Erika Schmidt

Der Gartenteich zieht um.

Mein schöner Gartenteich! Ich könnte heulen. Seit 40 Jahren habe ich im Garten einen kleinen Teich mit Goldfischen, Seerosen und anderen schönen Wasserpflanzen. Vor 20 Jahren sind wir umgezogen und den Teich konnten wir mitnehmen. Man kann so richtig abschalten wenn man vor dem Teich auf der Bank sitzt, die Fische füttert und dabei zusieht wie sie nach dem Futter schnappen. Nun wohne ich leider zur Miete in dem Haus. Die alten Besitzer haben den Teich auch zu schätzen gewußt, die sind leider verstorben. Die neuen Hauseigentümer wollen nun alles umbauen, und der Teich muß weg. Aber was tun?
Gleich neben an in unserer Straße sind neue Hausbesitzer eingezogen. Die haben einen großen Garten und würden sich über einen Teich sehr freuen. Also muß der Teich umziehen. Wer schon mal ein Gewässer im Garten angelegt hat, weiß was das heißt. Als erstes wurden die Wegplatten am Ufer entfernt und alle Pflanzen darum herum mit dazu. Das alles wurde dann in einer Unmenge von Eimern und mit viel Mühe bis zur Straße getragen und dann mit der Schubkarre zum Nachbarn gefahren. Der hatte in der Zwischenzeit einen Bagger organisiert und die Grube für den Teich ausgehoben. Von Hand hätten wir Tage dazu gebracht. Eine große ,alte Zinkwanne wurde nun dort aufgestellt und mit Wasser gefüllt. 
Nun traten meine Enkel in Aktion. Nach dem das meiste Wasser im Teich abgepumt war, holten sie die Fische mit Keschern heraus. Die wurden dann in Eimern in Nachbars Garten getragen und in die Wanne geschüttet. Es waren ca 50 Fische, zum Teil bis zu 30 cm lang. Eine Menge Molche und Frösche waren auch dabei. Die hat meine Enkelin alle mit der Hand gefangen. Am Ende der Aktion hatten die Kinder und der Teichgrund alle die gleiche Farbe, alles war nur noch Schlamm. 
Nun ging die Arbeit erst so richtig los. Die Folie wurde heraus gehoben und gereinigt. Das war eine anstrengende und dreckige Angelegenheit, der Teich war immerhin 3m x 2m groß und 80cm tief. Dementsprechend groß war die Folie. Darunter war nocheinmal das gleiche Stück als Fließ. Die Sauerei war gigantisch. Nun hieß es das ganze in Nachbars Garten wieder einzusetzen, erst das Fließ, dann die Folie. Nun hatte der Bagger das Loch aber größer gemacht. Das hieß, die Folie war zu klein. Also alles wieder raus und eine neue Teichfolie kaufen. Leichter gesagt, als getan, es war ja Lockdown, und alle Geschäfte zu. Gott sei dank haben wir eine Bekannte, die arbeitet in einem Baumarkt. Also wurde die Folie bestellt und konnte am gleichen Tag abgeholt werden. Nun hieß es also, neue Folie rein. Wer schon mal einen Teich angelegt hat weiß, daß das nicht so einfach ist. Die neue Folie ist nämlich ziemlich bockig. Aber mit 5 Mann, und Frau, haben wir es geschafft. Das Wasser konnte einlaufen und die Folie legte sich schön an. 
Mein Mann war nun mit kurzer Hose und barfuß in den Teich gestiegen und hatte die Wasserpflanzen und die Pumpen platziert. Die Seerosen, die in großen Körben gepflanzt sind wurden mit vereinten Kräften auch wieder eingesetzt. Das Wasser war eisig und mein Mann fror ganz schön. Nun war das Wetter in letzter Zeit ziemlich nass. Dementsprechend war der Boden eine richtige Sumpflandschaft. Der Dreck klebte überall. Die Schuhe waren ein einziger Lehmklumpen. Aber der erste Tag war geschafft.
Das Wetter meinte es gut mit uns, am nächsten Tag regnete es nicht. Nun wurden die Platten als Randbefestigung verlegt. Dabei wurden die Randpflanzen gleich mit eingesetzt. Mein Mann ist da mittlerweile schon Spezialist. Dann wurde noch der Überlauf eingebaut. Ich sammelte in der Zwischenzeit in unserem Garten den groben Kies ein, mit dem die Lücken in den Ecken ausgefüllt wurden. Dann kam der große Moment, die Fische durften ihr neues Zuhause beziehen. Wieder war ein Tag mit viel Arbeit und viel Dreck vorbei. Die Schuhe mußte ich wieder mit dem Spatel reinigen, und die Kleidung stand vor Dreck. 
Am nächsten Tag kam noch der Bachlauf an die Reihe. Der Erdhaufen vom Aushub war schon da. Obendrauf kam ein kleines Becken mit Sumpfpflanzen, das haben wir komplett aus dem alten Teich übernommen. Eine schmale, eckige Dachrinne ergab den Bach. Alles schön mit Steinen befestigt, fertig war der Wasserfall. Um den Rand außen herum haben wir glatte Steine verlegt, um besser mähen zu können. Auch die hatten wir vom alten Teich in kleinen Portionen mit genommen. Alles was ich in meinem Garten an Polsterpflanzen  und kleinen Stauden entbehren konnte wurde umgepflanzt. Das klingt jetzt so einfach, aber der Boden war so lehmig, der mußte erst mit Blumenerde verbessert werden. Das erledigte ich, wärend die Männer das Aufräumen und sauber machen übernahmen. Den Stromanschluß machte der Nachbar selber. So kann der Bach und der Springbrunnen sprudeln. Ein paar Polster müssen auch noch besorgt werden. Und das Wichtigste, die Bank, steht nun auch wieder auf ihrem Platz. 
Es muß nun alles noch gut anwachsen, aber es ist schön geworden. Die 3 Tage Arbeit haben sich gelohnt, auch wenn ich jetzt eine Maschine voller lehmiger Wäsche habe. Wenn ich nun so auf der Bank sitze und den Fischen zu schaue, dann wird mir schwer ums Herz. Es ist nicht mehr mein Teich, aber es war eine gute Lösung. Und wenn ich will, darf ich jederzeit meine Fische besuchen. Aber es macht mich schon traurig, wenn ich in meinem Garten nun das große, leere Loch sehe. Die Bauarbeiten fangen nun bald an und dann wird sowieso alles anders. "Schade". Aber meinen Fischen geht es gut, sie haben den Umzug besser überstanden als ich.


Erika Schmidt

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.05.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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