Olaf Lüken

Banker und andere Tiere

Grünschnäbel und Spatzen pfeifen es von den Dächern: "Bei uns ist Ihr Geld sicher angelegt". Mit diesen geflügelten Worten sucht die Bankenszene auf sich aufmerksam zu machen. Oft sind Kunden in den Augen wieselflinker Bankberater nichts anderes, als störrische Esel, dumme Kühe oder aufgeblasene Frösche. Wir sitzen vor den "Vermögensexperten" wie der Ochs vorm Berg oder das Kaninchen vor der Schlange. Mein aalglatter Anlageanalyst, schlau wie ein Fuchs und eitel wie ein Salonlöwe, stuft mich als "Elefant im Porzellanladen ein, dem er alles erzählen und vorrechnen darf, nur keine am wirklichen Bedarf orientierte Beratung gebem will. Listig wie ein Luchs, übergeht er meine Fragen, die sich mit dem Kleingedruckten im Vertragstext beschäftigen. Was verkaufen Banken anderes als Verträge ? Pudelwohl ist mir nicht dabei. Mich stört auch der Hinweis, dass Diskretion seine Visitenkarte sei. In unserer digitalen Papageien-Welt ist nichts, aber auch gar nichts geheim. Das rabenschwarze Bankenuniversum bleibt ein Haifischbecken. Und der Haifisch, der hat Zähne !

Der frühe Vogel fängt den Wurm, sagt man. Im Land der Aktien und Hedgefonds herrschen Bullen, Bären und ein ziemlich launischer Dax. Während die Börse gelegentlich wie ein Hase Zick-Zack-Sprünge schlägt, also äußerst volatil ist, mutiert mein Geldfachmann zum informellen Pferdeflüsterer, wenn es um seine hauseigenen Wohlfühlprodukte geht. König Kunde bekommt nahezu alles, was das gefühlte Spielkasino einer mittelgroßen Hausbank herzugeben in der Lage ist. Der Zielgruppen-Kunde soll sich tummeln und wohlfühlen dürfen, wie die Made im Speck. Schließlich liegt die Sparquote bei stolzen 16 Prozent (Juni 2021). Ergo: Der in Frage kommende Anlage-Angsthase soll in eine für die Banken rentierlichen Fonds geführt werden !" Da hackt die eine Krähe der anderen kein Auge aus. Wir leben in einem Land, das die Arbeit höher besteuert als eine Millionenerbschaft (ZDF v. 30.05.2021, 19.30 h, TERRA X, Die Geschichte des Reichtums 2/3)

Geld ist scheu wie ein Reh, vor allem dann, wenn es per Online um den Globus gejagt wird und so mancher Anleger froh sein kann, wenn er seine Schäfchen rechtzeitig ins Trockene gebracht hat. Reagiert die Börse krtisch, verlassen die ersten Spekulanten wie die Ratten das schwankend, wankende Börsenschiff, da sie offenbar auf ihre einst so rentierlichen Aktien sitzengeblieben sind. 14 Jahre nach der Finanzkrise stehen die Zeitzeichen wieder auf Sturm. Steigende Benzin-, Energie- und Lebensmittelpreise künden wachsende Inflationsraten an. Die oft schweineteuren Mieten sind ein weiteres Indiz für eine sich anbahnende schleichende Geldentwertung, die den Fleißigen im Land kaltlächelnd zugemutet wird. Deutschlands satte Alt- und Volksparteien reagieren auf die akut gewordenen Rentenprobleme wie der Vogel Strauß; sie stecken ihre Köpfe in den Sand oder flüchten wie die Lemminge in die höher dotierte Wirtschaft. Im Parlament herrscht derweil ein Wettkampf zwischen Falken, Friedenstauben und diebischen Elstern. Unglücksraben sind sie alle.

Eine andere Bank-Zielgruppe, die Sparsamen, sind rührig wie die Ameisen, fleißig wie die Bienen und beim Geldanlegen sicherheitsorientiert wie die Igel eingestellt. Der Anlagewunsch ? Ein Zins, der die Inflation ausgleicht ! Die Aussicht ? Fehlanzeige ! Zentralbanken und Staaten haben ihre Coronaschleusen geöffnet und die Verschuldung auf Billionenhöhe gebracht. Jetzt werden die Anlagen auf den wurmstichig gewordenen Spar- und Terminkonten mit Strafzinsen geahndet. Zu den ersten Minuszinsen-Instituten gehört die Deutsche Bank, mit der Postbank im Schlepptau. Die Commerzbank und andere wollen folgen. Auf den Konten sparen jene Arbeitspferde, die unerschütterlich daran glauben, sich mühsam wie die Eichhörnchen ernähren zu müssen, um über die Runden zu kommen. Warum soll diese an sich so wertvolle Zielgruppe in eine der zockenden Anlagefelder umgezwitscht werden ? Solche Maßnahmen sind nicht nur für die Katz, sondern werden den eifrigen Sparern teuer zu stehen kommen. Ich befürchte, dass unsere Ökonomie bereits auf den Hund gekommen ist. Denn auch am mittelständischen Finanzierungshorizont sind die ersten Pleitegeier aufgestiegen. Was ist bloß aus Deutschlands einstigen Glücksschweinen geworden ? Wer wagt, gewinnt. Das war einmal. Heute leiht man sich billiges Geld und handelt weniger kreativ und eigenverantwortlich. Ich wage eine Prognose. In einhundert Jahren wird es Bankgeschäfte geben, Banken freilich nicht ! Die jährlich rasch sinkenden Beschäftigungszahlen bei den Kreditinstituten bestätigen meine schlimmsten Befürchtungen. Es wird fusioniert auf Deubel komm raus. Und tausende von Bankfilialen werden im Eiltempo geschlossen. Wer macht da wem den Weg noch frei ? Die Bank an Ihrer Seite ?

Wir leben unter Finanzhaien, Papiertiger-Banken, Heuschrecken, Cum-Ex- imd Wirecard-Betrügern und der auf eigene Rechnung arbeitenden Politiker. Kein Wunder, dass der Bundesadler zur fetten Henne mutiert. In unserer Wirtschaftsgesellschaft wird Tag für Tag via Internet kolpotiert, dass ein Rudel Wölfe das wirtschaftliche und politische Geschehen im Land diktieren würde. Ihre Protagonisten seien die wahrhaft Reichen. Diese Ansichten kursieren vor allem bei Twitter und Co. Kann es sein, dass wir jene Lämmer und Schafe sind, die von jenen Mächtigen zur Schlachtbank geführt werden sollen ? Schreckhafte BürgerInnen, die sich wie aufgeschreckte Hühner verhalten, glauben diesen Fakes.  Es ist auch so schon schlimm genug ! Und zum Mäuse melken ist es allemal.

Liebe Leserinnen und Leser ! Bitte verzeihen Sie mir meine tierischen Vergleiche. Eines Tages wird mich dafür der Kuckuck holen !

(c) Olaf Lüken (09.06.2021)
 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Olaf Lüken).
Der Beitrag wurde von Olaf Lüken auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.06.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  • Autorensteckbrief
  • olaf-lueken2web.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  Olaf Lüken als Lieblingsautor markieren

Buch von Olaf Lüken:

cover

Die Stunde des Fisches: Plädoyer für eine bedrohte Lebensart von Olaf Lüken



Die Stunde des Fisches ist ein Stundenbuch für die Wasserbewohner und eine Achtsamkeitslektüre für Anglerin und Angler. Der Leitgedanke: Folge dem Fisch sonst folgt er dir. Flüsse und Meere sind stark verseucht und verschmutzt, die Fische fast vollkommen weggeputzt. Ich war so frank und frei, aß Fisch, Plastik, Quecksilber für einen Schuss Omega 3. Tiere haben Emotionen, Gedanken, Sprache, ein Sozialleben und scheinen auch den Tod zu fürchten. Fische sind meine Freunde. Und meine Freunde esse ich nicht. Das Buch enthält zahlreiche Fischgedichte, Witze, Sprüche, Satire und Aphorismen, Kurzgeschichten und wissenschaftliche Beiträge.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Satire" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Olaf Lüken

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Politikerlüge von Olaf Lüken (Gesellschaftskritisches)
Der Igel von Kerstin Köppel (Satire)
Der Christbaum von Karl-Heinz Fricke (Wahre Geschichten)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen