Patrick Rabe

Begebenheiten im Kaff K.

 

Dieter Drohschlange, ein gewöhnlicher Junggeselle

 

Eines Tages kehrte Dieter Drohschlange (sic!) von einem anstrengenden Tag nach Hause zurück. Er betrat seine im verstaubten 50er Jahre-Stil gehaltene Wohnung und knipste Hübinall, den Fernseher an. Es handelte sich um ein Gerät der Firma Hellodridevil (mit eingebauter Paranoia).

 

Manchmal, wenn das Programm nachließ, schien es Dieter, als würde sein Gerät ihn beobachten. Dann sagte er: „Hallo, Hübinall, willst du auch einen Keks?“ Er hatte schließlich anderes zu tun, als seinen lebenden Fernseher unter Kontrolle zu halten!

 

Heute lief ein Film über alkoholkranke Frauen, die ihr Leben vorm Fernseher verbrachten und den Gegenständen in ihrem Haus Namen gaben.

 

„Ein völlig uninteressantes und für mich irrelevantes Thema!“, befand Drohschlange und ließ seine gespaltene Zunge gegen die Mattscheibe zucken.

 

Außerdem musste er ja noch Mume, die Blume, gießen und sich aus dem Kühlschrank eine schöne kühle Kiste Flens oder auch zwei holen.

 

Ach ja, seit er gemerkt hatte, dass er ein Waran war, war Dieters Leben doch um einiges komplizierter geworden…

 

 

 

© by Patrick Rabe, Jahr 2000, Hamburg.

 

 

***

 

Wie Dieter Dunkler den Weltuntergang auslöste

1. Als Dieter Dunkler nach der langen Flucht vor niemand auf der Landstraße entspannte, löste sich ein Schuss aus seiner 45'er.

2. Die Krähen hielten es für einen Atombombeneinschlag.

3. Frau Boma Lunder hielt das Krähengeflatter für Schmetterlingsflügel, die in Australien einen Sturm auslösen.

4. Eine Krähe flog zu Kim Jong Un und rief: "In Australien brennt es!"

5. Kim Jong Un verstand "Aus Trailern, die man brennt, geht nicht hervor, wovon der dazugehörige Film handelt."

6. Er kreischte laut, weil er kapierte, dass er "Joker" nicht verstanden hatte.

7. Donald Trump hörte Kims Kreischen nachts im Schlaf als Ohrgeräusch und rülpste vor Schreck.

8. Dieter Dunkler hörte Trumps Rülpsen als Pistolenschuss, schnappte sich seine 45'er und floh vor niemand.

9. Nena saß meditierend auf einer Isomatte und sah 99 Luftballons vorbeifliegen.

 

© by Patrick Rabe, 10. Januar 2020, Hamburg.

 

***

 

Wie man Dieter Doofkopp den Prozess kurz machte

 

Als Dieter Doofkopp eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, stellte er fest, dass er sich in ein riesiges Ungeziefer verwandelt hatte. Sein Bart war genau zwei Millimeter länger geworden. Das konnte der alte Pedant nicht auf sich sitzen lassen. Sofort holte er seinen elektrischen Rasierapparat mit Langhaarschneider hervor, und setzte ihn an. Laut tönte das Rasiergeräusch durchs Treppenhaus.

Einen Stock darüber erwachte Frau Boma Lunder, erschrak über das laute Rasselgeräusch und sagte zu ihrem Mann Kai Pirinja: „Du, ich glaube, Herr Doofkopp hat sich in eine Kakerlake verwandelt.“. „Ja, ganz bestimmt.“, sagte Kai Pirinja aus dem Schlafzimmer. „Weißt du was? Halt einfach die Schnauze und sauf weiter.“ Frau Boma Lunder ließ die Sache aber keine Ruhe. Sie wählte die Nummer der Polizei. Die rief sie immer an, wenn sie Fragen zur Weltlage hatte und alle Seelsorgetelefone besetzt waren. Wachtmeister  Kohl Numbo ging ran. „Ah, Frau Lunder mal wieder.“, sagte er still beglückt. „Ja.“, rief Frau Boma Lunder hysterisch. „Bei meinem Nachbarn ist so ein komisches Rasselgeräusch in der Wohnung. Glauben sie, es kann angehen, dass er sich in eine Kakerlake verwandelt hat?“. „Ja, ganz bestimmt.“, sagte Wachtmeister Kohl Numbo. „Sowas zeigen sie ja jetzt auch immer in Fernsehserien. Da haben sie bestimmt recht.“. „Was macht man denn in so einem Fall?“, fragte Frau Boma Lunder besorgt. „Ach“, sagte Wachtmeister Kohl Numbo leutselig. „Ganz einfach. Am besten, sie rufen bei der Bundeswehr oder beim Bundesgrenzschutz an. Die schicken dann bestimmt einen Panzer und eine Spezialeinheit.“. „Das klingt gut!“, rief Frau Boma Lunder.

 

Inzwischen hatte sich Dieter Doofkopp zuende rasiert. Er war sich jetzt wieder sicher, doch ein Mensch zu sein. Er schmiss den Rasierapparat aus dem Fenster, denn morgen war ja wieder Geld auf dem Konto, da konnte er sich dann ein schickes, neues Modell kaufen. Es klingelte. Dieter Doofkopp öffnete. Draußen standen zwei Kakerlaken. „Tschuldigung!“, sagten sie höflich, „Dürfen wir sie verhaften?“. „Nee.“, sagte Dieter. „Da habe ich heute keine Lust drauf. Kommen sie bitte morgen wieder.“. „Geht nicht.“, sagte die eine Kakerlake. „Da müssen wir zu Elektro-Summ. Die haben da dann Rasierapparate im Angebot.“. „Mhh.“, sagte Dieter Doofkopp. „Heute passt es mir aber wirklich gar nicht. Ich muss noch mit meiner Blume Mume zum Tierarzt.“. „Ach!“, sagte die andere Kakerlake und zückte einen Notizblock. „Sie halten unerlaubte Haustiere? Das gibt sieben Sixpackpunkte in Flens-Burg.“. „Gehen sie bitte.“, sagte Dieter Doofkopp, „Ich muss heute noch unerlaubte Pornoseiten auf meine externe Festplatte kopieren.“. „Ah, ja.“, sagten beide Kakerlaken gleichzeitig. Dafür haben wir natürlich Verständnis. Alles für die Liebe. Sie küssten sich, gingen die Treppe runter und verließen das Mietshaus in der Samsastraße im Kaff K. .

Plötzlich gab es einen großen Knall. Frau Boma Lunder war der Föhn explodiert, den sie auf e-bay als Sonderangebot gegen den Rasierapparat eingetauscht hatte, den sie Dieter Doofkopp geschenkt hatte. Das Haus brannte bis auf die Grundmauern herunter. Die Prozesskosten trug Wachtmeister Kohl Numbo aus eigener Westentasche.

 

© by Patrick Rabe, 30. Mai 2021, Hamburg.

 

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