Francois Loeb

CLON

Neue Technologien werden künftige Leben verändern! Zu lesen in meiner nesten Wochengeschichte:


Spannende Wissenschaftsnachrichten erreichen mich täglich. Dazu habe ich verschiedene Abonnemente abgeschlossen. Lasse mir das Neuste über Stichwortsuche von Google und Bing täglich übermitteln. Neugierig bleiben ist lebensverlängernd, las ich erst kürzlich. Und in meiner Hochbetagten Kategorie, in der ich nolens volens seit neuestem eingestuft bin, ist dies dreifach wichtig. Denn das Ende des Lebens zeichnet sich in nackten Zahlen ab. In Durchschnittsaltern. Errechnet von statistischen Ämtern. Kleiner als dasjenige von Frauen. Kavaliershaft, denke ich bei diesem Ergebnis. Echt Mann. Echt Gentleman! Wohl aus dem angelsächsischen Raum importiert. Nein, eingeführt, um das teutonische Wort zu nutzen zu dem ich mich verpflichtet fühle. Schliesslich beschwere ich mich auch immer über die Anglizismen. Die selbst unsere Literatur zu unterlaufen beginnen. Gegen Latinismismen und Romanismen hätte ich nichts einzuwenden. War ich doch stets ein miserabler Lateinschüler. Bis zu dem Rauswurfpunkt in der klassischen Abteilung des Gymnasiums. Würde diese also nicht bemerken. Doch zurück zur Wissenschaft. Zu der Kreativität der Wissenschaftler. Der Nobel- und anderen Preisträgern. Da bekomme ich doch heute, es ist Ostersamstag, der Tag des Columbus mit seiner genialen Eierlösung, die ganz ohne Latein auskommt, eine Eilmeldung, dass erstmals gelungen sei das Hündchen der Präsidentin, an der sie fester hing als an ihrem Ehemann, zu clonen. Dem Hündchen dadurch eine identische Persönlichkeit geschenkt werde, wie demjenigen das todkrank darniederlag. Und zwar nicht nur ein Hündchen! Nein, deren drei, sodass zwei Reservetierchen, komme was da wolle, einst auf der Ersatzbank des Präsidentinnen-Welttheaters einsatzbereit sein würden, falls das neue Original wirklich im Versterben sich verstricken würde. Die Präsidentin fand dadurch zu neuem Glück. Kann das Land weiterhin vor allem Unbilden schützen, nachts dem Todgeweihten lächelnd Trost spenden, es darauf hinweisen, dass seine Nachfolge im Identischen gesichert sei.
Diese Meldung beschäftigt mich mehr als alle bisherigen. Denn als Hochbetagter muss ich täglich an mein Lebensende denken. Kaue darauf herum, als sei es ein über zähes Stück Trockenfleisch, das auch nach 24 Stunden des Kauens keine Weichheit erreichen kann. Ein Gedanken beginnt sich in meinem Hirn zu formen: ‚Ich will auch!‘ Melde mich gleich per Mail bei dieser genialen Wissenschaftlerin, melde mich als Freiwilliger für ihre Clonversuche. Werde erstaunlicherweise gleich empfangen. Unterzeichne 33 Formulare in denen ich alle Verantwortung fürs Ge- oder Misslingen auf mich persönlich nehme. Weder ich, noch meine Erben ein Recht auf Schadenersatz haben würden. Auf die Frage wie viele Clone ich wünsche, antworte ich kurz und knapp: 'Nur eins'. Denn nicht wahr, ich würde es nicht aushalten mit drei solchen wie mich leben zu müssen. Diese zu akzeptieren. Zu tolerieren. Zwei von ihnen, wie beim Hündchen, auf die Reservebank des Lebens zu verbannen. Nur noch ein kleines Quäntchen sei ich von der Verwirklichung meines Traums entfernt, wird mir vom Clon-Team beschieden. Ich müsse wissen, dass keine Garantie gegeben werden könne in welchem Jahrhundert der Zukunft das Resultat der Clonung erscheinen werde. Auch dem stimme ich zu. Da kann mir wirklich nicht viel dabei geschehen. Jahrhundert hin oder her. Nur nicht rückwärts in die Zeit der Lateiner. Aber Zukunft das ist bestens. Die Prozedur beginnt sogleich. Scanner. Röhren. Summen. Kratzgeräusche. Lautes Miauen. Dann ein Bellen. Werde aus der hochbetagten Existenz entlassen. Hänge nicht mehr am Leben. Lasse es fahren. Ich weiss ja, dass ich eine Wiedergeburt vor mir habe. Erwache tatsächlich. Werde von komisch aussehenden Wesen aufgegriffen. Eingefangen. Als wissenschaftliche Sensation eingestuft. In einem Käfig zur Schau gestellt. Kann mit Augenrenken den Text am Käfig lesen. CLOWN! Was bedeutet nur dieses Wort? Ist es Lateinisch frage ich mich?



Erstaunlich was ein zusätzlicher Buchstabe in einem Wort bewirken kann und trotzdem tröstlich!
Herzlichst Ihr François Loeb

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.06.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Stream of thoughts: Stories and Memories – for contemplating and for pensive moments (english) von Heinz Werner



Do we know what home is, what does this term mean for modern nomads and cosmopolitans? Where and what exactly is home?
Haven't we all overlooked or misinterpreted signs before? Are we able to let ourselves go during hectic times, do we interpret faces correctly? Presumably, even today we still smile about certain encounters during our travels, somewhere in the world, or we are still dealing with them. Not only is travveling educating, but each travel also shapes our character, opens up our view for other people, cultures and their very unique challenges.
Streams of thoughts describes those very moments - sometimes longer, sometimes only for a short time - that are forcing us to think and letting us backpedal. It is about contemplative moments and situations that we all know.

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