Volker Walter Robert Buchloh

Hermann der himlische Bote

Hermann, der himmlische Postbote

 

2015

von Volker Buchloh

 

 

Wisst ihr, wie der Weihnachtsmann das wurde, was er heute ist? Er hieß früher einmal Hermann. Aber davon will ich euch später berichten.

Das Christkind gibt es schon so lange, dass sich keiner mehr daran erinnern kann, wann es zum ersten Mal für die Kinder Geschenke brachte. Auch in schlauen Büchern kann man da nichts nachlesen, weil lange vor den Druck des ersten Buches das Christkind schon seine Arbeit zu Weihnachten aufgenommen hatte. Den Weihnachtsmann hingegen gibt es noch nicht so lange. Es ist zwar etwas länger her, aber ich weiß noch, wie er das wurde, was er heute ist.

Damals war das Christkind so beschäftigt wie heute. Es verteilte die Geschenke an die Kinder in Windeseile. So kam es auch zu der kleinen Lisa. Das Christkind wollte gerade die Geschenke für sie unter den Weihnachtsbaum legen, als sie feststellte, dass sich diese gar nicht im Jutesack befanden. Das Himmelkind, kippte den Sack aus, durchsuchte den Himmelswagen. Alles. Mehrmals. Es waren keine Geschenke aufzufinden. Es schaute auf seinen Bestellzettel: Lisa, das war richtig. Auch der Hausname stimmte. Glaubte sie auch an das Christkind? Ein Blick auf den Bestellzettel bestätigte das. Sie war fünf Jahre alt. Auch das stimmte. Jawohl, sie hatte artig einen Wunschzettel geschrieben. Der Haken am Zettel war berechtigt. Sie war die letzten Wochen vor dem Christfest auch artig gewesen. Handschriftlich hatte jemand von ihren himmlischen Helfern hinzugefügt: >Lisa hat sich redlich bemüht. Besonders in der letzten Woche.<

Aber wo war denn das Geschenk? Das Christkind flucht nicht, es runzelt nur die Stirn. Undenkbar! Es durfte nicht sein, dass Lisa dieses Jahr keine Geschenke bekommen sollte. Blitzschnell startete das Christkind einen Suchauftrag an die heimische Lagerhalle, wo all die Geschenke für die Kinder dieser Welt lagerten. Auf dem Display seines Smartphones sah sie die Antwort klar und deutlich. Einer der Engel hatte alle Geschenke für dieses Kind auf dem Tisch der Himmelswerkstatt liegen lassen. Zu dumm! Es war dem Christkind nicht möglich, dafür jetzt noch einmal zurückzufahren. Zu viele Kinder warteten auch auf ihre Geschenke. Die wollte sie auch nicht enttäuschen.

So kam Hermann ins Spiel. Hermann war der himmlische Postbote für die kleineren Feiern über das ganze Jahr hinweg. Und dann war er auch nur für den Norden Europas zuständig. Es gab nämlich eine Reihe von Festen, die nur örtliche Bedeutung haben. So wie beispielsweise Nikolaus und Sankt Martin, oder die Kinder in China, die Mitte Januar Weihnachten feiern. Hermann hatte es sich in seinem Bett aus Fellen gemütlich gemacht. Er hatte gerade seine Arbeit beendet, denn die Feiertage für Nikolaus und Sankt Martin waren vorbei. Er musste sich ausruhen, um für das nächste Jahr Kräfte zu schöpfen. So lag er dann im Halbschlaf, als sein Smartphone anschlug.

„Du bist näher dran“, sagte das Christkind.

„Ich bin nur ein örtlicher Angestellter. Ich darf keine Geschenke an Kinder verteilen, vor allem, wenn sie so weit von hier weg sind“, antwortete Hermann. Da hatte er Recht. Was sollte man da nur machen?

Das Christkind überlegte. Zu viel Zeit war schon vergangen. Da hatte es eine Idee.

„Ich ernenne dich zum Weihnachtsmann. Spanne nicht nur ein oder zwei Rentiere vor deinen Schlitten, sondern so viele wie du sie in der Schnelle finden kannst. Dann bist du schneller und kannst es schaffen. Beeile dich!“

Und Hermann, der nun Weihnachtsmann hieß, schaffte es.

Früh am Weihnachtsmorgen wachte Lisa auf. Es war noch dunkel. Der Gedanke an die Weihnachtsgeschenke hatte sie schlecht schlafen lassen. Sie eilte zum Fenster und erblickte einen geschmückten Schlitten. Dieser wurde von zwölf Rentieren gezogen. Es war keine Sinnestäuschung, denn das Paar war deutlich am noch dunklen Himmel zu sehen. Dieses schlug mit schneidiger Geschwindigkeit den Weg Richtung Norden ein. Es konnte kein Hirngespinst sein, denn die Glocken der Zugtiere waren deutlich in der klaren Winterluft zu hören. Voller Erwartung öffnete Lisa ihre Zimmertüre. Und tatsächlich lagen da drei mit buntem Papier eingepackte Geschenke auf dem Boden. Eifrig begann sie, die Pakete zu öffnen.

 

Wenn ihr also einen solchen Rentierschlitten seht, dann kann das nur der Weihnachtsmann sein, der unterwegs ist, weil er einen Fehler der Engel von der Weihnachtswerkstatt ausbügeln muss.

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