Francois Loeb

BLÜTENZAUBER

 Blütenzeit was das alles geschehen kann zu erfahren in meiner Wochengeschichte

Mein Kumpel aus früher Schulzeit ist ein Gartenfreund. Unsere Freundschaft hat auch Gartenlose Zeiten überwunden. Wir treffen uns unregelmässig, dann wenn es gerade jedem in den Kram, in seinen Tagesablauf passt. Heute früh hat er mich angerufen. Bereits um 06.30, mich aus dem Schlaf gerissen. Ich sah, bevor ich dem Ruf meines Handys folgte, aus dem Fenster. Wie in den letzten Tagen, obwohl bereits hell, diesig. Die Natur, auch mein Garten wie in Watte verpackt. Ärgerlich befreite ich mich von traumschweren Kissen und Decken. Griff nach dem Störenfried, mich ärgernd, wer um diese gottvergessene Zeit anrufen könne. Mit einem tiefen Seufzer las ich die Nummer meines, den Gartenfreuden sich widmenden, Kumpels ab. Klar, wer sich einem perfekten Garten Eden annähern will, muss die frühen Stunden nutzen. Die Stunden die er Taustunden nennt. Nicht etwa weil dann Tau auf den Blättern liegt, nein, weil der Tag auftaut. Aus seinen Träumen sich erhebt. Sich streckt und reckt. Die Stängelsäfte richtig fliessen lässt. Das Chlorophyll befeuert, so wie wir Menschen unsere Zähne frühmorgens reinigen. Die Wortwahl meines Freundes ist reich. Von der Kreativität der Natur beeinflusst. Kein Wunder, denke ich, verbringt er doch mehr als die Hälfte seines Lebens im Grünen, was bereits, ich konnte es zuerst kaum glauben, auch auf seine Augenfarbe abgefärbt hat. Von klarem Meeresblau mit kleinen grünen Tupfern, haben sich diese jetzt in seinem fortgeschrittenen Alter in ein helles Grün mit blauen Meersturmfarbenpünktchen gewandelt. Etwas unwirsch antworte ich an diesem ‚kleinen‘ Morgen', wie ihn die Franzosen nennen. Brumme, ohne Worte meinen verärgerten Morgengruss. Er aber antwortet fröhlich und ansteckend wohlgelaunt. Bittet mich zu ihm zu kommen. In seine Blütenpracht. Es lohne sich heute besonders. So etwas hätte ich in meinem Leben noch nie gesehen. Sein Experiment sei aufgegangen. Gelungen. Ein kleiner Schwarzer, entsprechend der Zeit, stehe dann auch schon bereit. Für mich mit drei Würfelzuckern gesüsst, klar aus braunem Rohrzucker, wie ich ihn lieben würde. Klick! Und er lässt mich Morgenmuffel allein mit meiner üblen Morgenlaune und dem bitteren Geschmack verpasster Träume im Rachen. Widerwillig ziehe ich ein T-Shirt an. Ein grünes, um den Grasflecken, die sich bestimmt in seinem Garten einstellen werden, gute Gesellschaft leisten zu können. Und die Latzhosen die mich stets an meine Spielhosen der Kindheit erinnern. Katzenwäsche. Eisig ist das Wasser aus der Leitung. Brrr. Meine Fingerspitzen auf Gefühle getrimmt, erleiden unmittelbare Gefühllosigkeit. Handschuhe anziehen? Mitten im Juni? Nein, da müsste ich mich schämen. Kämen alle auf den Gedanken mein Blut sei bereits erkaltet. Erkältet wäre mir lieber! Marschiere los. Über den kleinen Hügel. Der Kirchturm eingebettet in feinem Nebelhauch. Könnte ein Bild des englischen Malers Turner darstellen. Auch er muss wohl zu unmöglichen Zeiten zu seinem Freund gepilgert sein. Die langgezogenen Grashalme am Weg biegen sich in der Morgenbrise. Deren Katzenwäsche? Die Farbenpracht der wilden Blüten betören meine Augen, blenden meinen Geruchssinn. Da erkenne ich bereits den Garten meines Kumpels. Mit seinem Hexenhäuschen inmitten seines natürlichen Kunstwerks. Bin gespannt welche Blüten er mir vorführen wird. Seinen ganzen Stolz legt er in die Züchtungen, in seinen grünen, bei ihm eher multifarbigen Daumen. Öffne das quietschende Gartentor. Schmieröl ist nicht des Kumpels Sache. Muss ja alles biologisch sein. Olivenöl wäre zu verschwenderisch. Und das ist mein Freund nur im Wassergiessen. Er kommt mir entgegen. Umarmt mich. Strahlt sein inneres Glück direkt in meine Seele. Wie das wirkt. Echter Griesgramaustreiber!
„Dein kleiner Schwarzer wartet im Gewächshaus. Dort zeige ich Dir auch mein neustes Wunder!“ Führt mich, am Ellbogen mich haltend, hinter sein Haus. Öffnet das Törchen. Ich muss mich bücken. Tropisch feuchte Wärme lässt Schweissperlen auf meiner Stirne spriessen. Höre ein Rattern und Knattern. Sehe ein schwarzes Ding das sich rotierend in sich selbst bewegt. Gehe näher. Sehe einen Trichter in dem eine Masse quirlt. Am anderen Ende des drei Meter langen schwarzen Undings entspringt geschnittenes farbiges Papier. Akkurat gefaltet. Stück um Stück. Und mein Freund stellt sich in professorale Position, schlüpft hinter ein mit Papieren übersätes Stehpult und beginnt freudestrahlend mit seinen Erklärungen:
„Blüten, siehst Du, habe ich gezüchtet, oder sollte ich es besser als Fabrizieren bezeichnen? Echte Blüten! Denn, vergiss nicht Geld regiert die Welt! Doch schau genau hin! Da wirst Du blaue Wunder erleben.“ Und ich gehe näher. Sehe wie grüne Blätter und dann rote und meerfarbene Blüten den papierenen, falschen Banknoten, den Blüten entsteigen. Mein Freund fährt fort:
„Geld alleine ist nicht das wahre Glück, man muss jedes Quäntchen davon zur Blüte bringen, damit Mitmenschen Freude bereiten …!“



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.06.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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