber das sieht man ja nicht“ er lacht.

Er hat ein süßes Lachen, ich vergesse dadurch wirklich, wie sehr mein Fuß noch immer sticht. Ab und an spüre ich einen bohrenden Blick im Nacken, doch jedes Mal, wenn ich mich umdrehe lächelt mich nur Kaito sorglos an. Die anderen planschen sorgenlos im Wasser und winken freudig zu mir herüber während ich unter den Pinien sitze. Tao sitzt die ganze Zeit bei mir und leistet mir Gesellschaft. Wir reden über alles, über unsere Musikvorlieben und über die Reisepläne, die wir noch haben. Es fühlt sich schön, aber ich habe irgendwie das Gefühl, das ein Sturm aufzieht. Denn Kaito hat die gesamte Zeit nicht ein Wort mit mir geredet, und starrt mich durchwegs feindselig an. Tom winkt mir vom Wasser aus zu und ich winke freudig zurück. „Na wer lächelt den da auf einmal so freudig?“ stichelt Tao und knufft mich in die Seite. „Ist da jemand in den blonden Schönling verguckt? “ er schiebt sich die Brille zurück auf die Nase und sieht mich erwartungsvoll an.

„Gar nicht wahr, Tom und ich sind sowas wie ein Hirn und Muskel. Egal mit welcher noch so dummen Idee ich auch komme, er ist immer der erste der bereit ist sie mit mir umzusetzen“ sage ich und denke sofort an das eine Mal als wir in Chemie nebeneinander saßen und ich ihn gefragt habe was wohl passiert wenn man Spülmittel in unseren Topf mit Wasserstoffperoxid und Kaliumiodid gibt. Tja Tom hatte keine Antwort auf meine Frage, also hat er erstmal die halbe Flasche Spülmittel in den Topf geschüttet, um zu sehen was passiert. Naja, keine 5 Minuten später wussten wir was passiert, und der ganze Rest unseres Kurses auch. Es hat drei Tage gedauert unseren Chemieraum von der riesigen Schaumexplosion zu befreien die wir verursacht hatten. Der Gedanke daran lässt mich schmunzeln.
Als es anfängt zu dämmern, beginnen die anderen damit sich umzuziehen.
„Sollen wir später noch was lustiges machen?“ fragt Lou der mich gerade auf die Beine zieht. Meine Augen strahlen, obwohl der Tag heute echt scheiße angefangen hat, habe ich die Gesellschaft von Tao und Lou sehr genossen. „Ich würde-“ setze ich an, doch Kaito unterbricht mich rau „Heute besser nicht, wir sollten nach Hause fahren, wegen Mias Fuß.“ Sein Blick verrät mir das er keine Diskussion zulassen wird. Murrend humple ich an ihm vorbei. Was hat er auf einmal? Die beiden sind echt nette Menschen und alle verstehen sich gut mit ihnen, nur er stellt sich mal wieder quer. Wegen meinem Fuß sagt er, dass ich nicht lache. Bestimmt hat er irgendeinen anderen Grund, um abzusagen. Es geht ihm garantiert dabei nicht um mein Wohlbefinden. Als ich bei den Rädern angekommen bin drehe ich mich um und entscheide selbstgefällig „Aber morgen kommen wir wieder“ „Unsere Nummern hast du ja“ ruft mir Tao zu und winkt. Danach gehen die beiden in die entgegengesetzte Richtung.
 

„Soo, kommen wir zum Hauptproblem-“ Lauras Blick wandert zu meinem Fuß. „Ich kann fahren“ sage ich und trete auf. Es sticht wirklich sehr, man bemerke das wir weder Pflaster noch sonst irgendwas dabeihaben und ich einfach hoffe das es sich nicht entzündet. „Ich nehme sie Huckepack und einer schieb ihr Rad mit“ sagt Tom und geht vor mir in die Hocke. „Ich trage sie“ brummelt Kaito und schiebt Tom liebevoll und dennoch bestimmend weg. Ich spüre förmlich die Anspannung in der Luft und anscheinend bin ich nicht die Einzige. „Wie wäre das, ich trage sie einfach und wir haben uns alle lieb“ sagt Leo und hebt beschwichtigend die Hände. „Ich nehme das Angebot dankend an“ antworte ich, bevor eine weitere Diskussion vom Zaun brechen würde. Grimmig fahren Kaito und die anderen los, kaum sind sie um die erste Kurve verschwunden sagt Leo „Ich glaube du warst nicht so wild auf dieses ständige Herumgetrage also dachte ich du setzt dich einfach auf den Gepäckträger und ich fahre uns.“ Er hat Recht, ich hatte wirklich keine Lust mehr ständig wie ein Baby bevormundet zu werden, obwohl ich ja weiß das sie es nur gut meinen. Ich platziere mich auf Leos Gepäckträger und er beginnt vorsichtig zu treten. Gut das Tom mein Fahrrad neben seinem mitgezogen hat, sonst wäre dies ein neues Problem. „Würde Kaito das Sehen, würde er mir den Kopf abreißen. Er würde sagen Leo das ist viel zu gefährlich bla bla bla wir beide lachen. „Ja vermutlich würde er genauso reagieren“ der Wind kitzelt auf meiner Haut und ich genieße Leos Gesellschaft wirklich. Er ist ein lieber Kerl, ich wünsche mir wirklich, dass ihm auch etwas Gutes passiert. „Danke das du das machst“ sage ich und lehne mich leicht an ihn.
„War ja klar, dass die zwei sich in die Wolle kriegen würden“ er stoppt. Wieso ist da diese unausgesprochene Konkurrenz zwischen den beiden? Irgendwie fühle ich mich außen vorgelassen.

„Du weißt das du beiden sehr wichtig bist, oder? Kaito würde alles für dich tun, um sicher zu stellen das es dir gut geht, ich bin sicher, dass du das weißt. Und Tom versucht immer dich zum Lachen zu bringen“ irgendwie ist die Stimmung merkwürdig, aber Leo redet so lieb über seine Freunde. Und er hat Recht, ich weiß das sich beide wirklich immer, ohne zu zögern auf meine Seite stellen würden. Und ich denke auch oft darüber nach wie es wäre sich einfach in Tom zu verlieben.
Ich glaube er würde es mir nicht so schwer machen, und ich würde schneller merken woran ich bin, und er würde mich immer mit diesem süßen Lächeln begrüßen.
Aber leider ist das nicht so einfach, Kaito ist halt derjenige der mich rasend macht, mich aber im selben Moment überglücklich macht und alle Seiten an mir akzeptiert. Nur bei ihm habe ich diese andere Art von Herzklopfen, und nur bei ihm fühlt es sich so an als würde mein Herz in Fetzen gerissen, wenn wir streiten. „Das ist echt süß von dir“ sage ich und klopfe ihm von hinten aufmunternd auf die Schulter. „Außerdem, vielleicht hält mich Audrey ja so für männlicher, weil ich mich zwischen die zwei streitenden Berglöwen geworfen habe. Wer weiß?“ sagt er, und ich weiß auch ohne es zu sehen das er traurig lächelt. Ich komme mir wie eine elende Verräterin vor, ich sage ihm dauernd, dass er die Hoffnung nur nicht aufgeben soll, aber nun weiß ich das sie mit Joel zusammen ist und sage ihm nichts. Als seine engste Freundin hier sollte ich es ihm sagen, aber damit würde ich all seine Hoffnungen zum Platzen bringen, und dass bring ich nicht übers Herz. Ich schweige, bis wir an der Hütte ankommen, in meinem Kopf debattiere ich mit mir selbst darüber, ob ich ehrlich mit ihm sein soll, oder ihm einfach nichts sagen soll.

 

Kapitel 15

Kurz vor dem Eingang steige ich ab und hoffe inständig das uns eine Predigt seitens Kaitos über unsere grobe Fahrlässigkeit erspart bleibt. Audrey und Niki fangen mich im Flur ab und schieben mich auf die Couch. Audrey schmiert mir eine übelriechende gelbe Salbe auf den Fuß und wickelt straff einen Verband darum. „Damit sich die Wunde nicht entzündet“ sagt sie und schaut mich bemitleidenswert an. „Bleib erst mal 10 Minuten hier sitzen, damit die Salbe etwas eintrocknen kann und du nicht alles vollschmierst beim Laufen“ mit diesen Worten lassen mich die beiden im Wohnzimmer zurück und gehen duschen. Duschen würde ich auch echt gern, meine Haare kleben vom Salz und das Sonnenöl macht alles fettig, meine Haut sowie Kleidung. Gelangweilt schaue ich auf die Uhr, der blöde Zeiger tickt mir viel zu langsam, also schalte ich den Fernseher an. Perfekt, der Fernseher hat natürlich nur italienische Sender, aber da ich weder mein Handy noch sonst irgendwas habe, um mich abzulenken muss ich damit vorliebnehmen. Ich verstehe zwar kein Wort, aber irgendwie sieht die Serie, die ich mir anschaue, aus wie die italienische Version vom Bachelor.
Gerade entbrennt ein heftiger Streit zwischen meinen zwei Lieblingskandidatinnen Adriana und Christina um die Hand des Bachelors, als mich Niki darauf hinweist das die 10 Minuten doch schon lange um sind. Ich setze den Fuß auf und, tatsächlich hat die Salbe etwas bewirkt, es tut nicht mehr wirklich weh. Es ist zwar immer noch ein leichtes Piksen, aber ich kann wieder vernünftig laufen. Ich quetsche mich unter die Dusche und lasse das eiskalte Wasser auf mich einprasseln. Es ist echt schwer das Gleichgewicht zu behalten, wenn der eine Fuß in einer rutschigen Plastiktüte steckt, um den Verband nicht nass zu machen.  Ich hinterlasse nasse Fußabdrücke als ich das Bad wieder verlasse, freudig reiße ich die Tür zu unserem Zimmer auf. Gerade will ich wild drauflos erzählen, als ich bemerke das die anderen auf ihren Betten eingeschlafen sind. Sie haben den Schlaf bestimmt nötig so wie die im Wasser herumgetobt haben. So leise wie möglich schlüpfe ich in frische Klamotten. Ich entscheide mich für eine lockere graue Jogginghose und ein schwarzes bauchfreies Top. Mein Motto ist je lässiger und bequemer desto besser. Mit einem guten Buch bewaffnet mache ich mich auf den Weg nach unten, mit dem Plan mich einfach entspannt hinzusetzen, was zu lesen, Eistee zu trinken und den Sonnenuntergang zu genießen. Unten angekommen horche ich kurz an der Tür des Jungs Zimmers, doch auch dort vernehme ich nur friedliches schnarchen. Ich habe mich gerade auf die Veranda gesetzt, als Emilio durch die Küche schleicht. Ich klappe das gerade erst aufgeschlagenen Buch wieder zu und schleiche mich von hinten an ihn heran. „Buh“ rufe ich und springe ihn an. Erschrocken fährt er herum und sieht mich überrascht an. Ich pruste los, so ein Gesicht habe ich ja noch nie an ihm gesehen. Als ich mich wieder gefangen habe starrt er mich angesäuert an.
Hey, das ist doch die perfekte Gelegenheit mal mit ihm über Niki zu reden. Ich packe ihn am Arm und ziehe ihn mit mir nach draußen vors Haus. Auf der Veranda wäre die Wahrscheinlichkeit unterbrochen zu werden zu groß. Wir gehen an die Feuerstelle und ich setze mich nieder auf eine der Bänke. Zögerlich setzt Emilio sich auf die Bank gegenüber. Skeptisch sieht er mich an. Er legt seine Arme über die Bank und schlägt die Beine übereinander, so als wolle er seine offensichtliche Unsicherheit verstecken. Er sieht mich erwartungsvoll an „Also gut-“ setze ich an.
Ich weiß auf einmal nicht mehr, wie ich dieses Thema ansprechen soll „Emilio ich will mit dir über etwas reden“ beende ich den Satz und falte die Hände unterm Kinn zusammen. „Über was? “ fragt er und verdreht genervt die Augen. „Über Niki natürlich“ antworte ich und beobachte seine Reaktion.
 „Was soll ich dazu sagen?“ fragt er und zieht fragend die Augenbraue hoch. „Was soll das? Wieso bist du so? Du tust so als wäre alles perfekt, dabei bist du mit Cindy zusammen und machst ihr dennoch so viele Hoffnungen. Warum?“ frage ich wie eine Therapeutin. „Och man was soll das ganze denn? Willst du das wirklich wissen“ „Ja“ brülle ich zurück. Er zuckt zusammen „Ach. Also schön, Cindy ist eine Göttin, ich meine sie hat den perfekten Körper und sieht mega aus, aber sie ist nicht so lieb und nett wie Niki. Wenn ich nicht beides in einer Person haben kann nehme ich eben zwei. So läuft das“ sagt er selbstgefällig. Dieser Riesengroße Idiot, ich koche vor Wut. Am liebsten würde ich ihm so richtig fest ins Gesicht treten, doch irgendwie habe ich so ein Gefühl, das er nur versucht mich los zu werden, indem er genau das sagt was ich erwarten würde. Ich stehe auf und setze mich neben ihn, er rutscht weg. Ich boxe ihn kräftig gegen die Schulter und hoffe inständig, dass es einen dicken blauen Fleck hinterlässt. „Komm, sag mir die Wahrheit. Du täuschst Dr. DiGrazia nicht“ sage ich und versuche in seinen Augen zu lesen. Er versucht meinem Blick auszuweichen, ein Zeichen dafür das ich richtig liege. „Komm schon Emilio, wieso willst du mir nicht sagen was wirklich in dir vorgeht“ er seufzt. „Na schön, aber das bleibt unter uns“ er deutet eindringlich mit dem Finger auf mich. Ich mache mit dem Finger ein Kreuz überm Herz und er beginnt

„Also gut, es ist einfach so, selbst wenn ich Niki reintheoretisch mehr mögen würde, nur reintheoretisch, dass Cindy einfach zu sehr Teil meines Lebens ist“ er stoppt, vermutlich denkt er das damit meine Frage beantwortet ist, aber das ist sie nicht. „Ich meine, wir kennen uns ewig, sie war immer für mich da, aber irgendwann hat sie sich in diese unausstehliche Person verwandelt und ich habe einfach den richtigen Moment verpasst, um mich von ihr zu trennen“ er stoppt erneut.

„Tja ich weiß halt das ich ihr etwas bedeute auch wenn sie es nicht zeigt. Und irgendwie habe ich Angst davor etwas Neues zu starten. Wir sind immerhin schon 4 Jahre zusammen, es ist halt zu einem Trott geworden und ich fürchte mich davor wieder ins kalte Wasser geworfen zu werden und neu anfangen zu müssen“ er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
Ok wow, Emilio ist sensibler als ich dachte. „Das heißt dir ist es zu anstrengend eine richtige Entscheidung zu treffen, deshalb wartest du einfach ab und hoffst das Cindy sich entweder von dir trennt oder Niki dich aufgibt und sie dir damit die Entscheidungen abnehmen?“ frage ich und sehe ihn an. Über seinem Kopf kann ich förmlich Rauch sehen so angestrengt denkt er nach. Emilio rauft sich die Haare und seufzt „Ja du hast irgendwie Recht. Ich zögere die Sache echt heraus, aber ich will wirklich nicht das Niki mich aufgibt ich meine sie ist so lieb. Sie muss mir nur etwas mehr Zeit lassen“ sagt er und stützt das Gesicht auf die Hände. Ich lege ihm den Arm um die Schulter und drücke ihn. „Ok, ich gebe dir noch etwas Zeit, aber wenn du dich nicht bald entscheidest sage ich Niki die brutale Wahrheit. Und zwar das du nicht den Mumm hast für sie da zu sein. Und dass du niemals, niemals dich für sie entscheiden wirst, okay?“ ich halte ich ihm die Hand hin „Abgemacht“ er schlägt ein. Ich lasse Emilio noch ein Weilchen alleine grübeln und setze mich wieder auf die Veranda. Erneut schlage mein Buch auf und beginne damit die erste Seite zu überfliegen. Irgendwie habe ich das Gefühl, das ich nicht wirklich zum Lesen kommen werde. Dennoch bin bereits auf Seite zehn als ich schließlich unterbrochen werde. Audrey und Joel schleichen kichernd durchs Wohnzimmer und sehen sich dabei nervös um. Anscheinend haben sie mich noch nicht bemerkt, weshalb ich mich besonders still verhalte und auf der Bank tiefer nach unten rutsche.

Ich schiebe die Sonnenbrille hoch und beobachte die beiden heimlich. Sie setzen sich an den Tresen in der Küche und tuscheln vergnügt. „Ist ja lächerlich“ grummle ich vor mich hin, während die beiden sich gegenseitig necken und miteinander flirten. Wie können sie mich nicht bemerkt haben? Ich meine, sobald man sich nur einmal umdrehen würde, würde man vermutlich sofort sehen das ich krampfhaft versuche nicht von der Bank zu rutschen. Die beiden sind wahrlich in ihrer eigenen Welt und blenden alles andere aus. Mein eigentlicher Plan war es ja zu lesen, aber irgendwie habe ich gerade ein Verlangen rein zu gehen. Es wird sowieso langsam frisch, und ich sollte mir etwas überziehen. Genau, ich will die beiden nicht stören, sondern mir nur etwas zum Überziehen holen. Ich schiebe ein Lesezeichen zwischen die Seiten und stehe auf. Mit einem leisen quietschen öffne ich die Schiebetür und schließe sie hinter mir. Noch immer keine Reaktion Vorsichtig gehe ich auf die beiden zu und stehe mit verschränkten Armen hinter ihnen. Ich habe ja gehofft, dass sie mich bemerken würden und ich nichts sagen müsste, aber ich stehe nun schon geschlagene 5 Minuten hinter ihnen und nicht einer von den beiden scheint mich bemerkt zu haben. „Hallo“, sage ich und Audrey fährt erschrocken herum. „Mia- Es ist nicht so wie du denkst“ setzt sie an „Ach ja? Was denke ich denn?“ frage ich sauer und ziehe die Augenbraue misstrauisch hoch. „Wir sind kein Paar oder irgendwas dergleichen“ sagt sie blitzschnell „Oh doch sind wir!“ sagt Joel und Audrey funkelt ihn böse an. „Ist das dein Ernst?“ fragt sie entgeistert. „Wir wissen es sowieso schon, also unser Zimmer“ sage ich und sehe sie beleidigt an. Ich meine es bringt doch nichts zu lügen, wenn ich es mehr als offensichtlich ist. „Wie alle wissen es? Was wissen? Und vor allem woher?“ fragt sie ! und mach t dabei diese Geste, die mich wahnsinnig macht. Sie hebt die Hand und deutet sowas an wie Stopp, Stopp.

„Wir haben euch halt morgens gesehen, wie ihr euch geküsst habt, und naja wenn man dann eins und eins zusammen zählt wart ihr eigentlich Recht offensichtlich“ ich versuche ruhig zu bleiben, während ich mit ihr rede, aber in Wahrheit würde ich sie gern anbrüllen und ihr sagen wie hinterhältig und verletzend ihre Aktion ist. Es zeigt uns, dass sie kein Vertrauen in uns hat, dabei würde ich ihr mein Leben anvertrauen. Ich meine, sie war die erste der ich von meinen Problemen mit meinem letzten Freund erzählt habe, und das war das schwerste was ich jemals getan habe.
„Ihr habt uns belauscht? Was ist das bitte für ein Verhalten, werdet erwachsen“ wirft sie mir entgegen. „Ok wow, kein Grund so zu reagieren. Wir hatten nicht beabsichtig euch zu beobachten. Und du hast kein Recht auf uns sauer zu sein, eher hätten wir einen Grund“ sie öffnet den Mund, um was zu sagen, doch ich lasse sie nicht.
„Ich meine du hättest auch einfach mit uns offen reden können, anstatt uns alles zu verheimlichen“ ich dreh mich ohne ein weiteres um und gehe die Treppe hoch. Hinter mir höre ich sie mit Joel diskutieren, und kurze Zeit später höre ich ihre Schritte auf der Treppe. Gerade habe ich die Tür hinter mir geschlossen als sie kurze Zeit hinter mir wieder aufgerissen wird. Niki und Laura schauen erst mich und dann Audrey, welche hinter mir steht an. Ich verstecke mich sicherheitshalber hinter Niki, sollte Audrey versuchen ein Messer oder dergleichen zu werfen. „Sie weiß übrigens, dass wir es wissen, das über Joel und sie“ sage ich und schiebe Niki noch ein Stück weiter vor mich. „Oh, ist gut, dass es endlich raus ist. Das war eine echt hinterhältige Nummer“ sagt Niki und verschränkt die Arme vor der Brust. „Tut mir ja leid, aber Joel war einfach für mich da, wenn ich mal jemanden gebraucht habe“ sagt sie und setzt sich auf ihr Bett. Das ist doch nicht zu fassen. Wie kann sie so kaltherzig sein? „Hör mal Miss Diva, wir sind auch immer für dich da und selbst Leo gibt sein Bestes alles für dich zu tun und an deiner Seite zu sein.

Du tust so als ob wir dich komplett im Stich lassen würden“ sagt Niki sauer und sie hat jedes Recht dazu. „Ja, aber Joel hat mich jeden Abend von der Arbeit abgeholt als ein Kunde mir mal aufgelauert hat, mit ihm verstehe ich mich besser als mit jedem anderen. Wir sind einfach auf einer Wellenlänge und ich wusste das ihr auf Leos Seite sein würdet, deswegen habe ich nichts gesagt“ „Das ist doch nicht dein Ernst? Wieso sagst du uns überhaupt nichts? Mag sein das Joel für dich da war, aber wir alle haben ein komisches Gefühl bei ihm, und wir alle wissen das du Herzklopfen hattest als du mit Leo allein im Wald warst, und- “ ich hole Luft „dass du ihn geküsst hast“ zetere ich, es brodelt in mir. Sie entgegnet nichts „Ja, Leo hat es mir erzählt, und ich weiß das du darüber nachdenkst“ Audrey sieht mich beschämt an. „Du bist so eine Verräterin“ schreit Laura sie auf einmal an. Niki und ich sehen uns verwundert an und fühlen uns beide gleicher maßen unwohl. Ist schon wieder irgendwas passiert und wir haben es nicht mitgekriegt? „Du wusstest doch ganz genau das ich schon seit fast 2 Monaten in Joel verliebt war, ich habe dich auf der Arbeit besucht und es dir im Vertrauen erzählt“ schreit Laura und ihr steigen die Tränen in die Augen. „Ja und, was ist mit meinen Gefühlen? Du hast gesagt WAR!“ sagt Audrey und streicht sich die Haare aus dem Gesicht „Wir sind kurz danach zusammengekommen, und nur weil eine meiner Freundinnen sich rein zufällig in den gleichen Typen verliebt hat, heißt das nicht das ich darauf Rücksicht nehmen muss. In der Liebe gibt es keine Rege!“ danach wird sie ruhiger und verwandelt sich wieder in die gefasste Audrey die wir kennen. „Ich fasse es immer noch nicht das du einfach über meine Gefühle getrampelt bist, du hättest es ja wenigstens erwähnen können, immer! hin mag ich ihn immer noch“ sagt Laura und ihre Stimme zittert.
 Niki und ich sitzen zwischen den sich streitenden Parteien und wissen nicht so ganz ob es klug wäre sich einzumischen oder es besser wäre doch die Klappe zu halten. „Er war es doch der auf mich zugekommen ist. Er hat den ersten Schritt gemacht, alles ging von ihm aus, was also kann ich dafür?“ sagt Audrey ruhig und gefasst, und ich glaube diese Art wie sie es sagt macht es umso schlimmer. Sie hat diesen arroganten Tonfall, so als würde sie über allem stehen, es ist klar, dass diese Art Laura verletzt und ihr erneut das Gefühl gibt verloren zu haben. Ich weiß, wie sich das anfühlt, als Kaito mir von Jane erzählt hat, da habe ich mich elend gefühlt. Ich hatte das Gefühl gegen sie verloren zu haben. Das Gefühl nicht gut genug zu sein war damals Dauer präsent. Ich dachte die ganze Zeit, was hat sie was ich nicht habe, warum hat Kaito sie genommen und mich jetzt nicht. Es war ein ewiger Kreislauf aus Selbsthass und Zweifeln Ich erinnere mich nicht gerne an diese Zeit zurück. „Das akzeptiere ich ja auch, aber das was mich wütend macht ist das du so feige warst und es vor allen verheimlicht hast. Was wäre, wenn Mia das nicht gesehen hätte? Wie lange hättest du dieses Spiel noch gespielt?“ schreit Laura sie an, und ihre Augenbraue bebt. Audrey öffnet den Mund und schließt ihn direkt wieder. Ok das ist selbst mir neu, dass ihr mal eine Antwort fehlt. „Ja ich habe euch irgendwie die Schuld an meiner eigenen Feigheit gegeben, ich hatte halt Angst, dass ihr mir halt genau das sagt was ich nicht hören will, dass Joel ein Idiot ist, dass er mich nur verarscht oder das ich einfach zu unvorsichtig bin“ sie hat nicht unrecht, ich glaube wir hätten ihr genau das gesagt, wenn sie es uns erzählt hätte. Laura atmet laut aus „Ist okay, ich kann das verstehen“ sie steckt sich Kopfhörer ins Ohr und stellt ihre Musik laut und dreht sich auf ihrem Bett! zur Wan d. Für sie ist das Gespräch damit beendet, und ich weiß das sie Audrey nicht mehr böse ist, aber in ihrem tiefen Inneren wird sie es nie ganz vergessen, so ist sie einfach. Niki und ich trauen uns endlich wieder zu atmen. Das war besser als Kino gewesen, irgendwie war es echt schön zu sehen, dass Audrey auch eine menschliche Seite hat.

Sie sieht uns an. „Alles okay bei dir?“ fragt Niki und setzt sich zu Audrey aufs Bett. Ich folge ihr und lege Audrey meinen Arm um die Schulter, sie lächelt uns an. „Wollen wir das Vergessen, und so tun als hätte Audrey Joel nicht ihre Zunge in den Hals gesteckt?“ sage ich scherzhaft, und kriege direkt ein Kissen ins Gesicht. Audrey und Niki lachen, und es tut gut sie so zu sehen. „Aber von nun an musst du uns sagen, wenn du mal einen neuen Typen hast, oder wenn dir mal wieder jemand auf der Arbeit auflauert“ sage ich und stupse sie in die Seite „Ja, ich meine wir zwei sind doch auch ein guter Geleitschutz. Schau dir unsere Muskeln an“ sagt Niki und wir beide spannen unsere nicht vorhanden Muskeln an. Audrey grinst „Versprochen“ wir drücken sie. Auch wenn es mir immer noch gegen den Strich geht das sie sich mit Joel einlässt, so ist es schlussendlich ihre Entscheidung und sollte es schief gehen werden wir für sie da sein. Und eventuell würde Joel danach eine zertrümmerte Kniescheibe haben, je nachdem wie wir drauf sein werden. Aber es ist ihr Weg, wenn sie den gehen will können wir nichts tun als ihr zuzusehen und sie, wenn nötig aus einer Sackgasse zu führen. Aber Joel hat wirklich irgendetwas an sich das mich beunruhigt. Ich weiß nicht was es ist, aber ich werde nicht warm mit diesem Kerl. Audrey steht auf und zieht ihre Klamotten zurecht. Keine Spur mehr von der Unsicherheit von eben. Vielleicht haben wir uns diesen kleinen Moment der Schwäche auch nur eingebildet? Laura liegt immer noch mit dem Rücken zur Wand. Vermutlich versteckt sie so ihre Tränen. Auch wenn sie gesagt hat das sie ihn aufgegeben hat tut es ihr sicherlich noch immer weh zu hören das er sein Glück mit einer anderen gefunden hat.
 

Kapitel 16

Wenige Minuten später gehen wir alle zusammen die Treppe herunter und ich starre auf die Uhr im Wohnzimmer, es ist schon 19:00 Uhr und mein Magen knurrt wie wild. „Hab ihr auch schon Hunger?“ frage ich und lächle sie an.
„Also ich könnte schon einen Bissen vertragen“ sagt Niki und ich liebe sie dafür, dass sie mir zustimmt. Wir klopfen an die Tür der Jungs und Kaito öffnet uns.
„Wir wollen essen gehen kommt ihr mit?“ fragt Audrey und lehnt sich gegen den Türrahmen. „Leute, die Mädels wollen essen gehen. Gehen wir mit?“ ruft er in den Raum. Wir hören nur wie die anderen laut „JA“ zurückrufen. Kurze Zeit später treffen wir uns draußen an den Rädern und natürlich fehlen mal wieder unsere selbst gekürte Queen Cindy und ihre Hofdame Michelle. „Wer geht Sie holen?“ fragt Emilio und schaut uns fragend an „Wieso fragst du überhaupt, eine von den beiden ist schließlich deine Freundin“ zischt Audrey mit einem leicht giftigen Ton. Er kratzt sich am Hinterkopf und zuckt mit den Schultern, er zögert, irgendwie merkwürdig.
„Ach ich geh schon“ sage ich mit einer genervten Stimmlage, um die Diskussion abzukürzen. Ich gehe zu der kleinen Kammer hinter der Treppe und öffne nach einem schnellen klopfen die Tür. „IIIHHH!“ schreit mir jemand entgegen. Als ich ins Zimmer sehe, muss ich mir ein Lachen wahrlich verkneifen. Cindy und Michelle sitzen auf ihren Betten mit Gurkenmasken im Gesicht. „Was willst du!“ zischt Cindy mir giftig entgegen. „Ähm wir wollen Pizza essen gehen, wollt ihr zwei Gemüsefeen mit?“ frage ich und sehe mich im Raum um. „Nein! Weißt du wie viel Fett in den Dingern ist?“ fragt sie, doch ich habe nicht die geringste Intention ihr zu antworten also ignoriere ich sie. Michelle hingegen sieht sehr genknickt und traurig aus ich glaube sie will mitkommen.
 

„Und du Michelle?“ frage ich, sie sieht erst Cindy an, dann mich und schüttelt schließlich den Kopf. Daraufhin schließe ich die Tür hinter mir und gehe wieder zu den anderen. „Sie wollen nicht mit“ sage ich als ich wieder draußen bin.
„Gut, wir fahren ohne sie“ sagt Tom. Wir steigen auf die Räder und fahren Richtung Dorf. „Gut, dass Kaito uns diesmal führt“ stichelt Audrey grinsend mit einem Seitenblick zu Leo herüber. Dieser verzieht beleidigt den Mund. „Der schämt sich wohl immer noch was?“ sagt Tom, während er neben mir herfährt. „Das wird sie ihm ewig vorhalten, das mit der Schlange wird sie niemals vergessen“ sage ich lachend. Tom und ich quatschen die ganze Fahrt über und ab und an habe ich das Gefühl das Kaito mich böse anstarrt. „Spürst du manchmal auch diesen eisigen Blick im Nacken? “ frage ich Tom und sehe vorsichtig hinter mich. „Ach du meinst dieser eisige Nordwind, der aus Kaitos Augen kommt? Ja den habe ich bemerkt“ er lächelt Kaito freundlich zu. „Ist irgendwas zwischen euch?“ frage ich und versuche mich zeitgleich auf die Straße zu konzentrieren. Tom legt kurz den Kopf in den Nacken, seine blonden Locken fallen ihm in die Stirn „Nicht das ich wüsste“ er lächelt, doch irgendwie habe ich das Gefühl, das doch etwas vor sich geht.

Der Markt ist schon im vollen Gange und die Straßen leuchten durch das grelle Licht der blinkenden Neonschilder und funkelnden Lampen. „Ich will Pizza!“ rufe ich laut heraus und Kaito lacht, er lacht endlich wieder. „Auf zur Pizzeria“ ruft Joel und geht vor, Audrey bleibt ein paar Meter hinter ihm zurück. Sie bemerkt meinen fragenden Blick und beginnt hastig auf ihrem Handy eine Nachricht einzutippen. Kurze Zeit später kommt die Nachricht bei mir an Die anderen sollen noch nicht wissen das ich mit Joel zusammen bin, dass würde diesen Urlaub nur unnötig unangenehm machen. Ich nicke ihr verständnisvoll zu.
 

Ich wandere neben Kaito her und sehe das Niki sich wieder bei Emilio unterhakt, ich hoffe er fällt bald eine Entscheidung, denn um ehrlich zu sein habe ich nicht wirklich Lust Nikis Hoffnungen zu zerschmettern. „Und, hast du Spaß?“ fragt Kaito plötzlich und lächelt von oben auf mich herab „Ja, ja das habe ich eigentlich schon und was ist mit dir?“ „Ich find es sehr schön mit dir, meine süße“ flüstert er mir ins Ohr, doch dabei wandert sein Blick herüber zu Tom. Ich werde rot, er grinst hämisch.
Am liebsten würde ich ihm dieses überlegene Grinsen aus seinem Gesicht schlagen. Ich hasse es das er diese Kontrolle über mich hat und genau weiß was er zu sagen hat, um mich aus der Bahn zu werfen. Er ergreift meine Hand und drückt sie fest. Ich dachte das er sie sofort wieder loslassen wird, doch wir gehen gerade wirklich Hand in Hand hinter den anderen her. Ich wünschte jemand würde ein Foto machen, damit ich diesen Moment niemals vergesse. In diesem einen Moment will ich nichts anderes als einfach bei ihm zu sein.

Tom

Es kotzt mich an die beiden so zu sehen. Kaito ignoriert Mia seit der Sache am Strand und es reicht ein einziger Satz, um das alles auszuradieren. Und Mia erst, sie versteht immer noch nicht das ich auch ein Mann bin, dass ich sie auch mag ist ihr wohl noch nie in den Sinn gekommen. Die beiden merken nicht mal das ich die ganze Zeit hinter ihnen gehe und sie anstarre. Anscheinend bin ich Luft, ich bin für sie nur Luft. Wieso, wieso muss ich gegen Kaito verlieren, er ist mein Freund und dennoch wünsche ich mir gerade nichts sehnlicher als zu ihnen zu gehen und ihm Mia aus der Hand zu reißen. Selbst wenn ich verliere will ich wenigstens in Flammen untergehen. Ich gehe schneller und immer schneller, mein Herz rast. Wenn ich sie schon nicht haben kann, dann werde ich es Kaito so schwer wie möglich machen.

Es stört mich wahnsinnig, dass er nichts tun muss und ein einziges Lächeln reicht damit sie ihm alles verzeiht. Von hinten lege ich Mia meinen Arm um die Schulter und ziehe sie von Kaito weg. Ihre Augen sehen Kaito verzweifelt hinterher, während ich sie weiter wegschiebe. Im Gehen drehe ich mich um und grinse Kaito hämisch an. Er funkelt mich mit diesem Mafiosi Blick an, den ich schon immer gruselig an ihm fand. „Was machst du da Tom?“ fragt Mia die ich ja immer noch neben mir herschiebe. Ich kann ihr ja kaum sagen das ich sie aus Eifersucht aus seinem Griff gezerrt habe. Das würde mich für sie nur unattraktiver machen. Das ist, wie wenn man über die Freunde der Person, die man mag, schlecht redet oder andere vor ich schlecht redet, das macht einen in den Augen der Person nur noch unattraktiver. „Pass auf, das wird ihn rasend machen, er stürmt bestimmt gleich los und holt dich zurück“ was rede ich denn da, warum unterstütze ich Kaito auch noch? „Meinst du wirklich?“ fragt Mia und nach einem kurzen Blick nach hinten, in Kaitos wutentbrannte Augen bin ich mir fasst sicher, dass ich den Teufel in Person gesehen habe. „Ja, ich meine immerhin verbringen wir zwei hübschen doch viel Zeit miteinander, bestimmt will er auch mal Zeit mit seiner besten Freundin verbringen“ ich betone das Wort beste Freundin unnötig stark, und dennoch strahlen ihre Augen wie die eines Kindes an Weihnachten. Dieses Mädchen ist der naivste Mensch, den ich kenne, was nebenbei vermutlich auch eine Sache ist, die ich an ihr echt süß finde. Wir gehen mit meinem Arm über ihrer Schulter noch ein gutes Stück weiter, und etliche Male zwinkere ich Kaito der immer noch hinter uns her trottet provozierend zu. Auf einmal höre ich mächtige Schritte hinter mir und kaum habe ich es bemerkt geht Mia wieder mit Kaito Hand in Hand vor mir her. Mein Arm kribbelt leicht als er sich endlich wieder entspannen kann ! und denn och vermisse ich sie zu halten.

Sie ist so klein, so zerbrechlich und verletzlich, und für diese wenigen Minuten war sie ganz mein. Sie dreht sich plötzlich zu mir um und formt mit dem Mund das Wort Danke, dann lächelt sie. Ich lächle traurig zurück und bleibe stehen. Mir ist der Appetit komplett vergangen.

 

Mia

Kaito hat mich brutal aus Toms Griff befreit und quetscht meine Finger fast schon schmerzhaft zusammen. Doch kaum sind wir ein paar Meter von Tom weg, wird sein Griff lockerer und sehr viel sanfter. „Das jetzt ist unsere Zeit, nur unsere Zeit“ sagt er außer Atem. Wow, Tom hatte Recht, es hat tatsächlich funktioniert. Ich dreh mich zu ihm um und mime mit dem Mund das Wort Danke. Er lächelt mich an, doch kurz bevor Kaito meinen Kopf wieder nach vorne dreht meine ich gesehen zu haben wie Tom traurig auf den Boden geschaut hat. Er sah so aus als würde ihm das Herz schmerzen, so als hätte er das Ende seines Weges gesehen, der aber nicht das gewünschte Ziel ansteuert. Kaito lässt meine Hand den ganzen Weg über nicht los und obwohl das meiste nur belangloses, banales Zeug ist bin ich froh, dass er überhaupt wieder mit mir redet.

 Als wir an der Pizzeria ankommen setzen wir uns nach draußen. Obwohl es schon später Abend ist, ist es immer noch unerträglich warm, und was das Schlimmste ist, es ist wahnsinnig schwül. Die Laternen um uns herum erhellen die Straßen, man hat das Gefühl die Sonne würde jeden Moment wieder aufgehen. Joel, Kaito, Leo, Emilio werden nach einer heftigen Runde Stein, Schere, Papier ausgelost, um die Pizza zu bestellen. Kaum ist sind die vier außer Hörweite rutscht Tom zu mir herüber und zieht mich an sich.

„Na hat doch wunderbar funktioniert, der süße Kaito war ja rasend vor Eifersucht“ sagt er grinsend. Auf einmal drehen sich alle Köpfe zu mir um „Wie, was haben wir denn da verpasst?“ fragt Niki und faltet die Hände unterm Kinn zusammen, sie grinst mich verschmitzt an. „Und Tom, wie gefällt dir der Urlaub bis jetzt? “ versuche ich verzweifelt das Thema zu wechseln „Dir ist klar, dass das erst der 4 Tag ist oder“ sagt er und ist mir keineswegs eine Hilfe dabei Niki auf dein anderes Thema zu bringen. Ich starre ihn böse an und er lacht „Also-o-o, was war da mit dir und Kaito?“ fragt Audrey und fummelt sich desinteressiert an den Haaren herum.
„Da war nichts, wir haben uns wieder vertragen, glaube ich“ ich merke an ihren Blicken, das sie mir nicht glauben, aber Gott sei Dank höre ich die Jungs zurückkommen. „Ich glaube da verdient jemand ein Danke“ flüstert Tom und schaut mich schief an. „Danke“ sage ich „Na komm, Schlag ein“ er hält mir die Hand zu einem High Five hin und ich schlage ein. Tom hält mir wirklich immer den Rücken frei, wenn ich irgendwann einmal zum Superhelden mutieren sollte, dann wird Tom auf jeden Fall mein Sidekick. Das sähe bestimmt so cool aus, ich in einem coolen schwarzen Jumpsuit mit einem weißen Cape und er in einem roten, aber ohne Cape, man muss ja erkennen das ich der Boss bin. Vermutlich wäre ich Shadow und er sowas, wie Red Lightning, so schnell wie er ist. Die Idee nimmt in meinem Kopf immer mehr Form an und leider werde ich von Kaito unterbrochen.
Er schiebt seinen Stuhl zwischen den von Tom von mir und wirft die Pizza fast schon auf den Tisch. „Essenszeit“ sagt Emilio und stellt uns die Pizza, die er auf dem Arm trägt vor die Nase. Die Pizza riecht unglaublich gut, der Duft des geschmolzenen Käses steigt mir in die Nase und setzt sich dort fest. Wie ausgehungerte Bestien stürzen wir uns auf die Pizza. Ein wohlig warmes Gefühl breitet sich in meinem Magen aus

Wir quatschen wild durcheinander beim Essen, und ab und an werfe ich Emilio einen bösen Blick zu, wenn seine Hand mal wieder versucht an Stellen zu gelangen, wo sie nicht hingehören. Mein Blick sprüht förmlich Feuer als er provozieren seine Hand Nikis Bein hinauf gleiten lässt. Kaito legt mit besänftigend die Hand auf den Arm und Emilio grinst hämisch, woraufhin ich die Augen verdrehe. „Wag es dich-“ zische ich leise als er andeutet seine Hand, um ihre Hüfte zu legen. Der Typ macht mich wahnsinnig, wären nicht so viele Zeugen anwesend, hätte ich ihn schon längst mit einem Stück Pizza verprügelt. Die Stimmung ist ausgelassen, und obwohl wir schon längst fertig sind bleiben wir noch sitzen. Keiner von uns hat irgendwie das Verlangen nach Hause zu fahren und Cindy und Michelle zu begegnen.
Ich bin gerade in ein Gespräch mit Kaito vertieft, als mein Handy vibriert, eine Nachricht von Tom. Komm mal kurz rüber schreibt er, und erst jetzt fällt mir auf das Tom nicht mehr auf seinem Platz sitzt. Verwirrt sehe ich mich um, und entdecke ihn unter dem Licht einer der Laternen mir zuwinkend. „Ich gehe mal kurz zu Tom herüber“ sage ich zu Kaito und stehe auf. Seine Hand schnellt nach vorne und hält mich fest „Bleib hier“ sagt er zögerlich. Er weicht meinem Blick aus, doch ich setze mich wieder, und er entspannt sich. Bitte es ist wichtig schreibt Tom, und ich stehe erneut auf. Ich wusste doch das irgendwas nicht stimmt, er hat irgendwas, ihm liegt irgendwas auf dem Herzen. „Bleib hier, komm schon. Der simuliert doch“ sagt Kaito und umklammert schmerzhaft meinen Arm. „Ich glaube nicht das er simuliert, und du hast kein Recht das zu sagen, wenn du keine Ahnung hast“ ich winde mich aus seinem Griff und gehe zu Tom herüber. Er steht angelehnt an die Laterne vor mir und sieht mich erwartungsvoll an. Das Licht der Laterne lässt seine Haare golden glitzern. „Was gibt’s?“ frage ich aufgeregt, in Erwartung einer brisanten Story oder eine schockierende Beichte.

Tom

Ihre Augen sehen mich erwartungsvoll an, so als würde ich ihr gleich erzählen das ich der Verfasser der Bibel bin oder irgendwas derartig Schockierendes, dabei wollte ich einfach nur Kaito ärgern. Der Typ kommt einfach nicht in die Gänge, und seine Ich versuche nur ihr bester Freund zu sein Masche funktioniert schon lange nicht mehr. „Erde an Tom, was ist denn?“ frag sie und fuchtelt mit den Händen vor meiner Nase herum. Gott sie ist so klein, ihre Hand erreicht mit Mühe und Not mein Gesicht. Sie ist wie so eine kleine Porzellan Puppe, ich habe Angst sie mit meinen Händen zu zerbrechen und für immer zu verlieren, wenn ich meine Augen von ihr nehme. Mein Mund redet schneller, als das mein Gehirn ihn daran hindern könnte „Weißt du, da gibt es jemanden, einen ganz besonderen Menschen in meinem Leben den ich wirklich nicht verlieren will“ ihre Augen weiten sich „Ein Mädchen? Wer? Kenne ich sie? Wie ist sie so? Das ist ja der Wahnsinn“ sie hüpft an meinem Arm auf und ab und sieht so glücklich aus.
Wie ist sie so, das Mädchen, das ich liebe? Sie ist aufgedreht, naiv und nahezu immer für jeden noch so großen Schwachsinn zu haben. Ich denke dabei an die Schaumexplosion in Chemie oder der klägliche Versuch einen Flammenwerfer aus Deo und einem Feuerzeug zu basteln. Bei dem Gedanken daran muss ich schmunzeln, Mia sieht mich fragen an. Bei dem Versuch hat sie sich damals einen Teil ihrer Haare abgebrannt und war noch mehrere Wochen später das Gesprächsthema Nummer eins in der Schule. Das Mädchen, das ich lieb ist, freundlich, einfühlsam und ein wahrer Feuerball an Emotionen, sie weint, wenn sie zu sehr lacht, und sie weint jedes Mal, wenn Elli im Film Oben stirbt, wirklich jedes Mal. Sie muss niesen, wenn sie Lilien riecht und kaut auf ihrer Lippe herum, wenn sie gestresst ist, und sie hat das schönste Lachen das ich je gesehen habe.

 „Wer ist sie?“ fragt Mia erneut, ich kann ja schlecht sowas sagen wie, sie steht gerade vor mir. „Kenn ich sie?“ fragt sie weiter, ich nicke. Dieses Nicken wird ihr ja nicht direkt verraten das ich sie meine. „Ok, also ich kenne sie hmm-“ sie legt den Kopf in den Nacken und denkt nach. Dabei reibt sie sich mit den Fingern die Schläfen, etwas das sie immer tut, um besser denken zu können. „Geht sie auf unsere Schule?“ fragt sie. Ein bisschen komme ich mir vor wie in einer Quizshow, deren Preis der Name des auserkorenen Mädchens ist. Ich nicke erneut „Ich hab‘s“ schreit sie freudig und stemmt selbstsicher die Hände in die Hüfte „Es ist Julie, natürlich, ihr habt zusammen Sport Leistungskurs und sie geht immer mit dir zum Fitness, und sie sieht echt gut aus“ sagt sie und mir fällt fast die Kinnlade herunter, sie könnte nicht noch falscher liegen. Julie ist zwar mit mir in einem Sport LK und ja wir gehen zusammen trainieren, und ja sie sieht nicht schlecht aus, aber Julie ist mehr sowas wie eine enge Bekannte, ich weiß ja nicht einmal ihren Nachnamen. „Jetzt wird mir alles klar, sie hat dir schon immer so verliebt hinterher geschaut, da hast du bestimmt eine Chance-“ „Es ist nicht Julie-“ unterbreche ich sie „es kann nicht funktionieren“ sage ich und schaue auf meine gelben Tennissocken. Erneut massiert sie sich die Schläfen „Hmm, heißt das sie hat einen Freund?“ fragt sie, und bestimmt geht sie im Kopf einen Haufen Mädchen durch die eventuell meine auserkorene sein könnten. „Nein, es ist eindeutig einseitig“ sage und jetzt, wo ich es laut ausspreche realisiere ich es erneut. Ich werde nie auch nur den Hauch einer Chance haben. Auch wenn sie mich in diesem Moment Kaito vorgezogen hat, würde er ihr in diesem Moment dasselbe schreiben wäre sie längst bei ihm. „Meinst du vielleicht S! am? Ihr zwei streitet euch zwar immer, aber man sagt ja was sich neckt das liebt sich“ sagt sie bestimmend und nickt dabei überzeugend. Okay es wird immer schlimmer.

Sam sitzt neben mir in Mias und meinem Physik Kurs, und dieses Mädchen macht mich wahnsinnig. Sie ist eine der schlausten Köpfe an unsere Schule und hat irgendwie herausgefunden das ich auf Mia stehe und seitdem zieht sie mich damit auf. Wir streiten uns andauernd, sie nennt mich lächerlich und erbärmlich und ich nenne sie Pumuckls Mätresse, weil ihr Feuerrotes Haar immer, wie ein Vogelnest aussieht und sie frappierende Ähnlichkeit mit der Cartoon Figur hat, außerdem ich weiß das sie dieser Name aufregt. „Lass gut sein“ sage ich, weil ich Angst habe mit welchen Kandidatinnen sie mir noch kommen wird. „Warte, ich glaube dieses Mal weiß ich wirklich wer es ist, aber damit hätte ich nie gerechnet, und um ehrlich zu sein bin ich ziemlich schockiert“ sagt sie, und ich habe ganz kurz Panik das sie ihren eigenen Namen sagen wird, doch sie redet sofort weiter „Ich dachte du wolltest Chloe komplett aus deinem Leben streichen, wir hatten doch abgemacht das wir nie wieder zu einer Ex oder einem Ex zurückkehren“ sie schimpft schon fast mit mir. „Gott, es ist nicht Chloe, ich habe seit letztem Karneval absolut keinen Kontakt mehr zu ihr“ sage ich verzweifelt und raufe mir die Haare. Chloe hat Karneval letztes Jahr mit mir Schluss gemacht, genau einen Tag vor der Party von Judy Hägen.

Mia hat mir damals lange beim Jammern zugehört, und danach ging es mir wirklich besser. Chloe ist das komplette Gegenteil von Mia gewesen, sie war launisch, laut und leicht reizbar. Sie hat mir wirklich nicht gutgetan, jetzt im Nachhinein kann ich das sagen, aber damals habe ich sie geliebt. „Aber wenn es Chloe nicht ist, dann weiß ich nicht mehr weiter“ ich wuschle ihr durch die Haare „Du musst nicht wissen wer, ich wollte nur das du weißt, dass es diese Person gibt“ sage ich und gehe zu den anderen zurück. Irgendwie freut es mich das sie jetzt wenigstens über mich nachdenken wird. Schon mehrere Meter vor dem Tisch spüre ich Kaitos bösen Blick.

Vielleicht sollte ich heute lieber im Wohnzimmer schlafen, falls er versuchen sollte mich im Schlaf zu ersticken. Selbstbewusst setze ich mich rechts neben ihn und Mia links neben ihn. Bloß keine Angst zeigen, Raubtiere riechen die Angst. Er lehnt sich zu mir herüber „Was spielst du hier? “ fragt er, und ich höre deutlich die unterdrückte Wut in seiner Stimme. „Was meinst du? Ich habe nur mit Mia geredet“ „Wir beide wissen genau, dass du nicht nur mit ihr geredet hast. Wehe du verarschst sie irgendwie“ zischt er leise herüber. Ich hasse das, wenn er sich als ihr Beschützer aufspielt. „Tu nicht so als wärst du ihr Beschützer, du musst nicht versuchen mich einzuschüchtern, nur weil du selbst nicht einen Schritt vorankommst“ ich sehe ihn nicht an, ich weiß auch so dass er innerlich brodelt. Ich tue so als würde ich die kleinen Tukane auf meinem gelben Hawaii Hemd zählen, um ihn nicht an sehen zu müssen. „Wenn du es so haben willst, dann mach ich ab jetzt Ernst, ich werde nicht zulassen das du sie hintergehst“ ich schnaube verächtlich. Er weiß besser als jeder andere, dass er mir, seinem besten Freund nichts vormachen kann und dennoch versucht er so zu tun als würde er Mia nur beschützen wollen und nichts weiter. „Ich bin gespannt“ sage ich lässig und funkle ihn provozierend an. Ich weiß so oder so dass ich jetzt schon verloren habe, aber er weiß das nicht und das werde ich vollends gegen ihn verwenden. All zu leicht muss er es ja nicht haben.

 

 

 

 

Kapitel 17

Kaito

Tom macht mich wahnsinnig, er tut so als wüsste er besser als ich selbst was ich fühle und was nicht. Wie er sich hier aufspielt, als wäre er der größte. Und Mia fällt auch noch auf diese Masche rein, als mein bester Freund sollte er doch hinter mir stehen, doch aus irgendeinem Grund rammt er mir immer und immer wieder ein Messer in den Rücken. Mia lächelt bei Tom so viel mehr als bei mir, er muss nur ein Wort sagen, und sie schmilzt förmlich dahin, er ruft und sie kommt sofort angerannt. Ich hasse es das mich das so fertig macht, früher war es für mich doch auch nicht so schwer einfach all die Gefühle herunter zu schlucken und so zu tun als hätte es sie nie gegeben. Aber jedes Mal, wenn ich denke das ich wieder die Kontrolle über meine Gefühle für sie habe funkt Tom dazwischen. Wenn sie ihn anlächelt will ich am liebsten dazwischen gehen und sagen das ihr Lachen ganz und gar mir gehört, es ist das schönste was es gibt. Wenn sie dich anlächelt wird direkt eine große Last von deinen Schultern genommen. Tom wird mir nicht zuvorkommen, sie war zuerst meine beste Freundin und ich werde sie dazu bringen mehr in mir zu sehen. Sie soll in meinen Armen einschlafen. Ich will das sie morgens da ist, wenn ich aufwache. Ich will für sie da sein, wenn sie mal wieder vor einem Horrorfilm Angst hat, ich will ihre Tränen trocknen, wenn sie wegen eines bösen Traums weint. Ich will dann bei ihr sein, und das nicht alles nur übers Handy mitbekommen. Ich würde ihr meinen Hoodie schenken, den in pink mit dem sie schon immer geliebäugelt hat. Ich würde genau so sein, wie die Prinzen, die sie sich immer erträumt hat und mit denen sie mich nächtelang zugetextet hat. Wir könnten Halloween im Pärchen Kostüm gehen, sie wäre Lolitta und ich wäre Zorro. Ihr würde das weiße Kleid bestimmt toll stehen. Ich schiele zu ihr herüber und ihre grü! ;nen Aug en glitzern im Mondschein. Sie würde mich jeden Tag mit diesen wunderschönen Augen ansehen, ich würde ewig brauchen, um mich von ihrem Blick zu lösen. Jeden Tag würde ich ihr einen Witz erzählen, egal wie schlecht er ist, nur um ihr Lachen zu hören. Tom wird mir nicht zuvorkommen, oder besser er darf es einfach nicht. Ich habe all die Zeit immer ein wachsames Auge über Mia gehabt und werde sie so kurz vor der Zielgerade an niemanden hergeben. Das einzige Problem ist, das wir seit so langer Zeit befreundet sind, dass es schwer fällt unsere Beziehung zueinander zu verändern. Ich meine wir wissen alles voneinander, ich weiß das, wenn sie sagt alles sei in Ordnung das sie zu Hause mit mehreren Packungen Eis und Tränen in den Augen vor dem Fernseher sitzt und Titanic schaut. Und sie weiß, dass ich anfange schneller zu reden, wenn ich übermüdet bin, sie nimmt dann immer auf mich Rücksicht. Wenn ich sage das ich Langeweile habe, steht sie wenige Minuten später mit Chips und einer DVD vor der Tür und ich würde dasselbe für sie tun. Sie weiß, dass wenn ich Schmerzen habe ich immer die Angewohnheit habe die rechte Faust auf den Oberschenkel zu drücken. Als mir mal beim Sport den Fuß angebrochen habe, wollte ich niemandem zu Last fallen, und außerdem nicht erzählen das ich beim Federball spielen über meinen eigenen Fuß gestolpert, drauf gefallen und ihn mir dadurch angebrochen habe.
Ich habe die restlichen Stunden in der Schule so gut es geht versucht nicht daran zu denken, und niemanden ist zu meiner Erleichterung aufgefallen das ich Schmerzen habe, außer Mia. Sie hat mich danach sogar ins Krankenhaus gezerrt und jeden Tag darauf bestanden das sie meine Tasche trägt damit ich besser mit den Krücken gehen konnte. Genauso weiß ich das, wenn sie sagt das sie friert, sie nicht wirklich friert, sondern einfach nur meine Klamotten haben will. Dieses Mädchen ist wie ein menschlicher Ofen sie friert nie, meistens will sie dann nur meine Jacken haben und diese am besten nie wieder zurückbringen.
Aber das sind alles Dinge die wir als beste Freunde getan haben. Was würde passieren, wenn ich diesen Zustand verändern wollen würde. Was wenn es dann nicht mehr so locker sein würde? Oder was, wenn sie nicht so empfindet wie ich? Werden wir dann immer noch normal miteinander umgehen können? Was wenn unsere Freundschaft daran zerbricht. Ich will nicht, dass sie mir irgendwann aus dem Weg geht. Ich will nicht das peinliches Schweigen zwischen uns herrscht und, dass wir uns voneinander wegdrehen. Oder so tun als hätten wir den anderen nicht gesehen, falls man sich zufällig trifft. Ich will das sie bei mir ist, sie soll einfach an meiner Seite sein, egal ob als beste Freundin oder feste Freundin. Ich will das sie dasselbe will, wie ich und wenn sie das nicht tut, dann werde ich das Akzeptieren was für sie am besten ist.

 

Mia

Kaito starrt schon eine geraume Zeit verloren auf die glänzende Tischplatte vor uns, so als würde er dort etwas sehen das ich nicht sehen kann. „Alles gut?“ frage ich und lege ihm die Hand auf die Schulter. Er zuckt zusammen und sieht zu mir herunter.
Er schaut durch mich hindurch und antwortet fast schon mechanisch „Klar, alles gut.“ Doch ich weiß das nicht alles gut ist. Kaitos Augen sehen so leer aus, irgendwie habe ich ein ganz ungutes Gefühl. Kurze Zeit später machen wir uns auf den Weg zurück zur Hütte. Stillschweigend fahre ich neben Kaito her und überlege verzweifelt, was ich sagen könnte, um ihn aufzuheitern. „Weißt du noch-“ setzt Kaito plötzlich an, wohlwollend überrascht schaue ich ihn an. „Damals als wir zusammen diesen spontanen Waldspaziergang gemacht haben? “ natürlich erinnere ich mich an diesen Spaziergang.
„Du meinst diesen Waldspaziergang, bei dem wir um halb elf Uhr abends aufgebrochen sind und erst um 2 Uhr morgens zurück waren?“ er lacht, „Ja genau der.“ „Was soll damit sein?“ frage ich und fahre etwas schneller, um auf seiner Höhe zu sein. „Damals war das meine Idee, ich wollte unbedingt in die Nachbarstadt zu Fuß gehen, und wir sind die Abkürzung durch den Wald gegangen. Du hattest solche Angst das irgendjemand oder irgendetwas aus dem, Gebüsch am Wegrand springt“ er lacht erneut „Du hast dich mit aller Kraft an meinen Arm gekrallt, es tat schon richtig weh, aber irgendwie fand ich echt süß, wie du dich an mich geklammert hast.“ Er hat mich süß genannt, obwohl dieser Abend einer der schlimmsten Abende überhaupt war. Ich hatte wirklich totale Panik, und habe mir alles Mögliche eingebildet, zum Beispiel das Freddie Krüger aus dem Busch springt und mich verfolgt, oder das Slenderman durch den Wald gewandert kommt. Mein ganzer Körper war im Notfallmodus und jederzeit bereit zur Flucht. „Aber erinnerst du dich auch an den Rückweg?“ natürlich tue ich das, der Rückweg war sogar schlimmer als der Hinweg. „Hinter uns sind auf einmal Lichter aufgetaucht, und ich habe keine fünf Sekunden weggesehen und du warst schon am Ende des Waldwegs. Du hast mich einfach dagelassen, und dich selbst gerettet“ das war wirklich wahr. Ich dachte ich müsste sterben, und falls wirklich Slenderman hinter uns aufgetaucht wäre hätte ich Kaito so oder so nicht mehr retten können. „Du weiß das ich nur aus taktischen Gründen weggerannt bin, um Hilfe zu holen falls dort ein Serienmörder war“ versuche ich mich heraus zu reden, aber er durchschaut sowieso jede Lüge.
„Na klar, das war der Grund“ er fährt sich mit einer Hand durch die Haare
„Aber weißt du, es war wirklich lustig. Du hast dir selbst mehr als genug Angst gemacht und hast dich bei jedem noch so kleinen Geräusch noch enger an mich geklammert. Auch wenn es merkwürdig klingt fand ich das irgendwie echt süß“
Wir schweigen mehrere Minuten und es fühlt sich gut an. Diese Stille ist nicht unangenehm, es ist so ein entspanntes Schweigen, dass wir beide einfach genießen. Zwischen uns ist anscheinend doch alles genauso wie früher. „Ich bin froh, dass du wieder mit mir redest“ sage ich leise und hoffe dennoch inständig, dass er es gehört hat. Er starrt stumm auf den Weg vor uns und gerade als ich denke das er es vielleicht doch nicht gehört hat sagt er „Du weißt doch das ich gerne mit dir rede, ich mache zwar im Moment etwas durch von dem ich selber nicht weiß, wo es enden wird, aber bitte hör dann nicht auf mit mir zu reden, wenn ich es dir irgendwann erzähle.“ Sichtlich überfordert starre ich ihn an, was er wohl gerade durch macht? Ob es was mit mir zu tun hat? Wann wird er es mir sagen? Werde ich überrascht sein? Tausend Fragen schießen durch meinen Kopf. Kaito sieht amüsiert zu mir herüber „Mach dir keine Gedanken, aber weißt du was mich wirklich nachdenken lässt?“ ich weiß nicht ob dies eine rhetorische Frage ist also sage ich lieber mal nichts. „Diese ganzen 4 Tage, die wir schon hier sind, habe ich dich viel mehr lachen sehen, wenn du bei anderen bist. So als hättest du keinen Spaß, wenn ich dabei bin. Deshalb habe ich mich etwas distanziert“ damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Hat er Recht? Ich habe zwar Spaß mit den anderen aber noch mehr, wenn Kaito dabei ist, aber ich habe andauernd Angst irgendwas falsch zu machen, oder dass er mich durchschaut. Es ist einfacher mit anderen zu lachen, wenn man sich entspannen kann. Jetzt wenn Kaito den ganzen Tag um mich herum ist würde ich ihn am liebsten nur ansehen und vor mich hinträumen. Kaito sieht im Moment so niedergeschlagen aus, und mir fehlen die richtigen Worte. Ich weiß nicht was ich ihm sagen soll. Die ganzen letzten vier Tage habe ich ihm doch nur Probleme bereitet, ich me! ine ich stürze einen Abhang hinunter und trete auf einen Seeigel, schlimmer geht’s doch nicht mehr.
Am liebsten würde ich ihm das alles sagen, aber dazu fehlt mir der Mut.
„Kaito du kennst mich doch mittlerweile besser als jeder andere, ich habe immer Spaß mit dir, aber irgendwie ist dies nicht meine Woche. Mir passiert so viel Mist und ich mache dir doch nur Probleme. Ich fühle mich schlecht, weil du dir andauernd Sorgen um mich machen musst. Bei den anderen lache ich zwar mehr, aber glücklicher bin ich, wenn du da bist, irgendwie schaffe ich es nur nicht dazu zeigen“ es hat mich echt Überwindung gekostet das zu sagen, und ich bete das ich es so lässig wie möglich rübergebracht habe. „Hmm-“beginnt er „du machst mir keine Probleme. Und selbst wenn würde ich trotzdem wollen das du neben mir lachst und nicht bedrückt auf den Boden siehst. Weil wenn du nicht glücklich bist war dieser Urlaub umsonst.“ Er tritt kräftiger in die Pedale und ich bleibe alleine zurück. Ich bin mir unsicher, ob ich die letzten Worte richtig verstanden habe, aber er will das ich mehr neben ihm lache, so wie früher. Das ist machbar, ich darf halt einfach nicht mehr daran denken was bis jetzt passiert ist, sondern tue einfach so also wäre dies unser erster Tag hier. Schließlich will ich das Kaito auch Spaß hat und sich nicht dauernd um mich sorgt.

An der Hütte angekommen stürmen wir Mädchen nach oben in unser Zimmer und ich mache mich bereit für das folgende Kreuzverhör. „So Mia, was war da mit dir und Kaito?“ fragt Niki und bürstet sich die Haare. „Nichts Besonderes, wir haben uns halt wieder vertragen“ „Das sah aber nach mehr aus als nur nach vertragen“ sagt Laura und schlüpft in ihren Pyjama. „Immerhin seid ihr Hand in Hand gelaufen“ fügt Audrey hinzu, während sie sich eine Gesichtsmaske aufs Gesicht klatscht. „Das war Toms Idee- “ alle Augen starren mich auf einmal geschockt an. „Tom?“ fragt Audrey und ich nicke. Die drei werfen sich verwirrte Blicke zu. „Was?“ frage ich, weil ich das Gefühl habe, das schon wieder etwas vor sich geht von dem ich keine Ahnung habe. „Nichts nichts“ nuschelt Niki und tippt schnell eine Nachricht auf ihrem Handy. Kurze Zeit später schauen Audrey und Laura auffällig lange auf ihre Handys und nicken ihr dann zu. „Also Tom hat mich ja von Kaito weggeschoben und meinte das wäre der perfekte Weg, um Kaito eifersüchtig zu machen, weil ich ja seine beste Freundin bin und nicht Toms, und das hat tatsächlich geklappt. Danach sind wir wirklich-“ ich werde rot bei dem Gedanken es laut zu sagen. „Hand in Hand gegangen?“ beendet Audrey den Satz für mich und ich nicke nur stumm.
Wieder werfen sich die drei Blicke zu. Leise, kaum hörbar nuschelt Laura etwas das so klingt wie „Der arme“ aber sicher bin ich mir nicht. „Aber du bist zufrieden damit, dass ihr euch so gar nicht weiterbewegt? Ich meine ihr habt früher auch schon Händchen gehalten, das war nichts Besonderes für ihn“ erinnert mich Niki.
Haben wir wirklich schon einmal Händchen gehalten? „Stimmt, damals auf dem Phil Collins Konzert. Wir hatten dich in der Menge verloren und Kaito hat dich gesucht. Ihr seid Hand in Hand zurückgekommen“ sagt Audrey und trägt eine Creme auf ihre Haut auf. „Oh und damals als wir in diesem Horror Labyrinth waren. Du wolltest absolut nicht da rein, aber Kaito hat deine Hand gegriffen und die reingezerrt. Er hat deine Hand den ganzen Weg über nicht losgelassen und sie beruhigend gedrückt. Weißt du noch?“ ich sehe Laura an. Natürlich weiß ich das noch, aber eher, weil dieses Labyrinth mich aufs tiefste verstört hat, und ich mir geschworen habe dort nie wieder hin zu gehen. „Beide Male hast du dich so darüber gefreut, dass er deine Hand gegriffen hat, du dachstest das deine Gefühle endlich zu ihm durch gedrungen seien, aber am nächsten Tag war er wieder wie immer. Dein bester Freund, und nichts weiter. Was wenn es dieses Mal wieder so ist? Es wird sich einfach nichts ändern, wenn du nicht endlich mal den Mund aufmachst“ wirft mir Audrey an den Kopf und ich weiß das sie Recht hat.

Es ist draußen stockdunkel und die Grillen zirpen friedlich. Die anderen schlafen ruhig auf ihren Betten, doch ich kann nicht einschlafen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe sehe ich Kaito, und denke an das was Audrey gesagt hat. Für mich war jedes einzelne Mal, wenn Kaito mir näher gekommen war etwas Besonderes, doch für ihn nie. Was wenn ich nie etwas anders für ihn sein werde als seine beste Freundin? Dieser Gedanke macht mich wahnsinnig. Ich fahre mir durch die Haare, in meinem Inneren herrscht totales Chaos. Ich klettere aus meinem Bett und schleiche mich runter ins Wohnzimmer. Ich setze mich auf das Sofa, ich starre einfach nur auf die Uhr, deren Zeiger immer im selben Rhythmus ticken, immer im gleichen Takt und immer weiter, sie halten nie an. Ich höre eine Tür quietschen und bin kurz davor mich mit der Vase vom Beistelltisch zu bewaffnen als ich Leo und Emilio erkenne. Die beiden setzen sich auf das andere Sofa zu meiner Rechten. „Warum schlaft ihr nicht?“ frage ich „Das gleiche könnten wir dich fragen“ antwortet Leo. Schlau, er weicht einer Frage mit einer Gegenfrage aus. „Stimmt schon, also was steht an?“ frage ich. „Die andern haben sich verkracht, also Kaito und Tom“ sagt Leo gähnend. „Wieso? Was ist passiert?“ frage ich und das frage ich nicht nur weil ich mir Sorgen um Kaito mache, Tom ist mir auch wichtig, sehr sogar. „Naja du-“ beginnt Leo, doch Emilio rammt ihm seinen Ellenbogen in die Rippen und Leo schreit laut auf vor Schmerz. „Wir wissen es nicht wirklich“ sagt Leo und reibt sich mit Schmerzverzerrtem Gesicht die Rippen. Ich glaube ihm kein Wort, die beiden wissen den Grund. Aber sie würden mir sowieso nichts sage, selbst wenn ich sie jetzt dazu drängen würde. Jedoch ist das eine gute Gelegenheit mit Leo zu reden und ihm die Wahrheit zu erzählen. „Hör mal Leo, ich muss dir was erzählen also-“ ich stoppe k! urz &bdq uo;Ich weiß was du sagen willst“ unterbricht er mich. Er lächelt, aber seine Augen glänzen traurig. Ich setze mich zu ihm rüber und scheuche Emilio von seinem Platz. Mitfühlend lege ihm einen Arm um die Schulter und drücke ihn. „Ist schon okay, ich weiß es schon etwas länger, ich habe sie mal zusammen mit ihm in der Stadt gesehen“ sagt er und lehnt sich von mir weg. „Wieso hast du nichts erzählt?“ frage ich und komme mir innerlich echt mies vor, weil ich weiter darüber rede. „Wie kannst du das so gelassen sagen?“ fragt Emilio und kratz sich über die Bartstoppeln, meine Frage ist damit vergessen. „In dem Moment damals war es wirklich schlimm, aber ich habe halt realisiert das ich einfach nur will das sie glücklich ist. So wenn Joel sie glücklich macht dann kann ich damit leben. Und es ist nicht so dass ich sie aufgegeben habe, ich warte nur auf meine Gelegenheit und nutze jede noch so kleine Chance, aber ich erzwinge es auch nicht“ sagt er stolz. Emilio und ich werfen uns flüchtig einen Blick zu und geben uns mit der Antwort mehr als zufrieden. Ich glaube wir beide haben gemerkt, dass dieses Thema für Leo wirklich nicht leicht ist, auch wenn er sich bemüht gelassen rüber zu kommen. Aber mit Emilio bin ich auch noch nicht fertig „Und du Emilio? wie ist es mit dir? Hast du schon nachgedacht was du machen willst“ frage ich „Was meinst du?“ fragt er unschuldig und setzt sich in den Schneidersitz. „Hast du schon drüber nachgedacht in welche Richtung das alles laufen soll? Willst du bei Cindy bleiben oder nicht?“ frage ich ganz direkt, denn ich habe keine Lust auf irgendwelche Ausflüchte. „Wie? Du überlegst, ob du mit Cindy Schluss machen sollst? Gibt es eine andere? “ fragt Leo und sieht erst mich und dann Emilio fragend und irgendwie aufgeregt an. Emilio sieht uns genervt in die Augen und antwortet in seinem a! rrogante n Tonfall „Wenn es passiert, passiert es halt.“ „Er steht dezent auf Niki und weiß nicht was er tun soll“ fahre ich ihm in die Parade und er funkelt mich böse an. Ich grinse ich habe mit Absicht das dezent stark betont, und Leo ist sowieso besonders gut darin meine Andeutungen zu verstehen.

„Du stehst auf Niki? Ist ja krass!“ ruft Leo „Pssst!“ zischt Emilio ihn an und seine Augenbraue zuckt. Ich glaube da schämt sich jemand, wie niedlich „Ich muss schon sagen sie ist echt heiß!“ sagt Leo mit einem leichten Unterton und grinst mich hämisch an „Ach sei leise“ grummelt Emilio und dreht sich von uns weg. „Wer hätte gedacht das unser Emilio doch so tiefgründig und sensibel ist“ stichle ich mit Absicht lächerlich und er wirft ein Kissen in meine Richtung. „Aber Bro, das ist eine krasse Sache ich meine ich liebe Cindy voll und ganz-“ er hätte den Sarkasmus nicht noch deutlicher hervorheben könne „aber Niki ist wirklich eine Liebe. Sie ist süß und hat einen geilen Arsch“ er zwinkert mir zu und wir beide lachen „Ach hör doch auf, wenn das jemand sagen darf dann ich“ er schmollt und starrt uns dabei grimmig an. „Sag es ihr einfach und wir sind still“ sage ich „Jaja“ murrt er beleidigt. Wir stehen auf, die Jungs gehen Richtung Zimmer und ich bewege mich langsam in die Küche. „Was macht ihr denn hier?“ höre ich Kaito murmeln.
Ich gehe zurück ins Wohnzimmer und sehe wie Kaito verschlafen im Türrahmen ihres Zimmers steht. Er reibt sich die Augen „Habe ich was verpasst?“ fragt er gähnend. Wir alle werfen uns schnell einen flüchtigen Blick zu und ich weise den Jungs mit einem leichten Kopfschütteln an nichts zu sagen. „Nein überhaupt nichts“ sagt Leo und quetscht sich mit Emilio an Kaito vorbei. „Warum bist du wach?“ frage ich auf dem Weg in die Küche. „Ich habe aus irgendeinem Grund-“ er sieht mich mit zugekniffenen Augen an „von Slenderman geträumt der mich durch den Wald jagt, und tja sagen wir es so es war kein angenehmer Traum.“ Ich will lachen, aber irgendwie weiß ich nicht, ob er mir das übel nehmen würde weil ich Slenderman vorhin erwähnt habe „Und was ist mit dir?“ fragt er und kratzt sich am Kopf „Ich wollte noch einen Tee“ lüge ich und setze heißes Wasser auf. Wenn man schon lügt muss man es glaubwürdig bis zum Ende durchziehen.

„Mach mir auch einen“ weist er mich an. „Und das Zauberwort? “ sage ich und sehe ihn wartend an, er seufzt „Bitte“ nuschelt er und ich grinse triumphierend. Ich gieße uns beiden heißes Wasser auf und entscheide mich nach langem hin und her für einen grünen Tee mit etwas Ingwer. Kaito stützt sich mit den Unterarmen auf den Tresen ab und schläft dabei fast wieder ein. Ich schnipse ihm gegen die Stirn und er schreckt hoch.
So verschlafen sieht er echt süß aus, die zerzausten Haare, die geröteten Wangen zusammen mit dem ausgeleierten Teng Top und den alten Sportshorts die als Schlafanzug herhalten. Auf einmal fällt mir auf das mich Kaito eindringlich mustert und verschmitzt grinst. Ich schaue an mir herunter und mir fällt erst jetzt auf das ich ja diese super kurzen Roséfarbenen Shorts und ein graues Satin Top anhabe. Das ist mir bis eben nicht bewusst gewesen, und normalerweise würde mich das auch nicht stören, weil der Pyjama echt süß ist, aber wenn Kaito mich so von oben bis unten abscannt ist es mir doch etwas peinlich. „Hör auf so zu starren“ sage ich und sehe nervös hin und her.  „Darf man seine beste Freundin etwa nicht mal mehr ansehen?“ fragt er mit einem spielerischen Ton in der Stimme, während er mir die Tasse aus der Hand nimmt. Ich verdrehe die Augen „Klar darfst du, aber irgendwie ist es peinlich, weil der Pyjama so kurz ist“ sage ich und werde gegen Ende immer leiser. „Bei den anderen war es dir nicht peinlich“ sagt er angesäuert und schaut weg. Vielleicht deute ich diese Aussage auch nur falsch, aber irgendwie habe ich das Gefühl er ist wieder einmal genervt von mir. Bedrückt senke ich den Kopf, er schlägt mir leicht gegen den Arm „Ey“ sage ich und sehe zu ihm hoch.
Er lächelt, unwillkürlich lächle ich auch. Ich liebe dieses Lachen, genau das was ich gerade sehe. Wir gehen ins Wohnzimmer und setzen uns auf die Couch. Ich schalte den Fernseher an.

Gebannt starren wir beide auf den extrem gebräunten Italiener, der mit einem Zahnpasta Lächeln in die Kamera grinst und mit einem Stock auf einer Karte herumzeigt „Was schauen wir uns da an?“ frage ich Kaito und drehe langsam meinen Kopf zu ihm. Wie hypnotisiert starrt er auf den Bildschirm, ohne die Augen von dem Mann zu nehmen sagt er langsam „Ich habe keine Ahnung.“ Also drehe ich meinen Kopf auch wieder zurück zum Fernseher. Irgendwann werde ich müde und lehne mich an Kaito an und fange an ein wenig weg zu dösen. Es ist so schön warm, und ich merke noch so im Halbschlaf wie Kaito seinen Arm um meine Hüfe legt und mich näher zu sich heranzieht.

Kapitel 18

An den Traum, den ich in dieser Nacht habe, werde ich mich noch ewig erinnern, er war schön und hat mir doch Angst gemacht. Ich sitze auf einem harten Holzstuhl in einem weiß gestrichenen Raum. Der Raum ist leer, und es tut weh auf die weißen Wände zu sehen. Im Hintergrund spielt jemand Klavier und gibt dem Ganzen eine beängstigende Atmosphäre. Verwirrt sehe ich mich um und taste die Wände nach versteckten Türen oder Fächern ab, doch ich finde nichts. Vielleicht steht hier irgendwo ein Fläschchen auf dem „Trink mich“ steht so wie bei Alice in Wunderland. Doch außer dem Stuhl kann ich nichts entdecken. Verzweifelt setze ich mich auf den Stuhl und starre die weiße Wand an, als sich plötzlich eine Tür wie ein Mund vor mir öffnet. Jeder Idiot weiß doch das man nie durch merkwürdige Türen gehen soll, doch ein unwiderstehlicher Drang zieht meinen Blick immer wieder zur Tür hin. Also stehe ich auf und lese was auf der Tür geschrieben steht „Was wäre wenn..“ was das zu bedeuten hat weiß ich nicht aber meine Hand hat den Türknauf schon gedreht bevor ich sie daran hätte hindern können.

Hinter Tür befindet sich ein langer Korridor, düster und bedrohlich. Es riecht muffig und der alte Holzboden knarzt als ich darüber gehe. In dem Flur befinden sich erneut drei Türen. Eine zu meiner linken, die andere zu meiner rechten und eine am Ende des Gangs. Auf der Tür zu meiner Linken steht „Option 1“ auf der zu meiner rechten steht „Option 2“ und auf der am Ende steht „Option 3.“ Mitten im Gang steht ein kleiner runder Tisch mit einem dreiarmigen Kerzenständer, an dem das Wachs bereits herunter tropft. Er passt irgendwie nicht in diesen Flur er steht völlig fehl am Platz da und brennt friedlich vor sich hin. Wie gebannt starre ich auf das eiserne Schild von Option 1. Soll ich wie es erwartet wird die Türen der Reihe nach öffnen oder einfach wild durcheinander? Ich öffne Option 1 und trete ein. Ich stürze in tiefste Finsternis. Um mich herum ist alles dunkel, nicht ein einziges Geräusch ist zu hören.
 „Was machst du denn da?“ sagt jemand und ich werde von hinten am Arm gepackt und herumgewirbelt. Auf einmal befinde ich mich in einem gigantischen rot goldenen Ballsaal mit schweren samtenen Vorhängen. Die Person, die mich herumgewirbelt hat, ist noch sehr unscharf, wie eine unvollendete Zeichnung aus Wasserfarbe, doch je länger ich sie ansehe desto mehr nimmt dieser verschwommene Umriss, Form an und enthüllt eine mir bekannte Person. Tao umschließt mit seinen Fingern, die meinen und lächelt mich an. Verwirrt sehe ich ihn an, seine schwarzen Haare sind streng nach hinten gekämmt und er trägt ein weißes Hemd zu einem schwarzen Anzug, der mit einer hellblauen Fliege abgerundet ist.
Ich werde immer verwirrter, wo bin? Warum ist Tao hier, was hat Tao da an, und vor allem was habe ich da an? Ich sehe an mir herunter und stelle fest das ich in einem pompösen Ballkleid stecke. Es hat starke Ähnlichkeit mit dem das Cinderella in dem alten Film getragen hat.

Das Kleid hat Puffärmel, und anscheinend habe ich mich in ein Korsett gequetscht, das mir fast die Luft abschnürt. Der Rock des Kleides hat voluminöse Ausmaße und der hellblaue Stoff ist über und über mit Glitzer verziert. Meine braune Mähne fällt mir in sanften Locken über die Schultern und auf meinem Kopf ertaste ich etwas das sich anfühlt wie eine Tiara. „Wo sind wir?“ frage ich, während mich Tao zum Takt der Musik herumwirbelt. Ich stelle erstaunt fest das ich Walzer tanze, das klappt sonst nie so gut. „Wir sind auf eurem Verlobungsball Prinzessin“ flüstert mir Tao ins Ohr, während er meine Hand auf seine Schulter legt und seine eigene auf meiner Hüfte platziert. „Verlobung? Wen soll ich heiraten?“ frage ich entsetzt und starre Tao an. Traurig sagt er „Den Prinzen dort drüben“ er deutet mit einer leichten Kopfbewegung auf den Thron, der hinter ihm steht. Auf dem Thron sitz eine unscharfe Person, die ohne jegliche Gesichtszüge dasitzt und aussieht wie eine verwaschene unfertige Zeichnung. „Wer ist er?“ frage ich und Tao senkt erneut seinen Blick. „Ihr werdet gezwungen ihn zu heiraten, doch ins geheim seid ihr euch eurer Gefühle zu mir mehr als bewusst“ diese Antwort überrumpelt mich wirklich. „Meine Gefühle?“ frage ich verdutzt. Die Musik wird langsamer und Tao zieht mich wieder näher zu sich heran. „Prinzessin, bitte denkt doch an die schönen Momente, die wir gemeinsam hatten, an all das Gelächter und diese unendliche Freiheit“ in meinem Kopf tauchen auf einmal Erinnerungen auf, von gemeinsamen Spaziergängen und nächtlichem Baden im See unter dem Licht des Vollmondes. Geheime Küsse in den Fluren des Schlosses und unendlich wirkende Abende, in denen wir einfach nur draußen waren und Arm in Arm die Sterne betrachtet haben. Vielleicht ist dieses Gefühl, das ich gerade habe, ! Liebe. T ao zieht mich in eine Ecke hinter einen der schweren Vorhänge und drängt mich an die Wand.

„Prinzessin, lauft mit mir fort, ich werde Euch immer zum Lachen bringen, ich werde Euch auf Händen tragen und Euch niemals allein lassen. Wenn ihr verletzt seid werde ich Euch eigenhändig gesund pflegen und wenn ich weint werde ich Euch die schönsten Blumen bringen und Euch die spannendsten Geschichten erzählen, also bitte. Lauft nicht vor mir davon, lauft lieber in meine Arme“ ich erröte, seine Worte treffen mich tief ins Herz und die Vorstellung so meine Zeit mit ihm zu verbringen gefällt mir unglaublich. Ich bin kurz davor seine Hand zu ergreifen und mit ihm fortzulaufen, doch mein Blick wandert wieder auf den unscharfen Prinzen.
„Aber wer ist er?“ frage ich erneut. „Er ist nicht ich, aber ich bin der richtige für Euch“ antwortet Tao, doch mein Blick haftet starr auf dem Prinzen, der ohne jegliche Tiefe auf seinem Thron sitzt und das wilde Treiben beobachtet. Wer ist er? Wie ist er so? Würde ich ihn mögen? All diese Fragen schwirren in meinem Kopf und verdrängen das Bild einer glücklichen Zukunft mit Tao. „Tut mir leid, ich muss wissen wer er ist“ sage ich und hebe den Saum meines Kleides hoch und renne auf den Thron zu. Ich muss nur näher heran dann werde ich schon erkennen wer er ist. Meine in High Heels steckenden Füße laufen hastig über den Boden, doch dann ergreift mich eine Hand „Geh nicht“ Tao sieht mich flehend an mein Herz schmerzt „Ich muss“ „Bitte sei mein! Ich würde dich glücklich machen“ sagt er erneut und geht vor mir auf die Knie. „Tut mir leid“ sage ich und versuche vorsichtig meine Hand aus der seinen zu befreien „Mir tut es leid, ich werde dich nicht gehen lassen können“ erschrocken sehe ich ihn an, der Griff um meine Hand wird fester, und sein Gesicht verzieht sich zu einem gruseligen Grinsen, seine Augen funkeln rot „Du bist mein“ er zerrt mich runter, und der Boden tut sich vor mir auf und ich stürze erneut in die Finsternis. Vor mir in der Finsternis öffnet sich eine Tür, durch die ich hindurch stürze und hart auf dem Boden im Flur lande.

Schmerzhaft reibe ich mir den Rücken. Das Schild Option 1 bröselt von der Tür ab und zerfällt zu Staub. Eine der Kerzen auf dem Ständer erlischt und hinterlässt einen leicht rauchigen Geruch. Ich habe keine große Lust mehr die zweite Tür zu öffnen aber die Neugier bringt mich dazu den gewundenen Griff herunter zu drücken. Vor mir tut sich eine Allee aus gold-gelben Ginko Bäumen auf, die die Tür hinter mir verschlucken. Zaghaft gehe ich die Allee entlang und erfreue mich an dem strahlenden Gelb der Bäume. „Achtung“ schreit jemand und drückt mich zu Boden. Ein Pfeil saust knapp über meinen Kopf hinweg. „Lauf“ mein Retter zieht mich auf die Beine und zerrt mich hinter sich her. Hinter uns höre ich lautes Rufen und Schreien und das Getrappel von Hufen. Wir werden verfolgt. Mein Retter zieht mich hinter einen riesigen Ginko Baum und legt mir die Hand auf den Mund.
Vor mir steht ein junger Mann, in einer schwarzen Hose und braunen Lederstiefeln. Sein Oberkörper wird von einem ausgeleierten weißen Hemd verdeckt, dass unter einer braunen Lederweste hervorschaut. Der Mann dreht sich von mir weg und schaut in die Ferne. „Sie sind weg“ sagt er schließlich und dreht sich zu mir um. Wieder ist alles unscharf und verschwommen, doch nach längerem hinschauen erkenne ich wer mein grandioser Retter ist. „Tom?“ frage ich zögerlich „Ja? “ er sieht mich genauso verwundert an wie ich ihn. Ich schüttle überrascht den Kopf und sehe an mir herunter. Meine Füße stecken in denselben Lederschuhen wie Toms und auch ich trage eine weit geschnittene schwarze Hose. Unter meinem braunen Leder Poncho entdecke ich eine enganliegende weiße Bluse, und in meinem hohen Pferdeschwanz steckt ein Pfeil. „Das war knapp“ sagt Tom und grinst mich mit dem mir nur allzu bekannten Grinsen an. „Wer hat uns verfolgt?“ frage ich und sehe um den Baum herum. „Die Schergen des Königs natürlich. Sie wollen das wir das Gold zurückgeben“ er deutet auf meine Hand.

Erst jetzt fällt mir der durchaus schwere Beutel Gold in meiner Hand auf.
Ah, verstehe wir sind bestimmt so etwas wie Robin Hood. „Komm“ Tom nimmt mich bei der Hand und wir schleichen geduckt durch den Wald. Seine Hand ist schön warm, und er drückt meine Finger beruhigend. Plötzlich ertönt das Donnern von Hufen hinter uns, wir beginnen zu rennen, ich stürze und habe Schwierigkeiten mich wieder auf zu raffen. „Du machst auch immer Probleme“ sagt Tom lachend und hebt mich auf seine Arme. Er rennt weiter, und ich klammere mich an seinem Hals fest.
Er lacht laut, „Ohne dich wäre das Leben echt langweilig, wir erleben immer etwas Spannendes, und am Ende muss ich dich so oder so retten“ in meinem Kopf tauchen Erinnerungen auf, an einen Augenblick, in dem ich in eine Bärenfalle getreten war und Tom mich mit Panik in seinen Augen daraus befreit. Oder eine weitere, als ich hohes Fieber hatte. Er trägt mich Huckepack durch die Dörfer auf der Suche nach einem Arzt. Der einzige, den er findet, verlangt eine Unsumme an Geld. Tom fleht ihn auf Knien an mich zu behandeln, und weicht nicht eine Sekunde von meiner Seite, während ich schlafe. Er ist wirklich immer da, wenn ich ihn brauche. „Halt dich fest“ sagt er kurz bevor er einen Abhang herunterspringt. Krampfhaft unterdrücke ich einen Schrei und kralle mich an ihm fest. Kaum sind wir gelandet, rennt er weiter bis wir bei einem überdimensionalen Baum ankommen. Der Baum ist innen hohl, und im Inneren befindet sich eine Leiter. Wir klettern schnell hinauf und befinden uns mehrere Meter hoch über dem Boden in einem Baumhaus. Lachend sitzen wir am Rand der Plattform und lassen unsere Beine runter hängen.
„Du bist echt klasse“ sagt Tom und legt seinen Arm um mich. Ich genieße diesen Augenblick, ich fühle mich verstanden, geborgen und wertgeschätzt.
Es fühlt sich wie der ideale Moment an, in einer idealen Welt mit einem idealen Partner.

„Wenn wir nicht mehr gesucht werden, werden wir uns niederlassen. Wir werden jeden Tag lachen, und ich werde dir nie das Gefühl geben nicht erwünscht zu sein. Wenn du stürzt bin ich da, wenn du weinst trockne ich deine Tränen, wenn du einsam bist nehme ich dich in den Arm und sage dir all die Dinge, die du hören willst. Jeden Tag werde ich dir sagen, wie hübsch du bist, und egal wie viele Tage auch vergehen, in meinen Augen wirst du die schönste sein“ ich grinse und will das genau diese Zukunft wahr wird. Jeden Tag auf Händen getragen werden, niemals mehr einsam sein, immer Abenteuer und Lachen. Unter uns höre ich das Schnauben eines Pferdes und sehe hinunter. Auf dem Pferd sitzt der Prinz aus der ersten Tür. Genauso verschwommen wie zuvor, doch sein Kopf ist zu mir nach oben gerichtet. „Warte“ sage ich, doch er reitet weg. „Ich muss ihm nach“ sage ich zu Tom.
Er greift meine Hand „Geh bitte nicht, was ist mit unserer Zukunft? “ fragt Tom und in seinen Augen sehe ich die Angst. „Ich muss wissen wer er ist“ ich sehe ihn eindringlich an, und er weicht meinem Blick aus. „Wenn du so entscheidest, dann geh“ er steht auf und lässt meine Hand los. Erleichtert lächle ich ihn an.
„Für immer“ brüllt er und seine Hände verformen sich zu gigantisch langen Fingern, ähnlich Klauen, er schubst mich von der Plattform in die Tiefe und winkt mir grinsend hinterher. Erneut befinde ich mich in der alles verschlingenden Finsternis, und erneut schlage ich schmerzhaft auf dem Flurboden auf. Eine weitere Kerze erlischt still. Wie auch bei der ersten Tür bröselt das Schild zu Boden. Okay alle guten Dinge sind drei, entschlossen drücke ich die Tür nach innen auf und befinde mich inmitten eines Bambushains. Ich stecke in einem roten Kimono, der mit feinen Stickereien verziert ist, meine Haare sind zu einem Dutt gedreht und mit einer Haarnadel befestigt. Auf Holzsandalen stakse ich mühevoll über den belaubten Boden.

Ein harscher Wind weht durch den Bambus, und ich spüre eine Präsenz hinter mir. Ich drehe mich um und hinter mir ist der Prinz zu sehen. Er trägt eine Samurai Uniform und an seiner Hüfte führt er ein Schwert mit sich. Er bemerkt meinen Blick, dreht sich um und rennt weg. „Warte“ rufe ich und renne ihm so schnell ich kann hinterher. Ich stolpere über Stock und Stein, immer den Blick auf den Rücken des Prinzen geheftet. Wer kommt auch auf die grandiose Idee in Holzsandalen durch den Wald zu laufen? „So warte doch“ der Prinz dreht sich kurz zu mir um und bleibt stehen. Erleichtert atme ich aus und gehe langsam auf ihn zu. Egal wie nah ich ihm komme, seine Gesichtszüge werden nicht deutlicher, er sieht immer noch aus wie eine unfertige Zeichnung. „Wer- “ blitzartig zieht er sein Schwert, ich stürze zu Boden. Ich sitze auf dem Boden und er hält sein Schwert an meinen Hals.
„Wer bist du?“ fragt der Prinz, doch seine Stimme schallt durch den Wald, sie ist leer und verzerrt. „Ich weiß wer ich bin, aber wer bist du?“ frage ich erneut und hoffe inständig, dass er das Schwert von meinem Hals wegzieht. „Wieso soll ich dir verraten wer ich bin, würdest du mich kennen dann wüsstest du wer ich bin“ antwortet er. Ich denke scharf nach, ich muss ihn kennen? Das ist wirklich wie so ein Rätsel aus Alice im Wunderland. Ich habe zwei Welten, in denen ich eigentlich glücklich hätte werden können hinter mir gelassen, um ihn zu finden. „Siehst du, du erkennst mich nicht. Wieso sollte ich dir also meinen Namen nennen“ er steckt sein Schwert ein und geht. Kurz darauf ist er hinter dem Bambus verschwunden, wie ein Schatten, ein Geist, der nie da gewesen ist. Geschockt, und verzweifelt bleibe ich auf dem Boden sitzen. Plötzlich höre ich ein surren, ein zischen und sehe einen Pfeil auf mich zu fliegen. Ich bemerke ihn zu spät als das ich hätte ausweichen können. Ängstlich kneife ich die Augen zusammen und warte auf die Pfeilspitze, die meinen Kopf durchbohrt.

Als der Pfeil ausbleibt öffne ich die Augen und sehe den Prinzen vor mir. Mit seinem Schwert hat er den Pfeil zerteilt und steht schützend vor mir. Diese Pose, diese Haltung, die kommt mir so bekannt vor. „Seid ihr in Ordnung?“ fragt er und streckt mir die Papier dünne Hand entgegen. Diese Szene kommt mir bekannt vor, es gab schon einmal so einen Moment, in meinem Kopf taucht eine verschwommene Erinnerung auf, eine Person stellt sich vor mich und wehrt einen Angriff ab. Die Person, die sich immer vor mich stellt, um mich zu beschützen. Die Person, die mir immer Deckung gibt, und die Person, die mir immer den Rücken stärkt und mich bis an meine Grenzen treibt. Die Person, bei der ich mich am wohlsten fühle und mit der ich meine Zeit verbringen will. „Kaito?“ sage ich und ergreife seine Hand. Seine Hand fühlt sich direkt nach dem Aussprechen nicht mehr an wie Papier, sondern wie die Hand einer lebendigen Person, in deren Adern das Blut pulsiert. „Ja?“ ich sehe zu ihm auf, und erkenne endlich in seinem Gesicht Kaitos Züge. Wenige Sekunden später ist der Prinz vollständig zu Kaito geworden. Obwohl ich ihn nicht wieder erkannt habe ist er mir durch jede der Welten gefolgt und hat auf mich aufgepasst. Er ist sogar zurückgekommen, um mich zu retten, obwohl er für mich bis dahin noch namenlos war. „Kaito“ sage ich erleichtert und falle ihm um den Hals. Ich drücke ihn fest an mich und er erwidert die Umarmung. Um uns herum tut sich das Nichts auf und wir stürzen eng umschlungen tief hinab. Meinetwegen könnte der Sturz noch ewig so weiter gehen. Kaito drückt meinen Kopf an seine Brust und hält mich in seinen Armen. Sein Griff ist fest, aber dennoch sanft. Er behütet mich wie einen Schatz, wie etwas kostbares. Seine Hand greift mir in die Haare und zieht den Haarpfeil heraus. Meine Mähne tanzt wild um uns herum „Offen gefallen mir Eure Haare viel besser werte Hohe! it&ldquo ; er lächelt sanftmütig. Es ist durch und durch Kaito, er hat immer ein Auge auf mich auch wenn ich es selbst nicht bemerke.

Alleine schlage ich wieder auf dem Flur Boden auf. Verzweifelt sehe ich mich nach Kaito um, doch ich bin wieder ganz allein. Ich raffe mich auf, Tür eins und zwei öffnen sich und lange Schatten strecken ihre Finger nach mir aus. Aus den Türen kriechen hauchdünne Papierversionen von Tom und Tao, die ölig triefend sich japsend über den Boden zu mir herüberziehen. „Komm zurück“ jauchzen sie und strecken ihre langen Finger nach mir aus. Ich weiche erschrocken zurück. Panisch versuche ich die dritte Tür erneut auf zu machen, doch sie ist abgeschlossen, und den anderen Ausweg blockieren die öligen Gestalten. Dicke schwarze Tropfen Öl klatschen von ihren Haaren auf den Boden, sie sehen schrecklich aus.
„Nimm mich“ krächzen sie und bewegen sich immer schneller auf mich zu. Wohin, wohin, wie komme ich raus? Wach auf Mia, wach verdammt noch mal auf! Toms kalte schmierige Hand streicht mein Bein hinauf. Ich erschaudere. Er lächelt mich an und rote Tränen laufen ihm aus den Augen. „Mein Herz blutet für dich“ er greift in seinen Brustkorb aus Papier und holt etwas schwarzes pochendes hervor. Mit weit aufgerissen Augen starre ich das pulsierende Ding an. „Sei mein“ gurgelt Tao und klammert sich an das andere Bein. Der Kerzenständer flammt auf einmal auf. Die Letzte brennende Kerze leuchtet heller als zuvor und ihr Licht flüstert „Komm.“ Ich trete Tao weg und schüttle Toms Hand von meinem Bein und sprinte los. Ich höre die beiden hinter mir, sie krabbeln mir hinterher. Ihre Körper sind verdreht und fast schon durchsichtig. Tom streckt gerade seine Hand nach meinem Fuß aus da mache ich einen Hechtsprung und greife in die Flamme.

 

 

 

Kapitel 19

Als ich mich umsehe merke ich, dass ich auf der Coach im Wohnzimmer liege. Ich bin zu beschäftigt damit über diesen durchaus absurden Traum nach zu denken, dass ich erste einige Minuten später realisiere das ich nicht allein bin. Neben mir zuckt Kaito im Schlaf. Ich verfalle in eine kurze Schockstarre, oh Gott bloß nicht bewegen, bloß nicht atmen, einfach beten das er nicht aufwacht. Hat er die Couch ausgeklappt? Während ich geschlafen habe? Wie hat er das gemacht? Aber die bessere Frage, haben wir die ganze Nacht so gelegen? Ich werde rot, verdammt, wieso bin ich so früh eingeschlafen. Ich drehe mich zu Kaito um und bemerke das er seinen Arm um mich gelegt hat und friedlich schläft. Er drückt mich fest an sich, und sein Atem kitzelt mich im Gesicht. Ich könnte ihn ewig so ansehen, am liebsten würde ich ihm jetzt durch die Haare fahren und ihm einen Kuss auf die Wange drücken. Doch in meiner Brust ist gleichzeitig dieses beklemmende Gefühl, was wenn er gleich aufwacht und einfach geht? Was wenn dies hier ein Sonderfall ist, wenn er mich danach wieder so behandelt wie vorher? Was wenn sich nie etwas ändern wird? Mir brennen die Tränen in den Augen, doch ich will mich nicht bewegen, weil Kaito sonst wach werden wird. „Was hast du?“ Kaito sieht mich direkt an, doch anstatt sich von mir zu lösen zieht er mich noch ein Stück näher zu sich. Ich blinzle die Tränen weg und zwinge mir ein Lächeln auf „Was meinst du?“ frage ich spielerisch „Na komm, du warst noch nie eine besonders gute Lügnerin-“ er stoppt „und man sieht die Tränen in deinen Augen“ er grinst verschlafen.
Ich wische mir über die Augen „Welche Tränen?“ frage ich lachend. Kaito nimmt seine Hand von meiner Hüfte und wuschelt mir durch die Haare „Viel besser“ sagt er. Aus irgendeinem Grund überkommt mich auf einmal Panik, ich richte mich auf und sage „Ja also ich geh dann mal.“

Er packt mich am Arm und zieht mich wieder zurück zu sich. Er kuschelt sich von hinten an mich und flüsterte mir ins Ohr „Lass mich nur noch ganz kurz so bleiben, du bist nämlich echt bequem“ ich höre ein Kichern in seiner Stimme Ich schlage ihm spielerisch auf den Arm. Er ist mir so nah, dass ich seinen Atem an meinem Ohr spüre, und die leichte Kälte löst eine Gänsehaut bei mir aus. „Du duftest gut“ murmelt Kaito in meine Haare und es kitzelt mich im Nacken. Ich werde rot und bin heilfroh das Kaito es nicht sehen kann. Mir bricht der Schweiß aus „Kaito?“ frage ich und drehe mich vorsichtig zu ihn um. Er ist wieder eingeschlafen. Wovon er wohl träumt? Ich erinnere mich wieder an meinen Traum, im Traum habe ich mich für Kaito entschieden, aber was, wenn es in der Realität nicht so läuft. In Momenten wie diesen, denke ich das Kaito wirklich genauso empfindet wie ich, aber in anderen Momenten denke ich das all dies Aussichtslos ist. Und all das Glück was ich vorher gespürt habe ist verschwunden, wie als hätten die Zweifel es verschluckt. Ich befreie mich vorsichtig aus seiner Umarmung. Er zuckt leicht und ganz kurz habe ich die Befürchtung er würde aufwachen. Ich hole ein Lacken vom Wäschereck draußen und lege es über ihn. Ich sehe auf die Uhr, halb 7. Kaito murmelt etwas im Schlaf und dreht sich wild umher. Ich sehe ihn noch eine Weile an, seine Lippen laden förmlich dazu ein sie zu küssen. Ich liebe ihn einfach zu sehr, manchmal ist es echt beängstigend wie viel Platz eine einzige Person in meinem Herzen einnehmen kann. Ich knie mich zu ihm an die Couch, beuge mich zu ihm herunter und sehe ihn einfach an. Bin ich gruselig? Ich meine ich knie hier und starre meinen besten Freund beim Schlafen an. Aber irgendwie hat dieser Moment etwas ganz Besonderes. Es fühlt sich wie einer dieser Momente, an die man aus Filmen kennt, bei denen man sich denkt, d! ass sowa s im realen Leben niemals passieren würde.

Der Prinz, der die schlafende Prinzessin wach küsst, der verschmähte Nebenbuhler, der seiner Geliebten heimlich im Schlaf einen letzten Kuss aufdrückt oder der geheime letzte Abschiedskuss, bevor man geht und die andere Person für immer verlässt. Es kommt mir fast so vor als wäre ich Prinz Phillip und Kaito wäre Aurora. Ein leichtes Lächeln umspielt meine Lippen, dieser Vergleich kann auch nur mir einfallen. Kaito rollt sich herum, und ich kann ihm direkt ins Gesicht sehen. Ich beuge mich vor, und seine Lippen sind den meinen näher als je zuvor. Ich zögere, in meinem Traum ist Kaito auf mich zu gegangen, und ich habe selbst im Schlaf alle möglichen Zukünfte, in denen ich glücklich hätte werden können, abgelehnt, um ihn zu finden. Wieso soll ich jetzt also zögern. Ich beuge mich vor und küsse ihn, es ist zwar schnell und kein intimer Kuss, aber es ist ein Kuss. Meine Lippen lagen auf seinen, und ganz kurz hatte ich das Gefühl, das er den Kuss erwidert hat, was völlig unmöglich ist da er ja geschlafen hat. Ich renne möglichst leise zur Treppe. An der Treppe angekommen schaue ich noch einmal kurz hinter der Stützsäule vorbei ins Wohnzimmer. Kaito sitzt aufrecht auf der Couch und reibt sich verschlafen die Augen. Er sieht sich um, vermutlich fragt er sich, ob das alles ein Traum war oder wohin ich verschwunden bin. Dann tut er etwas mit dem ich nicht gerechnet hätte. Hat er den Kuss gespürt? Er streicht sich über die Stelle, an der meine Lippen kurz zuvor waren. Seine Finger streichen über seine Lippen und halten inne. Es war zwar nur ein sehr flüchtiger Kuss, zu mehr habe ich mich nicht getraut, aber er hat es anscheinend bemerkt, und es ist mir unendlich peinlich, falls er sich wirklich daran erinnert. Ich hoffe er denkt es sei ein Traum gewesen. Ich habe ihn zwar vor einigen Wochen im Zoo geküsst, aber das zählt nicht, weil unsere Freunde uns dazu gedrä! ngt habe n, und ich mir deshalb nicht sicher sein kann, dass er mich auch ohne ihr drängen geküsst hätte.

Ich sprinte die Treppe hoch und flüchte mich ins Zimmer. Ich verkrieche mich unter meinem Lacken und denke nach. Mein Herz rast wie wild, und auf meinen Lippen ist immer noch dieses leichte Kribbeln, wie als hätte ich Brausepulver im Mund.
Ich lache in mich hinein, es ist ein schönes Gefühl, mir ist warm und kalt zu gleich, ich freue mich und doch habe ich Angst. Ich will das er denkt es sei ein Traum gewesen, aber andererseits will ich auch das er weiß das ich ihn geküsst habe damit er über mich nachdenkt. Am liebsten würde ich Audrey und Niki wecken und ihnen davon erzählen, vermutlich würde Niki kreischen und mir ein High Five geben, und Audrey würde nur den Kopf schütteln und mir sagen was für eine kindische Aktion das war. Wenn ich so drüber nachdenke bin ich eigentlich sehr froh, dass sie noch nicht wach sind. So bleibt dies mein kleines Geheimnis. Ich starre die Decke über meinem Bett an, weiß über noch mehr weiß. Ich seufze, ich hätte einfach neben Kaito liegen bleiben sollen, wir hätten weiter gekuschelt und vielleicht hätte mein Traum ein schöneres Ende gehabt. Ich rolle mich auf die Seite „Man wärst du doch einfach liegen geblieben du Hohlbrot“ flüstere ich und raufe mir die Haare. Verzweifelt lasse ich die Arme sinken, ziehe das Laken bis unters Kinn und schließe die Augen. Wenn ich Glück habe kann ich ja einfach wieder einschlafen.
„Wach auf Schneckchen“ haucht mir jemand ins Ohr und ich schrecke hoch. „Man Tom, was willst du?“ sage ich und mein Herz rast. Wieso kann er mich nicht wie einen normalen Menschen wecken, einfach Decke wegziehen oder einfach nur Guten Morgen sagen. „Komm frühstücken“ sagt er und grinst mich von oben herab an.
„Ja schau weg“ befehle ich ihm, während ich zum Schrank rüber schlurfe. Tom setzt sich brav mit dem Gesicht zur Wand auf mein Bett. „Du willst also nicht das ich sehe was für hässliche Unterwäsche du doch trägst?“ stichelt Tom und lacht

„Haha sehr witzig“ antworte ich sarkastisch und zwänge mich in ein grell orangefarbenes bauchfreies Top mit dünnen Spagettiträgern. „Woher willst du bitte wissen wie meine Unterwäsche aussieht?“ frage ich doch etwas nervös. „Oho, hat da jemand Angst das ich Recht habe?“ er lacht erneut. Ich schlüpfe schnell in schwarze Hot Pants. „Jetzt hör schon auf, du bluffst doch nur“ ich boxe Tom gegen die Schulter. Er dreht sich um und streicht sich die blonden Locken aus der Stirn. „Nicht schlecht“ sagt er und scannt mich von oben bis unten ab. „Findest du?“ frage ich und versuche mir einen Pferdeschwanz zu binde, doch immer wieder fallen einzelne Strähnen heraus. Tom steht auf und löst meine Hände von meinen Haaren. Verwundert sehe ich in an, er wuschelt mir einmal durch die Haare und sieht mich dann nachdenklich an „So ist es besser“ sagt er. Ich schaue in den Spiegel, mit offenen Haaren sieht es echt besser aus als mit zusammengebundenen.
„My lady“ sagt Tom und hält mir die Tür auf, mit einem tiefen Knicks bedanke ich mich und gehe an ihm vorbei zur Treppe. „Was hast du da eigentlich an?“ frage ich, während ich die ersten Stufen hinuntersteige. „Was meinst du?“ ich drehe mich auf der Stufe zu Tom um. Er steht einige Stufen höher und mustert sein Outfit. „Ich meine die kleinen Wale“ ich deute mit dem Finger auf die Stickereien auf seinem Hawaii Hemd. „Sind die nicht mega süß? Die kleinen Blauwale schwimmen über mein Hemd“ sagt er und seine Augen strahlen dabei. Ich schmunzle, ab und zu ist er wirklich wie ein kleines Kind. Die anderen erwarten uns freudig auf der Veranda, alle sitzen um den großen Tisch herum und essen gemütlich. Tom und ich quetschen uns zu Audrey und Joel auf die Bank. „Na, gut geschlafen?“ fragt Leo und grinst mich an. Panisch reiße ich den Kopf herum. Ich gebe ihm mit einem wütenden Blick zu verstehen, dass niemand von meinem nächtlichen Ausflug weiß.

„Ja sehr gut sogar“ sage ich ruhig und schiele dabei vorsichtig zu Audrey und Niki herüber, die Leos Anspielung glücklicherweise überhört haben. Kaito kommt kurze Zeit später auch nach draußen auf die Veranda und setzt sich mir gegenüber.
Er starrt mich über den Tisch hinweg an, doch ich weiche seinem Blick mehr als offensichtlich aus. „War irgendwas?“ fragt mich Audrey „Wieso?“ frage ich zurück und mustere ausgiebig die Maserungen des Tisches. „Jetzt tu doch nicht so unwissend. Du weichst Kaitos Blick doch ganz offensichtlich aus.“ Sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. „Nein es ist alles gut!“ sage ich und versuche ihren Fragen auszuweichen „Na komm sei ehrlich“ sagt sie und sieht mich eindringlich an.
„Es war nichts, okay?“ schreie ich fast schon und alle, einschließlich Kaito drehen ihre Köpfe zu mir. Es ist plötzlich ganz still. Auf einmal ist es mir unglaublich peinlich, dass ich so laut geworden bin. Peinlich berührt sehe ich auf meinen leeren Teller. „Wir reden später“ flüstert Niki mir zu und legt mir unterstützend die Hand auf den Unterarm. Ich schweige, bis alle anderen mit dem Essen fertig sind.
„So, was machen wir heute?“ fragt Cindy und starrt entnervt auf ihre Nägel. „Strand?“ fragt Emilio und kratzt sich über die Bartstoppeln. „Ich bin dafür“ sagt Niki freudig und alle stimmen ihr mehr oder weniger begeistert zu. Wir Mädels stampfen die Treppe ins Obergeschoss hoch und verbarrikadieren uns in unserem Zimmer.
„So Mia, was war da mit dir und Kaito?“ fragt Audrey und kramt in ihrer Schublade herum. „Rein gar nichts“ sage ich genervt und fummle meinen blass rosafarbenen Bikini mit der hoch ausgeschnittenen Hose aus meinem Schrank. „Wen willst du denn mit diesem heißen Teil verführen?“ fragt Laura und grinst mich an. „Niemanden“ lüge ich, natürlich will ich das Kaito die Augen rausfallen, wenn er mich in diesem Hammer Teil sieht. „Na was haltet ihr von dem?“ fragt uns Laura und dreht sich vor uns im Kreis.

„Rot steht dir echt gut“ sagt Niki, während sie ihren blau weiß gestreiften Bikini zurechtrückt. „Soll ich eigentlich Tao und Lou Bescheid sagen? Wir könnten sie am Strand treffen“ sage ich und werfe mir ein langes dunkelblaues Kleid über.
„Also ich find die beiden waren ziemlich entspannt, es war echt witzig mit ihnen“ sagt Laura und meidet dabei meinen Blick. „Bin ich die Einzige die Lauras Blick gesehen hat?“ frage ich „Nein, ich hab’s auch gesehen“ sagt Audrey und bindet sich ihren dunkelgrünen Bikini im Nacken zusammen. „Welcher Blick?“ fragt Laura und ihre Stimme wandert eine Oktave höher als sie das sagt. „Du magst einen der beiden, stimmts?“ kreischt Niki und sie fällt Laura in die Arme. „Wen, wen der beiden? Tao? Lou? Es ist bestimmt Tao, er ist echt toll“ sage ich und verhasple mich dabei fast. Laura sagt nichts, doch ihre Ohren laufen rot an, und wir haben unsere Antwort.

Wir gehen runter, um die Jungs zu holen. Diese sitzen schon fertig auf der Couch im Wohnzimmer, selbst Cindy und Michelle. „Habt ihr euch extra für uns aufgehübscht?“ sagt Kaito sarkastisch, doch als sein Blick zu mir wandert begutachtet er mich genau. Ich lächle ihn an, Schluss mit den ausweichenden Blicken. Kurz bevor wir das Haus verlassen, simse ich Tao, das wir auf dem Weg zum Strand sind, und sie ja dazu stoßen können. Wir radeln zum Strand und suchen uns dieses Mal einen Platz auf dem weißen Sandstrand. Die Sonne brennt mir fast ein Loch in den Schädel, meine Haare kleben schwitzig an der Stirn. „Hier“ Kaito drückt mir seine Baseball Cap auf den Kopf. „Danke“ er lächelt mich an. „Sieht richtig männlich aus“ scherzt er und kassiert direkt einen leichten Schlag gegen den Arm. Es ist schön, dass er endlich wieder Witze macht. Auch wenn es Witze auf meine Kosten sind. Kaito spannt den Sonnenschirm auf.

„He Freunde!“ ruft jemand, als wir uns umdrehen erkennen wir wie Lou uns über den weißen Sand entgegenkommt, hinter ihm Tao. Das erste was Lou sagt ist „Hallo Michelle“ er zwinkert ihr zu. „Na Minnie“ er sieht mich an. Er nennt mich Minnie, weil ich aus seiner Perspektive echt winzig bin. Ich weiß das er es nicht böse meint, deshalb ist es in Ordnung. Er und Lou stehen beide in Badehosen vor uns, mit zwei fetten Strandtaschen über ihren Schultern. Kaito zieht mich am Arm zur Seite „Was machen die zwei Lackaffen hier?“ zischt er wütend. „Ich habe sie eingeladen“ sage ich wenig beeindruckt von seinem Versuch mich einzuschüchtern. „Wieso!“ er wird lauter „Sie sind nett, und Laura scheint Tao zu mögen, also lass mich doch ein bisschen Armor für die beiden spielen“ sage ich ganz ruhig und stemme die Hände in die Hüfte. „Laura mag Tao? Nur Laura?“ fragt er erneut „Jaaa“ langsam wird es nervig. „Gott sei Dank“ nuschelt er „Was?“ „Ach nichts“ Kaito dreht sich um und geht wieder zu den anderen zurück.

Ich breite mein schönes Grease Handtuch über den Strand aus „Du hast das Ding immer noch?“ fragt Kaito und beäugt es kritisch. Ich habe das Handtuch mit 13 von meiner Schwester geschenkt bekommen, und es seitdem immer mitgenommen, an den Strand, an den See, in Schwimmbad. Bei vielen dieser Gelegenheiten hat Kaito es dann auch zu Gesicht bekommen. „Ich liebe es nun mal. Schau doch nur wie dich Danny ansieht“ ich streichle mit dem Finger über das aufgedruckte Gesicht. Kaito verdreht die Augen. „Wer hat Lust auf Reiterkampf?“ fragt Lou in die Runde, wobei sein Blick zu Michelle herüber wandert. „Klar wird sicher lustig“ sagt Emilio und stemmt sich vom Boden hoch. „Wie entscheiden wir die Teams?“ frage ich, und hoffe inständig, dass Kaito mich als Partner haben will. Nach einer heftigen Diskussion darüber, ob wir es auslosen oder einfach nach Lust und Laune in zweier Teams gehen sollen entscheiden wir uns schlussendlich für Schnick Schnack Schnuck. Leider fällt das Ergebnis nicht so aus wie ich mir das gewünscht habe. „Erstes Team Tao und Mia, zweites Team Michelle und Lou, drittes Team Joel und Audrey, viertes Team Niki und Emilio und zu guter Letzt Tom und Laura“ verkündet Leo feierlich.
Er und Kaito haben beide beschlossen sich aus dem Spiel auszuschließen. Frustriert sehe ich zu Kaito herüber der mit runtergeschobener Sonnenbrille auf seinem Handtuch liegt, und mich mal wieder keines Blickes würdigt. Wir gehen ans Wasser, und ich tauche langsam erst einen, dann den anderen Fuß ins Wasser. Es ist auch heute nicht wirklich kalt, aber kalt genug, um sich etwas abzukühlen. Tom stellt sich neben mich und starrt auf die glitzernde Oberfläche. Hinter ihm entdecke ich Laura die sich angeregt mit Tao unterhält. „Lass uns gleich die Partner tauschen“ sage ich zu Tom. „Wieso? Ist dir Tao nicht Manns genug? “ witzelt er, doch seine Augen sehen mich ehrlich verwundert an. Ich deute ihm mit der Hand an sich zu mir herunter zu beugen. „Es scheint so dass sich Laura für ihn interessiert“ „Nicht dein Ernst? “ fragt er flüsternd „Ich will ein bisschen Amor spielen und sehen was passiert.“ Er stellt sich wieder gerade hin und mustert mich eindringlich „In Wahrheit willst du doch nur sehen, wie sie rot wird“ er hat nicht ganz unrecht, es ist wirklich niedlich zu sehen wie Laura rot wird. „Eventuell“ ich tue unwissend. „Na gut, aber nur wenn du und Tao uns beide besiegt“ Tom ist kein schlechter Verlierer, aber er hasst es Leuten einen Sieg ohne fairen Kampf zu schenken. Er streckt mir die Hand hin. „Einverstanden“ ich schlage ein.
Plötzlich schubst mich jemand und ich lande mit dem Gesicht voran im kalten Wasser. Mein Herz rast, und das kühle Wasser prickelt auf der Haut. Ich wische mir die nassen Haare aus der Stirn und funkle Tom böse an. Dieser hebt schützend die Hände und schüttelt den Kopf. „Da ist sie ja wieder, meine kleine Meerjungfrau“ Tao kommt zu mir und grinst. So behandelt man doch keine echte Lady.
Ich schnaube verächtlich. Niki und Audrey sitzen bereits auf den Schultern ihrer Partner, und auch Laura klettert mühsam auf Toms. „Wollen wir?“ fragt Tao und streicht sich durch die Haare. Ich nicke und gehe tiefer ins Wasser, Tao taucht unter und kommt unter mir wieder hoch. Ein leises Kreischen dringt aus meinem Mund und ich kralle mich an Taos Kopf fest als dieser mich hoch aus dem Wasser hebt. „Hey hey, reiß mir nicht die Haare raus“ scherzt er, während er meine Beine festhält. Es ist echt ungewohnt so groß zu sein. „Machts Spaß da oben?“ fragt Lou der mit Michelle auf den Schultern zu uns herüberkommt. „Joa irgendwie schon“ stammle ich und bemühe mich mein Gleichgewicht zu behalten als Tao los geht.

Wir spielen in der ersten Runde gegen Lou und Michelle „Du wirst tauchen gehen, mein Freund“ sagt Lou mit einem riesigen Grinsen im Gesicht. „Keine Angst, ich lasse dich nicht fallen“ antwortet er und der Griff um meine Beine wird fester. Im Augenwinkel sehe ich wie Kaito vom Strand zu uns herüber sieht. Michelle und ich schubsen uns gegenseitig und lachen dabei. Es macht wirklich Spaß, selbst dann, wenn ich kurz Angst habe das ich runterfalle. Tao unter mir wackelt die ganze Zeit hin und her, er und Lou gehen dabei viel rabiater vor als ich und Michelle.
Michelle und ich verschränken unsere Hände ineinander und geben uns die größte Mühe den anderen runter zu drücken. Auf einmal merke ich wie Tao unter mir immer weiter zurück geht, und so kommt mir die Idee Michelle einfach nach vorne zu ziehen. Mit aller Kraft ziehe ich sie zu mir hin, und Lou schafft es nicht rechtzeitig das Gleichgewicht wiederherzustellen, so dass die beiden kopfüber ins Wasser fallen. „Round 1, easy win“ sagt Tao und streckt mir die Hand zu einem High Five entgegen. Ich schlage ein, und dabei taumelt Tao langsam zurück und rutscht weg. Wir beiden fallen nach hinten, und obwohl es nur Wasser ist, ist der Aufschlag echt schmerzhaft.

Mein Rücken brennt und kribbelt beim Auftauchen. „Nicht schlecht meine kleine Arielle“ sagt Tao und legt seine Arme von hinten um mich. „Wir sind ein gutes Team“ fügt er hinzu und stützt sein Kinn auf meinem Kopf ab. „So das reicht“ Kaito taucht wie aus dem Nichts auf und schiebt Tao von mir weg. Ich habe die leichte Vermutung, dass er eifersüchtig ist, aber er könnte auch einfach nur genervt sein das wir Spaß haben und er nicht. Beides wäre möglich. Kaito sieht zu mir herunter „Was ist?“ frage ich und blinzle gegen die Sonne. Er streicht mir auf einmal die Haare aus der Stirn und sieht mich weiter still an. Dann öffnet er den Mund, um etwas zu sagen „Verdammt, wir haben verloren“ ruft Lou und Kaito schließt den Mund wieder. „Sorry, dass wir verloren haben“ sagt Michelle, während sie ihren Bikini richtet. „Schon okay, mir ging es nur darum, dich mal lächeln zu sehen. Und es hat sich tatsächlich gelohnt“ antwortet Lou und schenkt ihr dabei ein warmes Lächeln. Für einen kurzen Moment denke ich, dass ich ein kleines Leuchten in Michelles Augen gesehen habe. Plötzlich legt sie ihre Hand in seinen Nacken und zieht ihn zu sich runter und drückt ihm einen Kuss auf die Wange „Als kleines Dankeschön“ sagt sie und setzt ihr unbeeindrucktes Gesicht auf. Ich habe Michelle schon mit vielen Typen zusammen gesehen, und weiß daher, wie ihre Mimik ist, wenn sie jemanden ohne tiefere Hintergedanken küsst. Aber dieses Mal, habe ich sie bei einer Lüge erwischt. Sie setzt dieses unbeeindruckte Gesicht auf, damit bei den anderen nicht der Gedanke aufkommt, dass sie Lou tatsächlich interessant findet. Aber ich habe für einen kurzen Moment hinter ihre Fassade blicken könne, und an der Art wie Lou sie in dem Moment ansieht, weiß ich, dass er es auch gesehen hat. Michelle schreitet durchs Wasser in Richtung S! trand &b dquo;Warte“ ruft er ihr nach. In dem Moment als sie sich zu ihm umdreht küsst er sie. Alle Köpfe drehen sich zu den beiden um, und selbst Cindy schaut von ihrem Magazin hoch.

Kapitel 20

Niki und ich werfen uns einen aufgeregten Blick zu, der mir sagt, dass wir auf jeden Fall später darüber reden werden. Lou löst sich von Michelle und sie sieht ihn entgeistert und gleichzeitig überrascht an. Diesen Gesichtsausdruck habe ich auch noch nie gesehen. „Willst du auch? “ fragt Tao und spitzt die Lippen „Nein Danke!“ sage ich und wende mich wieder Lou und Michelle zu. Michelle braucht einige Sekunden, um sich zu fangen, doch dann macht sie auf dem Fuße kehrt und geht wieder auf den Strand zu, und Lou ihr hinterher. „Komm schon, gibs doch zu, ich habe dich überrumpelt“ ruft er ihr hinterher. Sie schweigt, was so viel wie ein unausgesprochenes ja ist „Wusste ich‘s doch“ sagt er und rennt schneller auf sie zu. Tao packt mich an der Taille und wirft mich ins Wasser. Tausend kleine Blasen sprudeln um mich. „Schon wieder? Wieso?“ frage ich und spucke eine Menge Salzwasser aus. „Einfach um deinen kleinen Hitzkopf abzukühlen“ er grinst. Ich verdrehe die Augen, wie witzig. Nur weil ich so fasziniert auf Lou und Michelle geachtete habe. Wir beide waten durchs Wasser zu den anderen hinüber. Emilio und Niki spielen gerade gegen Audrey und Joel. Niki sieht so glücklich aus und auch Emilio scheint Spaß zu haben. Sie strahlt bis über beide Ohren und lacht die ganze Zeit, während sie versucht Audrey von Joels Schultern zu stoßen.
Das Überraschende ist, selbst Audrey lacht. Joel steht wie ein Fels und taumelt nicht einen Millimeter. Emilio wird von Joel einmal kräftig nach hinten geschubst und die beiden klatschen mit einem lauten Platschen ins Wasser. „Klasse Baby“ Joel hebt Audrey von seinen Schultern. „Und? Wer will gegen uns spielen?“ fragt Tom und kommt durchs Wasser auf uns zu gewatet, im Schlepptau hat er Laura. „Wollen wir noch mal?“ fragt Tao und lehnt sich an mich. Ich nicke und zwinkere Tom dabei unauffällig zu.

Kaito funkelt Tao böse an und folgt jeder seiner Bewegungen mit den Augen. Dieser Anblick gefällt mir. Sonst bin ich immer die Eifersüchtige, doch irgendwie habe ich das Gefühl, das dieses Mal er der Eifersüchtige ist. Tao taucht unter und hebt mich unter Wasser auf seine Schultern. Tao ist etwas größer als Tom so, dass ich höher sitze als Laura. „Du gehst baden“ sage ich zu Tom. „Du auch meine allerliebste Freundin“ antwortet er und stemmt selbstsicher die Hände in die Hüfte. Laura wackelt gefährlich, erst dann legt Tom seine Hände um ihre Beine und sie findet ihr Gleichgewicht wieder. „Bereit?“ „Bereit“ antworte ich Laura. Wir beide kichern wild und geben uns die größte Mühe den anderen runter zu schubsen. Tom kommt Tao so nahe, dass ich fast Lauras Atem spüren kann. Sie fängt an mich zu kitzeln, was echt unfair ist, aber ich hätte es vermutlich genauso gemacht. Vor lauter Lachen verliere ich das Gleichgewicht. Ich habe meine Beine so fest um Tao geschlungen, dass ich ihn mit mir nach unten reiße. Ich paddele mit den Füßen, um nicht unter zu gehen. Tao taucht neben mir auf „Ach verdammt!“ er ragt, wie ein Felsen aus dem Meer, während ich mir größte Mühe geben muss nicht unterzugehen. „Kannst du hier etwa nicht stehen?“ „Nein“ antworte ich. „Na dann“ er und zieht mich zu sich ran. „Soll ich dich tragen?“ fragt er und sieht mich verführerisch an. Ich drücke mich von ihm weg „Nein danke.“ Ich paddele weiter im Wasser, als ich spüre, wie etwas meinen Fuß streift. Ich schreie auf und höre kurz auf zu strampeln und gehe sofort unter. Jemand zieht mich hoch, Tao? Nein, Kaito sieht mich besorgt an. „Alles okay?“ fragt er, ich nicke. Er hält mich fest so, dass ich nicht weiter strampeln muss. Manchmal ist es echt von Nachte! il so kl ein zu sein. „Ich mag ihn nicht!“ zischt Kaito und funkelt Tao böse an der gerade eine verlegene Laura mit Wasser bespritzt.
„Ach komm, er ist echt nett. Und Laura mag ihn“ sage ich und versuche ihm in die Augen zu sehen.

Er sieht nicht sehr überzeugt aus „Vertrau meiner Menschenkenntnis“ sage ich und halte mich an seinem Arm fest „Deine Menschenkenntnis ist leider nicht so gut, wir erinnern uns an Finn, Marco und Sarah“ sagt Kaito und zieht mich ins flachere Wasser. Das ist unfair, Finn war einfach hinterhältig, und wie hätte ich das ahnen sollen. Ich meine man verdächtigt doch nicht direkt jeden ein Einbrecher zu sein. Und Marco, mein damaliger Arbeitskollege, mit dem ich mich wirklich gut verstanden habe, der aber dann auf einer Party anfing mich zu begrapschen so das Kaito ihm einen Schlag in den Magen verpasst hat. Und Sarah, die gute Sarah, sie war neu an unserer Schule und ich habe sie zu unserer Clique eingeladen, weil sie echt nett war, aber unsere Wege haben sich getrennt. Nicht nur weil sie sich an Kaito rangemacht hat, nein sondern weil sie überall Gerüchte über mich und die anderen verbreitet hat. Solche wie: Audrey hat was mit einem Lehrer, Niki sei der in Begriff eines blöden Blondchens und zu guter Letzt hat sie erzählt das ich nur mit Kaito befreundet bin, weil er gut aussieht. Er sieht gut aus das stimmt, aber das ist mir erst aufgefallen als ich mich schon längst in ihn verliebt hatte. „Das stimmt nicht, Lou und Tao sind wirklich in Ordnung. Marco, Finn und Sarah waren eben Fehlgriffe“ sage ich und er bleibt stehen. Prüfend sieht er mich an „Wieso setzt du dich so für die beiden ein?“ fragt er „Sie sind nett, und sie sehen gut aus“ sage ich und unterdrücke ein Grinsen. „Das hast du gerade mit Absicht gesagt“ seine Augen verziehen sich zu kleinen Schlitzen. „Möglicherweise“ ich grinse, er reagiert damit, dass er mich Unterwasser drückt. Irgendwie mögen es die anderen mich ins Wasser zu werfen. „He kommt mal zusammen für ein Foto“ ruft Leo vom Strand aus. Wir waten ins Knöcheltiefe Wasser und Leo überreicht einem Mann! seine K amera. Ich lege meine Arme um Audrey und Niki. Laura kniet sich vor uns ins Wasser. Cindy braucht einige Minuten, um die richtige Pose für das Foto zu finden. Wir verdrehen die Augen.

Michelle positioniert sich neben ihr und wirft sich in Pose. Die Jungs hinter uns machen irgendeinen Mist, doch als der Mann anfängt runterzuzählen stellen sie sich brav hinter uns in eine Reihe. Der Mann macht mehrere Fotos hintereinander und gibt Leo dann die Kamera zurück. Aufgeregt schaue ich Leo über die Schulter und schaue mir die Bilder an. Sie sind echt gut geworden, alle lächeln glücklich in die Kamera. „Sieh mal da“ sagt Tao der plötzlich hinter mir steht. Er deutet auf eins der Bilder. „Da, schau mal wie er dich ansieht“ Leo zoomt heran und man erkennt klar und deutlich wie Kaito mich lächelnd ansieht. Sein Blick ist nicht mehr auf die Kamera gerichtet, sondern auf mich. Zumindest denke ich das er mich ansieht.
„Sieh mal einer an. Ein klitzekleiner Fehler“ sagt Leo schmunzelnd. „Da scheint dich jemand zu mögen“ sagt Tao und knufft mich in die Seite. Kaito zieht mich von Tao weg und schiebt mich zurück zu unseren Handtüchern. Wir setzen uns hin.
„Hat Kaito irgendwas?“ flüstert mir Niki fragend ins Ohr. Ich zucke mit den Schultern. Lou setzt sich auf sein Handtuch und deutet Michelle an sich zu ihm zu setzen. Sie wirft die Haare zurück und setzt sich stolz neben Cindy. „Wie wäre es, wenn ich eine Frage deiner Wahl richtig beantworte setzt du dich zu mir“ sagt Lou und lehnt sich zurück. Michelle denkt nach, ich weiß das ihr die Idee gefällt, sie liebt es zu spielen. „Na gut, eine Frage meiner Wahl sagt sie“ Lou grinst und sieht an ihr vorbei zu mir. Helft mir formt er mit den Lippen. Niki und ich sehen uns an und nicken. „Was sie wohl fragen wird?“ frage ich Niki „Keine Ahnung, bestimmt irgendwas richtig schweres.“ Wir warten gespannt ab „Welche Schuhe trage ich am liebsten?“ Lou sieht mich an, ich sehe Niki an und diese sieht mich an. Ich deute Lou mit der Hand an, er solle die Antwort etwas hinauszögern. „Bestimmt irgendwas hohes“ flüstert Niki „Mit viel Glitzer“ füge ich hinzu. „Sie trägt doch beim Feiern gehen immer diese High Heels“ sagt Niki.

Ich versuche mich an die zich Male zu erinnern, an denen ich sie zufällig im Club oder so getroffen habe. Ich erinnere mich an diese Schuhe. „Schwarz“ „Mit Glitzer“ fügt Niki hinzu. „Und mit einer roten Sohle“ Niki nickt zustimmend. Jetzt müssen wir die Information nur noch zu Lou bringen. Wir winken ihm zu, er sieht uns an. Mit den Händen deuten wir hoch an. „Sie sind hoch, High Heels“ danach deutet Niki auf Leos schwarzes Shirt, das aus seiner Tasche schaut. „-in schwarz“ er pausiert. Mit den Händen versuche ich so gut es geht Glitzer dar zu stellen. Er sieht mich verwirrt an, das ist die schwerste Runde Scharade überhaupt. „Schwarze High Heels mit Glitzer“ sagt er zögerlich und ich nicke wild. Niki hebt ihren Schuh hoch und zeigt auf die Sohle und formt dann mit dem Mund das Wort rot. „Schwarze Glitzer High Heels mit roten Sohlen“ sagt Lou freudig und Michelle sieht ihn überrascht an. Sie fährt herum und sieht uns prüfend an. Niki und ich tun so als wären wir ganz tief in eine Runde Uno vertieft. „Nicht schlecht“ sagt sie und steht auf „So ein Versager“ nuschelt Cindy und rollt sich etwas mehr in die Sonne. Michelle setzt sich zu ihm und Lou rutscht direkt näher. Er legt seinen Arm um sie und flüstert ihr etwas ins Ohr was sie scharlachrot anlaufen lässt. Ich wüsste zu gerne was er ihr gesagt hat. Sie zuckt, stampft zu ihrer Tasche zurück und holt ihr Handy. Als sie wieder neben ihm sitzt tippt er etwas ein und gibt es ihr zurück.
Ich gehe zu den beiden herüber „Wollt ihr auch Eis?“ frage ich und deute auf Emilio der mit seinem Geldbeutel winkt. „Zwei Mal Schokolade und einmal Orange“ schreie ich zu ihm herüber. Er gibt mir ein okay Zeichen und schlendert mit Leo den Strand zum Kiosk entlang. Ich schaue mir Lous Tattoos an, ich erkenne eine Frau, einen Drachen, der von Lotusblumen und Goldmünzen umringt ist, einen Samurai mit einem blutigen Schwert und viele weitere kleine Tattoos.

„Wer ist die Frau auf deinem Tattoo? Deine Ex?“ frage ich scherzhaft, doch an seinem Gesichts Ausdruck merke ich das ich gerade in ein Fettnäpfchen getreten bin. Michelle sieht ihn wissbegierig an „Oh du meinst das?“ er deutet mit dem Finger auf die Tätowierung auf seiner rechten Brust. Ich nicke stumm „Das ist meine Mutter“ er lächelt traurig weshalb ich annehme das sie nicht mehr unter uns weilt. „Ist sie tot?“ fragt Michelle vorsichtig „Ja leider“ antwortet er und sieht auf den Boden. Michelle nimmt seine Hand und drückt sie. Ich lasse die beiden etwas alleine, irgendwie habe ich das Gefühl, dass Michelle sich ihm nun näher fühlt. Ich glaube ich habe da einen kleinen Funken fliegen sehen.

Ich gehe zu Kaito und den anderen. Tao liegt auf seinem Handtuch und ist in ein intensives Gespräch mit Laura vertieft. Cindy telefoniert lautstark und unterhält dabei den ganzen Strand.
Emilio und Leo kommen zurück und verteilen das Eis. Schokolade ist einfach das Beste „Du nimmst echt nie was anderes“ sagt Kaito und beißt in sein Sandwich Eis. „Lass mich doch“ sage ich und funkle ihn Böse an. „Keine Scherze über Eis, klar?“ sage ich und esse genüsslich weiter. „Ist ja schon gut werte Prinzessin“ sagt er und wischt mir etwas Eis vom Arm. „Danke“ sage ich beschämt. „Hey, kommt mal alle her“ ruft Michelle und winkt uns zu sich. Als alle da sind fängt sie an zu sprechen. „Also wir wollen ja morgen diesen Trip zur Nachbarinsel machen, und ich wollte fragen, ob wir Tao und Lou nicht mitnehmen wollen“ sie sieht Lou verliebt an.
Was wohl in der Zeit passiert ist, in der sie alleine waren. Ich grinse Niki an und sie grinst zurück. „Wieso willst du DEN da überhaupt mitnehmen?“ Cindy sagt dies so abfällig wie möglich. „Du interessierst dich einen Dreck dafür was ich will, du willst doch nur nicht das ich auch mal etwas Aufmerksamkeit kriege“ platzt es aus Michelle heraus.

Cindy sieht sie verblüfft an „Du quatschst immer nur über dich, du verdienst Emilio nicht. Im Ernst! Als ich dir erzählt habe das ich Lou interessant finde wolltest du es mir direkt wieder madig reden, dass machst du immer“ Sie lässt nun endlich mal ihren ganzen Frust raus und ich liebe es. „Also ihr könnt gerne morgen mitkommen“ flüstert Leo Tao ins Ohr und dieser nickt. „Selbst wenn du wütend bist, bist du immer noch schöner als Miss Sonnenbank da drüben“ Lou sieht erst Cindy böse an und küsst dann lang und demonstrativ Michelle. Damit ist der Sturm erst Mal verflogen. Doch Cindy steht völlig entgeistert da und starrt die beiden an. Sie sagt nichts, sie dreht sich um und geht. „Emilio!“ schreit sie und dieser gehorcht wie ein braver Hund und rennt ihr hinterher.

Niki und ich legen uns auf unseren Handtüchern in die Sonne. Ich will ja schließlich auch etwas braun werden. „Glaubst du die beiden vertragen sich wieder?“ fragt Niki und schiebt sich die Sonnenbrille in die Haare. „Ich hoffe nicht, ich finde es sehr gut das Michelle sich endlich von dieser Zecke befreit hat“ sage ich und schmiere mir Sonnencreme auf den Bauch. „Das war wie bei einem Ringkampf zu zuschauen“ sagt Niki und wir beide lachen.Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Es ist so angenehm, so ein wohlig warmes Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Ich versinke in meine Traumwelt. Als ich wach werde, weil ein kalter Wind mir über den Körper streicht stelle ich erstaunt fest das Kaito und Tao neben mir auf dem Sand liegen. Beide liegen so dicht bei mir das ich sie atmen hören kann. Die Sonne färbt den Himmel dunkelrot und haucht dem Ganzen so eine ruhige Stimmung ein. Die Jungs schlafen und bemerken nicht das ich aufstehe und zu unseren Sachen herüber gehe. Die anderen sind wild über den Strand verteilt. Ich entdecke in der Ferne Joel und Audrey die Hand in Hand am Strand lang gehen, etwas weiter sehe ich Cindy die Emilio anzumeckern scheint.
 Und wieder etwas weiter sehe ich Leo Tom und Niki die Frisbee spielen. Lou und Michelle liegen Arm in Arm auf ihrem Handtuch und schlafen friedlich. Ich werfe mir meine Anziehsachen über den Bikini und setze mich unter die Pinien etwas weiter weg. Ich brauche Zeit, einfach nur Zeit, um nachzudenken. Was ist nur los mit mir? Ich liebe Kaito, und das schon lange, aber irgendwie fängt mein Gehirn an sich an die Idee zu gewöhnen in niemals zu bekommen. Irgendwie fängt mein Gehirn an andere Typen in Betracht zu ziehen, Tom zum Beispiel. Ich weiß das ich ihn mögen könnte, wenn ich wollen würde aber ich liebe Kaito, egal wie kalt, er manchmal zu mir ist.
Ich lehne mich an einen der Pinienbäume, die Rinde piekst im Rücken und der Harz klebt an meiner Kleidung. Ich seufze „Na? Denkst du nach? “ fragt eine Stimme und Laura tritt hinter dem Baum hervor. „Ja“ sage ich und deute Laura an sich zu setzen. „Worüber denkst du nach?“ fragt sie und zieht die Knie unters Kinn. „Über Kaito, über meine Gefühle für ihn“ sag ich und mache es ihr gleich und ziehe die Knie unters Kinn. „Weißt du, ich erzähl dir das jetzt ganz im Vertrauen. Ich habe mich irgendwie in Tao verguckt“ flüstert sie und läuft dabei so rot an, dass sie fast mit dem Rot des Himmels verschmilzt. „Ich wusste es doch, du bist echt zu einfach zu lesen“ sage ich und drücke sie. Laura wird noch röter und ich habe kurz Angst das sie überhitzt. „Aber warum erzählst du mir das?“ ich finde es ja schön, dass sie mich ins Vertrauen zieht aber wieso ausgerechnet mich? Sie legt den Kopf schief und sieht mich an. Ich verstehe nicht und lege den Kopf ebenfalls in diese Perspektive. Sie starrt mich eindringlich an und erst dann geht mir ein Licht auf „Oh, Oh! Du denkst ich und Tao-nein, nein da ist rein gar nichts zwischen uns“ sage ich und fuchtle dabei wild mit den Händen. „Ach ja. Hätte ich mir denken können, aber gegen dich hätte ich keine Chance, wenn wir uns beide für ihn interessieren würden“ sagt sie und malt kleine Kreise in den Sand.

„Er mag mich eh nicht“ fügt sie leise hinzu „Ach komm sag so was nicht“ entgegne ich. „Er hat erst einmal mit mir geredet, ich wette er weiß nicht einmal, wie ich heiße“ sagt sie geknickt. „Dann werden wir das ändern. Ich ziehe sie hoch und schiebe sie zurück zum Strand „Tao“ brülle ich und reiße ihn aus dem Land der Träume. Verschlafen und orientierungslos richtet er seine Brille und sieht mich an. „Was“ sagt er gähnend. „Habe ich dir eigentlich schon meine Freundin Laura vorgestellt“ Laura kneift mir unauffällig in den Arm. Ein Zeichen das sie gehen will. Kaito wacht auf und sieht mich verwundert an. Ich lasse mich nicht irritieren und mache weiter.
Tao sieht Laura ganz genau an „Ah du bist doch die mit dem Goldfisch“ sagt er.
„Du hast ihm die Goldfisch Geschichte erzählt?“ flüstere ich ihr ins Ohr. „Ich wusste nicht über was ich sonst reden sollte“ entgegnet sie leise. Die Geschichte mit dem Goldfisch, ist eigentlich nichts Besonderes. Laura hatte ihn auf einem Jahrmarkt gewonnen. Sie hat ihn Charlie genannt, er ist echt nicht hübsch, aber sie hat schon viele Preise für Charlie gewonnen, weil er unglaublich riesig geworden ist. Sie hält ihn in einem gigantischen Aquarium in ihrem Zimmer und hütet ihn wie einen Schatz. Sie trägt Bilder von Charlie immer mit sich rum, und wenn ihr mal kein Thema einfällt fragt sie immer „Willst du mal meinen Fisch sehen“ und zeigt den Leuten Bilder von Charlie auf ihrem Handy. Ich und kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Ja, Laura ist die mit dem Goldfisch“ sage ich und ermutige Laura auch etwas zu sagen. „Er heißt doch Charlie?“ sagt Tao und Laura und ich sind gleichermaßen überrascht, normalerweise hören die Leute nur halb zu und wissen am Ende überhaupt nicht mal mehr was für ein Tier ihnen da gezeigt wurde.
„Ja genau“ sagt sie überrascht. „Ich finde das ist eine echt interessante Story, du musst ihn sehr lieben und pflegen sonst würde er nicht so groß werden“ sagt er und lächelt.

Laura läuft rot an, befreit sich aus meinem Griff und geht schnellen Schrittes zu unseren Taschen zurück. „Was hat sie denn?“ fragt Tao und sieht mich verwundert an „Keine Ahnung“ lüge ich. Sie ist bestimmt nur über froh, dass ihr endlich mal jemand wirklich zugehört hat und sie nicht einfach nur belächelt hat. Es wird langsam etwas kühler und wir entschließen uns nach Hause zu fahren. „Tschüss Mia“ sagt Tao mit einem leichten Schwingen in der Stimme und er geht schon ohne Lou über den Strand zurück zum Parkplatz. „Komm schon Michelle!“ sagt Cindy mit einer bestimmenden Schärfe in der Stimme. „Ja, ja“ murmelt Michelle, man kann deutlich hören wie genervt sie ist. Sie umarmt Lou lange, sehr lange. Dann pfeift Cindy erneut nach ihr und sie lässt los. „Hast du nicht was vergessen?“ fragt er und sie dreht sich wieder zu ihm um. „Was denn?“ fragt sie, und ich weiß genau das Michelle wusste was er meint. Durchtrieben, ganz wie man es von der Prinzessin der Schule erwartet. „Das“ sagt Lou und zieht sie zu sich heran, und wer hätte es gedacht? Er küsst sie lange. Ich schiele zu Cindy herüber und sehe das ihre Augenbraue vor Wut zuckt, und ich genieße jede einzelne Sekunde davon. „Musst du das jedes Mal machen“ flüstert sie ganz leise, doch ich höre es dennoch. „Gibs zu, es gefällt dir“ sagt er und grinst schelmisch. Sie stößt ihn weg und geht zu uns herüber. Lou winkt uns zum Abschied und ich winke zurück. es Er ist leicht rot geworden, wie niedlich.

„Na, küsst er gut?“ frage ich und lege ihr meinen Arm um die Schulter. „Er küsst-“ sie stoppt „-nicht schlecht“ sie sieht weg. Nicht schlecht ist dasselbe wie sehr gut in ihrer Sprache. „Oho, er küsst also nicht schlecht“ wiederhole ich, sie zieht die Augenbraue hoch. „Kommt er heute Abend vorbei?“ frage ich und sehe sie an „Nein das würde nur Ärger mit Cindy geben“ sagt sie leicht geknickt. „Aber das ist doch kein Grund ihn nicht einzuladen. Lass mich nur machen“ sage ich und lächle. „Im Gegensatz zu Cindy unterstützt du mich wenigstens“
„Cindy ist doch nur eifersüchtig, weil sie nicht die ganze Aufmerksamkeit kriegt“ sage ich und sie lacht. „Tja, wahre Freunde sind schwer zu finden“ ich will irgendwelche tröstenden Worte sagen, doch mir fallen keine ein. Ich suche wie wild in meinem Kopf doch da fliegen nur Gedanken an Kaito herum. „Naja, ich werde das mit Lou mal so laufen lasse, mal sehen was passiert“ sagt Michelle und geht lächelnd weg. Sie lächelt zwar, aber ich weiß das es sehr schmerzhaft ist jemanden den man so lange kennt zu verlieren. Ich habe eine tolle Idee, ich werde einfach Lou mal vorbeischauen lassen. Wir radeln los, die ständige Fahrerei geht mir so langsam ziemlich auf die Nerven, aber ich als Power Girl darf mir das natürlich nicht anmerken lassen. „Mia machst du etwa schon schlapp?“ stichelt Tom von hinten.
Oh, wie gern würde ich ihm jetzt einen Tritt gegen das Vorderrad geben, aber das würde mich zu viel Kraft kosten. „Nein ich bin noch top fit“ lüge ich und bemühe mich um eine ruhige Atmung. Aber innerlich pfeife ich aus dem letzten Loch.
Wenn der Urlaub vorbei ist werde ich an der Tour d‘ France teilnehmen können.
Die Hütte ist meine Rettung, endlich runter vom Rad. Nun fehlt nur noch eine lange kalte Dusche. Doch da gibt es ja dieses klitzekleine Problem, wir haben nur zwei Duschen. Die eine Dusche gehört den Jungs und die andere benutzen wir Mädchen. Cindy ist die erste die duschen will, doch da wir alle wissen das sie bestimmt wieder zwei bis drei Stunden brauchen wird,setzen wir sie ans Ende der Duschliste. Ich darf mit Absprache der anderen als erstes duschen. Das kalte Wasser tut gut, so wie es über meine von Schweiß und Salzwasser klebende Haut läuft. Ich massiere das Shampoo in meine Haare und genieße den Duft von Mandeln und Honig. Ich schrubbe so gut es geht das ganze Salz und den Sand von meinem Körper, es ist fast wie ein Peeling. Ich habe mir extra für die Reise ein neues Shampoo gekauft, es soll angeblich nach Granatapfel riechen, aber es riecht viel mehr nach nichts.

Kapitel 21

Es tut gut so frisch gewaschen zu sein, vor allem wegen der überdimensionalen Hitze, die hier herrscht, ist es besonders abkühlend. Ich trockne mich ab und schlüpfe in eine knielange, luftige orangene Sommerhose und dazu ein schwarzes bauchfreies Rüschentop. Die Haare föhnen ist nicht nötig, dafür ist es immer noch warm genug. Während die andern duschen gehe ich auf die Terrasse und wähle Lous Nummer an. Es klingelt einige Sekunden, dann hebt er ab. „Hallo“, nuschelt er in sein Handy. „Hi Lou“ sagt ich und warte auf eine Antwort „Ach du bist. Was gibt’s denn? “ „Also ich komme direkt zum Thema. Komm doch mal kurz vorbei.“ sage ich ganz direkt und lehne mich aufs Geländer. „Hä wieso?“ fragt er „Komm einfach. Michelle braucht gerade eine kleine Aufmunterung.“ Es ist eine Zeit lang still „Hallo?“ frage ich und höre einen Rums „Lou?“ „Ja tut mir leid, ich bin gerade schon beim Anziehen“ sagt er keuchend. „Aber Tao muss mitkommen, ich darf den Mietwagen nicht fahren“ „Ja ok geht klar, ich schicke dir die Adresse, bis gleich.“ Ich höre noch, wie er brüllt Tao Sachen packen wir fahren zu Mia. Ich lege auf und schicke ihm die Adresse, jetzt muss ich das nur irgendwie Kaito erzählen, sonst schlägt er womöglich Tao die Rübe ein. Nun ist die Überraschung für Michelle geplant. Ich gehe zum Jungs Zimmer und klopfe an. Kaito sitzt auf seinem Bett und hört Musik. Emilio verlässt das Zimmer als ich eintrete. Ich setze mich neben Kaito, doch er scheint mich gar nicht war zu nehmen. Er ist wie in einer Trance. Ich ziehe ihm die Kopfhörer aus den Ohren und er fährt ruckartig hoch. „Oh Mia“ sagt er und starrt mich an. „Was ist?“ fragt er. Ich weiß nicht, wie ich das Thema Tao ansprechen soll. „Ähm weiß ich gerade auch nicht s! o genau& ldquo; ich kratze mich verlegen am Kopf und suche verzweifelt nach einem Weg es ihm zu sagen. „He wir müssen noch einkaufen. Sollen wir zwei fahren?“ fragt er mit müden Augen.

„Klar lass uns fahren“ antworte ich und bin dankbar dafür, dass er meine Gedankenflut unterbricht. Er nimmt mich bei der Hand und wir gehen aus dem Haus hinüber zum Auto. Kaito setzt sich hinters Steuer und startet den Motor.
Ich beobachte ihn dabei angestrengt, er trägt eine kurze grüne Hose und ein ausgeleiertes weißes T-Shirt. „Was glotzt du denn so? “ fragt er mit einem leichten Seitenblick in meine Richtung. Gerade ist der passende Moment, um mit ihm darüber zu reden, dass Lou mit Tao bei uns vorbeischauen wird. Wenn ich den Moment verpasse, wird er das alles wieder missverstehen. „Wir müssen reden, allein. Heute, nach dem Abendessen hinterm Haus“ sagt er aus heiterem Himmel. Worüber will er mit mir reden? Ist es was Schlimmes? Habe ich wieder irgendwas gemacht? Mein Gehirn arbeitet mit hochdampf und spielt alle möglichen Szenarien durch. Ich sehe im Augenwinkel ein leichtes Grinsen und weiß das er sich köstlich über mich amüsiert. „Können wir nicht jetzt reden?“ „Nein“ antwortet er blitzschnell. „Hör mal, ich muss dir auch etwas sagen“ druckse ich herum. Er sieht mich an „Lou und Tao werden später vorbeikommen“ ich habe den Satz noch nicht einmal beendet, da fährt sein Kopf auch schon herum und er tritt auf die Bremse. „Das kann doch nicht dein Ernst sein, wieso muss dieser Typ überall sein“ sagt er giftig und auf einmal fühle ich mich ganz klein. „Tao fährt Lou nur zu uns, weil ich ihn eingeladen habe“ flüstere ich „Wieso hast DU ihn eingeladen? “ Ich bastle mir im Kopf schnell einen Satz zusammen, bei dem ich hoffe, dass er Kaito besänftigen wird „Michelle hat mir heute ihr Herz ausgeschüttet, und ich wollte sie irgendwie aufheitern. Deshalb habe ich Lou angerufen, dieser darf aber das Mietauto nicht fahren, deshalb fährt Tao ihn“ ich japse nach Luft. „Und beide bleiben dennoch über Nacht?“ fragt er zu meinem Glück etwas ruhiger. „Vermutlich, es ist ja schon so spät, dann hätten die beiden kaum Zeit“ sage ich und meide seinen Blick.

„Wenn es denn sein muss, aber wehe der Typ macht irgendwas komisches“ ich weiß auch ohne, dass er es ausspricht das er nicht Lou meint. Er startet den Motor und fährt weiter, es herrscht drückende Stille, und die Stimmung ist im Keller. Ich krame im Handschuhfach herum und ziehe eine CD heraus. Ich lege sie ein und spule ein paar Titel vor. Es knackt ein paar Mal, und dann singen die Back Street Boys You are my fire, the one desire, believe, when I say I want it that way. Ich schiele zu ihm herüber und er verzieht den Mund zu einem Lächeln. Ich weiß das er das Lächeln gerne unterdrücken würde, aber er liebt diesen Song einfach. „Du hast dir die CD tatsächlich gekauft?“ fragt er und dreht etwas lauter. „Mehr für dich, aber wie könnte ich ohne meine Back Street Boys abends einschlafen“ ich spiele auf seine nächtlichen Gesangsaudios an, und er versteht sofort. „Ich bin dein eigener privater Back Street Boy, ich bin viel besser als Nick“ „Nick ist etwas besser noch als du, du kannst den Ton noch nicht halten“ sage ich und er lacht. Ich mag es, wenn er lacht, auch wenn ich mich dafür zum Deppen machen muss.
Beim Refrain dreht er voll auf und wir beide singen im Chor „Ain’t nothing but a heartache, ain’t nothing but a mistake I never wanna hear you say, cause I want it that way. “In genau solchen Momenten, wenn ich ihn so strahlen sehe, dann weiß ich genau, warum ich nur ihn will. Ich blicke auf die Straße, dann wieder zurück zu Kaito. Er fährt sich mit der Hand durch die Haare. Ich liebe seine schwarzen Haare.
Am liebsten mag ich es, wenn sie nach dem Aufstehen wild abstehen, aber so hoch gegelt wie er sie jetzt trägt gefallen sie mir auch. „Wir können auch deine Musik hören“ sagt er und schaltet den Blinker ein. „Nein schon gut, wir sind ja gleich da“ ich will ihn weiter dabei beobachten, wie er singt und Spaß hat. Macht mich das zu einem Stalker? Wenn ja, dann ist es das zumindest wert. Kaito biegt auf den Supermarkt Parkplatz ab und stellt den Motor ab.

Während Kaito einen Wagen holt lehne ich am Kofferraum und denke nach. Was will er mir sagen? Hat die Tatsache das ich Tao eingeladen habe irgendwas an dem Gesprächsthema geändert? Ist er immer noch sauer? Wieso muss alles so kompliziert sein, wieso kann er nicht einfach jetzt vor mir auf die Knie fallen und um meine Hand anhalten? Ok das ist zu weit gedacht, es würde auch reichen, wenn er jetzt vor mir auf die Knie fallen und mich bitten würde seine Freundin zu sein. Ich lache, als ob er das jemals machen würde. „Was ist so witzig?“ fragt Kaito der plötzlich neben mir steht. „Nichts nichts“ sage ich schnell und sehe weg. Wir kaufen ein wie die Könige, aber das Prunkstück des Einkaufs ist eine riesige Wassermelone. Als ich sie aus der Kiste hebe sage ich kichernd „Soll ich die Melone später ins Haus tragen und wie Baby sagen Ich habe eine Wassermelone getragen?“ „Du willst das doch machen, gibs zu“ sagt Kaito und sieht mich schief an. „Gar nicht“ sage ich und grinse. „Lass uns auch etwas zum Trinken kaufen“ sagt er und schiebt den Wagen zum Regal mit den Hochprozentigen Alkoholen. „Was willst du?“ fragt er beobachtet mich dabei, wie ich prüfend die einzelnen Flaschen betrachte. Ich bin die Meisterin des Alkohols, ich bin der Herr der Getränke, der Zauberer von Gin der „Mach schneller“ Kaito unterbricht meinen inneren Monolog. Ich greife mir eine Flasche Cocos Likör und eine Flasche Blue Curacao. „Was willst du denn damit?“ fragt Kaito skeptisch. „Warts nur ab, dass wird lecker. Wir brauchen nur noch Ananas und Orangensaft“ er zieht die Augenbrauen fragend zusammen. Er wird mir noch danken, ich weiß was ich tue. Jeder mag Piña Colada und Curacao mit Saft schmeckt immer, und sieht auch noch cool aus. Als wir wieder am Haus ankommen, sind die Süßigkeiten schon zur Hälfte aufgegessen,

 

„Boah ist mir schlecht“ sind die ersten Worte, die ich sage als wir durch die Haustür treten. Mein Bauch grummelt und zieht sich zu einem dicken Knoten zusammen. „Tja du hättest eben nicht so viel durcheinander essen sollen“ tadelt mich Kaito.
„Ja, ja ich weiß! Und du hättest vielleicht keine Vollbremsung vor der Ampel machen sollen. Das hat alles nur noch verschlimmert“ meckere ich, während ich mir den Bauch halte. Gerade als wir die Einkäufe in die Küche getragen haben klingelt es an der Tür. „Ich geh schon“ sprudelt es aus mir raus, denn ich will verhindern das Kaito Tao direkt den Schädel einschlägt. Mit einem flüchtigen Blick in Kaitos Richtung haste ich über den Dielenboden zur Tür. Meine Füße kleben immer wieder am Parket fest und erzeugen lustige Geräusche. Ich öffne die Tür und Lou springt mir direkt in die Arme. „Hallöchen Süße“ sagt er und drückt mich fest an sich. Ich spüre Kaitos Präsens hinter mir und schiele nach hinten. Er steht mit verschränkten Armen hinter mir, umgeben von einer mörderischen Aura. „Ähm Lou“ sage ich und versuche ihn von mir zu lösen. Erst jetzt sieht er mich zum ersten Mal an. „Oh, Mia. Wo ist Michelle?“ fragt er überrascht und schiebt mich von sich weg. „Was geht Kaito“ ruft er und geht an mir vorbei auf Kaito zu. „Tut mir leid“ flüstert Tao mir zu „Da scheint jemand nicht sehr erfreut zu sein uns zu sehen“ ich sehe zu Kaito herüber der Lou missmutig umarmt. „Ach gar nicht, ihr seid herzlich willkommen“ lüge ich und führe ihn in die Küche. Tao ist bepackt mit Taschen, ziemlich viel für nur eine Nacht.
„Ich hatte gedacht wir könnten ja zwei Nächte hierbleiben. So würde sich das ganze mehr lohnen“ sagt Lou so nebenbei und sieht sich um. Tao sieht mich peinlich beschämt an. „Überraschung“ sagt er und grinst. In Sekundenschnelle steht Kaito neben mir und zieht mich in die kleine Waschküche neben der Eingangstür. „Die wollen zwei Tage hierbleiben. Wusstest du das? “ giftet er mich an.

„Nein! Ich wusste nichts davon. Was ist dein Problem mit den beiden? Sie sind doch echt ertragbar“ sage ich beruhigt. „Irgendwie geht mir die Art der beiden gegen den Strich. Sie haben irgendwas an sich das mich wahnsinnig macht“ er verschränkt die Arme vor der Brust. Ich lege ihm die Hand auf den Unterarm „Es sind nur zwei Tage, und wir werden sie kaum bemerken. Lou wird bei Michelle sein und Tao werde ich mit Laura verkuppeln. Du weißt das ich das kann“ sage ich und sehe ich an.
„Gut, aber bei mir schlafen die nicht! Die können das kleine Zimmer, neben dem von Michelle und Cindy haben“ brummelt er und starrt böse an die Wand. Ganz kurz bilde ich mir ein, sein Blick würde ein Loch in die Wand brennen. Er kocht innerlich bestimmt. Jetzt muss ich bloß dafür sorgen, dass er sich wieder beruhigt und wir diesen und den morgigen Tag genießen können. Immerhin geht es morgen auf die Insel. „Kommt mit“ weise ich die beiden an und führe sie zu dem Zimmer hinter der Treppe. Direkt neben Cindy und Lauras Zimmer. Es ist ein kleines Zimmer aber für zwei sollte es schon reichen. „So ihr habt ja alles“ sage ich und will gerade gehen als mich Lou abfängt. „Wann kann ich Michi sehen?“ fragt er und aufgeregt und springt von einem Fuß auf den anderen wie ein kleiner Junge. Ich schmunzele und sage „Sie müsste gerade duschen, wenn Cindy sich wie sonst wieder vorgedrängelt hat. Aber die beiden müssen heute kochen, verhaltet euch hier ruhig und ich komme euch dann holen.“ „Klasse, das wird bestimmt lustig“ sagt Lou und lächelt mich an.
Tao nickt mir dankend zu „Ich schlaf am Fenster“ ruft er und wirft seine Sachen auf das Bett am Fenster. Ich gehe und hoffe das sich die zwei ruhig verhalten. Kochen ist für halb 8 angesetzt, noch gute 20 Minuten also. Ich gehe nach oben und betrete unser Zimmer. Alle sind da, Michelle überraschenderweise auch.

 

„Solltest du nicht gerade duschen? Oder hast du Cindy tatsächlich mal nicht den Vortritt gegeben?“ frage ich und werfe mich auf mein Bett. Die anderen lachen „Dieses Mal habe ich sie nicht vorgelassen“ sagt sie und wendet sich wieder ihrem Handy zu. Alle sind wie besessen von ihren Handys. Sie wirken wie leblose Zombies. Ich zücke meinen Nintendo und spiele eine Runde Mario Cart. Die Zeit vergeht wie im Flug „So, ich geh dann mal in die Küche“ sagt Michelle und rafft sich auf. Die andere sehen mich verwundert an, als ich freiwillig anbiete ihr zu helfen.
Kommt in 5 Minuten nach simse ich ihnen in unsere Gruppe. „Ich fang schon mal an das Gemüse zu schneiden, würdest du schon mal Wasser für die Nudeln aufsetzen“ sie bindet sich eine weiße Schürze über ihr Silber glitzerndes Top und die dazu passende schwarze Stoffhose. „Wo steckt denn ihre Majestät? Sie hat schließlich auch Küchendienst“ frage ich, während ich mit lauten Geklirren einen großen Topf hervorhole. „Sie hat mir geschrieben, dass sie Migräne hat und nicht gestört werden will“ Michelle zerlegt eine Aubergine nach der anderen. „Und das glaubst du ihr?“ frage ich skeptisch wie immer. „Nein, aber ich habe keine Lust mir die Diskussion anzutun. Sie wird es so oder so nicht tun“ wo sie Recht hat, hat sie Recht. Als Michelle ganz vertieft darin ist eine Paprika zu vierteln, sprinte ich hinüber zum Zimmer von Lou und Tao. Ich klopfe an ihre Tür „Passwort?“ flüstert Lou durch die Tür. Ich habe keine Zeit für diese Spielchen, also öffne ich die Tür eigenständig und donnere sie Lou direkt gegen die Stirn. „Du bist echt rabiat“ murrt Lou und reibt sich die Stirn. „Komm, ich glaub sie könnte echt eine kleine Aufmunterung gebrauchen“ sage ich und lehne mich an den Türrahmen. Lou und ich gehen zurück in die Küche. Michelle ist ganz vertieft ins Gemüse schneiden, sie bemerkt nicht einmal das wir neben ihr stehen. Sie dreht sich um und rennt verträumt in Lou rein. „Oh tut mir leid“ sagt sie abwesend und blickt hoch.
„Lou!“ sagt sie und ihre Stimme überschlägt sich. „Na hast du mich vermisst?“ sagt er und grinst ihr breit ins Gesicht. Sie umarmt ihn und er streicht ihr durch die Haare. „Ich lass euch mal allein. Und sorgt ja für was Gutes zum Essen, so als kleine Belohnung“ ich zwinkere ihnen zu, und verlasse dann die Küche.
Man bin ich eine nette Person, auch wenn mancher das anders sieht.
Im Wohnzimmer angekommen werde ich von den anderen freudig empfangen. „Hast du ihn eingeladen?“ fragt Niki und wir verschwinden alle auf die Veranda. „Was denkst du denn“ sage ich und grinse. „Hast du gesehen, wie sie sich gefreut hat, ich glaube das hat sie echt gebraucht“ sagt Audrey und setzt sich auf die Bank.
Ich verlasse das Gespräch und laufe Richtung Treppe. Auf dem Weg die Treppe hoch kommt mir Kaito entgegen. „Ich habe immer noch etwas dagegen das er, ich meine die beiden hier sind“ sagt er grimmig. „Ach komm, hör doch mal auf. Du weißt das ich Michelle nur eine Freude machen wollte.“ Er sagt nichts und geht an mir vorbei. Kurz bevor er am Treppenende angekommen ist nuschelt er etwas das wie „Ich weiß“ klingt, aber sicher bin ich mir nicht. Es ist kurz nach acht als das Essen fertig ist. Die zwei haben sich echt Zeit gelassen. Wir setzten uns dieses Mal nach drinnen, um nicht allzu sehr von den Mücken zerstochen zu werden. Kaito holt widerwillig aus der Abstellkammer noch zwei weitere Stühle.
Als die Jungs aus ihrem Zimmer kommen, fallen ihnen fast die Kinnladen runter als sie Tao und Lou sehen. „Man was macht ihr beide denn hier?“ fragt Leo freudig und setzt sich Tao gegenüber. Lou legt seinen Arm über Michelles Stuhllehne „Euch einen kleinen Besuch abstatten“ sagt er und Emilio und Leo sehen sich hämisch an. Tao starrt mich die ganze Zeit an, so als wolle er mir was etwas sagen. Ich starre ihn zurück an. Er lacht und zwinkert mir zu, verwundert ziehe ich die Augenbrauen zusammen.

Niki zwickt mich in die Seite und flüstert ganz leise „Läuft da sicher nichts?“
Ich sehe sie entgeistert an „Nein. Da läuft gar nichts“ sage ich und wende mich meinem leeren Teller zu. „So,so“ nuschelt sie. „Wer geht die Königin holen?“ frage ich und sehe in die nicht allzu begeistert dreinschauende Runde. „Ich geh schon“ Emilio steht auf und kommt nach einer geraumen Ewigkeit, mit einer meckernden Cindy zurück. „Was machen die denn hier?“ fragt sie zickig und wirft Tao und besonders Lou einen giftigen Blick zu. „Es ist auch schön dich zu sehen“ sagt Tao und nickt ihr zu. Ich muss sagen, sein Sarkasmus ist fast perfekt. „Wow Michelle, das Ratatouille ist genial“ sagt Tom und schaufelt sich direkt eine zweite Portion auf den Teller.
Als alle sich den Magen vollgeschlagen haben, tischt uns Lou den Nachtisch auf. „Wie im Luxus Hotel, es gibt sogar Nachtisch“ sagt Emilio schmatzend, während er sich eine volle Gabel mit Tiramisu in den Mund stopft. Ich und Niki räumen den Tisch ab und spülen fleißig. „Heute war ein schöner Tag“ sagt Niki und lehnt sich an mich. „Das hast du gut gemacht“ sagt sie und das erfüllt mich mit Stolz. Michelle und Lou haben sich in Lou und Tao‘s Zimmer verkrochen. Tao sitzt auf der Terrasse und unterhält sich mit Laura. Leo und Emilio schauen ein Fußballspiel im Fernsehen und Joel, Audrey und Tom spielen am Esstisch Risiko. „Spielst du auch mit?“ fragt Niki die sich gerade zu den anderen an den Tisch gesetzt hat.
„Ich glaube ich lese lieber etwas“ ich hole mir von oben eine dünne Strickjacke und schleiche mich durch die Vordertür nach draußen hinters Haus. Dort warte ich auf Kaito. Immer wieder sehe ich aufs Handy, es ist stockdunkel und Kaito ist immer noch nicht aufgetaucht. Da bestellt der mich extra hier hin und lässt auch noch ewig auf sich warten. Ich höre das zurren von Mücken dicht neben meinem Ohr und schlage wild in der Luft umher. Ich gebe ihm noch 10 Minuten, vielleicht auch 20, na schön noch 30 Minuten.

Kapitel 22

Plötzlich packt mich jemand von hinten und schleppt mich in den Wald. Ich zapple wie wild, doch die Person lässt nicht los. Ich erinnere mich an einen Griff den mir Kaito mal gezeigt hatte, und ramme dem Angreifer meinen Ellenbogen in den Magen. Er lässt los. „Ah spinnst du?“ schreit jemand, mit einer Stimme, die mir äußerst bekannt vorkommt. Ich leuchte die Person mit meinem Handy an „Kaito?“ rufe ich geschockt und völlig außer Atem. „Was ist denn los mit dir? Was sollte das ganze? Ich hatte Todesangst“ rufe ich und stemme die Hände wütend in die Hüfte. Kaito hält sich den Magen und sagt keuchen „Das war doch nur ein Trick, um dich von der Hütte wegzukriegen, wer hätte denn gedacht das du so ausrastest“ „Und da hätte es nicht gereicht mir einfach sowas zu sagen wie: Hey Mia komm hier rüber? Ich hatte voll Panik!“ zetere ich. „Sorry war eine blöde Idee“ Kaito kratz sich verlegend am Hinterkopf „Eine sehr blöde!“ füge ich hinzu. „Ja ist gut. Komm!“ sagt er und nimmt mich bei der Hand. Seine Hand ist so warm und groß, sie umschließt meine komplett. „Aber ich muss zugeben, dieser Schlag war nicht ohne“ gibt Kaito zu, und ich weiß wie viel Überwindung ihn das kostet. „Ich habe es mir vom besten abgeschaut“ ich weiß das ihn das freut. Ich starre wieder seine Hand an, die meine umfasst. Dabei nehme ich gar nicht war das wir in Richtung Strand laufen. Der Wald um uns herum wirkt echt bedrohlich und langsam bekomme ich etwas Angst.
Der Wind lässt die Bäume knarzen und ihre Schatten werfen gruselige Fratzen auf den Weg. Ich schmiege mich an Kaito. Ich spüre, wie er kurz zusammenzuckt. Es ist ein so schönes Gefühl, und ich versuche es mir gut einzuprägen. Doch dann kommen wir am Strand an.

Das Meer glitzert und der Mond spiegelt sich in den Wellen. Wir setzen uns in den weichen weißen Sand. Die Stimmung ist so schön und perfekt. Ich denke mir in diesem Moment, dass das dies der richtige Zeitpunkt ist, um ihm meine Gefühle zu gestehen, doch dann beginnt Kaito zu sprechen. Kaito greift nach meiner Hand und sieht mir tief in die Augen. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, und ich befürchte es könnte mir aus der Brust springen. Dann sagt er „Ich weiß, du magst Tom, und ich habe lange mit mir gerungen, also ich werde ihn akzeptieren. Er wird bestimmt gut zu dir sein, er ist nett und er scheint sich wirklich um dich zu kümmern. Deshalb ist es in Ordnung, wenn er der Mann an deiner Seite ist.“ Geschockt sehe ich ihn an. Hat er mir gerade seine Erlaubnis gegeben eine Beziehung mit Tom einzugehen? Da ist so vieles falsch in diesen Sätzen, es verschlägt mir die Sprache. Er seufzt und steht auf „Das wars auch schon, ich wollte nur sagen das du dich wegen mir nicht zurückhalten musst“ er drehte sich von mir weg. Das kann doch nicht sein Ernst sein? Wie kommt er darauf? Er meint ich solle zu Tom gehen? Er denkt er könne mir das befehlen? Er denkt, er weiß besser als ich wie ich empfinde? Mit welchem Recht meint er das entscheiden zu können? Und glaubt er wirklich, dass wenn es so wäre ich seine Erlaubnis bräuchte? In mir brodelt es und all die unterdrückten Gefühle bahnen sich einen Weg ins Frei. Ohne groß drüber nach zu denken springe ich auf und schubse ihn ins Wasser. Ich schrei ihn unter Tränen an „Du Idiot! Du riesiger Idiot! Wieso sollte ich zu Tom gehen? Keine Antwort? Du denkst du weißt was gut für mich ist, du denkst du weißt, wie ich empfinde, doch du weißt rein gar nichts.“ Die Tränen brennen im Hals und meine Sicht verschwimmt. Ich habe genug, einfach nur genug. Egal was ich mache er wird es sowieso nicht verstehen.

 

Ich könnte mit einem riesigen Schild herum laufen auf dem Ich liebe dich steht und er würde immer noch denken das ich jemanden anderen meine. „Ich habe genug, mir reichts. Du wirst es nie verstehen“ es tut so unendlich weh. Dieses Gefühl der Hoffnungslosigkeit, dieses Gefühl der Niederlage, der Enttäuschung und der Verzweiflung. Doch am schlimmsten ist es zu realisieren das all die Mühen umsonst waren, dass ich ihn niemals besitzen werde. Kaito steht aus dem Wasser auf und sieht mich verletzt an. „Hör auf mich so anzusehen!“ fahre ich ihn an. Ich brauche kein Mitleid, ich will kein Mitleid. Seit Jahren bemühe ich mich um diesen Idioten nur damit er mir die Erlaubnis gibt etwas mit seinem Besten Freund anzufangen. „Seit Jahre-“ flüstere ich unter Tränen. „Ich liebe dich seit Jahren und du raffst es nicht einmal. Ich weiß nie was du willst. Du bist lieb und fürsorglich und im nächsten Moment behandelst du mich als wäre ich Luft. Ich habe so viel versucht, aber es hat nie etwas gebracht. Ich bekam nie die Reaktion, die ich wollte, habe nie die Worte gehört, die ich so dringend hören wollte. Es tut so weh, egal was ich mache, du teilst mir nie deine Gedanken mit, du bist sauer ohne Grund, meidest mich, ohne mir zu sagen wieso und sagst mir auch noch aus heiterem Himmel, ich solle mich jemand anderem zuwenden. Für wen hältst du dich eigentlich? Als könntest du das so einfach entscheiden! Ich brauche deine verdammte Erlaubnis nicht“ schreie ich ihn an. Ich japse nach Luft, weinen tut so weh. „Was hast du gerade gesagt?“ fragt Kaito zögerlich. „Hör auf, dass kannst du nicht wieder gut machen. Das wars ich gebs auf“ brülle ich ihm entgegen. „Du hast gesagt das du mich liebst“ wiederholt er, und ich realisiere zum ersten Mal, dass ich ihm während der Flut an Emotionen zeitgleich meine Gefühle gestanden habe. &bd! quo;Was ändert das schon, es ist zu spät. Ich werde sie ausradieren und zu Tom gehen. Genauso wie du es wolltest“ sage ich und reibe mir mit der Strickjacke über die verquollenen Augen.

Er sagt nichts und es ist für eine ganze Weile still. Auf einmal läuft er los, hebt mich hoch und wirft mich ins Wasser! „Was soll DAS!“ schreie ich ihn an und wische mir die Haare aus dem Gesicht. Er kommt zu mir ins knöcheltiefe Wasser und umarmt mich. Er umfasst meinen Kopf mit beiden Händen und küsst mich. Der Kuss steckt voller Verlangen, er ist intensiv und drängend. Er drückt mich ganz fest an sich.
„Ich bin so froh! Ich dachte wir könnten keine Freunde mehr sein, wenn ich dir sage das ich dich liebe und du dich dann für Tom oder irgendjemanden sonst entscheiden würdest“ er lacht erleichtert. „Wie kannst du mir das Antun?“ keife ich und versuche die Tränen zurück zu halten. Er wischt mir über die Augen „Ich hatte einfach nur Angst. Angst davor dich zu verlieren. Mir war es lieber du würdest mit einem anderen Mann an deiner Seite Teil meines Lebens sein als gar nicht mehr Teil meines Lebens zu sein“ flüstert er mir ins Ohr und küsst mich erneut.
„Die ganzen Schwankungen in meinem Verhalten waren auch aus diesem Grund. In manchen Momenten wollte ich dich nur für mich, wollte dich nicht teilen, nie mehr loslassen. Und in anderen dachte ich jemand anderes könnte dich glücklicher machen. Ich meine ich habe dich sooft zum Weinen gebracht wie kein anderer.
Bei Tom lachst du nur und mit Tao redest du viel vertrauter und entspannter als mit mir. Da hatte ich einfach Angst ich würde mir die ganzen Zeichen deinerseits nur einbilden“ ich höre ihm aufmerksam zu wie er sein Herz vor mir ausbreitet.
Er hat all die Zeichen also doch bemerkt und nie etwas gesagt, wieso?
„Seit wann?“ frage ich und sehe ihn an. „Seit wann hast du Gefühle für mich?“ frage ich erneut. Er denkt nur kurz nach und sagt sofort „Weißt du noch im Januar diesen Jahres, auf der Hochzeit meiner Schwester. Sie hatte unglaublich viel geweint, weil sie ihren Glücksbringer nicht dabeihatte. Du bist durch die ganze Stadt zu ihrer Wohnung gefahren, um ihn zu holen.

In diesem Moment dachte ich zu ersten Mal, das ist das Mädchen, dem ich am liebsten mein Herz schenken will. Sie ist lieb, fürsorglich, stellt alle anderen immer vorne an. Ich will derjenige sein, der sie an erste Stelle setzt“ er pausiert. „Ich weiß noch genau, du hattest dieses unglaubliche rote Kleid mit dem hohen Bein Schlitz an. Es spielte Africa, und ich konnte meine Augen nicht von dir nehmen. Du hast so gestrahlt beim Tanzen, und ich habe den Mann beneidet, der in diesem Moment mit dir getanzt hat“ ich bin gerührt von dieser ehrlichen Antwort.
Wer hätte gedacht, dass es genau dieser Moment war. Ein Moment der für mich nur ein kleiner unter abertausenden ist. Aber ich hatte das Kleid damals mit Absicht ausgesucht. Seine Schwester hat mir beim Aussuchen geholfen, sie war sich sicher, dass ich darin Kaito den Kopf verdrehen würde. Wer hätte gedacht das sie Recht behalten würde. „Wer hätte gedacht, dass es dieser kleine Moment war“ sage ich und streiche ihm ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Er grinst mich an „Lass mich raten, du hast dich im mich verliebt, als du meinen Astralkörper im Sportunterricht zum ersten Mal gesehen hast“ ich verdrehe die Augen. „Nicht ganz, obwohl ich sagen muss das dies auch ein wichtiger Faktor war“ er spritzt mich mit Wasser nass. „Was war es dann? Waren es meine einzigartigen Gesangskünste? Meine genialen Kochkünste? Oder doch mein Humor?“ er sieht mich aufgeregt an. Ich denke scharf nach „Es gab keinen klaren Moment, ich habe irgendwann einfach gemerkt, dass das was ich fühle nicht nur Freundschaft sein kann.“ Er sieht mich enttäuscht an „Aber wenn ich dir einen konkreten Moment nennen muss, glaube ich würde ich den Winter vor zwei Jahren sagen“ er sieht mich verwundert an. „Weißt du nicht mehr, ich war über Weihnachten krank, und konnte deshalb nicht nach Hause fahren“ er legt die Stirn in Falten.

„Audrey und Niki waren zuhause bei ihren Familien und ich war ganz allein. Du standest auf einmal unangekündigt vor der Tür, dir war egal das ich krank war, und aussah wie ein Zombie. Du standest mit Keksen, Kakao und Weihnachtsfilmen da und hast gelacht. Wir haben den ganzen Abend Filme geschaut. Ich bin beim Grinch eingeschlafen, du hast mich vom Wohnzimmer in mein Bett getragen.“ Dies ist einer meiner Lieblingsmomente. „Das hat ausgereicht? Ich dachte es wäre irgendwas fabulöserer gewesen“ sagt er und sieht enttäuscht aus. Ich stehe aus dem Wasser auf und streiche die Haare zurück „Für mich war es einer der schönsten Momente“ sage ich und strecke ihm die Hand entgegen. Da ist es wieder, sein schiefes Grinsen, er ergreift meine Hand und ich ziehe ihn hoch. „Weißt du, dass deine Augen im Mondlicht glitzern?“ sagt er und sieht mich an. Ich lege den Kopf schief „Wo habe ich das schonmal gehört?“ frage ich und er lacht. „Auch wenn Aladdin mir etwas geholfen hat, ändert das nichts daran das es wahr ist“ Kaito umschließt mich mit seinen Armen, und seine Hände streichen über meinen Rücken. „Ich habe lange darauf gewartet dich so halten zu können“ sagt er und sieht mich direkt an.
„Was soll ich da erst sagen“ wir beide lachen. Ich drücke mich hoch und küsse ihn.
Es wirkt wie eine über kitschige Szene aus einem Schnulzenfilm, aber es ist meine über kitschige Szene aus einem Schnulzenfilm. Da können selbst Vivienne und Edward aus Pretty Woman nicht mithalten. Wir gehen Hand in Hand den Weg zurück zur Hütte entlang. „Sagen wir es den anderen?“ fragt er und sieht auf mich herab. „Was sagen?“ er schubst mich leicht. „Das wir zusammen sind?“ zusammen, das Wort klingt so schön, und macht mir gleichzeitig solche Angst. Was wenn ich einen Fehler mache. Einseitig verliebt zu sein war schlimm, aber ich hatte seine Freundschaft. Was wenn es nicht funktioniert, dann verliere ich einen der besten Freunde, die ich je hatte.

„Lass uns noch etwas warten, ich will noch nicht das sich jeder einmischt“ sage ich und hoffe ihn zu überzeugen. „Meinetwegen, alles was mein Engel will.“ Der Wind fegt durch den Wald und lässt mich frösteln. „War wohl keine so gute Idee ins Wasser zu gehen“ sagt Kaito lachend als er mein Zittern bemerkt. Ich sehe ihn mit hochgezogener Augenbraue an „Was du nicht sagst“ er lacht.

 Als wir wieder in der Hütte waren und ich meine zweite Dusche an diesem Tag abgeschlossen hatte gehe ich aufs Zimmer und ziehe mir meinen Schlafanzug an. Dann setze ich mich auf mein Bett und starre auf die gegenüberliegende Wand. „Was ist los?“ fragt Laura und setzt sich neben mich. „Wie? Was soll los sein?“ frage ich zurück. „Du sitzt hier und starrst die Tapete von der Wand. Was ist passiert? “ Ich denke kurz darüber nach, ob ich ihr meine Sorgen anvertrauen soll, doch ich entscheide mich dagegen. „Ich bin einfach nur sehr erschöpft“ sie sieht mich eindringlich an „Ok, wenn du bereit bist mir die Wahrheit anzuvertrauen weißt du, wo du mich findest“ ich lächle sie dankbar an. Sie legt sich in ihr Bett und sieht mich weiter an. Audrey und Niki kommen ins Zimmer „Habt ihr bis jetzt mit ihnen Risiko gespielt?“ frage ich und krieche unter mein Lacken. „Ja, rate mal wer die Welt erobert hat“ sagt Niki und strahlt. „Schwierig, du vielleicht?“ frage ich und lache. „Sind Tao und Lou auch auf ihren Zimmern?“ fragt Laura und stützt sich auf dem Unterarm ab. Audrey nickt, während sie in ihren Pyjama schlüpft. „Aber was läuft da zwischen dir und Tao? Ihr habt euch echt gut verstanden, ihr habt ewig geredet. Und auf einmal stehst du auf und gehst hoch“ hakt Audrey nach. „Das Gespräch war beendet“ sagt Laura und sieht niedergeschlagen aus. Ich versuche sie zum Lachen zu bringen „Hast du etwa noch mehr Bilder von Charlie gezeigt?“ frage ich, sie wirf mir ein Kissen ins Gesicht, doch sie lacht.

„Ich weiß das er dich mag, anders als er mich vielleicht mag. Und das zieht mich wie ein Anker nach unten“ sagt sie und setzt sich mit dem Rücken zur Wand. Die anderen und ich werfen uns ein paar flüchtige Blicke zu. „Na und? In der Liebe gibt es keine Regeln. Wenn er Mia mag, dann bring ihn dazu dich mehr zu mögen“ sagt Audrey und schmiert sich eine Creme ins Gesicht. „Als wenn das so einfach wäre“ nuschelt Laura. „Ich meine sieh dir Niki an“ sie funkelt mich böse an „Ey“ meckert sie. Niki seufzt „Aber du hast ja Recht. Sieh mich an, ich renne Emilio seit einer Ewigkeit hinterher und bin noch kein Stück weiter. Ich weiß besser als jede andere was es heißt in jemanden verliebt zu sein der sein Herz wem anders geschenkt hat“ sie pausiert. „Das muss aber nicht heißen das ich mich davon runterziehen lasse. Ich versuche es immer weiter. Das menschliche Herz ist ein launischer Wegebegleiter, es verliebt sich ständig in Personen, in die es sich nicht verlieben sollte. Es weiß nie, wann es Zeit ist besser aufzugeben, und es verliebt sich ständig neu. Vielleicht habe ich ja bald mal Glück und Emilios Herz schlägt bald für mich. Oder mein Herz entscheidet sich um und ich versuche mir Tom zu krallen“ sie lacht. Doch ich kenne sie lang genug, um zu wissen, dass sie am liebsten weinen würde. Es kostet sie viel Überwindung sich einzugestehen, dass sie eigentlich auf einem aussichtslosen Posten kämpft. „Wahrscheinlich hast du Recht“ sagt Laura und starrt an die Decke. „Versuchs einfach, immerhin hast du dich doch wirklich gefreut, dass er sich den Namen von deinem Fisch gemerkt hat. Du musst einfach mal die Hemmungen und Zweifel abschalten und dich einfach in die Sache reinhängen. Bring ihn dazu dich zu mögen. Und hey, wenn es nicht funktioniert musst du ihn nach Ende der Woche vermutlich nie wiedersehen&ldquo! ; sage i ch und sie lacht. Ich hoffe das es klappt, und wenn nicht dann kann sie sich wenigstens sagen, dass sie alles versucht hat.

Audrey macht das Licht aus und ich kuschele mich unter mein Lacken und drehe mich Richtung Wand. Mein Kopf ist voll mit Gedanken. Mache ich einen Fehler? Meint es Kaito wirklich ernst mit mir? Werde ich genauso enden wie die Freundinnen, von denen er mir immer vorgejammert hat? Ich versuche an irgendetwas anderes zu denken, an den Abend, an den Kuss, daran wie er mich angesehen hat. Und an diesen Moment, der Moment in der er mich zum ersten Mal mit anderen Augen wahrgenommen hat. Ich grinse, ich kann nicht glauben, dass es die Hochzeit seiner Schwester war. Ich schließe die Augen, morgen ist ein neuer Tag, der erste Tag als Kaitos Freundin. Der neue Anfang, beängstigend.

Kapitel 23

Audrey

Niki und Mia schlafen und Laura spielt auf ihrem Handy. Ich sehe an die Decke, dann wieder zur Wand. Irgendwas ist da, irgendwas lässt mich nicht los. Mein Kopf dreht sich, was ist es bloß was mich wachhält. Was habe ich vergessen? Was stört mich? Verzweifelt schließe ich die Augen. Ich sitze auf einmal in der Bibliothek und lese ein Buch. Ich drehe es um und betrachte den Einband. Tintenherz, der Einband ist weich, meine Finger streichen über das rote Leder. Merkwürdig, ich kenne dieses Buch in und auswendig, wieso sollte ich es erneut lesen. Ich stehe auf und gehe zum Regal mit den Biologie Büchern herüber. Ich streiche an den Büchern entlang. Ich liebe Bibliotheken, sie haben etwas Beruhigendes, ich bin gerne dort. Damals, als mein letzter Freund mich wegen jeder Kleinigkeit angeschrien hat bin ich immer in die Bibliothek bei uns um die Ecke geflüchtet.
Auf einmal stehe ich vor den Fantasy Romanen, was mach ich hier? Ich habe vor langer Zeit aufgegeben sie zu lesen.

Die Welt ist nicht so wie in diesen Büchern, keine Drachen, keine Prinzen und verzauberte Ritter. Und vor allem gibt es keine Magie. Deprimiert starre ich auf ein Buch Eragon. Im Augenwinkel bewegt sich auf einmal etwas. Da steht doch jemand? Die Person kommt mir so bekannt vor. Ich gehe auf sie zu, sie hält ein Buch in den Händen. Als die Person sich umdreht, erkenne ich Leo? Was hat Leo an meinem Lieblingsort zu suchen? Er lächelt mich stumm an „Hier“ er gibt mir das Buch, das er in den Händen hält. „Die unendliche Geschichte“ sage ich und starre auf den Einband. „Mein Lieblingsbuch“ murmle ich „Ich weiß“ sagt Leo und lächelt mich an. Wie in Trance setze ich mich wieder an den Tisch. Leo setzt sich dazu, er sagt nichts, er sieht mich einfach nur an. „Woher weißt du von diesem Buch?“ frage ich.
„Weißt du, vor einem Jahr, im November? Du warst in der Bibliothek, ich war auch da. Du hast mich gesehen, aber so getan als wäre ich nicht da. Du hast geweint und dieses Buch gelesen“ selbst, wenn dies ein Traum ist, er hatte Recht.
Ich wusste das er damals da war, ich wollte nicht das irgendjemand mich weinen sieht. Schon komisch. „Weißt du, als Kind hat mir meine Mutter immer daraus vorgelesen. Ich war fasziniert von Fantasien und von Atreju. Eine so schöne Welt regiert von nur einem Kind, und erschaffen aus Fantasie. Ich wollte immer in die Wüste der Farben reisen, und auf dem Drachen reiten“ mir kullern ein paar Tränen über die Wange. „Wieso hast du aufgehört zu träumen?“ fragt Leo plötzlich.
„Die Welt ist grau, man strengt sich noch so sehr an und kriegt dennoch nie das was man will“ sage ich. Ich habe gelernt zu funktionieren. „Audrey ich liebe dich, dass weißt du hoffentlich“ ja das weiß ich. „Wieso tust du so als würdest du die Gefühle, die in dir hochsteigen nicht bemerken?“ fragt er mich ganz direkt und stützt seinen Kopf auf die Hände. Die Abenddämmerung taucht sein Gesicht in ein warmes rot.

Mein Mund öffnet sich „Weil-“ setze ich an „weil ich mit Joel zusammen bin“ sage ich wenig überzeugend. „Weiß ich“ sagt er und sieht mich weiter an „Wieso? “ fragt er. „Weil-“ wieso eigentlich? „Er hat mich in einer sehr schweren Phase aufgefangen, er war da“ sage ich und realisiere, wie dumm das klingt. „Lass mich bitte allein“ sage ich. Als ich aufsehe hat er sich in Luft aufgelöst. „Leo? Leo“ rufe ich, weil ich mir seine Anwesenheit auf einmal wünsche. Meine innere Ruhe, die ich neben ihm gespürt habe, ist wie weggeblasen. Ich befinde mich urplötzlich in einer dunklen Gasse. Ganz allein, es kommen zwei Männer auf mich zu. Sie funkeln mich böse an. Ich sehe zu Boden und gehe zügig an ihnen vorbei. „Hey“, sagt der eine, doch ich gehe hastig weiter.
„Na komm, dreh dich mal um“ ich weiß auch ohne, dass ich mich umdrehe, dass sie direkt hinter mir sind. Es ist genau wie damals auf dem Weg nach Hause von der Arbeit. Genau wie damals, genau wie damals. Allein, dunkel, bedrohlich. Es ist nur ein Traum, nur ein Traum. Ich drehe mich um und sehe sie entschlossen an, hoffentlich können sie das Zittern meiner Knie nicht sehen. „Oh die Kleine wird ja ganz wild! Das gefällt mir“ sagt der Schrank und packt mein Handgelenk. Ich versuche mich loszureißen. Er packt auch noch mein anderes Handgelenk. Es tut weh, es tut weh. Ich habe Angst, wirkliche Angst. Genau deshalb habe ich aufgehört Fantasie Romane zu lesen, die wahre Welt ist grausam, kalt und löscht jede Hoffnung aus. Genau deshalb habe ich aufgehört zu träumen und an das unmögliche zu glauben. „Lass mich los!“ schreie ich trete ihm in den Schritt. Er schreit auf vor Schmerzen und lässt meine Handgelenke los. Ich renne los, weiter, immer weiter. Da taucht der andere wie ein Schatten aus dem Boden auf. Er packt mich am Knöchel und sein Schatten kriecht meinen Körper hoch und hält mich fest. Ich kann weder vor noch zurück, der Schatten fesselt mich an den Boden.

Der Schrank hinter mir findet seinen Atem wieder und rafft sich auf. „Hilfe, Hilfe“ schreie ich verzweifelt „Wach auf, wach auf“ nichts passiert. Damals hat Joel mich gerettet, er hat die Typen weggeschickt, er hat mir geholfen. Wo ist er jetzt, sollte er nicht hier sein? Hat er nicht versprochen immer da zu sein, wenn ich in Gefahr bin? Hat er nicht versprochen zu verhindern das so etwas je wieder passiert? Mir laufen Tränen über die Augen „Leo! Leo!“ schrei ich aus voller Brust. Der Schrank steht nun direkt vor mir, er streckt die Hand nach mir aus, ich schließe die Augen, wach auf. „Wenn du mich brauchst, ruf nur. Ich würde es überall hören“ Leo steht urplötzlich vor mir wie aus dem Boden gewachsen. Er umklammert das Handgelenkt des Schranks und drückt zu. Dieser verzieht schmerzhaft das Gesicht.

„Keine Sorge, dein Ritter wird immer an deiner Seite sein. Wenn auch nur als Schild für dich“ er holt aus und rammt dem einen seine Faust gegen den Kiefer. Ich kann ihn knacken hören. Der Schrank löst sich in Luft auf, und der Schatten löst seinen Griff. Ich klappe zusammen, meine Beine haben keine Kraft mehr. „Alles okay?“ fragt er und kniet sich zu mir runter. Ich sehe in seine Augen, wie das Meer. „Ich wünschte ich könnte dich wenigstens einmal zum Lachen bringen“ sagt er und lacht traurig an. „Manchmal wünschte ich du würdest mich mit denselben Augen sehen, mit denen ich dich sehe“ ich sehe ihn immer noch an. Er sieht so unendlich traurig aus. Ich strecke die Hand nach ihm aus, und streiche über seine Wange. Seine Haut bekommt Risse und beginnt auseinander zu bröckeln. Vor meinen Augen verwandelt er sich in einen Scherbenhaufen. Ich habe ihn kaputt gemacht, ich habe ihm das angetan, ich!

Ich schrecke aus dem Schlaf hoch. Was war das für ein Albtraum? Mein Herz rast. Was sollte dieser Traum? Warum bin ich mit Joel zusammen, weil er da war?

Weil er in diesem einen Moment da war? In diesem einen Moment? Neben ihm bin ich immer nervös, angespannt und ängstlicher als sonst. Ich habe Angst das er verschwindet, dass wenn ich mich umdrehe er weggehen würde und ich wieder allein sein würde. Meine Mutter hat immer gesagt neben dem richtigen fühlt man sich wohl, man ist weder nervös noch angespannt. Man fühlt eine innere Ruhe, es ist entspannend. So als würde die Welt für einen kurzen Moment stehen bleiben. Man will das diese Person lacht, am besten mit einem zusammen. Man hat nicht ständig Angst, dass sobald man die Augen abwendet diese Person verschwindet. Man fühlt sich einfach sicher und wohl. Wieso habe ich ihren Rat nie beherzigt? Wieso? Kann ich die Zeit noch zurückdrehen? Was wenn es zu spät ist? Was wenn ich den falschen Weg schon viel zu weit gegangen bin? Was wenn ich den Weg zurück nicht finde? Ich sollte lieber versuchen weiter zu schlafen, bevor mir noch der Kopf platzt.

 

Mia

Mich kitzelt etwas an der Nase, ich schrecke auf. Eine kleine Spinne krabbelt mir auf der Nase herum. Ich kreische lauthals los. Wie von der Tarantel gestochen springe ich auf und renne im Zimmer auf und ab. Die anderen schrecken hoch. „Was ist passiert? Wer ist Tod?“ fragt Niki verschlafen. „Nehmt sie weg“ kreische ich und renne aus dem Zimmer. Ich hasse Spinnen, ich hasse hasse hasse sie. Kleine Spinnen sind noch schlimmer als große. Emilio kommt die Treppe hoch und sieht mich ungläubig an. „Nimm sie weg“ rufe ich deute mit den Fingern auf die Spinne, die mir allmählich auf den Kopf krabbelt. Er reagiert schnell und schnipst sie weg. „Danke“ sage ich und atme erleichtert aus. „Nun schulde ich dir was“ ich sehe ihn an. Was macht er eigentlich hier im ersten Stock.

„Wolltest du was?“ frage ich und lehne mich gegen die Wand. Er packt mich am Arm und schiebt mich ins Bad. Er schließt hinter uns ab und sieht mich an „Hilf mir mich von Cindy zu trennen“ sagt er. Na endlich „Du weißt aber, dass sie dich nicht einfach aufgeben wird, oder?“ frage ich. „Ja weiß ich! Deshalb habe ich ja dich gefragt, man sagte mir du seist gut in solchen Sachen“ er und sieht mich entschlossen an.
„Wer gab dir diese wertvolle Information?“ frage ich und fühle mich mehr als wichtig. Wie ein Geheimagent in den alten Filmen. „Können wir auf die James Bond Nummer verzichten und zum Punkt kommen?“ fragt Emilio. „Ok, der Meister wird dir helfen. Und mit Meister meine ich natürlich meine Wenigkeit. Ich überlege mir was und lasse es dich wissen“ ich deute mit der Hand auf sein Handy. Ich lege die Stirn in Falten „Du hast sowas schon öfter gemacht, stimmts?“ sagt er und sieht mich fragend an. „Welch böse Anschuldigungen“ sage ich und er lacht, während er das Bad verlässt. „Lass mich einfach deinen genialen Plan wissen“ sagt er und geht wieder nach unten. Ich und sowas öfter machen, welch Frechheit. Naja, eigentlich hat er Recht. Ich habe schon oft für andere mit ihren Partnern Schluss gemacht. Wie zum Beispiel für meine Schwester Momo. Sie ist superbeliebt bei den Jungs und hatte mindestens schon Tausend Freunde und ich musste schon sehr, sehr, sehr oft für sie mit ihren Freunden Schluss machen. Meistens akzeptierten sie es stillschweigend, doch ein paar wurden echt wütend. Ich habe mir ein paar Tipps und Tricks bei Kaito abgeschaut, ein Mädchen muss sich ja zu verteidigen wissen.
Die meisten waren nach einem gekonnten Tritt in den Schritt bereit sie in Ruhe zu lassen. Rein theoretisch bin ich Experte in diesem Gebiet, doch Cindy ist eine Nummer für sich. Sie wird meine beste Arbeit, mein schwerster Job. Ich gehe ins Zimmer zurück und lehne die Beine an der Wand hoch. Ich zücke mein Handy und simse Emilio.

Ok hier ist der Plan simse ich. Wenn wir heute auf die Insel fahren wirst du es ihr sagen, wir müssen sie von der Herde trennen. Sonst macht sie eine Riesen Szene. Emilio tippt: Und wie willst du das bitte anstellen? Er unterschätzt meine Fähigkeiten. Lass das mal meine Sorge sein, sie wird dir wahrscheinlich eine knallen, aber damit musst du Leben. Er antwortet nicht, ich tippe erneut: Ich trenne sie, du machst Schluss, und ich sorge dafür das die anderen nichts mitbekommen. Deal?

Er schreibt: Deal, ich verlasse mich auf sie oh großer Meister. Er muss sich um nichts sorgen, ich verstehe mein Handwerk.
Nach dem Frühstück machen wir uns alle bereit für den Ausflug zur Insel. Ich entscheide mich für den hochausgeschnittenen pinken Bikini. „Findet ihr das der zu viel zeigt?“ frage ich und betrachte die Bikinihose im Spiegel. Ich hatte den Bikini zwar schon mal an, aber irgendwie ist es dieses Mal etwas anderes. „Ich find ihn super, der Bein Ausschnitt ist gewagt, aber es steht dir wirklich“ sagt Niki während sie sich in ihren weißen Bikini rein zwängt. Audrey mustert mich von Kopf bis Fuß „Du hattest den doch schon einmal an. Wieso beunruhigt dich das erst jetzt?“ fragt sie und knotet ihren dunkelgrünen Neckholder zusammen. „Keine Ahnung, jetzt wo ich das hier im Spiegel sehe fällt es mir erst auf“ lüge ich und stülpe mir mein dunkelblaues Kleid über. „Lieber den gelben oder den roten?“ fragt Laura und hält beide hoch. „Also ich denke Tao würde der gelbe besser gefallen“ sage ich und grinse sie an. Niki sieht erst mich und dann Lauras hochroten Kopf an. „Ich glaube auch das der gelbe besser wäre“ fügt sie hinzu. Audrey schweigt, was quasi einer Zustimmung gleicht. Laura sieht uns strahlend an, ich hoffe wirklich, dass sie heute ein paar kleine Fortschritte machen kann.

Ich bin die letzte die beim Auto ankommt. „Will jemand mit mir fahren? Dann wird es im Auto vielleicht nicht ganz so stickig“ bietet Tao an. „Michelle? Fahren wir beide mit ihm?“ fragt Lou. „Klar“ sagt Michelle und hakt sich bei ihm unter. „Und was ist mit mir?“ fragt Cindy mit einem harschen Ton und stemmt die Hände in die Hüfte. „Du kannst ja mitfahren“ antwortet Michelle kalt und steigt ohne einen einzigen Blick in Cindys Richtung ins Auto. „Gut, ich fahr mit“ sagt sie und klettert mit Mühe ins Auto. „Laura wieso fährst du nicht mit?“ frage ich sie leise. „Wieso ich?“ fragt sie zurück. Ich verdrehe die Augen und schiebe sie zur Beifahrerseite. „Laura würde gern mitfahren“ sage ich zu Tao der mich überrascht vom Fahrersitz aus ansieht.
Ich drücke sie in den Sitz und schlage die Tür zu. Wir anderen steigen in den Mietwagen. Tom fährt los. „Ich bin überrascht das du nicht zu Cindy gestiegen bist“ sagt Leo und wirft mir dabei einen flüchtigen Blick zu. „Ich muss ja nicht immer bei ihr sein“ antwortet Emilio gelassen. Ich weiß, dass wenn Cindy nach ihm gerufen hätte er sofort zu ihr gesprintet wäre. Die Fahrt zum Hafen ist lang, und im Auto ist es trotz Klimaanlage unerträglich warm. Ich fächle mir mit der Hand Wind zu.
Es hilft alles nichts, ich habe das Gefühl ich schmelze. „Wie lange ist es noch?“ frage ich und lehne mich zwischen den Sitzen zu Kaito und Tom nach vorne. „Es ist nicht mehr lange“ sagt Tom und grinst mich kurz an. Er hat seine blonden schulterlangen Locken unter einem Cap gebändigt und trägt mal wieder eins seiner ausgefallenen Hawaii Hemden. „Können wir wenigstens Musik hören?“ frage ich und seufze. „Da müsste eine CD im Handschuhfach liegen“ sagt Tom und deutete Kaito an im Handschuhfach nachzuschauen. Kaito legt die CD ein und dreht laut. Sunshine Reggae dröhnt aus den Lautsprechern und gibt dem Ganzen eine leichte, lockere Sommerstimmung. Als wir am Hafen halten und Tom den Motor abschaltet geht die Klimaanlage aus, und wir merken erst, wie warm es wirklich ist.

Wir springen regelrecht aus dem Auto und rennen in den Schatten der Palmen. Kaito geht zum Kofferraum und öffnet ihn. Wir greifen uns jeder unsere Tasche und teilen das restliche Zeug unter uns auf. Ich bekomme von Kaito die Strandmatten in die Hand gedrückt, die ich unter meinen freien Arm klemme. Er hätte mir auch einfach die Tüte mit den Ersatzhandtüchern geben können. Die wäre wesentlich leichter gewesen. Die Sonne brennt mir auf den Kopf. Es fühlt sich an, als ob meine Haare gleich in Flammen stehen würden. Ich schwitze unheimlich und meine Haare sind wie ein Schal, der auf meinem Kopf klebt. Hätte ich mir doch bloß einen Zopf gemacht schimpfe ich mit mir selbst. Plötzlich legt sich ein Schatten über meinen Kopf und als ich mich zur Seite drehe sehe ich in Kaitos Augen. Er hat mir seine Cap auf den Kopf gedrückt. Ich ergreife mit meiner Hand seine und verflechte unsere Finger ineinander. So unauffällig, dass es keiner sieht. Er zieht mich plötzlich hinter das Kassenhäuschen, an dem man die Tickets kaufen konnte. Er drückt mich mit dem Rücken gegen die Wand. Sein Gesicht kommt dem meinen immer näher.
Ich kann seinen Atem auf meiner Haut spüren. Kurz bevor er seine Lippen auf meine pressen kann ducke ich mich weg und renne zu den anderen. Ich will mich gar nicht zu ihm umdrehen, bestimmt sieht er mir verwundert hinterher. Und ich weiß auch nicht, wieso ich wegrenne, ich habe mir doch die ganze Zeit nichts anderes gewünscht, als dass er mich so ansieht. Dass der Junge, den ich so lange schon liebe, mich küssen will. In mir kam einfach Panik auf. Panik das er mich wegstoßen könnte. Ich weiß dazu habe ich eigentlich keinen Grund, aber ich kenne seine Vergangenheit nur zu gut. Ich weiß alles über seine Beziehung mit Jane, und auch über viele seiner vorherigen Beziehungen. Es hat nie gut funktioniert und am Ende hat er sie alle gehasst. Ich glaube meine größte Angst ist einfach das ich auch nur eine von vielen sein könnte.

Das er mich irgendwann auch hassen könnte, in meinem tiefsten Inneren weiß ich das er mich nie hassen würde. Aber diese kleine Stimme in meinem Kopf ist einfach zu laut. Ich gehe an Bord des kleinen Bootes, ohne mich noch einmal nach Kaito umzusehen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, ich bin einfach weggerannt. Ich setze mich nicht aufs Oberdeck, denn dort scheint die Sonne ohne Gnade drauf. Ich setze mich auf eine Bank, die unter dem Oberdeck steht und sehe auf die türkisblaue See. Kaito kommt auf mich zu und ist kurz davor sich neben mich zu setzen. Doch ich ziehe Tom am Arm und drücke ihn neben mich auf die Bank. „Findest du das Meer nicht auch so wunderschön?“ frage ich und mir ist selber bewusst, wie weh ich Kaito damit tue. Doch ich habe gerade Angst mit ihm allein zu sein. Er wird mich fragen, wieso ich weggerannt bin, und ich schäme mich dafür, dass ich Angst habe das er mich fallen lässt. Ich weiß das er das niemals ohne Grund tun würde. Wie zu erwarten setzt sich Michelle neben Lou und Cindy zwingt Emilio sich neben sie zu setzen. Dieser weist Niki heimlich an sich neben ihn zu setzen, ganz zum Ärger von Cindy, die ihn fest umklammert. Sie weiß das es zu Ende geht, sie tut mir fast schon leider, aber nur fast. Tao sitzt zusammen mit Joel auf dem Oberdeck und bräunt sich, wie ich sehe klettert Laura gerade die Leiter zum Oberdeck hinauf. Leo hingegen sitzt mit Audrey etwas weiter Abseits. Überrascht stelle ich fest, dass sie eine rege Unterhaltung führen und er sie nicht wie üblich einfach nur zutextet. Im Moment drehen sich bei mir im Kopf alle Gedanken im Kreis. Wie soll ich das wieder grade biegen? Wie soll ich ihm erklären das ich Angst habe, unbegründete Angst? Ich spüre seinen Blick in meinem Nacken, wie er mich mit den Augen durchbohrt. Ich weiß auch ohne mich umzudrehen, dass er hinter mir an der Reling steht. Und ich kenne ihn gut genug, um zu wissen das seine Augen j! eder mei ner und besonders Toms Bewegungen folgen.

Kapitel 24

Tom zwickt mich in die Seite „Du hast ja ganz schön Fett angesammelt!“ sagt er und zwickt mich noch einmal in die Hüfte. „Habe ich gar nicht!“ meckere ich und boxe ihm gegen die Schulter. „Endlich bist du wieder du. Es passt ja gar nicht zu dir so betrübt zu sein“ sagt er und grinst. Was ein raffinierter kleiner Teufel! Aber mir geht es tatsächlich ein bisschen besser. Wir unterhalten uns, über nichts Besonderes, doch ich entspanne mich. Wäre da nicht immer noch dieser eine Gedanke in meinem Hinterkopf. Dieser Gedanke, der sich unbedingt Gehör verschaffen will, der mir die ganze Zeit zuruft, was machst du da? Geh und rede mit Kaito. Du weißt selber das du ihn damit absichtlich verletzt. Tom versucht alles um mich bei Laune zu halten. Ich schließe kurz die Augen und spüre, wie jemand seine Arme um meine Taille legt. Kaito? Ich öffne die Augen wieder und es ist nicht Kaito der seine Arme um mich legt, sondern Tao. „Na Engelchen alles gut bei dir? Du siehst so bedrückt aus“ fragt er und stützt sein Kinn auf meinen Kopf. „Mir geht’s gut, ich glaube das Schaukeln bekommt mir nicht so gut“ sage ich und löse mich aus seiner Umarmung.
„Sicher, dass es dir gut geht?“ ich nicke stumm und stehe auf. Das Boot schwankt unter meinen Füßen gerade sehr stark und mein Magen macht einen Satz.
Mir ist schlecht, mein Kopf dreht sich und beeinflusst meinen Magen dabei mit.
Ich torkle zur Reling und lehne mich daran. Ich sehe im Augenwinkel wie Kaito zu mir herüberkommt, doch Audrey zieht ihn zurück. Sie kommt zu mir herüber, auch sie torkelt und ich sehe das es ihr gerade auch nicht besonders gut geht. Der salzige Wind bläst mir ins Gesicht, ich sehe auf die blaue See hinaus. „Läuft alles nicht ganz so einfach, oder? “ fragt Audrey und lehnt sich gegen die Reling. „Bei dir anscheinend auch nicht“ sage ich. Sie lässt ihren Kopf nach hinten fallen und sagt „Tja ich weiß einfach nicht was mit mir los ist“ sie seufzt.

Ich schaue sie an und es rutscht mir einfach raus ohne, dass ich es hätte verhindern können „Du magst ihn, stimmts?“ „Wen?“ fragt sie prompt zurück. „Leo“ entgegne ich und beobachte ihre Reaktion. Sie legt die Stirn in Falten, dass macht sie immer, wenn sie scharf nachdenkt. „Vermutlich, ein kleines bisschen“ sie sieht mich an.
Ich hätte nicht gedacht, dass sie mir diese Antwort gibt. Ich dachte sie würde alles abstreiten und mich für verrückt erklären. „Ich habe dich überrascht, nicht wahr?“ sagt Audrey und lächelt mich an. „Ein bisschen“ gebe ich kleinlaut zu. Sie stützt sich von der Reling hoch „Ich weiß nicht was zwischen dir und Kaito wieder vorgefallen ist, aber wenn ihr gestritten habt redet miteinander“ sagt sie und geht wieder zu Leo zurück. Ich starre aufs Meer, sie hat Recht. Ich sollte wirklich mit ihm reden. Ich stütze mich hoch und gehe zu Kaito herüber der etwas Abseits auf einer der Bänke sitzt. Ich setzte mich neben ihn. Er sieht mich kurz an und schaut dann weiter aufs Meer. Ich fühle mich sichtlich unwohl, ich weiß nicht, wie ich das Thema anfangen soll. Irgendwie wirkt es als würde ich neben einem riesigen Eisberg sitzen. Aber ich bleibe sitzen, einfach nur um ihm nah zu sein. „Weist du-“ setze ich an. Das Boot bremst ab und wirft den Anker aus. Wir sind bei unserem ersten Zwischenstopp angekommen. Das Boot liegt neben ein paar Felsen vor Anker und die Gäste haben die Möglichkeit ins Wasser zu springen und zu tauchen. „Was wollest du sagen?“ fragt Kaito und sieht mich an. Ich sehe ihm in die Augen, und mich überkommt auf einmal Panik. Er durchbohrt mich fast mit seinem Blick. Ich springe auf und reiße mir das Kleid vom Leib. Ich greife nach meiner Taucherbrille und springe ins Wasser. Das kalte Nass kühlt meinen heißen Kopf. Ich ziehe mir die Brille an und tauche in die weiten des Meeres ab. Es ist schön anzusehen. Wie als würde man in eine andere Welt eintauchen. Ich entdecke ein paar blau-graue Fische, einen Seestern, und ein paar winzige gelbe Fische, die unter meinen Füßen umher schwimmen.

Zum Luft holen tauche ich auf, zu meinem Pech, direkt neben Kaito. Das hat mir gerade noch gefehlt. „Mia?“ er sieht mich an. Er erwartet bestimmt noch die Fortführung unseres Gesprächs von vorhin. Doch wenn er mich so eisig ansieht verlässt mich all mein Mut. Ich atme tief ein und tauche wieder ab. Weglaufen ist einfach viel zu einfach, ich hasse mich selbst für meine eigene Feigheit. Ich tauche ein Stück und drehe mich unter Wasser um. Vor lauter Schreck entweicht mir etwas Luft, Kaito taucht mir nach. Ich tauche auf und schwimme hinter einen Felsen. „Mia! Was soll das? “ keift er mich an. „Warum gehst du mir aus dem Weg?“ es gibt keinen Weg ihm aus dem Weg zu gehen. Der Fels hinter mir, und Kaito vor mir kesseln mich ein. Er starrt mich wütend an und wischt sich die Haare aus dem Gesicht.
Ich strample wild mit den Füßen, bis ich einen Felsen unter mir ertaste auf den ich mich stellen kann. Kaito sieht mich unbeeindruckt an, er kann im Gegensatz zu mir hier stehen. Ich schiebe mir die Taucherbrille auf den Kopf, und er tut es mir gleich. „Wieso gehst du mir aus dem Weg? Habe ich wieder etwa gemacht?“ fragt er und funkelt mich an. „Du bist schuld“ rufe ich „Wieso meine Schuld?“ ruft er zurück.
Es kommt alles hoch, alles will jetzt raus. „Du hast mir doch früher immer von deinen Beziehungen erzählt. Ich habe einfach Angst das ich auch eine von denen werde! Das du mich irgendwann satt hast, dass du mich hasst und das ich dann alles verliere. Was wenn es genauso endet wie mit Jane?“ sage ich schluchzend und merke, wie ein dicker Kloß mir im Hals stecken bleibt. Er sieht mich entgeistert an „Das kann doch nicht dein Ernst sein? Du bist nicht Jane, du bist nicht mal ansatzweise wie sie. Und es wird auch garantiert nicht so enden wie mit ihr! Das werde ich nicht zulassen. Ich könnte dich nie hassen, und das weißt du“ er atmet kräftig aus und sieht mich an. Ich wische mir ein paar Tränen aus den Augen, das Salzwasser an meinen Händen brennt.

„Aber was, wenn es nicht funktioniert und wir irgendwann nicht einmal mehr miteinander reden können. Ich meine ich warte auf diesen Moment so lange, was wenn du nicht so denkst-.“ Er packt mich am Arm und zieht mich zu sich ran.
Er drückt seine Lippen auf meine, so lang und so intensiv wie nie zuvor. Er löst sich von mir und keucht „So-“ er sieht mich an „-denkst du immer noch das ich es nicht ernst meine?“ Ich bin völlig aus der Puste und erröte. Ich wende mein Gesicht ab.
Ich habe immer noch diese kleine piepsende Stimme in meinem Kopf, aber sie ist kaum noch hörbar. Ich drehe mich zu ihm und sehe ihn lange an. Er grinst „Beeindruckend, nicht wahr?“ ich lache. Er sieht mich sanft an, mit diesen unglaublichen Augen. Diesen unglaublich warmen, sanften, liebevollen Augen.
Die mir sagen, dass er mich wirklich genauso liebt wie ich ihn. Ich umarme ihn, er geht sofort unter, was ja kein Wunder ist denn ich falle ihm mit voller Wucht um den Hals. Ich lasse ihn los und wir schwimmen an die Oberfläche. Wir schnappen nach Luft und Lachen. Der Kapitän des Bootes ruft zur Abfahrt auf, und Kaito und ich schwimmen langsam zurück. Am Boot angekommen, entdecke ich einen großen Schwarm winziger Fische der in kleinen Kreisen um das Schiff schwimmt.
Wir klettern nacheinander die kleine Leiter hoch und hieven uns zurück an Bord.
Ich habe meine ganzen Sorgen im kühlen Wasser gelassen. Tom setzt sich neben mich, es stört mich zwar etwas, aber ich sage nichts. Ich kuschele mich in mein weiches Handtuch und sehe auf die immer näherkommende Insel. Tom legt seinen Arm um meine Schulter und sagt „Na wird dir schon warm? “ Er grinst hämisch zu Kaito herüber. „Tom, bitte lass mich los“ sage ich und versuche mich aus seinem Arm zu befreien. Vergeblich. „Entspann dich, ich mache doch nichts“ ich glaube kurz ein Surren zu hören. Im Augenwinkel sehe ich wie Kaito zu uns herüber kommt. Ich glaube das Surren kam von seinem gerissenem Geduldsfaden.

„Lass sie los“ keift er Tom an. Irgendwie überkommt mich so ein merkwürdiges Gefühl, dass Tom auf genau diese Reaktion gebaut hat. „Kaito entspann dich, als ihr bester Freund musst du dich doch nicht so aufspielen“ sagt er. Ich höre genau wie sehr sich Tom zusammen reisen muss seine Rolle zu spielen. Alle drehen ihre Köpfe zu uns um und starren auf Kaito der innerlich am Brodeln ist. „Du nimmst jetzt sofort deine Hände von meiner Freundin“ brüllt Kaito und zieht mich aus Toms Umarmung. Dieser Moment ist mir unendlich peinlich, alle starren uns an. Ich fühle mich wie in diesem Moment festgefroren. Es ist einer dieser Momente, in denen man das Gefühl hat von außen auf die Handlung zu schauen und nicht selber Teil davon zu sein. Niki und Audrey sehen mich geschockt und zugleich etwas vorwurfsvoll an. Ich lächle sie nervös an, mich erwartet später ein gehöriges Donnerwetter. Tom grinst und verschränkt die Arme vor der Brust. Ich funkle ihn böse an und er zwinkert mir zu. Die anderen gesellen sich dazu und beobachten uns als wären wir Tiere im Zoo, abgetrennt durch eine milchige Glasscheibe. Leo sieht fragend zu mir herüber, so als würde er auf eine Bestätigung meinerseits warten. Ich nicke leicht und er lacht mich freudig an. Wenigstens einer der sich im Moment mit mir freut. Die restlichen Gäste fangen an zu tuscheln. Ich hasse es, wenn Leute anfangen zu tuscheln, du weißt das sie über dich reden, doch du weißt nicht was. Du redest dir ein das du es gar nicht wissen willst, doch in Wahrheit verfolgt es dich in deinen Träumen. „Tja, hat doch super geklappt“ sagt Tom und steht auf. Er kommt auf Kaito zu und nur zur Sicherheit greife ich nach seinem Handgelenk. Tom legt ihm den Arm um die Schulter und sagt „Ich würde dir doch nie Mia wegnehmen, ich wollte nur, dass ihr endlich mit der Wahrheit rausrückt. Und du mein Freun! d-&ldquo ; er sieht erst mich und dann Kaito an „solltest endlich mal aktiv werden.“ Kaitos Arm spannt sich an, doch dann urplötzlich entspannt er sich, ich kann es kaum glauben. Er lacht. Er lacht tatsächlich. Mir fällt fast die Kinnlade herunter, normalerweise hätte er Tom angebrüllt, wenn nicht sogar geschlagen. Auch Tom sieht reichlich überrascht aus „Danke“ sagt Kaito und schließt ihn fest in die Arme. Ich sehe in die geschockten Gesichter meiner Freunde und stelle fest das auch sie von diesem morbiden Schauspiel recht überrascht sind. Er lässt ihn los und setzt sich wieder auf die Bank zurück. Ich will es ihm gerade gleichtun, da winkt mich Tom zur Reling rüber. Mit einem kurzen Blick zu Kaito der nur leicht nickt gehe ich herüber. Wir sind weit genug weg von allen anderen, und somit vollkommen ungestört. „Bin ich nicht edel?“ ich sehe ihn fragend an „Ich riskiere es einen Schlag ins Gesicht zu kriegen, nur damit du siehst, wie ernst es Kaito mit dir ist“ er stellt sich mit hochgerecktem Kopf vor mir auf. „Das war sehr edel von ihnen mein treuer Ritter“ antworte ich und mache einen Hofknicks vor ihm. Wir beide lachen. „Woher hast du es gewusst?“ frage ich und stütze mich mit den Unterarmen auf die Reling. „Ich habe paranormale Fähigkeiten“ ich sehe ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Na schön, ich habe keine paranormalen Fähigkeiten. Kaito kann einfach nichts für sich behalten“ sagt er und starrt aufs Meer. „Er hat es dir erzählt?“ frage ich geschockt. „So meinte ich das nicht. Seine Körpersprache hat es mir verraten, er hat die ganze Zeit mit einem Dauergrinsen auf seinem Bett gesessen. Er war vollkommen entspannt. Leo und ich haben es getestet. Er ist nicht einmal wütend geworden als wir die Letze Tüte seiner Lieblingschips gegessen haben“ ich stelle mir vor wie Kaito gedanken! verloren an die Zimmerdecke starrt, und die beiden alles Mögliche ausprobieren, um ihn aus der Fassung zu bringen. Ich lache „Außerdem habe ich vorhin gesehen, wie du mit hochrotem Kopf vor ihm davongerannt bist. Da habe ich so schlau wie ich bin, eins und eins zusammengezählt“ fügt er noch schnell hinzu.

„Danke“ sage ich und lehne mich an ihn „Danke das du dir die ganze Zeit alles angehört hast und mich die ganze Zeit auf Kurs gehalten hast.“

Tom

Mir danken, wofür? Dafür das ich dem Mädchen, dass ich liebe geholfen habe mit einem besten Freund zusammen zu kommen? Das ist wirklich kein Grund mir zu danken. Denn ich habe immer noch den Hintergedanken, dass wenn es nicht klappt ich ihre Schulter zum Ausweinen sein werde und sie so endlich in meinen Armen liegen wird. Das ist doch wirklich bemitleidenswert „Ich verdiene keinen Dank“ rutscht es mir leise raus. Sie sieht verwundert zu mir hoch. Kaito wird mich hassen, wenn ich ihm irgendwann sage, dass ich in seine Freundin verliebt bin. Aber damit muss ich dann leben, denn dieses Mädchen ist den Hass allemal wert. „Alles okay mit dir? “ fragt sie und legt mir behutsam die Hand auf den Unterarm. „Alles bestens“ lüge ich und schlage ihr leicht auf den Kopf. Sie lacht „Falls er dich irgendwann zum Weinen bringt, also schon wieder-“ wir beide lachen „dann kannst du jederzeit zu mir kommen“ und ich meine dieses Angebot ernst. Ich weiß das er sie liebt, und ich weiß das es ihm ernst mit ihr ist. Und dennoch kenne ich meinen besten Freund auf eine andere Art und Weise wie sie ihn kennt.
Ich weiß das er sie zum Weinen bringen wird. Wann ist unklar, aber sie wird viele Tränen wegen ihm vergießen, einfach weil er so ist wie er ist. Er hat Angst sich zu öffnen und er lässt seine Gefühle fast nie die Überhand gewinnen. Ich schnaube verächtlich. Außer wenn ich ihn provoziere, das kann ich sehr gut. Dann sprudelt es nur so aus ihm raus. Aber ich kann ja nicht immer da sein, um ihn aus der Reserve zu locken, und das macht das Ganze für sie umso schwerer. „Das weiß ich“ sagt sie und sieht aufs Meer.

„Du kannst auch jederzeit zu mir kommen, wenn du Liebeskummer hast. Natürlich auch wenn dir irgendetwas anderes auf der Seele liegt“ sie sagt das so leicht.
Ich kann ja schlecht mit meinem Liebeskummer zu ihr. Schließlich ist sie der Grund dafür. „Du schuldest uns ein paar Antworten“ ruft Audrey und kommt mit Niki im Schlepptau zu uns herüber. Nach einem kurzen Blick auf mich prasseln haufenweise Fragen auf Mia ein. „Wieso hast du nichts erzählt?“ fragt Niki und sieht sie dabei prüfend an. „Ich war mir noch sehr unsicher. Ich meine ihr wisst ja, wie das immer bei Kaito geendet hat“ antwortet sie. Meint sie das mit Jane? „Du meinst vor allem Jane, oder?“ fragt dann auch Audrey die sich gerade die Sonnenbrille in die Haare schiebt. Ich schiele zu Mia herüber, um ihre Reaktion zu sehen. Sie schaut auf den Boden und nickt verlegen. „Du hattest also mal wieder Angst, dass er dich zurücklassen würde und du ihn für immer verlieren würdest?“ Niki legt ihr den Arm um die Schultern. „Ja was soll ich denn machen? Es hat nie gut geendet, wenn er eine Freundin hatte. Und als beste Freunde waren wir einfach unschlagbar. Es hätte sich alles verändern können, verändern im negativen Sinne.“ Sie hat nicht ganz unrecht, es hätte sich alles verändern können. Ich weiß gar nicht ob die drei überhaupt wahrnehmen das ich noch da bin. Es fühlt sich an als würden sie durch mich durch Reden.
„Hat sich denn alles negativ verändert?“ fragt Audrey „Nein, es fühlt sich merkwürdig gut an“ „Merkwürdig?“ fragt Niki und lacht. „Ich bin glücklich. Ich habe Angst und bin dennoch glücklich“ sie sieht wirklich zufrieden aus. „Küsst er gut? Also, ist es besser als diese Küsse im Rausch auf Partys?“ fragt Niki und grinst Mia dabei hämisch an. Ich will die Antwort eigentlich gar nicht hören. Ich weiß auch nicht, warum ich mir das immer noch anhöre. Es rammt mir jedes Mal einen Pfeil ins Herz, wenn ich sehe, wie sie so verliebt dreinschaut.

Audrey sieht mich prüfend an „Geht doch schon mal zu unseren Sachen. Wir sind ja gleich da“ sie schiebt die beiden in Richtung der Taschen. Ich höre leise „Er küsst besser als jeder andere“ es tut weh. Es tut wirklich weh. Ich wünschte sie hätte es noch leiser gesagt so leise, dass ich es nicht gehört hätte. „So, was hast du auf dem Herzen?“ fragt Audrey aus heiterem Himmel und sieht mich an. „Was meinst du?“ ich will eigentlich nicht darüber reden. „Du siehst aus hättest du als das Unglück der Welt auf deinen Schultern. Das fällt doch jedem auf“ ein kräftiger Wind weht ihr durch die Haare. „Nicht jedem fällt es auf“ nuschle ich, doch sie hat es trotzdem gehört. „Also geht es um Mia. Wieso hast du ihr überhaupt geholfen? Hättest du dich ruhig verhalten wäre sie es am Ende leid geworden und dann hättest du deine Chance bekommen“ ich schnaube verächtlich. „Das glaubst du doch selber nicht“ sage ich und stütze mich auf die Reling „Nein glaube ich nicht. Aber du hättest es versuchen können“ Audrey legt die Stirn in Falten. Manchmal wünsche ich mir ich hätte ihr niemals erzählt das ich etwas für Mia übrig habe. Sie weiß es schon eine ganze Weile. Ich war an dem Tag als Kaito bei Mia war, um mit ihr zu lernen so frustriert das ich in die Bar gegangen bin, in der sie arbeitet. Ich wusste nicht, dass sie an dem Tag Schicht hatte, und als ich sie hinter dem Tresen sah wäre ich am liebsten umgekehrt. Doch aus irgendeinem Grund bin ich es nicht.
Ich habe mich wirklich betrunken und ihr im Suff meinen ganzen Kummer anvertraut. Alles, all das mit Mia, mit Kaito und das ich einfach nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Ich könnte Kaito verlieren oder Mia und im schlimmsten Fall sogar beide. Sie hat mir aufmerksam zugehört und blieb sogar nach ihrer Schicht bis knapp halb 5 bei mir. Sie weiß von meinem Kummer, und auch ich habe einiges von ihr erfahren das selbst Mia und Niki nicht wissen.

Jeden Tag aufs Neue frage ich mich wie sie mit ihrem Schmerz umgeht, aber eine Antwort habe ich noch nicht gefunden. „Ich will einfach das sie glücklich ist. Und wenn sie mit jemand anderem glücklicher ist als mit mir, dann soll es so sein“ sage ich leise. „Findest du nicht das du einfach nur wegrennst? Ich meine woher weißt das du das sie mit Kaito glücklicher ist als mit dir? Du versuchst doch nur es allen recht zu machen. Du willst nur nicht das dich jemand hassen könnte. Aber bist du damit selbst glücklich?“ fragt sie und ich bin wirklich überrascht. „Du bist doch ihre Freundin. Müsstest du mir nicht genau das Gegenteil sagen? Das ich genau das richtige getan habe und damit leben soll?“ frage ich. Ich rücke die Cap zurecht.
„Ich liebe sie, sie ist meine beste Freundin. Aber das heißt nicht das ich mit ihr in allem einer Meinung sein muss“ Audrey steckt echt voller Überraschungen. Wie kann jemand der so selbstsicher ist sich vor den eigenen Problemen nur so verstecken. „Vielleicht renne ich weg, aber ich weiß das sie glücklich ist“ „Gibst du sie auf? “ fragt sie und streicht mir sanft über den Arm. Ich sehe auf die vorbeiziehende Küste und in den klaren Himmel. Es wäre tatsächlich einfach sie aufzugeben
„Es wäre einfacher, aber einfach ist doch langweilig-“ ich lache „Nein, ich gebe sie nicht auf. Wenn meine Zeit kommen sollte, dann werde ich sie zu nutzen wissen.“ „Ich hätte nie gedacht das ich mal so erwachsene Worte von dir hören würde“ sagt Audrey und kichert. Die Leute lachen immer bei mir, dass kann ich gut. Leute zum Lachen bringen. „Sie ist zwar meine beste Freundin, aber ich verstehe dich. Wenn du mal reden willst, oder einen Wingman brauchst sag einfach Bescheid“ für einen kurzen Moment vergesse ich das die Jungs aus der Schule sie Medusa nennen, sie würden sie nicht so nennen, wenn sie wüssten was ich wüsste. Wenn sie wie ich wüssten was sich hinter der harten Schale und den eisigen Blicken verbirgt. „Dasselbe gilt für dich-“ ich stupse sie mit dem Ellenbogen an

„Du solltest mit ihnen darüber reden“ ich deute auf Niki und Mia die weiter abseits wild tuscheln. Sie lächelt und ihre Augen strahlen auf einmal so sanft wie die eines Rehs. „Kein Wort, ich habe es dir im Vertrauen erzählt. Ich komme schon klar, ich will nicht das sich jemand einmischt“ und da war sie auch schon wieder, die Medusa. Keine Spur mehr von der Wärme die ich kurz zuvor gespürt habe. Sie will gehen, doch ich halte sie am Handgelenk fest „Es bringt nichts sich heimlich in den Schlaf zu weinen. Rede mit ihnen. Sie werden dir helfen, dich verstehen“ sie reißt sich los und stolziert davon. Ich weiß das sie drüber nachdenken wird. Sie ist viel verletzlicher als andere zu glauben scheinen. Ich habe sie schon oft weinen sehen, heimlich, für wenige Sekunden hat sie sich erlaubt Schwäche zu zeigen. Ich erinnere mich an einen Abend als ich gerade meine tägliche Runde durch den Park gejoggt bin. Ich habe sie auf einer Bank weinen sehen, nur ganz kurz. Kaum hatte sie mich gesehen waren die Tränen verschwunden. Wir haben nicht geredet. Wir haben einfach nur dagesessen und in den Himmel gestarrt. Dann ist sie auf einmal aufgestanden hat danke gesagt und ist gegangen. Ein anderes Mal hat sie mich verheult angerufen und mich gebeten sie von der Bücherei abzuholen. Ich habe keine Fragen gestellt, doch als sie zu mir ins Auto stieg hat sie zum ersten Mal nicht versucht die Tränen zu verstecken. Sie wollte nicht getröstet werden, sie wollte keine Umarmung und keine aufbauenden Worte. Sie wollte einfach nur das ich da sitze und ihr zuhöre.
Ich habe lange Zeit zugehört, ohne Fragen zu stellen. In manchen Momenten wollen die Menschen nur erzählen und keine Fragen beantworten. Dies war genauso ein Moment. Ich habe ihr ein Eis gekauft und sie dann stillschweigend nach Hause gefahren. Sie hat wieder nur danke gesagt, aber dieses Mal hat sie dabei gelächelt.

 

Es war merkwürdig, aber ich habe sie verstanden. Ich verstehe zwar immer noch nicht, wie sie das alles allein durchsteht und wieso sie es nicht schafft über ihren Schatten zu springen. Ich meine Mia und Niki haben ihr so viel anvertraut. Niki das sie auf Emilio steht, und auch weiß das sie niemals eine Chance haben wird und dann erst Mia mit ihrem ganzen Drama. Ich sehe wieder auf die glänzende Felsenküste, irgendwie vertrauen mir die Leute viel an. Sie scheinen sich wirklich bei mir sicher zu fühlen. Aber ob das so gut ist?

Kapitel 25

Mia

Ich schiele zu Tom und Audrey herüber „Was die wohl besprechen? “ frage ich Niki die gedankenverloren aufs Meer starrt. „Wer weiß“ antwortet sie nur ohne hinzusehen. Kaito winkt mich zu sich herüber. Mit einem Letzen Blick auf Tom und Audrey gehe ich zu ihm. Er zieht mich am Arm auf seinen Schoß und schlingt seine Arme um mich. Ich bin wahnsinnig angespannt, es ist mir irgendwie unangenehm das wir hier so sitzen, aber irgendwie fühlt es sich gleichzeitig auch schön an.
Ich lehne mich an ihn und wickle mein Handtuch noch etwas fester um mich.
Audrey stürmt an uns vorbei und klettert mit einem wütenden Gesichtsausdruck die Leiter zum Oberdeck hinauf. Ich drehe den Kopf in Toms Richtung und sehe ihn fragend an. Er zuckt nur mit den Schultern und schlendert zu seinem Rucksack herüber. Ich beobachte ihn noch eine Weile, er kramt sein Hawaii Hemd aus der Tasche und zieht es an. Ich sollte mir auch langsam etwas über die Badesachen ziehen. „Was gibt es denn da zu sehen?“ fragt Kaito und dreht seinen Kopf.
Ich schaue ganz schnell weg „Ach gar nichts.“ Ich muss ihn ja nicht noch weiter aufregen.
Die Insel ist nicht mehr weit entfernt, die steilen weißen Felsen der Küste glitzern in der Sonne. Sie sehen zum Verlieben schön aus. Das Boot hält so abrupt, dass ich von Kaitos Schoß rutschte und auf dem nassen Boden lande. Kaito fängt wild an zu lachen. Ich funkle ihn böse an „Tut mir leid“ er streckt mir die Hand entgegen und zieht mich hoch. Ich ziehe mir mein Kleid über die nassen Badesachen und greife nach meiner Tasche und den Strandmatten. Die Sonne brennt in den Augen, ich habe meine Sonnenbrille in der Tasche. Doch leider keine Hand frei, um sie heraus zu holen. „Kaito, kannst du mal kurz meine Sonnenbrille aus dem Rucksack holen?“ frage ich und bleibe stehen. Er schultert seine Tasche und stellt die Kühlbox kurz ab. Dann greift er mit der freien Hand nach meinem Rucksack und kramt darin herum. „Wieso hast du so viel Zeug dabei“ meckert er und drückt mir schlussendlich meine Sonnenbrille auf die Nase. „Man muss doch auf alles vorbereitet sein“ sage ich, während wir gemütlich weiter gehen. „Du tust ja so als könnten wir hier stranden und müssten uns alleine durchschlagen“ „Das könnte doch passieren“ antworte ich und er verdreht die Augen. Wir laufen für den Sand, und in diesem Moment bin ich zum ersten Mal am heutigen Tag froh Flip-Flops angezogen zu haben. Denn die anderen schaufeln sich haufenweise Sand in die Turnschuhe und jammern darüber. „Hast du das gesehen?“ fragt Niki die auf einmal neben mir geht. Als sie meinen fragenden Blick bemerkt deutet sie mit dem Kopf hinter uns. Ich verrenke mich, um nach hinten zu sehen. Michelle und Lou laufen Hand in Hand den Strand entlang.
Ja klar, Michelle muss natürlich nichts tragen ist das Erste, das mir durch den Kopf schießt. Doch dann sehe ich Tao der voll bepackt mit unseren Sachen den Strand entlang torkelt. Da hat sie also die Dinge, die sie tragen sollte, abgeladen. Ich sehe wieder nach vorne, Emilio sieht mich hilfesuchend an, Cindy zieht ihn einfach wie eine willenlose Puppe hinter sich her. Er ist wirklich nicht zu beneiden.

Wir passieren ein kleines Restaurant und laufen an einem langen Zaun entlang, der den Strand abgrenzt. Schließlich lassen wir uns etwas weiter Abseits nieder und spannen die Sonnenschirme auf. Brav lege ich die Strandmatten unter die Schirme und stelle meine Tasche ab. Der Strand ist schmal und bietet nicht sonderlich viel Platz, aber der Sand glänzt weiß, wie Schnee. Die anderen legen ihre Taschen neben meine und ziehen ihre Klamotten aus. Niki richtet mit einem flüchtigen Seitenblick auf Emilio ihren weißen Bikini. „Nicht schlecht“ höre ich Lou sagen und drehe mich um. Michelle steht in einem fliederfarbenen trägerlosen Bikini vor ihm. Er steht ihr einfach perfekt, er betont ihre Kurven und schmeichelt ihren Augen.
Etwas eingeschüchtert schaue ich an mir herunter „Du siehst auch nicht schlecht aus“ sagt Tom und grinst mich an. Manchmal ist es gruselig, wenn er so meine Gedanken liest. „Danke, dir steht deine Badehose auch ganz gut“ er dreht sich triumphierend vor mir im Kreis. „Ich mag die kleinen Shrimps“ sage ich und er lacht. Seine Hose erinnert mich irgendwie an einen Shrimp Cocktail, cremefarben mit kleinen rosa Shrimps drauf. „Was hältst du von Little Miss Perfect da drüben?“ fragt er und deutet unauffällig auf Cindy. Ich scanne sie schnell von oben bis unten ab. „Naja ich muss sagen rot steht ihr gut, aber sonst recht normal“ er zieht die Augenbraue hoch. „Harte Worte von der Jury“ wir beide lachen. „Was besprecht ihr hier drüben denn?“ fragt Kaito und kommt zu uns herüber geschlendert. Erst jetzt fällt mir auf das er die Badehose trägt, die ich ihm letztes Jahr zum Geburtstag geschenkt habe. Die blaue mit den weißen Karos drauf. Ich erinnere mich an den Stress, den ich und Leo hatten als er versucht hat mir beim Aussuchen zu helfen. Sie steht ihm besser als ich dachte. Joel und Leo sehen sich peinlich berührt an, beide tragen dieselbe Badehose, dunkelblau mit roten Vögeln drauf. Audrey kichert über diesen lustigen Zufall. Mir entgeht nicht das Leo rot anläuft.

„Sieh mal wer im Partnerlook aufgetaucht ist“ Kaito dreht meinen Kopf zu Emilio und Cindy. Emilio trägt die passende rote Badehose zu ihrem Bikini. „Ich wusste nicht, dass wir Baywatch nachspielen“ sage ich lachend. Tao und Lou sprinten in ihren orangenen Badehosen ins Wasser, und lassen sich mit einem lauten Klatschen hineinfallen. Kaito sieht mich an und ich nicke. Hand in Hand gehen wir ans Wasser. Ein kalter Wind bläst mir durchs Haar, ich zucke zusammen.

Das Wasser ist kalt, nicht eiskalt, aber kälter als ich es bis jetzt gewohnt war. Es ist so klar, dass ich bis zum Grund sehen kann. Die kleinen Kiesel, die den Boden bedecken piksen unter meinen Füßen. Zögerlich wage ich mich etwas weiter ins kalte Nass vor. Es ist wirklich kalt, ich weiß nicht, ob ich ganz rein will. Und plötzlich fliege ich mit einem kräftigen Stoß ins tiefere Wasser. Das salzig schmeckende Wasser läuft mir von den Haaren direkt in die Augen. Es brennt, und für einen kurzen Moment sehe ich alles verschwommen. „Ok das reicht. Wieso müssen mich alle immer schubsen?“ frage ich wütend. Emilio und Tao lachen. Ich funkle sie böse an und sie zucken zusammen. Aber nun ist das Wasser gar nicht mehr so kalt. Kaito nimmt am Strand Anlauf und springt mit einem weiten Satz ins Wasser. Er landet knapp ein paar Zentimeter neben mir und erzeugt eine Riesen Welle. Jetzt wo ich eh schon komplett durchnässt bin macht mir das nichts mehr aus. Nun ist Tao dran, Emilio nehme ich mir später vor. „Tao komm mal her“ flöte ich und winke ihn zu mir her. „Was den liebste Mia? Hast du etwa schon genug von Kaito?“ er schwimmt auf mich zu. „Hey“, ruft Kaito und hebt drohend die Faust. „Nein, aber das ist die Rache“ ich springe ihm auf den Rücken und drücke ihn unter Wasser. „Gut nun sind wir quitt“ murmelt er, während er eine Menge Salzwasser ausspuckt. Ich entdecke Laura hinter ihm die im knietiefen Wasser steht und ihn anstarrt. Mir kommt eine geniale Idee

„Laura, hast du ihn etwa gerade ausgelacht?“ „Ach, hat sie das?“ fragt Tao und grinst sie an. Mit einem großen Satz ist er bei ihr, Laura weiß gar nicht wie ihr geschieht.
Er packt sie an der Taille und hebt sie hoch. Mit einem unterdrückten Schrei klammert sie sich an ihm fest. „He, du bist ja richtig süß“ er und lächelt sie an.
Sie läuft scharlachrot an und murmelt etwas das aus der Ferne wie „Du auch“ klingt. Tao lacht und setzt sie wieder ab „Eine so hübsche Frau wirft man doch nicht ins Wasser“ „He, was soll das denn heißen“ rufe ich beleidigt. „Bloß kein Neid“ ruft er lachend zurück. Laura schielt zu ihm hoch, irgendwie schon süß das so mitanzusehen. „Was hast du wieder vor? “ fragt Kaito und sieht mich prüfend an. „Gar nichts“ er glaubt mir kein Wort. „Wirklich!.“ er zieht die Augenbraue hoch „Meinetwegen“ er streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. Diese sonst so normalen Gesten und Bewegungen haben auf einmal eine ganz andere Intensität und Bedeutung für mich. Zaghaft lege ich ihm eine Hand in den Nacken, er zuckt unter meiner Berührung. „Was wird das- “ setzt er an, doch ich drücke ihm einen Kuss auf und bringe ihn so zum Schweigen. Ich spüre wie angespannt er ist, doch kurz danach merke ich wie sein Körper lockerlässt und er sich entspannt.
Er umschließt meine Taille mit den Händen und erwidert den Kuss. Das Ganze dauert nur wenige Sekunden, doch im Moment selbst hat es sich angefühlt wie mehrere Stunden. Ich löse mich von ihm und sehe in ein völlig überrumpeltes Gesicht. Ungewollt kichere ich, es ist schön zu sehen das ich ihn so aus der Fassung bringen kann. Er lächelt mich an, sanft, genauso wie ich es mir immer gewünscht habe. „Du überraschst mich immer wieder“ sagt er und fährt sich mit der Hand durch die Haare. Ich setzte mir meine Taucherbrille auf und tauche ab. Unter mir entdecke ich Korallen, Fische und sogar ein paar Seeigel, um die ich einen großen Bogen mache. Selbst aus der Ferne sehen ihre Stacheln wirklich schmerzhaft aus. Ich schwimme etwas weiter und entdecke unter mir große Bänke aus braunen Korallen und Unterwasserpflanzen, nicht so bunt wie ich es mir vorgestellt habe aber dennoch irgendwie schön. Ich tauche auf, im tieferen Wasser liegen einige Schiffe vor Anker. Zwischen einigen prachtvollen Yachten liegen kleine Fischerboote und wieder kleinere Highspeed Boote, die dort eine Pause machen. Ich schwimme wieder Richtung Strand, soweit das ich wieder stehen kann ohne den Mund dabei Wasser voll gespült zu bekommen. Die Jungs spielen mit einem Wasserball, den ich dann auch so gleich an den Kopf bekomme. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl auf meiner Stirn wäre eine riesige Zielscheibe aufgemalt. Ich wickle mir die Taucherbrille ums Handgelenkt und gehe zu ihnen herüber. „Darf ich mitspielen?“ frage ich und setzte mein süßestes Lächeln auf. Wir losen mit einer schnellen Runde Stein Schere Papier die Teams aus. Leo Kaito und ich gegen Emilio Tom und Joel. „Wollen Tao und Lou nicht mitspielen?“ frage ich und sehe mich nach ihnen um. „Die sind anderweitig beschäftigt“ sagt Leo und deutet auf den Strand. Lou und Michelle liegen Arm in Arm in der Sonne. Und Tao s! itzt etw as abseits unter einem kleinen Baum im Schatten und spielt mit Laura Karten. Volleyball war noch nie mein Sport gewesen, aber im Wasser ist es nochmal was anderes. Leo schlägt auf und schon fliegt er Ball in hoher Geschwindigkeit von einem Team zu anderen. Es macht Spaß, auch wenn der Ball öfters auf meinem Kopf landet als in meinen Händen. Bestimmt ziehe ich unser Team runter, weil ich nicht so schnelle Reflexe habe, wie Leo und Kaito oder weil ich einfach knapp einen halben Meter kleiner bin als sie. Doch sie lassen es mich nicht spüren das ich schlechter bin. Nach zwei heftigen Runden, die mit einem Unentschieden enden spüre ich eine leichte Gänsehaut auf meinem Körper.

„Ich denke ich gehe raus. Mir wird’s langsam etwas zu kalt“ sage ich zu Kaito und drehe mich Richtung Strand. „Warte, ich komme mit“ sagt Kaito und greift nach meiner Hand. Wir gehen zusammen durchs Wasser und wickeln uns am Strand in unsere Handtücher.
Ich lasse mich vorsichtig auf eine der Strandmatten fallen. „Sieh dir die an“ sagt Kaito und setzt sich dicht neben mich. Er spielt auf Laura und Tao an. Laura kichert und Tao lächelt sie an. Die beiden scheinen wirklich viel Spaß zu haben. Vielleicht findet sich ja doch noch ein Paar auf dieser Reise. „Ein Konkurrent weniger“ scherze ich „Wenn du meinst“ murmelt Kaito. „Ich sehe doch diesen erleichterten Blick“ stichle ich und pieke ihn in die Seite. Er grummelt nur vor sich hin also pieke ich ihn erneut. Er fährt herum und grinst mich verschlagen an. Er fährt seine Hände aus und fängt an mich zu kitzeln. Kichernd lasse ich mich fallen, er stützt sich über mich und hält inne. Ich höre auf zu Lachen und sehe ihn an. Die Sonne hinter ihm taucht sein Gesicht in dunkle Schatten. „Es ist so schön“ sagt er „Was meinst du?“ frage ich. „Dein Lachen“ ich werde rot „Das fällt dir aber früh auf“ scherze ich, doch er sieht mich weiter starr an. Er geht von mir runter und legt sich neben mich „Du machst immer noch Scherze, wenn du verlegen bist“ sagt er seufzend und zieht mich näher an sich. „Stimmt doch gar nicht“ murmle ich und kuschle mich an ihn. „Du bist unverbesserlich“ er stützt sein Kinn auf meinem Kopf ab. „Ich habe mal eine Frage-“ setze ich an, ich weiß nicht, wie er reagieren wird. „Was denn?“ hakt er nach.
„Hast du im Zoo letztens wirklich gedacht ich hätte dich nur aus Spaß geküsst?“ ich verrenke mir den Nacken, um zu ihm hochzuschauen. Er starrt Löcher in die Luft „Naja, es war leichter sich das einzureden als zu glauben das es aus tieferen Gefühlen heraus passiert ist. Außerdem haben doch alle dich dazu angestiftet.“

„Also hast du mich nur geküsst, weil die anderen es erwartet haben und du dachtest es wäre nur ein Spaß“ murre ich etwas enttäuscht. „So würde ich das nicht sagen“ fragend sehe ich ihn an „Ich hätte dich nicht geküsst, wenn ich es nicht gewollt hätte. Zufrieden?“ Wer hätte gedacht das ich ihn mal so etwas sagen höre. „Zufrieden“ sage ich und drehe mich auf den Rücken.
Von irgendwoher spüre ich einen stechenden Blick. „Wieso starrt Emilio dich so an?“ fragt Kaito, ich drehe meinen Kopf in die Richtung, in die er zeigt. Als ich mich umdrehe sehe ich wie verzweifelt mich Emilio anstarrt. Er zieht sein Handy aus der Tasche und tippt etwas ein. Ich krame in meinem Rucksack nach meinem Handy und lese seine Nachricht Zeit loszulegen. Ich nicke ihm zu. „Ich gehe Eis kaufen, was möchtest du?“ frage ich Kaito, während ich mir mein Kleid überwerfe. „Pistazie oder Schokolade oder beides“ sagt er und schiebt sich die Sonnenbrille auf die Nase.
„Ich gehe Eis kaufen. Wer möchte eins?“ zügig nehme ich alle Eiswünsche auf und sage anschließend „Emilio willst du nicht mitkommen, es wird bestimmt schwierig das alles allein zu tragen?“ ich zwinkere ihm zu. „Klar“ er will aufstehen. Cindy krallt sich an seinem Arm fest „Ich komme auch mit“ sagt sie hastig. Genau mit der Reaktion habe ich gerechnet. Ich grinse selbstsicher „Was hast du wieder vor?“ fragt Kaito dem mein Grinsen nicht entgangen ist. „Gar nichts“ flüstere ich und setze mein Engelsgesicht auf. „Lüg nicht! Ich kenne dich doch“ er schaut mich durchdringend an. „Vertrau mir einfach“ sage ich und gehe los. Emilio und Cindy sind schon vor gegangen, zügig renne ich ihnen hinterher. Mein Handy vibriert in meiner Hand Ich weiß was du vor hast schreibt Kaito mir. Ich ignoriere seine Nachricht bewusst und renne weiter.  „Was soll denn das Mia?“ begrüßt mich Cindy wie immer wohlgelaunt als ich sie endlich eingeholt habe. „Du hättest auch wen anderes fragen können“ beschwert sie sich bei mir und krallt sich dabei immer mehr an Emilio fest.

„Ich dachte wir könnten uns einfach mal entspannt unterhalten“ sage ich und verschränke die Arme hinterm Rücken. „Schatz nun stell dich nicht so an“ versucht Emilio sie zu beschwichtigen. Wir wandern den weißen Strand entlang zurück zu dem kleinen Restaurant, das wir am Anfang passiert haben. „Ich glaube ich habe meine Geldbörse vergessen. Geht doch schonmal vor“ sage ich und drehe mich um. „Du kannst mich doch jetzt nicht allein lassen“ ruft mir Emilio hinterher. „Ich dachte du wolltest das mit ihr allein besprechen“ rufe ich zurück. „Wovon redet sie Emilio? Was meint sie damit du wolltest mit mir reden?“ giftet sie ihn an. „Denk doch mal nach“ gifte ich zurück und bleibe stehen. „Es könnte sein das jemand der hier Anwesenden die Zeit mit dir nicht mehr so genießt wie du denkst“ ich sehe Emilio dabei an. Cindy folgt meinem Blick und sieht Emilio entgeistert an. „Wie meint sie das? Emilio was ist hier los?“ fragt sie mit leicht hysterischem Tonfall. Emilio schaut zwischen Cindy und mir abwechselnd hin und her. „Cindy es geht um unsere Beziehung-“ platzt es aus ihm heraus. Ich weiß nicht, ob er erwartet das ich gehe oder ob er erwartet das ich ihn unterstütze. Also bleibe ich erstmal neben den beiden stehen Ich werde mich aber nur im Notfall einmischen. „Wag es dich-“ Cindy hebt drohend ihren Zeigefinger. „Ich fühle mich nicht mehr wohl mit dir Ich bin es so leid. Ich weiß nicht wann, aber vor geraumer Zeit ist unsere Beziehung in einen Trott verfallen“ er zieht den Kopf ein, in Erwartung einer Standpauke. „Was soll das heißen? In einen Trott verfallen? Das ich nicht lache“ keift Cindy ihn an.
„Lass es ihn doch erklären“ versuche ich sie zu beruhigen „Du bist mal lieber ganz still“ fährt sie mich an und ich tue gut mich an ihren Rat zu halten.

 

 

Kapitel 26

„Cindy, du hast es doch sicher auch gemerkt. Wir verstehen uns einfach nicht mehr. Du bist nicht mehr die in die ich mich damals verliebt habe, und ich bin nicht mehr der in den du dich damals verliebt hast. Es hat doch keinen Sinn, wenn ich mir länger vorlüge das alles noch zu retten ist.“ Emilio versucht möglichst ruhig zu bleiben, während er folgendes sagt „Ich will mich trennen.“ Wie als hätte man ein Loch in einen prall gefüllten Ballon gemacht explodiert Cindy. „Das kann doch nicht dein Ernst sein! Als ob du mit mir Schluss machen könntest. Und auch noch wegen einem so lächerlichen Grund. Ich wette es gibt eine andere. Ist es Niki? Ich wette es ist sie. Wer hätte gedacht das du dumm genug bist, um auf dieses Flittchen herein zu fallen“ ich bin kurz davor ihr eine zu scheuern da reißt Emilio der Geduldsfaden. „Jetzt reichts! Es gibt keine andere!“ ich sehe Emilio entgeistert an. Was wird das jetzt? „Ich glaube dir kein Wort!“ ihre Worte sind beißend kalt.
„Es gibt keine andere! Ich will einfach nicht mehr dein Laufbursche und Prügelknabe sein. Alle lachen immer, wenn ich mich von dir herumkommandieren lasse, wie ein Haustier und das nur weil ich dich nicht reizen will. Aber egal was ich mache, du bist Dauer gereizt. Wann haben wir das letzte Mal zusammen gelacht? Wann haben wir uns zuletzt über etwas unterhalten bei dem es nicht irgendwie um dich ging? Hörst du mir eigentlich jemals zu?“ sein Körper bebt. „Dir kann doch egal sein was die anderen sagen und tun“ entgegnet sie so wütend wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. „Aber sie haben Recht“ schreit Emilio sie an. Cindy zuckt zusammen. Das ist das Erste Mal das Emilio jemals vor ihr laut geworden ist. Es ist beängstigend und gleichzeitig beeindruckend zu sehen. Cindy sieht wirklich überfordert aus, dass ist bestimmt das erste Mal das jemand mit ihr so geredet hat.

„Ich bin unglücklich in dieser Beziehung! Und wenn du mich auch nur noch ein bisschen lieben solltest, dann würdest du mich verstehen. Du bist jemand besonderes in meinem Leben und wirst es immer sein, aber ich kann doch nicht nur deswegen mit dir zusammenbleiben, wenn alles andere mich zum Gehen bewegt. Ich verdanke dir viele schöne erste Male und diese Erinnerungen werde ich behalten doch solche Momente wie gerade radieren die guten Erinnerungen fast aus“ schreit er sie an und sie verstummt abrupt. Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen da funkelt sie mich so giftig an als wolle sie das ich vor ihren Augen zu einer Pfütze zusammenschmelze. Ich verkneife mir meinen Kommentar. Danach sieht sie Emilio mit genau demselben Hass in den Augen an „Ich brauch dich nicht. Ich war schon immer viel zu gut für dich. Ich war sowieso nur mit dir zusammen, weil ich damals in der Neunten Mitleid mit dir hatte. Du warst ein Nichts, ein Loser, ein Versager. Du solltest mir dankbar sein für das was ich aus dir gemacht habe. Es ist aus! Geh ruhig zu deinem kleinen Flittchen. Ihr gefällt es bestimmt die zweite Wahl zu sein, nur der Ersatz für mich zu sein,“ Dann macht sie auf dem Absatz kehrt, reckt ihr Kinn hoch und wirft locker die Haare über die Schulter. Anmutig wie immer stolziert sie den Strand zurück. Ihre Worte waren hart und mit Absicht verletzend gewesen. Ich will Emilio gerade unterstützend die Hand auf die Schulter legen da sagt er mit einem sanften Lächeln auf den Lippen „Sie meinte das nicht so und das weiß sie selbst auch.“ Als er meinen fragenden Blick bemerkt sagt er „Sie hat Recht, damals war ich ein Nichts. Aber sie war nicht nur deswegen mit mir zusammen. Vier Jahre ist man nicht nur aus Mitleid zusammen. Ich weiß das sie mich irgendwo wirklich geliebt hat“ ich bin wirklich beeindruckt das er ihr die vielen verletzenden Aussagen nicht übelnimmt. „Da hast du wohl Recht&ldq! uo; murm le ich und sehe ihr hinterher.

„Wenn niemand hinsieht wird sie sicher weinen. Das macht sie immer so“ Emilio kratzt sich am Hinterkopf. „Wie kannst du dir da so sicher sein? Ich meine sie ist vor Wut explodiert und hat dir so viele Dinge an den Kopf geworfen“ frage ich zögerlich. „Das ist ihre Art sich selbst davor zu schützen verletzt zu werden. Wie ein Igel, wenn sie Angst hat oder in der Gefahr ist verletzt zu werden fährt sie ihre Stacheln aus“ ich bin echt fasziniert davon, wie gut er Cindy doch kennt. Wenn er so über sie redet, kommt sie mir fast menschlich vor. „Auch das sie zuerst gesagt hat das es endgültig aus ist war nur damit sie sich selbst sagen kann das sie die Siegerin in diesem Streit war. Sie ist verletzlicher als ihr denkt“ murmelt er. „Davon merken wir aber herzlich wenig“ sage ich mit einem verächtlichen Schnauben.
Emilio lacht „Da hast du Recht.“ Er sieht ihr noch eine Weile nach „Glaubst du sie wird den anderen davon erzählen?“ frage ich, während wir weiter zum Restaurant gehen. „Nein dafür ist sie viel zu stolz“ wo er Recht hat, hat er Recht.
„Aber bitte sagt es den anderen auch nicht, nicht einmal Niki. Ich will etwas Zeit vergehen lassen, bevor ich es ihr sage. Ich will nicht, dass sie sich wirklich, wie der Ersatz fühlt. Ich meine es hat schon so einen blöden Beigeschmack, wenn ich mich von Cindy trenne und dann direkt zu ihr renne, oder?“ Ich denke kurz darüber nach. Er hat Recht, Niki würde sich zwar total darüber freuen, dass er ihre Gefühle endlich erwidert, aber sie würde sich dann abends den Kopf zerbrechen, ob sie der Grund für die Trennung war, und ob sie nur der Notfallplan war, bis er über Cindy hinweg ist. Es würde ihr zu schaffen machen. „Ich werde nichts sagen“ er legt mir den Arm um die Schultern „Danke.“ Wer hätte gedacht das ich Emilio irgendwann einmal verstehen könnte, und sogar mögen könnte. „Du bist in Ordnung“ „Nur in Ordnung?“ fragt er und schubst mich leicht. „Na gut, schwer in Ordnung“ sage ich lachend. Zum Ersten Mal lächelt er mich wirklich dankbar an.

„Wie fühlt es sich an wieder ein freier Mann zu sein?“ scherze ich. Er legt die Stirn in Falten und blinzelt gegen die Sonne. „Irgendwie merkwürdig. Ich fühle mich ein Tier, das nach langer Zeit in Gefangenschaft in die freie Wildbahn entlassen wird. Alles macht einem Angst, alles ist so neu und ungewohnt.“ Ich lache, das ist ein sehr guter Vergleich.

Als wir wieder bei den andern ankommen verteilen ich und Emilio das Eis.
Danach setze ich mich wieder zu Kaito auf die Strandmatte. „Was hast du wieder angerichtet?“ fragt er, während er sein Schokoladeneis auspackt. Um nicht antworten zu müssen nehme ich einen großen Bissen von meinem Erdbeereis. „Du hast da etwas Eis“ sagt Kaito und leckt mir das Eis von der Wange. Er hat mich damit so überrumpelt das ich fast an meinem Eis ersticke. Er lacht, es fühlt sich an als würden tausende kleine Schmetterlinge in meinem Bauch eine Party veranstalten. Er grinst. Ich versuche meine Scham hinter vorgetäuschtem Zorn zu verstecken. „Was lachst du so blöd“ fahre ich ihn an.
Mein Kopf glüht, bestimmt sehe ich aus wie eine Tomate. „Du bist echt niedlich. Meine kleine süße Paprika“ „Du bist echt blöd“ murmle ich und stopfe mir den Rest des Eis in den Mund. Es ist mir alles immer noch sehr unangenehm, deshalb schaue ich weg. „Nun komm schon. Schmollst du etwa, weil ich dich Paprika genannt habe?“ fragt er. Ich reagiere nicht, hauptsächlich weil mein Mund voller Eis ist, aber auch weil ich keine Antwort auf die Frage habe. „Hast du denn wenigstens gehört was ich davor gesagt habe?“ natürlich habe ich das, aber ich will es nochmal hören. „Nein“ er zieht mich zu sich und legt seine Arme von hinten um mich. Sein Mund ist direkt neben meinem Ohr. „Ich habe gesagt das du unglaublich süß bist“ flüstert er „Süß?“ frage ich „Ja, sehr süß sogar.“ „Das hast du vorher noch nie zu mir gesagt“ nuschle ich. „Noch nie?“ fragt er und sieht mich verwundert an.

„Nein, du hast mich kindlich, lieb, dumm, naiv, gutmütig, verfressen, faul, tollpatschig und schreckhaft genannt“ zähle ich auf. Er lacht verlegen „Und das hast du dir alles gemerkt“ ich nicke. „Ich habe dich zwar noch nie süß genannt, aber gedacht habe ich es ganz oft“ er gibt mir einen Kuss in den Nacken. Es kitzelt und ich zucke zusammen. Ich drehe mich zu ihm um „Alter Schleimer“ er grinst mich an und küsst mich. Seine Hand in meinem Nacken ist kalt und löst ein angenehmes Kribbeln aus. „Ich liebe dich meine süße Mia“ ich weiß das er gerade nur versucht Eindruck zu schinden „Ich liebe dich auch Kaitolein“ er hasst es wenn ich ihn so nenne. „Lust auf nh Runde Uno?“ ruft Leo uns zu und wedelt mit den Karten. „Klar“ rufen Kaito und ich im Chor zurück und winken ihn zu uns rüber. „Was ist mit den anderen?“ frage ich ihn, während ich die Karten mische. „Audrey und Niki sonnen sich. Joel, Tom und Emilio sind noch im Wasser. Lou und Michelle habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Keine Ahnung was die treiben. Cindy macht was auch immer Cindy eben macht und Tao und Laura kommen auch gleich dazu“ zählt er auf.
Ich bin gerade dabei die Karten zu verteilen als sich Laura mit Tao im Schlepptau freudestrahlend zu uns gesellen. „Ist was gutes passiert? “ flüstere ich ihr zu.
Sie nickt, zuhause wird sie bestimmt mit den ganzen Details rausrücken. Wir sind bei der zweiten Partie als Leo fragt „Ist eben irgendwas vorgefallen? Cindy kam noch schlechter gelaunt als sonst zurück?“ Ich konzentriere mich auf meine schlechten Karten und vermeide den Augenkontakt. Kaito und Leo würden sofort in meinen Augen sehen das ich lüge. „Sie haben sich gestritten, weil Emilio ihr auf die teuren Sandalen getreten ist und nun ein Riemchen kaputt ist“ die anderen nicken verständnisvoll. Jeder würde diese Ausrede glauben, es ist nichts Unübliches, dass sie wegen eines so banalen Grundes stritten.

Wir bleiben noch eine knappe Stunde oder so bis die Fähre zur Abfahrt hubt.
Wir packen unsere Sachen und marschieren im Gänsemarsch zum Anlieger.
„Soll ich dir etwas abnehmen?“ fragt Kaito. Ich schultere die Strandmatten
„Nein nein, alles gut“ immerhin hat er es dieses Mal angeboten. An Bord setzen wir uns aufs Oberdeck und das Schiff legt ab. Kaito setzt sich neben mich und legt seinen Arm um mich. Ich lehne mich an ihn und irgendwie werde ich auf einmal ganz müde. „Was ist denn mit Cindy und Emilio? “ fragt Niki aus dem Nichts. Emilio sitzt mit Leo und Joel an der Reling, Cindy sitzt auf der Gegenüberliegenden Seite und gestikuliert wild mit den Händen, während sie in ihr Telefon quatscht. „Nur wieder einer dieser banalen Streitigkeiten“ lüge ich. Misstrauisch starrt Niki mich an, doch schlussendlich gibt sie sich mit dieser Antwort zufrieden. Ich ziehe mir einen weiteren Stuhl heran und winkle meine Beine auf ihm an. Dann lehne ich mich mit dem Rücken an Kaito. Er schließt mich wieder in seine Arme und umfasst mit der freien Hand meine. „Sieht die Sonne nicht aus wie ein Phönix auf seiner letzten Reise?“ murmle ich unter einem Gähnen.
Ich weiß nicht wie lange die Fahrt zurück gedauert hat, denn irgendwann kurz nach der Abfahrt muss ich eingeschlafen sein. Kaito weckt mich mit einem leichten Schnipser gegen die Nase. Verschlafen reibe ich mir die Augen. Die Sonne ist vollständig untergegangen und die ersten Sterne leisten uns Gesellschaft. Ich setze mich auf und strecke mich einmal, um meinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Dann stehe ich auf, Kaito schüttelt seinen rechten Arm. „Alles gut?“ frage ich besorgt „Mein Arm ist nur eingeschlafen“ sagt er und zwickt sich in den Oberarm. Stimmt, ich habe mich die ganze Fahrt auf seinen Arm gelehnt.
„Du hättest mich doch wecken können“ sage ich schuldbewusst.

„Du hast aber so süß geschlafen, da kann ich einen eingeschlafenen Arm mal in Kauf nehmen“ er steht auf und schultert seinen Rucksack. Mit der anderen Hand greift er die Kühltruhe und mit der freien Hand greift er nach meiner und zieht mich hinter sich her. Zusammen verlassen wir das auf den Wellen wankende Schiff und gehen über den Anlegesteg an Land. Die anderen stehen bereits um die Autos versammelt und warten ungeduldig auf uns. „Wer fährt mit mir?“ fragt Tao und schließt sein Auto auf. „Wir“ Lou wirft seine und Michelles Tasche in den Kofferraum und steigt hinten ein. „Darf ich vorne sitzen? “ fragt Laura und grinst ihn dabei selbstsicher an. „Sie doch immer my Lady“ antwortet Tao und hält ihr die Tür der Beifahrerseite auf. Mit einem leisen Danke setzt sie sich und er schließt die Tür. Dieses neue Selbstbewusst sein gefällt mir. „Macht Platz“ Cindy schiebt sich an den anderen vorbei und steigt ohne ein weiteres Wort zu Lou und Michelle nach hinten. Tao seufzt verzweifelt „Na super, jetzt muss ich Miss Gute Laune mitnehmen“ murrt er und steigt ein. Ein bisschen tut er mir schon leid, aber nur ein bisschen. Denn sonst müssten wir Cindys super Laune ertragen. Wir anderen steigen wieder in Toms VW Bus. Joel hat mit Kaito getauscht und sitzt nun vorne. Kaito sitzt neben mir und erzählt von irgendwas, doch meine Aufmerksamkeit gilt in diesem Moment Audrey. Sie sieht geknickt auf den Boden. Sie bemerkt meinen Blick und zwingt sich ein Lachen auf. Irgendwas stimmt da nicht. Ich will gerade etwas sagen, doch sie steckt sich ihre Kopfhörer ins Ohr. Ein klares Zeichen das sie gerade nicht reden will. Besorgt lehne ich mich an Kaitos Schulter, er streicht mir über den Kopf. Ich mag es, wenn er das macht. Doch auch das lenkt mich nicht von meiner Sorge um Audrey ab. Es ist so merkwürdig still im Auto. Niki starrt gedankenverloren aus dem Fenster, L! eo starr t auf sein Handy und Joel und Tom schweigen sich vorne an.

Am Haus angekommen tragen wir alle müde unsere Sachen ins Haus. Auf der Terrasse werden wir von Laura und Tao begrüßt die sich sichtlich zu amüsieren scheinen. Müde vom Tag lasse ich mich aufs Sofa fallen „Wer macht Essen?“ jammere ich vor mich hin. „Spagetti? “ fragt Tom „Spagetti“ bestätige ich und er macht sich auf in die Küche. Meine Haare kleben vom Salz und am liebsten würde ich sofort duschen, doch Niki darf heute als erstes. Gelangweilt schalte ich den Fernseher ein. Es läuft wieder die italienische Version vom Bachelor „Mach mal lauter“ ruft Tom aus der Küche herüber. Auch wenn ich kein einziges Wort verstehe ist diese Sendung doch sehr unterhaltsam. „Wen hat er genommen? Maria oder Alessandra?“ brüllt Tom aus der Küche. „Alessandra“ rufe ich zurück. Ich schaue kurz auf die Uhr. Wir schauen uns diesen Mist schon eine geschlagene halbe Stunde an. „Also ich hätte ja Maria genommen“ Toms Gesicht taucht plötzlich neben meinem auf. „Aber die ist doch so zickig“ erwidere ich „Ich glaube da gibt es mehr zu entdecken als bei Alessandra.“ Mit einem kurzen Schulterzucken geht er zurück in die Küche. Ich lege mich kopfüber auf die Couch und starre auf das schiefe Bild. „Du weißt das man so normalerweise nicht fernsieht, oder?“ fragt Tom besorgt. „Alles eine Frage der Perspektive“ antworte ich. Als ich das nächste Mal auf die Uhr sehe ist es halb 9. Ganze anderthalb Stunden schauen wir beide das schon. Von den vorher sieben Kandidatinnen sind nur noch 4 übrig. „Veronica ist raus“ ich drehe mich zu Tom um. „Er schickt alle guten Heim“ murrt er. „Du kannst duschen“ Laura kommt mit einem Handtuch um den Kopf die Treppe runter gehüpft. „Ich beeile mich“ „Essen ist in 20 Minuten fertig“ ruft Tom mir hinterher.! Ich sch littere ins Zimmer und durchwühle meine Schubladen. Ich friemle ein graue Joggingshorts und mein Oversized New York Yankee Top raus und stürme ins Bad. Das Wasser kitzelt auf der Haut.

Während ich mich mit Shampoo einseife Summe ich die Melodie eines Liedes dessen Titel mir trotz verzweifeltem Nachdenken nicht einfallen will. In Rekordzeit stehe ich fertig geduscht und eingecremt wieder in der Küche. „Nicht schlecht, oder?“ sage ich triumphierend. „Nur ganze 10 Minuten. Ich bin beeindruckt“ antwortet Tom während er die Teller auf dem Tisch auf der Veranda verteilt.
Ich nehme ihm das Besteck ab und tue meinen Teil für dieses Abendessen.
In meinem Augenwinkel bewegt sich etwas. Als ich mich umdrehe sehe ich links von der Veranda im Wald Audrey und Joel. Sie sind zu weit weg als das ich hören könnte über was sie reden, doch Audrey versucht ihn immer wieder am Gehen zu hindern. Sie greift nach seinem Handgelenk und redet auf ihn ein, er reißt sich brutal los und lässt sie, ohne ein Wort zu sagen stehen. Ob ich zu ihr gehen soll? In diesem Moment kommt Joel durch die Haustür rein „Wo warst du?“ fragt Tom mit dem Topf in der Hand. „Nirgends“ murrt er und verschwindet im Jungs Zimmer. „Was hat der denn?“ frage ich und stemme die Hände in die Hüfte. Tom zuckt ratlos mit den Schultern. Audrey kommt wenige Minuten später, doch sie sieht so niedergeschlagen aus, wie ich sie schon lange nicht mehr gesehen habe. Ich will gerade den Mund aufmachen, um etwas zu sagen da marschiert sie an mir vorbei nach oben. Ok, da will jemand allem Anschein nach nicht drüber reden. Ich werde es später nochmal versuchen. „Holst du die anderen?“ fragt Tom kurz bevor er in seinem Zimmer verschwindet.
Ich überlege hin und her, ob ich mich erst Cindys oder erst Auderys schlechter Laune aussetzten soll. Schlussendlich klopfe ich bei Cindy zuerst „Essen“ rufe ich und klopfe danach bei Tao und Lou. Kaum habe ich die Hand an der Tür reißt Michelle sie auch schon auf. Überrascht starre ich sie an „Das Essen ist fertig murmle ich.
„Okay, kommt“ ruft sie ins Zimmer rein und geht freudestrahlend an mit vorbei. Lou folgt ihr, ungläubig sehe ich den beiden hinterher „Ist schon fast gruselig, nicht wahr?“ sagt Tao der im Türrahmen lehnt. „Naja besser gut gelaunt als mies gelaunt“ unsere Blicke wandern zeitgleich zu Cindys Tür. Ich stampfe die Stufen in den ersten Stock hoch. „Mädels Fütterungszeit“ rufe ich freudig in das totenstille Zimmer.
Niki schläft in ihrem Pyjama auf dem Bett und Laura hört über Kopfhörer so laut Musik, dass jeder mithören kann. Mein Blick wandert zu Audrey, sie hat sich einen Stuhl ans Fenster gezogen und starrt stumm auf den Wald. Ich ziehe Laura die Kopfhörer aus den Ohren und trete Niki leicht gegens Bein. Dann sage ich erneut „Essen.“ Niki reckt sich und steht maulend auf. Audrey sitzt als letzte noch im Zimmer „Kommst du?“ frage ich zaghaft „Komme“ sie setzt ein Lächeln auf. Eins dieses kalte Lächeln, bei denen jeder weiß das es nicht echt ist. Mich schauderts, ihr muss etwas wirklich zu schaffen machen. „Wenn du reden willst-“ setze ich an „Mir geht’s gut“ fällt sie mir ins Wort. Ich ziehe die Tür hinter ihr zu und folge ihr still nach unten. Am Esstisch ist die Stimmung irgendwie gedrückt. Cindy starrt Emilio durchgehend böse an und Joel ignoriert Audrey aus irgendeinem Grund mehr als auffällig. „Danke für das Essen. Schmeckt super“ versuche ich die Stille zu durchdringen. „Mir fehlt Salz“ meckert Kaito „Dir fehlt immer Salz. Ich weiß nicht, wie du das überlebst bei den Mengen, die du dir immer ins Essen tust“ sagt Tom lachend und reicht ihm das Salz. Die anderen lachen kurz, kurz ist besser als nichts. „Kann ich das Salz auch mal haben?“ fragt Audrey. Das Salz steht direkt vor Joel, doch er rührt sich keinen Millimeter. „Schatz?“ sagt sie erneut, ich schaue erschrocken in die Runde. Niemand sieht wirklich überrascht aus.
Naja, seit wir Mädchen es wissen haben die beiden kein großes Geheimnis mehr draus gemacht.

Wenn man genau hingesehen hat hätte man es ganz einfach merken können. Außerdem bin ich mir sicher, dass die Jungs auf dem Zimmer darüber auch geredet haben. Auch Cindy schaut nur kurz von ihrem Salat auf.
Auch wenn sie nicht so aussieht hat sie eine messerscharfe Auffassungsgabe, sie hat es bestimmt schon vor uns gewusst. Joel reagiert immer noch nicht „Hier“ Leo greift quer über den Tisch und reicht ihr das Salz. Audrey nimmt es stumm an.
Joel würdigt sie keines Blickes. Niki und ich wechseln ein paar besorgte Blicke.
Den Rest des Essens wird geschwiegen, es fühlt sich ganz merkwürdig an. „Lag es vielleicht an meinen schlechten Kochkünsten?“ fragt Tom scherzhaft, während wir abspülen. „Ach was“ Kaito gibt ihm einen Stoß und er lacht. Tom nimmt es sich sehr zu Herzen, wenn sich die Leute in seiner Umgebung nicht wohlfühlen. Kaito weiß das genauso gut wie ich. Ich mag es nicht ihn so niedergeschlagen zu sehen „Jemand Lust auf eine Runde Monopoly?“ frage ich. Ich hasse dieses Spiel, aber Tom liebt es. „Vielleicht ein anderes Mal“ er schlurft mit den Händen in den Taschen in sein Zimmer. Traurig sehe ich ihm hinterher. Kaito umschlingt mich von hinten und stützt sein Kinn auf meiner Schulter ab. „Keine Sorge der fängt sich gleich wieder. Ich fordere ihn zu einer Runde Mario Cart heraus und dann lacht er wieder“ murmelt er mir ins Ohr. Ich drehe mich zu ihm um, er lächelt mich an. Ich lege ihm die Hände auf die Brust und drücke mich für einen Kuss an ihm hoch. „Es ist ja so niedlich, dass du dich auf die Zehenspitzen stellen musst“ stichelt Kaito. Beleidigt zwänge ich mich aus seiner Umarmung. „Nun komm“ er packt meinen T-Shirt Zaum und zieht mich wieder zu sich. „Man ich hasse es das du mich so einfach manipulieren kannst“ ein Grinsen kann ich mir nicht verkneifen.

 

Wer hätte gedacht das ich mal so viel Macht über ihn haben würde. Ich streiche ihm seinen Pony aus den Augen. Er sieht mich an „Du hast mich auch ganz in deiner Hand“ flüstere ich und ziehe ihn zu mir herunter.

Er grinst und umschließt mit den Händen mein Gesicht. Sie fühlen sich so warm auf meiner kalten Haut an. Es fühlt sich einfach nur richtig an als er mich küsst. Es fühlt sich so an als hätte mein Körper all die Jahre nur auf seine Berührungen gewartet. Umso schwerer fällt es mir ihm zu zuwinken als ich die Treppe hochgehe, um mich ins Bett zu legen. Ich kuschle mich nach dem Zähne putzen unter mein Lacken. „Audrey?“ zische ich. Laura schläft schon, doch Niki ist auf einmal wieder hellwach. Audrey knurrt nur leise. „Wenn was ist, rede mit uns“ flüstere ich „Wir hören dir auch nur zu, wenn es das ist was du willst“ fügt Niki hinzu. Wir erhalten keine Antwort, doch wir wissen das sie und gehört hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 28

Leo

Ich starre auf den Wecker, 3:30. Schon wieder. Wieso kann ich nicht eine Nacht, ohne aufzuwachen durchschlafen. Ich werfe das Lacken zurück. Die anderen schnarchen friedlich vor sich hin. So leise wie möglich schleiche ich mich aus dem Zimmer. In der Küche greife ich mir eine Packung Cornflakes und gehe raus auf die Veranda. „Hallo alter Freund“ begrüße ich den Mond. Bis jetzt war ich jede Nacht gegen 3 Uhr wach. Ich weiß nicht wieso, vermutlich ist mein Schlafrhythmus durch das ständige Zocken bis zum Morgengrauen komplett im Eimer. Ich setze mich auf die Bank und lege die Füße auf einem Stuhl ab. Dann reiße ich die Cornflakes Packung auf und werfe mir ein paar in den Mund.
Bestimmt hat Niki die Sorte ausgesucht, sie sind unglaublich süß, wie als würde man einen Zuckerwürfel lutschen. Aber immer noch besser als nichts.

Ich habe fast den Grund der gezuckerten Leckereien erreicht als ich ein Schniefen höre. Verwirrt sehe ich mich um. Ist sie wieder da? Ich stehe auf und klettere über das Geländer runter hinters Haus. Leise schleiche ich mich ums Haus und sehe um die Ecke. Sie ist wieder da. Sie sitzt wie die letzten zwei Tage auch schon auf dem Boden hinterm Haus, mit dem Rücken zur Wand und dem Gesicht in den Händen versteckt. Der Mond lässt ihr dunkelbraunes Haar matt glänzen. Ich würde so gern zu ihr herüber gehen und etwas sagen. Ihr eine Stütze sein, doch sie würde mich niemals lassen. Dafür hat sie zu viel stolz. Ich wüsste so gern, wieso sie weint, wieso sie ihren Kummer nicht mit den anderen teilt, und wieso sie sich immer rauschleicht in der tiefsten Nacht, um zu weinen. Ich habe Audrey zuvor noch nie so zerbrechlich gesehen.

Wie eine Porzellanpuppe, bei der man Angst hat, sie mit jeder weiteren Berührung kaputt zu machen. Genauso wie die letzten zwei Tage zuvor, setze ich mich an die Hauswand und starre den Mond an. Ich kann sie nicht mehr sehen, da sie an der Seitenwand sitzt, aber ich kann sie hören. Manchmal redet sie mit dem Mond, fragt ihn, ob er ihr ein Zeichen senden kann, oder wieso er ihr solche Träume schickt.
Es ist nie mehr, nur Fragen, nie erhält sie Antworten. Ich höre sie schluchzen, ich würde sie so gern in den Arm nehmen. Aber wenn sie wüsste das ich sie gesehen habe würde sie sich nur noch mehr verschließen. Sie weint ja nicht ohne Grund heimlich, und wenn sie reden wollen würde, wäre ich bestimmt nicht ihre erste Wahl. Ich kann im Moment nichts anderes tun als für sie da zu sein, einfach nur dazusitzen und zu hoffen das sie weiß das jemand an sie denkt. „Wieso kann ich nicht einfach laut losschreien? All meine Gefühle einfach rauslassen“ ich horche auf. Vorsichtig sehe ich um die Ecke. Audrey sitzt im Schneidersitz an der Hauswand und starrt den Himmel an. „Du hast es leicht. Da hoch oben, niemand stört dich, niemand belästigt dich“ sie redet wieder mit dem Mond. „Allein sein ist doch auch nicht das wahre“ flüstere ich und lasse mich wieder gegen die Wand fallen. Ein warmer Wind weht mir ins Gesicht. Es ist eine schöne, friedliche Nacht. Es fühlt sich fast an wie in einem Disney Film. Der Mond, der über uns wacht, ein romantischer Augenblick, der die beiden Protagonisten enger zusammenschweißt. Fehlt nur noch ein Haufen wilder Tiere, die aus unerfindlichen Gründen anfangen so etwas wie Küss sie doch zu singen. Sie fängt wieder an zu schluchzen. Was liegt dir auf der Seele? Würdest du mit mir reden wollen? Geht es um Joel? Macht er dich unglücklich? Ein Haufen Fragen, auf die ich keine Antwort habe, schießen mir durch den Kopf. Ich sehe auf die Bäume vor mir. „Ich würde sie auf Händen tragen. Ich würde nicht zulassen das sie nachts draußen sitzt und den Kummer in sich hereinfrisst“ murmle ich.

Seit wann denke ich eigentlich so? Wieso liebe ich Audrey? Es wäre so viel einfacher sie einfach in Ruhe zu lassen und mich wem anderes zuzuwenden. Wieso also tue ich mir das alles immer wieder an? „Weil einfach langweilig wäre würde Tom jetzt sagen“ ich lache leise. „Es wäre zu einfach mit jemand anderem. Ich will jemanden der sich wehrt, der mit mir streiten kann, ohne dabei alles persönlich zu nehmen. Jemand der schlagfertig ist, jemand der mir Paroli bietet“ jemanden wie Audrey. Ich glaube zum ersten Mal habe ich sie mit anderen Augen gesehen als ich sie bei der Arbeit hinterm Tresen gesehen habe. Ich dachte, wie schön sie aussieht, wie selbstbewusst sie dasteht und wie beeindruckend es ist das sie sich von den ganzen besoffenen Männern an der Bar nicht hat einschüchtern hat lassen.
 

Ich weiß noch, ich war einmal mit den Jungs aus meinem Judo Kurs in der Kneipe. Es war brechendvoll, die Kneipe war mit Halloween Deko geschmückt und es floss jede Menge Bier. Audrey stand zur Abwechslung mal nicht hinterm Tresen, sondern lief mit einem Tablett in der Hand von Tisch zu Tisch und verteilte Bier. Einer der Kunden griff ihr an den Hintern und brüllte „Gut gebaut“ seine Kollegen grölten.
Ich war kurz davor aufzustehen da stand Marc, unser Teamkapitän auf und eilte ihr zur Hilfe. Jedenfalls hatte er das vor. Audrey drehte sich um, funkelte den Kunden mit solch einem Hass an, wie ich ihn noch nie zuvor bei einem Mädchen gesehen habe. Blitzschnell holte sie aus und langte dem Kerl einmal quer übers Gesicht.
Es geschah alles so schnell, dass er gar nicht wusste wie ihm geschah. „Brauchst du Hilfe?“ fragte Marc und zwinkerte ihr zu. Ich nahm einen großen Schluck von meinem Bier, ich hasste den Kerl. „Ach du dachtest du könntest Mal kurz den Helden spielen und hier aufschlagen? “ ich horche auf. Marc sah noch nie so überrumpelt aus. Er war es gewöhnt das sich die Mädchen um den Hals warfen.

„Ich wollte doch nur-“ setzt er an „Ich weiß was du wolltest also spar dir den Atem. Du wolltest mir doch bestimmt zur Hilfe eilen nicht weil es das richtige gewesen wäre, sondern weil du gehofft hattest das ich mich dir um den Hals werfen würde. Stimmts?“ ich kann mir mein Lachen nicht verkneifen. Er hat vorher noch so groß damit geprahlt das er Audrey auf jeden Fall heute noch mit ins Hotel nehmen würde. Das kann er mal schön wieder vergessen. Die würde nirgends mit ihm hingehen. „Ich wollte ja nur helfen“ er steckt die Hände in die Taschen und will gehen. „Stolpere beim Gehen bloß nicht über dein eigenes Ego“ sie lacht. Ich habe noch nie jemanden gesehen der ihm so Paroli geboten hat. Mädchen, die sich selbst wehren können, sind doch viel spannender als solche die sich immer nur auf die Hilfe anderer verlassen. „Lief ja super“ ich kann mir mein Kommentar Marc gegenüber nicht verkneifen. Er schlägt mir in den Nacken „Ach sei doch leise“ grummelt er. „Endlich mal eine die dir nicht direkt um den Hals fällt“ scherze ich und schaue auf den Grund meines Glases. „An dieses Biest kommt doch keiner ran“ er schielt zu ihr herüber.
Ich muss bei der Erinnerung lachen, dieses Mädchen hat mich doch immer wieder beeindruckt. Wer hätte damals gedacht das sich hinter einem so unschuldig aussehenden Gesicht ein solches Feuer versteckt. Das macht alles doch viel interessanter. „An so ein Biest kommt doch keiner ran“ wiederhole ich leise.
Ich werde ihm schon zeigen, wie falsch er liegt. Ich weiß das sie eine sehr verletzliche Seite hat, die sie nicht einmal Joel gezeigt hat. Immerhin hat Patrick Verona Katarina Stratford ja auch gezähmt. Ich muss lachen ich kriege das schon hin, auch ohne dafür bezahlt zu werden. Gegen 5 Uhr liege ich wieder im Bett. Audrey hat sich durch die Vordertür wieder nach oben geschlichen, sie hat mich nicht mal bemerkt, wie ich über die Veranda zurück geklettert bin.

Naja, sie hat Tao auch nicht bemerkt der laut schnarchend auf der Couch im Wohnzimmer schläft. Die genaueren Umstände seines Umzuges will ich gar nicht wissen, aber ich kann es mir so grob denken. Ich starre an die hölzerne Decke. Ob sie morgen wieder dasitzt? Ich werde es herausfinden. Ich drehe mich zur Wand. Vielleicht hätte ich das gar nicht sehen sollen. Wie kann ich sie jetzt noch vergessen?

Mia

Ich strecke meine müden Glieder und blinzle gegen das grelle Sonnenlicht. Ich starre auf meinen Handydisplay 9:20. Stehe ich jetzt auf oder lege ich mich nochmal schlafen? Ich entscheide mich für ersteres. Müde schlurfe ich zum Schrank und ziehe mir mein knielanges Joker T-Shirt an und darunter noch eine kurze schwarze Jogginghose. Nur für den Fall. „Warte“ flüstert Niki als ich die Tür öffnen will.
Sie zieht sich schnell ihre Pinke Latzhose an und dazu ein Mintgrünes T- Shirt und folgt mir nach draußen. „Du siehst aus wie eine Vogelscheuche“ sagt sie lachend und deutet auf meine Haare. „Du siehst nicht besser aus“ sie tastet ihre Haare ab.
Nach dem wir im Bad unsere Haare wieder halbwegs entknotete haben gehe wir nach unten. „Was macht er denn hier?“ frage ich und zeige auf Tao der komplett verdreht auf der Couch schläft. „Vielleicht war es ihm im Zimmer zu warm“ sagt Niki. Genau in diesem Moment geht die Tür zu Tao‘s und Lous Zimmer auf und Michelle schleicht heraus. Sie trägt eins von Lous überlangen Shirts, sonst nichts.
„Wen haben wir denn da?“ sage ich und grinse sie an. Jetzt wissen wir, warum Tao auf der Couch geschlafen hat. „Wer hätte das gedacht“ fügt Niki hinzu und grinst mich hämisch an. „Kein Wort“ zischt Michelle uns giftig an. Wir sehen uns beide kurz an „Wilde Nacht gehabt, was“ stichle ich. „War sicher heftig“ steigt Niki mit ein.
Ich liebe es das wir manchmal wie eine Einheit funktionieren. Michelle läuft rot an. Wir haben also Recht. „Bitte kein Wort zu Cindy. Ich habe gerade keinen Nerv für ihre Kritik“ bittet uns Michelle. „Na schön“ murren wir beiden unisono und Michelle verschwindet leise in ihrem Zimmer. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht“ sage ich und setze mich auf den Sessel neben der Couch. „Nicht schlecht“ Niki setzt sich auf die Armlehne. Wir beide starren Tao an. „Pass mal auf“ ich stehe auf und knie mich neben Tao‘s Kopf.
„Feuer“ schreie ich laut. Tao schreckt hoch und fällt von der Couch. Niki und ich kriegen uns nicht mehr ein vor Lachen. „Haha, sehr witzig“ meckert er und steht auf. „Na bequeme Nacht gehabt?“ frage ich sarkastisch. Tao reibt sich das Kreuz „Hätte besser sein können“ murmelt er und setzt sich wieder auf die Couch. „Bock auf Frühstück“ fragt Niki uns beide. Tao und ich sehen uns an und nicken. Niki steht auf und geht in die Küche. „Haben sie dich rausgeworfen oder bist du freiwillig gegangen?“ stichle ich. „Sagen wir es so, um halb 2 wurde ich geweckt und mit dem Lacken vor die Tür geschoben“ ich versuche es doch das Lachen kann ich mir nicht verkneifen. „Wann fahrt ihr heute eigentlich“ frage ich und zupfe am Saum meines T-Shirts herum. „Vermutlich irgendwann heute Abend, je nachdem wie die zwei das haben wollen“ er deutet mit dem Kopf zur Zimmertür. Ich nicke stumm „Heute gibt’s einen Jahrmarkt in der Nachbarstadt, wollen wir dahin?“ fragt Tao, während er irgendwas auf seinem Handy eintippt. „Niki, Lust auf einen Jahrmarkt zu gehen?“ brülle ich zu ihr in die Küche. „Müsst ihr so rumschreien?“ fragt Leo und reibt sich die Augen. „Es ist doch schon 10 Uhr“ antworte ich. Er fährt sich durch die Haare „Aber mancher einer hatte nur fünf Stunden Schlaf“ „Wieso hattest du nur fünf Stunden Schlaf“ frage ich. „Frag nicht“ er setzt sich neben Tao auf die Couch und sieht mit verklebten Augen auf den Fernseher.

„Du weißt das der Fernseher aus ist, oder?“ fragt Tao. Leo brummt nur.
„Morgen“ Audrey und Laura kommen die Treppe herunter. Leos Kopf fährt herum und er sieht Audrey an. Sie zieht die Augenbraue hoch. „Frühstück ist angerichtet“ ruft Niki und deutet auf den gedeckten Tisch auf der Veranda. „Wer holt die Jungs, und wer Cindy und Michelle?“ frage ich. Wir entscheiden die Frage mit einer schnellen Runde Schnick Schnack Schnuck. Ich komme glimpflich davon.
Ich bewege mich zur Verandatür und darf zusehen, wie Tao bei Michelle und Cindy anklopft und wie Leo sich auf den Weg ins Jungenzimmer macht. Ich bewundere den reichlich gedeckten Tisch. „Morgen seid du und Kaito dran mit Frühstück machen. Ich stelle mich schon mal auf verbrannten Toast und über salzendes Rührei ein“ scherzt Tom als er auf die Veranda tritt. „Ey, wir kriegen das hin“ Kaito boxt ihm gegen die Schulter. Während des Essens herrscht gefräßiges Schweigen, ein entspanntes Schweigen. Nicht so ein unangenehmes Schweigen wie gestern Abend. „Also was ist jetzt? Wollen wir heute auf den Jahrmarkt in der Nachbarstadt?“ fragt Tao erneut. „Ich hätte Lust“ ich nehme einen großen Schluck von meinem Orangensaft. „Ab wann öffnet den der Mark?“ fragt Kaito, während er Salz auf seine Eier streut. „Moment“ Tao zieht sein Handy aus der Hosentasche und schaut nach. „Um 18 Uhr“ liest er laut vor. „Klingt doch gut, mal was anderes als Sand und Meer“ fügt Niki hinzu. „Und was machen wir bis 18 Uhr“ fragt Cindy und schnipst einen Brotkrummen quer über den Tisch. Wir denken angestrengt nach. „Hier in der Nähe gibt es einen kleinen Wasserfall, bei dem man auch schwimmen kann“ wirft Lou in die Runde. „Wir könnten mit den Fahrrädern hinfahren, dürften nur 20 Minuten oder so von hier sein“ redet er weiter. „Woher weißt du das?“ stupst Michelle ihn an. „Tao und ich sind schon das zweite Mal hier. Als Student kann man sich nicht groß den tollen Partyurlaub leisten“ er lacht.

„Ich find die Idee gut“ „Ja ich auch“ stimme ich Tom zu. Auch wenn mich der Gedanke ans Fahrrad fahren nicht gerade freudig stimmt. „Haben wir überhaupt genug Fahrräder?“ fragt Leo und wir sehen Kaito an der auf einmal ganz vertieft in sein Essen zu sein scheint. Ich pikse ihn in die Seite. Er sieht erst Tao und Lou und dann mich an. Genervt verdreht er die Augen. „Im Schuppen müssten noch zwei oder drei stehen, aber keine Ahnung wie die mittlerweile aussehen“ ich weiß das ihn der Gedanke das Tao noch länger bei uns bleibt umbringt. Ich greife nach seiner Hand und drücke sie dankbar. „Dann hätten wir das geklärt“ sage ich und lächle in die Runde. Wir stehen auf und ziehen uns um. „Habt ihr gesehen wie Kaito ihn angestarrt hat? “ scherzt Niki währen sie ihren Bikini und ihr Handtuch in die Tasche stopft. „Wie ein Wolf ein junges Kitz“ Audrey und Niki fallen sich lachend in die Arme. „Ist ja gut, er macht sich einfach zu viele Gedanken wegen Tao“ meckere ich und fummle meinen Bikini aus der Strandtasche und stopfe ihn in meinen Rucksack. Ich setze mir eine Cap auf und schiebe mir die Sonnenbrille auf die Nase.
„Bereit?“ frage ich in die Runde. Audrey schlüpft noch schnell in ihre weißen Sneakers und Niki fummelt an ihren Hotpants rum „Findet ihr die zu kurz?“ fragt sie. Sie trägt eine hellblaue Sommerbluse und dazu schwarze Shorts. „Nein, alles gut“ beruhigt sie Laura. Ich habe mich als einzige nicht umgezogen. Ich mag meinen Look. Laura hat ihr Kleid gegen eine luftige Stoffhose und ein rotes Top getauscht und Audrey hat statt einem Rock nun graue Shorts an. Wir stampfen die Treppe runter und treffen uns mit den Jungs vorm Haus. Kaito geht zum Schuppen herüber und stemmt sich gegen die verkeilte Tür. „Leo hilf mir mal“ Kaito geht in den Schuppen und kramt darin herum. Er reicht Leo zwei alte klapprige Fahrräder nach draußen. „Das muss gehen“ sagt er und hustet. Tao und Lou betrachten die Fahrräder kritisch.
Bei dem einen ist der Lenker vollkommen verdreht und bei dem anderen hängt die Kette draußen. Tao biegt mit aller Kraft den Lenker wieder zurecht und Lou gibt sich größte Mühe die Ketter wieder einzuhängen. Er scheitert jedoch und erst als Tom ihm zur Hilfe eilt schafft er es. Wir steigen auf die Räder und fahren los. Lou und Michelle fahren vornweg und wir anderen folgen ihnen brav.
„Ob er sich bei dem ganzen Gequatsche überhaupt auf den Weg konzentrieren kann?“ Tom fährt neben mir und deutet mit dem Kopf auf Lou und Michelle. „Solange wir irgendwann ankommen ist doch alles gut“ lache ich.
„Nettes Hemd“ er schaut an sich herunter. „Die Rosen sind nett nh“ er strahlt übers ganze Gesicht. „Wieso trägst du eigentlich hier nur so bunte Hawaii Hemden?“ frage ich und trete noch einmal kräftig in die Pedale. „Meine Oma schenkt mir jedes Mal, wenn sie aus dem Krankenhaus kommt eins. Ich habe mittlerweile so viele und wann wäre eine bessere Gelegenheit sie mal zu tragen als im Urlaub mit meinen besten Freunden.“ „Sie ist im Krankenhaus?“ frage ich und sehe kurz zu ihm rüber.
„Sie hat Krebs-“ geschockt starre ich ihn an. Er sieht traurig auf seinen Lenker „Sie war 5 Jahre Krebs frei, aber seit letztem Jahr ist er wieder da. Sie muss alle zwei Monate zur Chemo“ er sagt das alles so leicht. Als hätte er sich längst mit dem Schicksal abgefunden. Ich sehe starr auf meine Hände „Ich weiß wie sich sowas anfühlt“ sage ich. Ich sehe im Augenwinkel das er mich ansieht. „Meine Tante ist letztes Jahr an Brustkrebs gestorben. Es war hart, aber für meinen Vater noch viel härter. Er musste seine kleine Schwester verabschieden“ ich stoppe.
Es tut weh darüber zu reden, aber Tom hat mir seinen Schmerz anvertraut also sollte ich ihm das gleiche Vertrauen entgegenbringen.

„Ich habe damals bitterlich geweint. Kaito saß neben mir auf der Beerdigung. Ich habe ihn gebeten mitzukommen, weil ich wusste das ich weinen würde. Ich habe mir geschworen nicht mehr vor Audrey und Niki zu weinen seit einem Erlebnis in der achten Klasse. Aber vor Kaito konnte ich noch weinen, es viel mir leichter mich von ihm in den Arm nehmen zu lassen als von irgendjemandem sonst.“ Während ich so darüber rede steigen die Erinnerungen an den Tag wieder in mir hoch.
Es roch nach Lilien, sie liebte Lilien. Mein Onkel trug den weinroten Anzug, den sie ihm extra für diesen Tag gekauft hatte. Sie hat mir im Krankenhaus gesagt, dass wenn er schon auf die Beerdigung seiner eigenen Frau müsste, dann solle er wenigstens seine Lieblingsfarbe tragen. „Verstehe“ murmelt Tom. „Willst du auch eins meiner Hemden? Die sind so farbenfroh da denkt man gar nicht mehr an den Tod“ er grinst mich an, seine blonden Locken tanzen im Fahrtwind. „Aber nur wenn ich das mit den Delfinen kriege“ er zieht eine Augenbraue hoch. „Das mit den Krebsen“ antwortet er „Das mit den Shrimps“ kontere ich. „Hmm, du verhandelst nicht schlecht. Das mit den Delfinen und dafür krieg ich deinen Nachtisch heute“ ich sehe ihn an. Er hat meine Laune im Nu wieder gehoben. „Deal“ wir treten beide kräftiger in die Pedale, um zu den anderen aufzuschließen.
„Halt“ brüllt Lou von vorne und wir bremsen ab. Ich hieve mich vom Sattle und schaue mich um. Wir befinden uns im tiefsten Pinienhain, um uns herum ist nichts. „Wir sind da“ Lou schiebt sein Fahrrad an einen Baum und deutet auf eine Felswand direkt vor uns. Aus der Wand entspringt ein Wasserfall, welcher in einem kleinen See aufschlägt. „Wie in deinen Barbie Filmen“ Kaito kommt zu mir herüber. „Noch besser“ ich staune nicht schlecht. Ein geheimer Fleck völlig abgeschottet von der Außenwelt. Wie im Land der Feen.

Ich knie mich an den See und das Wasser spritzt mir ins Gesicht. Es ist warm, nicht so warm wie das Meer. Aber warm genug, um darin zu baden. „Schön hier, nicht wahr?“ Lou sieht uns begeistert an. „Ein ganz anderer Teil der Insel“ raunt Audrey und hält ihre Hand ins glitzernde Wasser. Es ist ganz klar, man kann den grauen Stein Grund sehen. Fast so wie als würde man auf einen Spiegel schauen. Niki zieht mich und die anderen hinter eine große Pinie und wir wechseln schnell in unsere Bikinis. „Wer hätte gedacht das unser kleiner Obermacho so einen schönen Ort kennt“ sagt Audrey und stützt sich an den Baum. Als wir zurück kommen sitzt Cindy am Rand des Sees und taucht ihre Beine ins Wasser. „Willst du nicht mit rein?“ frage ich, während ich immer tiefer hinein gehe. „Kann euch doch egal sein was ich mache“ giftet sie mich an. Emilio sieht zu mir herüber und schüttelt dann verständnislos den Kopf. Wir gehen zum Wasserfall herüber. Das Wasser ist nicht sonderlich tief, es reicht mir gerade mal bis zum Hals. Neben dem Wasserfall ist es laut, und das Wasser ist deutlich kälter als weiter weg. Kaito kommt herüber und stellt sich einmal darunter. Das Wasser donnert mit einer ungeheuren Wucht auf ihn drauf und drückt ihn unter Wasser. Neben mir taucht er wieder auf. „Tut ganz schön weh“ er reibt sich den Rücken. „Also nicht so entspannend, wie es in den Filmen dargestellt wird?“ frage ich und er schüttelt den Kopf. „Komm doch auch rein Joel“ ruft Audrey zu ihm herüber. Er sieht sie an, und ich bin mir sicher, dass er ihr Rufen gehört hat, doch er dreht sich einfach weg und geht zu den Fahrrädern herüber. „Was hat er denn?“ frage ich nun Kaito. „Das geht schon den ganzen Tag so. Auch eben beim Fahren hat sie die ganze Zeit versucht mit ihm zu reden, doch er hat einfach auf stumm geschaltet! und ist weitergefahren.“ Kaito lehnt sich an die Felswand an und zuckt mit den Schultern. Was ist da auf einmal los? Ich schiele zu Audrey herüber, sie hat wieder dieses gekünstelte Lachen aufgesetzt. Besorgt schaue ich sie an.

Kapitel 29

Die anderen amüsieren sich prächtig. Selbst Cindy rutscht hin und wieder ein Lachen heraus. Kaito und ich beobachten das Schauspiel von etwas weiter weg.
„Es war eine gute Idee hier hin zu kommen“ sage ich und greife nach seiner Hand. „Ich bin so froh, dass du mitgekommen bist“ er zieht mich zu sich ran. Ich lege meine Hände auf seine Brust. „Was hättest du nur ohne mich gemacht“ ich drücke mich enger an ihn. „Tja dann hätte ich mich wohl mit denen da zufriedengeben müssen“ ich drehe mich um. Leo wirft Tom ein Handtuch zu, doch er verfehlt es um Längen und es landet im Wasser. „Das war das Einzige was ich hatte“ Tom reißt Leo seins aus der Hand und wirft es hinterher. Wir beide lachen. „Frag mich immer wieder“ ich streiche ihm ein paar nasse Strähnen aus dem Gesicht.
„Hat dir schonmal jemand gesagt das dir dieser nasse Look steht?“ scherze ich.
Ich sehe ihm direkt in die Augen. In diese wunderschönen, mandelförmigen Augen. „Hat dir schonmal jemand gesagt, dass du unglaublich sexy bist?“ er beugt sich zu mir runter und küsst meinen Hals. Ein Kribbeln bereitet sich in meinem ganzen Körper aus. „Lügner“ nuschle ich unter einem leisen stöhnen. „Ich würde bei sowas nie lügen“ ich streiche mit den Fingern seine Brust hinauf. Sein Körper vibriert unter meinen Berührungen. Ich genieße dieses Gefühl der Macht. Dieses Gefühl das sein Körper so auf meine Berührungen reagiert. „Essen“ schreit Emilio herüber und zerstört damit diesen intimen Moment. Wir klettern aus dem Wasser und ich hoffe inständig das meine Freunde meinen hochroten Kopf nicht bemerken. Emilio holt aus seinem Rucksack unser Proviant und verteilt die Sandwiche. Genüsslich beiße ich hinein. „Was habt ihr da hinten denn getrieben?“ fragt Niki und sieht mich dabei vielsagend an.

Ich verschlucke mich fast an meinem Bissen „Nichts“ bringe ich unter einem Husten heraus. „Habt ihrs eigentlich schon gemacht?“ fragt sie leise. „Nein! Wann denn bitte?“ zische ich. Sie grinst böse „Was weiß ich, wir würden es ja nicht mitkriegen, wenn du nachts einfach Mal so verschwindest“ säuselst sie. Es ist ja nicht so, dass ich noch nie darüber nachgedacht habe. Und unerfahren bin ich auch nicht, aber wir sind noch keine Woche zusammen. Und es ändert auch nichts, dass wir uns eigentlich schon seit knapp 3 Jahren kennen. Ich will abwarten. Abwarten wie er sich verhält, wenn wir wieder in unserer gewohnten Umgebung sind. Nach einem Gruppenfoto vor dem Wasserfall fahren wir um 14 Uhr wieder zurück zum Haus.

Ich liege quer auf der Couch und schaue einen meiner Lieblingsfilme. „Ist ja geil. Du feierst den Film auch?“ Leo kommt ins Wohnzimmer und schiebt meine Beine beiseite. „Bist du schon geduscht?“ fragt er und rubbelt sich mit einem trockenen Handtuch über die nassen Haare. „Jup, und schon fertig angezogen für den Jahrmarkt“ „Na dann, zeig her“ antwortet er. Ich pausiere den Film und stehe auf. „Tadaa“ sage ich und präsentiere mein Outfit. Ich habe mich für eine schwarz-weiß gestreifte knöchellange Cargo Hose entschieden und ein Neon grünes Top mit einer weißen Bluse darüber. „Du siehst aus wie die Frau von Beetlejuice“ Leo lacht.
Ich lasse mich wieder neben ihn fallen „Genauso wars geplant“ sage ich und boxe ihm gegen den Arm. „Jetzt zeig du mal“ fordere ich ihn auf. „Wie sie befehlen“ er steht auf und nimmt eine Pose ein. Ich begutachte ihn von Kopf bis Fuß. Ich lege die Stirn in Falten „Was haben wir denn da? Graue Hose, schwarzes T-Shirt mit Brandflecken darin-“ ich weise ihn auf mehrere kleine Löcher hin „silberne Kette und dazu nichts.“ „Ist gut, oder?“ er strahlt mich an. „Wunderschön“ lüge ich. Wir setzen den Film fort. „Wer hätte gedacht das du 10 Dinge, die ich an dir hasse, magst“ sage ich und kaue auf einer Strähne herum.

„Ich liebe den Film, Heath Ledger und Julia Stiles? Was Besseres gibt es nicht “ gerade kommt die Szene in der Heath Ledger in den Skunk Club geht, um Kat zu suchen. „Das ist meine Lieblingsszene“ ich stupse Leo vorsichtig an. „Siehst du das, wie er sie ansieht? Ab da wusste ich schon, dass er mehr für sie empfindet“ Heath Ledger grinst in die Kamera. „In Filmen sieht das alles immer so einfach aus“ nuschelt Leo. Ich beachte ihn nicht weiter und starre gebannt auf den Bildschirm. Irgendwann sitzen dann auch alle anderen bei uns und beobachten angestrengt, wie Patrick und Kat sich immer näherkommen. Und natürlich das Highlight des Filmes, dass Joey Donna verprügelt wird. Die Jungs grölen laut. „Verdient“ ruft Niki.
„Wer hätte gedacht das der Tag so verläuft“ sage ich lachend und lehne mich an Kaito neben mir an. „Wollen wir los?“ fragt Tao als der Abspann anfängt.
„Auf geht’s“ Leo hievt sich hoch und streckt mir die Hand entgegen. „Darf ich der werten Dame behilflich sein?“ grinsend ergreife ich seine Hand und er zieht mich von der Couch auf. „Lady Beetlejuice dankt“ antworte ich und mache einen Knicks vor ihm. „Ihr Gatte sieht aber nicht begeistert aus“ Leo deutet mit dem Kinn auf Kaito der uns beide fragend mustert. „Beetlejuice?“ fragt er und zieht die Augenbraue hoch. „Ja aus dem Film. Schau dir doch mein Outfit an“ ich stelle mich demonstrativ vor ihn. „Hmm“ er schaut nur kurz hin und dann sofort wieder weg. „Was bist du denn so grummelig?“ ich lege den Kopf schief. Was hat er denn auf einmal? „Du siehst nett aus“ sagt er und geht an mir vorbei nach draußen.
„Was hat er denn?“ fragt Leo. Ich zucke mit den Schultern. Ich klettere auf den Beifahrersitz und grinse Tom an. „Rate mal wer heute vorne sitzen darf“ er legt den Kopf in den Nacken. „Du?“ „Bingo“ juble ich und schnalle mich an.

Ich drehe mich zu Kaito nach hinten „Haare lieber offen oder hoch gebunden?“ frage ich und er dreht sich um. „Du weißt doch das ich offene lieber mag“ er gibt mir einen Kuss auf die Wange. Verwundert sehen Leo und ich uns an. „Alles wieder in Ordnung?“ frage ich vorsichtig. Ich löse das Haargummi aus meinen Haaren. „Alles bestens“ antwortet er. „Okay“ sage ich misstrauisch und rutsche zurück auf meinen Sitz. Wir fahren los und die ganze Fahrt über spielen meine Lieder. „Wie kommt es das nur so kitschige Liebeslieder in deiner Playlist sind?“ fragt Tom mitten im Refrain von Listen to your Heart. „Ich liebe es einfach von der Liebe zu träumen. Du kennst doch meine DVD-Sammlung. Lauter schnulzige Klassiker wie Pretty Woman, Wie ein einziger Tag oder Ist sie nicht wunderbar. Es ist so viel einfacher von der Liebe zu lesen oder zu hören als sie selbst zu erleben“ damit beende ich das Gespräch und drehe die Musik so laut das ich Toms Fragen nicht mehr hören kann. Wir singen gerade alle lauthals mit Bonnie Tyler „It’s a heart ache…nothing but a heart ache” als wir anhalten.
„Hier sollte es sein“ Tom schaut aufs Navi. Wir steigen aus und sehen uns um.
Der Jahrmarkt taucht wie ein kleines Farbenmehr aus der Dunkelheit herum auf. „Wollen wir?“ Tao kommt mit Lou und Michelle zu uns herüber geschlendert.
Cindy geht einige Meter hinter ihnen und tippt verzweifelt auf ihrem Handy rum. Überall sind leuchtende Kirmesbuden. Es riecht nach Essen. Um genauer zu sein nach Waffeln, Churros, Zuckerwatte und Popcorn gleichzeitig. Die Besucher lachen und amüsieren sich an den verschiedenen Attraktionen. „Ich will unbedingt Zuckerwatte“ meine Augen haben den Stand schon beim Betreten ausgemacht.
„Ich kauf dir welche“ sagt Kaito und nimmt meine Hand. Ich juble. „Will wer mit?“ frage ich noch schnell und schaue auf den verbliebenen Rest. Die meisten haben sich schon aufgeteilt und erkunden den Jahrmarkt.

Audrey, Cindy, Joel und Emilio stehen noch da. „Was machst du noch hier? “ fährt Cindy Emilio an. „Ich wollte eben nicht Achterbahn fahren oder an den Schießstand. Hast du ein Problem damit?“ er bietet ihr die Stirn. Gefällt mir. „Ich will auch Zuckerwatte“ sagt Audrey und greift Joels Hand. „Mach was du willst“ er zieht seine Hand aus ihrer zückt sein Handy und verschwindet zwischen den Ständen.
„Was stimmt denn mit dem nicht?“ fragt Cindy und zieht die Augenbraue hoch. „Alles okay?“ ich strecke die Hand nach Audrey aus. Sie weicht zurück „Alles gut, mir ist auf einmal etwas schwindelig. Ich setze mich da vorne auf die Bank. Wäre nett, wenn ihr mir Zuckerwatte mitbringen könntet“ ich kann gar nicht antworten so schnell ist sie verschwunden. „Also irgendwas geht da doch vor sich“ sage ich und lege die Stirn in Falten. „Ihr wisst nicht zufällig was?“ ich sehe erst Emilio und dann Kaito scharf an. Beide schütteln hastig den Kopf. Das alles ist sehr merkwürdig. Hand in Hand schlendern Kaito und ich die Stände entlang. Auf dem Weg zum Zuckerwattestand kommen wir an einer Schießbude vorbei. „Oh mein Gott“ schreie ich los. Kaito zuckt zusammen. „Was?“ er sieht mich erschrocken an.
„Die haben einen Stitch“ sage ich und zeige auf das blaue Stofftier, dass an der Decke der Bude hängt. „Ein was?“ „Ein Stitch, aus Lilo und Stitch“ wiederhole ich und ziehe ihn zum Stand herüber. Kaito beäugt das Stofftier „Ich bin wirklich mit einer 12-jährigen zusammen“ sagt er seufzend. „Ey“ ich schubse ihn leicht.
„Du erwartest doch nicht echt das ich dir den jetzt hole, oder?“ etwas enttäuscht schiele ich zu ihm hoch. „Wenn ich ganz lieb bitte sage?“ er sieht mich an.
Ich klimpere besonders schön mit den Wimpern. „Na gut“ er atmet laut aus.
„I would like to try it“ sagt Kaito und der Verkäufer drückt ihm das Gewehr in die Hand. „Aber kein Gejammer, wenn es nicht klappt“ „Jaja“ antworte ich und starre wie gebannt auf das Stofftier. Kaito legt an und zielt.

„Ich hätte nicht gedacht das das klappt“ sagt Kaito und starrt mich an. In meinen Armen halte ich das überdimensional große Stofftier. Ich setzte mein breitestes Grinsen auf. „Es ist ja so süß“ quietsche ich und drücke es. „Halt mal still“ Kaito zückt sein Handy und macht ein Foto. „Das werde ich allen zeigen die wissen wollen wie meine Freundin aussieht“ er lacht und zeigt mir das Bild.
Es sieht gar nicht so schlecht aus. Außer, dass ich fast gänzlich hinter diesem Stofftier verschwinde. „Soll ich das lieber tragen?“ fragt Kaito. „Nein, du kannst die Zuckerwatte tragen“ ich reiche der Verkäuferin das Geld über den Tresen und sie gibt uns zwei Zuckerwatten raus. „Wo sitzt Audrey?“ frage ich auf dem Rückweg.
Wir sehen uns um. Um uns herum leuchten die Buden und das Gekreische von der Achterbahn überdeckt alles. „Da vorn“ Kaito hat sie in der Ferne zwischen zwei Ständen entdeckt. Der Weg zu ihr dauert etwas länger, weil ich noch anhalte, um gebrannte Mandeln zu kaufen. „Es ist schon süß, wie du dich über all diese Kleinigkeiten freust“ sagt Kaito und ich lächle ihn an.

„Wow, Mia wurde von einem blauen Kaninchen gefressen“ Tom kommt mit den Händen in den Taschen auf uns zu. „Danke das du das auch siehst“ sagt Kaito grinsend. „Welche willst du? Blau oder pink? “ frage ich Audrey als wir bei der Bank angekommen sind. Kaito hält ihr die Zuckerwatten vor die Nase „Blau“ sie nimmt ihm die blaue aus der Hand. Ich setze mich neben sie und drücke Tom mein Stofftier in die Hand. „Halt mal kurz“ sage ich und Kaito reicht mir die pinke Zuckerwatte.
Ich beiße in den klebrigen Genuss. „Willst du sicher nicht drüber reden?“ frage ich vorsichtig. „Worüber?“ fragt Audrey, während sie auf die blinkenden Lichter des Riesenrads starrt. „Joel? Wieso geht er dir aus dem Weg?“ im Augenwinkel sehe ich wie Tom und Kaito sich schnell etwas zu flüstern. Ich starre Kaito fragend an. „Wir gehen uns kurz was zutrinken holen“ sagt er und zieht Tom mit sich weg.
Das gibt’s nichts zu erzählen“ sagt Audrey leise. „Wie meinst du das?“ sie dreht ihren Kopf zu mir. „Ich kann dir keine Antwort geben. Ich weiß auch nicht, wieso er mir aus dem Weg geht“ dann dreht sie sich wieder zum Riesenrad. Stumm esse ich meine Zuckerwatte. Ob ich mal mit ihm reden sollte? Ob das etwas bringen würde?

 „Ach hier seid ihr“ Niki kommt auf uns zu gerannt. Ihr brauner Faltenrock tanzt im Wind. „Wir wollen aufs Riesenrad. Wollt ihr mit?“ sie strahlt uns an. Ich liebe es Riesenrad zu fahren. So hoch zu sein, die glitzernden Lichter zu sehen und im Wind zu schaukeln.
„Wir?“ fragt Audrey. „Ja, alle andern warten schon dort“ sie fährt sich durch die blonden Haare. „Wird bestimmt lustig“ fügt sie hinzu als sie Audreys wenig begeistertes Gesicht sieht. Sie steht auf „Meinetwegen“ murrt sie und geht los.
„Was hat sie denn?“ fragt Niki leise und hakt sich bei mir unter. „Keine Ahnung. Irgendwas mit Joel“ wir beide sehen ihr besorgt hinterher.
Vorm Riesenrad treffen wir auf die anderen. „Da seid ihr ja endlich“ ruft Leo uns freudig entgegen. Auch Kaito und Tom warten bereits. „Was verheimlichst du?“ zische ich Kaito leise an. „Was meinst du?“ flüstert er zurück. „Du und Tom. Ihr wisst doch was über Joel“ Kaito sieht weg. Ich habe also recht. Ich will gerade etwas sagen da raunt er „Später.“ „So, wer will mit mir fahren?“ fragt Tom und sieht in die Runde. „Ich“ Niki hebt die Hand. Ich sehe sie überrascht an. „Also ich bleibe am Boden. Ich komme mit Höhen nicht so klar“ sagt Leo und tritt einen Schritt zurück. „Wir fahren zusammen, oder?“ frage ich Kaito. Er nickt und legt seinen Arm um meine Hüfte.
Im Nu haben sich Paare gebildet. Emilio und Cindy sehen sich missmutig an. Als ich die beiden da so zusammen stehen sehe wird mir auch klar wieso Niki mit Tom fahren wollte. Für alle anderen sieht es so aus als wären die beiden noch zusammen. Wir stehen in der Schlange an, und Joel und Audrey betreten die erste Gondel.
„Joel hat ganz schön gemeckert, dafür das er mit eurer Freundin zusammen ist“ sagt Lou hinter uns und legt die Stirn in Falten. Er hat seinen Arm um Michelle gelegt und zupft mit dem freien an seinem blauen Batik T-Shirt herum. Er hat Recht.
Joel verhält sich äußerst suspekt. Und Kaito weicht meinem Blick immer noch aus. Das macht er nur wenn er sich schuldig fühlt. Tao und Laura steigen in die nächste Gondel. „Wer hätte das gedacht. Laura scheint sich wirklich zu amüsieren“ sagt Niki und dreht sich von vorne zu uns um. „Ich habe sie schon lange nicht mehr so viel lächeln sehen“ füge ich hinzu. „Tao weiß halt, wie man eine Dame behandeln muss. Hat er alles von mir gelernt“ Lou drückt seine Stirn an Michelles und sie lacht.
Als Kaito und ich endlich in eine Gondel steigen ist die Stimmung zunächst etwas gedrückt doch dann „Sieh nur die ganzen Lichter“ rufe ich und springe auf. „Nicht so wild“ ruft Kaito und krallt sich am Sitz fest. Ich grinse ihn schadenfroh an. Ich stehe auf und setzte mich neben ihn. „Halt dich ruhig an mir fest, wenn du Angst hast“ sage ich locker und schlage die Beine übereinander. Kaito lacht und legt seine Arme um mich. „Ich mag es, wenn du die Starke spielst, dann fühle ich mich so sicher“ flötet er mir ins Ohr. Lachend sehe ich aus dem Fenster. „Man kommt sich so unendlich klein vor, wenn man von hier oben herunterschaut“ sage ich leise und streichle seine Hand auf meiner Hüfte. „Wenn ich bei dir bin komm ich mir viel stärker vor als sonst, du gibt’s mir eine solche Sicherheit“ überrascht über seine Worte drehe ich den Kopf. Er lächelt mich sanft an. Die Lichter der Buden leuchten in seinen Augen, wie ein kleines Feuerwerk. Am höchsten Punkt küssen wir uns, und der Kuss fühlt sich an als würde er eine Erinnerung sein, die ich niemals vergessen würde. Als würde er sich in meinem Gehirn einnisten und sich weigern je wieder fort zu gehen. „Du küsst nicht schlecht“ sagt er grinsend „Gleichfalls“ wir beide lachen.

Ich presse gerade meine Hände an das kalte Glass und sehe in den Himmel als Kaito plötzlich sagt „Ich glaube Joel betrügt Audrey.“ „Was?“ schreie ich und springe auf. Die Gondel beginnt wie wild zu schaukeln und Kaito drückt mich auf den Sitz zurück.

„Tom und ich haben gestern ein Telefonat von ihm mitgehört. Er hat bei irgendjemanden damit angegeben, dass es viel leichter sei als gedacht zwei Frauen zu haben. Und dass nichts dagegen spräche es noch mit einer Dritten oder vierten zu versuchen“ entgeistert sehe ich ihn an. Ruckartig stehe ich auf und schaue aus dem Fenster nach unten. Gerade hält die Gondel mit Joel und Audrey. Ich sehe wie Audrey aus der Gondel stürmt und im Getümmel verschwindet. Leo folgt ihr.

„Wieso hast du nichts gesagt?“ fahre ich Kaito an. Er wuschelt sich durch die Haare. „Wir wussten nicht, ob wir uns verhört hatten. Außerdem ist Joel unser Freund, wir wollten erst sicher gehen, bevor wir ihn hintergehen“ nuschelt er. „Und Audrey ist meine Freundin. Sie hat ein Recht darauf es zu erfahren“ keife ich ihn an. Er sieht bedrückt zu Boden. „Du weißt das ich es nicht böse gemeint habe“ ich starre ihn an. Er hat Recht, ich weiß das er keine bösen Absichten hatte. Ich setzte mich wieder hin und versuche mich zu beruhigen. „Dieses miese Arschloch wird sich noch wünschen niemals geboren worden zu sein“ grummle ich vor mich hin. „Sag Audrey bitte noch nichts“ bittet mich Kaito. „Bitte was? Ich soll ihr nichts sagen?“ gifte ich. „Tom und ich sind schon dabei herauszufinden ob an der Sache was dran ist. Gib uns noch etwas Zeit. Joel ist unser Freund, auch wenn wir ihn noch nicht allzu lang kennen“ ich sehe ihn wütend an. „Bitte“ Kaito sieht mich flehend an. „Na schön-“ sage ich seufzend „ich gebe euch Zeit bis morgen Mittag“. Er sieht mich dankbar an. „Aber wenn es wahr ist, sollte er lieber schnell rennen können“ füge ich leise hinzu.

Kapitel 30

Audrey

Wir stehen mit den anderen in der Schlange fürs Riesenrad. Joel würdigt mich keines Blickes und starrt nur auf sein Handy. Das Getuschel der andern über sein merkwürdiges Verhalten entgeht mir natürlich nicht. Schließlich hat er sich erst nach einer langen Diskussion und nach extremem Drängen meiner Freunde dazu bereit erklärt mitzufahren. Bestimmt haben sie es nur gut gemeint. Sie wollen bestimmt das wir uns aussprechen und einfach den restlichen Abend genießen. „Next“ ruft eine Frau und hält uns die Tür der Gondel auf. Ich klettere hinter Joel hinein und sie schließt die Tür. Mit einem kräftigen Ruck geht es los. „Schön, nicht wahr?“ sage ich und sehe aus dem Fenster. Er reagiert nicht. „Was ist denn los? Seit einigen Tagen verhältst du dich so komisch“ sage ich und setze mich wieder. „Wenn du meinst“ er tippt weiter auf seinem Handy rum. „Ist irgendwas passiert?“ frage ich erneut.
„Was soll schon passiert sein? Du nervst mich einfach, ich habe im Moment einfach keine Lust auf dich“ antwortet er kalt. „Wieso? Es war doch alles gut“ ich sehe ihn entgeistert an. Er legt das Handy weg und sieht mich mit einer mir völlig unbekannten Kälte in den Augen an. „Schatz, manchmal redest du mir einfach zu viel. Du bist nicht so interessant wie du vielleicht glaubst. Du solltest einfach mal lernen weniger zu reden. Denn wenn ich mit dir rede bekomme ich Aggressionen. Du machst mich krank mit deiner Art“ in mir kocht eine Mischung aus Zorn und Trauer hoch. „Du wagst es so mit mir zu reden“ setze ich an. „Jaja ist doch gut. Ich bin wieder der Böse, so wie immer. Schau dich mal selber an, du machst auch Fehler, jede Menge sogar, wir sollten eine kleine Pause einlegen. Aber ich liebe dich immer noch“ sagt er so herablassend und arrogant wie möglich.
 

„Das hier war ein Fehler“ sage ich leise und versuche mit aller Macht die Tränen zurückzuhalten. „Jedes Paar durchläuft doch diese Phase, in der man mal Abstand braucht“ er steht auf und setzt sich neben mich.
Er legt seinen Arm um mich und zieht mich zu sich ran. „Ich liebe dich, dass weißt du hoffentlich. Wir kriegen das hin. Aber du solltest echt mal an dir arbeiten“ er küsst meinen Hals und seine eine Hand wandert meinen Arm hinauf. „Du bist so sexy“ er streicht mir über die Wange und lächelt. Doch seine Augen lächeln nicht mit, es ist ein kaltes fast schon beängstigendes Lachen. Ich bin wie festgefroren in seinem Griff, unfähig mich daraus zu befreien. Wie eine Fliege in einem Spinnennetz, gefangen. „Exit“ die Frau öffnet die Tür und ich stürme heraus. „Pause akzeptiert, oder?“ ruft Joel mir hinterher. „Audrey was ist passiert?“ Leo stellt sich mir in den Weg. Ich gehe schnellen Schrittes an ihm vorbei und verstecke mich im Getümmel des Jahrmarkts.

Mia

Unten angekommen stürme ich aus der Gondel. „Wo ist Audrey?“ frage ich die anderen die bereits unten warten. „Sie war doch bei Joel? “ sagt Niki verwirrt.
„Ist was passiert?“ fragt Tom. Ich funkle ihn zornig an „Mit dir rede ich später“ zische ich ihn an. „Wo ist sie? Ich habe gesehen das sie aus der Gondel gerannt ist. Was hast du gemacht?“ fahre ich Joel an. „Nichts, ihr war gegen Ende etwas schwindelig. Sie wollte an die Luft“ verteidigt er sich. „Was ist los?“ fragen mich Laura und Niki leise. „Erzähle ich euch, wenn wir zurück sind“ sie sehen mich besorgt an.
„Ist irgendwas?“ fragt Cindy als sie mit Emilio aus der Gondel klettert. „Nichts nichts“ wimmelt Laura sie ab. Sie zieht misstrauisch die Augenbraue hoch. Kaito umfasst meine Hand „Beruhig dich, Leo holt sie schon ein“ flüstert er mir zu und ich entspanne mich etwas. Ob es so gut ist, dass gerade Leo ihr nachgelaufen ist? „Wollen wir uns in einer halben Stunde wieder treffen und langsam zurückfahren?“ fragt Tao und sieht auf die Uhr. „Was wollt ihr denn noch machen?“ frage ich. „Laura und ich wollen noch ins Spukschloss“ er zeigt auf das schwarze Gebäude am Rande des Jahrmarktes. „Will jemand mit?“ fragt er in die Runde. „Willst du?“ fragt Kaito und sieht mich an. Ich bin kein großer Fan von Horror, aber ich weiß das er gerne gehen würde. „Nicht unbedingt. Aber geh ruhig mit den beiden. Ich schau mich solange einfach noch etwas um“ Kaito sieht mich eindringlich an. „Sicher?“ fragt er „Sicher“ antworte ich und er geht zögerlich zu Tao hinüber. „Das wird genial“ Tom legt seinen Arm um Kaito und Tao. „Gehen wir mit?“ fragt Michelle Lou. Dieser sieht sie genauso überrascht an wie ich. „Du willst mit gehen?“ fragt Lou verwundert. Michelle hüpft zu den Jungs herüber „Das wird sicher lustig“ „Sie hat dich überrascht, nicht wahr?“ ich knuffe Lou grinsend in die Seite. „Wäre ja auch langweilig, wenn ich alles schon kennen würde“ antwortet er.
Zurück bleiben schlussendlich Niki, ich und Cindy. „Tja, interessante Kombination“ sage ich und fühle mich sichtlich unwohl. „Wollen wir noch etwas über den Markt gehen?“ fragt Niki zaghaft. „Gern“ ich hake mich bei ihr unter und sehe Cindy an. „Kommst du mit?“ frage ich missmutig. Sie sieht von ihren Nägeln hoch „Meinetwegen“ sie klingt genauso wenig begeistert wie ich. Brav trottet sie Niki und mir hinterher „So, was ist jetzt mit Audrey?“ fragt Niki, während wir an den verschiedensten Buden vorbeilaufen. Seufzend sehe ich in den Himmel „Keine Ahnung, ich glaube einfach, dass ihr die Beziehung mit Joel nicht gut tut“ ich habe schließlich versprochen nichts zu sagen. „Er passt auch nicht zu ihr. Hast du gesehen, wie kalt er reagiert hat? Wenn es seiner Freundin doch nicht gut geht dann geht man ihr doch wohl hinterher“ wir halten an einem Süßigkeiten Stand.

„Stimmt“ murmle ich. „Also wenn ihr mich fragt sollte sie ihn in den Wind schießen“ Cindy stellt sich zu uns.„Es geht uns nichts an. Wenn sie bei ihm bleiben will ist das ihre Sache“ sagt Niki. „We would like to buy two packs of strawberry candys“bestelle ich in meinem gebrochenen Englisch. „Three packs please” fügt Cindy hinzu. „Keine Sorge, ich lad euch ein” sie lächelt uns an. Überrascht nehmen wir die Tüten entgegen. „Wieso?“ frage ich und schiebe mir ein Bonbon in den Mund. „Interpretiert da bloß nicht zu viel hinein“ sie stolziert an uns vorbei. „Vielleicht hat sie ja doch eine Seele“ sagt Niki lachend. Wir schauen uns verschiedenste Stände an. Niki bleibt bei einem Schmuckstand hängen „Glaubst du nicht auch die würde Audrey gefallen?“ fragt sie und deutet auf eine kleine silberne Haarspange mit kleinen Rosen darauf. „Die ist echt schön, ich glaube wirklich sie würde sie mögen“ auch wenn Audrey es nie zugeben würde steckt in ihr doch mehr kleines Mädchen als man denken würde. Sie hat in ihrem Zimmer eine ganze Schachtel voll mit bunten Haarspangen und wilden Haarbändern. Sie liebt so etwas, doch sie zeigt es selten. Bei uns in der Wohnung trägt sie die Haarspangen öfters aber in der Öffentlichkeit nie. Früher hat sie sie so gern getragen, ich weiß nicht was passiert ist, aber irgendwann verstaubten die Spangen nur noch in ihrer Box. „Bin fertig“ Niki kommt zu mir gelaufen. „Schau mal“ aus einer kleinen weißen Papiertüte zieht sie die silberne Haarspange heraus. „Du hast sie ihr gekauft?“ frage ich freudig. Niki lächelt mich an „Natürlich. Ihr geht es doch irgendwie nicht so gut und auch wenn sie nicht mit uns reden kann oder will dann heitert sie die Spange bestimmt etwas auf“ sie strahlt ü! bers gan ze Gesicht. Ich lege ihr den Arm um die Schultern „Der Mann, der dich mal abkriegt, hat echt großes Glück“ sage ich und wir gehen weiter.

 

Audrey

„Audrey“ ich drehe mich um. Leo kämpft sich durch das Getümmel. „Lass mich allein“ brülle ich ihn an und renne weiter Ich will einfach nicht, dass er mich so sieht. Ich will einfach gar nichts mehr. Ich hasse es das ich mir vor Joel so eine Blöße geleistet habe. Ich hasse es das mir nichts Passendes eingefallen ist. Ich hasse es das ich wie festgefroren da stand und nichts gemacht habe. Hinter einem Zuckerwattestand verstecke ich mich. Leo rennt am Stand vorbei.
Ich sacke zusammen und lehne mich an die Rückwand des Standes. „Verdammt“ brülle ich und schlage mit der Faust auf den Boden. „Wieso habe ich nichts gesagt? Wieso fehlten mir die Worte? “ frage ich mich selbst. Ich habe diese Kälte in seinen Worten oder seinen Blicken noch nie zuvor gespürt. Seit wann war er so? War er vielleicht schon immer so und ich habe es nur nicht wahrhaben wollen? Es tut gerade nur weh. Die Person, von der man am meisten geliebt werden wollte, stößt einen mit solch einer unbekannten Härte zurück das es einfach nur weh tut.
Die Tränen brennen mir in den Augen. Ich hasse es zu weinen, ich hasse es vor anderen zu weinen. Ich hasse es vor anderen Schwäche zu zeigen, selbst wenn es meine besten Freundinnen sind. Ich wische mir mit den Händen über die Augen.
Ich muss aufhören zu weinen sonst merken die anderen etwas. „Hör schon auf“ weise ich mich selbst an. Doch es hilft nichts, mein Körper will einfach nicht gehorchen. „Hier“ Leo steht vor mir und hält mir ein Tuch hin „Du machst dich noch ganz dreckig“ er deutet auf meine Hände. Ich sehe sie an, voller Dreck. „Was willst du“ zische ich ihn an und wische mir übers Gesicht. „Selbst wenn du weinst hast du noch genug Energie, um mich zu hassen, was“ er lacht und setzt sich neben mich.

„Willst du mir erzählen was passiert ist?“ fragt er sanft. „Will ich nicht“ schießt es aus mir raus. Was will er von mir? Er will doch bestimmt nur meine Schwäche ausnutzen. Alle Jungs sind so.

Na schön, ich weiß das Leo nicht einer von ihnen ist, aber es ist viel einfach sich das einzureden als sich einzugestehen, dass er wirklich nur versucht für mich da zu sein. „Ok, aber egal was passiert ist, kein Junge der Welt ist es wert das du im Dreck sitzt und weinst“ ich sehe zu ihm hoch. „Von dir kommt das sehr glaubwürdig“ sage ich verächtlich. Er schnaubt „Das stimmt schon. Ich habe natürlich mein eigenes Interesse daran das du dich von Joel trennst aber nicht, wenn du dadurch leidest“ ich hätte nicht gedacht, dass er das so offen und ehrlich zugibt. „Ich leide nicht. Wir haben uns nur etwas gestritten“ sage ich kleinlaut. „Natürlich habt ihr das“ ich kann den Sarkasmus deutlich hören. „Woher willst du denn wissen das es nicht so war?“ er sieht zum Mond hoch. „Findest du nicht auch das der Mond echt schweigsam ist und auf keine einzige Frage antwortet?“ mit weiten aufgerissenen Augen starre ich ihn an. „Wie meinst du das?“ frage ich nervös. „Ich glaube du weißt genau wie ich das meine“ „Woher?“ frage ich schnell. „Ich habe dich gesehen, wie du draußen gesessen hast und all deine Sorgen dem Mond anvertraut hast“ Angst breitet sich in meinem Herzen aus. „Ach, dann hast du den anderen bestimmt schon davon erzählt. Hat es Spaß gemacht darüber zu lachen und mich zu bemitleiden? “ Menschen sind doch alle gleich, wenn sich ihnen die Chance bietet einen anderen fertig zu machen dann nutzen sie diese auch. Es ist genauso wie damals, genauso wie damals. Genauso wie in der zehnten damals. Nicht daran denken, bloß nicht daran denken. Verdränge diese Erinnerung einfach. Es ist schon schlimm genug das ich Tom all meinen Kummer anvertraut habe aber jetzt wieder daran erinnert zu werden ist noch viel schlimmer.

In der zehnten, wir waren gerade hierhin gezogen, neu an der Schule. Wir kannten niemanden und dann kam Justin Charles auf mich zu. Er sah gut aus, war nett und das wichtigste von allem, er war keiner dieser Proleten der Schule.
Er las gerne und hörte am liebsten Jazz. Wir saßen zusammen in Mathe, ich mochte ihn wirklich. Und zu meiner Überraschung mochte er mich allem Anschein nach auch. Nach circa einem Monat war ich zum ersten Mal bei ihm Zuhause ich weiß noch genau was für ein unangenehmes Gefühl, das war. Ich war so angespannt. Dann sind wir in sein Zimmer gegangen. Ich wünschte ich wäre nie zu ihm gegangen. Ich habe mit ihm geschlafen, mein erstes Mal so verschwendet. Es tat höllisch weh, ich habe geblutet und geweint, weil es so schmerzte. Er hat nicht aufgehört und nur gemeint das es bald aufhört. Das hat es nicht. Ich dachte er wäre anders, ich dachte er wäre etwas Besonderes. War er nicht.
Am nächsten Morgen kam ich in die Schule. Justin saß bei den anderen Jungs, den Jungs, die ich so sehr hasste. Proleten, Angeber, Frauen Verächter und er saß bei ihnen. Sie hielten sein Handy in der Hand und sahen erst mich und dann wieder das Handy an. Ich wusste sofort was sie sich da ansahen. Bilder, Bilder von mir.
Als ich bei ihm war und gedöst habe war mir kurz so als hätte ich etwas aufblitzen gesehen, doch als ich nachgefragt habe hat er nur gesagt das ich mir das eingebildet habe. „Hey geiler Körper, wo versteckst du den denn sonst?“ ruft mir Joey, ein Mitschüler zu. „Was soll das?“ habe ich Justin zur Rede gestellt. „Stell dich nicht so an, du hattest doch auch deinen Spaß. Jetzt können wir wieder getrennte Wege gehen“ er hat mich damals von oben herab angeschaut, wie als würde er mit einem kleinen Insekt reden kurz bevor er es zertritt. „Ich dachte du magst mich“ waren die einzigen Worte, die ich herausbekommen habe.

„Das hast du mir wirklich abgekauft? Wir haben gewettet, wie lang es dauert, bis du einen ran lässt, und du hast dich wahrlich nicht aufgespart, hier ist der Beweis“ er hält mir das Handy unter die Nase. Ich hasse es mich daran zu erinnern. Ich war so beschämt und bin es noch. Ich lebe in ständiger Angst das er das Foto irgendjemanden zeigen könnte.
Wenn wir uns in der Schule über den Weg laufen versuche ich möglichst unbeeindruckt zu tun, wenn er ein Kommentar dazu abgibt. Ich habe mich so dafür gehasst das ich vor ihm geweint habe und sogar noch mehr dafür das ich auf ihn reingefallen bin. Ich habe Niki und Mia noch nie davon erzählt, ich habe Justin gedroht ihn anzuzeigen sollte er jemals wieder jemanden das Foto zeigen.
Ich habe immer noch Angst das er es dennoch tut, aber bis jetzt hat er das Thema nur angesprochen, wenn ich allein mit ihm war. „Du weißt das ich niemals darüber Lachen würde“ reißt mich Leo aus meiner Erinnerung. „Jeder macht das“ sage ich traurig und betrachte die nassen Flecken auf meiner Jeans. „Ich habe es niemandem erzählt, ich habe dir einfach nur Gesellschaft geleistet“ sagt Leo und stupst mich leicht an. Ich glaube ihm und das macht mir irgendwie Angst. „Was hat er zu dir gesagt?“ fragt er sanft. „Er meinte wir sollen eine Pause einlegen, weil ich ihm auf die Nerven gehe und lernen sollte weniger zu reden“ „Und?“ fügt er hinzu. „Er meinte das ich ihn aggressiv mache und er Abstand brauche. Dann hat er versucht mich zu betatschen, also denke ich mal, dass er nur den emotionalen Teil unserer Beziehung pausieren will“ ich seufze. „Du weißt das er falsch liegt, oder? Du nervst niemanden, du machst niemanden aggressiv und er hat kein Recht so mit dir zu reden“ Leo sieht mich intensiv an. „Ich weiß aber in diesem Moment war ich wie gelähmt. Ich konnte nichts sagen, ich konnte ihn nicht zurückweisen und ich kann es immer noch nicht“ flüstere ich und male kleine Kreise in den Dreck.
„Willst du denn noch mit ihm zusammen sein?“ fragt er. Wieso muss er genau das fragen? Ich weiß keine Antwort auf diese Frage. „Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ich meine, vielleicht hat er einfach nur einen schlechten Tag oder so. Er war sonst immer lieb zu mir“ Leo hört nicht auf mich anzustarren. „Dir gefällt die Antwort nicht, oder?“ frage ich zögerlich. Er kratzt sich am Kinn „Nicht wirklich, aber wenn du damit zufrieden bist. Ich weiß nur das du dich zu nichts zwingen lassen solltest nur weil du der Person etwas schuldest“ „Keine Sorge, ich werde mich auf nichts Halbes einlassen. Ich werde mit ihm reden und entweder ändert es sich oder nicht-“ ich drehe den Kopf zu ihm. Die Tränen brennen mir in den Augen „Wenn es kaputt geht versprich mir das du mir wieder zuhörst“ ich halte ihm den kleinen Finger hin. „Jederzeit“ er hakt seinen Finger in meinen.
„Ist schon gut“ er wischt mir über die Augen. Sein Handy vibriert und er zieht es aus der Hosentasche. „Die anderen treffen sich in 10 Minuten am Auto. Sollen wir dann auch los?“ er steht auf und streckt mir die Hand entgegen. „Kein Wort zu den anderen“ mahne ich ihn an. „Und da ist sie wieder, die allzeit gefasste Schönheit“ lachend zieht er mich auf die Füße. Schönheit? Wenn er von den Bildern wüsste würde er genauso über mich denken wie die anderen Jungs aus meiner ehemaligen Klasse. Ich würde ihn anwidern und er würde jedes einzelne nette Wort bereuen, dass er jemals zu mir gesagt hat. Wir gehen langsam über den Markt. Er beugt sich zu mir herunter „Wenn du irgendwann bereit bist über die Sache mit Justin Charles zu reden dann gib mir einfach Bescheid“ mir bricht der kalte Schweiß aus. Hat er die Bilder schon gesehen? Woher weiß er davon? Wird er mich verraten?
„Woher-“meine Stimme zittert „Keine Sorge, Justin hat nichts erzählt“ er stoppt und sieht mich an. Ich versuche ruhig zu atmen.
 

„Ich sehe nur wie unwohl du dich in seiner Gegenwart fühlst, ich sehe in deinen Augen das du Angst hast. Du fürchtest dich vor ihm. Und wenn du darüber reden willst, auch wenn ich denke das Niki und Mia dich vermutlich besser verstehen würden als ich kannst du jederzeit zu mir kommen“ erleichtert atme ich aus. „Irgendwann erzähle ich dir davon“ sage ich mit brechender Stimme. Leo legt seinen Arm um meine Schulter und zieht mich zu sich ran „Mir entgeht nichts. Schließlich habe ich nur Augen für dich“ ich lache „Schleimer“ sage ich. „Ich weiß“ er lacht als wir den Parkplatz betreten.

Mia

„Da seid ihr ja endlich“ ruft uns Tom entgegen als wir auf den Parkplatz kommen. Mein Blick wandert zu Audrey hinüber die etwas weiter Abseits steht und in den Himmel starrt. „Alles okay?“ frage ich sie zögerlich. „Alles bestens“ sie grinst mich an. Sie versucht also immer noch so zu tun als wäre alles in Ordnung. „Sie lächelt schon die ganze Zeit-“ flüstert Laura „ich habe versucht mit ihr zu reden, aber sie meinte nur, dass ihr schwindelig war.“ Missmutig sehe ich Audrey an. Sie weiß doch besser als jeder andere das Niki und ich sie längst durchschaut haben. Wir sind Freunde seit mehr als 10 Jahren, man muss schon ein wahres Genie sein, um unserem siebten Sinn zu entkommen. Ich ziehe Leo kurz beiseite „Was ist passiert?“ er kratzt sich am Hinterkopf. „Das sollte sie euch lieber selbst sagen“ geschockt sehe ich ihn an. „Sieh mich nicht so an. Du weißt selbst das sie nicht wollen würde das ihr es von mir erfahrt“ sagt er ruhig. Er hat ja Recht „Ok, aber sag mir eins-“ ich lege ihm die Hand auf den Unterarm „hat er ihr was getan?“ mein Blick wandert zu Joel herüber. „Nein“ Leos Arm spannt sich an, er lügt. „Okay“ sage ich und steige in den Wagen. Er hat ihr was getan, Leos Reaktion hat es mir verraten. Ich hoffe Joel hat neun Leben.

Leo sitzt auf dem Beifahrer sitz und wechselt die ganze Zeit den Radiosender. „Mach nichts unüberlegtes“ flüstert mir Kaito ins Ohr. „Ist ja gut“ ich starre Joel der mir gegenübersitzt wütend an. Wenn ich könnte würde ich in auf der Stelle in ein Häufchen Asche verwandeln. „Was wollen wir später Essen? “ fragt Leo von vorne. „Ich hätte schon Lust auf nh Pizza“ sagt Niki „Pizza wäre schon toll“ füge ich hinzu. „Tao ist doch nach uns losgefahren. Soll ich ihn fragen, ob er unterwegs anhält und welche mitbringt?“ fragt Leo. „Ich will eine mit Pilzen, Niki will bestimmt eine mit Shrimps?“ ich sehe sie an und sie nickt. „Und Kaito-“ setze ich an „Bin mal gespannt ob du das weißt“ selbstsicher verschränkt er die Arme vor der Brust. „Kaito will eine Salami Pizza mit extra vielen Peperoni und Oliven. Aber es müssen schwarze Oliven sein, die grünen mag er nicht“ triumphierend sehe ich ihn an. „Überrascht?“ frage ich grinsend. „Nicht schlecht“ gibt er zu. „Ich höre selbst dann zu, wenn du es nicht erwartest“ ich falte die Hände vor der Brust zusammen.
„Joel, Audrey was ist mit euch?“ ruft Leo nach hinten. „Eine vegetarische“ murmelt Audrey „Joel?“ ruft Leo erneut. Er reagiert nicht „Thunfisch“ antwortet Audrey für ihn. „Hast du es gehört?“ brüllt Leo in sein Handy. „Tao besorgt welche“ wir jubeln.
Im Haus werfe ich mich wieder auf die Couch und starre an die Decke. „Hunger“ jammere ich laut. Niki setzt sich zu mir „Du hast es doch auch gemerkt, oder?“ ich setze mich auf „Was?“ natürlich weiß ich was sie meint. „Diese Spannung zwischen Audrey und Joel, da stimmt etwas nicht“ ich schiele zu Audrey herüber die in der Küche steht. „Wir reden besser später mit ihr“ „Glaubst du es geht um damals?“ fragt Niki besorgt. Ich zucke ratlos mit den Schultern. „Die Pizza ist da“ Tao taumelt mit den aufgetürmten Pizzen ins Haus. „Warte, ich nehme dir etwas ab“ Kaito eilt zu ihm und nimmt ihm ein Paar Schachteln aus der Hand Wir essen genüsslich, doch mein Blick wandert immer wieder herüber zu Audrey.

Sie starrt verträumt auf ihre Pizza. Dann wandert mein Blick hinüber zu Kaito.
Er sieht so süß aus. Ich kann es immer noch kaum glauben das wir seit drei Tagen zusammen sind. Ich darf meinen besten Freund endlich auch meinen festen Freund nennen. Er bemerkt meinen Blick und zieht die Augenbrauen fragend zusammen.
Ich lächle ihn sanft an. Ich bin einfach nur glücklich, glücklich zu sehen das er Spaß hat, glücklich zu sehen das er mich mit genauso viel Liebe in den Augen ansieht wie ich ihn. Ich hätte mir vor dieser magischen Woche nie zu träumen gewagt, wie es ist ihn zu küssen, oder allein seine Hand zu halten.

Nach dem Essen verabschieden wir Tao und Lou. Wir stehen vor der Tür und beobachten, wie Tao ihr Gepäck im Kofferraum verstaut. „Wirst du ihn vermissen?“ frage ich Laura leise. Sie fährt sich mit den Fingern durch die kurzen schwarzen Haare und wird rot. Was wohl auf dem Jahrmarkt passiert ist? „So, wir wären dann soweit“ sagt Tao und stemmt die Hände in die Hüfte. „Wer will eine Umarmung? “ er breitet die Arme aus und wartet ab. Ich wage mich vor und schließe ihn fest in meine Arme. Es fällt mir wirklich schwer mich von ihm zu trennen. In den paar Tagen ist er mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. „Vielen Dank für alles“ flüstere ich ihm ins Ohr. „Danke das du Laura ein so wunderschönes Lächeln ins Gesicht gezaubert hast“ ich lasse ihn los und er grinst. „Danke das du damals auf den Seeigel getreten bist, sonst hätte ich all diese tollen Leute nicht kennengelernt“ er zwinkert mir zu. „Für dich würde ich jederzeit auf einen Seeigel treten“ sage ich scherzhaft. Ich boxe ihn ein letztes Mal gegen die Schulter und gehe zu den anderen zurück. Die Jungs verabschieden sich mit einem Handschlag bei den beiden, selbst Kaito. Nachdem Niki und Audrey sich von den beiden verabschiedet haben tritt Laura zögerlich auf Tao zu und schließt ihn in die Arme. Glücklich beobachte ich das Schauspiel.
 

Sie redet mit ihm und er lacht, dann plötzlich stellt sie sich auf die Zehenspitzen und drückt ihm einen Kuss auf die Lippen. Aber das überraschendere ist, dass er seine Hände auf ihre Hüften legt und sie zu sich ran zieht. Beeindruckt lächle ich die beiden an. „Nicht schlecht“ sage ich leise und lehne mich an Kaito. Laura löst sich von Tao und kommt mit hochrotem Kopf zu uns herübergelaufen. Ich umarme sie „Ich freue mich ja so für dich“ sie lächelt. „Werdet ihr euch wiedersehen?“ frage ich aufgeregt. Sie nickt „In zwei Wochen, immerhin wohnt er nur eine Stunde weit weg von München“ ich drücke sie fest. Dann wandert mein Blick zu Michelle und Lou herüber. Die beiden liegen sich gegenseitig in den Armen und reden intensiv miteinander. Lou streicht Michelle ein paar Strähnen aus dem Gesicht und grinst sie an. „Die machen vielleicht eine Show“ sagt Cindy und verdreht die Augen. „Dabei haben sie schon vorhin im Zimmer beschlossen, das sie sich direkt nach Lou‘s und Tao‘s Rückkehr treffen wollen“ sie zieht die Augenbraue genervt hoch. Wir winken den beiden noch zum Abschied und schließen dann die Tür hinter uns. „Na, zufrieden das dein Konkurrent weg ist?“ frage ich sarkastisch. „Sehr witzig“ Kaito pikst mich in die Seite. Ich gebe ihm einen Kuss und verschwinde mit den anderen nach oben.

 

 

 

 

 

 

Kapitel 31

Ich betrete als letzte das Zimmer und schließe leise die Tür hinter mir. Audrey sitzt schon auf ihrem Bett und Laura tippt auf ihrem Handy herum. Niki und ich sehen uns an und setzen uns dann neben Audrey auf ihr Bett. Verwundert sieht sie uns an. „So, jetzt wird geredet. Was ist los? Was war wirklich am Riesenrad?“ frage ich. Laura sieht von ihrem Handy auf. „Nichts war“ antwortet Audrey kurz und knapp. Niki und ich hatten mit so einer Antwort schon gerechnet. Ich lege ihr eine Hand auf den Unterarm. Sie zuckt zusammen „Audrey, wir sind seit dem Kindergarten Freunde. Uns fällt auf, wenn du uns etwas verheimlichst. Wir wissen das etwas passiert ist. Auf dem Riesenrad. Aber was?“ sage ich sanft. „Leute-“ setzt sie an. „Hat er dich angefasst?“ fragt Niki besorgt dazwischen. Audreys Kopf fährt hoch und sie starrt Niki entgeistert an. Erst befürchte ich sie wird uns anschreien, doch sie holt nur tief Luft und sagt „Er will eine Pause.“ „Hat er das wirklich genauso gesagt?“ hake ich nach. Laura steht von ihrem Bett auf und setzt sich uns gegenüber. „Nein-“ Audreys Stimme zittert. „Er hat gesagt das ich ihm zu viel reden und, dass ich ihn aggressiv mache mit meiner Art. Er meinte er braucht einfach Abstand zu mir und all meinen Fehlern.“
Ihre Arme zittern, sie versucht die Tränen zurück zu halten. Niki streicht ihr ein paar braune Strähnen aus der Stirn. „Er hat kein Recht das zu sagen und das weist du“ ihre Stimme ist so sanft, sie wirkt so beruhigend. „Ich weiß, aber in diesem Moment hat es mich so sehr getroffen wie noch nie zuvor. Ich meine wir sind ein Paar und aus heiterem Himmel will er eine Pause und sagt es mit unnötig verletzenden Worten“ sagt sie schluchzend. Ich beiße mir auf die Zunge. Sag es nicht. Verkneif es dir, nur dieses eine Mal.

„Willst du denn eine Pause? Ich meine ist diese Beziehung es überhaupt wert das du dafür Tränen vergießt? Würdest du ihn nach der Pause überhaupt zurückwollen?“ ich streichle ihr über den Arm. Sie wirft den Kopf in den Nacken „Ich weiß es nicht. Ich meine ich liebe ihn irgendwo schon noch, aber ich habe mich so vor dieser Kälte in ihm erschreckt“ Niki und ich sehen uns traurig an. Wir haben Audrey schon lange nicht mehr weinen sehen. Sonst ist sie immer diejenige die unsere Tränen wegwischt und uns sagt was wir zu tun haben. „Du weißt das du ihn nicht brauchst. Du bist stark genug um ohne ihn zu leben“ ist das Einzige was mir einfällt. „Aber dann wäre ich wieder allein, dann müsste ich zugeben das ich erneut einen Fehler gemacht habe, weil ich mich auf ihn eingelassen habe“ bringt sie unter Tränen heraus. „Erneut?“ fragt Niki und sieht mich an. „Es ist genauso wie damals in der zehnten. Ich lasse mich auf jemanden ein und am Ende ist es wieder nur ein komplettes Arschloch. Ich mache alles nur noch schlimmer“ „In der zehnten?“ fragt Niki.
Audrey sieht zwischen ihr und mir hin und her. „Wisst ihr-“ beginnt sie „Du meinst die Sache mit Justin Charles, oder?“ unterbreche ich sie. Ängstlich sieht sie mich an „Woher weißt du das? Er hat es dir gezeigt, oder? Er hat es dir gezeigt und gelacht, stimmt’s? Ich schäme mich so. Ich hasse mich selbst so sehr dafür.“ Niki klemmt mit der gekauften Haarspange Audreys Haare nach hinten „Du bist viel zu schön, um dein Gesicht unter Tränen zu verstecken“ sie lächelt sie an. Ich spüre, wie sehr Audreys Puls rast. Sie hat totale Panik. In ihren Augen erkenne ich sehr viel Angst, sehr sehr viel Angst.
„Wir wussten es beide schon länger“ füge ich hinzu. Audrey sagt nichts, sie fasst mit der Hand an die Haarspange. „Es war kurz vor dem Ende der zehnten Klasse-“ beginne ich

„Mia und ich saßen in der Mensa als Justin und seine dämlichen Freunde anfingen lauthals zu lachen. Wir sind herüber gegangen und haben gesehen, wie er den andere ein Foto von dir gezeigt hat. Wir haben das Foto nicht genau gesehen aber da du wenige Tage zuvor anfingst Justin aus dem Weg zu gehen haben wir eins und eins zusammengezählt“ führt Niki fort. „Das ist so beschämend“ murmelt Audrey. „Ist es nicht. Du hast ihm vertraut und er hat dich hintergangen. Wenn jemand sich schämen sollte dann er“ sagt Laura aus dem nichts. „Wieso habt ihr nie etwas gesagt?“ fragt Audrey und wischt sich die Tränen aus den Augen.
„Du hast kein Wort zu uns gesagt, wir dachten das es dir unangenehm wäre mit uns Zeit zu verbringen, wenn du wüsstest das wir es wissen. Wir dachten das du irgendwann von dir aus mit uns darüber reden würdest“ Niki sieht mich an und dann Audrey. „Es hat sich nichts geändert. Wir lieben dich genauso wie vorher. Dich und sogar deinen schlechten Männergeschmack“ sage ich und Audrey lacht. „Ich lebe in ständiger Angst das Justin das Foto herumzeigt. Ich habe nach all den Jahren immer noch Angst vor ihm. Angst vor den Konsequenzen meines Handelns, Angst davor das mich die Leute verachten könnten und, dass sie über mich lachen könnten“ ich habe Audrey schon seit Ewigkeiten nicht mehr so verletzlich erlebt. „Das soll er sich mal trauen“ sage ich grinsend. Sie sieht mich fragend an „Naja Niki und ich-“ich sehe zu Niki herüber „haben Justin damals zur Rede gestellt. Wir haben ihn nach der Schule mit Kaito im Schlepptau abgefangen. Wir haben Kaito erzählt das Justin dich mobbt und er hat ihm gedroht ihn krankenhausreif zu schlagen sollte er deinen Namen jemals wiedersage. Naja, dass Foto haben wir nicht erwähnt.“ „Aber wir haben seitdem einen wachsamen Blick auf Justin, er hat das Bild seitdem nicht mehr irgendwie erwähnt. Er hat wirklich Angst das Kaito ihm etwas bricht“ fügt Niki lachend hinzu.

Audrey fällt uns in die Arme „Danke Leute, danke für alles“ wir drücken sie fest.
Sie hat bestimmt lange mit sich gerungen, ob sie mit uns darüber reden soll. Sie hat es bestimmt seitdem nicht leicht gehabt. All die Jahre in ständiger Angst das Justin aus einer Laune heraus ihr Leben zerstört. „Wir haben immer ein Auge auf dich, egal wie weit du weg bist“ sage ich und streichle ihr über den Rücke. „Tom hatte Recht. Ich hätte schon viel früher mit euch reden sollen“ sie wischt sich über die Augen.

Als sie sich beruhigt hat sieht sie uns an „Ich werde mit Joel reden, ich will das mit ihm klären. Ich will nicht denselben Fehler machen wie bei Justin, aber ich kann auch nicht jedem Jungen direkt misstrauen, weil einer mich verletzt hat“ ich versuche es wirklich zurückzuhalten, aber es hilft alles nichts. „Er ist das nicht wert“ „Wie meinst du das?“ fragt Audrey. Tut mir leid Kaito. „Er betrügt dich“ platzt es aus mir heraus. Die anderen sehen mich geschockt an. „Wie meinst du das?“ fragt Audrey leise.
„Tom und Kaito haben es mir erzählt. Sie haben den Verdacht das Joel dich betrügt. Sie haben ein Telefonat mitgehört, in dem er davon redet“ es tut mir so unendlich leid Kaito. „Ich habe es gewusst“ schluchzt Audrey. Überrascht sehe ich sie an.
„Wie du hast es gewusst?“ fragt Niki. „Ich hatte seit längerer Zeit den Verdacht. Ich habe ihn mal in der Stadt mit einer anderen gesehen und als ich ihn darauf angesprochen habe hat er mich für paranoid erklärt und mir erzählt es sei seine Cousine gewesen.“ „Diese Ausrede benutzen sie gerne“ Cindy und Michelle stehen in der Tür. „Was wollt ihr?“ fahre ich sie an. „Keine Sorge, wir wollten eigentlich fragen, ob ihr uns einen Föhn leihen könnt, aber ihr habt so laut geredet, dass man euch auf dem Flur hören konnte“ sagt Cindy und schließt hinter sich die Tür.

 

„Wie viel habt ihr gehört?“ fragt Audrey und wischt sich schnell die Tränen weg.
„Nur den Teil mit Joel betrügt dich und so weiter“ Cindy setzt sich auf mein Bett und sieht uns an. „Was willst du noch?“ giftet Laura sie an. „Ich will mitreden, ich kann euch helfen“ sie lächelt uns an. „Du willst doch jetzt nicht mehr zu ihm zurück? Ich meine die Jungs haben nur einen Verdacht, aber du hattest den auch schon und das will ja was heißen“ Michelle setzte sich neben Cindy und wartet auf Audreys Antwort Auch ich sehe sie gespannt an „Ich weiß nicht“ murmelt sie. „Das kann doch nicht dein Ernst sein?“ platzt es aus mir heraus. „Ich meine ein Teil von mir liebt ihn noch“ „Und der andere Teil?“ fragt Cindy ehrlich interessiert. „Der andere Teil will ihm das dumme Grinsen aus der Visage prügeln“ Cindy grinst „Mit diesem Teil können wir etwas anfangen.“ Ich bin wirklich überrascht das Cindy sich nicht über Audrey lustig macht oder irgendeinen Spruch bringt. „Wir machen ihm die letzten zwei Tage hier zur Hölle und den Rest musst du dann alleine schaffen“ schlage ich vor. „Der Kerl verdient eine Lektion“ stimmt Cindy mir zu. „Wieso willst du uns helfen?“ fragt Audrey misstrauisch. „Auch wenn es nicht so aussieht-“ Cindy wirft ihr Haar zurück „weiß ich wie es sich anfühlt betrogen zu werden. Mein erster Freund hat mir wirklich lange die große Liebe vorgespielt und als es rauskam hat er mich auch noch für alles verantwortlich gemacht.“ Michelle nickt zustimmend.
Ich bin überrascht über diese ehrliche Antwort. „Glaubt mir, sie ist gut in sowas“ sagt Michelle über Cindy als wir einen Plan ausarbeiten, wie wir Joel die letzten zwei Tage so unerträglich wie möglich machen könne. „Ich fülle einfach meine Nachtcreme in seine Sonnencreme“ sagt Cindy „Was soll das Bringen?“ fragt Niki verwirrt. „Schätzchen, nachts wirkt diese Creme wahre Wunder“ sie deutet auf ihre reine Haut. „Wenn sie jedoch in zu viel Kontakt mit der Sonne gerät fängt sie an auf der Haut zu brennen“ sie lächelt gerissen.

„Selbst mehrmaliges Abwaschen hilft da nichts“ verängstig schaue ich sie an. Ich glaube ich tue gut daran mich nie auf die Art und Weise mit Cindy anzulegen.
„Ich könnte Mandeln in sein Müsli mischen. Dagegen ist er allergisch“ schlägt Audrey vor. „Ok, wir wollen ihm nur eine Lektion erteilen und ihn nicht gleich umbringen“ bremse ich die beiden. „Keine Sorge. Davon stirbt er nicht er bekommt nur einen unschönen Ausschlag“ beruhigt sie mich. Cindy und Audrey sind echt beängstigend. „Wir sehen uns morgen“ sagen Cindy und Michelle zum Abschied.
Beim Zähne putzen sage ich „Wer hätte gedacht das Cindy so hilfsbereit sein kann“ „Stimmt, wenn sie will kann sie ganz umgänglich sein“ fügt Niki hinzu.
Ich liege im Bett und starre an die Decke „Joel wird morgen sein blaues Wunder erleben“ sagt Laura lachend und löscht das Licht.

Ich schließe die Augen und schrecke kurze Zeit später aus einem Albtraum hoch in dem mich Kaito verlässt, weil ich ihn verraten habe. Mein Herz zieht sich zusammen, ich habe ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, weil ich mein Versprechen nicht gehalten habe. Er wird bestimmt sauer sein, wenn ich es ihm irgendwann beichte.
Ich male mir aus, wie er mich anbrüllt, weil ich nichts für mich behalten kann und wie er Wut entbrannt davon stürmt. Auch wenn ich weiß das ich maßlos übertreibe macht der bloße Gedanke daran mir unendliche Angst. Aus diesem Grund schleiche ich gerade die Treppe herunter und stehe wenige Sekunden später vor der Tür des Jungs Zimmers. Ich kann ja schlecht klopfen, dann sind alle wach. Vorsichtig öffne ich die Tür einen Spalt und schlüpfe ins Zimmer. Es stinkt furchtbar, nach einer Mischung aus Schweiß und altem Haus. Ich muss hier unbedingt mal tagsüber lüften. Langsam taste ich mich durchs dunkle Zimmer Mit dem Fuß stoße ich schmerzhaft gegen eins der Betten.

Ich unterdrücke einen Schmerzensschrei. Jemand murmelt leise etwas vor sich hin, hört sich an wie Tom. Wenn sein Bett hier ist, dann müsste Kaitos Bett, Stückchen für Stückchen taste ich mich weiter.
Ich habe irgendwann komplett die Orientierung verloren und weiß nicht mehr, ob Kaitos Bett jetzt links oder rechts ist. Ich stoße erneut gegen eines der Betten und rutsche weg. Ich verliere den Boden unter den Füßen und lande auf jemandem drauf. Derjenige schreit erschrocken los. Ich presse ihm die Hände auf den Mund bis er sich beruhigt und ich sicher gehen kann das die anderen weiterschlafen. Ich habe keine Ahnung auf wem ich hier drauf liege „Tut mir leid“ flüstere ich. „Mia? Was machst du hier“ „Kaito?“ frage ich unsicher. „Wer sonst“ erleichtert atme ich aus.
Er schiebt mich von sich runter neben sich „Was soll das?“ murmelt er verschlafen. „Ich muss dir was sagen“ flüstere ich „Und das konnte nicht bis morgen warten?“ fragt er. „Nein konnte es nicht“ ich will gerade aufstehen als sich jemand in seinem Bett regt. Kaito packt meinen Arm und zieht mich unter die Decke. „Ist da wer?“ fragt Joel. Ich höre wie sein Bett quietscht. „Nein, ich war nur kurz im Bad“ sagt Kaito und drückt mich unter der Decke noch fester an sich. Ich lege ihm meine Hände auf den Bauch, er zuckt zusammen. Er trägt kein T-Shirt, seine Haut bebt warm unter meinen Finger. „Dann ist ja gut“ sagt Joel schläfrig. Ich will gerade wieder unter der Decke hervorkommen als mich Kaito stoppt. „Warte noch kurz“ zischt er. „Kaito“ zische ich nach einer Weile und kneife ihm dabei in die Hüfte. „Was ist?“ quietscht er. „Lass uns raus gehen“ sage ich und krieche unter der Decke hervor. „Ist bestimmt besser so“ murmelt er „Wenn dich die andere hier sehen darf ich mir nur blöde Kommentare anhören“. Er hievt sich aus dem Bett.

 

Als wir im Wohnzimmer sitzen schalte ich eine kleine Tischlampe an. „Was starrst du so?“ fragt er. Ich habe die ganze Zeit auf seinen Körper gestarrt. Er steht nur mit Boxershorts bekleidet vor mir. „Was ist nun so wichtig?“ fragt er und setzt sich auf die Couch. Die Beine legt er auf dem Couchtisch ab. Der matte Schein der Lampe, taucht sein Gesicht in ein unheimliches Licht. Ich setze mich neben ihn und überlege verzweifelt, wie ich es am besten formulieren soll. „Also-“ beginne ich und stoppe. „Was? Sag schon“ er zieht mich ein Stück näher. „Ich habe es Audrey erzählt, ich musste. Sie wollte zu ihm zurück. Es tut mir so unglaublich leid. Ich weiß ich sollte abwarten, aber es ging nicht. Bitte sei mir nicht böse“ sprudelt es aus mir heraus.
Ich habe Angst ihn anzusehen. Ich warte auf eine Reaktion, doch da kommt nichts. „Kaito?“ ich sehe auf. Er sitzt einfach nur da. Ist er nun böse auf mich?
Auf einmal nimmt er mich in den Arm. „Ist schon gut. Ich habe schon damit gerechnet, dass du dich nicht zurückhalten kannst. So warst du halt schon immer. Ich habe nichts anderes erwartet von meiner Freundin“ er lächelt mich verschlafen an. Ich sehe ihn an „Und, gefalle ich dir so gut? Eben konntest du deine Augen gar nicht mehr von mir nehmen“ fragt er und grinst. Ich sehe ihm tief in die Mandelaugen. „Und was ist mit dir? Gefalle ich dir so gut? Du wolltest mich eben gar nicht mehr loslassen“ flüstere ich in sein Ohr und fahre ihm durch die schwarzen Haare. Er wird rot „Wo hast du nur gelernt mich so scharf zu machen“ raunt er.
Ich merke, wie sein Blick von meinen Augen runter zu meiner Brust wandert.
„Ey, meine Augen sind hier oben“ scherze ich. „Darf ich meine Freundin etwa nicht ansehen?“ fragt er und setzt diesen teuflisch verführerischen Blick auf. „Immer doch“ nuschele ich und wende den Blick ab. „Weißt du Mia, wie sehr ich mich gerade zurückhalten muss?“ sagt er und lässt sich nach hinten auf die Couch fallen.

Er hält sich die Hände vor die Augen. „Zurückhalten? “ „Um nicht über dich herzufallen“ murmelt er und nimmt die Hände weg. Ich lächle „Dein Pyjama ist viel zu sexy.“ Ich sehe an mir herunter. Ich trage meinen Ersatz Pyjama, der andere ist in der Wäsche. Ich trage eine kurze weiße Hose aus Seide mit pinken Blüten drauf.
Und dazu ein hellrosa Top mit Spagettiträgern und einem tiefen Ausschnitt. „Machst du das eigentlich mit Absicht?“ fragt er leise. „Was meinst du?“ frage ich und lege mich auf seinen Bauch. „Bringst du mein Herz gerne fast zum Platzen?“ er sieht mich an. „Solange du dasselbe mit meinem Herz machst“ flüstere ich.
Er zieht mich zu sich herunter und küsst mich. Seine Finger fahren meine Hüfte entlang. Ein elektrisierendes Prickeln breitet sich in meinem Körper aus. Seine Finger streichen über meinen BH. Ich zucke leicht zusammen. Der Kuss ist unglaublich intensiv und steckt voller Leidenschaft und Verlangen. Kaito brummt leise. Mein ganzer Körper glüht. Er drückt mich fester an sich. Ich lege ihm meine Hände auf die Brust, er bebt. Ich fühle mich in diesem Moment so bereit wie noch nie. Es wäre der ideale Zeitpunkt, zwar nicht der ideale Ort aber wenigstens etwas.
Auf einmal löst Kaito seine Lippen von meinen „Das reicht“ sagt er keuchend „Sonst kann ich mich wirklich nicht mehr beherrschen.“ Ich sehe ihn verwundert an. „Aber das musst du doch nicht“ ich male mit dem Finger kleine Kreise auf seine Brust.
„Doch, ich will nicht das dieser Moment hier auf dieser alten Couch passiert. Ich habe mir etwas ganz besonderes überlegt“ sagt er. Ich verziehe enttäuscht den Mund. Er streicht mir durch die Haare „Du bist so wunderschön“ ich sehe ihm in die Augen und lächle. „Ich liebe dich“ sage ich sanft und lege meinen Kopf auf seine Brust. Er tätschelt mir den Kopf „Ich liebe dich auch“ diese Worte klingen so wunderschön. Sie sind genauso schön wie Schnee im Winter oder das Erblühen der Knospen im Frühling. Man kennt es aber freut sich jedes Mal aufs Neue darauf.

„Wie hat Audrey reagiert?“ fragt Kaito auf einmal. Ich falte die Hände unterm Kinn zusammen „Sie war nicht sonderlich überrascht. Sie hatte auch schonmal so einen Verdacht“ murmle ich, während ich ihn ansehe. Er starrt an die Decke „Ich hätte das nie von ihm erwartet“ Kaito legt seine Hand auf meinen Kopf. „Ich auch nicht. Dabei hat Audrey eine so gute Menschenkenntnis“ ich seufze „Im Gegensatz zu dir, oder was?“ fragt Kaito grinsend. „Hey, dass mit Finn war ein Ausrutscher“ ich pikse ihn in den Bauch. „Jaja“ murmelt er leise. Ich habe die Sache mit Finn schon fast wieder vergessen. Ich kann Audrey verstehen, es ist hart zu realisieren das eine Person, von der man meinte, sie zu kennen einen nur getäuscht hat.

„Mia“ ruft mich da jemand? „Mia“ ich öffne die Augen. Kaito sieht mich an. Wo bin ich? „Könntest du aufstehen? “ bittet er mich. Ich setze mich auf. Erst jetzt merke ich das ich auf seinem Bauch eingeschlafen bin. „Tut mir leid“ murmle ich und reibe mir über die Augen. Kaito setzt sich auf und reibt sich den Bauch. „Schon gut, ich hätte dich auch früher wecken können, aber du sahst so friedlich aus als du geschlafen hast“ sagt er lächelnd. „Wie spät haben wir es“ frage ich. Kaito dreht sich zur Uhr in der Küche. „Halb fünf“ antwortet er. „Halb fünf“ spreche ich nach. „Sind wir heute nicht dran mit dem Frühstück?“ fragt Kaito aus dem nichts Ich nicke und gähne laut. „Wann wollen wir aufstehen?“ er spielt mit meinen Fingern. Entgeistert sehe ich ihn an. Er denkt jetzt schon, um halb fünf ans Aufstehen? „So gegen halb 9?“ frage ich und hoffe das er eher Richtung zehn Uhr tendiert. „Klingt gut“ verdammt. Wieso habe ich nicht zehn Uhr gesagt. Schwerfällig schleppe ich mich Richtung Treppe. „Gute Nacht“ Kaito drückt mir einen Kuss auf die Lippen „Mach dir keine Gedanken wegen Tom und mir“ er verschwindet in seinem Zimmer. Oben angekommen krieche ich leise wieder unter meine Decke und rolle mich darin ein.

Kapitel 32

Der Wecker reißt mich aus einem sehr schönen und doch sehr verwirrenden Traum von mir und dem Genie aus Aladdin als Mitbewohner einer WG. Verschlafen öffne ich die Augen. Das Licht ist so grell, dass es schon weh tut. Ich werfe die Decke zurück und stehe auf. Mir wird kurz schwarz vor Augen. Vermutlich bin ich zu schnell aufgestanden. Ich schleppe mich zum Schrank herüber, ziehe meine graue Jogginghose und mein Cremefarbenes Crop Top heraus. Leise schließe ich die Tür und schleiche ins Bad. Ich wechsle in frische Unterwäsche und die ausgesuchten Sachen und sehe in den Spiegel. „Ich sehe echt schlimm aus“ ich wasche mir das Gesicht mit kaltem Wasser. „Es wird nicht besser“ sage ich zu meinem Spiegelbild und betrachte die dunklen Ringe unter meinen Augen. „Meine Freundin redet mit sich selbst“ ich fahre erschrocken herum. Kaito steht in der Tür und grinst mich an.

„Musst du mich so erschrecken“ meckere ich ihn an. „Tut mir leid, ich habe unten gewartet und dachte das du vielleicht noch schläfst“ ich suche nach meiner Haarbürste. „Brauchst du die?“ Kaito hält mir die Bürste unter die Nase. „Danke“ ich kämpfe mit den Knoten in meinen Haaren. Als sie endlich gelöst sind flechte ich die Haare zu einem Zopf zusammen. „Wir können“ sage ich und trete aus dem Bad. Kaito legt seinen Arm um mich „Hast du was Schönes geträumt?“ fragt er, während wir die Treppe herunter gehen. Ich erinnere mich an den Traum mit Genie „Frag lieber gar nicht“ antworte ich. In der Küche angekommen sehe ich ihn an. Er trägt ein graues Teng Top und rot schwarz karierte Shorts. „Wer macht was?“ fragt Kaito und reißt mich aus meiner Trance. „Ich decke den Tisch“ sprudelt es aus mir raus. „Ey“ Kaito reagiert zu langsam, ich bin schon mit dem Geschirr auf die Terrasse geflüchtet. „Das ist nicht fair“ ruft er mir hinterher.

Lachend verteile ich die Deckchen auf dem Tisch und darauf das Geschirr. Zurück in der Küche hat Kaito sich die Schürze umgebunden und brät das Rührei an. „Riecht gut“ ich schaue ihm über die Schulter. „Probier mal“ er hebt die Pfanne vom Herd und reicht mir eine Gabel. Ich puste auf das Stück Ei auf meiner Gabel und schiebe es mir in den Mund. Ich verbrenn mir fast die Zunge, aber es schmeckt hervorragend. „Das kannst du gerne auch mal Zuhause für mich kochen“ sage ich und trinke einen großen Schluck Wasser. Ich stelle Brot und diversen Aufschnitt auf den Tisch da fällt mein Blick auf Joels Müsli, das im Regal steht. „Wir haben doch irgendwo geraspelte Mandeln, oder?“ frage ich, während ich das Gewürzregal durchsuche. „Da oben“ Kaito deutet mit dem Finger auf eine kleine rote Dose im obersten Fach. „Na super“ ich strecke mich, um daran zu kommen, doch meine Finger berühren nur gerade so das Brett. „Was willst du damit?“ fragt Kaito und reicht es mir herunter. „Wirst du schon sehen“ ich öffne die Müsli Packung und streue etwas des feinen Pulvers hinein.

„Du weißt das er allergisch gegen Mandeln ist, oder?“ fragt Kaito während er dabei beobachtet. „Ich weiß, aber keine Sorge er stirbt nicht daran“ Kaito zieht die Augenbraue hoch „Es war nicht meine Idee“ ich verschließe die Packung und schüttle sie einmal gut durch. „Ich habe keine Lust hier am vorletzten Tag noch den Krankenwagen zu rufen“ mahnt mich Kaito. „Keine Angst, er bekommt nur Ausschlag“ ich stelle die Packung auf den Tisch. „Also ich wäre soweit“ sagt Kaito und stellt den Herd aus. „Wer holt wen?“ frage ich. Er denkt nach „Ich hol die Mädels und du holst die Jungs“ schlägt er vor. „Aber nur wenn du Cindy und Michelle mit weckst, Deal?“ ich strecke ihm die Hand hin „Deal“ er schlägt ein.

Mit einem lauten knallen öffne ich die Tür zum Jungs Zimmer. Ich manövriere mich bis zum Fenster und ziehe die Rollladen hoch. Die Jungs drehen sich in ihren Betten vom Licht weg „Aufstehen“ rufe ich. „Mia geh doch einfach“ stöhnt Leo und verkriecht sich unter seine Decke. „Nein, ich habe Hunger“ ich ziehe an seiner Decke. „Lass mich“ krampfhaft hält er die Decke fest „Leo komm schon steh auf“ flehe ich ihn an. „Komm schon, Audrey wartet schon“ er lässt die Decke los und ich rutsche nach hinten. „Hey“, meckere ich. Leo setzt sich auf und sieht mich misstrauisch an „Das ist ein gemeiner Trick. Ich weiß nicht, ob du bluffst oder nicht“ doch zu meinem Glück glaubt er mir und steht auf. Meckernd schlurft er aus dem Zimmer. Jetzt weiß ich wieso Kaito freiwillig Cindy wecken wollte. Die Jungs sind echt anstrengend. „Emilio, Zeit zum Aufstehen“ ich rüttle ihn an der Schulter. „Mia verpiss dich“ er dreht sich weg. „Ich will aber Essen“ sage ich und packe ihn am Arm. Ich ziehe ihn so lange am Arm, bis er aus dem Bett rutscht. Ein leiser Schmerzensschrei entweicht ihm. „Du bist echt brutal“ er reibt sich den Hinterkopf. „Wenn ich Hunger habe legt sich besser keiner mit mir an“ ich stemme die Hände in die Hüfte.
Ich nehme mir Kaitos Kissen und schlage Joel damit aufs Gesicht. Er schreckt hoch „Was soll das“ fährt er mich an „Ich dachte da wäre eine Spinne“ lüge ich und wende mich Tom zu. „Alle guten Dinge sind vier“ murmle ich. Ich beuge mich zu ihm herunter und sage „Tommilein, mein Engel“. Ich streiche ihm über den Rücken.
Er zuckt unter meiner Berührung. Er dreht sich zu mir um und grinst mich an „Hat da meine Göttin nach mir gerufen?“ ich grinse und klatsche ihm gegen die Stirn.
„Es gibt Frühstück“ lachend gehe ich aus dem Zimmer und lasse die Tür offen.
Kaito sitzt schon mit Leo und den Mädchen auf der Terrasse. „Was ist mit deinem Gesicht?“ frage ich Kaito als ich mich neben Audrey setze. „Als ich Cindy wecken wollte ist sie wütend geworden. Sie hat mir eine geklebt“ er grummelt vor sich hin. Die anderen trudeln wenige Minuten später ein und wir können endlich essen. Ich beobachte gespannt wie Joel sich sein Müsli in die Schüssel kippt. Genüsslich ist er die ganze Portion auf. „Ich muss kurz weg“ er springt auf und sprintet Richtung Bad. Kaito sieht mich an. Ich lache leise vor mich hin. Die anderen Mädchen sehen kurz zu mir herüber und verstehen schnell. „Respekt“ flüstert Cindy mir zu.

„Was machen wir heute zum Abschluss?“ frage ich mit vollem Mund. „Ein letztes Mal Strand? Und dann abends Essen gehen?“ schlägt Leo vor. „Klingt gut“ alle sehen Cindy überrascht an als sie so begeistert antwortet. „Ich find die Idee auch gut“ sagt Audrey und nippt an ihrem Saft.

Beim Umziehen im Zimmer bombardieren mich die anderen mit Fragen. „Ich hätte nicht gedacht das du das durchziehst“ sagt Laura lachend. „Ich bin gespannt, wie er gleich aussieht“ sagt Niki lachend. Ich schlüpfe in meinen pinken Bikini und tausche die Jogging Hose gegen pinke Shorts.

Kaum zu glauben das morgen der letzte Tag ist. Wir treffen uns mit den anderen vorm Auto. „Geht’s dir gut?“ frage ich Joel der am Auto lehnt. „Alles bestens“ er zieht sein T-Shirt etwas höher. Ich kann den Ausschlag auf seinem Nacken dennoch sehen. „Ich sitzt vorne“ rufe ich laut und setze mich neben Tom. „Schon wieder? “ fragt er grinsend. „Schon wieder“ antworte ich lachend. Am Strand angekommen schleppen wir unsere Sachen über den Sand hinüber zu den Pinienbäumen. Erleichtert werfe ich meine Tasche auf die Nadeln. „Es ist so warm“ jammere ich und lasse mich auf mein Handtuch fallen. „Na dann ab ins Wasser“ Tom zieht sein Shirt aus und sieht mich erwartungsvoll an. „Kommt ihr mit?“ ich sehe die anderen an. Cindy und Audrey grinsen sich verräterisch an. „Wir cremen uns erst ein und kommen dann nach“ ruft Audrey mir zu. „Alles klar“ flöte ich.

„Was habt ihr jetzt wieder vor?“ zischt Kaito mir zu. „Nichts nichts“ sage ich beschwichtigend. „Schatz soll ich dir den Rücken eincremen?“ fragt Audrey Joel. „Meinetwegen“ brummelt er. „Cindy kann ich mir deine Creme leihen?“ fragt sie freudig. „Aber sicher doch“ Cindy wirft ihr die Flasche herüber und Audrey verteilt die Creme großzügig auf seinem Rücken. Auf dem Weg zum Wasser fragt Kaito erneut „Was geht hier vor? Seit wann versteht ihr euch so gut mit Cindy“ misstrauisch sieht er über seine Schulter zurück. „Du wirst schon sehen“ antworte ich. „My Lady“ Tom hält mir seine Hand hin. Freudig ergreife ich sie und wir beide werfen uns in die heran rollende Welle. Wir werden von ihrer Kraft unter Wasser gedrückt und kräftig durchgewirbelt. Lachend tauchen wir beide auf. Kaito schwimmt neben mir und sieht mich immer noch misstrauisch an. „Schau nicht so“ sage ich und spritze ihm Wasser ins Gesicht. „Kommt“ ruft Tom den anderen zu.
Niki und Laura tasten sich zögerlich immer tiefer vor und Leo und Emilio ringen miteinander bis beide schließlich mit einem lauten Klatschen in Wasser landen.
Leo taucht neben mir auf und schüttelt seine Haare. „Was ist mit Audrey?“ fragt er und spuckt etwas Wasser dabei aus. „Audrey“ rufe ich über den Strand. Sie winkt mir zu und steht auf. Cindy und sie kommen kichernd zu uns herübergelaufen. „Der wird sich freuen“ tuscheln die beiden neben mir und sehen zu Joel herüber. Dieser schlendert langsam über den Strand zu uns herüber und fasst sich dabei immer wieder auf den Rücken. Kurz vorm Wasser bleibt er stehen und fängt wie wild an sich am Rücken zu kratzen. „Sagt mir nicht ihr habt ihm was in die Creme getan?“ fragt Tom leise neben mir. „Vielleicht“ antworte ich lachend. Kaito funkelt mich böse an. Mit einem kräftigen Satz springt Joel ins Wasser. „Verdammt, irgendwas brennt wie verrückt“ er befühlt seinen Rücken. „Dreh dich mal um“ sagt Emilio. Joel dreht sich und wir alle starren auf seinem knallroten Rücken.

„Kumpel dein Rücken ist krass rot“ sagt Emilio und pikst ihm in den Rücken. „Ey das tut weh“ beschwert er sich. „Der Ausschlag auf der Brust macht sich gut mit dem rot auf seinem Rücken“ flüstert Niki mir ins Ohr. Wir beide kichern wild „Ihr seid echt niederträchtig“ sagt Kaito und schubst mich. Joel reibt sich ständig über den Rücken, und jedes Mal, wenn er das macht grinsen Cindy und Audrey sich finster an. „Ich hoffe ich mache dich nie so sauer“ sagt Kaito und legt seine Arme um mich. „Will ich auch für dich hoffen“ ich sehe ihn eindringlich an. Er sieht nervös auf mich herunter. Ich drehe mich zu ihm um und lächle „Keine Sorge, so viel Mist kannst du gar nicht bauen“ er lächelt und küsst mich. „Ihr seid ja kaum noch auseinander zu kriegen“ ruft Tom zu uns herüber. Ich schüttle den Kopf und schwimme zu ihm herüber. „Du bist auch um keinen Spruch verlegen“ sage ich und paddle wild mit den Füßen. „Deswegen verstehen wir uns ja so gut, weil du das genauso gut kannst wie ich“ er wischt sich ein paar blonde Locken aus der Stirn. „Sieh dir die beiden an“ er deutet mit dem Finger auf Emilio und Niki.
Die beiden sitzen in der Brandung und unterhalten sich. Ich bemerke Emilios Blick, er sieht Niki ganz anderes als vorher an. Sie bemerkt es gar nicht aber seine Augen folgen jeder ihrer Bewegungen. „Süß, oder?“ rutscht es mir raus. „Du meinst, wie er sie insgeheim anschmachtet? “ Tom klatscht aufs Wasser. „Das wird der Königin nicht gefallen“ fügt er hinzu. Ich sehe zu Cindy herüber. Sie sieht nur kurz zu den beiden herüber, dann unterhält sie sich weiter mit Michelle.
„Du siehst glücklich aus“ er sieht mich an.
„Bist du glücklich, ich meine mit Kaito?“ ich bin von der Frage echt überrumpelt. Ich sehe zu Kaito herüber. Er und Leo spielen mit Laura Wasserball.
„Ich bin glücklich“ sage ich leise. Tom rutscht an mich heran und legt seinen Arm um mich.

Ich blinzle gegen die Sonne, um ihm in die Augen zu schauen „Wenn er meiner besten Freundin weh tut gibt’s ziemlichen Ärger.“ Kaltes Wasser tropft mir von seinen Locken ins Gesicht. „Ich weiß“ ich zwinge ihm eine lange nasse Umarmung auf. „Lass los, sonst denkt er noch wir hätten was miteinander“ er löst meine Arme von ihm und deutet mit dem Kopf hinter mich.
Ich drehe mich um und bemerke wie Kaito uns misstrauisch beäugt.
„Wollen wir etwas essen?“ fragt Tom und geht Richtung Strand. Ich schwimme ihm hinterher. Die anderen folgen uns und platzieren sich im Kreis um unseren Essensberg. Joel kratzt sich immer noch wie verrückt am Rücken herum.
„Vielleicht wurdest du von irgendwas gestochen“ sage ich und kaue auf meinem Sandwich herum. „Vermutlich“ murmelt er und kratzt weiter. Cindy sieht mich stolz an. „Wann wollen wir ungefähr fahren?“ fragt Tom und sieht auf sein Handy.
Ich schaue in die Runde. „In zwei Stunden vielleicht?“ schlägt Niki vor und greift nach einer Serviette. Keiner widerspricht.
Die Jungs spielen mit ein paar Italienern Fußball, Cindy und Michelle liegen in der Sonne, Audrey liest im Schatten der Bäume und Laura hört Musik.
Ich sehe mich nach Niki um. Sie sitzt etwas Abseits an einem Baum und schaut den Jungs zu.
„Macht’s Spaß? ich setze mich neben sie. „Irgendwie“ murmelt sie, ohne mich anzusehen. „Alles gut? “ frage ich besorgt. „Weißt du-“ setzt sie an „ich weiß nicht, wie lange ich noch warten soll“ ich verfolge ihren Blick. „Du meinst wegen Emilio?“ sie nickt stumm. „Ich meine wir haben uns eben super verstanden und er verbringt mehr Zeit mit mir als mit Cindy, aber ich weiß das er immer noch mit dem Herzen bei ihr ist“ ich würde ihr am liebsten sagen das die beiden seit zwei Tagen nicht mehr zusammen sind aber das ist nichts in das ich mich einmischen sollte.

„Aber du liebst ihn immer noch, oder?“ sie sieht mich an „Als ob das sich so schnell ändern würde.“ Ich verstehe das, ich habe so lange auf Kaito gewartet und das Gefühl des Wartens war das schmerzhafteste. Emilio sieht zu uns herüber und winkt. „Ich glaube du solltest noch etwas warten. Ich habe das Gefühl, dass sich bald einige Dinge ändern werden“ Niki sieht mich an „Das sagst du doch nur so.“ Sie steht auf und legt sich zu Cindy und Michelle in die Sonne. Ich sage das nicht nur so, ich weiß das. Kaito winkt mir zu. Ich beobachte sie noch eine ganze Weile beim Fußball. Kaito hat gute Reflexe, er reagiert Blitz schnell. Er scheint wirklich Spaß zu haben. Es ist schön ihn so viel Lachen zu sehen. Meine Augen scannen jeden Millimeter seines Körpers ab. Er sieht so unglaublich gut aus.
„Mia“ ich werde wachgerüttelt. Wie kann es sein, dass ich immer am Strand einschlafe? „Wir wollen fahren, zieh dich an“ Kaito kniet vor mir im Sand.
„Ist gut“ ich stehe auf, mir wird ganz schwindelig. „Ich glaube du hast einen Sonnenbrand“ er drückt mir auf den Oberarm. Ich betrachte meine knallrote Haut „Ach menno“ jammernd zieht er mich hinter sich her zu unseren Sachen.
Ich werfe mir meine Klamotten über die bereits trockenen Badesachen. „Du siehst aus wie Mr. Crabs aus SpongeBob“ sagt Tom grinsend als ich mich vorsichtig auf dem Beifahrersitz platziere. „Sag nichts“ warne ich ihn.
Er verkneift sich ein blödes Grinsen. Ich lege eine CD ein und drehe laut. „Gibt es nichts anderes?“ meckert Joel von hinten. „Nein“ich drehe lauter und singe aus vollem Halse „You’re just too good to be true, can’t take my eyes off of you”. Tom singt lautstark mit „You’d be like heaven to touch. I wanna hold you so much” lachend sehe ich aus dem Fenster. „Ihr singt grauenhaft“ Kaito lehnt sich zwischen den Sitzen hervor. Ich boxe ihn gegen die Schulter „Du kannst es natürlich besser, du vergessener Backstreet Boy“ scherze ich.
Er will sich das Grinsen verkneifen, doch ich sehe es dennoch. „Backstreet Boy?“ fragt Tom lachend „Sei leise“ Kaito verzieht sich wieder nach hinten. Das bleibt unser kleines Geheimnis.
Kapitel 33

Am Haus angekommen sprinte ich aus dem Auto „Ich dusche zuerst“ rufe ich, bevor ich die Treppe hoch verschwinde. Manchmal muss man sich eben vor drängeln.
Ich will genug Zeit, um mir später fürs Essen die perfekte Frisur zu machen. Binnen Rekordzeit bin ich geduscht und stehe in ein Handtuch eingewickelt im Flur. „Fertig“ brülle ich durchs Haus und Laura kommt die Treppe hoch gejoggt und verschwindet im Bad. „Hübsch“ Kaito erschreckt mich zu Tode. Er sitzt auf meinem Bett und blättert in meinen Büchern herum. „Meine Güte, musst du mich jedes Mal so erschrecken?“ frage ich ihn und suche mir Unterwäsche aus dem Schrank. Ich sehe ihn auffällig an. Verwirrt starrt er zurück „Würdest du bitte“ ich deute ihm an sich umzudrehen. „Wir sind doch ein Paar“ meckert er aber dreht sich brav um.
Ich schlüpfe schnell in meine Unterhose und versuche krampfhaft den BH hinterm Rücken zu verschließen. „Braucht da jemand eine helfende Hand?“ ich fahre herum. Kaito grinst mich an „Ich habe doch gesagt nicht umdrehen“ zische ich „Habe ich auch erst nicht gemacht. Aber dann habe ich gehört, wie du leise geflucht hast“ verteidigt er sich. Beschämt sehe ich auf den Boden.
„Komm schon. Das ist doch genauso als würde ich dich im Bikini sehen, nur etwas knapper“ er kommt auf mich zu. „Lass mich mal“ ich drehe mich um.
Mit den Händen halte ich den BH oben und Kaito versucht ihn zu verschließen. Seine Hände sind eiskalt, eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Rücken aus.
„Tut mir leid“ sagt er. Ich höre ein Klicken „Danke“ er lässt los und dreht sich brav wieder zur Wand.

„Also jetzt brauchst du auch nicht mehr wegsehen“ sage ich und sehe mir die einzelnen Kleiderbügel an. „Ich glaube ich bleibe noch ganz kurz so“ sagt er leise und seine Ohren leuchten in einem strahlenden Rot.
Ich ziehe ein knielanges hellblaues Kleid heraus. Es ist rückenfrei und hat einen tiefen Ausschnitt. Um die Taille binde ich mir einen schwarzen Gürtel mit kleinen Glitzersteinen drauf. „Ich hätte nie gedacht das du mal meinetwegen rot werden würdest“ ich setze mich zu ihm aufs Bett. „Wenn es nur das wäre“ nuschelt er. Ich beuge mich zu ihm. Mit hochrotem Kopf drückt er sich ein Kissen in den Schritt.
Ich kichere leicht „Ich kann nichts für die Reaktion meines Körpers“ brummelt er vor sich hin.
Ich stecke den Lockenstab an die Steckdose und beginne damit meine Haare einzudrehen. „Du siehst toll aus“ Kaito sieht mich an „Danke“ ich betrachte ihn genau. Er trägt seine schwarzen knielangen Shorts und ein lockeres weißes Hemd. „Magst du mir helfen?“ frage ich und halte ihm den Lockenstab hin. Es ist schwer sich alleine die Haare am Hinterkopf zu locken.
„Das erinnert mich an den Abend vom Sommerfest“ sagt er, während er eine paar Strähnen eindreht. Das Sommerfest letztes Jahr wurde von unserer Schule veranstaltet. Es war Pflicht hinzugehen, ich habe es gehasst. An dem Abend war Kaito auch bei mir, er wollte mit mir zusammen hinfahren, um sich dort mit seiner Verabredung Lucia Veras zu treffen. Einem Mädchen aus seinem Kampfsport Studio. Ich weiß noch genau wie schmerzhaft dieser Abend für mich war.
Er hat mir glassklar aufgezeigt das ich für ihn nichts weiter als eine beste Freundin war. Er hat in den höchsten Tönen über Lucia geredet, sie in den Himmel und noch viel höher gelobt.

Ich hatte ihn gebeten mir bei den Locken zu helfen, aber er war so vertieft in seine Schwärmerei das er sich die Hände am Lockenstab verbrannte.
„Oh, du meinst der Abend, an dem du dir die Hand verbrannt hast“ nuschle ich leise. „Schau-“ er hält mir seine Hand vors Gesicht „ich habe immer noch die Narben davon. Sie erinnert mich jetzt immer wieder daran was für ein Idiot ich war. Weil ich vor dem schönsten Mädchen der Welt von einer anderen geschwärmt habe“ er streicht mir sanft durchs Haar. Ein leises verächtliches Schnauben kann ich mir nicht verkneifen „Schleimer“ sage ich. „Nun komm, da sage ich mal etwas wirklich Romantisches und du nimmst mich nicht ernst“ beschwert er sich.
„Ich nehme dich ernst, aber Lucia ist wirklich unglaublich schön, da kann ich nicht mithalten“ ich stehe auf und betrachte mein Locken im Spiegel. Im Spiegelbild sehe ich wie Kaito mich mit hochgezogener Augenbraue ansieht. Er steht auf und kommt zu mir herüber. Er dreht mich zu sich und legt mir die Hände auf die Schultern.
Er beugt sich zu mir herunter und sieht mir direkt in die Augen „Wieso versteckt sich ein Panther vor einer kleinen Maus? Du hast keinen Grund so etwas zu sagen, in meinen Augen bist du das hübscheste Mädchen auf diesem Planeten“ seine Worte nehmen mir Großteils meiner Ängste, aber zu wissen das er vor mir so viele andere Optionen hatte schüchtert mich schon ein. Ich frage mich dauernd, ob er mich mit ihnen vergleicht, ob ich gut genug bin oder ob er seine Entscheidung manchmal bereut. Doch wenn er dann solche Worte zu mir sagt verschwinden plötzlich all die Stimmchen aus meinem Kopf die mir all die Unsicherheiten zu flüstern. „Die schönste auf diesem Planeten. Und was ist mit den anderen Planeten?“ grinsend sehe ich zu ihm hoch. Verwirrt sieht er mich an, erst wenige Sekunden später versteht er. „Die schönste auf diesem und jedem anderen Planeten“ sagt er mit einem schiefen Grinsen auf den Lippen.
Ich will mich gerade von ihm wegdrehen, um mir meine Heels anzuziehen da zieht er mich zu sich ran und küsst mich. Seine Zunge sucht in meinem Mund nach meiner. Alles in mir beginnt zu kribbeln. Nach einer gefühlten Ewigkeit löst er sich von mir. Ich schnappe nach Luft „Jetzt bist du rot“ sagt er stolz. Auch wenn ich es nicht zugeben will kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Hand in Hand gehen wir zu den anderen nach unten. Niki und Emilio sitzen Arm in Arm auf der Couch und schauen irgendeine italienische Kochsendung. Tom und Leo stehen mit Joel in der Küche und schießen eine leere Plastikflasche wild umher.
„Auf wen warten wir noch?“ fragt Kaito. „Cindy und Michelle ziehen sich noch schnell um“ ruft Emilio uns von der Couch zu. „Habt ihr Audrey gesehen?“ frage ich die Jungs „Ich glaube sie ist draußen“ sagt Leo, ohne von der Flasche abzulassen.
Ich löse mich von Kaito und gehe hinaus auf die Veranda. Audrey sitzt vorm Haus auf der Treppe und starrt Löcher in den Boden. „Schönes Kleid“ ich setze mich neben sie. Sie trägt ihr sonnengelbes knöchellanges Sommerkleid. Es ist trägerlos und liegt oben eng an. Es ist mit einer großen blauen Schleife auf Taillen Höhe verziert. „Ich sehe aus wie Belle hat Leo gesagt“ ich bin nicht sonderlich überrascht. Wenn jemand so etwas sagen würde dann Leo. „Hat es dich nicht gefreut?“ frage ich, weil sie so bedrückt aussieht. „Doch, und dass ist das Problem“ verwundert warte ich ab was sie zu sagen hat. „Ich meine sieh mich an. Ich bin eine absolute Versagerin. Ich war dumm genug mich von Justin reinlegen zu lassen und nun betrügt mich mein Freund. Ich meine das will sich doch keiner antun. Wenn Leo das wüsste würde er mich bestimmt auch nicht mehr mögen“ ich lege ihr eine Hand auf den Unterarm. „Du weiß das das nicht stimmt. Leo würde dich trotzdem mögen. Du weißt er ist nicht so oberflächlich ist wie manch anderer“ ich weiß das Leo sie glücklich machen könnte.

Ich wünschte nur sie würde das auch sehen. „Ich weiß“ nuschelt sie leise.
„Wir können“ die Jungs stürmen aus dem Haus. Alle sind so gut es geht schick zurecht gemacht. Ich klopfe etwas Dreck von Toms Hemd Kragen „So ist es besser“ sage ich. „Wie gefällt dir dieses Hemd?“ fragt er. Er trägt ein weißes Hemd mit kleinen blauen Booten darauf. Seine Haare hat er mit einem Band so gut es geht nach hinten gebunden. „Sieht schick aus, mir gefallen die zerrissenen Shorts“ scherze ich und zupfe an seiner Hose. „Ich habe keine bessere“ beschwert er sich.
Ich wende mich wieder Audrey zu, doch sie ist schon im Auto verschwunden.
„Mach dir keine Sorgen, sie packt das“ sagt Cindy die wie aus dem nichts hinter mir aufgetaucht ist. Sie trägt einen hellbraunen Hosenanzug mit offenem Rücken. Ihre Haare hat sie zu einem lockeren Dutt hochgesteckt. „Woher willst du das Wissen?“ frage ich sie leicht angesäuert. „Starke Frauen erkenne ich überall“ mit hochgerecktem Kopf stolziert sie an mir vorbei. Michelle trottet ihr in ihrem geblümten weißen Kleider brav hinterher. Die beiden sind echt nicht auseinander zu kriegen. Trotz ihres Streits sind sie wieder ein Herz und eine Seele.
„Kommst du?“ Laura steht erwartungsvoll neben mir. Sie sieht wunderschön aus.
Sie trägt eine weiße Bluse und einen Mintfarbenen knielangen Rock. „Wow, du siehst toll aus“ sage ich beeindruckt. „Danke“ sie wird rot. „Halt still“ bevor sie mich aufhalten kann habe ich ein Foto gemacht. „Das schicke ich an Tao, der soll ruhig sehen, wie scharf du in diesem Outfit aussiehst“ sie reagiert zu langsam und das Foto ist bereits abgeschickt als sie mir das Handy aus der Hand reißt.
Zufrieden gehe ich zum Auto und quetsche mich hinten neben Kaito. Nachdem Laura sich auf dem Beifahrersitz platziert hat fährt Tom los.
In der Stadt angekommen schlendern wir gelassen durch die beleuchteten Gassen.

Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, alle spüren das heute unser letzter Tag hier ist. Die Straßen sind voll, fast so als wäre die ganze Stadt heute auf den Beinen. „Geht es ihr gut?“ fragt Leo mit einer leichten Kopfbewegung in Audreys Richtung. Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß wirklich nicht, ob sie damit klarkommt.
Es war bestimmt zu viel. Sich wieder an Justin Charles zu erinnern und dann gleichzeitig von Joel so hintergangen zu werden. „Ich bin sicher ihr geht es gut“ sage ich obwohl ich es nicht so meine. Leo glaubt mir genauso wenig wie ich mir selbst, doch er gibt sich mit der Antwort zufrieden und geht zu Tom herüber.
Als die andern sich gerade die Speisekarte eines Restaurants durchlesen ziehe ich Audrey beiseite. „Wie lange willst du das eigentlich noch laufen lassen? Alle machen sich Sorgen“ sie sieht mich an. „Ich weiß es nicht, ich weiß es wirklich nicht“ sie seufzt „Weißt du was das Schlimmste ist, ein Teil von mir will ihn am liebsten Tod sehen doch der andere Teil liebt ihn immer noch, er kann ihn einfach nicht hasse und dafür hasse ich mich selbst.“ Ich weiß nicht was ich ihr sagen soll. Ich versteh sie, ich verstehe sie wirklich. Man hasst sich selbst so sehr dafür, dass man die Person, die einen verletzt hat, immer noch nicht loslassen will. Es tut weh daran zu denken sie komplett aus deinem Leben zu streichen. Du denkst daran, wie es ist, ohne sie zu leben, daran wie es ist sie nie wieder zu sehen und du denkst daran, wie es ist nie mehr ihre Nähe zu fühlen und all das macht dich unglaublich traurig.
So traurig, dass du fast dazu bereit bist über alle vorher begangenen Fehler hinweg zu sehen aber es dennoch nicht willst. „Verstehe“ sage ich und kann nichts weiter tun als ihr die Hand zu halten. Irgendwann gesellt sich Niki zu uns und wir laufen eingehakt zusammen durch die Stadt. Keine sagt ein Wort, wir alle schauen nur still auf die kalten Wände der Häuser um uns herum.

Es fühlt sich dennoch gut an, einfach zu wissen das deine Freunde da sind und auch nicht weg gehen.

Nach einer langen Diskussion entscheiden wir uns schlussendlich für ein Meeresfrüchte Restaurant am Rande der Stadt.
Wie gebannt starre ich auf das Aquarium, das hinter den anderen steht. In ihm tummeln sich Hummer und mehrere große Krebse die wild übereinander krabbeln. „Lecker, oder?“ Tom schreckt mich aus meiner Trance hoch. „Was?“ „Das Menü?“ er deutet auf die Karte. Ich scanne schnell mit den Augen die verschiedenen Speisen ab. Nach einer kurzen Überlegungspause entscheide ich mich für Spagetti mit frisch gefangenem Oktopus. Ich würde am liebsten Krebs essen, aber ich kann nicht mitansehen, wie sie einen der Krebse aus dem Becken holen würden.
Das Restaurant ist klein und schlicht aber hat seinen ganz eigenen Charm. Von der Decke hängen kleine weiße Körbe aus denen Efeu seine Ranken nach unten streckt und überall stehen Aquarien. Alle befüllt mit den unterschiedlichsten Fischen. Sie sind nicht zum Verzehr, sondern nur um den Gast zu bezaubern und es funktioniert. Fasziniert beobachte ich wie ein kleiner Clownfisch immer wieder um seine Anemone herumschwimmt. Als die Kellner das Essen auf den Tisch stellen inspizieren die anderen genaustens das Essen von allen, um festzustellen, ob sie das richtige bestellt haben. Ich betrachte Kaitos frittierte Garnelen „Willst du eine?“ fragt er als er meinen Blick bemerkt. Dankend nehme ich das Angebot an. Das Essen schmeckt hervorrangen. Ich glaube ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so guten Tintenfisch. „Du hast da was“ Kaito wischt mir mit der Serviette über die Wange. Peinlich berührt sehe ich auf meinen Teller „Danke“ sage ich leise und er lacht. „Lasst uns anstoßen“ Tom hebt sein Wasserglas und wir unsere Wein Gläser.
 

„Auf einen tollen Urlaub der auch nach ein paar kleinen Ausrutschern- “ er sieht zu mir herüber „einer der schönsten meines Lebens war.“ Wir stoßen darauf an. Ich bin so froh, dass ich mitgekommen bin und so froh, dass Kaito gefragt hat.
Diese sieben Tage haben so viel verändert. Ich habe Kaito endlich meine Gefühle offenbart und er hat sie tatsächlich erwidert. Laura hat sich verliebt und Michelle hat einen Freund gefunden und selbst mit Cindy haben wir uns halbwegs vertragen. Ich bemerke, wie traurig Niki und Audrey beide dreinschauen. Stimmt, die beiden haben noch Dinge, die sie klären müssen. Emilio bemerkt Nikis Blick und flüstert ihr etwas ins Ohr. Sie lacht. Ich hoffe er weiß was er tun muss. Ich hoffe es wirklich.
Nach dem Essen klammere ich mich an Kaitos Arm fest. Der Boden unter meinen Füßen dreht sich leicht „Das waren wohl ein paar Gläser zu viel“ scherzt Kaito und zieht mich näher zu sich. „Gar nicht“ lache ich. „Ich mag es, wenn du mich so hältst“ rutscht es mir heraus. „Das hast du gerade aus Versehen laut gesagt, oder?“ fragt er lachend. „Ja“ antworte ich kleinlaut. Kaito verschränkt unsere Finger ineinander „Ich mags auch dich so zu halten“ sagt er. Es ist eine warme Nacht, der Wind weht so langsam durch die Gassen das man meinen könnte er würde schlafen.
„Du riesiges Arschloch“ schreit Audrey auf einmal. Wir drehen uns überrascht um. Audrey steht mit hochrotem Kopf vor Joel und brüllt ihn an. Er lacht nur und sagt „Selber schuld du Hure“ Audrey dreht sich um und rennt weg. Ich will ihr hinterher, doch Kaito packt mich am Handgelenk und hält mich fest. „Er macht das schon“ sagt er. Leo läuft ihr hinterher und verschwindet im Dunkeln. Niki und ich stellen uns Joel in den Weg „Was hast du zu ihr gesagt?“ keift Niki ihn an. „Nichts, sie hat es doch verdient“ er schiebt sich an uns vorbei. „Bleib stehen“ rufe ich, doch er geht einfach weiter. Alle Leute um uns herum sind stehen geblieben und starren uns an. „Komm beruhig dich. Leo holt sie zurück“ Kaito versucht mich zu beruhigen.
„Ich würde ihm so gern dieses dreckige Grinsen aus dem Gesicht schlagen“ grummle ich vor mich hin. Joel setzt sich auf den Bordstein und zündet sich eine Zigarette an.

Kapitel 34

Audrey

Weinend renne ich durch die Gassen der Stadt. „Audrey“ ruft Leo mir hinterher.
Es ist genau wie auf dem Jahrmarkt, es ist wie ein Déjà-vu. Die Tränen verwischen mir die Sicht. Mit Mühe und Not stolpere ich über das Kopfsteinpflaster. Ich stürme durch ein Eisengatter in einen kleinen Park und verkrieche mich hinter einem großen Baum. Die Tränen fließen in Strömen über mein Gesicht, ich kann aufatmen. Wieso musste ich das sehen? Wieso musste er es genau vor meinen Augen tun? Im Restaurant habe ich die ganze Zeit gesehen, wie er diese eine Kellnerin angestarrt hat, ich habe es gesehen und er wusste es. Und dennoch hat er weiter gemacht, so als würde es für ihn gar keinen Unterschied machen, ob ich da bin oder nicht.
„Wieso finde ich dich immer, wenn du weinst?“ Leo steht plötzlich außer Atem vor mir. „Du hast echt ein gutes Tempo drauf und du versteckst dich immer besser“ keucht er und lässt sich neben mich fallen. Ich muss ungewollt lachen. Hör auf zu weinen, hör auf. Aber egal wie sehr ich es will, die Tränen brechen sich immer wieder ihren Weg. „Was ist passiert?“ fragt er und sieht mich an.
„Ich habe es gesehen, ich habe ihn gesehen“ schluchze ich. „Joel? Was hat er getan?“ fragt er sanft. Ich will es nicht sagen, wenn ich es sage wird es Realität und ich kann es nicht mehr leugnen. Ich kann dann nicht mehr so tun als wäre alles in Ordnung, als hätte ich alles unter Kontrolle. „Du willst es nicht sage, oder? Vertraust du mir immer noch nicht?“ fragt er geknickt. Er wird mich hasse, er wird mich bemitleiden und das ist sogar noch viel schlimmer.
Ich hasse es, wenn Leute auf mich herabsehen, wenn sie mich mit diesem Augen ansehen. Diese Augen, die dir sagen das dein ganzes Leben ein Witz ist.
„Ich will nicht das du mich hasst, ich will nicht das du weißt was für eine Versagerin ich bin“ schluchze ich.
Ich erwarte das er aufsteht und geht, dass er mich einfach in Ruhe lässt, bevor ich anfange mich an seine Gegenwart zu gewöhnen, doch er lacht nur. Er lacht. „Du nennst dich eine Versagerin? Dann passen wir ja perfekt zusammen“ sagt er.
„Ich meine, sieh mich an. Ich renne einem Mädchen hinterher, das mich nicht einmal angelächelt hat. Ich kann sie nicht aufgeben, obwohl ich keine Chance bei ihr habe, weil sie viel zu hübsch und viel zu klug für mich ist. Ist das nicht traurig?“ er schaut in den Himmel. „Wieso? Wieso machst du es dann?“ frage ich leise. Er legt die Stirn in Falten und denkt nach, dann sieht er mich an und lächelt.
Es ist ein schmerzhaftes, trauriges Lächeln. Seine Mundwinkel mögen sich zwar fröhlich nach oben recken, doch seine Augen lächeln nicht mit. „Wieso, fragst du. Weil ich sie liebe. Ich will einfach bei ihr sein, selbst wenn es nur als stiller Beobachter ist“ überrascht über diese aufrichtigen Worte hören meine Tränen auf zu fließen. Ich ziehe die Knie unters Kinn und umschließe sie mit den Armen.
„Joel hat mich betrogen, vermutlich mehr als einmal“ sage ich gezwungen gleichgültig. Ich warte darauf das er mir sagt, wie schlimm das ist und das er mich bemitleidend. „Verstehe“ ist das einzige was er sagt. „Ist das alles was du zu sagen hast?“ frage ich entgeistert. „Willst du denn mehr hören?“ kontert er geschickt.
Mir fällt keine Antwort ein also schweige ich. „Seit wann weißt du es?“ fragt er schließlich. „Die anderen haben es mir gestern gesagt, aber ich hatte schon mehrmals diesen Verdacht und heute hat er sich dann bestätigt“ es tut weh das laut auszusprechen. „Was hast du gesehen?“ fragt er weiter.
„Er hat mit dieser Kellnerin geflirtet und als wir raus sind, da hat er gefehlt. Ich bin zurück, um ihn zu suchen und dann habe ich sie gesehen. In einer der dunklen Seitengassen hinter dem Restaurant. Ich habe gesehen, wie er sie angefasst hat, wie er sie genauso berührt hat wie mich“ ich stoppe kurz. Leo legt mir beruhigend seine Hand auf die Schulter. „Er hat mich bemerkt und als die Frau gefragt hat wer ich sei hat er nur gesagt, ich sei ein Niemand, dass tat so unglaublich weh. Alles andere war neben Sache. Ein Niemand, ich bin ein niemand für ihn“ die Tränen brennen mir im Hals. Mein Herz verkrampft sich schmerzhaft. Ein Niemand. Ich bin ein Niemand für ihn, ich habe ihm vertraut, ich habe ihm mein Herz geschenkt. „Und du willst immer noch bei ihm sein?“ fragt er und überrumpelt mich mit der Frage. Will ich immer noch bei ihm sein? „Nein, es ist vorbei“ sage ich, ohne groß nachzudenken. Leo sieht wieder in den Himmel „Jeder macht Fehler, trifft dumme Entscheidungen, vertraut den falschen Leuten. Doch das Leben geht weiter und du wirst wieder jemanden finden der dich genauso liebt, wie du ihn“ „Woher willst du das Wissen?“ frage ich ihn. Er steht auf und klopft sich den Dreck von den grauen Shorts „Naja, du hast es geschafft das ich mich in dich verliebe, du wirst es wieder schaffen“ der Mond hinter ihm taucht ihn in ein milchiges Licht. Ich stehe auf und sehe ihn stumm an.
„Habe ich was im Gesicht?“ fragt er nervös. Ich sehe ihn weiter stumm an. Ich hätte nie gedacht das ich ihm mal so dankbar sein würde. „Danke“ er sieht mich verwirrt an. Ich wische mir über die nassen Augen. „Hier“ er hält mir ein Tuch unter die Nase. „Schon wieder?“ frage ich lachend. „Ich habe immer welche dabei, für den Notfall“ er sieht eingeschüchtert zu mir runter. Ah verstehe, weil ich schon so oft vor ihm geweint habe. „Ich wünsche mir das du in meiner Gegenwart nicht immer weinen würdest. Dein Lächeln ist viel schöner und irgendwann werde ich dich dazu bringen es mir zu zeigen“ er setzt sein breitestes Grinsen auf.
Er hält mir seinen Arm hin und ich nehme ihn dankbar an. Zusammen gehen wir über das Kopfsteinpflaster zurück. „Ich verspreche, dass du mir so schnell nicht mehr hinterherrennen musst“ ich lege die Hand aufs Herz. „Ich würde dir überall hinterherrennen“ antwortet er lachend.
„Wenn ich dich vor Joel auf diese Art kennengelernt hätte-“ „Nicht“ unterbricht er mich. „Bitte sag das nicht, ich denke darüber jeden Tag aufs Neue nach. Ob ich irgendwas hätte tun können damit du mich wählst und nicht ihn. Und wenn du jetzt sowas sagst bilde ich mir nur wieder ein eine Chance bei dir zu haben“ ich höre deutlich wie seine Stimme zittert. Ich sehe zu ihm hoch. In seinen Augen glitzern Tränen. Ich bleibe stehen und nehme sein Gesicht in meine Hände. „Es tut mir so leid“ hauche ich leise. Er nimmt meine Hände von seinem Gesicht und hält sie einfach nur fest. „Bitte, hör auf. Ich meine-“ seine Stimme bricht „Ich meine ich versuche wirklich einfach nur für dich da zu sein, aber du machst es mir so unglaublich schwer. Es tut mir selbst auch weh, es tut mir weh dich so leiden zu sehen, es tut mir weh zu sehen, wie du ihn ansiehst und es tut mir weh zu wissen das egal was ich mache du in mir nichts anderes sehen wirst als der nervige Typ der ich mal war“ er holt tief Luft und blinzelt die Tränen weg.
„Es tut so weh, ich wäre so gern an deiner Seite. Ich bereue es jeden Tag das Joel an meiner Stelle damals in der Bar war als dir das passiert ist. Ich hasse mich selbst dafür das ich nicht verhindert habe das er dir so weh tut und jetzt zu sehen, wie du darüber redest nie wieder glücklich sein zu können tut weh. Denn ich schütte dir mein Herz aus, ich versuche dich aufzubauen in dem ich dir meine Gefühle offenbare, aber du tust so als ginge es dabei nicht um dich. Als wüsstest du nicht das ich dich meine. Ich meine aber genau dich“ er lässt mich los und geht einige Meter weiter.

Dann dreht er sich um und sagt völlig verzweifelt „Sag mir nur eins, hätte ich jemals eine Chance gehabt? Nicht jetzt, auch nicht morgen, aber jemals?“ es tut mir so weh ihn so leiden zu sehn. Es ist meine Schuld. Es ist allein meine Schuld das er so verzweifelt ist. Natürlich weiß ich das er eben von mir geredet hat, und ich weiß das er alles versucht um mich aufzuheitern. Ich sehe was er tut, aber er hat Recht ich habe ihm nie auch nur irgendwas zurückgegeben. Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass er da ist, wenn es mir schlecht geht. Ich habe mich an sein Lächeln gewöhnt, an dieses wunderschöne Lächeln. Ich könnte es mir stundelang ansehen. Wenn ich so drüber nachdenke dann warte ich fast schon auf ihn, ich meine, wenn ich weine dann ist er immer in der Nähe und hört mir zu. Er hat all meine Launen ertragen und mir immer zu gehört egal was ich gesagt habe. Langsam gehe ich auf ihn zu, lege meine Hand in seinen Nacken und sehe ihn an. Seine Augen strahlen solch eine Trauer aus, ich will sie nie wieder so traurig sehen. Ich ziehe ihn zu mir runter und küssen ihn. Ich habe keine Ahnung, warum ich das mache, aber es fühlt sich einfach richtig an. Erst sträubt er sich gegen den Kuss, doch dann lässt er es zu und entspannt sich.
„Bin ich jetzt nur deine zweite Wahl?“ fragt er mit traurigen Augen. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht, wieso ich so reagiert habe. Es war falsch, jeder würde sich dann nur wie der Lückenbüßer fühlen, doch mein Körper hat eigenmächtig gehandelt.
„So würde es das nicht sagen. Ich habe mich schon lange emotional von Joel entfernt und ich glaube wirklich das du der richtige bist“ er scheint mir nicht ganz zu glauben. Ich lasse ihn los und gehe voraus „Ist okay, wenn du mich nicht willst, ich meine jetzt nicht“ wie vom Blitz getroffen rennt er auf mich zu und hebt mich hoch. „Ist mir doch egal die wievielte Wahl ich bin. Die Hauptsache ist das du mich gewählt hast“ er strahlt vor Freude und wirbelt mich durch die Luft.

Ich habe Angst, ich weiß nicht ob dies die richtige Entscheidung ist, aber es fühlt sich richtig an. Leo wird mir guttun, dass weiß ich einfach. Ich weiß es, wenn ich in diese Augen schaue. Ich weiß es, wenn ich fühle, wie behutsam er mich berührt und ich weiß es, wenn ich spüre, wie sanft er mich küsst. Wir gehen Hand in Hand zu den anderen zurück. „Was glaubst du wie sie reagieren werden? “ fragt Leo, während wir gehen.
Ich denke kurz nach „Also ich glaube Mia, Niki und Laura werden mir um den Hals fallen und mir dauernd vorschwärmen, wie toll das ist. Danach werden sie dir einen freudigen Klapps geben und dir damit ihren Respekt zollen“ er lacht. „Mia wird mir bestimmt in die Arme springen und Freudentränen weinen“ antwortet er. Das würde sie wirklich machen. Kaum betreten wir die Straße, auf der die anderen warten drehen sie alle ihre Köpfe zu uns um. Als Mia unsere Hände sieht fällt ihr fasst die Kinnlade herunter. Sie stürmt auf uns zu und fällt Leo um den Hals. Genau wie erwartet. Kaito sieht sie missmutig an. „Ich freu mich ja so“ flüstert sie ihm ins Ohr, aber sie sagt es laut genug das ich es hören kann. Niki kommt dazu und die drei unterhalten sich aufgeregt mit ihm.
„Wozu all das Drama, wenn du dich doch dem erst besten an den Hals wirfst“ brüllt Joel fies grinsend zu mir herüber. Er kommt lässig zu uns geschlendert „Es ist aus“ sage ich. Ich spucke ihm die Worte förmlich ins Gesicht. „Du regst dich über mich auf, aber kaum lässt man dich aus den Augen angelst du dir den nächsten“ „Entschuldigt kurz“ sagt Leo. Bevor ich reagieren kann holt er aus und schlägt Joel mit voller Wucht ins Gesicht. Er fällt zurück und sieht Leo geschockt an. „Was soll die Scheiße“ schreit er ihn an. „Sie hat gesagt es ist aus, also halt endlich die Klappe“ er wendet sich von ihm ab. Joel rappelt sich auf und hält sich die blutende Nase „Bild dir nichts darauf ein du Lückenbüßer.“

Er nuschelt es leise, aber nicht leise genug. Ich habe ihn gehört. Wütend funkle ich ihn an und verpasse ihm eine Ohrfeige, die sich gewaschen hat. Ich ziehe Leo von ihm weg „Hat er noch was gesagt?“ fragt er deutlich aggressiver als sonst. „Nein, es ist alles gut“ lächelnd ziehe ich ihn zum Auto zurück. Joel setzt sich aus Sicherheitsgründen auf den Beifahrersitz. Aber obwohl Leo und ich gerade ein Riesen Chaos verursacht haben ist die Stimmung außergewöhnlich gut. Ich lehne mich an Leo und schließe die Augen, nur für eine Minute.

Mia

Audrey schläft an Leos Schulter. Lächelnd betrachte ich die beiden. „Wer hätte das gedacht“ flüstert mir Kaito ins Ohr. „Wer hätte gedacht das sich noch zwei Herzen finden“ ich verschränke unsere Finger ineinander. „Wer hätte gedacht das erst ein Herz gebrochen werden musste, um es mit einem anderen zu vereinen“ er küsst meine Hand. „Hast du gesehen mit welch einer Wucht er ihm in die Fresse geschlagen hat?“ sage ich lachend. Leo hört mich und grinst. „Respekt“ sage ich deutlich hörbar. „Ich hätte nicht gedacht das unser letzter Abend hier so aufregend wird“ flüstert Kaito. Niki sieht uns an. Fragend hebe ich eine Augenbraue.
Sie schüttelt nur den Kopf und sieht wieder aus dem Fenster. Ich weiß was sie denkt. Sie versucht sich für uns zu freuen, und irgendwo freut sie sich auch für uns.
Aber sie hasst uns auch gleichzeitig. Sie hasst uns, weil wir glücklich sind, es erinnert sie die ganze Zeit daran, dass sie alleine ist. Das ihre Gefühle noch unerwidert sind. Ich kenne dieses Gefühl des Neids, es ist wie ein zweischneidiges Schwert. Man tut den Menschen, die man liebt, weh, aber gleichzeitig auch sich selbst. Man hasst sich selbst noch mehr als die anderen, man fragt sich, warum man sich nicht über das Glück der anderen freuen kann und man fragt sich, ob man dadurch eine schlechte Person ist. Ich sehe zu Emilio herüber, er starrt sie wieder an. Wieso sagt er nichts? Cindy flüstert ihm etwas ins Ohr. Er sieht sie überrascht an und zum ersten Mal in all den Jahren sehe ich sie sanft Lächeln. „Weißt du diese Tage waren zu perfekt, nicht, dass es so endet wie bei A walkt to remember“ sage ich mehr zu mir selbst aber Kaito antwortet. „Du meinst, dass ich dich irgendwann verliere und ganz plötzlich alleine dastehe?“ er drückt meine Hand fester. „Ich meinte eher, dass bald irgendwas Unvorhergesehenes passiert was alles verändert“ sage ich zögerlich.
„Hast du Leos Kinnhacken etwa vorhergesehen?“ fragt er lachend. In dem Moment als ich sein Lachen höre ist die Sorge wie weggeblasen.
Leo weckt Audrey als wir vor dem Haus bremsen. „Na gut geschlafen“ begrüßt er sie und sie sieht ihn freudig an. So als wäre sie aus einem schönen Traum erwacht und hätte festgestellt das der Traum in der Realität weiter geht.
Auf unserem Zimmer, bereits im Schlafanzug starre ich Audrey an.
„Willst du mir ein Loch in den Schädel starren?“ fragt sie, während sie sich die Haare kämmt. „Wie ist das passiert? Ich meine versteh mich nicht falsch, ich freue mich total für Leo und für dich natürlich auch, aber wie?“ ich habe so eine Ahnung das da mehr hinter steckt als sie und bereits erzählt hat. „Weißt du noch der Abend, wo es mir nicht so gut ging? Und Leo mit mir hiergeblieben ist? Wir haben uns verfahren und sind im Wald auf eine Schlange getroffen, ich habe mich schlau, wie ich bin auf einem Baum versteckt“ sie macht eine Pause damit ich mein Lachen wieder unter Kontrolle kriegen kann. „Lass mich raten, er hat dich wie ein wahrer Ritter vor der Schlange gerettet?“ Laura kommt grinsend ins Zimmer. „Nein, als der Ast brach, auf dem ich saß, hat er mich gefangen“ „Er hat dich gefangen? Tat das nicht weh?“ fragt Niki ungläubig. Audrey ist zwar nicht allzu schwer, aber wenn sie aus knapp zwei Metern Höhe auf einen zu rast dürfte der Aufprall doch heftig gewesen sein.

„Doch, ich glaube auch dass er sich damals verletzt hat, aber er hat mich trotzdem gefangen. Da habe ich zum ersten Mal gedacht, das er ein wirklich lieber Mensch ist“ Audrey kriecht unter ihre Decke. „Und? Ist das alles?“ frage ich ungeduldig.
„Naja es gab mehrere Momente, in denen ich gerne mit ihm zusammen war und wirklich Spaß hatte aber als ich auf dem Jahrmarkt davon gelaufen bin ist er mir nach. Er hat sich all meinen Kummer angehört. Er hat nicht groß etwas gesagt aber seine Anwesenheit hat mich beruhigt. Da dachte ich das ist die Person, mit der ich eigentlich zusammen sein sollte. Eine Person, die mir das Gefühl gibt bei ihr sicher zu sein, wisst ihr wie ich das meine?“ Laura und ich sehen uns an und nicken. „Er hat vor dir geweint, oder?“ frage ich kichernd. Audrey sieht mich ernst an, doch dann entlocke ich ihr dennoch ein Lachen. „Du hast seine Augen gesehen, oder?“ fragt sie und stützt ihren Kopf in die Hände. „Wer hat die nicht gesehen? Eure Augen waren so rot wie ein Feuerhydrant“ Laura kichert. „Ich habe noch nie gesehen, dass mir jemand so offen und ehrlich seine Gefühle offenbart. Er hat sie mir einfach gestanden und sich der Gefahr ausgesetzt verletzt zu werden“ murmelt Audrey. „Ich meine er war der Gefahr doch ständig ausgesetzt. Er ist mit dir hier geblieben und hat sich um dich gekümmert“ sagt Niki und kriecht unter ihr Lacken. „Er hat mir den Schweiß abgewischt und mir ein Kühlpad gebracht“ Audrey lächelt. „Er hat mich nicht gedrängt ihm zu erzählen was zwischen mir und Justin ist. Er hat bemerkt das ich Angst vor ihm habe“ sie sieht uns an. „Er hat wirklich immer ein Auge auf dich“ Laura dreht sich zur Wand. „Stimmt“ sagt Audrey gähnend. Ich habe sie schon seit Jahren nicht mehr auf diese Art und Weise glücklich gesehen. „Ich freue mich wirklich für dich“ sage ich und schalte das Licht aus. „Ich freue mich auch“ sagt Audrey leise. Leo wird sie bestimmt all die Tränen vergessen lassen, die sie vergossen, hat.

Kapitel 35

Niki

Die anderen schlafen bereits, doch ich bin so wach wie noch nie zuvor. Ich denke ständig an diese Reise. Ich habe nichts erreicht, ich meine Emilio ist gerne mit mir zusammen, aber sein Herz hängt an Cindy. Und das schlimmste ist, dass die andren alle glücklich sind. Ich freue mich für sie, aber gleichzeitig fühle ich mich dadurch nur noch schlechter. Ich fühle mich zurückgelassen, so als wäre der Zug mit all dem Glück an mir vorbeigefahren und hätte nur meine Freunde aufgegabelt. Wenn ich sie so glücklich sehe, dann beneide ich sie um ihr Glück. Ich beneide sie um die Momente, die Erinnerungen, die sie mit ihren geliebten Personen gemacht haben. Ich drehe mich auf die Seite. Ich hasse mich dafür, dass ich sie beneide und mir wünsche, dass ihnen ihr Glück genommen wird. Ich hasse meine missgünstige Seite. Wenn ich Mia und Kaito so zusammen sehe wünsche ich mir manchmal, dass sie sich einfach in Luft auflösen würden. Ich wünsche mir das sie wieder genauso unglücklich ist wie ich. Ich hasse diese Seite an mir. Sie ist so hässlich, etwas das ich vor allen andern verborgen halten möchte.

Mein Handy vibriert. Ich taste im Dunkeln danach und werfe es dabei vom Nachttisch. Ich hebe es vom Boden auf und starre auf das Display. Eine Nachricht von Emilio taucht auf. „Können wir reden?“ lese ich ganz leise vor. Ich antworte ihm kurz und stehe auf. Ich ziehe mir eine Jacke über den Pyjama und schleiche mich raus. So leise wie möglich gehe ich die Treppe ins Untergeschoss herunter. Unten im Wohnzimmer steht Emilio und starrt auf sein Handy. „Was gibt’s?“ frage ich leicht gereizt. „Komm“ er zieht mich raus vors Haus. „Was willst du mir sagen?“ ich setze mich auf eine der Treppenstufen.

„Cindy und ich sind nicht mehr zusammen“ platzt es aus ihm heraus. Überrascht sehe ich ihn an „Wie? Seit wann? Wieso?“ tausend Fragen schießen mir durch den Kopf. Er setzt sich neben mich. „Schon etwas länger, seit zwei Tagen“ sagt er und fährt sich durch die schwarzen Haare. Ich denke zwei Tage zurück. Da waren wir auf dieser kleinen Insel. Ich erinnere mich, dass Cindy an dem Tag besonders gereizt war. Und jetzt kenne ich auch den Grund. „Wie geht es dir? “ frage ich, mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Wieso bin ich auf einmal so nervös? „Naja, es geht. Sie hasst mich vermutlich, aber damit muss ich leben“ er lacht nervös. „Und wieso erzählst du mir das jetzt?“ ich falte die Hände im Schoss zusammen.
„Ich habe gesehen, wie du die anderen angesehen hast. Ich weiß das du mich magst und ich mag dich auch. Ich hoffe du weißt das“ er stoppt. Ich habe Angst vor dem was jetzt kommt. „Ich würde dich gerne besser kennenlernen, aber ich bin noch nicht wieder bereit eine neue Beziehung einzugehen. Und ich kann nicht von dir erwarten das du so lange wartest, bis ich dazu wieder bereit bin“ ich sehe ihn lange an.
Er will mich kennenlernen. Aber niemand weiß ob daraus etwas wird. Was ist, wenn er irgendwann wieder dazu bereit ist eine Beziehung einzugehen aber nicht mit mir? Wie lang müsste ich warten? Es würde weh tun am Ende zu erfahren das all die Zeit umsonst war.
„Ich verstehe, wenn du nicht warten willst. Ich meine du hast alleine schon lange genug darauf gewartet, dass ich mich von Cindy trenne. Ich kann es dir wirklich nicht verübeln, wenn du endgültig genug von mir hast“ er schaut wirklich niedergeschlagen auf den Boden. Er schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. „Ich warte“ ohne ein zweites Mal darüber nachzudenken spreche ich den Gedanken aus.

„Wir können uns ja zunächst nur daten. Wir könnten essen gehen oder ins Kino gehen. Du kannst dir Zeit lassen, aber wenn es in der Zeit, in der ich warten muss, jemanden gibt der mir mehr das Gefühl gibt sicherer in seinen Entscheidungen zu sein dann darfst du mir später keinen Vorwurf machen“ sage ich mit starrer Mine. „Dieser jemand müsste aber erstmal besser sein als ich“ er lacht „Sobald wir zurück sind werde ich dich ins Kino einladen. Du kannst dir jeden Film aussuchen, den du willst.“ Jeden Film? Ich werde extra einen aussuchen den er nicht mögen wird. Mal sehen, ob er dennoch bleiben will. „Aber weißt du, ich bin gerade echt erleichtert das du gesagt hast das du mir Zeit gibst. Es liegt mir immer noch etwas an Cindy und ich weiß das es ihr sehr weh tun würde, wenn ich direkt jemand neuen hätte“ er lächelt mich an. „Sollen wir rein gehen? Es ist ganz schön frisch“ schlage ich vor und stehe auf. Ich sollte besser gehen, bevor ich noch etwas unüberlegtes tue und dadurch alles zerstöre. „Warte noch“ ich drehe mich um. Er packt mich an den Schultern und küsst mich. Nur kurz, aber es ist klar und deutlich ein Kuss.
„Wofür war der denn?“ frage ich verwirrt. „Als Dank für all die schönen Momente, die du mir bis jetzt auf dieser Reise geschenkt hast“ völlig überrumpelt laufe ich wie in Trance zur Treppe. „Keine Sorge, ich habe so ein Gefühl, das ich meine Finger nicht mehr lange von dir lassen kann“ flüstert er mir zu, bevor er in seinem Zimmer verschwindet. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Was heißt das? Heißt der Kuss das er sich in mich verliebt hat? War ich der Grund für seine Trennung?

Ich gehe ins Bad und schaue in den Spiegel. Mein Gesicht ist knallrot. Gut, dass es eben die ganze Zeit dunkel war und Emilio das nicht gesehen hat.
Ich starre an die dunkle Decke über meinem Kopf. Ach verdammt, als ob ich jetzt noch schlafen kann, ich meine nach dem Kuss. Bestimmt mache ich mir jetzt schon wieder zu viele Hoffnungen.
Er hat zwar gesagt, dass er mich nicht lange warten lassen will, aber warten muss ich so oder so. Bestimmt will er nicht, dass ich mich wie ein Ersatz für Cindy fühle. Denn ich hätte mich genauso gefühlt, wenn er mir direkt nach seiner Trennung seine Liebe gestanden hätte. Ich hätte mich wie die zweite Wahl gefühlt.
Seine Entscheidung einander etwas näher kennenzulernen soll mich bestimmt schützen. Genau, es ist zwar schwerer das zu glauben als zu glauben das er mich einfach nur hinhalten will, aber es ist wenigstens etwas. Morgen werde ich um die Uhrzeit schon wieder in meinem eigenen Bett liegen. Ich werde an die Decke schauen und mir mein Orlando Bloom Poster anschauen. Ich werde mich zum Fenster drehen und auf die beleuchteten Balkone der gegenüberliegenden Häuser schauen. Ich werde an den heutigen Tag zurückdenken und rot werden, wenn ich an den Kuss denke. Diese Reise an sich war schon toll, aber nun zu wissen das es eine wirkliche, reale Chance gibt das Emilio meine Gefühle endlich erwidert ist noch ein kleiner Bonus. Vielleicht habe ich morgen sogar Glück und sitze neben ihm im Flugzeug. Wenn ich Mia und den anderen von dem Gespräch erzählen werden sie sich bestimmt freuen. Audrey wird die Augen verdrehen und sagen das ich etwas Besseres verdiene, aber sie wird sich dennoch freuen.
Ich schließe die Augen, lieber Mond schenk mir für die letzte Nacht einen besonders schönen Traum.

 

 

 

 

Mia

Um halb acht klingelt mein Wecker. Völlig übermüdet raffe ich mich auf. Unser Flug geht um 12 Uhr. Ich gähne laut und strecke die müden Glieder. „Wieso müssen wir immer so früh aufstehen“ meckere ich, während ich meinen Koffer unter dem Bett hervorziehe. Mit Mühe und Not hieve ich ihn aufs Bett. „Morgen“ ich drehe mich um. Niki sitzt mit monströsen Augenringen auf ihrem Bett und starrt mich an.
„Da hat wohl jemand zu wenig geschlafen, was?“ frage ich mit einem gemeinen Grinsen. Sie stöhnt und massiert sich die Schläfe „Du hast mich gesehen, oder?“ „Jap“ antworte ich freudig. Ich entleere meinen Kleiderschrank und stopfe alles so gut es geht wieder zurück in den Koffer. „Sollen wir die anderen nicht wecken?“ fragt Niki und steht auf. „Audrey hat schon gestern alles gepackt, und Laura ist wach, stimmts“ ich trete leicht gegen ihr Bett. „Jaja“ murrt sie und dreht sich zu uns um. „Hat dich Mr. Adonis vor die Tür gerufen?“ fragt sie müde. Niki sagt nichts, aber manchmal reicht ein Schweigen schon als Antwort.
„Hat er dir seine Liebe gestanden?“ frage ich aufgeregt. „Nein“ antwortet Niki trocken. Überrascht sehen Laura und ich uns an. „Was dann?“ fragt Laura, während sie sich durch die kurzen Haare fährt. „Er hat mir erzählt das mit Cindy Schluss ist“ antwortet Niki mit einer aufgesetzten Gelassenheit. Ich weiß das sie am liebsten vor Freude herumhüpfen würde. Aber er muss noch etwas gesagt haben, sonst wäre sie jetzt nicht so ruhig. Ich ziehe meine graue Jogginghose und mein rotes bauchfreies New York Yankees T-Shirt aus dem Klamottenberg. Im Nu bin ich umgezogen.
„Das perfekte Outfit zum Fliegen“ sage ich und werfe mir einen schwarzen Cardigan über. Die anderen kichern. Ich gehe nach unten auf die Veranda, um unsere Badesachen zu holen die über Nacht draußen zum Trocknen hingen. Ich beobachte den Sonnenaufgang.

Es ist fast so als wolle uns die Sonne den Abschied umso schwerer machen in dem sie uns ihren schönsten Sonnenaufgang schenkt. „Was schaust du so?“ erschrocken fahre ich herum. Leo steht vor mir und hält sich den Bauch vor Lachen.
„Haha, sehr witzig“ sage ich und versuche ruhig zu atmen. „Tut mir leid“ er hört auf zu lachen. Ich hebe die Badesachen, auf die ich vor Schreck fallen gelassen habe.
„Es ist irgendwie schade dem allem hier auf Wiedersehen zu sagen“ er lehnt sich gegen das Geländer. „Stimmt, aber sieh dir an was wir alles erlebt haben. Ich meine, ich habe Kaito und du, du hast es tatsächlich geschafft das Audrey dich mit anderen Augen sieht“ sage ich und sehe ihn an. „Naja, bestimmt hatte sie in diesem Moment nur Mitleid. Ich meine ich habe fast vor ihr geheult“ er zuckt mit den Schultern und sieht auf einmal so traurig aus. „Du weißt das Audrey so etwas niemals aus Mitleid machen würde“ versuche ich ihn aufzuheitern. „Ich weiß, aber die Angst das sie es doch getan hat ist da“ ich will gerade etwas entgegnen da sagt er „Ich sollte mal packen gehen.“ Er wuschelt mir durch die Haare und verschwindet. Jungs haben also auch diese ganz normalen Ängste. Interessant.
Zurück auf dem Zimmer verteile ich die Badesachen an die anderen. „Audrey“ ich rüttle sie wach. Sie schlägt nach mir „Geh weg“ meckert sie. Ich lasse von ihr ab und packe weiter. „Wie habe ich all das Zeug da nur reingekriegt?“ ich werfe mich auf den Koffer, doch er geht nicht zu. Ich räume ihn wieder komplett aus.
„Audrey, bitte hilf mir“ jammere ich. Mit einem lauten stöhnen klettert sie aus dem Bett und schlurft zu mir herüber. Sie faltet all meine Klamotten zu kleinen Paketen zusammen und sortiert sie fein säuberlich in meinen Koffer. „Welche Schuhe willst du später anziehen?“ sie hält mir meine Schuhe vor die Nase. „Die Sneaker“ ich nehme ihr die weißen Schuhe aus der Hand und sie platziert die restlichen im Koffer.

„Was ist das?“ sie zieht eine kleine weiße Papiertüte aus dem Koffer. „Postkarten“ ich hole die Karten aus der Tüte. Ich habe in jedem Ort, in dem wir waren, eine gekauft.
Die anderen sehen sich die Karten an. „Da ist ja ein Foto dabei“ sagt Laura und zieht es heraus. „Das hat mir Tao gegeben am Tag als sie abgereist sind“ ich betrachte das Foto. Es zeigt uns vier Mädchen zusammen lachend am Strand.
„Es ist mein Lieblingsfoto von dieser Reise“ sage ich und verlasse das Zimmer, um mir die Zähne zu putzen. Ich binde mir die Haare zu einem Dutt hoch und kaue dabei auf der Zahnbürste herum. Ich sehe wirklich aus als wäre ich gerade erst aufgestanden. Ich nehme meine Sachen aus dem Bad und schlurfe zurück ins Zimmer. Die anderen stehen schon fertig angezogen vor ihren Betten und räumen die letzten Sachen in ihre Koffer. „Wir essen am Flughafen, oder?“ frage ich währen ich mein Bett abziehe. „Ja wir haben keine Zeit mehr hier was zu essen“ Audrey schließt feinsäuberlich ihren Koffer und zieht ihn zur Tür. „Ich gehe schon runter“ sagt sie und schließt die Tür hinter sich. Ich stopfe die Letzen paar Sachen in die Seitenfächer und hieve den Koffer vom Bett. „Kommt ihr?“ frage ich die anderen. Niki zieht ihren Rucksack an und Laura zieht sich ihre Jeansjacke über das schwarze T-Shirt. Dann verlassen wir das Zimmer und schließen die Tür endgültig hinter uns. „Kaito“ schreie ich laut die Treppe herunter. „Was?“ er kommt angerannt. „Kannst du mir helfen?“ ich sehe ihn mit großen Augen an. Er verdreht die Augen „Was hast du denn alles da drin?“ er hebt den Koffer hoch und trägt ihn runter. Als ich unten ankomme stehen die andern schon bereit und sehen mich an. „Da ist jemand bereit für den Flug“ sagt Tom und deutet auf mein Outfit. „Jederzeit Einsatzbereit“ antworte ich und knuffe ihn in die Seite. Emilio und Leo verstauen das Gepäck im Kofferraum und Kaito schließt das Haus ab. „Ich nehme dich nochmal mit hierher, nur wir beide“ er sieht mich dabei an und lächelt. Ich greife seine Hand. Jederzeit.
Wir setzen uns alle für die letzte Fahrt noch mal in Toms Auto.
„Alle anschnallen, die Fahrt geht los“ Tom startet den Motor und fährt aus der Einfahrt raus. Melancholisch schaue ich dem immer kleiner werdenden Haus nach. „Es war echt schön“ sagt Audrey und greift nach Leos Hand. Ich kann genau sehen wie Leo das Herz bis zum Hals schlägt. „Siehst du wie rot er wird?“ flüstert mir Kaito ins Ohr. Ich kichere leise. Kaito legt seinen Arm um mich und drückt meine Schulter sanft. „Na, schreibst du Lou?“ fragt Niki und schaut auf Michelles Handydisplay.
„Er wünscht uns einen guten Flug“ sagt sie mit hochrotem Kopf. „Ich bin mir sicher, dass das nicht das Einzige ist was er geschrieben hat“ flüstere ich Kaito zu und er grinst.
Am Flughafen angekommen hat das Abgeben des Mietwagens so lange gedauert das wir einen Sprint zum Schalter hinlegen müsse. Völlig außer Puste geben wir unsere Koffer auf und eilen weiter zur Security.
„Wieso muss der Urlaub so enden?“ jammert Cindy, während sie ihren ganzen Schmuck auszieht. „Was wäre ein Flug ohne etwas Stress vorher“ scherze ich und nehme meine Sachen aus den kleinen Schalen zurück. Sie verdreht nur entnervt die Augen. „Sie ist immer so“ sagt Emilio und schultert seinen Rucksack.
„Es würde mich auch wundern, wenn es anders wäre“ fügt Michelle hinzu.
Ich verkneife mir ein Lachen. Nun sitzen wir vor dem Gate und warten.
„Wo fahren wir nächstes Mal hin?“ fragt Niki aufgeregt. „Spanien? Kroatien? Oder vielleicht London?“ sie blättert einen Reisekatalog durch. Es wäre wirklich schön irgendwann nochmal gemeinsam in den Urlaub zu fahren. „Ein Mädels Trip nach London klingt doch gut“ sagt Audrey und nimmt Niki den Katalog aus der Hand. Kaito setzt sich neben mich und beobachtet die anderen. „Träumen sie schon von der nächsten Reise?“ ich nicke.

Er greift nach meiner Hand und küsst sie. „Ich freue mich, wenn wir wieder zuhause sind“. Zuhause? Ich frage mich wie es wird. Ob er sich genauso verhält wie hier? Oder wird er wieder zu meinem besten Freund? Das werde ich noch herausfinden müssen. Ich ertaste die kleine Tüte, die mir Frau Martin gegeben hat. Ich werde so einiges noch herausfinden müssen, und dann werde ich wissen, ob ich ihm den Ring geben kann Es ist ein großer Schritt, es ist schwer aus Freundschaft Liebe zu machen dabei muss nur einer den Mut zusammennehmen und einen Schritt näherkommen. Ich sehe zu Kaito hinauf. Was wenn es nicht klappt? Was wenn wir wieder einen Schritt zurück machen, sobald wir zurück sind? Kaito reicht mir seine Hand. Freudig ergreife ich sie. Das Leben wäre doch langweilig, wenn man die Zukunft schon kenne würde. Dieser Junge steckt noch voller Mysterien und ich kann es kaum erwarten sie alle zu lüften.

Als sich die Türen des Flugzeugs schließen, schließt sich die Tür zu einem unglaublichen Erlebnis.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.05.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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