Volker Walter Robert Buchloh

Der Turnierreiter

Wer mit dem Teufel einen Vertrag eingehen will, der sollte nie vergessen,

dass dieser nicht nur Verträge zu seinem Vorteil abzuschließen pflegt,

sondern auch die Spielregeln zu seinen Gunsten auszulegen versteht.

 

Der Turnierreiter

 

2003

von Volker Buchloh

 

Kein Mensch möchte gerne, dass er zur Grundlage einer Geschichte wird. Aus diesem Grunde wollen wir unsere Hauptperson nur mit seinem Anfangsbuchstaben benennen. Norbert P, so wollen wir ihn nennen, hat sich dem Turniersport verschrieben. Er ist vielseitig begabt, was nicht selbstverständlich in dieser Branche ist. Auch im Turniersport hat sich die Spezialisierung durchgesetzt. Nein! Norbert P. ist gleichermaßen qualifiziert sowohl für den Springsport wie auch für die Dressur. In beiden Disziplinen startet er in den oberen Klassen. Aber das ist auch sein Problem, denn es ist nicht die oberste Liga und Ehrgeiz gehört zu diesem Sport, wie der Hafer zum Pferd. Auf jeden Fall spricht so der Volksmund.

Was wir bislang ansprachen, dies ist sein Hobby. Hobby bedeutet nicht, dass man nicht hin und wieder ein paar Mark dabei verdienen kann. Aber Hobby will besagen, dass man hiervon nicht leben kann. Aber seinen Lebensunterhalt verdient Norbert P auch mit Pferden. Er hat im Westfälischen einen kleinen Bauernhof gepachtet. Diesen hat er auf Pferdehaltung und -ausbildung umgestellt. Angefangen hatte dies eigentlich sein Vater, aber dieser hatte immer noch auf einem weiteren Standbein gestanden. Landwirtschaft. Kühe, Schweine und Getreideanbau waren die Haupterwerbsquelle. Die Pferdehaltung lief nur als Zubrot zum Hobby nebenher. Sohn P hatte indes, dem Trend der Zeit folgend, die Landwirtschaft an den Nagel gehängt und die Pferdehaltung und -ausbildung zum Gegenstand seiner Erwerbsquelle gemacht. Und hier treffen sich nun Hobby und Beruf. Als Ausbilder wird man nur anerkannt, wenn man auf den Reitturnieren auch Erfolg hat. Nur so entsteht dann eine Nachfrage nach Ausbildung und Einstallung von Pferden.

Es gehört wohl zu den glücklichen Kombinationen im Leben, Beruf und Hobby so in Einklang zu bringen. Aber es gehört auch der Erfolg dazu, diese Kombination zu krönen. Nun muss man an dieser Stelle wissen, dass zum Erfolg in diesem Gewerbe zweierlei gehört. Die Begabung des Reiters und die des Pferdes. Bei seiner Begabung war P er stets bemüht, diese zu verbessern. Er hatte Lehrgänge besucht, auch bei erfolgreicheren Reitern, hatte eine zusätzliche Ausbildung zum Pferdewirtschaftsmeister absolviert und sich auf den neusten Stand der Reitlehre eingelesen. Mit der Begabung der Pferde hingegen, da war es schlechter bestellt. Zwar besaß er selbst ein Pferd, das er erfolgreich in vielen S-drei-Sterne-Springen geritten hatte, aber bei der Spezialisierung der Pferde war es kaum anders, als bei den Menschen. Diese Pferd war für eine Dressurprüfung nicht geeignet. Auch Pferde zeigen nicht immer gleichbleibende Leistungen auf hohem Niveau. Auch reicht die Kondition eines Pferdes nicht aus, in den oberen Klassen, in denen Norbert P startete, Wochenende für Wochenende starten zu können. Der langen Rede kurzer Sinn ist, dass Norbert P mehrere Pferde brauchte, um da oben mitmischen zu können, wie man in Reiterkreisen zu sagen pflegte. Manche bekam er durch seine Ausbildungstätigkeiten angeboten. Reiter, die ein begabtes Pferd ihr Eigen nannten und nicht talentiert genug waren, ihr Pferd zu fördern, stellten dies Norbert P zur Ausbildung zur Verfügung. Dies brachte zum einen Geld für Einstallung und Beritt ein und zum anderen die Möglichkeit, mit mehreren Pferden auch in einer Prüfung zu starten, was die Siegeschance erhöhte. Die Pferdebesitzer waren bei diesem Tauschgeschäft in der Regel mit dem Ruhm zufrieden, der auf ihr Pferd fiel, wenn dieses in einer Prüfung erfolgreich abschloss.

Es sind nun knapp zwei Jahre her, als Norbert P wieder einmal auf einem Reitturnier war, so wie fast an jedem Wochenende im Sommer. Er war gerade in einem Springen gestartet. Sein Pferd hatte eine Hindernisstange heruntergetreten, also heruntergeworfen. Dies war in den letzten Turnieren zum wiederholten Male geschehen. Bei der Leistungsklasse, in der er startete, waren seine Konkurrenten sehr stark. Dies bedeutete, dass er bei einem Abwurf nicht mehr für eine Platzierung infrage kam. Eine Woche Ausbildung war wieder für die Katz. Er hatte zwar noch ein weiteres Pferd in dieser Prüfung, aber sein Ehrgeiz ließ seine Stimmung in den Keller sinken. Norbert P begab sich zum Bierzelt. Hier trafen sich die Reiter während des Turniers, um das eine oder andere zu besprechen. Das Pferd wurde in der Zwischenzeit von einem Mädchen betreut. Sie übernahm das Auf- und Absatteln , das Putzen und Trensen, kurz die gesamte Pflege. Dafür erhielt sie von ihm kostenlosen Reitunterricht und durfte das ein oder andere Pferd für ihn abreiten. Beim Abreiten wurde das Pferd bewegt, damit die Muskeln vor dem Start durchgewärmt waren. Für seine Helferinnen war dies eine Anerkennung ihrer Reitfähigkeiten.

An der Biertheke wurde er zu einem Bier eingeladen. Das war hier so üblich. Man war zwar Konkurrent, aber kein Feind. Und was Norbert P gerade passiert war, das war jedem schon mehrmals passiert und somit nicht Außergewöhnliches. Darüber verlor man kein zweites Wort. So machte auch Norbert P keinen Hehl aus seinem Unmut. An der Biertheke herrschte ein fortwährendes Kommen und Gehen. Seine Trinkkumpane mussten ja auch in Prüfungen starten und davon gab es auf einem Turnier reichliche. So war er nicht überrascht, dass er auf einmal allein da stand. Er wandte sich dem Springplatz zu, um zu beobachten, wie der jetzige Starter mit den Schwierigkeiten dieses Parcours fertig wurde. Seine Gedanken wanderten zu der Dressuraufgabe, die er in einer halben Stunde mit einem anderen Pferd auswendig zu reiten hatte. Aus diesem Grunde hatte er auch nicht gemerkt, dass jemand neben ihn getreten war und ihn ansprach. Obwohl er nur den letzten Teil des Satzes verstanden hatte, wusste er, dass es sich um eine banale Äußerung über den Parcours handelte. Norbert P hatte diesen Herrn noch nie in seinem Leben gesehen. Er war mittleren Alters und Norbert P fiel auf, dass er gut gekleidet war. Wenn man einen unbekannten Menschen an einer Biertheke kennenlernt, dann beobachtet man ihn nicht so genau, denn wenige Minuten später hat man einen anderen Gesprächspartner. Mit diesem Menschen kam man aber sehr gut ins Gespräch und Norbert P gewann den Eindruck, dass sein Gesprächspartner wohl Ahnung vom Pferdesport haben musste. In dem Maße, wie Norbert P den Eindruck gewann, es mit einem sachkundigen Menschen zu tun zu haben, beobachtete er ihn genauer. Der Fremde hatte eine beginnende Stirnglatze, seine Schläfen begannen sich zu ergrauen. Dem hochgewachsenen, schlanken Norbert P reichte er nur bis zur Brust. Sein Bauchansatz ließ darauf schließen, dass er zwar auf seine Figur achtete, aber wohl selbst keinen Sport trieb. Die Qualität seiner Kleidung verriet, dass er gut betucht sein musste. Seine Kleidung war nicht sehr modisch, aber sie unterstrich unauffällig seinen Anspruch auf Anerkennung seiner gehobenen Position. In dem Maße wie Norbert P dies erkannte, wurde sein Gegenüber für ihn interessant. Hier schien es sich um jenen Typ zu handeln, der bereit war den Sport großzügig zu sponsern.

Wenn sich zwei Reiter über den Turniersport unterhalten, dann führt dies in der Regel zu dem Thema, das den Erfolg oder Mißerfolg zu erklären versucht. Man sprach über den Parcoursbauer, den Leistungsstand des Pferdes, das Glück der Konkurrenten und das Pech, das einen verfolgte. Als der Herr ihm gegenüber andeutete, Norbert P bei seinem Erfolg hilfreich zu sein, dachte er, dass ihn sein erster Eindruck nicht getäuscht hatte. Aber, als ob dieser seine Gedanken lesen konnte, erklärte dieser beiläufig, was Nobert P aufhorchen ließ.

Wissen Sie, ich habe Möglichkeiten, das Ergebnis einer Prüfung zu beeinflussen.“

Ach, fuhr es Norbert P durch den Kopf, so einer ist das! Der kennt die Richter und mit einem Fünfziger sorgt er ..“ Er hatte diesen Gedanken nicht zu Ende gedacht, als ihn der Kleine unterbrach.

Nein, Nein! Das habe ich nicht gemeint“, und mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen fuhr er fort: „Ich habe da andere Möglichkeiten, als Sie denken.“

Während sie dieses Gespräch führten, hatte der Ältere Norbert P. unauffällig abseits geführt, so dass sie gänzlich ohne Zeugen waren. „Sehen Sie! Wenn ich ihnen nun prophezeie, dass sie nächste Woche auf dem Turnier in Recklinghausen im M-Springen mit ihrem Pferd Caliscan Dritter werden, dann würden Sie meine Möglichkeiten immer noch nicht verstehen“.

Er machte eine Sprechpause, als wüsste er, dass Norbert P nun eine Denkpause nötig hätte. Dieser war in zweifacher Hinsicht sprachlos. Einmal überraschte ihn die Präzision der Vorhersage. Zweitens war er überrascht, dass der Fremde Details von ihm wusste, die ihm selber unbekannt waren. Er wusste zwar von seinem Start in Recklinghausen, aber welches Pferd dort zum Einsatz kam entschied sich immer kurzfristig, weil der Leistungsstand des Pferdes erst ein oder zwei Tage vor dem Turnier über den Start entschied.

Nein! Das würden sie als Zufall abtun. Wenn ich ihnen aber sage, dass ihre Siegeszeit 54,3 Sekunden betragen wird, dann werden Sie anders darüber denken.“ Als ob das Gespräch an dieser Stelle uninteressant zu sein schien, drehte sich der ältere Herr um und verschwand im Getümmel der Turnierbesucher.

 

Norbert P hatte die vergangene Woche so durchlebt, wie die vergangenen davor. Zwar hatten sich nach dem Gespräch mit dem Fremden die Gedanken in seinem Kopf überschlagen, aber er kam dann doch zu dem Schluss, es mit einem Spinner zu tun zu haben. Spätestens nach der Vorbereitung für die Dressurprüfung, in der er mit einem beachtlichen dritten Platz platziert wurde, hatte er den ganzen Vorgang schon vergessen. Erst als er sich am Samstag entschloss, im M-Springen auch mit Caliscan zu starten, dachte er wieder an seinen unheimlichen Gesprächspartner der letzten Woche. In der Hektik dieser Prüfung vergaß er diesen aber wieder. Es begann zu regnen, seine Pferdepfegerin hatte sich verspätet, so dass er Schwierigkeiten hatte, das Pferd in der verbleibenden Zeit noch richtig abreiten zu können. Als er in den Springparcours einritt, dachte er an nichts anderes, als an den Sieg. Erst, als er nach seinem Durchgang durch das Ziel auf seine Zeit wartete, denn Caliscan war diesmal fehlerfrei gewesen, musste er an diesen komischen Zeitgenossen wieder denken. Der Lautsprecher bestätigte den fehlerfreien Umlauf und verkündete eine Zeit von 54,4 Sekunden. Nach dem Durchgang des letzten Starters stand nun auch fest, dass er einen dritten Platz belegt hatte.

Bei der Platzierung erwischte er sich mehrmals dabei, wie seine Augen nach dem Fremden suchten, ihn aber nicht fanden. Denjenigen, den er anfänglich für einen Spinner gehalten hatte, musste doch etwas auf dem Kasten haben. Weil Norbert P an einer weiteren Zusammenkunft interessiert war, beobachtete er mehr als sonst die Turnierbesucher. Aber der Fremde zeigte sich nicht. Was er nicht wusste, war, dass man mit einem Sieger schlechter verhandeln kann, als mit einem Verlierer. Aber da greifen wir der Entwicklung schon voraus.

Zwei weitere Wochen waren ins Land gezogen und für Norbert P war die ganze komische Geschichte schon in Vergessenheit geraten. Der Stress mit Pferdeausbildung, Ställe ausmisten, Reparaturarbeiten durchführen, hatte ihn wieder in Beschlag genommen. Er saß eines morgens auf einem Dressurpferd, dass er für einen Kunden ausbildete. Wegen der schlechten Witterung hatte er sich mit dem Pferd in die Reithalle begeben. Um diese Zeit war er meistens alleine. Dies war ihm die liebste Zeit des Tages. Hier konnte er sich voll auf seine Aufgabe konzentrieren. Die anderen Reiter kamen meist später, weil diese berufstätig waren. Er war so auf das Zusammenspiel von Reiter und Pferd konzentriert, dass er gar nicht merkte, nicht mehr alleine zu sein. Er bemerkte den Fremden erst, als er dem Pferd die Zügel hingab und es lobte.

Sie müssen entschuldigen“, sprach ihn der Fremde mit einem Lächeln an. „Als ich ihnen ihre Siegerzeit nannte, da habe ich ganz vergessen, das es zu dieser Zeit regnen würde. Deshalb waren sie leider eine zehntel Sekunde langsamer. Entschuldigung!“

Norbert P wusste in diesem Moment nicht, was er sagen sollte. Weil er aber das Gefühl hatte, wie ein Trottel da zu stehen, fragte er unwirsch: „Woher wissen Sie, wo ich wohne?“

Ach! Das ist in den Reiterkreisen bekannt.“

Norbert P hatte sich wieder gefangen: „Verraten Sie mir Ihren Trick?“ Er gab seiner Stimme einen spöttischen Unterton, um dem Gegenüber wissen zu lassen, dass er über die Prognose eigentlich nicht überrascht war.

Ich sehe schon, Sie halten mich für einen Illusionisten, einen deutschen David Copperfield.“ Die Enttäuschung über die Abwertung seiner Fähigkeiten des Fremden war unüberhörbar. „Wie kann ich Sie überzeugen?“ Er wusste schon, wie er es anstellen wollte, aber er beabsichtigte, Norbert P scheinbar das Gesetz des Handelns zu überlassen.

Soll ich für Sie ein Pferd ausbilden?“ fragte der Reitlehrer. Bei diesem Thema da kannte er sich aus, hier fühlte er sich dem Unbekannten ebenbürtig. Und als ob der Fremde Gedankenlesen konnte stellte er sich vor:

Teufel ist mein Name, Jörg Teufel.“

Auch Norbert P stellte sich vor, nur um nun etwas zu sagen.

Um auf ihr Angebot mit dem Pferd zurückzukommen“, hörte Norbert P seinen Gegenüber sagen, „ich habe da ein Springpferd für Sie, mit dem können Sie alles gewinnen.“

Solche Sprüche waren Norbert P nicht unbekannt. Sie dienten meist dazu, ihn zu ködern, damit die Unterstellkosten zu drücken. Aber Herr Teufel ging auf diesen Punkt gar nicht ein.

Starten Sie mit ihm auf dem nächsten Turnier in Iserlohn. Sie können ja mit Caliscan einen Pferdetausch vornehmen. Es ist zwar wiederum nur ein M-Springen, aber das gewinnt mein Pferd auch.“

Sie wollen behaupten“, schluckte Norbert P seinen Klos im Halse herunter, „mit diesem Pferd werde ich die Prüfung gewinnen?“

Die Augen von Herrn Teufel lachten: „Soll ich Ihnen ihre Siegerzeit auch noch nennen?

 

Jörg Teufel ging auf seinen roten Sportwagen zu. Er öffnete die Tür. Sein Gesicht strahlte. Alles hatte sich so entwickelt, wie er es geplant hatte. Er zweifelte keinen Augenblick, dass er Norbert P. dort hatte, wo er ihn haben wollte. Er startete den Motor, schloss die Wagentüre, die mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss fiel. Langsam fuhr er den Sportwagen von der Reitanlage. Dann steuerte er den Wagen in Richtung Autobahn.

Es geschah wie beide es vereinbart hatten. Herr Teufel brachte am nächsten Tag, wie versprochen, sein Pferd. Es war ein Rappe, ohne jegliche Blässe. Ein so tiefschwarzes Fell war selten. Norbert P setzte sich kurz darauf auf das Pferd, um es abzureiten und probezuspringen. Er merkte sofort, dass dieses Pferd gut reitbar war. Auch bei der Überwindung der Hindernisse zeigte das Pferd seinen ausgezeichneten Trainingszustand. Das Tier sprang gerne, was keine Selbstverständlichkeit war und es schien Talent zu haben. Aber trotz allem, Norbert P blieb skeptisch, was die Vorhersage anbelangte. Er suchte noch immer nach dem Trick des Fremden, fand aber keine Lösung. Das Wochenende kam und damit auch das Turnier. Rechtzeitig vor der Springprüfung ließ Norbert P einen Pferdewechsel eintragen. Vor der Springprüfung bereitete er das Pferd so vor, wie er es immer tat. Er startete, weil er gewinnen wollte, nicht um den Wahrheitsgehalt einer Wette zu überprüfen. Jörg Teufel war nirgendwo zu sehen. Aber dies war gut so. Wenn die Besitzer beim Turnier anwesend waren, dann konnte man das Pferd nicht so richtig anpacken. Für seine Auftraggeber war ein Pferd meistens ein Kinderersatz. Er sagte immer „Schlag ein Kind und man fragt nach deiner pädagogischen Absicht. Schlag ein Pferd und man stempelt dich zu einem Tierquäler!“ Norbert P ritt zur Prüfung ein. Er hatte ein gutes Gefühl. Nach Ertönen der Signalhupe legte er los. Ein kurzer Druck mit den Sporen und das Pferd sprang in den Gallop. Das Pferd ließ sich ausgezeichnet steuern, hatte eine weite, raumgreifende Galloppade und sprang mit mächtigem Schwung über die Hindernisse. Fehlerfrei! Die Zeit war ausgezeichnet. Diesmal würde er wirklich vorne mit dabei sein. Als der letzte Konkurrent den Parcours verlassen hatte, war klar, Norbert P hatte diese Prüfung gewonnen.

Er fühlte sich in Hochstimmung. Hier hatte jemand ihm ein wirklich gutes Pferd zur Verfügung gestellt. Nach der Siegerehrung fiel ihm ein, er hatte über die Siegerprämie nicht gesprochen. In der Mitte der Woche erschien auf einmal Herr Teufel auf dem Reiterhof und gratulierte dem Turnierreiter zu seinem Erfolg. Norbert P dachte, das Gespräch würde sich nun in die Richtung entwickeln: Einstallungspreis, Berittkosten, Startgebühren für das Turnier, Siegesprämien. Hier aber täuschte er sich, denn sein Gesprächspartner ging darauf überhaupt nicht ein.

Wenn Sie wollen, lasse ich Ihnen das Pferd noch eine Weile“, sagte er freundlich. „Ich mache Ihnen ein Angebot. Sie dürfen mit dem Pferd noch zwei ...Na gut! dreimal starten“, verbesserte er sich, als er die Enttäuschung in Norbert P´s Augen sah. „Dann sehen wir weiter.“ Er drehte sich um, ging auf seinen roten Sportwagen zu, stieg ein und fuhr los.

Norbert P. war in diesem Moment ein wenig perpex, er wusste weder die Adresse von Herrn Teufel, noch den Namen von diesem Pferd.

Die nächsten drei Wochen waren, was die Turnierteilnahme betraf, für Norbert P äußerst erfolgreich. Er gewann nicht nur alle Springen, die er mit dem Rappen absolvierte, auch in der Dressur schnitt er hervorragend damit ab. Davon hatte er immer geträumt. Mit einem solchen Pferdematerial würde er im kommenden Jahr in der nächst höheren Leistungsklasse starten dürfen. Wenn der Sponsor für den Beritt und das Einstallen nichts bezahlen wollte, so würde Norbert P dies im Grunde akzeptieren. Durch die Siegprämien käme er schon auf seinen Schnitt. Nach der verabredeten Zeit tauchte Herr Teufel wie erwartet auf dem Reiterhof auf. Norbert P hatte sich schon seine Strategie zurecht gelegt. Aber das Gespräch nahm wiederum einen anderen Verlauf, als der Reitstallbesitzer es gedacht hatte.

Herr Teufel eröffnete ihm ohne Umschweife, dass er nun sein Pferd würde abziehen müssen. Norbert P fragte nach den Gründen: Ob er das Pferd nicht genug gepflegt hätte? Ob er es nicht zufriedenstellend ausgebildet hätte? Ob er es nicht erfolgreich eingesetzt hätte?

Dies ist für mich überhaupt nicht die wichtige Frage“, entgegnete Herr Teufel. „Sie haben wohl noch immer nicht erkannt, das dies ein besonderes Pferd ist. Mit diesem Pferd ist ihnen jeder Turniersieg sicher, wenn Sie sich an die Vereinbarungen halten.“

Von welchen Vereinbarungen sprechen Sie“, fragte der Turnierreiter? „Wir haben doch gar nichts vereinbart, wenn Sie sich erinnern.“

Sehen Sie!“ eröffnete ihm sein Gegenüber, „Nun scheinen Sie langsam zu verstehen! Ich kann ohne Gegenleistung ein solches Pferd nicht aus der Hand geben.“

Norbert P. Machte ein langes Gesicht. Er schien nun langsam zu begreifen, dies würde wohl teurerer werden, als er gedacht hatte. Und so fragte er nach den Kosten.

Wenn Sie jetzt an Geld denken, dann kann ich Sie beruhigen“, hörte er den Fremden sagen. „Ich weiß, dass Sie kein reicher Mann sind. Als Gegenleistung hätte ich gerne Ihre Moral.“ Als er das Unverständnis seiner Gedanken in den Augen des anderen sich widerspiegeln sah, setzte er erklärend hinzu: „Wenn Sie mir ihre Moral für drei Monate überlassen, dann sollen Sie ein Vierteljahr über mein Pferd verfügen dürfen.“ Er gab seiner Stimme einen unverfänglichen Klang, um seinem Gegenüber von der Harmlosigkeit seiner Forderung zu überzeugen.

Nun war Norbert P. kein intellektueller Mensch. Er überlegte, ob er seine Moral zum Turniersport brauchen würde und schlug nach kurzer Bedenkzeit in die dargebotene Hand von Jörg Teufel ein. Der Handel war perfekt.

Jörg Teufel schaltete mit der rechten Hand den Getriebehebel schnell. Mühelos beschleunigte der Wagen. Doch sein Fahrer nahm dies kaum wahr. Seine Gedanken waren noch bei dem gerade geführten Gespräch. Er war sicher, sich richtig verhalten zu haben. Hier hatte er endlich wieder einen Menschen gefunden, der nicht erkannte, wie er sich ihm in die Hand begab. Im Grunde war seine Strategie simpel. Aber Simples war immer schon erfolgreich. Wenn man einen Menschen in seine Gewalt bekommen wollte, dann musste man seinen Charakter in den Griff bekommen. Dies war immer dann leicht, wenn man bewusst verzichtete, an das Geld des Menschen zu wollen. Auf ihre materiellen Interessen achteten die Menschen viel genauer, als auf ihre immateriellen. Das Hinweisschild zur Autobahn riss ihn aus seinen Gedanken. Er musste sich nun konzentrieren. Er pflegte stets eine hohe Geschwindigkeit zu fahren. Er hatte es, wie immer, eilig. Der nächste Kunde für eine Privatstunde wartete schon.

Die Reitstunde war brechend voll. Der reiterliche Erfolg von Norbert P. hatte sich wohl langsam herumgesprochen. Als der Turnierreiter seine Abteilung auf einem Zirkel reiten ließ, sah er unter den Zuschauern das bekannte Gesicht. Alle Achtung, dachte er. Der ist wohl pünktlich. Norbert P. schoss durch den Kopf, wie erfolgreich das letzte Vierteljahr gewesen war. Die Erfolge auf den Turnieren hatten sich erwartungsgemäß eingestellt. Er galt schon etwas in der Reiterszene als Koryphäe, auch seine finanziellen Erwartungen hatten sich voll erfüllt. Bei diesen Gedanken umfasste eine eiserne Klammer sein Herz. Sollte mit seinen Erfolgen schon Schluss sein? Norbert P. beendete die Stunde heute früher, als er es gewöhnlich tat, aber er brauchte die Gewissheit. Er ging zielstrebig auf Herrn Teufel zu und begrüßte ihn wie einen alten Bekannten. Nach ein paar Höflichkeitsfloskeln bat er seinen Kunden, denn so sah er ihn, zu einem Glas Bier. Hier konnten sie sich ohne Zeugen aussprechen.

In seinen Ausführungen machte Herr Teufel klar, dass er gar nicht daran dachte, das Mietverhältnis aufzulösen. Dies erfüllte Norbert P. mit einer Genugtuung. Die Verlust seiner Moral hatte er überhaupt nicht gespürt. Als Herr Teufel für eine weitere Verlängerung um ein weiteres Vierteljahr diesmal für die Bezahlung zusätzlich Ps. Menschlichkeit forderte, willigte Norbert P. ohne lange zu zögern bereitwillig ein. Was er bislang immer vermutet hatte, das stellte sich nun als Wahrheit heraus. Er musste es mit einem Verrückten zu tun haben. Indem er beim letzten Mal mit seiner Moral bezahlt hatte, war ihm aufgefallen, dass er über weniger Skrupel verfügte, als vorher. Aber dies hatte sich eher als Vorteil, denn als Nachteil sowohl im Sport wie auch im Geschäftsleben ausgewirkt. Norbert P. hing noch immer diesen Gedanken nach, so dass ihm gar nicht auffiel, wie Herr Teufel sich verabschiedend empfahl.

Die fortschreitende Zeit hatte viele Kalenderblätter abreißen lassen. Die Beziehung zwischen Herrn Teufel und dem Turnierreiter war freundschaftlicher geworden. Sie duzten sich inzwischen. Norbert P. hatte seinen Ruf als der beste Stilist im Springsport gefestigt. Er war ins Kader für die Nationalmannschaft berufen worden. Sein Reitstall hatte sich zu einer Ausbildungsstätte für den reiterlichen Nachwuchs gewandelt. Um seinen Rat wurde landesweit gebuhlt. Zwar hatte er für die Vertragsverlängerung nach und nach mit allem bezahlt, was er an Charaktereigenschaften besaß: Freundlichkeit, Genügsamkeit, Verantwortungsbewusstsein. Er wusste schon lange nicht mehr, womit er die Verlängerungen überhaupt bezahlt hatte. Ja sogar mit seiner Seele und seiner Ehre hatte er den komischen Freund zufriedenstellen können. Nur an eines konnte er sich stets verlassen, pünktlich, auf den Tag genau, kreuzte Herr Teufel auf, egal, wo sich Norbert P. befand, forderte irgend eine Charaktereigenschaft, die Norbert P. noch besaß und verschwand.

Herr Teufel hatte das Gefühl, Norbert P. Nun schachmatt gesetzt zu haben da war er sich sicher. Aus dieser Zwickmühle würde der Turnierreiter sich nicht mehr befreien können. Zu viel hatte er schon gegeben und zu viel hatte dieser empfangen. Er war sich sicher, dass Norbert P. für keinen Preis der Welt auf seine künftigen Vorteile im Turniersport verzichten würde. In dieser Selbstsicherheit schwang aber ein kleiner Zweifel. Er konnte es nicht genau erklären, aber seine anderen Patienten hatten in dieser Phase den Verlust ihrer Charaktereigenschaften zumindest als Manko empfunden, wenn auch sie noch nichts unternommen hatten, diesen Mangel zu beheben. Die Tachometernadel zeigte die Zahl 260 an, als circa 100 Meter vor ihm ein langsam fahrendes Fahrzeug auf die Überholspur zog, um einen LKW zu überholen. Reifen und Bremsen heulten auf. Das ABS des roten Sportwagens arbeitete ordnungsgemäß. Er wollte zu diesem Zeitpunkt nicht in einen Unfall verwickelt werden. Seine rechte Hand holte aus dem Handschuhfach ein kleines Diktiergerät und schaltete dies gleichzeitig ein. Er sprach einige Bemerkungen auf das Band, bevor er das Kennzeichen seines Vordermanns diktierte. Er würde feststellen lassen, wem dieser Wagen gehörte. Dann würde er sich diesen rabiaten Fahrer einmal zur Brust nehmen.

Norbert P. war unwirsch. Keiner konnte ihm etwas recht machen. Er fluchte und tobte über jede misslungene Kleinigkeit. Der eine hatte das Pferd nicht genug gebogen, der andere hatte nicht schnell genug vor ihm den Hufschlag frei gemacht. Bei einem weiteren hatte das Pferd geäppelt und dieser hatte den Haufen nicht schnell genug weggefegt. Dies war wieder einer der Tage, wo man besser dem Chef aus dem Wege ging. Norbert P. merkte von dem alles nichts. Sein Gehirn war einzig und allein mit dem beschäftigt, war Jörg gestern bei ihrem Treffen so beiläufig als Bemerkung hatte fallen lassen: Er wüsste nun nichts mehr, was er als Bezahlung einfordern könnte. Norbert sollte, so ihre Übereinkunft, als sie sich trennten, sich bis heute Abend etwas einfallen lassen, womit er bereit sei zu zahlen.

Norbert P. hatte schon lange versucht, das Geschäft mit dem Rappen auf eine >vernünftige Grundlage< zu stellen, wie er es selbst genannt hatte. Statt der Bezahlung von so unsinnigen Sachen wie Ehre, Anstand, Verlässlichkeit hätte er viel lieber mit dem Jörg alles >Halbe Halbe< gemacht. Norbert P. hatte aufgrund seiner Turniererfolge und durch den Aufschwung in seinem Ausbildungsstall richtiges Geld verdient. Im Moment liefen Verhandlungen mit einem Uhrenhersteller aus dem Ausland über eine Werbekampagne. Seine Nominierung für die Europameisterschaft stand so gut wie sicher fest. Aber Jörg zeigte kein Interesse, die Gegenleistung in finanzieller Form anzunehmen.

Halbe Halbe hörte sich immer gut an. Dabei war dies nur gut für denjenigen, der die Hand am Hebel hatte. Und dieser war Norbert P. Da der Jörg um die genauen Einkünfte nicht Bescheid wusste, würde er nie genau die Hälfte bekommen. Ein Drittel seiner Einkünfte wären auch genug. Aber Jörg Teufel hatte wie immer lächelnd abgelehnt. In dem Augenblick schoss es Norbert P. durch den Kopf, dieser Mann musste ausgeschaltet werden. Er wusste im Moment nur nicht wie.

Für Norbert P. entwickelte sich die ganze Geschichte mit dem Rappen anders als erwartet. Pferde reiten, ausbilden und turniermäßig starten, dies war seine Stärke. Aber dieses Verhältnis, wo statt mit Geld mit nicht Fassbarem gezahlt wurde, verunsicherte ihn zusehends. Zuerst dachte er daran, es mit einem Spinner zu tun zu haben. Spinner verdienten es geradezu, betrogen zu werden. Mit dem Rappen hatte er einen solchen Erfolg, dass er diesen nicht mehr missen wollte. Aber diese Lorbeeren verdankte er nicht diesem Pferd, sondern seiner Reitkunst. Aber ihm war schon lange klar, dass ein solcher Spinner auch unberechenbar sein konnte. Schon morgen könnte der den Rappen abziehen. Dann könnte er seine Fähigkeiten nicht mehr auf den Turnierplätzen auf diesem hohen Niveau unter Beweis stellen. Er hatte aus diesem Grunde vorgebeugt und seine Beziehungen spielen lassen. Viele waren froh, einem so bekannten und erfolgreichen Reiter wie Norbert P. einen Gefallen tun zu können. Auf diese Weise hatte er sich Papiere besorgt, die ihn als Eigentümer des Pferdes auswiesen. Es wurde Zeit, diese Karte langsam auszuspielen, wenn Jörg Schwierigkeiten machen sollte. Solange dieser Spinner so einen Mist wie Ehre, Gewissen als Bezahlung einforderte, war alles in Ordnung. Wollte er aber dieses Pferd abziehen, dann musste er handeln. Aus weiser Voraussicht hatte er zwei Männer angeheuert, die Jörg Teufel so lange unter Druck setzten sollten, bis dieser freiwillig auf den Rappen verzichtete.

Der rote Sportwagen surrte fast geräuschlos über die Autobahn. Die Servolenkung ermöglichte auch bei dieser Geschwindigkeit den Wagen leicht in der Spur zu halten. So konnte Jörg Teufel ungestört seinen Gedanken nachhängen. Er war auf dem Wege zum Turnierreiter. Es war Zeit, dieses Geschäft nun zu beenden. Heute war Zahltag. Heute würde er den Charakter von Norbert P. bekommen. Früher hätte man auch Seele dazu gesagt, aber wie gesagt früher. Der Charakter bestimmte, was man für ein Mensch war und daran war er interessiert. Allerdings hatte ihn etwas irritiert. Irgendetwas verlief bei diesem Reiter anders, als in all den anderen Fällen. Diesem Menschen schien in keiner Weise zu stören, all das abzugeben, was eigentlich Menschsein bislang ausgemacht hatte. Aber er war sich sicher, die Sache weiter unter Kontrolle zu halten. Er verzögerte die Geschwindigkeit des Sportwagens, weil er die nächste Abfahrt nehmen wollte. Der Wagen nahm die Richtung zum Reiterhof ein.

Das Gesicht des Turnierreiters war purpurrot bis violett. Seine Stimme überschlug sich. Längst hatte er die Grenze, wo er kontrolliert einen Tobsuchtsanfall simulierte, überschritten. Jörg Teufel hatte ihm mit aller Deutlichkeit klargemacht, dass er das >Spielchen mit dem Pferd<, wie er es nannte, beenden wollte. Norbert P. hatte versucht, seine Karte zu spielen, die ihn als Eigentümer dieses Rappen auswies. Als er aber nach den Papieren suchte, waren diese in den wichtigsten Angaben teilweise nicht ausgefüllt. Norbert P. änderte daraufhin seine Taktik. Er versuchte seinem Jörgi, dem er noch vor einigen Minuten mit Erschlagen gedroht hatte, klarzumachen, dass dieses Pferd ohne sein Reittalent vollkommen wertlos sei. Er bot Geldsummen an, die er im Vorfeld nicht bereit war zu zahlen. Nach und nach erkannte er, dass er es die ganze Zeit mit einem Menschen zu tun hatte, der wusste was er wollte. Und dies war er selbst. Herr Teufel verlangte seine Selbstaufgabe.Er sollte sich ihm bedingungslos ausliefern. An dieser Stelle erkannte er seinen Fehler, was es bedeutete auf seine Charaktereigenschaften nach und nach verzichtet zu haben. Aber diese waren nun weg und solche Eigenschaften wie Selbstsucht, Gemeinheit oder Habgier wollte er seinem Verhandlungspartner nicht anbieten, weil er darauf nicht verzichten konnte. Als Jörg Teufel erkannte, dass er es mit einem Menschen zu tun hatte, der kaum einen Deut besser war als er selbst, gab er den Versuch auf, Norbert P. vorerst unter seine Kontrolle zu bringen. Er drehte sich grußlos um und verließ den Raum.

Man konnte dem Fahrer des roten Sportwagens beim Überholen ansehen, wie gedankenverloren dieser war. Das war ihm in seinem langen Arbeitsleben noch nie passiert. Letztendlich hatte auch der Stärkste klein beigegeben. Nun überlegte er, wie er in einer solchen Situation handeln sollte. Indem solcher Art Gedanken durch seinen Kopf zogen, bemerkte er nicht den großen, schwarzen Wagen. Dieser hatte mit rasanter Geschwindigkeit zum Überholen angesetzt. Als er auf der gleichen Höhe mit dem roten Sportwagen war, verlangsamte er seine Geschwindigkeit. Kaum stimmte die Geschwindigkeit beider Wagen überein, wurde die Scheibe des schwarzen Fahrzeugs herunter gelassen. Das Gesicht eines blassen Mannes, mit schon ins weiß gehendes Haar wurde sichtbar. Er zeigte mit der rechten Hand auf die Person Jörg Teufels. Der Zeigefinger berührte mehrmals den Abzug einer Waffe, den die Hand nun freigab. Die Scheibe des Sportwagens zersplitterte und zeigte feine Risse. Sie wurden immer kleiner und versperrten die Sicht auf den Fahrer des Sportwagens. An sich sollte nun der schwarze Wagen so schnell wie möglich den Überholvorgang beenden, um sich aus dem Staube zu machen. Weil aber der Sportwagen seine Spur hielt, fühlte sich der Schütze verunsichert. Deshalb befahl er seinen Fahrer, doch die Geschwindigkeit zu drosseln. Er wollte die gerade die restlichen Kugeln aus seiner Waffe abfeuern, als die zersplitterte Scheibe auf einmal seine Festigkeit verlor. Damit war der Blick frei auf den Fahrer des roten Sportwagens. Das letzte, was der Blonde in seinem Leben sah, war ein diabolisches Lächeln. Im gleichen Augenblick fuhr der schwarze Wagen über ein vereistes Straßenstück. Er schaukelte unwillig nach links, dann nach rechts. Und wie von einer Feder beschleunigt schoss er auf eine Baumgruppe zu, die auf der linken Straßenseite förmlich auf ihn wartete. Der rote Sportwagen entfernte sich, als sei nichts geschehen. Da es mitten im Hochsommer war, verschwand das Glatteis so schnell, wie es gekommen war.

Die Polizei, welche den Unfall später aufnahm, stellte fest, dass der Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit ungebremst von der Straße abgekommen war. Keiner der beiden Insassen hatte dies überlebt. Der Trauerrand in der Todesanzeige der Tageszeitung war besonders breit. Auch die Buchstaben waren viel größer, als in üblichen Traueranzeigen. Wer weiter las, stellte fest, dass einige Kondolierende weitere Anzeigen vergleichbarer Größe in Auftrag gegeben hatten. Die Familie, der Verein, der Kreis- und Landesverband, ja sogar der Bundestrainer trauerten um das plötzliche Ableben von Norbert P. Er war am Morgen nach diesem denkwürdigen Gespräch aus unerklärliche Gründen beim Trainingsspringen vom seinem Rappen gefallen und hatte sich den Hals gebrochen. Kein Mensch interessierte sich dafür, dass der Rappe auf einmal verschwunden war.

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