Veronika Valder

Leben

Lebendigkeit

Eine Phase. Es ist keine Phase der Trägheit. Das geht vorbei. Die Tage der Schnelllebigkeit sind gezählt. Es geht stetig voran. Lass es auf dich zukommen. Du erlebst deine Zeit in einem Maße, wie für dich geschaffen.
Ich höre Musik, schaue in den von der untergehenden Sonne beleuchteten Ahornbaum, der mir sein Lächeln mit seinen Grünschattierungen breitgefächert schenkt. Ein Licht, dass es nur in diesem einen Moment gibt. Keine Fotografie kann diesen Zauber widerspiegeln. In diesem einen Augenblick sind nur der Baum und ich das Einzige, was zählt. Nicht die Sekunden. Mücken schwirren im Scheinwerferlicht der Sonne. Tanzende Perlen.
Die starken Arme des Baumes scheinen mich vor dem blendenden Licht schützen zu wollen. Manchmal findet die Sonne ein Schlupfloch und strahlt mich plötzlich an. Sie hat mich gefunden und wirft Ihre funkelnden Streifen direkt in mich hinein. Sie lässt mich an ihrem Leuchten teilhaben.
Eine Momentaufnahme später versteckt sie sich schüchtern hinter einer Armee von feingliedrigen Blättern. Das Licht ändert sich ständig. Die Schatten werden länger und bewegen sich langsam auf mich zu. Das Zwitschern der Vögel wirkt gedämpft, so als wüssten sie, dass sich ein Tag dem Ende neigt.
Später erscheint der Baum wie ein Denkmal. Fledermäuse kreisen. Um ihn herum und in ihm tobt das Leben.

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