Ulrich Pätzold

Über einen Roman, den ich geschrieben habe

Ulrich Pätzold

Über einen Roman, den ich geschrieben habe:

Sonnenfinsternis – Im Hinterhof der Politik

 

Reise durch das Buch

Kein Roman kommt ohne Informationen über sich aus. Ohne Ausweise, Lebensläufe und Profile kommen auch wir Menschen nicht weit. Wenn wir jemanden kennenlernen, uns für ihn interessieren, wollen wir möglichst viel über ihn wissen. Wir fangen an, miteinander zu kommunizieren. So stelle ich mir das auch bei Büchern vor. Wir schreiben unsere Klappentexte, bauen kunstvolle Autorenzeilen und posten wo möglich kurze Inhaltsangaben. Dabei bewegen wir uns in ziemlich stupiden Formaten. Ein Roman bekommt auf diese Weise ein mehr oder weniger erkennbares Profil, aber er eignet sich damit noch lange nicht als eigenes Subjekt für die Kommunikation.

Es geht um meinen Roman „Sonnenfinsternis – Im Hinterhof der Politik“, den ich zunächst nur als E-Book veröffentlicht habe. Ich möchte die digitalen Plattformen nutzen, damit netzaffine Lerser:innen meinen Roman kennenlernen. Ich wähle also eine neue Methode, mit der mein Roman zu kommunizieren versucht, Freunde finden kann und Freundschaften, oder auch zu verstehen gibt: Ich bin nichts für dich. So ist die Idee entstanden, ein eigenes bescheidendes Buch zu schreiben, in dem ich den Roman ein wenig wortreicher vorstelle, als es mir die Formate im Marketing ermöglichen.

Wie man Reiseführer schreibt, habe ich also einen Buchführer zusammengestellt, einen Führer über den Roman „Sonnenfinsternis – Im Hinterhof der Politik“. Es gibt viele Menschen, die vorher in einem Reiseführer ausführlich stöbern, bevor sie ihre Reise buchen oder eine Reise antreten. So stelle ich mir das auch bei meinem Roman vor: Es gibt einen ersten Impuls, einen Roman über das politische Geschehen in einer bestimmten Zeit mit ihren komplexen Anforderungen an die politisch Handelnden zu lesen, aber man will vorab mehr darüber erfahren, auf was man sich einlässt, einen solchen Roman wirklich lesen zu wollen.

Ein Romanführer also mit einem ganz einfachen Aufbau. An den Anfang stelle ich seine allgemeinen Merkmale, gleichsam den Romanausweis, wie er im Klappentext, mit der Autorenzeile und einer kurzen Inhaltsangabe zur Verfügung gestellt wird, damit er die Grenzen zu den Distributionsplattformen wie z.B. Amazon, Google oder Apple passieren kann. Entsprechend sind übrigens auch die Angaben in der Romananzeige auf diesem Forum.

In meinem Romanführer beschreibe ich in kurzen Moderationen den Ablauf der einzelnen Kapitel und füge mehr oder weniger kurze Zitate aus ihnen als szenische und literarische Merkmale und auch als Charakterisierung der Personen im Roman bei.

Im Roman steht natürlich viel mehr geschrieben, als ich im viel kleineren Führer andeuten kann. Teilweise bin ich mit meinen Recherchen tief in die Details gegangen. Durch diese Details wird Zeitgeschichte zum engmaschigen Stoff, der die Protagonisten umhüllt. Sie sollen davor bewahren, die vielen einzelnen Episoden und Auseinandersetzungen vorschnell in Urteilen oder gar Verurteilungen zu vereinnahmen. Das Nachdenken kann nur der ganze Roman fördern. Dieser Romanführer soll aber dazu einladen, sich auf dieses Nachdenken einzulassen.

Auf eine den ganzen Roman durchziehende Spannung wird aber bereits hier hingewiesen.. Es geht in der Politik um Macht. Sie ist auch im Roman das tragende Thema. Ich habe in den Mittelpunkt einen fiktiven, Macht suchenden Abgeordneten des Deutschen Bundestages gestellt. Rationalität und Irrationalität sind Grundpfeiler einer Persönlichkeit, über die sie sich in das politische Machtspiel einspannt. Mit literarischen Mitteln ist dieser doppelte Boden ansprechender, unterhaltender zu gestalten als in der distanzierten Analyse der Theorie oder der Psychologie. Ich arbeite mit Geschichten, mit Karikatur, mit bis ans Absurde grenzenden Verstrickungen. Aber ich werbe entschieden auch dafür, der Vernunft in der Politik mehr Räume zu geben. Wenn Politiker ernsthaft darüber nachdenken, was sie tun und warum sie es tun, dann ist für uns alle in der Demokratie viel gewonnen.

Mit dem Romantitel „Sonnenfinsternis -  Im Hinterhof der Politik“ habe ich bereits diesen Spannungsbogen zwischen Rationalität und Irrationalität angedeutet. M, der Abgeordnete, lebt von Selbstbestätigungen durch eine Wahrsagerin. Nach meinem Willen als Romanautor muss dieser Politiker scheitern, rast am Ende des Romans in seine eigene politische Sonnenfinsternis. Um das zu verstehen, soll dieser kleine Romanführer mit ersten Leseschritten in die Welt von M begleiten.

 

Um was geht es 

Mit Beginn der Coronaepidemie Anfang 2020 hat mein Schreiben des Romans „Sonnenfinsternis – Im Hinterhof der Politik“ rasant an Fahrt aufgenommen. Ich erzähle über das verworrene Leben eines fiktiven Bundestagsabgeordneten.

Bücher schreiben zu können, empfinde ich als Privileg. Doch Schreiben ist ein sehr einsamer Vorgang. Ein Buch zu machen, ist ein Projekt, für das ich gerne kostbare Lebenszeit investiere. Womit habe ich mich beschäftigt? Was will ich mit dem Buch? Was geschieht auf den Strecken seiner Veröffentlichung?  Am 20. Mai 2015 gab es eine Sonnenfinsternis. Da beginnt meine Geschichte. Sie symbolisiert Irrationalität im Leben eines Politikers in einer politisch rationalen Umgebung eines Parlaments. Was in den nächsten drei Monaten mit meinem Protagonist geschieht, ist spannend und voller Informationen, die das Nachdenken fördern sollen. Am Ende rast mein Protagonist in seine eigene Sonnenfinsternis. Damit endet der Roman.

Das literarische Konzept

Der Handlungsrahmen ist breit gespannt. In ihm erreichen Reflexionen beachtliche Tiefe – vor allem in den mittleren Kapiteln. Einige Szenen sind skurril, andere stellen die Protagonisten in die Recherchen zur Zeitgeschichte und erzeugen flimmernde Vexierbilder.  So verschwimmen die inneren Welten der Protagonisten mit den äußeren Welten der Politik. Zwischen Rationalität und Irrationalität gewinnt der Zwischenraum Konturen, in dem die Macht gedeiht oder zerbricht. Leserinnen und Leser finden Halt in vielen Detailbeschreibungen oder wischen sich verwirrt die Augen angesichts der dunklen Schatten aus den unzugänglichen Tiefen des immer präsenten Seelenlebens. Man liest ohne klaren Kompass  für das, was man erwartet.

Leseerwartungen

In dem Roman werden viele Eigenschaften und Episoden des Protagonisten so erzählt, dass M herzlich unsympathisch rüberkommt. Die Partie zwischen Identifikation versus Ablehnung mit der Hauptfigur ist bereits von Anfang an entschieden, wird aber tatsächlich am Ende als unentschieden abgepfiffen. Der Grund für diese Unentschiedenheit kann in den Wünschen der Leserinnen und Leser, in ihren Gewohnheiten und Erwartungen liegen., kann aber auch als logische Konsequenz des Systems Politik und seiner Wirksamkeit in der Persönlichkeit des Politikers verstanden werden. Eine Lebensgeschichte prägt den politischen Menschen.

Das Politische - Thema des Romans

Das Politische wird in einem Kraftfeld des Unpolitischen geradezu chemisch aufgelöst, wie im letzten Kapitel beschrieben. Die Fragilität des Rationalen der Politik und das Schauerliche innerlicher Irrationalität sind die beiden Ebenen des Roman, in denen der Protagonist M lebt. Beide Ebenen verknüpfen seine Persönlichkeit romanhaft miteinander. Das erzeugt kaltes Schaudern, dem sich das Lesen nicht entziehen kann, so anspruchsvoll auch die politische Gemengelage im Jahr 2015 beschrieben und ausgemalt wird  – islamistischer Terror, Flüchtlinge, marodierende Rechtsextremisten, reflektierende und nach Erklärungen suchende Politiker. Am Ende ist M als Politiker gescheitert. Die Wirksamkeit des banalen Bösen hat ihn nicht vereinnahmt, aber ihm den Boden für eine Karriere entzogen. Die Vernünftigkeit der die demokratische Gesellschaft zersetzenden Kräfte lebt weiter, das weiß man am Ende des Buches.

Der Autor malt keine Apokalypse. Seine Sympathien gehören erkennbar den offen denkenden, analysierenden und die Demokratie stärkenden Menschen in ihrem politischen Alltag, deren Rollen in den einzelnen Kapiteln des Romans nicht weniger wichtig sind als die des Protagonisten M. Rationalität und Verantwortung in der Politik bleiben tragende Erwartungen im Spiel um Macht und verlieren in der Erzählung nicht ihre Kraft. Sie sind für das Lesen Licht und Perspektive, die dem gestalteten Stoff des Erzählten Sinn verleihen. Eine Demokratie kann leben und überleben. Verschwörer und ihre Theorien mögen zwar einzelne ihrer Mitglieder zerstören, nicht aber ihre Fundamente, auf denen sie denen zur Macht verhelfen, die oben ankommen wollen: Vernunft, Wissen, Recht sind stabilere Pfeiler als die Betonpfeiler, die M für seine Hochbrücke in die Landschaft gesetzt hat.

Hinterhof der Politik 

Im Roman wird der „Hinterhof der Politik“ ausgeleuchtet. Der Scheinwerfer richtet sich nicht nur auf M, dessen politische Karriere schließlich grandios scheitert. Ihm stehen andere Politiker aus seinem Umfeld gegenüber, die gleichsam die Vernunft des Politischen verkörpern. Auf diese Weise entfaltet der Roman weite Spannungsbögen der Dramaturgie, mit der die Verwicklungen von Rationalität und Irrationalität am Ende auf die Spitze getrieben werden: Der Politiker M ist erledigt, der Mensch M zieht weiter auf der Straße.

Noch eine Botschaft enthält der Roman: Um zu verstehen, wie Menschen unversöhnlich auf Entscheidungen und Handlungen drängen, muss man ihre Lebensgeschichte zu verstehen versuchen. In ihr ist der Kern zu finden, der wie im Fall von M zur Abschottung in die einzig für wahrhaftig gehaltene Persönlichkeit führt. Wie aus solchen Lebensgeschichten Ermattung und Resignation auf der einen Seite resultieren, auf der anderen Seite Radikalisierung, Extremismus und Terrorismus, zeigen exemplarisch die beiden Biografien von nach Deutschland Geflüchteten.

Über weite Strecken ist der Roman wie ein Sachbuch über Parlamentarismus und Demokratie geschrieben, aber auch über das Raunen in der Astrologie. Dennoch ist es ein Roman über eine Person, die man nicht vollständig verstehen und begreifen kann. Solche Personen gibt es weltweit auch in der Politik, wie die Erfahrung alltäglich lehrt.

Inhalt des Romans

Der erste Teil des Romans spielt in Berlin, im Büro des Abgeordneten M im Deutschen Bundestag, bei seiner Wahrsagerin, in seinem ihm fremden Wohnumfeld. Die Persönlichkeit von M wird durch sympathische und natürliche Eigenschaften geprägt, aber auch unheimliche Merkmale werden deutlich, deren Ursache in einem Lebenslauf liegen, dessen Anfang dunkel ist. Seine Mutter, die er nicht kennengelernt hat, bleibt im gesamten Roman ein Schatten, der auf M lastet. Er ist Adoptivsohn in einem konservativen und beruflich sehr erfolgreichen Elternhaus, dem er seine politische Karriere bis in den Bundestag verdankt.

Der Terrorismus ist das Thema von M. Als Mensch ohne Empathie wittert er beim tragischen Absturz eines Flugzeugs der Germanwings in den französischen Alpen seine Chance, politisches Kapital zu ziehen. Fast gewinnt er das Vertrauen seines Fraktionsvorsitzenden, scheitert aber schließlich an seinem Übereifer, aus dem tragischen Ereignis eine politische Legende  zu erschaffen. Seine wissenschaftliche Mitarbeiterin, die er Madame nennt, ist die erste, die Unstimmigkeiten im politischen Treiben ihres Chefs bemerkt. Im Laufe der weiteren Kapitel wird sie, als Verkörperung der Rationalität in der Politik, zur Widersacherin gegenüber den esoterischen Verkleidungen des Irrationalen, die M in seinem Streben nach Macht umhüllen.

In den folgenden Kapiteln des Mittelteils bewegt sich M außerhalb des Bundestages. Die Wahl unterschiedlicher Handlungsorte erlaubt es, die Spannungsfelder in seiner Persönlichkeit als Ausdruck von Intransparenz, nach politischer Macht zu streben, in unterschiedlichen Szenen zu verdeutlichen und auszuleuchten. Er macht Ferien in Griechenland, erfüllt in Athen eine „diplomatische Rolle“ während der angespannten Finanzkrise und erlebt auf der wilden Mani die archaischen Kräfte der spröden Landschaft und ihrer Menschen wie eine Reise in die eigene Vergangenheit. Ein Flüchtling vor sich selbst, kommt er an einen Strand, an den Flüchtlinge aus Syrien angeschwemmt worden sind. Das Thema Flüchtlinge wird intuitiv zu seinem neuen politischen Schwerpunkt.

Zurück in seinem Wahlkreis, erlebt er das krachende Zusammenbrechen seines großen Lebensprojekts, einem gigantischen Brückenbau. Seine politischen Wurzeln dörren aus. Nun wagt er den Ausflug zum Anfang seines Lebens auf die NS-Ordensburg Vogelsang, die von den Nazis als Eliteschule für die SS gebaut worden war. Er weiß, hier auf der Burg wurde er gezeugt, geboren und dann von seiner Mutter ausgesetzt. Der Anfang seines Lebens ist zutiefst mit den schlimmsten Entmenschlichungen der Nazizeit verstrickt.

Im dritten Teil des Romans, nun wieder in Berlin und im Bundestag, arbeitet sich M in sein Thema Flüchtlinge ein und lernt dabei, wie verzahnt Islamismus und Rechtsextremismus geworden sind und die Demokratie herausfordern. Rationale Konzepte des politischen Gestaltungswillens und die intuitiv irrationalen Vorstellungswelten von M prallen aufeinander. M scheitert mit dem Anspruch, im Bundestag in der Flüchtlingspolitik zum Sprecher eines „Dritten Wegs“ zu werden. Mit einem Nervenzusammenbruch verlässt er die Bühne des Bundestages.

Der Schlussteil ist voller Zerrissenheit und Wolken. M bekommt schließlich, was er ersehnt hat. Die Wahrsagerin zieht ihn auf ihre Weise aus der Schlinge. Wir verlieren M auf der Straße nach Nirgendwo.

Informationen gibt es über meine Webseite:

www.uli-paetzold.de

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.06.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Ein Roman als Zeitgeschichte
Protagonist ist ein fiktiver Bundestagsabgeordneter, M genannt. Er setzt viel daran, politische Karriere zu machen, obgleich er nicht das Zeug zu einem großen Politiker hat. Ihn verfolgt eine schillernde Vergangenheit. Um mit obskuren und unzureichenden Informationen über seine Herkunft und Geburt ins Reine zu kommen, liefert er sich den Hilfestellungen einer Wahrsagerin aus ...

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