Karl-Konrad Knooshood

Meet the 90s




 

Die 90er lieben lernen… (Alle Lektionen)

MEETING THE 90s/Learning The 90s

 (All lessons)

 

Die 90er – ein unvergleichlich geiles, cooles Power-Jahrzehnt, bunt und MULTI in jeder Hinsicht, nur nicht in der töricht-selbstbewussten Dummheit heutiger Gender-"Gerechtigkeit" und anderer Neutralisierungen im politisch korrekten Sprachgebrauch, frei von blasierter Wahnsinnigkeit. Ein entspanntes, hin und wieder hedonistisches Partyjahrzehnt, oberflächlich zuweilen, sympathisch zumeist. Es war voller Glück und positiven Vibrationen für sehr viele Menschen (nicht mir meiner Generation) – und für meine Freunde und mich.  Ein Vorausblick war es - in eine (potenziell) glorreiche Zukunft, optimistisch – und zugleich pessimistisch bis fatalistisch. Das Depressive (siehe Grunge) kam nicht zu kurz, das Launig-Vergnügte (siehe Party-Pop), Seriöse (siehe Britpop) und verspielt bis zappelig (siehe Techno und Eurodance) lebten gleichberechtigt nebeneinander. Jedes fand seinen Liebhaber.  

 

Eine Zeit, die mich definierte, die ich definierte, die uns alle definierte, uns jungen Gemüse, die heute schon zum mittelalten Gouda werden, jene knapp U30er, vorwiegend aber Ü30er und knapp Ü40er. Von denen sich viele leider dem neuen Wahn verschrieben haben (ethisch essenskorrekt vegan und glutenfrei, gendergerecht, mitläuferisch, grenzenlos, entgrenzt, distanzlos und doch (seit Corona) physisch distanziert).

 

Eine Zeit des Aufwachsens, Reifens und doch Kindseins, unbeschwert und mit fröhlichem Mut für alle Zeiten. Gerade in dieser schwierigen aktuellen Dekade ist der Wert dieser mir vergangenen Zeit, der glücklichsten in meinem Leben, unendlich hoch – nie wird es wieder so. Meine Nostalgie soll mir Kraft geben, die kommenden Katastrophen zu meistern – und womit ginge dies besser als mit Musik? Die Musik der 90er hat mich am meisten und nachhaltig beeinflusst und geprägt, bis heute ziehe ich viel Inspiration aus ihr. Reimstrukturen, Stich- und Schlagwörter, Tricks und Kniffe stammen aus ihr, ohne sie wäre ich nicht mehr unterwegs. Zeit, diese Zeit zu ehren – womit ginge dies besser als mittels meiner zahlreichen über die Jahre gesammelten 90er-Best-Ofs, Greatest Hits? Hier vergleiche ich diverse Kompilationen, die sich teilweise gleichen (es gibt Songs, die überall drauf sind, da sie dekadendefinierend für die 90er waren), teilweise auch Unterschiede aufweisen. Ein buntes Potpourri aus Titelbildern (in dieser Version aus Verbotsgründen gestrichen) sowie genialer bis geistreicher, grenzdebiler bis grottiger, großartiger bis gurkiger Musik. Einige der Kompilationen werden aus der entsprechenden Zeit selbst sein (die zeitnahen Sampler sind doch die interessantesten, nicht wahr?), die anderen erschienen danach, bis in die jüngsten 20er Jahre des 21. Jahrhunderts hinein. Die 90er boomen wie nie zuvor.

 

Stufe 1: DIE EINSTIEGSDROGE (HEISSER STOFF)

In dieser Einführungsveranstaltung lernen wir die 90er behutsam kennen. Was waren die 90er? Nun, sie waren eine einzigartige Dekade voller Frieden, Fortschritt und Fröhlichkeit. Sie befanden sich angeordnet nach dem Jahr 1989 und vor dem Jahr 2000 gelegen, also im Zwischenraum. Es handelte sich um ein glorreiches Jahrzehnt voller Sorgenfreiheit, Sicherheit und allgemeinem Wohlstand, es ging wirtschaftlich und sozial positiv zu, bis auf einige unangenehme Auswüchse extremistischer Bestrebungen von einzelnen Seiten gab es nicht viel, um das man sich Sorgen machen musste. Der Patriotismus war in leichter, moderater Form vertreten, nicht nur beim Fußball, Politiker handelten noch zum Wohl des Volkes, die CDU war ungefähr so konservativ wie die AfD heute ist und hatte sogar ähnliche Wahlkampfslogans – und niemand, außer einer Handvoll ganz linker Spinner, warf ihr dafür das vor, was heute der AfD vorgeworfen wird: Die CDU war niemals Nazi. Das Overton-Fenster war damals noch nicht nach scharflinks verschoben worden, es gab noch kaum Islamangehörige im Land – und wenn, konnte man sie und ihre religiös fanatische Art (der meisten) leicht ignorieren. Ich persönlich, und ich schäme mich, das zugeben zu müssen, konnte nicht einmal das Judentum vom Islam unterscheiden, zumindest waren mir Unterschiede nicht geläufig. Der Nahostkonflikt lag in weiter Ferne – und ich mochte die Palästinenser sowieso nicht, genauso wenig wie heute. Eine Islamisierung galt damals als unwahrscheinlich, außer aus dem Iran, wo die Mullahs, nachdem sie die Macht in dem vormals relativ fortschrittlichen Lande im Jahre 1979 an sich gerissen hatten, jegliche Gegner des islamischen Staatswesens, das dort dann entstand, mit diesem Begriff "Islamophobia" (in English) belegten, kannte man den Begriff hierzulande nicht. Es gab kaum religiöse Fundis im Land hier – und wenn, hielten sie die Füße still. Sie fuhren weder in Mengen noch traten sie in Horden junger, kräftiger Kerle auf und vergewaltigten Frauen auf der Kölner Domplatte – in einer aus dem islamischen Formenkreis stammenden Manier, die man dort "Taharrush" nennt. Ebenfalls ein Begriff, der in den unschuldigen, jungfräulichen, auch naiv-oberflächlichen und doch angenehmen 90ern noch unbekannt war – und das war gut so. Niemand betrieb Islamapologetik oder behauptete, dass diese gefährlichste Ideologie des religiösen Faschismus "zu Deutschland gehört", obwohl dies weder faktisch der Fall ist noch so sein sollte, wenn wir weiterhin in Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sowie kulturellem und technischem Fortschritt leben wollen. Kurz: Die 1990er waren eine Superzeit – für Optimisten und Pioniere, für Technik-Freaks und Freunde des Progressiven. Es gab weder eine "gendergerechte" Sprachverhunzung (höchstens etwas Krampfiges wie die Neue deutsche Rechtschreibung, an die wir uns aber schnell gewöhnten) noch den exzessiven Einfluss von Feministinnen, die für Ziele kämpfen, die ihre Vorgängerinnen (ALICE SCHWARZER z.B.) längst erreicht hatten. Sprüche wie "Wir sind das Volk" wurden noch nicht umgemünzt aufs "böse Rechte" – und nicht der ganze Osten wurde in Bausch und Bogen zu "Dunkeldeutschland" erklärt. Es war das Jahrzehnt, dessen Anfang die Wiedervereinigung Deutschlands war ("Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört") – und alles, was wir heute an technischen Errungenschaften haben, stammt aus dieser Zeit der frischen Ideen. Das Internet, Anfang der 90er gestartet in der Form, wie wir es jetzt kennen, war noch ein frischer, neuer Ort, von dem man sich nicht sicher war, ob er sich durchsetzen würde. Heute können wir nicht mehr ohne, werden aber zensiert, wenn unsere Meinungen und Haltungen auch nur ein Jota von der Regierungslinie abweicht. Die SED, damals firmierend unter dem neuen Namen PDS, war, ähnlich wie RAIDER, das ab da TWIX hieß, eine unbedeutende Kleinpartei geworden, die kaum noch Wählerstimmen auf sich versammeln konnte. Meine Mutter warnte mich damals vor den "Kommunisten" (völlig zu Recht nämlich!). Heute ist diese sozialistische Partei mit nur dünn aufgetragenem demokratischem Farbanstrich, die sich jetzt LINKSPARTEI alias DIE LINKE nennt, mit tonangebend in etlichen Landesparlamenten – und leider auch auf Bundesebene, wo sie aktiv die Regierungspolitik noch mehr nach links mobben und das Land weiter mit einem linksextremistischen Zeitgeist vergiften kann. Die 90er waren anders: Konservativ war okay, links/"progressiv" war es auch – beides existierte friedlich nebeneinander. Keine Meinungen wurden zensiert, als "Nazis" galten nur die tatsächlichen paar Dumpfbacken, die sich Springerstiefel anzogen und stolz ihre beschissenen Glatzen und Hakenkreuze trugen. Sie tauchten nicht auf normalen Demos auf – und wenn, wurde nicht das u.U. positive Anliegen einer Demonstration von den ÖRR-Medien derartig propagandistisch in den Dreck gezogen, nur weil sich vielleicht auch 2-3 Neonazis dorthin verirrt hatten. Überhaupt die ÖRR: Sie bemühten sich um größtmögliche Seriosität und möglichst bewertungsfreie Berichterstattung ohne linken Einschlag. Zunehmend begannen sie bereits während der 1990er Jahre, sich selbst in Manier der Privatsender zu "boulevardisieren", d.h. dem reißerischen Niveau der Privaten nachzueifern. Natürlich gab es fürchterliche "Talkshows", nicht die politischen, sondern welche, in denen sich Proleten gegenseitig verbal mit Kot beschmierten. Von diesem medialen Großunfall ist in heutiger Zeit zum Glück fast nichts geblieben. Die LINKSPARTEI war, zu Recht, umstritten, alles war wesentlich besser als heute. Man schaute nicht nur auf sein Smartphone, man befasste sich mit den Leuten, man unterhielt sich. Es war aber auch noch nicht nötig, sich massiv zu vernetzen, um der staatlichen Willkür durch Zensur bzw. dem Outsourcing derselben an die Sozialen Medien, zu entkommen. Nichts war nötig, das in Richtung einer notwendigen Revolution nach rechts, also einer konservativen Revolution gehen kann.  Lernen wir lieber die 90er kennen: Eine Zeit, in der man diskutierte und disputierte, in der man tanzte und mitsingen konnte zu Musik, die noch Musik war – und kein Soundbrei, der nur noch einige Zufallsmusiknoten enthält.

Best Of 90s (BMG) (2002)

Als man Anfang bis Mitte der 2000er allmählich anfing, 90er-Kompilationen zusammenzustellen (der Löwenanteil war damals noch 80er, 2002 war das gefühlt zehnmillionste Revival dieser Dekade), begann es sehr zögerlich. Ein paar mehr oder weniger lieblose Sampler wurden zusammengestellt – dieser hier hat seine Stärken. Unter andrem das Lied "Everything's Gonna Be Alright", ein starker Song von SWEETBOX, der mit einem Stück von JOHANN SEBASTIAN BACH veredelt ist. Er befindet sich einzig auf dieser Kompilation. Auch das eher unbekannte REAL-McCoy-Stück "Come And Get Your Love" (gecovert übrigens) ist einzigartig hier auf meinen bisher gesammelten 90er-Samplern. Doch leider flasht es mich nicht. Diese sehr simpel und schmucklos gehaltene BEST OF THE-Zusammenstellung ist ebenfalls von BMG (wie viele), mit der Art-Direction von "Hands Up! Design". Die anderen Kompilationen dieser Reihe sind übrigens ähnlich unspektakulär gestaltet, nur die Schriftarten unterscheiden sich marginal. Ich besitze von dieser Reihe nämlich noch die BEST OF 50s und BEST OF 60s – sie sind ähnlich unspannend gestaltet.

Wiederum aber handelt es sich um eine ideale Kompilation fürs vorsichtige Reinschnuppern in die 90er, ähnlich wie die beiden anderen genannten Sampler in ihr jeweiliges Jahrzehnt einführen, mit leider nur sehr vagen Innovationen, denn wie bereits erwähnt, können die "üblichen Verdächtigen" hier nur durch zwei Abweichungen aufgefrischt werden. Alles beginnt hier mit dem altmodisch klingenden "Lemon Tree" von FOOL'S GARDEN – und endet mit dem geschmackvollen "Back For Good", einem der besten Ohrwürmer der Boygroup TAKE THAT. Somit sind schon mal zwei Stärken oder Spezialitäten der 90er versammelt: Skurrile Songs, die sich beinahe obsoleten Musikgenres zuordnen ließen ("Lemon Tree" klingt irgendwie nach 60er, finde ich) – und Boygroup-Musik, freilich der niveauvolleren Kategorie. Eine dritte Besonderheit ist das Mixen und Miteinbringen anderer Stile und Stücke, etwa der klassischen Musik wie bei dem SWEETBOX-Lied. Man erhält den Löwenanteil am EURODANCE, dem alles überstrahlenden Genre zumindest in der ersten Hälfte der Dekade, nämlich namentlich: "Rhythm Is A Dancer" (SNAP!), "It's My Life" (DR. ALBAN), "Be My Lover" (LA BOUCHE), "What Is Love" (HADDAWAY) – und dann die Sonderentwicklungen des Dancepops in der zweiten Jahrzehnthälfte, etwa "2 Times" von ANN LEE (1999) und NO MERCY mit "Where Do You Go". LONDONBEATs "I've Been Thinking About You" siedelt sich, 1990 entstanden, eher in der Mitte an. Es gibt ein einziges Stück Rock (die Formation aus dem Jetzt-Shithole Berlin, BELL BOOK AND CANDLE mit "Rescue Me", 1997), Sommerhits, namentlich: "Mambo No. 5 von LOU BEGA, der Sommerhit 1999 und "Macarena" von LOS DEL RIO, Sommerhit des Jahres 1996. Mit "Come And Get Your Love", "Mambo No. 5" und der doofen Coverversion von BEN E. KINGs "Stand By Me" von 4 THE CAUSE wird leider ein weiteres, eher unseliges Genre vorgestellt: Coverversionen. Lausig fand ich sie früher, anerkennen mag ich sie heute. Wobei bei "Mambo No. 5" immerhin ein Text dazugeschrieben wurde, der dem Original (auf der BEST OF THE 50s drauf) fehlte. Weiter hinein in die 90er…

 

Die besten Musikstücke auf der einen CD:

  1. Ann Lee – 2 Times
  2. Bell Book & Candle – Rescue Me
  3. Dr. Alban – It's My Life
  4. Fool's Garden – Lemon Tree
  5. Haddaway – What Is Love
  6. Londonbeat – I've Been Thinking About You
  7. No Mercy – Where Do You Go
  8. Snap! – Rhythm Is A Dancer
  9. Sweetbox – Everything's Gonna Be Alright
  10. Take That – Back For Good

 

Stufe 2: DIE EINSTIEGSDROGE – GEBT MIR MEHR!

Star Collection – No. 1 Hits of the 90's (2004)

Meine Einstiegsdroge, mein erstes Quäntchen des heißen Stoffes, den ich zum Überleben brauche, war diese Mini-Kompilation, die zwar aus zwei CDs besteht, die aber nur jeweils 11 (!) Songs beinhalten. Vom Major-Label BMG mehr oder weniger "dahingerotzt" wirkt dieses kleine Werk, das ich damals beim riesigen KAUFLAND in Borken kaufte, als ich mit Freunden ins Borkener Kino gehen wollte. Ersaufen wir nicht in Konventionen, doch diese CD enthält sie alle, die perfekten Hits für einen adäquaten Einstieg in die Welt der 90er-Musik. Natürlich bestand Letztere, zumindest in Mitteleuropa, hauptsächlich (löwenanteilig) aus den Ausgeburten der elektronisch erzeugten (Tanz-)Musik, die die Charts, insbesondere zur Mitte des Jahrzehnts, 1993 und 1994, dominierten. WHIGFIELD aus Dänemark brachte ihr berühmtes "Saturday Night" auf die Tanzflächen und die Herzen, SNAP! (oder SNAP), das "Baby" zweier deutscher Cleverle-Produzenten, hat hier natürlich sein bestes Lied "Rhythm Is A Dancer" zu bieten, SCATMAN JOHN scattet in einer zungenbrecherisch-halsbrecherischen Manier sein "Scatman", REDNEX, die Typen, die taten, als seien sie coole Cowboy-Artige aus den Südstaaten der USA ("red neck" = Rotnacken steht für die eher bei Wind und Wetter arbeitenden, von der Sonne gegerbten weißen Arbeiter- oder Unterschichtleute), kamen in Wahrheit aus Schweden, was der leicht trashigen Qualität ihres "Cotton Eye Joe" keinen Abbruch tut, U96 besteigen "Das Boot" (ein U-Boot selbstverständlich, nicht so 'n Paddelbötchen), CULTURE BEATs "Mr. Vain" befindet: "It's My Life" (DR. ALBAN), da es "No Limit" gibt, was 2 UNLIMITED klarstellen, denn das "Omen III" von MAGIC AFFAIR steht an. Neben den gehaltvolleren Songs aus dem Rock- oder Alternative-Sektor (CRASH TEST DUMMIES "MMM MMM MMM", KWS "Please Don't Go") gibt es Sommerhits ("Macarena" von LOS DEL RIO, Los Lüsternen Dos Herren, die da mit jungen Weibern tanzen), LOU BEGA mit seinem berühmten "Mambo No. 5" (was ist aus den anderen vier Teilen geworden?), dazu gibt es etwas R&B der schönen Sorte, SWV (SISTERS WITH VOICES) mit "Weak", USHER (zu Deutsch: "Gerichtsdiener") mit "Nice & Slow"), etwas flockiger Hip-Hop-Trip, nämlich INI KAMOZE mit "Here Comes The Hotstepper" (das sich einer alten Harmonie der BEATLES bedient). Die peinlichen Ausrutscher deutschsprachiger Musik – soll und muss ich sie erwähnen? Ja, denn auch sie gehören in die 90er. Vielleicht sind sie späte Epigonen, zumindest aber wesensverwandte Nachfahren der skurrilen bis politischen 80er-Hits, genauer der NEUEN DEUTSCHEN WELLE (NDW). Welchen Standpunkt will man wählen? Den aus der Vergangenheit, in der es von damals aus betrachtet, durchaus weniger peinliche Songs gab? Oder die jetzige Gegenwart, in der es fast überhaupt keine spannenden oder seltsamen Lieder mehr gibt und dieser unendlich nervige Befindlichkeitspop ("Beerdigungspop", um es mit dem Comedian HENNES BENDER zu sagen) alles Interessante, Spannende, Sonderbare im Keim erstickt, also das, was die Essenz des Lebens ausmacht. OLI P.s Coverversion des HERBERT-GRÖNEMEYER (GRÖLE-GOEBBELS "Jetzt ist es an uns, zu diktieren, wie eine Gesellschaft zu funktionieren hat – keinen Millimeter nach rechts")-Klassikers "Flugzeuge im Bauch" ist gewöhnungsbedürftig, konnte aber, im Gegensatz zum Original, höchste Chartpositionen erobern. Schließlich kann man geteilter Meinung sein über WERNER WICHTIG (whatta Künstlername) und sein "Pump ab das Bier", eine Art witzige Neuversion des TECHNOTRONIC-Dancehits "Pump Up The Jam", das hier in einer 1998 etwas aufgefrischten Version vorliegt: Ist es totaler Trash? Ist es nur ein Sauflied? Letzteres gewiss. Aber es ist unterhaltsam – und sei es, um sich darüber zu echauffieren, welch Unsinn das Ganze ist. Geile 90er für immer!

 

Die besten Songs der Doppel-CD:

  1. 2 Unlimited – No Limit
  2. Crash Test Dummies – MMM MMM MMM
  3. Culture Beat – Mr. Vain
  4. Ini Kamoze – Here Comes The Hotstepper
  5. Magic Affair – Omen III
  6. Olive – You're Not Alone
  7. Scatman John – Scatman
  8. Usher – Nice & Slow
  9. Werner Wichtig – Pump ab das Bier '98
  10. Whigfield – Saturday Night

 

Stufe 3: THE TRASHY WAYS

Nicht alle Musik der 90er war schwer erbaulich – und konnte auf ganzer Linie überzeugen. So haben wir es hier mit einem Werkstück zu tun, das nicht leicht zu handhaben ist. Die hier versammelten verdammten Hits sind nicht allesamt die hierzulande beliebten und bekannten, sondern folgen eher einer niederländischen Tradition (nicht so sehr wie die Top40 weiter unten): Was in den Charts unseres lieben und beliebten Nachbarlandes unterwegs war, findet seinen Weg auf diese von der Plattenfirma DISKY herausgebrachte Kompilation, die es als Reihe mal bei LIDL im Sonderangebot gab. Und normalerweise sind solche Sampler was Gutes. Leider gilt das nicht für das schlicht "Best Of 90's" betitelte Sammelsurium hier, sondern gleichermaßen für die anderen Sammlungen dieser Reihe: "Best Of 60's", "Best Of 70's", "Best Of 80's". Für unseren Baukasten und um die 90s kennenzulernen, müssen wir auch auf dieses dunkle musikalische Kapitel schauen.

Best Of 90's (DISKY) (2003)

Es war wirklich kompliziert, aus dem "Schatz" an Trash, der sich hier vor dem Hörer aufbaut, etwas Sinnvolles zu extrahieren. Natürlich gibt es unter den 30 Songs die guten, ROZALLA gibt die Losung aus "Everybody's Free (To Feel Good)", ALEX PARTY lehnt ab: "Don't Give Me Your Life", WHIGFIELD feiert hier, wie auf fast jeder 90er-Kompilation obligatorisch, ihr Ritual der "Saturday Night", DJ Bobo lädt "Everbody" dazu ein, ANN LEE will es gleich "2 Times", CAPPELLA fordern "Move On Baby". Auch sind einige der Stars doppelt vertreten: CAPPELLA kehren mit dem vergleichsweise verunglückten "U & Me" zurück, DJ BOBO ist da besser dran: "Let The Dream Come True" heißt es, um Klassen besser als sein "Everybody". Die STARS ON 45, eine Band, eher ein niederländisches Kollektiv unbekannter Sänger, die Hits bekannter Bands zu Medleys zusammengestellt neuinterpretieren. Die haben ABBA und die BEATLES gemedleyt, hier geschieht dies allgemeiner mit "Club Hits" diverser Bands, ein kleines musikalisches Missgeschick, muss man sagen. Auch RAMIREZ (der Typ mit dem klischeespanischen Vornamen) mit "El Gallinero", stilecht mit Hahnenkrähen in das blödsinnige Lied mit ordentlichem Bass eingebaut, ist relativ müllig, macht jedoch großen Spaß. Unterhaltungswert: 100%.

Doch die Überflüssigkeiten lassen sich nicht wegdiskutieren, geschweige denn ignorieren. Die Überspringen-Taste (SKIP) eines jeden CD-Abspielgerätes schiebt Überstunden, schon bei ATLANTIC OCEAN mit "Waterfall", dem Opener von CD 1. Darüber hinaus: THE SOCA BOYS "Follow The Leader", RAGE "Why Don't You", SPEEDY J. "Pull Over", BEENIE MAN "Good Times", SIMONE ANGEL "Contact", SECRET LIFE "I Want You", FPI PROJECT "Everybody (All Over The World)"…Um nur einige Entbehrliche zu nennen. Doch auch diese Seite gehört zum großen Ganzen der 90er.

 

Die besten Musiktitel der Zweicdsache:

  1. 2 In A Room – Wiggle It
  2. Alex Party – Don't Give Me Your Life
  3. Ann Lee – 2 Times
  4. Black Box – Fantasy
  5. Cappella – Move On Baby
  6. DJ Bobo – Let The Dream Come True
  7. Rozalla – Everybody's Free (To Feel Good)
  8. Tag Team – Whoomp! (There It Is)
  9. The Outhere Brothers – Don't Stop (Wiggle Wiggle)
  10. Whigfield – Saturday Night

 

Stufe 4: ES GIBT NOCH MEHR ZU ENTDECKEN!

Die nächste Stufe, neue Lektion für angehende 90er-Fans lautet: Das Essenzielle dieses Jahrzehnts entdecken, schauen, was die Dekade ausmachte. Auf dieser folgenden Songsammlung ist viel drauf, das bemerkenswert ist: Vorläufig ist diese Kompilation die mit der größten Stilvielfalt, welche für Anfänger leicht überfordernd wirken kann. Ich werde vorsichtig vorgehen und die Reihenfolge ganz behutsam vorgeben, die mich die beste dünkt.

Hier ist sie:

Hits Of The 90s (2000)

Auf unserem Pfad in das Herz der 90er, diesem Bildungsweg der besonderen Sorte, gelangen wir mit diesem Sampler jetzt auf die nächste Stufe: Der Abschluss heißt hier "Mittlere Reife" – und stellt bereits die mittlere Kenntnisquantität dar, die man haben kann: Es gibt viel mehr in den 90ern, als sich unsere EURODANCE- und Techno- und Dancepop-basierte Mainstream-Rückschauen träumen lassen oder sie uns weismachen wollen.

Beginnen wir, nicht-chronologisch, auf der zweiten CD: Hier geben sich einige bereits in den 80ern aktive Bands die Klinke in die Hand. Das Alte, schon in den 90ern Altmodische, fällt hier ins Gehör des Hörers: KYLIE MINOGUE, wenngleich noch weit entfernt von ihrem größten Comeback-Hit, der Kollaboration mit NICK CAVE und seiner Band THE BAD SEEDS, fängt hier mit ihrem melodiösen "Confide In Me" an, BAD BOYS BLUE, die viele Schmacht-Schmalzballaden in den 1980ern hatten, stellen hier fest: "You're A Woman". Switch zur ersten CD: LAID BACK geben hier ihr 1990 noch sehr beliebte, hohe Chartränge erklimmende "Bakerman" (1989) zum Besten, eines der entspanntesten und souligsten Poplieder aller Zeiten, JOHN FARNHAM (ebenfalls aus der Dekade mit der großen 8 bekannt, u.a. für "You're The Voice") bekennt bescheiden und geknickt "Seemed Like A Good Idea (At The Time)", BLUE SYSTEM ist das Nachfolgeprojekt von MODERN TALKING, in dem DIETER BOHLEN seine virtuosen Produzentenhände drin hatte, hier mit "Laila" dabei, C.C. CATCH steht auch von den 80er-Zombie-Gräbern wieder auf und treibt es offenbar wild auf dem "Backseat Of Your Cadillac". DAVID HASSELHOFF macht hier einen auf Limbotanz ("Do The Limbo Dance"), was natürlich immer noch besser ist, als sich besoffen beim Burger-Futtern filmen zu lassen. Apropos 80er: TOUCHÉs "Kids In America" hat nichts mit dem 80er-Hits von KIM WILDE gemein (außer den Titel), ein anderer frankophoner Bandname ist LA BOUCHE, die hier mit ihrem Klassiker "Be My Lover" vertreten sind.

Falls Euch, liebe 90er-Eleven, noch nicht genug habt und Euch diese Info, dass die 80er-Stars teilweise auch noch in den 90ern eine Chance hatten (keine Angst, längst nicht alle, der meisten Musikkünstler Zeit war längst gekommen), nicht überfordert hat, stelle ich Euch gern all die anderen Stile vor: EURODANCE (obligatorisch): SNAP! "Rhythm Is A Dancer" (in einer Extented-Version), REAL McCoy "Automatic Lover", SCATMAN JOHN "Scatman", DR. ALBAN "Sing Hallelujah!", LOFT "Summer Summer" – das war's – erfreulicherweise. Denn es bedarf mehr: Latin-Pop: CHILLI FEATURING CARRAPICHO "Tic Tic Tac", LOS DEL RIO "Macarena", NO MERCY "Missing"…Lasziver, lüstern-schwüler Soulpop: COLOR ME BADD "I Wanna Sex You Up", JADE "Don't Walk Away", TRY 'N' B "Sexy Eyes", Sex-Zeug in Liedform ("Kiss Me" von E-ROTIC). Es gibt Softrock (BELL BOOK & CANDLE mit "Rescue Me") und Unverkrampftes: MICHELLE GAYLE "Happy Just To Be With You" und SWV mit PHARRELL WILLIAMS (ja, in der Tat, liebe Kinder, das ist der furchtbare Typ, der später mit seinem grenzdebilen Fröhlichkeitssong "Happy", 2013, weltweit die Hitparaden stürmte) sind "Right Here", wobei der erwähnte Kerl die Rap-Parts übernimmt. Boygroup-Pop gibt’s natürlich auch noch: Erwähnte TOUCHÉ (Produzent wiederum: DIETER BOHLEN) und die britische Hoffnung des schönen Pop, TAKE THAT, mit "Could It Be Magic", ihrer Version eines alten BARRY MANILOW-Meisterwerks. Wir haben jetzt einen gewissen 90er-Status erreicht, den uns niemand mehr nehmen kann. Dringen wir noch tiefer zur Materie vor.

 

Die besten Songs auf der Compilation:

  1. Big Mountain – Baby, I Love Your Way
  2. Color Me Badd – I Wanna Sex You Up
  3. John Farnham – Seemed Like A Good Idea
  4. Kylie Minogue – Confide In Me
  5. Laid Back – Bakerman
  6. Loft – Summer Summer
  7. Real McCoy – Automatic Lover
  8. Scatman John – Scatman
  9. SWV – Right Here
  10. Take That – Could It Be Magic

 

Stufe 5: THERE'S ROCK IN DA HOUSE!/ES DARF GEROCKT WERDEN!

Mit Fug und Recht darf man behaupten, dass in den west- und mitteleuropäischen 90ern der Rock als Oberbegriff und Hauptgenre für einige reizvolle Subgenres leider etwas zu kurz kam. Während aus den USA GRUNGE den ganzen relevanten Teil der Welt eroberte, während New-Alternative- und Britpop-Rock fröhlich Urständ feierten und auch Punkrock ins Mainstreamige einfloss (von METALLICA- und anderem METAL einmal abgesehen), war hier weitestgehend TOTE HOSEN – und es machten sich höchstens mal Vereinzelte zu GUANO APES – aus dem skandinavisch-kühlen Norden (Finnland) kamen noch HIM und andere. Wenn wir die 90er komplett erfassen und begreifen wollen, wenn wir ihre Essenz verstehen möchten, ist jegliche Art von Rockmusik unerlässlich. Sie entstand in dieser Zeit nachhaltig: GRUNGE, POST-GRUNGE, ALTERNATIVE, METAL, HARDROCK, PUNKROCK, GARAGE-ROCK und natürlich NU METAL (Schreibung richtig) – waren Genres, die (wieder oder) neu auftraten und die Gehörgänge vieler Millionen Hörer eroberten. Hier ist die Kompilation, die man gehört haben muss!

Rock From The 90's (2002)

Mir ist nicht mehr bewusst, woher ich diesen genialen Ein-CD-, den hammergeilen 18-Lied-Sampler habe, ob es von meinem Stammdealer mit den überaus fairen Preisen war. Wie und woher dieser super Sampler auch immer war: Es hat sich mehr als gelohnt. Diese Sammlung beinhaltet all die Werke, die die 90er zu einer mehr als nahrhaften Angelegenheit für Musikliebhaber machten. Nicht allein zappelige Partymusik, nicht allein Eurodance und Dancepop, Techno, Trance, Popballaden und schmalzige Schlager oder launiger Hip-Hop auf Deutsch oder Englisch bestimmten diese beispiellos gute, unvergleichlich geniale Dekade, sondern eben auch jede nur erdenkliche Art des Rock. Nachdem einige Genres wie etwa der HEAVY METAL (mit seinen sämtlichen Subgenres) noch in den 80ern ein trostloses Nischendasein fristeten oder mit allzu viel elektronischen Soundmatsch-Spielereien verschissen und verschlissen wurden, waren die goldenen 90er wie eine Frischzellenkur, kombiniert mit einem ätherischen Öl voller frischer Minze endlich wieder Luft zum Atmen. Frei entfalten konnten sich all die Genres, die eine enorme Weiterentwicklung erfuhren – und zum Teil auch (das kann man gut oder scheiße finden) massentauglich(er) wurden, ihren Weg in den Mainstream, in höchste Chartpositionen überdies, fanden.

Die hier Versammelten sind eine bunte Mischung aus Alternative, einigen Grunge-Überbleibseln der Post-KURT-COBAIN-NIRVANA-Ära (leider kein NIRVANA, ich schätze, die Musikfirma aus den Niederlanden (BMG NETHERLANDS BV IN ASSOCIATION WITH: CNR, DINO, DOUBLE T, SONY, WOM hatte einfach keine Rechte an den NIRVANA-Songs), Poprock, Gothic-Rock und Hardrock sowie Crossover.

Das Ganze startet mit einer leider seit 2014 aufgelösten niederländischen Rockband namens KANE, die ein astreines Brett mit "Where Do I Go Now?" abliefern. Gekontert wird das ganze Sahnehäubchen mit ANOUK, ebenfalls aus den Niederlanden, die mit "Nobody's Wife" ein rotziges Rockstück hinzaubert, das es ebenfalls nicht an unbändiger Energie vermissen lässt. Die aus Göttingen stammenden GUANO APES, die große Crossover-Hoffnung gegen Ende der 90er, folgen dicht auf dem Fuße, mit ihrem harten Bälle-, Wände- und Beinbrecher "Open Your Eyes", das deutlich darauf hinweist, wo der Hammer hängt. In britische Gefilde gelangen wir mittels der englischen Band REPUBLICA mit ihrem ambitioniert flotten Kompromisslosigkeitstreiber "Ready To Go". Die US-amerikanische HEAVY-METAL-Band UGLY KID JOE (am bekanntesten für ihre Coverversion von HARRY CHAPINs "Cats In The Cradle") ist auch mit auf der Party, mit von der Partie…aber leider, leider nicht mit besagter Coverversion, sondern mit einer Eigenkomposition der Band, die aber auch ihre Momente hat: In "Everything About You" zählt der Sänger Dinge auf, die er an einer nicht näher benannten Person hasst, Pointe im Refrain: "I hate everything about you". Klare Ansage. Besonders verrückt wird es bei K'S CHOICE und ihrem "Not An Addict", das mit einem repetitiven Stöhnen beginnt und sich zum Exzess der Wut steigert. Auch VERTICAL HORIZON tragen zur melodiösen Vollbefriedigung anspruchsvoller Ohren bei, in "We Are" geht’s fein zur Sache. Während GARBAGE trüb-pessimistisch bis depressiv deklarieren: "(I'm) Only Happy When It Rains", stellen die NEW RADICALS mit "You Get What You Give", einem Synthi-Rock-Ohrwurm, der zu Zeiten, als ich noch Radio hörte, auf meinem Stammsender EINSLIVE rauf und runter gespielt wurde, dagegen, wünschen sich die nach einer englischen Grafschaft benannten KENT "If You Were Here" (eine besonders melancholische, verzweifelte Rockballade) – und TRACY BONHAM startet in "Mother Mother" mit sich überschlagender, kreischender, fauchender und brüllender Stimme eine wütende, fast hasserfüllte Anklage an ihre Mutter, die sie in ihrer Kindheit vernachlässigt hatte. Während bei den STONE ROSES "Fools Gold" finden, LIT seinen "My Own Worst Enemy" ausmachen, wünschen sich die Finnen um VILLE VALO, HIM (His Infernal Magesty) "Join Me (In Death)", NILSSON kann nur noch den eigenen Hirnschwund feststellen: "My Brain's Down".

Nun, das Lied, das auf quasi JEDER, ich betone: JEDER (außer vielleicht Eurodance-Samplern) Kompilation zum Thema 90er drauf ist, die SPIN DOCTORS mit "Two Princess", ist auch unvermeidliches Element dieses Samplers. Nun, eine letzte Empfehlung habe ich noch: ALICE IN CHAINS kommen hier mit ihrem "Would?" um die Ecke gejagt – und das ist ein Spitzensong vom Album "Dirt" (1992), das, wie in jeder gutsortierten Sammlung auch in meiner vorhanden ist. Eine stimmige Gesamtkompilation, die eine meiner liebsten ist. Sagenhaft.

 

Die besten Hits der Scheibe:

  1. Alice In Chains – Would?
  2. Guano Apes – Open Your Eyes
  3. HIM – Join Me
  4. Kane – Where Do I Go?
  5. Kent – If You Were Here
  6. Lit – My Own Worst Enemy
  7. Republica – Ready To Go
  8. Spin Doctors – Two Princess
  9. Tracy Bonham – Mother Mother
  10. Vertical Horizon – We Are

 

Stufe 6: KUSCHELHORMONE IN DER LOUNGE

Es gibt nicht nur die Party- und sonstige Oberflächlich-Seiten der 90er, nicht nur Rock zum Headbangen, nicht nur blödsinnige Schunkel-Sauf-Songs, nicht ausschließlich die schmalzigen Schlagerschnulzen, sondern auch jede Menge Herzschmerz-Schmelz und emotionalen Pathos, dazu einfach sensible Kuschellieder. Nicht umsonst gab es eine Musik-Kompendien-Reihe namens KUSCHELROCK (siehe unten). Die Sehnsucht nach Kuscheln, Anschmiegen und Lieben auf die schmusige Weise gewann an Bedeutung wie nie zuvor. Dieser Kursteil entführt in die supersanfte Seicht-Welt der liebevollen Zärtlichkeit in Liedform gegossen – ein sahniges, wattiges Erlebnis.

Pure 90's (2007)

So lob ich mir das, so liebe ich es: Auf einem modernen Design-Stuhl, ergonomisch geformt, ist im Profil und voller Mannesgröße ein sympathischer Typ zu sehen, der sich, mit einer Kaffee- oder Teetasse gemütlich zurücklehnt und selig lächelt. Dazu auf der Hülle (leider in weißer Schrift auf einem sich davon nicht allzu kontrastreich abhebenden Hintergrund) das Qualitätsversprechen: "54 Original Hits By The Original Artists". Auf drei prallen CDs befindet sich, in einer dicken Dreierhülle, eine schillernde Vielfalt der Auswahl – erfreulicherweise auch jenseits der Top-20 der Gesamtcharts der 90er. Die sehr bekannten, "üblichen Verdächtigen", wenn auch niveauvollen, Stücke, unter anderem "Wannabe" (SPICE GIRLS), "Nothing Compares 2 U" (SINEAD O'CONNOR), "Bitch" (MEREDITH BROOKS), "Sleeping Satellite" (TASMIN ARCHER) und natürlich CHARLES & EDDIEs "Would I Lie To You?". Dann haben wir aber auch einige Interpreten mit eher Stücken aus der zweiten Reihe ihrer Diskografie: KATE BUSH gibt hier ihr "Rubberband Girl" zum Besten, MEAT LOAF bringt "I'd Lie For You (And That's The Truth)" (titeltechnisch nicht glücklich, da leicht zu verwechseln mit "I'd Do Anything For Love (But I Won't Do That)"). Die 80er kehren zurück: CULTURE CLUB haben hier nichts mehr mit "Do You Really Want To Hurt Me?" am Hut, sondern sondern "I Just Wanna Be Loved" ab. ROBERT PALMER ("Addicted To Love" inne 80jer) tut sich mit UB40 (bestens bekannt für das Cover des ELVIS-PRESLEY-Evergreens "I Can't Help Falling In Love") für "I'll Be Your Baby Tonight" zusammen – überhaupt waren sog. "Kollaborationen" (im deutschen Hip-Hop nennt man's abgekürzt "Kollabo"), etwa Duette, auch in den goldenen 90s ein beliebtes Mittel, Musik zu verfeinern. Die LIGHTNING SEEDS ("Three Lions" mit BADIEL & SKINNER) berichten über "The Life Of Riley".

Echte Aufhorch-Ohrwürmer mit Mitgroove-Garantie und Hintergrund-Beschallung ohne besondere Aufregung und Spannung wechseln sich ebenso ab wie echte 90er-Klassiker und Raritäten: THE MOCK TURTLES "Can You Dig It?" treffen BABYLON ZOOs "Spaceman", die 80er-Heroen MIKE & THE MECHANICS gehen mit ihrem vertrackten Superohrwurm "Over My Shoulder" etliche mutige Schritte nach vorn, CHUMBAWAMBA rocken hart ab, "die ganze Nacht durchsaufend" in "Tubthumping", wenn man so will. VANILLA ICE coolen ab mit "Ice, Ice Baby", LYNDEN DAVID HALL betet eine attraktive Dame namens "Sexy Cinderella" an und ARRESTED DEVELOPMENT rappen ihr "Mr. Wendal", über einen armen Obdachlosen. Die 90er waren sehr bunt und gemischt – und hier kann man dies akustisch besichtigen (seltsame Wortkombination, ich weiß). So, wie sie waren: Oberflächlich und cool, tiefgehend und belanglos, trashig und erstklassig, süß und verletzlich und skurril und abgefahren, kreativ und produktiv – ein unwiderstehliches Jahrzehnt. 

 

Die besten Tunes dieser Drei-CD-Zusammenstellung:

  1. Louise – Arms Around The World
  2. Tasmin Archer – Sleeping Satellite
  3. Maxi Priest – That Girl
  4. Chumbawamba – Tubthumping
  5. Dubstar – Not So Manic Now
  6. The Proclaimers – King Of The Road
  7. Meredith Brooks – Bitch
  8. Arrested Development – Mr. Wendal
  9. Vanilla Ice – Ice, Ice Baby
  10. Meat Loaf – I'd Lie For You (And That's The Truth)

 

Kuschelrock – Lovesongs of the 90's (Special Edition) (2016)

Kommen wir runter, entspannen wir uns. Lehnen wir uns, so wir keine Singles sind und das Glück haben, uns an Partner oder Partnerin schmiegen zu können, entspannt und liebesschüchtern zurück, liebkosen uns gegenseitig vorsichtig und unaufdringlich, streicheln uns und gleiten gemeinsam in Trance durch das reichhaltige Angebot an Schmusesongs auf dieser Doppel-CD: ROBBIE WILLIAMS (CD 1) und SINEAD O'CONNOR (CD 2) bilden jeweils die Vorhut, von da an wird's nur noch schön: Pathetisch und sanftmütig kommt behutsam der Ohrenschmeichler "My Heart Will Go On" von CELINE DION daher, bricht aus Tiefen hervor und erobert die Herzen im Mitreißen. OASIS lassen es dagegen auf CD 2 entspannt angehen: Akustikgitarrengetragener Britpop, der streckenweise an die Könige des Pop, die BEATLES, erinnert: "Wonderwall". Die COMMODORES werden beehrt, mit einer Coverversion der Alternative-Rock-Band FAITH NO MORE: "Easy" widmen sie sich den Alltagsdingen am Sonntag, EXTREME, die gar nicht so extrem klingen wie sie heißen, geben das extrem eingängige und softe "More Than Words". Der Ausflug in schroffere weil poppigere und fetzigere Gefilde gelingt mit "Baby I Love Your Way" von BIG MOUNTAIN, während SOUL ASYLUM, wie so oft, in ihren "Runaway Train" einsteigen, TEN SHARP mit "You" eine entspannte Nummer für den Abend machten, TASMIN ARCHER den "Sleeping Satellite" als Sehnsuchtsobjekt und Symbol beschwört und TONI BRAXTON fleht: "Un-Break My Heart", denn es geht wohl kaum, nicht mal im Traum, "Senza Una Donna (Without A Woman)", wie ZUCCHERO FEATURING PAUL YOUNG bestätigen. Während R. KELLY den Eindruck hat, abheben zu können ("I Believe I Can Fly"), möchten SAVAGE GARDEN tiefer gehen: "Truly Madly Deeply" lautet der Reihungs-Titel eines der schönsten Liebeslieder der 90er. Der Liebeskummer kommt nicht zu kurz: "Gone Too Soon" weiß MICHAEL JACKSON zu erzählen, SHERYL CROW hält sich bereits für "Strong Enough", NATALIE IMBRUGLIA steht hingegen dazu, "Torn" zu sein, während die 4 NON BLONDES mal wieder gar nichts begreifen ("What's Up?"). ANNIE LENNOX ist indessen en gros desillusioniert: "No More 'I Live You's" singt sie, "From This Moment On" (SHANIA TWAIN FEATURING BRYAN WHITE) sagt sie sich: Pech gehabt. "If You Had My Love" bietet JENNIFER LOPEZ an.

Da Liebe auch vielfach aus mehr oder minder romantischen oder griffigen, mitunter forschen Forderungen besteht, gibt es hier jede Menge solcher Lieder: "How Deep Is Your Love" verlangen TAKE THAT eine Einordnung und Definition, mit einem Song, dessen Original die BEE GEES veröffentlichten. SIXPENCE NON THE RICHER wollen den Klassiker: "Kiss Me". SIMPLY RED die schlüssige Folgehandlung: "Say You Love Me", den BACKSTREET BOYS ist alles egal, "As Long As You Love Me" – und MARIA McKEE setzt gleich alles auf eine Karte und erwartet gleich das ganz große Gesamtpaket: "Show Me Heaven". Mehr Liebe geht nicht! Liebe Leser: So gehet nun hin – und küsst Euch, streichelt Euch, seid zärtlich.

 

Die besten Balladen der Liebe auf diesem Doppel-CD-Datenträger-Kombinat:

  1. Big Mountain – Baby, I Love Your Way
  2. Dido – Thank You
  3. Extreme – More Than Words
  4. Maria McKee – Show Me Heaven
  5. Michael Jackson – Gone Too Soon
  6. Ronan Keating – When You Say Nothing At All
  7. Savage Garden – Truly Madly Deeply
  8. Sheryl Crow – Strong Enough
  9. Sinead O' Connor – Nothing Compares 2 U
  10. Sixpence Non The Richer – Kiss Me

 

Stufe 7: ERHEBT EUCH UND TANZT (GET UP AGAIN AND DANCE)!

Nach der kurzen Kuschelpause und einem Riegel LILA PAUSE zur Stärkung, um wieder zu Energie zu kommen (heutzutage gibt’s auch diese Riegel-Art bestimmt in Protein), um sich wieder etwas auszupowern, hilft Tanzen. Tanzen ist gut für die Koordination und Ausdauer und nicht zuletzt die Figur. Wer tanzt, hat Spaß in den Beinen! Dies, liebe Leser, liebe Schüler der Neunzigeristik, ist ein essenzieller Teil der 90er: Waren die 80er noch voll von albernem Aerobic-Rumgehampel und pflegte man nur als peinlich zu bezeichnende Tanzstile, hottete und rockte und sockte man in den 90s total ab – zu den flotten Beats, die die Pumpe in Schwung brachten. Die zwei hier vorgestellten Kompilationen sind voll des reinen, tanzbaren Stoffes, des besten, den diese Dekade zu bieten hatte. Abtanzen und ablachen dazu! Und wieder eine Lektion gelernt.

Die ultimative Chartshow –

"Die besten Dancefloorhits aller Zeiten" (2009)

Diese Zusammenstellung der besten Hits für den Dancefloor enthält zwar nicht ausschließlich Hits aus den 90ern (aus den 80s gesellen sich u.a. noch MODERN TALKING und MYSTERIOUS ART dazu und die frühen 2000er haben auch noch ein paar vereinzelte Beiträge), doch ist sie, wie so viele, typisch 90er-Stempel drauf. Das Cover mit der Schallplatte (die als Accessoire nicht mehr so ganz in die 90er passen will) wirkt ein wenig unruhig, doch hier ist die Hitabfolge groß und die Aufteilung und Einteilung auf den beiden CDs recht solide, sodass selbst MODERN TALKING nicht negativ ins Gewicht fallen. Eine durchschnittliche Kompilation, die zwar mit wenigen Highlights aber einem sehr hohen 90er-Anteil (von ca. 90%) aufwarten kann.

 

10 beste Songs der Doppel-CD:

  1. BBE – Seven Days And One Week
  2. Cappella – U Got 2 Let The Music
  3. Gigi D'Agostino – La Passion
  4. Ice MC – Think About The Way
  5. Leila K. – Open Sesame
  6. Mr. President – Coco Jamboo
  7. Mysterious Art – Das Omen (Teil 1)
  8. Sandra – Maria Magdalena
  9. Snap! – Rhythm Is A Dancer
  10. Wamdue Project – King Of My Castle

 

Maxi Dance Hits '94 (1994)

Es hilft alles nichts: Wem es bei dieser Kompilation nicht ins Tanzbein fährt, der muss innerlich tot sein – oder ein Sportmuffel, der selbst die Mehrheit der Sofakartoffeln bei weitem übertrifft.

Wie das orange Männchen auf dem Cover kann ich gar nicht anders, als hemmungslos abzugehen zum Beat, meine hastigen, hektischen Zappelbewegungen anzupassen an die Frequenz, bis mein Herz im dreifachen üblichen Takt schlägt.

WHIGFIELD, CORONA (als es sich noch um eine italienische Sängerin mit brasilianischen Wurzeln, die auf Englisch sang, handelte), MARUSHA, K2, WESTBAM, PERPLEXER, CULTURE BEAT, MAXX, THE PRODIGY, JAM & SPOON, MASTERBOY, DJ BOBO, ACE OF BASE, LOFT, PHARAO, TAG TEAM, LA BOUCHE, REEL 2 REAL, TWENTY 4 SEVEN, DOOP, DR. ALBAN – hier sind wirklich sämtliche Namen von Rang und Prominenz des DANCE vertreten, EURODANCE rules dieses Kompendium für Tanzfreunde. "Saturday Night" "Moving On Up", "Sweet Dreams (Of Rhythm And Dancing)", "Run Away", "Slave To The Music", "Look Who's Talking", "Let The Beat Go On", "Doop", "Don't Turn Around", "Let The Dream Come True", "It Takes Me Away", "Celebration Generation", "Der Berg ruft", "In The Middle Of The Night", "The Rhythm Of The Night", "Anything", "Acid Folks" – und noch viel mehr. Einfach immer wieder zum Durchtanzen bis um halb vier. Die 90er, sie leben für immer!

 

Die besten Titel auf dieser Doppel-CD-Zusammenstellung:

  1. Corona – The Rhythm Of The Night
  2. K2 – Der Berg ruft
  3. Loft – Wake The World
  4. Magic Affair – In The Middle Of The Night
  5. Marusha – It Takes Me Away
  6. Masterboy – I Got To Give It Up
  7. Perplexer – Acid Folk
  8. Prince Ital. Joe featuring Marky Mark – Happy People
  9. Salt 'N Pepa – Whatta Man
  10. Twenty 4 Seven – Slave To The Music

 

Stufe 8: DANCE AROUND, FEEL THE ENERGY! (NUN TANZET HERUM UND FÜHLET DIE ENERGIE DABEI)!

Ich zitiere hier gern SCOOTER: "Switch off the light – and close your eyes – feel the energy – inside – Chilli bo, chilli bo, chilli bo! FIRE!" (SCOOTER "Fire", 1997). Diesem Schlachtruf schließen wir uns, liebe Schüler der Neunzigerei, vorbehaltlos an – und spüren, wie nach dem Tanzen die pure Energie wie das Taurin in Kombination mit dem Koffein eines Energydrinks durch den gesamten Organismus namens Körper gleitet. Man ist über alle Maßen fröhlich und euphorisch, noch immer aufgeladen durch die fantastische Musik. "Let Love Be Your Energy" meinte später, 2001, ROBBIE WILLIAMS. Auch dieses Zitat fügt sich nahtlos ins Gesamtkonzept ein.

Pure Energie '94 (1994)

Treibend, hochenergetisch, das ist sie, diese Kompilation. Ein Song nach dem anderen reißt mit, tief hinein ins EURODANCE- und Dancepop-Reich – fett frenetisch jubelnd für die Tanzfläche, abgehend bis ultimo, dafür die Energie endlich bereitstellen könnend. Hier ist sie, die Zusammenstellung mit der "Kakerlake" (TNN "La Cucamarcha"), der scheuen FUN FACTORY-Dame, die "Close To You" sein möchte, denn DJ BOBO lädt sowieso juvenil-agil wie der damals war, "Everybody" zum Tanzen ein. Besonders reizvoll ist das Mix aus den besten vier Hits von TWENTY 4 SEVEN, dem sympathischen niederländischen EURODANCE-Projekt. Das URBAN COOKIE COLLECTIVE lädt einen dann zum ultimativen Tanz ein, denn sie surfen "High On A Happy Vibe". Wenn die Vibrationen stimmen und wir alle zur Musik schön schwingen, wird dies nicht nur Energie, sondern gute Laune bringen.

 

Die besten Hits auf dieser 1-CD-Zusammenfassung:

  1. 2 Brothers On The 4th Floor – Dreams (Will Come Alive)
  2. 2 Unlimited – The Real Thing
  3. Club House featuring Carl – Light My Fire
  4. Corona featuring Ice MC – The Rhythm Of The Night (Space Mix)
  5. DJ Bobo – Everybody
  6. Fun Factory – Close To You
  7. TNN – La Cucamarcha
  8. Toni Di Bart – The Real Thing
  9. Twenty 4 Seven – GREATEST HITS MIX: Slave To The Music; Is It Love; Take Me Away; Leave Them Alone
  10. Urban Cookie Collective – High On A Happy Vibe

 

Stufe 9: HAVE A RAVE, BE A DANCING BRAVE!

Wer voller Energie steckt, der kann auch RAVEN! – Besagt ein altes Sprichwort aus der guten alten 90er-Zeit. Wir nähern uns jetzt der Hochqualifikation. Inzwischen, liebe Studenten des Neunzigerismus und der Neunzigerie, sind wir alle längst Profis, was die 90er-Musik betrifft. Wir haben vieles erfahren – verschiedenste Stile, Lebensgefühle, Tanzbarkeiten und Songbotschaften. Wir widmen uns der Urform des TECHNO – genauer einer der zahlreichen Abstufungen: dem Rave. Er besteht aus meist einfachen Rhythmen und Melodien und spart, wie die meisten Unterkategorien des TECHNO, meist am Text: Es kommt wenig bis gar keiner vor – und wenn, dann meistens nicht im klassischen Refrain-Strophen-Refrain-Strophen- oder vergleichbaren Schema, eben auch selten mit klassischen Überleitungen (Englisch: "Bridges") oder Instrumentalsolos wie in der Pop- und Rockmusik. Viele Songs bestehen nur aus einem zentralen Refrain (gern mit dem Titel des Songs – oder eben einfach nur den Titelwörtern des Songs), der in repetitiver Weise über die Distanz des Songs vorgetragen wird. Meist sind die Lieder von normaler Länge von 3,5 oder weniger, auch mal mehr Minuten. Die Taktzahl (BPM, Beats Per Minute) ist dabei relativ hoch, höher als etwa beim EURODANCE, dem sensibelsten Kindchen des TECHNO.

Die 90er – Rave Classics – Volume 2 (2019)

Von bekannteren RAVE-Tracks wie etwa DUNEs "Rainbow To The Stars" und SCOOTERs "Friends" und BBEs "Seven Days And One Week" und dem End-90er-Titel "Ihr seid so leise", einem jener "gottesfürchtigen" Tunes, von AQUAGEN, geht dieses Kompendium mehr ins Detail: Wir Jetzt-Musik-Profis der 90er tauchen in einen recht eigenwilligen Kosmos ein, in dem Typen wie DJ PAUL ELSTAK ("Rainbow In The Sky", der zweite "Regenbogen"-Song auf dem Sampler), DJ QUICKSILVER ("Bellisima"), LEXY & K-PAUL ("Freak"), DJ SAKIN & FRIENDS ("Nomansland (David's Song)"), KAI TRACID (eine der Koryphäen des RAVE, hier mit "Dance For Eternity") und SONIC DRIVER ("In Your Arms Tonight") das Sagen haben. Worum geht’s thematisch? Die Zukunft ("Phuture Vibes" von MELLOW TRAX), den Himmel ("Arms Of Heaven", SUNBEAM), Eis und Kälte ("As Cold As Ice" von STINGRAY & SONICDRIVER; "Eiskalt" von GENLOG), natürlich die Liebe ("Living Without Your Love" von INTERACTIVE; "Angel Of Love" von ALICI; "Your Smile" von CHARLIE LOWNOISE & MENTAL THEO) – und Leben und Wiedergeburt ("Signs Of Life", METEOR SEVEN; "The First Rebirth", TRANCE ALLSTARS). Geil für die Meute, geil für die Leute, die willig sind zu tanzen und Liebe empfinden zum großen Ganzen…

 

Die besten Rave-Stücke auf dieser Doppel-CD:

  1. Aquagen – Ihr seid so leise
  2. ATB – 9 PM (Till I Come)
  3. BBE – Seven Days And One Week
  4. Dune – Rainbow To The Stars
  5. Interactive – Living Without Your Love
  6. Kai Tracid – Dance For Eternity
  7. Mark Oh – Love Song
  8. RMB – Experience
  9. Scooter – Friends
  10. SQ-1 – Can You Feel…

 

Stufe 10: DIE NEUNZIGER JAHRE – LERNEN SIE DEUTSCH!

Wir sind hier bekanntermaßen in Deutschland, wie Ihr, liebe Leser, längst bemerkt habt, denn Ihr selbst seid vermutlich Deutsche – oder des Deutschen ausreichend mächtig und neugierig geworden auf diese Datei. Ihr mögt die 90er – und habt sie jetzt ausführlich kennengelernt – doch nicht ausführlich genug! Falls Ihr noch einen Schritt weitergehen wollt und Euch nicht scheut, Euer Möglicherweise-Heimatland, Euer Mutter- bzw. eher Vaterland, zu mögen, wenn Ihr keine Furcht habt, als "Nazis" abgestempelt zu werden, als sei Patriotismus automatisch mit Faschismus und speziell dem historischen Nationalsozialismus (1933-1945) gleichzusetzen, wenn Ihr selbst denken wollt und die deutsche Sprache nicht einfach nur als Mittel zum Zweck der Verständigung seht und sie stattdessen sogar liebt und ihren schönen Klang innig mögt, folgt mir bitte in die nächste Lektion, die für den deutschsprachigen Raum in der Mitte Europas (Deutschland, Österreich, Teile der Schweiz, Liechtenstein und teilweise Luxemburg sowie einige Teile des Elsass) unerlässlich ist, die man niemals einfach weglassen kann, ohne das Gesamtfach zu verfälschen. Widmen wir uns der deutschsprachigen Musik, die, insbesondere in der zweiten Hälfte der 90er, nach einer langen Durststrecke seit Abebben der NEUEN DEUTSCHEN WELLE (NDW) spätestens zu Mitte der 80er, wieder an Bedeutung gewann.

 

Wir lernen heute verschiedene deutschsprachige Hits kennen. Es sind Angehörige differenter Genres, ähnlich wie bei der englischsprachigen Musik der 90er, die natürlich, wie bereits in den Jahrzehnten vorher, weltweit die vorherrschende Pop- und Rocksprache war. Neben dem klassischen Deutschrock/Schlagerrock wie etwa dem Opener "Verdammt, ich lieb' Dich!" von MATTHIAS REIM, dem Rock für Softies ("Liebe auf den ersten Blick" von MÜNCHENER FREIHEIT), dem Schmelz-Schmacht-Schlager voller klebrig-süßlichen Kitsches ("Das erste Mal tat's noch weh" von STEFAN WAGGERSHAUSEN & VIKTOR LAZLO) und dem rotzfrechen Deutsch-Pop: LUCILECTRIC mit "Mädchen", TIC TAC TOE mit dem ernsten Anti-Drogen-Verlust-Song "Warum?", dem cleveren "Alles nur geklaut" von DIE PRINZEN, SUCH A SURGEs "Ich bin ein Träumer", gibt’s natürlich auch die alten 80er-Stars (was macht NENA hier mit "Eisbrecher"?). UDO LINDENBERG, der unvermeidliche Gesinnungsrocker, nuschelt hier eine seiner Lobeshymnen an das Inzwischen-heruntergekommene-Drecksloch unter ROTROTGRÜN: "Seid willkommen in Berlin", JOACHIM WITT & PETER HEPPNER performen ihr schwermütig-schwerfälliges "Die Flut", ein für die damalige Zeit (1998) eher ungewöhnlich apokalyptisches Lied trübster Stimmung, das auf der Metaebene durchaus einige der Miseren, die über uns alle in letzter Zeit hereinbrechen, vorwegnimmt, gruselig ist es. DIE DOOFEN sind mit "Mief! (Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke)" am Start, BÜRGER LARS DIETRICH verwandelt HOT CHOCOLATEs "Sexy Eyes" in "Sexy Eis" – und vergisst dabei nicht den typisch deutschen Humor. Apropos deutscher Humor: Wer an dem noch Zweifel hatte, der höre STEFAN RAABs "Maschen-Draht-Zaun", ein eigentlich hauptsächlich auf Englisch gesungenes Lied, der gehe weiter zu GUILDO HORN & DIE ORTHOPÄDISCHEN STRÜMPFE, dem Grand-Prix-Beitrag Deutschlands im Jahr 1998, das einen respektablen siebten Platz bescherte. Mit einem vorgetragenen alten Gedicht namens "Der Erdbeermund" (nach PAUL ZECH, 1930), das hier mit niemand Geringeren Stimme als der von KLAUS KINSKI zu hören ist, machen CULTURE BEAT, ungewöhnlich für das EURODANCE-Projekt hier weitere skurrile Stimmung, ins reine Gute-Laune-Reich des Lilalaunebären entführt BLÜMCHEN mit einem Cover von NENAs "Nur geträumt" im feinsten Plastikpop. ACHIM REICHEL mit "Aloha Heja He" ist sowieso ein Sauflied-, Deutschrock-, Früh-90er-, NDW-Nachgeburt- und Schlagerklassiker. OLI P. interpretiert, nicht ohne Peinlichkeit, PETER MAFFAYs "So bist du", die Österreicher von der ERSTEN ALLGEMEINEN VERUNSICHERUNG warnen vor dem grundsätzlichen Türöffnen, wenn das "Ding Dong" der Haustürglocke erklingt. Am Ende preist euphorisch MARIO JORDAN, "Welch ein Tag" das ist. Ja, in den 90ern war die Stimmung positiv, die Freiheit überall und überbordend, es war alles gut. Und erst recht auf Deutsch. Das besondere Schmankerl habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: Die den damaligen Bundeskanzler GERHARD SCHRÖDER (was sind schon seine Reformen zuungunsten der Ärmsten und Wehrlosesten gegen die zahlreichen Rechtsbrüche und Verbrechen der ANGELA fucking MERKEL?) parodierende GERD SHOW steuerte 1999 eines der schönsten Lieder ab, die wie ein "Meditationslied", im gesprochenen "Gesang" vorgetragen: "FKK (Everybody's Free To Wear Gar Nichts)". Ein Knaller schlechthin, über den ich noch in zigtausenden Jahren lachen kann – wenn man mich lässt!

 

Die besten Liedwerke auf der Doppelscheibe:

  1. Achim Reichel – Aloha Heja He
  2. Culture Beat – Der Erdbeermund
  3. Die Doofen – Mief! (Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke)
  4. Die Prinzen – Alles nur geklaut
  5. Gerd Show – FKK (Everybody's Free To Wear Gar Nichts)
  6. Guildo Horn & Die Orthopädischen Strümpfe – Guildo hat Euch lieb!
  7. Lucilectric – Mädchen
  8. Mario Jordan – Welch ein Tag
  9. Oli P – So bist Du
  10. Stefan Raab – Maschen-Draht-Zaun

 

 

Stufe 11: JAZZ IS IN THE AIR!

Jazz war wahrhaft ein unterrepräsentiertes Musikgenre in den 1990ern. Wichtig deshalb, dass wir uns kurz und bündig dem Ganzen widmen, in unserer Minilektion 11: "Jazz is in the air!" – in der Tat! Diese einzige Kompilation dieses spezifischen 90er-Booms ist die einzige in meiner Sammlung – und kann deswegen nur halbwegs akkurat abgebildet werden: Fusion und Jazz sind hier vertreten, es sind nicht viele Lieder, doch es gab sie. Sie sind, wir wir an der Titelliste unten sehen können, die unbekannten Stücke dieser Dekade, welche nicht mal in den Charts groß auftauchen. Das genau macht sie so reizvoll.

Perspective '93 (1992)

Wie man bereits anhand der Titelliste erkennen kann, ist dies die unkonventionellste und ungewöhnlichste Kompilation in dieser Datei. Wie man an den besten 10 der ohnehin nicht vielen Lieder, der gerade einmal 15 insgesamt, sieht, Songs, die sonst garantiert nicht (nicht ein einziger) auf irgendwelchen anderen Kompilationen befindlich sind.  Es handelt sich um New- und Fusion-Jazz- sowie Ambient-Songs, die eben keine typische Charts-Ware sind. Dem Titel nach eine Perspektive, also ein Ausblick auf das kommende, damals das Jahr 1993. Mir gefällt die Kompilation so mittelprächtig, mein Stammdealer hatte sie im günstigen Angebot unter den 90er-Samplern, also dachte ich, dass sie, gerade wegen der Unbekanntheit der Songs, gut sein könnte. Es geht so…

 

Die besten Songs dieser 1-CD-Macherei:

  1. African Jazz Pioneers – Amagama Aphelile
  2. Georgie Fame – The Blues And Me
  3. Go Jazz Allstars – Good Bye
  4. John Capek – Sangoma
  5. Latin Quarter – Bitter To The South
  6. Marc Kane – You're Not Alone
  7. Paul Grabowsky – Julia
  8. Phil Upchurch – The Tide Keeps Lifting Me
  9. Steps Ahead – Sidewalk Maneuvers
  10. Xiame – Tokyoto (Single Edit)

 

Stufe 12: WIEDERHOLUNG: WAS HABEN WIR BISHER GELERNT?

Eines der wichtigsten Elemente des Lernens und des Lebens überhaupt ist das Wiederholen oder die Wiederholung. Deshalb wollen wir nun zurückblicken und uns vergegenwärtigen, was wir bisher gelernt haben: Tanzen, Kuscheln, Romantik? – Check. Energie, pure: Check. Ohrwürmer und auch ein paar unkonventionelle oder künstlerisch besonders wertvolle Musikstücke? – Jepp, check! Lustige Lieder? Check! Etwas Jazz?  _Check! Liebe, Sex, Crime – check! Alles wie es sein soll. Was die 90er ausmachte: Partynächte, energetisches Tanzen, Liebe und Harmonie – aber auch Wut und Auflehnung. Romantische Momente – und skurrile Lebensbetrachtungen, Trash und Traumhaftigkeit, einfach alles. Blicken wir zurück – mit dieser ersten dieser Kompilationen zur Wiederholung!

 

Der Sampler mit dem leicht mädchenhaften pink-rosa Cover, das dem Ganzen eine edle aber bonbonhafte sowie synchron dazu eine harmonische Wellness-Atmosphäre verleiht, war tatsächlich mein erster, als der Hype bei mir so richtig ausbrach. Wir schrieben das Jahr 2004, also die mittleren 2000er, die 90er waren erst 5 Jahre herum, also erst eine halbe Dekade. Das war praktisch nichts. Es war wohl noch zu früh, als ich als erste Person auf dem Planeten Deutschland beschloss, ein großes Revival zu starten. Die auf meinem damaligen Lieblingssender (wegen STAR TREK) SAT1 laufende Show "DIE HITGIGANTEN" war mir kein großer Begriff gewesen, ich hatte diese Musiksendungen, bei denen Charts zu verschiedenen musikalischen Richtungen zusammengestellt sind und beim Ablauf der Charts irgendwelche C- bis Z-Promis ihren Senf dazugeben, weitestgehend ignoriert. Eine Zeitlang später, daraufhin, schaute ich sie dann. Wichtig ist dies nicht, denn mir ging es hauptsächlich um die geliebten 90er, die damals einfach zu frisch vorüber waren. Mittlerweile revivalt man sich durch eine immer unübersichtlicher werdende Zahl an 90er-Kompilationen, die sich in ihrer Hit-Zusammensetzung oftmals nur noch marginal unterscheiden. Der große Ausverkauf der 90er hat längst begonnen – ähnlich heftig wie bei den 80ern. Traurig, doch dazu später mehr.

RTL zog damals mit der "Ultimativen Chartshow" nach – auch dort wurden dann die 90er thematisiert (und nicht zum letzten Mal) – und schließlich machte derselbe Sender Ernst: Er kreierte, nach der "70er Show" und "80er Show" folgerichtig die "90er Show" – mit OLIVER GEISSEN. Der Moderator, der jede Sendung, die er moderiert, zu einem enervierenden Event macht, tat einen ähnlich mauen Job wie bei der "80er Show". Warum man nicht den bekannten Komödianten HAPE KERKELING engagierte, der aus der "70er Show" die immerhin qualitativ beste unter solcherlei Formaten machte, bleibt bis heute süßes Geheimnis des luxemburgischen Senders.

Doch zum Inhaltlichen: Was mich an dieser Sammlung immer schon störte, war, dass sie nicht die gesamte Bandbreite der 90er-Musik abbildete. Die erste CD besteht ausschließlich aus Dancepop und EURODANCE, ein wenig Techno (SCOOTER mit ihrem großen Durchbruch "Hyper Hyper", 2UNLIMITED mit "No Limit"), die zweite ist wesentlich fluffiger und gemütlicher: Der einzige Rocksong ist das auf 90er-Samplern allgegenwärtige "Two Princess" von den SPIN DOCTORS, dazu gibt es aber drei der besten Neo-Klassikmusik-Stücke aller Zeiten: VANGELIS mit seinem episch-hymnischen "Conquest Of Paradise", DUNE mit der orchestralen Coverversion von QUEENs "Who Wants To Live Forever" – und das auch in Richtung spanisches Volkslied gehende: "Hijo de la luna" ("Sohn des Mondes") von LOONA. Dazu natürlich das afrikanische Flair mit WES' "Alane" (niemand kapiert so recht, worum es im Lied geht, denn es ist in einer afrikanischen Sprache, nicht auf Englisch, aber die Stimmung des Liedes ist eine der fröhlichsten, die es überhaupt geben kann). Dann etwas Soul- und Funk-Pop, etwa das sinnlich-schwüle "I Wanna Sex You Up" von COLOR ME BADD, das funkige "Let's Talk About Sex", frech von SALT'N'PEPA, das Reggae-Raggamuffin-artige Jamaika-Feeling kommt aus DIANA KINGs Mund, die sich einen "Shy Guy" anstelle eines Draufgängers wünscht (wie sie später outete, ist sie in Wirklichkeit lesbisch, bis heute die einzige prominente Person Jamaikas, die sich als homosexuell outete, was in der vom Katholizismus abgewandelten, homophoben jamaikanischen Religionskultur ein irre mutiger Schritt ist). Weiteren mit druckvollem Beat verzierten EURODANCE gibt’s auf CD 2 mit ACE OF BASE und ihrem "The Sign", "Gypsy Woman" ist ein herausragendes Lied des Dancepops, von CRYSTAL WATERS. Der Rap-Dancepop, der die zweite Hälfte der 90er insbesondere in Deutschland beherrschte, wird mit seinem bekanntesten Vertreter NANA mit "Lonely" vertreten, etwas prolliger wird es mit den VENGABOYS ("We Like To Party (The Vengabus)"). Boygroups fehlen auf diesem Sampler fast vollständig, wir erhalten hier im Wesentlichen nur das britische Triumvirat EAST17, die hier ihre nicht bewegendste Nummer, dafür aber die bekannteste, "It's Alright" performen. HADDAWAYs "What Is Love" hätte musikalisch eher auf CD 1, die vom DANCE dominierte, gepasst.

 

Die besten Songs auf der Sammlung aus zwei CDs:

  1. Ace Of Base – The Sign
  2. Crystal Waters – Gypsy Woman
  3. Diana King – Shy Guy
  4. Dune – Who Wants To Live Forever
  5. Loona – Hijo de la Luna
  6. Prince Ital. Joe featuring Marky Mark – United
  7. Salt 'n' Pepa – Let's Talk About Sex
  8. Technotronic – Pump Up The Jam
  9. Vangelis – Conquest Of Paradise
  10. Wes – Alane

 

Die Hitgiganten – "Best Of 90s" (2013)

Mit Fug und Recht könnte manch nörgeliger Zeitgenosse behaupten, dass die Lieder, die hier drauf sind, doch größtenteils dem entsprechen, was wir schon von der HITGIGANTEN "Hits der 90er" kennen (siehe weiter oben). Das ist jedoch nur teilweise richtig. Wenn man vom grenzdebil grinsenden Smiley auf der Hülle absieht, diesem Ding, das irgendwas mit den 90ern assoziieren soll, aber schon länger als Symbol bekannt ist und bei mir weniger positive Assoziationen hervorruft als vielleicht beabsichtigt, absieht, ist dieser Teil der 3-CD-Reihe der HITGIGANTEN jedoch um einiges vielfältiger und ausgewogener als sein Vorgänger, wenngleich dieser (siehe wiederum oben) mit diesem rosa-pinken Cover-Verschnitt wesentlich besser fährt als dieses knallige Rot-Orange mit einem ausgeblichenen Hellblau-Streifen und dem zitronengelben Lächelgesichtchen. Zwar ist auch hier nicht die ganze Vielfaltspower der 90er-Musik vertreten (nach wie vor sind es die Chart-Topper des mittleren Europa eher als etwa die US-amerikanischen, die sehr viel mehr vom R&B, Hip-Hop/Rap und Alternative-Rock durchzogen waren. Gerade die Meisterwerke des Letzteren sowie die Heroen des Britpop (Großbritannien war einer der wesentlichsten Hitmacher des ganzen Planeten, nicht nur wegen der SPICE GIRLS) sucht man hier vergeblich. Sommerfrische, harter Techno, nerviger Eurodance und alle sonstigen skurrilen Zutaten der 90er sind jedoch eindrucksvoll vorhanden: Für obergeiles Sommerfeeling inklusive lasziver Latino-Erotik sorgen RICKY MARTINs "Maria", SHAGGY mit seinem jamaikanischen Locker-Flocker-Flair "Oh Carolina" und JENNIFER LOPEZ kickt es mit "Let's Get Loud" (immer eine adäquate Aufforderung für partywillige Partyfreunde). Den schwitzig-schwül-erotischen Touch verleihen COLOR ME BADD mit "I Wanna Sex You Up" und natürlich SALT'N'PEPA mit "Let's Talk About Sex" (beide Stücke sind, in relativer Nähe zueinander auch auf CD 2 der "Hits der 90er"), ehe es obercool und abgeklärt über die Pisten geht: Eine Autofahrt ins Grüne wird klanglich am besten mit "Cosmic Girl" (JAMIROQUAI) untermalt, "Everybody Get Up" (FIVE) und "Fu-Gee-La" von den FUGEES runden das ab, allerdings nur auf CD 1. Die klassischen Eurodance-Stücke finden sich eher auf Scheibe 2: "The Power" von SNAP! leitet sie mit einem Kraftschlag ein, der noch überzeugender ist als "Rhythm Is A Dancer" derselben Musikgruppe auf "Hits der 90er". ACE OF BASE mit "All That She Wants", ATC mit "Around The World (Lalalal)", CULTURE BEAT ("Mr. Vain") und HADDAWAYs schon beinah obligatorisches "What Is Love", WHIGFIELDs unsterblicher Klassiker "Saturday Night" und "Captain Jack" von CAPTAIN JACK, CORONA (nicht das Virus, sondern die sympathische italienische Sängerin mit brasilianischen Wurzeln) mit "The Rhythm Of The Night", PRINCE ITAL JOE FEATURING MARKY MARK mit "United", SCATMAN JOHN mit "Scatman" – soweit zu den üblichen Verdächtigen der 90er, die hier erstmal die Laune erheblich heben und die Scheibe 2 beleben, sodass man einen neuen Strom Energie erlebt. Ferner das sympathische Trio oder, in diesem Fall, Triumvirat NO MERCY, die alles andere als gnadenlos, sondern vielmehr angenehm ohrenschmeichelnd ohrwurmverdächtig klingen: Mit spanischen Akustikgitarren unterlegter Dance-Pop ist ihr berühmtester Hit "Where Do You Go". Die Typen, die von Musikproduzentenveteran FRANK FARIAN (u.a. BONEY M) entdeckt wurden, lassen kurz sommerliches Latino-Flair aufkommen. Doch die C+C MUSIC FACTORY bringt alle zum Schwitzen: "Gonna Make You Sweat (Everybody Dance Now)", COLOR ME BADD hauchen sensibel "I Wanna Sex You Up", thematisch in die ähnliche Kerbe schlägt schon der Schließer/Rausschmeißer der CD: "Let's Talk About Sex" – fordern SALT'N'PEPA, diesmal ein Damen-Trio, von dem allerdings nur zwei Frauen singen und die dritte die Plattenteller dreht (wie ihr Künstlername "Spinderella" bereits andeutet). Ferner stellen 2UNLIMITED klar, dass es "No Limit" gibt – und in gewisser Weise stimmt das und sollte für alles gelten – außer Gesetze und Grenzen von Ländern und einigen anderen Kleinigkeiten. "This Beat Is Technotronic" sagen MC B. FEATURING DAISY DEE dazu.

Wer gedacht hat, auf CD 3 ginge es gemächlicher zu und der tanzbare Teil sei nun beendet, wird sogleich mit dem "Rockafeller Skank" des FATBOY SLIM sowie RUN-DMC VERSUS JASON NEVINS' "It's Like That" als einem dynamischen Start-Duo eines Frisch-Besseren belehrt. THE PRODIGY (oder einfach: PRODIGY) heizen mit dem verrückten "Voodoo People", einer Hardcore-Technobombe, deftig heftig ein, FAITHLESS' "Insomnia" ist der intellektuelle Teil des Tanzbaren, weiter antreibend sind SASH! mit "Encore Une Fois", SCOOTER bringen eines ihrer besten Werke, "How Much Is The Fish", danach kommt der verrückte Typ von REEL 2 REAL FEATURING THE MAD STUNTMAN mit ihrem berühmten, zigfach gecoverten, zigmal in der Werbung (allein in Deutschland) referenzierten und verwursteten "I Like To Move It" – in der Reklame zuweilen "I Like To Chew It" oder "I Like To Shake It"… Die eher raren Stücke, die nicht überall drauf sind, sind: DOMINOO mit "Run Run Away", BASS BUMPERS mit "The Music's Got Me". Mit sogar zwei deutschsprachigen Stücken glückt auch diese CD: "Herz an Herz", BLÜMCHENs Cover der NDW-Heroen PASO DOBLE und der Italiener MO-DO mit "Eins, zwei, Polizei". Techno der harten Rave-Sorte darf natürlich final nicht fehlen: MARUSHA rockt ihr Cover des alten Filmmusikklassikers "Somewhere Over The Rainbow". Eine der besten 90er-Kompilationen für langanhaltende Freude über dieses unvergleichliche Jahrzehnt.  

 

Die besten Lieder auf der Dreier-Zusammenstellung:

  1. Backstreet Boys – Everybody
  2. Britney Spears – Baby One More Time
  3. Dr. Alban – It's My Life
  4. East 17 – It's Alright
  5. Fugees – Fu-Gee-La
  6. Mc B. featuring Daisy Dee – This Beat Is Technotronic
  7. Mo-Do – Eins, zwei, Polizei
  8. Olive – You're Not Alone
  9. The Prodigy – Voodoo People
  10. Whigfield – Saturday Night

 

 

Stufe 13: LERNE DIE JAHRE! (VERTIEFUNG EINZELNER JAHRE DER NEUNZIGER)

Selbstverständlich gibt und gab es auch innerhalb der diversen Jahrzehnte nicht nur technische, medizinische und gesellschaftliche Neuerungen und Umbrüche, gelegentlich gar ganze Revolutionen, sondern natürlich auch musikalische Entwicklungen, von Jahr zu Jahr. Dennoch: Betrachtet man sich die 90er eingehend, fällt sofort auf, dass sie um einiges wandelbarer und vielfältiger sind als alle vorherigen Jahrzehnte. Die Schnelllebigkeit dieser Epoche, wie man das Phänomen negativ konnotiert nennen könnte, sorgte dafür, dass zwar viele Musikstücke bestimmten klar definierten Genres zuzuordnen waren, doch alles in allem jedes Jahr fast einzigartig war, was die Variationen betrifft. Manchmal gab es sogar innerhalb eines Jahres unterschiedlichste Strömungen, ein Quartal klang nicht wie das vorherige und umgekehrt. Ich habe hier alle Kompilationen zusammengetragen, die ein bestimmtes Jahr behandeln. Überwiegend handelt es sich um solche, die zu der Zeit selbst entstanden sind, nur wenige (wie die der SZ-DISKOTHEK, siehe folgend) sind erst im späteren Nachhinein entstanden. Man darf gespannt sein.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG DISKOTHEK – 1991

Wie so viele Produkte erschwinglichster, fast unverschämt günstigster Art, entdeckte ich beim Stöbern bei meinem Lieblings-Musik-und-Film-Dealer auch einige Teile der Reihe "Süddeutsche Zeitung Diskothek". Für mich waren natürlich die aus aus den 1990ern von größtem Interesse. Auf diesen CDs, die allerdings nicht in einem klassischen Pappschuber oder gar Jewel-Case vorzufinden waren, sondern auf der Innenseite des Hardcovers eines kleinen Buches in eine Halterung eingepasst waren (ich verbrachte sie später in normale Jewel-Cases, um sie vor allzu starker Schmutz- und Staubanfälligkeit zu schützen), befindet sich die aus Sicht der SZ niveauvollste Sammlung der Musik aller Zeiten, angefangen im Jahre 1955 bis einschließlich ins damals aktuelle 2004, als diese Sammlung herauskam. Von jedem Jahr werden die 20 besten Lieder zusammengetragen. Im dünnen Buch gibt es Informationen zu jedem einzelnen Song, der auf der CD enthalten ist. Natürlich von renommierten Musikjournalisten wie etwa einem Kerl namens OLIVER FUCHS, der einmal eine am GRUNGE NIRVANAs orientierte Kurzzeit-Band gehabt haben soll, von der ich als großer Musikkenner noch nie was gehört hatte, die SUPERALBERT hieß und eine gleichnamige EP (Extended Play, also eine Art Mini- bzw. Kurzmusikalbum) veröffentlicht haben soll, nämlich 1998 (!), also vier Jahre nach KURT COBAINs Selbstmord und dem Quasi-Ende des GRUNGE, der dem NU METAL (sic) oder RAP METAL Platz machte. Aber diese Petitessen sind kaum von Interesse und sollten niemanden stressen. Um das Ganze nicht allzu dröge und einseitig zu machen, gibt es zu den Songinfos im Buch vorher noch das sog. "Fundstück", einen längeren Artikel darüber, ganz am Anfang gibt es ein großes Präludium über das jeweilige Jahr, in diesem Fall also 1991, in dem, mit Augenmerk hauptsächlich auf die Musik, die Ereignisse des Jahres Revue passiert gelassen werden, dazu gibt es eine Reihe Bilder des Jahres. Das schönste Bild? Natürlich das, wo der riesige Kopf einer gigantischen LENIN-Statue zersägt und entsorgt wird.

 

1991 war ein Jahr voller Veränderungen, insbesondere kurz nach der Euphorie der Wiedervereinigung, als Ernüchterung und gerade für viele Bürger des Ostens erste Probleme von Massenarbeitslosigkeit und Abwicklung der staatseigenen DDR-Betriebe durch die sog. Treuhand, auch Neonazismus (der echte, absolute, radikale, extremistische, nicht die Hirngespinste heutiger Linker und des heutigen Mainstreams, für die jeder rechts von STALIN und jeder Migrations- und MERKEL-Kritiker automatisch ein böser Nazi ist) und andere große Probleme traten deutlich hervor – es war (noch) nicht alles Zuckerschlecken und die "blühenden Landschaften" des HELMUT KOHL, vollmundig angekündigt, blieben zunächst mal übersichtlich. So gibt es einige musikalische Meisterwerke und Meilenstein-Marker für das kommende Jahrzehnt, die bemerkenswert düster sind: Der Starter "Gypsy Woman (She's Homeless)" von CRYSTAL WATERS ist ein langsamer, vergleichsweise getragener, gedrückter Dancepop-Song, der, gerade im Gegensatz zu dem meisten Zeug des EURODANCE, eher in Moll gehalten ist, die deutschen Beiträge sind zum Teil auch nicht rosig: ELEMENT OF CRIME sehen "Blaulicht und Zwielicht", "Falsche Gedanken" von LASSIE SINGERS ist auch nicht gerade die allerfröhlichste, wenngleich optimistische Nummer. SOUNDGARDENs "Outshined" ist sehr trübe, melancholisch aber hoffnungsvoll kommt der Bluesklassiker "Walking In Memphis" von MARC COHN als Schlusslicht daher. Ferner haben wir weiterhin SALT'N'PEPAs lustige Aufforderung: "Let's Talk About Sex". Den TEENAGE FANCLUB bewegt mehr das "Star Sign", MATTHEW SWEET sehnt sich nach einem "Girlfriend", ICE-T mimt den "Original Gangster", um Türme dreht es sich bei SUPERCHUNK ("Tower"), die PIXIES singen über "Alec Eiffel", den Erfinder, Erbauer, Aufsteller des EIFFELTURMs. Ins Latinum flitzen MATERIAL mit "E-Pluribus-Unum" – und das ist das Jahr – mit der frisch-fröhlichen "Summertime" des DJ JAZZY JEFF & THE FRESH PRINCE – hinter Letzterem verbirgt sich niemand Geringeres als Rapper und Schauspieler WILL SMITH.

 

Beste Songs der 1-CD-Kompilation:

  1. Beat Happening – Me Untamed
  2. Ce Ce Peniston – Finally
  3. Crystal Waters – Gypsy Woman
  4. DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince – Summertime
  5. Element Of Crime – Blaulicht und Zwielicht
  6. Gang Starr – Lovesick
  7. Ice-T O.G. – Original Gangster
  8. Marc Cohn – Walking In Memphis
  9. Pixies – Alec Eiffel
  10. Soundgarden – Outshined

 

Neue Hits '92 (1992)

Die abgehalftert aussehende CD aus meinem Privatbesitz sieht (noch mehr, als das Cover vermuten lässt) habe ich mal günstig von einem Flohmarkt ergattert, obwohl solche Orte selten meinerseits frequentiert werden. Das Cover ist zwar entsetzlich unkreativ und belanglos gestaltet, doch wir wollen ja keinen Datenträger aufgrund dieser Äußerlichkeiten beurteilen. Welche Erkenntnisse können die zwei CDs mit jeweils gerade einmal 15 Titeln zum Jahr 1992 erbringen? Was bewegte die Musikwelt in diesem Jahr vorsichtiger Fröhlichkeit, als ein langsamer Aufschwung begann, zaghaft aber da. Nun, zunächst beginnt alles mit einem Song von 1979, aus "Das Leben des Brian"/"Life of Brian": "Always Look On The Bright Side Of Life" ist der Gute-Laune-Song, der auffordert, das Leben, dieses Stück Scheiße, zu nehmen wie es ist, der 1992 wieder in den Charts auftauchte. Weiter geht es mit der traurigen Pop-Rock-Ballade von ROXETTE, "Spending My Time" vom 1991 erschienenen Album "Joyride". JOE COCKER kontert mit "Night Calls", von der EN-SONIC "Just A Little Bit" haben wollen, BONNIE TYLER ist "Bitterblue", während TINA TURNER den "Way Of The World" beobachtet. DAVID HASSELHOFF fordert zum Mitmachen auf, in einem typischen Mitmach-Song namens "Hands Up For Rock'n'Roll" – und in der Tat: Mache man sich für diese Musikrichtung stark. Darauf antwortet der coole Latino GARLAND JEFFREYS mit "Hail Hail Rock'n'Roll", in dem er sowohl die weißen als auch schwarzen Ikonen des Rock'n'Roll namedroppend ehrt. Die ARMY OF LOVERS fühlen sich "Crucified" wie ihr "Savior", LENNY KRAVITZ sieht es geboten: "Stand By Your Woman", ROZALLA, eine Powerstimme aus Zimbabwe, verbreitet die positivsten Gefühle mit "Everybody's Free (To Feel Good)", SNAP küren die "Colour Of Love", MARKY MARK & THE FUNKY BUNCH (FEATURING LOLETTA HOLLOWAY) spüren "Good Vibrations", THE COMMITMENTS meinen, man solle "Try A Little Tenderness" und "Leave The Guns At Home" ergänzen ARTHUR BAKER & THE BACKBEAT DISCIPLINES. Das war ein geiles Jahr 1992, das ist eine der Compilations dazu. Es lehrt uns viel, vor allem: positive Gefühle.

 

Die besten Lieder auf der Doppelscheibe:

  1. Army Of Lovers – Crucified
  2. Bell Biv Devoe – Word To The Mutha!
  3. Garland Jeffreys – Hail Hail Rock'n'Roll
  4. Got To Be – Two Of A Kind
  5. Hammer – 2 Legit 2 Quit
  6. Joe Cocker – Night Calls
  7. Lenny Kravitz – Stand By Your Woman
  8. One-Eyed Jacks/One-Eyed Jacks & Zip (rapper) – Falling
  9. Roxette – Spending My Time
  10. Snap – Colour Of Love

 

Internationale Hits '92 (1992)

Wir bleiben noch ein Weilchen im Jahr 1992: Wie damals vielfach üblich: Kleine Fotoschnipsel, dass auf Fotos einige der anwesenden Stars abgebildet werden, das ist bunt und lustig. Soweit zum relativ positiven Cover, was die Kolorierung betrifft. Jetzt gehen wir zum Inneren: Was lernen wir aus 1992? Nun, es ist ein verschwitztes Sommerjahr ("Sweat (A La La La Long)" von INNER CIRCLE), DR. ALBAN stellt, damals zeitgemäß, klar, dass es sein eigen Leben sei: "It's My Life", SNAP stellen fest, dass Rhythmus auch tanzen kann: "Rhythm Is A Dancer". FELIX fragt forsch in einem etwas düster klingenden Dancetrack: "Don't You Want Me", RIGHT SAID FRED kommentieren dies mit "Don't Talk Just Kiss". Doch kommen wir zu den hier durchaus stark vertretenen deutschen Stars: UWE OCHSENKNECHT, sonst eher Schauspieler, musiziert hier seine rockige Ode an "Only One Woman" und HAPE KERKELING bringt den "X-Mas Rap". An Coverversionen mangelt es nicht unbedingt: "Axel F." (im Original zur Filmtrilogie "Beverly Hills Cop" von HAROLD FALTERMEYER komponiert) wird hier vom TECHNO COP geklaut, "Dream A Little Dream Of Me" von THE MAMAS & THE PAPAS, selbst 1992 bereits ein Oldie, ist auch nicht von ihnen – am bekanntesten sind die später mit ihrem eigenen Song "Always" (siehe 1994) erfolgreich gewordenen ERASURE mit ihrem ABBA-Cover "Take A Chance On Me".  Und dann gibt es jede Menge spätere Klassiker und Evergreens der Musikgeschichte und des Radio-Dauerspielens: ROXETTE besuchen hier gläubig die "Church Of Your Heart", das niederländische One-Hit-Wonder TEN SHARP steuert sein viel zu sehr inflationär verwurstetes "You", THE KLF soulen und dancen ihr hymnisches "Justified And Ancient", DR. ALBAN kennt auf seinem zweiten Auftritt der Kompilation, auch noch auf CD 1 nur "One Love" und ANNIE LENNOX stellt die ultimative Frage aller Fragen: "Why". Auch von später in den 90ern noch erfolgreicher werdenden Künstlern wie R. KELLY ist hier schon was zu hören: "Slow Dance". LONDONBEAT haben hier einen ihrer weniger bekannten Songs anzubieten: "Lover You Send Me Colours", 80er-Stars wie BONNIE TYLER veranstaltet ein "Race To The Fire", CURTIS STIGERS hat auch einen ewigen Ohrwurm geschaffen, auch wenn er im Grunde letztlich international ein One-Hit-Wonder geblieben ist, nämlich "I Wonder Why", ein Jazz-Standard sondergleichen. 1992: Ein Jahr voller fantastischer Facetten.

 

Die besten Musiktitel des Doppel-CD-Schlags:

  1. Christopher Cross – In The Blink Of An Eye
  2. Dr. Alban – It's My Life
  3. Elton John & George Michael – Don't Let The Sun Go Down On Me
  4. Felix – Don't You Want Me
  5. Hape Kerkeling – X-Mas Rap
  6. Joe Public – Live And Learn
  7. Shakespeare Sisters – I Don't Care
  8. Snap – Rhythm Is A Dancer
  9. The KLF – Justified And Ancient
  10. The Mamas & The Papas – Dream A Little Dream Of Me

 

Sahnestücke '92 –

Die 30 besten internationalen Stücke (1992)

1992 – ein Jahr voller Sahne. Sahnestücke, die wie zuckerige Sahne auf der Zunge zergehen, besser gesagt im Ohr: Wunderschön wie schon bei der Vorgänger-CD (siehe hierüber): Hier gibt es mächtige Ohrwürmer auf die Ohren: "I Love Your Smile" – schöner als mit dem locker-leichten Gute-Laune-Liebeserklärungslied der 1992 blutjungen SHANICE kann man eine erste CD einer Zweierkompilation einfach nicht beginnen, tut mir schrecklich leid. Romantik, Sex und Liebe liegen hier nah beieinander. "Don't Talk Just Kiss" machen RIGHT SAID FRED weiter, THE KLF fühlen sich derweil "Justified & Ancient", LONDONBEAT befinden "You Bring The Sun", ebenso wohl fühlen sich THE PASADENAS: "I'm Doing Fine Now". Wiederum unvermeidlich in den frühen 90ern: "Let's Talk About Sex" von SALT'N'PEPA, CE CE PENISTON gibt alles "Finally", SNAP machen mal wieder die "Colour Of Love" aus, TURBO B., der Rapper, der bei SNAP ab und zu mitmachte (u.a. zu hören in der Rap-Strophe von "Rhythm Is A Dancer") gibt feierlich bekannt: "I'm Not Dead!" – das loben wir uns doch! U96 gestehen freimütig: "I Wanna Be A Kennedy" – und ich möchte rhetorisch fragen: Wer nicht? Die ARMY OF LOVERS haben hier ihren anderen größten Hit im Petto: Neben "Crucified" (siehe vorherige Sammlung) kennen sie nur die maximale "Obsession", MAGGIE REILLY meint aber, wir sollten "Wait" – und zwar auf GENESIS, die aber dann enthüllen: "I Can't Dance". "Don't Be Agressive" haucht SANDRA, der 80er-Star (u.a. "Maria Magdalena"), UGLY KID JOE (vor allem durch das Cover des 70er-Barden HARRY CHAPIN, "Cats In The Cradle" bekannt geworden) zählen hier auf, was sie an einer nicht näher bestimmten Person hassen: "Everything About You" singen sie auf die Zeile "I hate…". FAITH NO MORE kommen hier nicht mit ihrem berühmten "Easy" (einem Cover der COMMODORES), sondern erleiden eine "Midlife Crisis", bevor CONNIE FRANCIS das Gesamtpaket von auch nur 30 Hits auf zwei CDs mit einem Medley ihrer größten alten Hits auflöst: "Go, Connie, Go" heißt das aus sieben Liedern bestehende Ding. 1992 sind immer noch für Sahne und einen explosiv geilen Mix gut.

 

Die besten Tracks auf der Doppel-CD:

  1. Ce Ce Peniston – Finally
  2. Connie Francis – Go, Connie, Go
  3. Erasure – Love To Hate You
  4. Genesis – I Can't Dance
  5. Sandra – Don't Be Aggressive
  6. Shakespeare Sisters – I Don't Care
  7. Shanice – I Love Your Smile
  8. The KLF – Justified And Ancient
  9. Ugly Kid Joe – Everything About You
  10. Wet Wet Wet – Goodnight Girl

 

Best Of '93 (1993)

1993 – wohl eines der musikalisch besten aber auch durchwachsensten, vor allem jedoch vielfältigsten Jahre. Diese Kompilation tut dies kund, da sie hier verschiedenste Stile und Macharten miteinander vereint: Ob der alte BOB MARLEY aus der Schatztruhe im Keller gekramt wird, dessen eigentlich bestes Lied (meines bescheidenen Erachtens) hier präsentiert wird ("Iron Zion Lion") – oder ob es sich um frischen Reggae à la BITTY McLEAN handelt, ob radiotaugliche Popballaden wie das One-Hit-Wonder TASMIN ARCHER ("Sleeping Satellite" (die Frau hat eine beeindruckende Stimme), ein Remix des fast zwei Jahre zuvor (1991) verstorbenen FREDDIE MERCURY, seines Hits "Living On My Own" (Original von 1984) präsentiert wird, ein dunkler EURODANCE-Beat beim Midtempo-Tune "More And More" (mit einer schönen Frauenstimme im Refrain) des CAPTAIN HOLLYWOOD PROJECT dabei ist oder CHARLES & EDDIE (auch sie eines der zahlreichen One-Hit-Wonder dieser an solchen nicht gerade armen Dekade) ihr "Would I Lie To You?" schmachten – oder der "Runaway Train" in trübtassiger Traurigkeit dem SOUL ASYLUM davonfährt, ob das "Städtische Kekse-Kollektiv" (URBAN COOKIE COLLECTIVE seinen größten Hit "The Key, The Secret" über einen harmonischen Beat und beste Synthesizer haucht und kehlig soult – oder eines der wenigen deutschen Lieder der ersten Hälfte der Dekade, natürlich von GRÖLE-GOEBBELS HERBERT GRÖNEMEYER durch die Hitparaden fließt und "Land unter" umso mehr für den jetzigen Zustand unseres Landes gilt – hier ist alles bunt und wuchtig drauf. "Das alles – und noch viel mehr" – um es mit RIO REISER zu sagen. Was lernt uns das Jahr 1993 also? Da es beständig weiter regnet und man nicht mehr sicher wie der Iron Zion Lion steht, wünscht man sich mehr und mehr, nicht wissend, wohin zu gehen wäre, auf seine eigene Art zu leben und mit dem Runaway-Zug davon zu sausen, weg aus dem Land-unter, wo man, gemeinsam mit seiner/m Liebsten an einem fernen Ort in süßer Harmonie dem schlafenden Satelliten zuschauen und den Schlüssel, das Geheimnis des Lebens zu finden versucht.

 

Die besten Lieder in der Doppel-CD-Sammlung:

  1. Bitty McLean – It Keeps Rainin' (Tears From My Eyes)
  2. Bob Marley & The Wailers – Iron Zion Lion
  3. Captain Hollywood Project – More And More
  4. Charles & Eddie – Would I Lie To You?
  5. Freddie Mercury – Living On My Own (Remix)
  6. Herbert Grönemeyer – Land unter
  7. Soul Asylum – Runaway Train
  8. Tasmin Archer – Sleeping Satellite
  9. The Beloved – Sweet Harmony
  10. Urban Cookie Collective – The Key, The Secret

 

Internationale Hits '94 (1994)

Eins ist positiv auffällig: 12 Jahre nach der Hochphase der NDW findet deutschsprachige Musik wieder vermehrt den Weg in den (durchaus auch erfolgreichen) Teil der Charts und des Mainstreams. Anhand dieser Kompilation lässt sich zwar noch wenig deutschsprachige Musik feststellen – und die wenigen deutschsprachigen Lieder dieser Kompilation beschränken sich auf mehr oder minder blöde Lieder. Doch je mehr man in den 90ern voranschreitet, desto erfreulicher wird es, dass diese Entwicklung des "Man spricht Deutsch" in der Populärmusik zunehmend Früchte trug, wenngleich nicht derart explosionsartig wie gegen Mitte der 2000er Jahre. Hier macht STEFAN RAAB den Anfang, mit einem "Blödelschlager", wenn man diese Genre so zu benennen geruht: "Böörti, Bööörti Vogts" hieß der Verlade- und Schmähsong, der den Anfang des damals noch weitestgehend unbekannten, noch auf dem deutschen Musiksender VIVA mit seiner kleinen Sendung herumtingelnden Metzgersohnes RAAB, der gegen den damaligen Fußballbundestrainer BERTHOLD (BERTI) VOGTS (1974 mit seinen Kameraden Fußballweltmeister geworden) ging, der die deutsche Nationalmannschaft 1994 dann, als Titelverteidiger nach dem dritten Weltmeistertitelgewinn 1990, im Gastgeberland USA, ins Rennen schickte, aber so mies, dass im Viertelfinale schon Schluss war. Das andere deutsche Lied heißt "Mädchen" und ist eine rotzfreche Emanzipationshymne für heranwachsende Teenager-Mädels in den Wirren der Pubertät. Doch genug geprahlt mit unserem exzellenten deutschen Liedgut. Kommen wir zu den anderen verrückten Liedern: Der typische EURODANCE-Tune stammt diesmal u.a. von MAXX ("No More (I Can't Stand It)"), DR. ALBAN steuert "Look Who's Talking" bei, CAPPELLA ihr "Move On Baby", sehr treibend, sehr eingängig, ACE OF BASE schalten ein paar BPM-Gänge herunter und geben einen mit etwa 90 oder wenig mehr BPM gewürzten Cover-Song (der aber catchy klingt) von "Don't Turn Around" von BONNIE TYLER, die M-PEOPLE verlangen ein ebenfalls verneinendes "Don't Look Any Further", wohingegen sich die Boygroup der Premium-Klasse, TAKE THAT, "Sure" ist. LONDONBEAT, sonst meist mit ihrem größten Hit "I've Been Thinking About You" unterwegs, wünschen sich hier das "Come Back" einer Person, locker leichter Balladenpop löckt sich tief ins Ohr dank LISA LOEB und ihrem "Stay (I Missed You)", eines der vielen Lieder mit Namen "Stay" – und, nach dem Song gleichen Namens der SHAKESPEARE SISTERS das beste. Auch hier zeigt sich einmal mehr: 1993, 1994, sogar noch 1995 waren sehr dancelastig, erst danach ging es allmählich bergauf, sodass auch andere Stile ihre Chance bekamen. Vom GRUNGE-Hype, auch nach dem tragischen, sinnlosen Selbstmord des NIRVANA-Sängers KURT COBAIN, 1994, noch vorhanden, dann allmählich verblassend, ist hier nichts zu spüren. Kein Wunder: NIRVANA-Songs sind, meines Wissens, auf keiner Kompilation jemals drauf. Was eigentlich nur mit rechtlichen Schwierigkeiten zu tun haben kann: Die COBAIN-Witwe COURTNEY LOVE hält alle Rechte und will wohl keine Kompilationsfisimatenten.

 

Die besten Lieder der Zwei-CD-Kompilation:

  1. 2 Unlimited – The Real Thing
  2. Ace Of Base – Don't Turn Around
  3. BC-52's – (Meet) The Flintstones
  4. Lisa Loeb & Nine Stories – Stay (I Missed You)
  5. Londonbeat – Come Back
  6. Lucilectric – Mädchen
  7. MAXX – No More (I Can't Stand It)
  8. M-People – Don't Look Any Further
  9. Stefan Raab & Die Bekloppten – Böörti Böörti Vogts
  10. Take That – Sure

 

BRAVO HITS – BEST OF '94 (1994)

Waren das noch Zeiten, als die Macher, die Produzentenfirmen der BRAVO-HITS-Reihe sich noch Mühe mit allem gaben. Als sie die Cover noch ansprechend und kreativ und geheimnisvoll gestalteten und die Titelliste wenige bis gar keine Totalausfälle enthielt und man sich in den Top-100-Charts ausgiebig umtat. Als die zwei CDs einer jeden Kompilation dieser Art noch grob kategorisiert waren, so wie hier: Die erste CD heißt "Dance 94" und die zweite "Rock 'n' Pop 94", sodass man der Einteilung grob gut folgen kann und seine Präferenzen in den Player legen.

Mitte der 1990er-Jahre hatte der kurzzeitige Siegeszug der Musikrichtung EURODANCE, eines entfernt mit dem Techno verwandten Subgenres seinen Höhepunkt erreicht, Dancepop und andere tanzbare Richtungen standen in voller Blüte, und das hört man insbesondere der ersten, wenn auch nicht ausschließlich, CD an. Einige der renommiertesten und berüchtigten Tracks der 90er insgesamt, die memorabelsten, sind hier versammelt. Angefangen mit WHIGFIELDs "Saturday Night", über DJ BOBOs zweitbestes Lied bis dahin, "Let The Dream Come True", damit bereits zwei sehr positive Vibes und Botschaften, auch SNAP (FEATURING "Summer") geben hier einen ihrer weiteren Power-Tracks zum Besten, denn außer "The Power" (1990) und "Rhythm Is A Dancer" (1992) hatten sie noch mehr drauf. In einem eher Slow-Mo-Dancesong schmeichelhaftester Ohrwurmigkeit, ein Evergreen selbst fürs fucking Formatradio unserer Tage (selbst wenn dort, wenn 90er-Musik, meist Pop- und Rocktracks gespielt werden), erobert SNAP fast jeden Hörer im Sturm: "Welcome To Tomorrow" heißt die reizvolle Zukunftsverehrungshymne, die wie das musikgewordene Äquivalent zur Grundbotschaft STAR TREKs klingt, ein positiver Ausblick, der aus heutiger Sicht in diesen bitteren 20er-Jahren des 21. Jahrhunderts, kaum mehr Wirkung entfalten kann. Schade, aber ich höre es immer noch sehr gern. Dann natürlich der trashige Part "Eins, zwei, Polizei" von MO-DO. Folgend daraufhin "Sweet Dreams" von LA BOUCHE, das nicht identisch mit dem Lied der EURHYTHMICS aus den 80ern ist. Zur Unterscheidung sollte man hier an das "Sweet Dreams" noch ein "(Of Rhythm And Dancing)" anhängen, statt, wie beim 80er-Song "Sweet Dreams (Are Made Of This)". Die MAGIC AFFAIR aus den Niederlanden (die Niederlande stellten einige der besten EURODANCE- und Dancepop-Musikgruppen und –Projekte zur Verfügung, dafür gilt ihnen Dank bis heute) bringen das dritte Zeichen "Omen III", MAXX haben ihre nicht so supergeile aber auch nicht üble Nummer "Get-A-Way" am Start (mir wäre "No More (I Can't Stand It)" lieber gewesen), JAM & SPOON FEATURING PLAVKA fühlen sich "Right In The Night", während SCOOTER hier mit ihrem allerersten großen Hit "Hyper Hyper" mit von der Partie sind. Ebenfalls aus den Niederlanden kommt TWENTY 4 SEVEN, ein sympathisches dynamisches Duo aus einer blonden Weißen und einem coolen Schwarzen (der auch die Rap-Parts macht aber phantastisch mitsingen kann), die sich berechtigt fragen: "Is It Love?". Wiederum den reellen Techno-Part steuert MARUSHA mit "Somewhere Over The Rainbow" bei, MR. PRESIDENT sind "Up 'n Away" und PRINCE ITAL JOE FEATURING MARKY MARK wünschen sich eine "United" Welt. Der coole Rap-Part als kompletter Song darf nicht mangeln: SNOOP DOGGY DOGG fragt zur Selbstvergewisserung "What's My Name?". Und auch hier gibt es unser geliebtes REEL 2 REAL mit "I Like To Move It". Die Rotnacken REDNEX, die in Wahrheit nicht aus der amerikanischen Prärie, sondern der schwedischen Pampa kommen, singen in einem Country-Dancepop-Lied, das tierisch ins Bein geht und zum Square-Dance aufzufordern scheint, von einem Gesetzlose jagenden Außenseiter-Helden, einen Westernmann namens "Cotton Eye Joe". K2 gehen da lieber hoch ins bayrische Gebirge und setzen ihren Alpenbergsteigkracher "Der Berg ruft" in die Tat um, zu einem traditionellen bayrischen Tanzstück, gemischt mit feinstem Technodance. Gecovert haben ACE OF BASE diesmal: Die Schweden bedienen sich bei BONNIE TYLER mit "Don't Turn Around", verleihen dem Ganzen aber ihren höchst eigenen Turn.

Womit wir bereits bei der noch besseren zweiten CD wären. Wer eher auf soliden Rock und Pop steht, wer Hardrock braucht, vielleicht auch Alternative, dem ist zwar mit dem ersten Lied, der Pop-Schmachtballade "I Swear" von ALL-4-ONE, dem dicht auf den Fersen ihm seienden Boygroup-Hit der britischen TAKE THAT, "Babe" und selbst mit Lied 3, JOSHUA KADISONs wunderschöner Klavierballade (eine der schönsten aller Zeiten, mit Sicherheit!) "Jessie" nicht geholfen, aber mit ROXETTEs "Sleeping In My Car" gibt’s ein erstes Ausrufezeichen direkt in die Fresse. Die kommen übrigens auch aus Schweden. Erstaunlich, wie sehr dies Land im Norden Europas damals die Musikwelt fast im Alleingang getragen hat. Konkreter wird's mit dem für Hardrock-Fans stimmigen "Cryin'" von AEROSMITH, ehe nach dieser zu der Zeit schon seit über 20 Jahren rockenden Band eine zu der Zeit bereits seit 30 Jahren schwer rockende angerockt kommt: Die damals bereits Legendenstatus habenden ROLLING STONES geben ihren launigen Knarzer "Love Is Strong", ehe es mit WESTERNHAGEN, der alten deutschen Rockröhre mit seinem "Es geht mir gut" (vom legendären Album "Affentheater", siehe JUBILÄEN), endlich einen ersten deutschen Rocktrack gibt. GUNS'N'ROSES sind mit ihrer Rockballade "Since I Don't Have You" zwar längst nicht so auf der Höhe wie mit ihrer Großtat, der epischen Ballade "November Rain" (1992), können aber auch was reißen. Mein persönlicher Favorit, was Rockmusik überhaupt betrifft, der in meinen privaten Dauercharts auch noch weit vor erwähntem "November Rain", "Black Hole Sun" (SOUNDGARDEN, ebenfalls 1994) und sogar "Stairway To Heaven" (LED ZEPPELIN) auf Platz 1 unangefochten befindet. Der weit unterschätzte Song, der unter anderem in der LEVIS-Jeanswerbung verwurstet wurde, stammt von RAY WILSON, der hier als Powerstimme seiner Band STILTSKIN performt. "Inside" heißt das hart krachende, eingängige Superriff, das die Ohren ordentlich durchspült. RAY WILSON sang übrigens später eine Zeitlang bei GENESIS, woraus leider nur ein Hit hervorging (der hieß "Congo", das war 1997). Die aus ATHENS, Georgia, stammenden REM geben hier ihr weniger spannendes aber durchaus rockig-hartes "What's The Frequency, Kenneth?", das sich an einer wahren Geschichte orientiert: Ein Mann hatte sein Gedächtnis verloren und konnte sich nur noch an besagten Titel des Songs, also diesen Satz, erinnern…

Das nächste deutschsprachige Ausrufezeichen bringen die Punk-Urgesteine aus Düsseldorf, DIE TOTEN HOSEN. Ihr "Alles aus Liebe" ist inzwischen ebenfalls ein veritabler, gern zitierter Klassiker. Ab diesem Punkt geht es jedoch mehr in den Rest-Dancepop. Ethno- bzw. Weltmusik-Spirit kommt bei "7 Seconds" von YOUSSOU N'DOUR & NEHNEH CHERRY auf, ENIGMA schmeicheln auf einem meditativen Slow-Dance-Track namens "Return To Innocence", ERASURE bringen ihren größten Hit "Always" und D:REAM lockert sich flockig über seinen sanften Dancepop namens "Things Can Only Get Better" – sein Wort in der Kriegstreiber Ohr. Denn 1994 war der fürchterliche Bürgerkrieg in Ruanda, weshalb sich nach der KELLY FAMILY mit ihrem ersten großen Durchbruch "An Angel" auch die CHILDREN FOR RWANDA mit "Love Can Build A Bridge" an den Frieden appellieren. Beruhigenderweise ist auch der deutschsprachige Musikanteil nicht allzu gering: Mit immerhin zwei deutschen Liedern schließt sich die CD 2 ab: CINEMATIC verarbeiten ein paar Dialogszenen zwischen HEINZ RÜMANN und dem damals sehr jungen OTTO GRIMM, eine Vater-Sohn-Geschichte, nicht nach E.O. PLAUEN, aber dafür herzig und herzlich. Unterlegt mit einem schönen Grundbeat. Das rotzfreche Popwunder LUCILECTRIC lästert mit LUCY VAN ORGs damals mädchenhafter Stimme über die Vorzüge des Mädchenseins gegenüber den einem nachlaufenden Männern, die man an der langen Leine hält: "Mädchen". Wunderschön. Eine der besten Kompilationen überhaupt.

 

Die besten Tracks auf der starken Doppel-Disk:

  1. 2 Unlimited – No One
  2. Aerosmith – Cryin'
  3. All-4-One – I Swear
  4. D:Ream – Things Can Only Get Better
  5. Die Toten Hosen – Alles aus Liebe
  6. Stiltskin – Inside
  7. The Kelly Family – An Angel
  8. The Rolling Stones – Love Is Strong
  9. Westernhagen – Es geht mir gut
  10. Youssou N'Dour & Neneh Cherry – 7 Seconds

 

GIGA Hits '95 (1995)

Von "Mr. Bean" präsentiert? Das kann doch nur geil sein! Ja, in der Tat ist es das auch! Das Jahr 1995 lehrt uns, dass es immer gut weitergeht, wenn es um die 90er-Musik geht. Der erste Track der ersten CD, das ist die Besonderheit, enthält einen kleinen Multimedia-Part mit ein paar der aus Sicht der Plattenfirmenverantwortlichen lustigsten Gags aus der Show mit Mr. Bean. Dann fangen wir mal an: Den ersten Track muss man bei gewöhnlichen Abspielgeräten überspringen, wie auf der Titellistenseite auch ausdrücklich mit Warnhinweis betont wird! ACE OF BASE warten mit einem ihrer schönen Songs auf Rang 2, also dem eigentlichen Start der CD: "Lucky Love", das wünschen wir uns doch alle. Doch was hatte das Jahr 1995 darüber hinaus zu bieten? "Freedom" (DJ BOBO), hemmungsloses Knattern (knallharten Sex) ("Boom Boom Boom" von THE OUTHERE BROTHERS), "I Can't Get No (Wahaha)" von MARK OH hat allerdings nicht mit Satisfaktion zu tun, was in diesem Fall der junge Deutsche SIN WITH SEBASTIAN mit seinem "Shut UP (And Sleep With Me" übernimmt. Überhaupt geht es sehr satisfaktionsfähig zu: Techno-Queen MARUSHA, die coole DJane mit griechischen Vorfahren, steuert ihr treibendes, flottes "Deep" bei, 20 FINGERS aus den USA machen ihre Präferenzen in Schwanzgröße publik, ein "Short Dick Man" kommt ihnen nicht in die Rammlerkiste. Die "Kleine Maus" (DAS MODUL) ist die konsequente Nachfolgesingle zu "Computerliebe", diesmal nicht von KRAFTWERK gemopst wie Letzteres, aber über die elektronische Computersteuerungshilfe mit dem Cursor, über die längst dämlichste Witze in Zusammenhängen mit Katzen gemacht wurden. In ganz andere Gefilde der Sehnsucht verabschieden sich TECHNOHEAD mit ihrer Techno-HAPPY-HARDCORE-Hymne "I Wanna Be A Hippy", wohingegen sich THE CONNELLS mit ihrem "'74, '75" in die 1970er-Jahre-Mitte, also ihre Studienzeit, zurückwünschen, wohingegen EAST 17 aus GB verzweifelt ihre Angebetete anflehen: "Stay Another Day". REDNEX allerdings sind die traurigsten Herrschaften hier. Ganz anders als in ihren ersten beiden Erfolgsliedern "Cotton Eye Joe" und dasjenige über den Alten in der Eiche ("Old Pop In An Oak"), wenden sie sich vom Country-Dance ab und präsentieren eine schwerfällige, melancholische Country-Ballade, die für mich das schönste Lied mit dem Namen "Wish You Were Here" ist (und nicht zu verwechseln mit dem ganz anderen von PINK FLOYD und dem noch ganz anderen von…wie hießen die denn bloß? DUNE bereiten sich währenddessen auf den Flugschein vor, mit "Are You Ready To Fly?", FUN FACTORY laden zur Gartenparty am Meer ein: "Celebration" (ebenfalls nicht mit dem gleichnamigen von KOOL & THE GANG zu verwechseln, keine Coverversion), RMB freuen sich auf eine "Experience", während CHARLIE LOWNOISE & MENTAL THEO versonnen die "Stars" betrachten. Auf einem Teil der Harmonien eines alten BEATLES-Songs beruhend, darauf aber etwas Eigenes gestaltend, ist INI KAMOZE zu vernehmen, "Here Comes The Hotstepper" heißt die coole Hip-Hop-Artige, in Sachen Coolness nur noch übertroffen von FREAK POWER mit "Turn On, Tune In, Cop Out". SEAL, der Softie unter den Schmusesängern, beschreibt das erhebende Erlebnis eines "Kiss From A Rose", SCATMAN JOHN scattet hingegen etwas und besiegt sein Handicap des Stotterns durch die Technik des schnellen Silbenaneinanderreihens, was er mit dem wohl berühmtesten Song zum Thema, einem auf quasi jeder 90er-Zusammenstellung enthaltenen Klassiker namens "Scatman" zur höchsten akustischen Erbauung für alle vorträgt. Ich persönlich bewundere dies, denn so schnell könnte ich nicht einmal sprechen, geschweige denn rappen oder stakkatoartig sprechen. Den Anfangspart, der Zungenbrecher schlechthin, werde ich wohl mein Lebtag nicht hinkriegen, nachsingen kann ich sowas nicht. Widmen wir uns den hervorstechenden Parts: Sowohl STINGs "This Cowboy Song" als auch SHERYL CROWs coole Country-Akustik-Ballade "All I Wanna Do" sind wahre Gute-Laune-Garanten, BON JOVIs "Someday I'll Be Saturday Night" ist eine dieser Ich-freu-mich-schon-wie-Bolle-aufs-Wochenende-Rockpowerballaden, U2s "Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me" kam damals anlässlich des dritten BATMAN-Realfilms, 1995, in die Kinos, anlässlich "Batman Forever", mit VAL KILMER in der Hauptrolle als der "Dunkle Ritter". Zu guter Letzt fällt der größte Hit, das Anti-Kriegs-Epos namens "Zombie" positiv auf, von den Iren THE CRANBERRIES, deren Frontfrau viel zu früh gestorben ist. Es geht im Lied um den Nordirland-Konflikt. Kaum ein Lied hat ihn besser und musikalisch düsterer in Szene gesetzt. 1995 war schon ein wildes Jahr. Niveauvolle und niveaulose Musik lagen dicht beieinander, sie vertrugen und vertragen sich aber. Auf dieser Kompilation ist es eine positive Symbiose, die alles chartstechnisch eingeht.

 

Die besten Hits der multimedialen Doppel-Disk:

  1. Adiemus – Adiemus
  2. Dune – Are You Ready To Fly
  3. East 17 – Stay Another Day
  4. Freak Power – Turn On, Tune In, Cop Out
  5. Fun Factory – Celebration
  6. Marusha – Deep
  7. Rednex – Wish You Were Here
  8. Sheryl Crow – All I Wanna Do
  9. The Cranberries – Zombie
  10. U2 – Hold Me, Thrill Me, Kiss Me, Kill Me

 

Mein Jahr – 1995 (2018)

Anders als die SZ-Diskothek-Geschichte werden hier zwar auch zwei mediale Elemente miteinander verbunden, jedoch nicht die Kombination: Buch und CD, sondern DVD und CD. In der Edition der TV SPIELFILM-Redaktion (eine vielgelesene Fernsehzeitschrift) gibt es zu jedem Jahr (angefangen in den 50ern) dieses reizvolle Zweierpack. Zu jedem Jahr ein Film, der etwas Besonderes darstellt – und die CD mit den besten Hits. Bei jedem Jahr sind Filmszenen in die Ziffern und Buchstaben des Titels eingefügt, in diesem Fall, 1995, war es der Film "Leon – Der Profi" von LUC BESSON, einem amerikanischen Thriller, in welchem sich eine junge Teenagerin, deren Familie mitsamt dem Kleingangster-Vater und sogar ihr unschuldiger kleinerer Bruder brutal von einem korrupten Polizisten (diabolisch gespielt von GARY OLDMAN) und anderen Gangstern umgebracht wurde. Das junge Mädchen (eine damals blutjunge NATALIE PORTMAN) beauftragt ihren Nachbarn, den menschenscheuen, zwischenmenschlich ungeschickten Profi-Killer Leon (gewohnt genial: JEAN RENO), der für eine Art italoamerikanischen Paten auftragsmordet, ihren kleinen Bruder als einziges Mitglied der ansonsten von ihr zu Lebzeiten ungeliebten, zerrütteten Familie zu rächen…

 

Zu einer kleinen Info über den Film gibt es dann die Titelliste der, in diesem Fall 16, Titel der CD. Den Anfang macht "I Got 5 On It" von LUNIZ FEATURING MICHAEL MARSHALL, cooler geht es jedoch erst mit SHAGGYs "Boombastic" weiter. Viele dieser einzigartigen Lieder kenne ich sonst nicht, sie sind auf wenigen bis gar keinen anderen 90er-Samplern drauf. TRICKY mit "Hell Is Round The Corner", RUSTED ROOT mit "Send Me On My Way" sowie SOUL FOR REAL mit "Candy Rain" sind mir gänzlich unbekannt gewesen – bis dato. Bekannte deutsche Stars wie PURPLE SCHULZ sind hier mit ihren weniger bekannten Hits vertreten, etwa Erwähnter mit "Noch ein Tag noch ein Jahr" – LISA LOEB & NINE STORIES sind mir zwar ein Begriff, aber ihr Hit "Do You Sleep?" ist mir gänzlich neu. Eine schöne Überraschung. WEEZER singen ihr höchst eigenwilliges Loblied auf "Buddy Holly", THE SCORPIONS geben einen ihrer weniger bekannten Lobgesang, nämlich "White Dove", zwei Rock-Coverversionen, bewusst auf gruselig gemacht: MARILYN MANSONs "Sweet Dreams (Are Made Of This)" ist eine Coverversion des EURHYTHMICS-Hits gleichen Namens, dafür machen THE BATES, eine Punkband aus Heidelberg, aus MICHAEL JACKSONs groovigem Funk-Meisterwerk "Billie Jean" eine schnelllebige Punkrocknummer ohne besonderen Mehrwert.

Im Innencover stehen ein paar Daten zum Jahr: Eine kleine Einführung von einer Seite informiert über das jeweilige Jahr, in diesem Falle: 1995. Auf einer Seite gibt es darüber hinaus statistische Daten, eine ganze Seite voller Zahlen, im weiter ausklappbaren Inneren gibt es einen groben Abriss über die Musik des Jahres, die hier, 1995 mit "Party vs. Tiefgang" überschrieben ist.

Auf einem lose eingelegten Infoblatt stehen sämtliche erhältlichen Filme/Musik-CDs dieser TV-SPIELFILM-Edition inklusive Daten, wo sie erhältlich sind. Mein Geburtsjahr, 1982, das ich mir auch erstand (diese Zusammenstellungen waren eine Zeitlang für einen Zehner bei SATURN erhältlich), beinhaltet übrigens den Film "Rambo". Nicht unbedingt mein Lieblingsfilm, aber annehmbar.

 

Die besten Songs auf der einen CD:

  1. Elastica – Connection
  2. Lisa Loeb & Nine Stories – Do You Sleep?
  3. Marilyn Manson – Sweet Dreams (Are Made Of This)
  4. Montell Jordan – This Is How We Do It
  5. Purple Schulz – Noch ein Tag, noch ein Jahr
  6. Shaggy – Boombastic
  7. The Bates – Billie Jean
  8. The Scorpions – White Dove
  9. Tricky – Hell Is Round The Corner
  10. Vanessa Williams – The Sweetest Days

 

BRAVO-HITS – Best Of '95 (1995)

Niedlich und kitschig zugleich, die kleinen Engelchen, nicht wahr? Nicht ganz korrekt, ähnlich wie das NIRVANA-"Nevermind"-Umschlagmotiv; beim Engel, der das B festhält, kann man das Pimmelchen erkennen. Etwas irritierend, dennoch nicht obszön. Dafür reicht der aus dem O Lugende eine Rose… Der Vorhang wird gelüftet – und freigegeben wird das volle Programm. Erfreulich, bereits am Cover: Auch das deutschsprachige Lied "Sie ist weg" wird selbstbewusst unter den internationalen, allesamt auf Englisch gemachten Songs platziert. In diesem Fall teasert es an und lockt auf die Kompilation. Wie fast alle BRAVO-HITS-Zusammenstellungen zu der Zeit, wurde auch hier eine grobe Einteilung vorgenommen: Auf CD 1 findet sich der größte Teil der die damals Charts dominierenden Unterkategorien des Techno, namentlich Dancepop, Eurodance, Trip-Hop und sonstige tanzbare Songs, angefangen mit SHAGGYs "Boombastic", gefolgt vom legeren und im Grunde belanglosen "Ever And Ever", einer Dancepop-Nummer von JUST FRIENDS, mit der ich dennoch eine lebendige Erinnerung verbinde: 1996, zu Karneval, veranstaltete bei unserer Schulfeier die Parallelklasse (6. Klasse Hauptschule) eine beeindruckende Tanz-Performanz zu besagtem Song. Boygroups fehlen selbstredend ebenfalls nicht: WORLDS APART tragen ihr passables "Baby Come Back" auf Position 3 vor, DJ BOBO folgt mit einem seiner besten Stücke, "Freedom". Schlüpfrig wird es mit E-ROTIC und "Fred Come To Bed" und der Nachfolgesingle von "Shut Up (And Sleep With Me)" der "sündigen" SIN WITH SEBASTIAN, "Golden Boy". Doch keine Sorge: Sanft und unversaut geht's weiter: MARK OH, einer der deutschen Techno-Päpste, gibt hier sein Bestes: "Tears Don't Lie" nennt sich das an MICHAEL HOLMs "Tränen lügen nicht" melodisch angelehnte Techno-Rave-Stück. Der MUSIC INSTRUCTOR macht aus dem 80er-Klassiker "Hymn" von ULTRAVOX ein Tutorium: "This time we will show you how to make a hit record", SCOOTER fordern: "Move Your Ass", TECHNOHEAD macht mit dem härtesten Kirmestechno weiter, begibt sich gedanklich auf eine Reise in die damals immerhin 30 Jahre zurückliegenden 60er: "I Wanna Be A Hippy". Neben wenigen Totalausfällen (DJ QUICKSILVER "Bingo Bongo", DIE SCHLÜMPFE "Klipp Klapp") ist erträgliches bis ordentliches Ohrwurm- und Hitmaterial vorhanden. Die zweite CD ist dann anders aufgeteilt, auf ihr präsentiert sich dem Musik-Aficionado von Welt der niveauvolle Teil des Ganzen: N-TRANCEs Starter, eine Coverversion des BEE-GEES-Evergreens "Stayin' Alive", der Herzmassagen-Erste-Hilfe-Lebensretter-Nummer, mag wenig ergötzend sein, doch SIMPLY RED mit ihrer Eigenproduktion "Fairground" verwandeln die Atmosphäre in eine ohrwurmige Wohlfühl-Lebensart. MEAT LOAFs "I'd Lie For You (And That's The Truth)" ist ein würdiger Nachfolger seines größten Hits, VANGELIS' "Conquest Of Paradise", eigentlich 1992 für den Film "1492 – Eroberung des Paradieses"/"1492 – Conquest Of Paradise" komponiert, erlebt seine Charts-Renaissance, da durch HENRY MASKEs letzten Boxkampf, wo es als Einmarsch-Melodie des Profiboxers gespielt wurde, wiederentdeckt worden war. Apropos Soundtracks: Auch diese schafften es mitunter auf hohe Chartplätze: TINA TURNER, die Soulikone, schaffte es mit ihrem "Goldeneye", Titelsong zum gleichnamigen JAMES-BOND-Film, der 1995 (nach sechs Jahren filmischer Abstinenz des beliebtesten fiktiven Geheimagenten der Welt) Kinozuschauerohren rockte. Lasziv-spannend lässt sie ihre soulige Powerstimme kreisen, bis sie im Songfinale zum Höhepunkt-Kreischen kommt. 1995 – ein Jahr für Kenner und Genießer feiner, fantastischer, furios filigraner Pop- und Rockmusik.

 

Die besten Titel auf der Musikstücke-Doppel-Disc:

  1. Das Modul – Computerliebe
  2. Die fantastischen Vier – Sie ist weg
  3. E-Rotic – Fred Come To Bed
  4. PUR – Abenteuerland
  5. Rednex – Wish You Were Here
  6. Scooter – Move Your Ass
  7. Snap featuring 'Summer' – The First The Last Eternity
  8. Sparks – When Do I Get To Sing 'My Way'
  9. The Connells – '74, '75
  10. Vangelis – Conquest Of Paradise

 

Mein Jahr – 1996 (2018)

Die Spezifikationen und Charakteristika dieser Reihe hatte ich ja bereits weiter oben kurz beschrieben. Der Film des Jahres, der wiederum in Buchstaben und vor allem Ziffern zu sehen ist, heißt "Fargo", manchmal mit dem deutschen Ergänzungstitel "Blutiger Schnee" – und er ist eines der ersten nennenswerten Meisterwerke des Absurden, Skurrilen und Makabren der Regie-Brüder JOEL und ETHAN COHEN. Der Film ist wirklich ein guter, mit überraschenden Wendungen – und handelt von guten Polizistinnen (siehe die Dame in der 9) in der unterkühlten, häufig verschneiten Provinz des US-Bundesstaates Minnesota, die für Ordnung sorgen und mehrere Verbrecher, unter ihnen Mörder, jagen. Mit WILLIAM H. MACY und PETER STORMARE sowie der hochschwangeren Polizistin, gespielt von FRANCES McDORMAND hochkarätig besetzt, gelang eine schwarzhumorige Thriller-Komödie. Unbedingt sehenswert. Wenngleich ich zugeben muss: Die auf NETFLIX und Co. ansehbare Serie, bislang aus drei Staffeln zu jeweils 10 Episoden zu sehen, ist noch einen ganzen Tacken besser. Nicht nur, da die Handlung aller drei Staffeln jeweils unterschiedlich ist, mit unterschiedlichen Figuren und Zeitperioden. Die erste Staffel spielt in den mittleren 2000ern (Nullerjahre), 2006-7. Die zweite in den 1970er-Jahren, die dritte 2010. Nun, über die Serie lasse ich mich woanders aus…

Kommen wir zum Musikalischen: Filmfans fangen das Ganze an: DEEP BLUE SOMETHING laden nämlich ihre "Flammen" zum "Frühstück bei Tiffany" ein, dem "Breakfast At Tiffany's", nach dem Film mit GEORGE PEPPARD und AUDREY HEPBURN. Danach gibt es die EELS, die "Novacaine For The Soul" verschreiben, die alten Hobbyapotheker! JOAN OSBORNE sinniert und philosophiert derweil darüber nach, wie es wäre, wäre Gott unter uns Menschen, "einer von uns" – in "One Of Us", einer Art Rockballade mit JESUS-Charme. Die "Leuchtturmfamilie" (LIGHTHOUSE FAMILY, ein Duo aus einem Weißen und Schwarzen, haben es mit dem Liedgut drauf: Zwei Jahre vor ihrem größten Durchbrot "High" sind sie hier mit dem eigentlich sogar noch besseren "Lifted" am Start. NEHNEH CHERRY, die wir alle am besten durch eine der wohl bekanntesten Musikkollaborationen kennen, mit YOUSSOU N'DOUR bei "7 Seconds", ist hier mit von der Partie mit "Woman", BLACKSTREET finden "No Diggity", LL COOL J meint, "Doin' It" sei das Beste, BOYZONE covern "Words" von den BEE GEES, der Italo-Rocker ZUCCHERO beschwört "My Love", ROBBIE WILLIAMS covert als erste Solo-Single als eigenständiger Künstler, der nicht mehr bei TAKE THAT mitwirken muss, den Hammerhit von GEORGE MICHAEL, die SPICE GIRLS allerdings haben Neuinterpretationen nicht nötig: Sie musizieren hier singend in rotzfrecher Manier ihre Girlpower-Attitüden-Popnummer "Wannabe". Wiedermal eine wunderbare Zusammenstellung.

 

Mit den besten Stücken auf einer CD:

  1. Boyzone – Words
  2. Deep Blue Something – Breakfast At Tiffany's
  3. Eels – Novacaine For The Soul
  4. Joan Osborne – One Of Us
  5. Lighthouse Family – Lifted
  6. LL Cool J – Doin' It
  7. Maxi Priest – That Girl
  8. OMD – Walking On The Milky Way
  9. Sheryl Crow – If It Makes You Happy
  10. Spice Girls – Wannabe

 

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG DISKOTHEK – 1996

Und wie sieht 1996 aus Sicht der SZ aus? Nun, glaubt man dem Cover, diesem Modern-Art-Werk voller bizarrer aber unterkühlter, emotionsloser Ästhetik zwischen moderner Technologie und menschlicher Organstilistik, muss die Musik dieses Jahres wohl eine krause Mischung aus Rock, Pop und viel, viel elektronischem Geräuscheffektzauber gewesen sein. Das Gesicht auf dem Cover, das aus der Handinnenfläche einer zur Faust geballten Hand herausschreit, ist nur noch verstörend…

Es war eines der bizarrsten Jahre der Menschheitsgeschichte, Freud und Leid lagen, wie selten selbst in den 90ern, dicht beieinander. Das inzwischen gestorbene Klon-Schaf DOLLY erblickte das Licht der Welt, Deutschlands Nationalmannschaft – und damals war sie noch eine deutsche und vor allem wirklich sich zu diesem Land zugehörig fühlende Mannschaft, deren Mitglieder geschlossen die Nationalhymne mitsangen – gewann bis heute zum letzten Mal die Fußballeuropameisterschaft, in einem furiosen Finale gegen das damals noch junge Land Tschechien, von der Slowakei unabhängig. Die TALIBAN hatten Kabul erobert – und fortan fing dort das ganze Beschissenheitsgefüge mit dem Islam an: Frauen durften nur noch vollverschleiert auf die Straße gehen. Der vereinigte Rückschritt ins Archaisch-Barbarisch-Mittelalterliche vollzog sich also im islamischen Teil der Welt längst wieder. Asien, vor allem China, Singapur, Japan und Co. rüsteten auf, nicht militärisch, dafür technologisch und was ihre gigantischen Turmbauten betraf. Gegenseitig versuchten sich diese Länder, mit der Höhe ihrer Wolkenkratzer zu übertreffen. Mittlerweile steht das höchste Wolkenkratzer-Hochhaus in Dubai. Tja, außer Bodenschätzen und Statusgeilheit haben die Araber eben auch nichts. Aus dem islamischen Teil der Welt kommt seit jeher die geringste Anzahl an technologischen, medizinischen und wirtschaftlichen Innovationen, dazu kommt: die wenigsten weltweit relevante und massentaugliche Musik (fast gar keine, denn im strengen Islam ist Musik, es sei denn, sie dient liturgischen Zwecken, komplett verboten) sowie Literaturerzeugnisse. Was war noch los im Jahre 1996? Die Rechtschreibreform kam immer mehr in Gang, ein übler Kinderschänder namens MARC DUTROUX wurde festgenommen, ein abartiges Schwein war das. Der Rapper 2PAC wurde, im Rahmen einer Rap-Gang-Fehde zwischen den verfeindeten Rap-Musikkonzernen der West- und Ostküste der USA, aus einem vorbeifahrenden Auto erschossen – erlag wenig später seinen Verletzungen. Nun, kommen wir zum Musikalischen: Den Startertrack kenn ich nicht einmal, deshalb springen wir gleich zu Nummer 2: Besagter 2PAC hat hier, gemeinsam mit Produzenten DR. DRE "California Love" beigetragen, eine lockere Hip-Hop-Sommernummer für die entspannten Tage im Cabrio oder Loft. Die BACKSTREET BOYS gehen ins Lateinische, zum großen Quit: "Quit Playing Games (With My Heart)", MARK MORRISON besingt die "Return Of The Mack" – und die große englische Fußballhymne zur damaligen, in England ausgetragenen Fußballeuropameisterschaft (die bekanntlich von den Deutschen gewonnen wurde) veredelt diesen Juwel in CD-Form eben auch mehr. Die Band heißt BADDIAL & SKINNER & THE LIGHTNING SEEDS, ihr Lied: "Three Lions", die sich auf die englischen Drei-Löwen auf den Spielertrikots der Engländer befanden und bis heute befinden. Das Lied, vor der EM geschrieben und damit noch weit entfernt von der Vorhersage des Ausgangs derselben, ist eine hoffnungsvolle Hymne dafür, dass England mal wieder eine Fußballmeisterschaft gewinnen solle. 30 Jahre waren 1996 vergangen, seitdem England einmalig gegen Angstgegner Deutschland die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hatte, wäre es doch an der Zeit gewesen, dachten die Engländer. In einem fairen Halbfinale gegen Angstgegner Deutschland war es für die Jungs nach dem Elfmeterschießen dann leider vorbei: Der damals noch unerfahrene GARETH SOUTHGATE, später zum Nationaltrainer der Engländer aufgestiegen, versemmelte seinen Elfmeter, woraufhin ANDI MÖLLER die Deutschen erfolgreich zum Sieg schoss. Das Lied ist indes voll von allem, was an Fußballliedern Spaß macht: Eine mitgrölbare Hookline und den Refraintext für alle, massentauglich: "It's coming home, it's coming home, it's coming – football's coming home" – "Three Lions on the shirts…" – im Hintergrund sind Fangesänge zu hören, dazu zu Anfang des Liedes ein paar englische Kommentatoren, die sich über die mangelnde Qualität des englischen Fußballs der letzten Jahre beklagen: "We're not positive enough, we're not creative enough" etc. Großartig. Selbst für einen Deutschen immer noch ein Klassiker, auch wenn ich mich schmunzelnd entschuldige: Nachdem die englische Boulevardpresse auf geschmackloseste Weise über die deutsche Nationalmannschaft abgehetzt und "gehatet" hatte, wie es heute anglophil heißt, siegte die deutsche Mannschaft gewohnt gut über die Engländer. Möge sich dieses Prinzip niemals wenden…

Die LASSIE SINGERS sind hier, wie auf vielen dieser Kompilationen, vertreten: "Liebe wird oft überbewertet", befinden sie diesmal, der Franzose mit algerischen Wurzeln, der in Frankreich die Volksmusik Algeriens, die sog. Rai, populär gemacht hat, steuert hier seinen größten Hit "Aicha" bei, der später (2003) von diesen talentlosen Zwei, einem Duo namens OUTLANDISH, nachgesungen wurde. Wer sich die Melodie ansieht, fühlt sich vielleicht auch an THE OFFSPRINGs größten Hit "Self Esteem" (1994) erinnert, dessen Melodie möglicherweise auch schon auf Älteres zurückgeht…Die FUN LOVIN' CRIMINALS setzen's luftig mit "Scooby Snacks", ASH haben wohl eine Romanze auf einem fremden Planeten, dem Mars: "Girl From Mars", BECK jedoch, der König der Slacker, weiß, wo was los ist: "Where It's At", nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen von ALL SAINTS, das erst 1997 das Licht der Musikwelt erblickte. Fertig ist der Kuchen, ein Reigen reinster Freude diese vielschichtige, vielseitige Musik.

 

Die besten Lieder der 1-Scheiben-Sammlung:

  1. 2 Pac featuring Dr. Dre – California Love
  2. Backstreet Boys – Quit Playing Games (With My Heart)
  3. Baddiel & Skinner & Lightning Seeds – Three Lions
  4. Beck – Where It's At
  5. Bim Sherman – Solid As A Rock
  6. Die Lassie Singers – Liebe wird oft überbewertet
  7. Khaled – Aicha
  8. Nick Cave & The Bad Seeds & Kylie Minogue – Where The Wild Roses Grow
  9. Tortoise – Djed (Edit)
  10. Trans AM – Firepoker

 

International Neue Hits '96 (1996)

Nach langer und zunächst ergebnisloser Suche fiel mir dieses kleine Schatzkästchen, diese zwei CDs voller Musik fielen mir dennoch noch letztendlich in den Schoß, das knallige Cover ist vielversprechend – und hält auch seine Prämisse locker! Ich hatte die CD bestellt, für 3,00 Euro konnte ich sie erfolgreich erstehen. 1996 war ein musikalisch sehr vielseitiges Jahr, obgleich ich damals Opa und Oma geschrieben hatte, es sei ein eher schlechtes, durchwachsenes Musikjahr gewesen. Ich habe selbstverständlich total Unrecht. Einige der Lieder stammen übrigens noch von 1995, was darauf hindeutet, dass diese CD erst gegen Anfang 1996 erschienen ist. Nun, die meisten niveauvollen Nicht-Dance-Lieder sind auf CD 2 zu finden, doch mit dem obligatorischen EURODANCE oder Dancepop werden wir gern beginnen, denn er war schon so ganz anders als in der ersten Hälfte der 90er. Strenggenommen gab es keinen EURODANCE mehr, er hatte sich ausdifferenziert in diverse Musikrichtungen. Hier machen jedoch die EURODANCE-Heroen LA BOUCHE den Anfang "I Love To Love" (auch dieses hat nichts mit dem gleichnamigen Disco-Klassiker von TINA CHARLES gemeinsam), DUNE raven, denn sie können es nicht lassen: "I Can't Stop Raving". CULTURE BEAT kehren alles "Inside Out", REDNEX teilen hier ihre aus meiner Sicht schlechteste Nummer mit der Welt: "Rolling Home" ist nur noch nett. Und "nett" ist der kleine Bruder von "scheiße". DAS MODUL geht noch weiter, monothematisch immer bei der modernen Technik bleibend. Diesmal geht es um klassische Digitalcodes: "1100101", das bedeutet "Ich liebe dich", wenn man dem MODUL glauben kann. "Love Is The Price" ("Freedom Is The Cost") sinniert DJ BOBO, während sich 20 FINGERS (FEATURING GILLETTE) zu Freizeit-Dominas aufschwingen: "You're A Dog" ist die Männererniedrigungsnummer schlechthin, der peitschende, harte Beat ist jedoch unwiderstehlich. MR. PRESIDENT lassen hier zwischenzeitlich etwas nach (eh sie 1997 mit "Take Me To The Limit" und "Jojo Action" fulminant superspitze zurückkehren), ihr "Gonna Get Along (Without Ya Now)" ist etwas blutarm, MASTERBOY suchen "Anybody" für die Liebe, F1 ist hier keine Funktionstaste, sondern eine Band, die befindet, "The Race Must Go On" – wer könnte da wieder widersprechen? Der allererste Hit der BACKSTREET BOYS, "We've Got It Goin' On" geht tierisch in Ohr und schwungvolles Tanzbein, eh auf CD 2 TLC den souligen R&B-Anteil mit "Waterfalls" einleiten. Bemerkenswert ist das Rock-Duett zwischen LITTLE STEVEN und BON JOVI, "The Time Of Your Life" ist angenehmer Bluesrock. Die allerschönste Ballade, leider eine über Mord inklusive Wasserleiche am Ende, vom Album "Murder Ballads" des Australiers NICK CAVE mit seiner Band THE BAD SEEDS, die sich zu einem der besten Duette aller Zeiten mit der 80er-Ikone KYLIE MINOGUE (unter anderem "I Should Be So Lucky") zusammenfanden, ist diese mit Geigen unterlegte: "Where The Wild Roses Grow". Ihren richtigen Durchbruch hatte MINOGUE indes in den frühen 2000ern, ein spektakuläres Comeback mit "Can't Get You Out Of My Head". Die M-PEOPLE, immer eine sichere englische Bank wenn es um schöne Melodien und anständig arrangierte Songs geht, trällern hier über ein "Love Rendezvous".

Besonders niedlich aber auch verdächtig radiotauglich, kommt das Lied von den NICE LITTLE PENGUINS, "Beatniks", über die alten Hippies der 60er, ALEX PARTY ist gar nicht mal übel mit ihrem damals neuen Hit "Wrap Me Up", DIE FABULÖSEN THEKENSCHLAMPEN haben HOT CHOCOLATEs "Sexy Thing" quasi 1:1 ins Deutsche übersetzt, nicht mal sehr frei, sondern beinahe wortgetreu, was im Deutschen bewusst eigenartig klingt, nicht nur, was Satzstellungen und Redewendungen betrifft. Für die Jüngeren thematisiert das Krümelmonster aus der SESAMSTRASSE seine Sucht auf Kekse: COSMIX FEATURING KRÜMELMONSTER mit "Kekse (Lecker Happa-Happa)". Doch die AUGSBURGER PUPPENKISTE zieht gnadenlos (und mit dem kommerziell erfolgreicheren) nach: "Eine Insel mit zwei Bergen" ist eine Kurzfassung der Lebensweise der beiden Bewohner der fiktiven Mini-Insel LUMMERLAND, LUKAS und JIM KNOPF, die mit ihrer Lokomotive EMMA über die Insel, die im Wesentlichen aus einem kleinen Schloss samt König und zwei Bergen besteht und vier Tunneln. Sieht man vom letzten Rohrkrepierer ab, mit welchem HADDAWAY versuchte, sein eigenes "What Is Love" zu toppen, "Lover Be Thy Name", kann zum Schluss noch ROXETTE mit "You Don't Understand Me" überzeugen. Liebeskummer ist zeitlos und war auch 1996 eine gängige Nummer.

 

Die besten Tracks des runden Doppeldatenträgers:

  1. 20 Fingers featuring Gillette – You're A Dog
  2. Alex Party – Wrap Me Up
  3. Cosmix featuring Krümelmonster – Ich mag Kekse (Lecker Happa-Happa)
  4. Culture Beat – Inside Out
  5. DJ Bobo – Love Is The Price
  6. Dune – Can't Stop Raving
  7. Haddaway – Lover Be Thy Name
  8. Little Steven featuring Bon Jovi – The Time Of Your Life
  9. Nice Little Penguins – Beatniks
  10. Nick Cave & The Bad Seeds and Kylie Minogue – Where The Wild Roses Grow

 

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG DISKOTHEK – 1997

Wenn's erlaubt ist, eines vorweg: Kritik am Coverbild! Wie passen bitte diese in einen eher altmodischen Stoff gehüllte, im Stile des späten 19. Jahrhunderts (oder vorher) gemalte Hand und die dazugehörigen zwei Würfel zusammen? Mit den 90ern hat diese wohl ans Spiel "Knobel" erinnern sollende Szene nichts zu tun – oder genauso wenig wie mit jedem beliebigen Jahrzehnt. Beim 1996-Teil dieser Reihe konnte man es ja noch nachvollziehen: Ein Gebilde auf dem Bild, das an eine Art Mensch-Maschinen-Hybride erinnern soll (?) und ein wenig wirkt wie die schrottigen Skulpturen, mit denen Kreisverkehrsinseln oder Vorgärten von Verwaltungsgebäuden unserer Großstädte verschandelt werden, könnte vielleicht was mit den 90ern gemein haben, wenngleich feststehen sollte: eher nichts. Doch halten wir uns an den Grundsatz: Beurteile ein Musikerzeugnis nicht nach seinem Umschlaghülle.

Kommen wir dementsprechend zur Musik.

Die zweite Hälfte der 90er wurde im Grunde noch bunter als die erste. Im Buch wird viel von elektronischer Musik gesprochen, die sich mit viel Soul, Funk und Rap abwechselt. Hierzulande gab es aber auch geradlinigen Rock und anderes Gedöns. 1997 war ein musikalisch bewegendes Spitzenjahr, die Bilder des Jahres im vorderen Buchteil (nach dem Präludium bzw. Vorwort), die kategorische Aufteilung des Buches ist mit den anderen Werken dieser Reihe identisch. Neben einigen schönen Bildern schwarzer und weißer R&B- und Girlgroups und einiger anderer Stars und dem letzten Bild DIANAs, der Prinzessin von Wales, ehe sie mit ihrem arabischen Lover DODI LAFAJETTE ins Auto stieg, die Aufnahmen der Überwachungskamera des Hotels, ist aber das einzig wirklich allerschönste Bild die Szene an Deck, als das Liebespaar die Arme ausstreckt, die aus "Titanic". Die Erklärungen zu den Songs vermitteln, wie immer, viele Zusatzinformationen. Doch fangen wir an: Es geht los mit dem dynamisch-treibenden "Brimful Of Asha", einem treffsicheren, typisch Sample-lastigen Tanzbarkeitssong der 1990er, von CORNERSHOP. OASIS machen mit "Stand By Me" weiter. Wer in diesem allerdings ein Cover des großen 1960er-Jahre-Hits von BEN E. KING vermutet, geht fehl. Hier ist nur der Titel identisch. Einige der hier versammelten Stars kenne ich nicht einmal: FINLEY QUAYE erweitert mit "Your Love Gets Sweeter" mein 90er-Repertoire, SPICE 1 mit "Playa Man", "Miss Modular" von STEREOLAB und SMOG mit "Blood Red Bird" sind mir gänzlich neu. Neunziger in deren bester Verfassung. Der deutsche Part des Ganzen ist bestens vertreten: Hip-Hop/Rap vom Feinsten: FREUNDESKREIS ermutigen: "Leg Dein Ohr auf die Schiene der Geschichte", MERRICKS geben die Waine-Interessierts-Info, dass sie "Sternzeichen Jungfrau" seien, die LADIES LOVE KNARF RELLÖM gehen noch weiter und versetzen sich in die Gefühlswelt eines leblosen Gegenstandes, was mir bisher höchstens bei lebenden Organismen gelungen ist. "Autobiographie einer Heizung" heißt das skurrile Stück absurder Komik, doch kommen wir zum Positiven: "Help The Aged" ist der Song von PULP, das ist eine nette Aufforderung, der ich gern nachkomme, doch DJ SHADOW fordert uns Hörer in "High Noon" zur ultimativen Entscheidungsschießerei auf, während sich YO LA TENGO in aller Ruhe einen "Sugarcube" reinziehen. Der schwärzeste Soul kommt keineswegs zu kurz: ULTRA NATÉ fühlt sich "Free", LL COOL J rappt über das "Phenomenon", ERYKAH BADU performt "On & On", der WU-TANG CLAN sieht schon seinen "Triumph". Zu guter Letzt geben *NSYNC als eine der wenigen Boygroups eine Coverversion des meinerseits meistgehassten Song aller Zeiten, "The Lion Sleeps Tonight", wonach alles mit PREFAB SPROUTs "The Fifth Horseman" abschließt. Das Jahr 1997 ist voller Energie, Leben, Dynamik, ein Juwel geiler Ohrwürmer und harter bis flotter Rhythmen, Beats und Melodien.

 

Die besten, geilsten Songs auf der 1-CD-Reihung:

  1. Cornershop – Brimful Of Asha
  2. DJ Shadow – High Noon
  3. Erykah Badu – On & On
  4. Freundeskreis – Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte
  5. LL Cool J – Phenomenon
  6. Merricks – Sternzeichen Jungfrau
  7. Pulp – Help The Aged
  8. Smog – Blood Red Bird
  9. Spice 1 – Playa Man
  10. Yo La Tengo – Sugarcube

 

MEGAHITS 97 – DIE ZWEITE (1997)

Auf dieser Kompilation lernen wir die tiefelektronische Seite der 90er kennen, mehr als auf jeder anderen. Sie ist intensiv geprägt von den TECHNO-Subgenres und anderen prägenden Musikrichtungen, vor allem TRANCE, RAVE, EURODANCE-Resten und RAP-DANCE. Eingeleitet wird dies vom allgemein angesehenen und in der Popmusikwelt hohe Kredibilität genießen habenden NANA, einem Deutsch-Nigerianer, der mit seinem Hit "Lonely" Anfang 1997 mächtig massive Erfolge eingefahren hatte. "Let It Rain" ist seine wohl drittbeste Single, die hier die Doppel-CD mit einem souligen RAP-DANCE-Schlag einleitet. Sommerfrische kommt durch BELLINI mit "Samba de Janiero" (der später zum Sommerhit 1997 wurde), RICKY MARTINs "Maria", CORONA mit "The Power Of Love" (keine Coverversion). Eher unbekannte Nachfolge-Singles einiger später als One-Hit-Wonder bekannt gewordenen Hitmacher wie etwa GALA mit "Let A Boy Cry" (sie war bekannt geworden im selben Jahr mit "Freed From Desire"), RED 5 mit "For This World", MARCEL ROMANOFF "Stay The Night", RMB "Break The Silence" folgen. Doch es gibt gelegentliche Rockausflüge: SKUNK ANANSIE sind hier mit ihrem größten Hit vertreten: "Hedonism (Just Because You Feel Good)". Schmeichelnder Slow-Dance ist mit JAM & SPOON FEATURING PLAVKAs "Kaleidoscope Skies" gegeben, Boygroups sind dabei: THE BOYZ (mit Z) drehen sich "Round & Round", Soul namens LUTRICIA McNEAL kommt auch: "Ain't That Just The Way". Typische Rave- und Trance-Oberklasse sind DISCO CITIZENS mit "Footprint", SUNBEAM mit "Dreams", ALEX PARTY (bekannt durch "Don't Give Me Your Life", hier aber nur mit "Simple Things" vertreten), DJ THE CROW mit "Piece Of Mine" und SPACE FROG "(X Ray) Follow Me".

 

Die besten Tunes auf der Doppel-Scheibe:

  1. Bellini – Samba de Janiero
  2. C-Block – Time Is Tickin' Away
  3. DJ The Crow – Piece Of Mine
  4. Dr. Motte And Westbam – Sunshine
  5. Gala – Let A Boy Cry
  6. Jam & Spoon featuring Plavka – Kaleidoscope Skies
  7. Nana – Let It Rain
  8. Ricky Martin – Maria
  9. Sash! featuring Rodriguez – Ecuador
  10. Skunk Anansie – Hedonism (Just Because You Feel Good)

 

HUGO'S MEGA DANCE '97 (1997)

Das Cover, könnte man vermuten, richtet sich eher an die jüngeren Semester unter uns, damals, 1997. Ich war damals knackige 15, hatte also erst 1,5 Jahrzehnte auf dem Buckel, genoss noch das Schulleben, die Freizeit, die ausufernd langen Ferien und stand auf affengeile Superduper-Musik, ein Drang, der mit vielen Kompilationen nachhaltig bis in alle Ewigkeit befriedigt wird. 1997 war ein ebenfalls sehr bunt gemischtes Jahr voller musikalischer Diversität – und in dem Bereich ist das etwas Positives. DUNE startet die Kompilation mit dem "South Bound Mix" des QUEEN-Covers "Who Wants To Live Forever", also mit einem starken Beat unterlegt, der allerdings gegenüber der Bigband- und Orchester-gestützten Originalversion dieser Coverversion (ist auf der HITGIGANTEN HITS DER 90ER, siehe dort) mächtig abstinkt. Apropos covern: Der Italiener ROBERT MILES, durch sein Instrumental-Dance-Hit-Ding "Children" bekannt geworden, ferner mit "Fable", klaut hier in den 80ern: "One & One", da lässt er sich von einer glockenhell singenden Sängerin unterstützen. ENIGMA gehen "Beyond The Invisible", X-PERIENCE aus dem Damals-noch-nicht-Shithole Berlin befinden sich gefangen in "A Neverending Dream", NOMANSLAND genügen "7 Seconds", um ins Niemandsland ("Nomansland") zu gelangen, also keine Coverversion des Duetts von YOUSSOU N'DOUR und NEHNEH CHERRY. Der HEATH HUNTER covert ebenfalls: "Master + Servant" ist von DEPECHE MODE, "I Heard It Through The Grapevine" ist in Wahrheit von MARVIN GAYE, dafür gibt es begabte Rapper, die sich von "Paparazzi" umzingelt fühlen. Letztere, eine Gruppe dieser Foto- und Sensationsstory-Jäger, sind mitverantwortlich für DIANAs Tod, soviel ist sicher. Apropos Tod: BÜRGER LARS DIETRICH zieht hier sein nicht ganz ernstgemeintes Wortspiel "Ich bring dich um" (den Verstand) durch, die FANTASTISCHEN VIER möchten eine unliebsame Person "Raus" haben. IMPERIO meinen, die "Return To Paradise" wäre da wohl das Beste. Die FUN FACTORY versucht es mit "I Love You" romantisch, "Bring Back The Love" empfehlen CAUGHT IN THE ACT, eine der großen Boygroups der 1990er hierzulande. "I Will Follow You" singen devot im Chor die Jungs von BED & BREAKFAST, die Latino-Fraktion um GARCIA (berühmt geworden durch "Vanomos") werden hier direkt: "Te Quiero, Latina", woraufhin TIC TAC TOE ihnen einen Korb verpassen: "Verpiss dich!". Ach, immer diese Anmache…

 

Die besten Musikwerke auf der Scheibe x 2:

  1. Bürger Lars Dietrich – Ich bring dich um…
  2. Caught In The Act – Bring Back The Love
  3. Dune – Who Wants To Live Forever
  4. Imperio – Return To Paradise
  5. Nomansland – 7 Seconds
  6. Robert Miles – One & One
  7. Soultans – I Heard It Through The Grapevine
  8. Tic Tac Toe – Verpiss Dich
  9. X-Perience – A Neverending Dream
  10. Xzibit – Paparazzi

 

BRAVO-HITS – THE HITS 1997 (1997)

Natürlich sind einige der hier enthaltenen Hits mit denen auf der vorherig beschriebenen Sammlung identisch, es gibt eben Hits, die finden sich überall drauf, auch auf den zeitnahen Samplern. Neben ROBERT MILES' "One & One" und TIC TAC TOEs "Verpiss dich" sind es aber zum Glück keine. Kommen wir zum erfreulichen Teil: Der Anteil deutschsprachiger Musik wurde in der zweiten Hälfte der 1990er deutlich ausgeprägter. Neben erwähntem "Verpiss dich", dem, wie bei einem geschickten Konter, "Du liebst mich nicht" von SABRINA SETLUR folgt, kann auf Platz 7 der ersten CD der Rapper CAPPUCCINO seine selbsterlebte Sicht auf eine Trennung verarbeiten: "Du fehlst mir". Ein weiblicher Rapper, neben Frau SETLUR, ist die Mini-Nummer von ALINA, die hier wohl exklusiv drauf ist: "Nur für Dich" heißt die gar nicht üble Nummer. DIE TOTEN HOSEN haben hier ihr altes Kamellchen "Alles aus Liebe" (1993) ausgegraben, allerdings in einer gutgemachten LIVE-Version, der ersten Auskopplung aus ihrem LIVE-Album "Unterwegs im Auftrag des Herrn" (1997). Weiter geht es mit der deutschen Antwort auf die SPICE-GIRLS-Girlpower: Die SPACE CURLS übersetzen "Wannabe (Willst Du mich als Lover)" sinngemäß, wenigstens nicht wortwörtlich. RAMMSTEIN, damals die Neuentdeckung des Jahres, die zwar schon 1994 gegründet worden waren aber erst 1997 bemerkt wurden, geben hier ihren ersten Hit "Engel" und zu guter Letzt hat BLÜMCHEN "Nur geträumt" - stibitzt von NENA und dancepopmäßig aufgepeppt. Diese acht Hits sind immerhin 20% der insgesamt 40 Lieder. Abgesehen von BEAM & YANOUs "On Y Va", das auf Französisch ist, sind alle weiteren auf Englisch. 1997, passend zum damals neuen JAMES-BOND-Film "Der Morgen stirbt nie"/"Tomorrow Never Dies", hat Technopapst MOBY das "James Bond Theme" aufgemotzt zu einem mitreißenden Atemlos-Lauf mit der typischen Melodie. THE PRODIGY treiben es noch wilder, "Breathe" heißt die Aufforderung – wenn man es kann. Die Italienerin GALA gibt ihr "Freed From Desire", ein bei mir nach wie vor begehrter Titel, den ich immer und immer wieder hören könnte – Gleiches gilt für A.K. S.W.I.F.T., dem Rapper mit seinem "Light In Me", C-BLOCKs "So Strung Out", die SPICE GIRLS, diesmal mit der idealen Hymne zu jedem Muttertag, "Mama", sind auch unverzichtbar, MR. PRESIDENT haben ihren skurrilen Gute-Laune-Sommerhit "Jojo Action" beizutragen, FUTURE BREEZE fragen ungeduldig: "Why Don't You Dance With Me", DEPECHE MODE werden hier düster: DAVE GAHAN, der Sänger, war in der Zwischenzeit im Drogenrausch versunken, gab später in einem Interview bekannt, er habe sich in einem Drogenrausch gefühlt wie beim Blicken in eine "Barrel Of A Gun", also einen Gewehrlauf. Das extrem kakophonische Lied ist dennoch eine Art Hit. Sommerfrische kommt natürlich, neben erwähntem "Jojo Action", der spätere Sommerhit "Samba de Janiero" der Düsseldorfer (!) Band BELLINI, DR. MOTTE AND WESTBAM haben "Sunshine" auf ihrer Loveparade gehabt, der jüngere Bruder des BACKSTREET-BOYS-Mitglieds NICK CARTER, AARON CARTER, ist für die sehr, sehr junge Fraktion da: "Crush On You". Weiter zur Sommerfrische: Die MEMBERS OF MAYDAY (die MAYDAY war in den 1990ern die größte Tanz-Massenveranstaltung des Techno nach der Loveparade, fand meistens in NRW statt, genauer im Ruhrgebiet) geben ihr elektronisches Instrumental "Sonic Empire" zum Besten, DARIO G hat sich zwar bei der einen oder anderen Harmonie für sein "Sunchyme" (sic)  bei der DREAM ACADEMY und ihrem "Life In A Northern Town" bedient, doch das macht nichts, denn SASH! mit seinem "Ecuador" macht das alles wieder wett, ebenso wie die BACKSTREET BOYS mit ihrer mit Abstand anständigsten, besten, tanzbarsten Nummer "Everybody (Backstreet's Back)", die es sogar in das Buch "1001 Songs – Musik, die Sie hören sollten, bevor das Leben vorbei ist" geschafft hat. R&B vermisst hier auch keiner, denn R. KELLY mit seinem "I Believe I Can Fly" und BLACKSTREET mit ihrem "No Diggity" sind mit dabei. Eine der besten Compilations über das Jahr 1997, frisch erschienen am Ende des Jahres damals.

 

Die besten Songs auf dem Zweier-Sampler:

  1. A.K. S.W.I.F.T. – Light In Me
  2. Backstreet Boys – Everybody (Backstreet's Back)
  3. Die Toten Hosen – Alles aus Liebe (LIVE)
  4. DJ Quicksilver – I Have A Dream
  5. En Vogue – Don't Let Go (Love)
  6. Gala – Freed From Desire
  7. Pappa Bear featuring 40 Thevz – Cherisch
  8. Rammstein – Engel
  9. Sabrina Setlur – Du liebst mich nicht
  10. The Kelly Family – Fell In Love With An Alien

 

BRAVO-HITS – The Hits 1998 (1998)

Der frühe Einsatz der Autotune-Technik beim Starter "Believe" von CHER war noch einer mit Melodie, Harmonie und einem der kapitalsten Ohrwürmer aller Zeiten. Der weitere Teil dieser beiden CDs teilt sich auf zwischen dämlichen Coverversionen alter HERBERT-GRÖNEMEYER-Klassiker durch Ex-Daily-Soap-Darsteller (OLI P. mit "Flugzeuge im Bauch"), coolem R&B (BRANDY  & MONICA "The Boy Is Mine"), sommerfrischem Boygroup-Geplänkel (CAUGHT IN THE ACT mit "I Wanna Stay With You Forever", Partymusik für einfach gestrickte Gemüter (VENGABOYS mit "We Like To Party (The Vengabus)", treibendem Trance ("Move Mania" von SASH!, BLANK AND JONES mit "Flying To The Moon", Instrumentals (DARIO G mit "Carnaval de Paris" zur Fußball-WM 1998 in Frankreich), weiterer R&B (2-4 FAMILY "Stay"), harten Rockbrettern ("Lords Of The Boards" von GUANO APES, ferner Weihnachtsmusik: die punkige Turbo-Version von "Ihr Kinderlein kommt" von DIE ROTEN ROSEN,  mehr Boygroups (BACKSTREET BOYS mit ihrer besten Schmachtballade "All I Have To Give", THE BOYZ mit "One Minute"), Einzelstars, Männer Pop: NANA "Remember The Time", SASHA "I'm Still Waiting". Schwächer von CULTURE BEAT, denen man die neue Sängerin anmerkt, die aber ideal zum Gesamtkonzept hasst, ist "You Belong", dann aber kommt leichter Soft-Bier-Rock aus der Bierwerbung: GRANT STEVENS mit "Everlasting Friends", ROBBIE WILLIAMS mit seiner eigenständigen, vollen Hymne "Angels", die seine Solo-Karriere rettete, die ALL SAINTS mit "Never Ever", R. KELLY mit "Half On A Baby": 1998 hat einen extrem hohen Ohrwurmfaktor.

 

Die schönsten Songs, besten Lieder auf der Zweierkompilation:

  1. Cher – Believe
  2. Depeche Mode – Only When I Lose Myself
  3. Die Roten Rosen – Weihnachtsmann vom Dach
  4. Echt – Alles wird sich ändern
  5. Faithless – God Is A DJ
  6. Falco – Out Of The Dark
  7. Guano Apes – Loards Of The Boards
  8. Lighthouse Family – High
  9. Loona – Bailando
  10. Sash! featuring Shannon – Move Mania

 

BRAVO-HITS – The Hits 1999 (1999)

Ähnlich wie der Versuch, die Formel zur künstlichen Herstellung des Goldes aus preisgünstigen Grundstoffen, diese Alchemie, versuchten gewiefte, gerissene Musikproduzenten schon in den 90ern, den jeweils perfekten Ohrwurm zu schaffen, aus bloßen Berechnungen. Mit einigen der speziell auf dieser Zusammenstellung enthaltenen Hits scheint dies sogar gelungen zu sein, was man, betrachtet man das Cover, nicht vermuten würde. Dasjenige ist nämlich spartanisch und kalt gehalten, eher abweisend, was die Farbgestaltung anbelangt – und einer der ersten wahren Design-Fails der BRAVO-HITS-Macher. Doch ich schweife ab. Das Cover mag zwar auch eine Rolle spielen, tat es für mich damals, beim Kauf, allerdings nicht, denn ich war geil auf die Mucke – und die lohnt sich. 1999 war ein wildes und würdiges Abschlussjahr einer unvergleichlichen, wunderschönen Dekade, das viele schöne Überraschungen bereithielt: Eine Sonnenfinsternis, eine korrupte KOHL-CDU, wie sich herausstellte, ein knuffiges, simpel gestaltetes gelbes Männchen eroberte die visuellen Systeme und Charts mit einem monotonen aber unwiderstehlichen Beat des Franzosen MR. OIZO. Die Rede ist natürlich von "FLAT ERIC", einer Kunstfigur…

 

1999 – ein Wende-, ein Scheidejahr. Ein Jahr der Angst vor einem vorhergesagten Weltende, das entweder im Rahmen der Sonnenfinsternis stattfinden sollte (ich wartete vergeblich) – oder direkt beim Übergang von Silvester zum Neujahr. Gleichzeitig – oder dem voran – sollte der große Computercrash stattfinden, ein weltweiter katastrophaler Blackout, da die Geräte nicht in der Lage seien, die Zahl 2000 zu verarbeiten…oder so.

Das hört man der Musiklandschaft zum Teil auch an, zum anderen, zum Gutteil, aber auch eher gegenteilig: Optimistisch und schön und cool klingt hier das meiste, dessen man anhörend werden könnte. Die BACKSTREET BOYS starten die gesamte Kompilation auf CD 1 gleich mit "Larger Than Life", was ja so viel wie ÜBERMENSCHLICH bedeutet, großartig jedenfalls ist das sehr elektrolastige Lied, das entfernt an ihr "Everybody" (siehe 1997) erinnert. RICKY MARTIN folgt auf dem Fuße – mit einem heißen Latino-Sommerhit voller Euphorie und Tanzbarkeit, "Livin' La Vida Loca" heißt die titeltechnisch krause Mischung aus Englisch und Spanisch, Spenglisch gewissermaßen. SASHAs "I Feel Lonely" weist einen entspannten, sommerlichen Reggae-Groove auf, kann als melancholisches Endzeitlied also auch eher nicht punkten. BRITNEY SPEARS erst, auf Position 4 der CD 1, wird mit "Baby One More Time" mit düsterem Keyboard-Riff deutlich trauriger, das drei Jahre nach 2PAC SHAKURs Ermordung posthum von seinen cleveren Produzenten in die weltweiten Charts bugsierte Rap-Epos "Changes", für das sich der Rapper die gesamte Harmonie und Melodie aus dem Song "Just The Way It Is" von BRUCE HORNSBY & THE RANGE aus den 80ern klaut, wo 2PAC seine Unzufriedenheit über die immer noch angespannte Rassensituation zwischen Schwarz und Weiß in den USA beschwert und über Polizeibrutalität etc. Inwieweit das alles stimmt, lässt sich statistisch untersuchen, die Zahlen sprechen eine eigentlich ziemlich andere Sprache. Doch das sei hier nicht näher thematisiert. Ebenfalls traurig geht es mit XAVIER NAIDOOs "Sie sieht mich einfach nicht" weiter, zum damals ersten ASTERIX-Realfilm, EMILIA aus Schweden, dieses niedliche One-Hit-Wonder, fühlt sich als "Big, big girl" in der "Big Big World", die dort einsam ist, es aber nicht als großes Aufhebens betrachtet, falls ihr Lover sie verlässt, ihn dann aber umso intensiver vermisst.

Die Skurrilität nimmt aber sogar bizarre Züge an, wenn man bedenkt, dass zwei sächsische komische Kerle (eine Art Komödianten) von STEFAN RAAB mit ihrer Verhunzung des Disco-Klassikers "Una Paloma Blanca" (eine weiße Taube)(1975, GEORGE BAKER SELECTION), "Ö La Palöma" (sächsisch für: die pure Blödelei) in die Charts gehievt worden sind, sie sind auf CD 2 zu finden, wenn man weiter bedenkt, dass ehemalige Soap-Stars zum Mikrophon greifen (OLI P., diesmal mit dem durchaus hörenswerten "I Wish") und die grausigen 80er-Schreckschüsse MODERN TALKING damals den Höhepunkt ihrer Wiederkehr hatten (das war nicht auf Dauer, damals jedoch eine reale Chartsgefahr), hier mit "You Are Not Alone" vertreten, was ein tröstlicher Gedanke gewesen sein muss angesichts des damals drohenden Weltuntergangs. TQ verherrlicht die "Westside", also Westküste der USA, das Kernland Kalifornien, in dem mittlerweile die Uhren gefährlich links klingen. Was haben wir noch, was Ende der 90er populär wurde? Positives! ECHT, eine eigentliche Schülerband, ist hier mit ihrem etwas merkwürdigen "Du trägst keine Liebe in Dir" drauf. Peinlich ist mir allerdings, dass der unsägliche JAN JOSEF LIEFERS (einer der wenigen Promis, die ich in meinem Leben sogar persönlich gesehen habe), heute im TATORT (Version: Münster) als Gerichtsmediziner Professor BOERNE aktiv, unter anderem auch in der unsäglichen TV-Neuverfilmung von "Münchhausen" zu sehen (siehe FÜLME), hat hier seinen ersten Chartsauftritt mit "Jack's Baby". Zum Glück hat er diesen Pfad, meines Wissens, nicht weiterverfolgt. SABRINA SETLUR, die alte Rapperin, wird auf ihre alten Tage sentimental: Als Mutter eines kleinen Kindes dreht sich ihre Welt jetzt hauptsächlich um den Nachwuchs. Wunderschön gerappt ist deshalb ihr "Ich leb' für Dich". SIXPENCE NON THE RICHER sind besonders romantisch, wenn man eine junge Beziehung vorantreiben will: "Kiss Me" ist ein One-Hit-Wonder, aber es bewegt. Die glockenhelle Stimme von IN-MOOD FEATURING JULIETTE covert tapfer das melancholische "The Last Unicorn" der Band AMERICA, in den 80ern zum Zeichentrickfilm "Das letzte Einhorn" entstanden. Ein Film eher für Erwachsene, Kinder könnte der dort vorkommende rote Stier zutiefst verunsichern. DIE FANTASTISCHEN VIER steuern ihren Hit "MfG (Mit freundlichen Grüßen)" bei, die A TEENS covern ABBAs "Mamma Mia", doch auch das kommt fröhlich rüber. Das wohl mit Abstand fröhlichste, zuversichtlichste Lied des gesamten Samplers ist wahrscheinlich JUNIA mit "It's Funny". Die Dame, die einen anderen bürgerlichen Namen trägt, war viele Jahre später, 2018, in der Jury von DSDS zu sehen. Was haben wir noch? "King Of My Castle" der Amerikaner WAMDUE PROJECT ist ein fetter Trance-Techno-Track, der mit dem extrem starken Beat voll in die Weichteile geht und viele Sinne stimuliert. Die BLOODHOUND GANG darf ihren übergroßen Hit "The Bad Touch" abliefern – es geht um Sex, also ist die Welt noch in Ordnung. LIV KRISTINE kennt nur "One Love", ALEKSEY allerdings, ein deutscher Rapper, rappt einen groben Abriss der Geschichte des 20. Jahrhunderts und nennt das Ganze "Millennium (Der Countdown läuft)", inklusive eines akustischen Ausschnitts aus dem Film "Armageddon" (mit BRUCE WILLIS, 1998). DUNE covert PINK FLOYDs Titelsong zum legendären "The Dark Side Of The Moon", DIE TOTEN HOSEN preisen das "Schönsein". 1999 war auch das Jahr mehr oder minder erfolgreicher, mehr oder weniger erbaulicher Songs zum Thema Apokalypse, Gott und Mystik. Man versuchte zum Teil, im christlichen Glauben (immer noch besser als im islamischen Faschismus, der die vermeintliche "Religion" Islam bestimmt) die alte Mythologie und Mystik wiederzufinden. Das mitunter erfolgreichste Beispiel dafür ist E NOMINE mit "Vater unser", wo das bekannteste Gebet der Christenheit vertont wird, gesprochen vom Stammsynchronsprecher von ROBERT DE NIRO und einigen anderen, CHRISTIAN BRÜCKNER. Episch mit Glockenschlägen ist das kraftvolle, mit bestem Beat und zugleich E-Gitarrenspuren unterlegte One-Hit-Wonder von TEXAS: Der "Summer Son" ist eine besondere Ohrwurmgeschichte. Der Anteil deutschsprachiger Musik ist, mit insgesamt immerhin 10 Beiträgen (einschließlich OLI P.s "I Wish", dessen Strophen auf Deutsch, dessen Refrain Englisch ist) bestens vertreten. Zu den Genannten gesellen sich noch SARA @ TIC TAC TWO mit "Nie wieder" und LÖWENHERZ mit "Bis in die Ewigkeit". Fröhliche Erwartung überwiegte also, selbst wenn letztgenanntes Lied eher wieder die trüb-traurige Seele berührt, doch alles in allem: die Musik war umso optimistischer, was das Ganze betrifft, keine Apokalypse-Stimmung auf dieser Doppel-Scheibe. Besser so.

 

Die besten Songs auf der Doppel-CD:

  1. Backstreet Boys – Larger Than Life
  2. Bloodhound Gang – The Bad Touch
  3. Britney Spears – Baby One More Time
  4. Die fantastischen Vier – MfG (Mit freundlichen Grüßen)
  5. Die Toten Hosen – Schön sein
  6. E Nomine – Vater unser
  7. Emilia – Big Big World
  8. Löwenherz – Bis in die Ewigkeit
  9. Wamdue Project – King Of My Castle
  10. Xavier Naidoo – Sie sieht mich nicht

 

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG DISKOTHEK – 1999

Aufteilung dieser Reihe: Wie gehabt. Ich meine ja nur. Bilder gibt es auch, des Jahres 1999. Die schönsten davon sind natürlich die von der Sonnenfinsternis, all der Leute, die die Schutzbrillen trugen. Ich besitze meine sogar noch, allerdings habe ich sie seitdem nicht mehr benutzt. Was natürlich das Cover-Artwork anbelangt: Was soll das denn mit 1999 zu tun haben? Auf der mittleren im Bild zu sehenden Flöte steht übrigens (sieht man nur in Detailansicht) "Made in Germany". Fangen wir also mit den deutschsprachigen Beiträgen an. Sie sind, erwartungsgemäß, spärlich gesät, im Gegensatz zur vorher besprochenen Kompilation "BRAVO HITS – The Hits 1999" (siehe oben) sind es von den hier versammelten 20 Hits lediglich drei. Das entspricht also wenig mehr als 10%, während wir rein rechnerisch bei 40 Hits auf BRAVO-HITS (siehe oben) desselben Jahres immerhin ein Viertel (25%, also 10 Titel) haben. Aber abgesehen von der Dominanz englischer Sprache in der internationalen Popmusik (ich würde es nicht anders haben wollen, man stelle sich vor: Chinesisch wäre vorherrschend: versteht doch kein Schwein): Auch hier sind nette Geschichten drauf. Die besonderen Highlights sind TLC mit "No Scrubs" (die R&B-Damengruppe wurde im Laufe ihrer Jahre immer besser), dem extrem traurigen MOBY "Why Does My Heart Feel So Bad?" und der versauten Anbetungsnummer, in der ein weiblicher Pornostar verehrt wird. Die BLOODHOUND GANG hatte 1999 nicht nur mit "The Bad Touch" einen guten Lauf, sondern zuvor auch mit "The Ballad Of Chasey Lain", DIE FANTASTISCHEN VIER sind auch hier mit "MfG" am Start, FATBOY SLIM sind unterwegs mit "Praise You", KELIS ist mit "Caught Out There" gern mitwirkend. Den Rest des Ganzen kenne ich kaum oder gar nicht. Zu weit vom Bekannten weg, zu abwegig vom Klassischen, und das Meiste gefällt mir auch nicht. TOM JONES & THE CARDIGANS sind mit ihrem TALKING-HEADS-Cover "Burning Down The House" noch das Beste. Mir gefällt dieses von allen bisherigen, die ich habe am wenigsten.

 

Die besten Songs auf der 1-Disk:

  1. Blumfeld – The Lord Song
  2. Die fantastischen Vier – MfG
  3. Fatboy Slim – Praise You
  4. Kelis – Caught Out Here
  5. Moby – Why Does My Heart Feel So Bad?
  6. Rocko Schamoni – Der Mond
  7. The Bloodhound Gang – The Ballad Of Chasey Lain
  8. TLC – No Scrubs
  9. Tom Jones & The Cardigans – Burning Down The House
  10. Wilco – Summer Teeth

 

 

Stufe 14: VERTIEFUNG: EURODANCE UND DANCEPOP DER 1990ER JAHRE

Die Hitgiganten – "Best Of 90s Dance" (2017)

Zumindest in Deutschland und dem großen Teil Mitteleuropas ist EURODANCE eine feste Größe, mit der man rechnen muss. Um die man nicht herumkommt, wenn es um die 1990er-Musik geht. Man kann sich über diese Musikrichtung und ihre Verästelungen, Weiterentwicklungen und Abspaltungen streiten: Es ist eine einfache Musik, aufgebaut auf einfachsten Melodien, Harmonien, die BPM-Anzahl variiert weniger als beim TECHNO und anderen seiner Subgenres, es gibt die Lieder mit gerappten, aber auch die mit komplett gesungenen Strophen, es gibt Vorstrophen, die gesungen werden wie der Refrain, es geht um die großen Universalthemen des Lebens: Lebensbejahung, Euphorie, Tanzen und Tanzbarkeit, Partymachen und Feiern, natürlich auch die universelle, allgegenwärtige Liebe, den mit ihr korrespondierenden Liebeskummer, die Eifersucht und sogar Fehden, seltener jedoch Hass. Hass wird man vergeblich suchen, Philosophie und Tiefgang intellektueller Art auch nicht. Es ist eine anspruchsarme Musik, die sich an Leute mit geringen Ansprüchen richtet. Das mag sein, das dürfte die Schattenseite sein. Doch es wäre unfair, dieses Musikgenre nur nach solcherlei Gesichtspunkten zu beurteilen. Das Ganze wird durchflossen von positiver, pulsierender Energie und einer Dynamik, die zwar den schnelllebigen Zeitgeist repräsentiert, aber auch ihre Momente hat. Es gibt viele kraftvolle, markante Stimmen – und es gibt relativ dünne. Alles in allem ist es aber eine sympathische, simple Musik, die niemandem schadet, wehtut, aber auch selten jemanden zum tieferen Nachdenken bewegt. Lebensnäher und massentauglicher ist sie dadurch allemal. Und sie wird, wohl bis auf ewig, eine meiner absoluten Musikrichtungen bleiben. Aus dieser Art des DANCE bestanden die 90er insbesondere in ihrer ersten Hälfte, die zweite Hälfte klang jedoch ganz anders. Dieser schwammige Oberbegriff "90s Dance" hätte von mir stammen können, der sich da eine grobe Kompilation fürs Auto selbstgebrannt hätte. Aber wir leben in Zeiten, in denen Begriffe unzulässig weit universalisiert und viele sogar in ihr Gegenteil verkehrt werden. So gilt ja auch jeder als Nazi, der mit der fortwährenden Migrationspenetration des Landes aus den letzten Shitholes der Dritten Welt einverstanden ist und auch einige CORONA-Lockdown-Maßnahmen für überzogen hält. Nun, dieser Sampler aus drei CDs zu zweimal 21 Songs, auf der dritten sogar 22 Songs (insgesamt also geilomate 64! Lieder), orientiert sich an dem, was in der ersten 90er-Hälfte angesagt war. Klassiker jagt Klassiker, fangen wir an: DR. ALBAN mit "It's My Life", danach SNAP! mit "Rhythm Is A Dancer", dann CULTURE BEAT mit "Mr. Vain" – dieses Dreier-Gespann ist ist übrigens eines, das auf vielen ähnlichen Samplern in dieser Reihenfolge auftaucht, kein Witz. Aus der zweiten Hälfte der 1990er mogelt sich EIFFEL 65 mit seinem 1999er-Hit "Blue (Da Ba Dee)" dazwischen, eh es mit dem 1994er-US-Dance von "I Like To Move It" (muss ich noch erwähnen, dass das von REEL 2 REAL FEATURING THE MAD STUNTMAN ist?), dann wieder zweite Hälfte, "My Heart Goes Boom" von FRENCH AFFAIR, das englische Lied mit dem französischen Part in der Mitte, dann weiter zu ANN LEE, 1999: "2 Times". Aus der ersten Hälfte reiht sich ein Klassiker an den nächsten: "Right In The Night" (JAM & SPOON), "Saturday Night" (WHIGFIELD), DOUBLE YOU mit "Please Don't Go", CAPELLA ("U Got 2 Let The Music"), TECHNOTRONIC mit "Pump Up The Jam", CAPTAIN HOLLYWOOD PROJECT mit "More And More", "Sing Hallelujah!" (DR. ALBAN zum zweiten), REDNEX mit "Cotton Eye Joe", das URBAN COOKIE COLLECTIVE mit "The Key The Secret" (1994), MASTERBOY mit "Feel The Heat Of The Night", MAXX mit "Get-A-Way", REAL McCOY mit "Run Away", CRYSTAL WATERS mit "Gypsy Woman". Auf CD 3 sind dann endgültig fast alle aus der zweiten Hälfte versammelt: Den Start legt fulminant FAITHLESS mit "Insomnia" hin, EVERYTHING BUT THE GIRL ist nur tanzbarer, kräftiger Dance im "Todd Terry Remix" ihres Hits "Missing", das WAMDUE PROJECT gibt ordentlichen Bass und Bumm-Beat auf die Ohren mit "King Of My Castle", GURU JOSH sieht die "Infinity", DA HOOL will "Meet Her At The Loveparade", einem reizvollen Rave-Acid-Techno-Instrumental, damit rockt er. Apropos Instrumental: ROBERT MILES' "Children" ist noch besser, ebenso wie das "Sonic Empire" der MEMBERS OF MAYDAY.  ATB (bürgerlich, Abkürzung für: ANDREAS TANNENBERGER) hatte mit seinem hier unverzichtbaren "9 PM (Till I Come)" auch im Vereinigten Königreich in den dortigen Tanzclubs größten Erfolg. CHARLIE LOWNOISE & MENTAL THEO verleben "Wonderful Days" mit DJ SAKIN & FRIENDS im "Nomansland (David's Song)", während THE SOUNDLOVERS "Runaway" empfehlen, ROZALLA "Everybody's Free (To Feel Good)" empfindet, ZHI-VAGO die Liebe feierlich weiht: "Celebrate The Love", einem meiner absoluten Lieblings-Trance-Tunes. DANCE 2 TRANCE fühlen "The Power Of American Natives" und DARIO G. steuert das letzte Instrumental "Sunchyme" bei. Eine rundum gelungene, vielseitige Kompilation, die klarmacht: 90er-Dance ist ein weites Feld.

 

Die perfektesten 90s-Dance-Tunes der Dreier-CD-Kompilation:

  1. Capella – U Got 2 Let The Music
  2. Captain Jack – Captain Jack
  3. Da Hool – Meet Her At The Loveparade
  4. Dr. Alban – Sing Hallelujah!
  5. Eiffel 65 – Blue
  6. Faithless – Insomnia
  7. French Affair – My Heart Goes Boom
  8. Haddaway – What Is Love
  9. Marusha – Somewhere Over The Rainbow
  10. Rednex – Cotton Eye Joe

 

Die Hitgiganten – "Eurodance" (2010)

Auf einer langen, strapaziösen Autofahrt war diese Kompilation mal sehr nützlich. Die Lieder treiben an, sie geben gute Laune und Energie, wo man diese Zuversicht nicht mehr hatte. Das Cover ist lahm, das gebe ich gern zu. Die Titelliste ist kaum leserlich, da sich die Schriftfarbe kaum vom Hintergrund abhebt. Doch auch hier sind einige Klassiker drauf. Dennoch kann dieser Sampler im Vergleich zu dem direkt hier drüber nur abstinken. Doch Höhepunkte sind auch hier nicht allzu rar gesät: Angefangen mit SNAP! mit "Rhythm Is A Dancer", gefolgt von CULTURE BEAT mit "Mr. Vain" und DR. ALBAN mit "It's My Life", später dem unvermeidlichen "What Is Love" von HADDAWAY und CORONAs "The Rhythm Of The Night und MAXX' "Get-A-Way" haben wir die Üblichen-Verdächtigen schnell abgehakt. Doch es könnte schlimmer kommen. Hier gesellen sich aber die BROTHERS ON THE 4TH FLOOR hinzu: "Dreams (Will Come Alive)" (Träumen ist ein weiteres Thema des Eurodance, das ich bisher versäumt hatte zu erwähnen, so wie die Nacht, i.d.R. aber korrespondierend mit Feiern, denn das Die-Nacht-zum-Tage-Machen ist beim EURODANCE fest mit eingepreist. LOFT ist super, mit "Hold On" hier am Start, ihrem bekanntesten Hit. Besonders gefällt mir der ICE MC mit seinem "It's A Rainy Day", einem eher trüb-traurigen EURODANCE-Tune. REAL MC COY ist hier nicht mit "Automatic Lover" oder "Run Away" vertreten, sondern schickt seinen eigentlichen Superhit "Another Night", PHARAO stellen sachlich fest: "There Is A Star" und TWENTY 4 SEVEN FEATURING CAPTAIN HOLLYWOOD bringen hier ihre Musik-Kooperative mit "I Can't Stand It" (nicht zu verwechseln mit "No More (I Can't Stand It)" von MAXX), ROBIN S. fordert: "Show Me Love" – und dier 740 BOYZ üben sich im "Shimmy Shake", während IMPERIO den GAIUS IULIUS CAESAR mimt und im Brustton der stolzen Behauptung behauptet: "Veni Vidi Vici", während GENERAL BASE die "Base Of Love" festlegen. Besonders schön ist der Appell zur Verhütungsmittelnutzung für alle, für beide Geschlechter: "Love Message" von LOVE MESSAGE, einem Zusammenschluss verschiedener EURODANCE-Künstler zur Vermittlung der Botschaft: Verhütungsmittel sind wichtig, um die Ausbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten (allen voran AIDS bzw. HIV) zu vermeiden oder zumindest zu erschweren. Die INTERMISSION trällert noch ihr "Piece Of My Heart", das wiederum nicht mit einem Klassiker zu verwechseln ist: JANET JOPLIN FEATURING BIG BROTHER & THE HOLDING COMPANY brachten in den 60ern ein Lied gleichen Namens heraus, das aber mit diesem rein überhaupt nichts zu tun hat – stilistisch, musikalisch und technisch sowie textlich liegen ganze Universen zwischen diesen beiden. Und das ist gut so. Ich präferiere das EURODANCE-Stück dieses Namens, denn es ist meines Erachtens das mit der schöneren Melodie, nicht zwangsläufig textlich. EURODANCE mein, wirst immer mein Favorit sein.

 

Die besten EURODANCE-Tunes der Doppel-Rundscheibe:

  1. B.G. The Prince Of Rap – The Colour Of My Dreams
  2. Corona – The Rhythm Of The Night
  3. Culture Beat – Mr. Vain
  4. E-Rotic – Max Don't Have Sex With Your Ex
  5. Gala – Freed From Desire
  6. Ice MC – It's A Rainy Day
  7. Imperio – Veni, Vidi, Vici
  8. Love Message – Love Message
  9. MAXX – Get-A-Way
  10. Reel 2 Real featuring The Mad Stuntman – I Like To Move It

 

Stufe 15: PREISVERDÄCHTIGE NEUNZIGER

The Awards 1993 (1993)

Das Nonplusultra, der modernste Stand der Preisverleihungstechnik, ist in Großbritannien gewiss der größte und bekannteste Musikpreis des Landes: Der BRIT AWARD. Hier kommen wirklich nur die allerbesten (überwiegend britischen, aber auch aus britischer Sicht ausländischen) Stars zusammen, hier kommt es zur Beurteilung der besten, wirklich hochklassigen Musik. Die 90er waren regelrecht überfüllt und überfrachtet von genialen bis guten bis soliden Hits. Sie überflügelten die 80er bei Weitem – was sich nicht immer oder nicht nur an den oberen Positionen der deutschen Charts widerspiegelte. In Großbritannien und natürlich den USA war die Musiklandschaft insgesamt einfach viel exzellenter, das muss man gestehen. Wie ja auch die besseren Filme und Serien aus beiden genannten Ländern kommen. So ist es nun einmal – und so ist es gut – oder war es. Heutzutage ist auch die britische Musik vom ultimativen 2010er- und 2020er-Jahre-Schwachsinn überflutet wie die kleine Insel LAMPEDUSA von Tausenden Kerlen, die sich gern in Europa ansiedeln wollen, weil's hier so geil ist.

Doch kommen wir zur Musik: Mit QUEENs "Bohemian Rhapsody" von 1979 hat sich hier eingeschlichen. Der Hit von 1979, dem Jahr also, in welchem bereits der heutige Iran seine Islamisierung erfuhr, war 1993 als bester Soundtrack für den BRIT AWARD, diese feine, versilberte/vergoldete Figur, nominiert, da sie im Film von und mit MICHAEL MYERS, "Wayne's World" im selben Jahr vorkam. Übrigens ging das vielen alten Liedern so: Sie wurden in 90er-Filmen wiederverwertet…

Hier jedoch sind die stärksten Stars der britischen Inseln und Länder versammelt, wie so oft ist es das Who-ist-Who: U2 aus Irland ("Who's Gonna Ride Your Wild Horses"), nominiert als "Best International Group", ANNIE LENNOX mit "Walking On Broken Glass" (nominiert für gleich drei Kategorien: "Best British Female Artist", "Best British Album" und "Best British Music Video" = kein Wunder, es spielte in Besagtem ja auch JOHN MALCOVICH eine tragende Rolle), einer schönen Liebespopnummer, ERIC CLAPTON macht hier zwar nicht auf "Tears In Heaven", dafür ist es "Bad Love".

 

KATE BUSH, nominiert als "Best British Female Artist", liefert hier eine Coverversion von ELTON JOHNs "Rocket Man", auf der ersten der beiden Scheiben, steht ELTON JOHN mit "The One" direkt vor der Dame, die seinen alten Hit covert. BOYZ II MEN aus den USA, damals als "Best International Newcomer" frisch im Geschäft, hauchen hier ihr "End Of The Road", die SHAKESPEARE SISTERS säuseln hier ihr diabolisch gutes, bestes Hitmeisterstück "Stay", in Nominierung als "Best British Group". ERASURE, die damals mit ihrem "Abba-Esque"-Album große Erfolge als ABBA-Coverband feierten, legen hier ABBAs eher mittelbekannten Song "Lay All Your Love On Me" neu auf – und singen können sie es mindestens so gut. CROWDED HOUSE aus Australien und Neuseeland, nominiert als "Best International Group" sind hier mit ihrem starken Gitarren-Sommer-Balladen-Meisterwerk "Weather With You" am Start, der viel zu früh verstorbene PRINCE, jener schillernde Extraordinär-Exzentriker, befasst sich, gemeinsam mit seiner Band THE NEW POWER GENERATION lieber mit einem "Sexy MF" (das MF steht natürlich für "Motherfucker", nicht für Massiver Furunkel") und dessen Anbetung (es ist kompliziert, ob PRINCE hetero-, bi- oder doch homosexuell war) – "Free Your Mind", heißt es ohnehin vonseiten EN VOGUEs, was wohl immer ein frommer Wunschtraum sein wird, wenn es um Vorurteile und anderes geht. Wir Menschen sind nun mal so…Die amerikanischen Stars, unter ihnen REM mit "Drive" (nach 1992 zum zweiten Mal hintereinander nominiert als "Best International Group"), sind auch vertreten, doch am besten gefällt ROD STEWARTs "Rhythm Of My Heart", eine wunderbare Liebeserklärung an seine Heimat, wo sein Herz liegt – ein viel zu seltenes Bekenntnis, das ich hierzulande kläglich vermisse. Schön sind die Dudelsäcke im Lied. Phantastisch ist diese gesamte Zusammenstellung, richtig geiler 90er-Stoff. Für Fortgeschrittene, Connaisseure guter Populär- und Rockmusik.

 

Die besten Hits auf der Zweier-CD:

  1. Annie Lennox – Walking On Broken Glass
  2. Crowded House – Weather With You
  3. Curtis Stigers – I Wonder Why
  4. En Vogue – Free Your Mind
  5. Enya – The Celts
  6. Queen – Bohemian Rhapsody
  7. REM – Drive
  8. Rod Stewart – Rhythm Of My Heart
  9. Shakespeare Sisters – Stay
  10. Tasmin Archer – Sleeping Satellite

 

The Awards 1994 (1994)

Die 90er-Musik ist einfach die beste – und die BRIT AWARDS sind ein Garant dafür, dass nur das Beste vom Besten gekürt wird. Hier sind sie alle versammelt: Die besten Stars dieser Zeit: Von den damals schon Legenden U2 ("Stay (Faraway, So Close!)", DAVID BOWIE ("Jump They Say"), DEPECHE MODE ("I Feel You"), NEIL YOUNG ("Harvest Moon"), PAUL WELLER ("Wild Wood"), PETER GABRIEL ("Steam"), ROD STEWART ("Have I Told You Lately"), TINA TURNER ("What's Love Got To Do With It", STING ("Fields Of Gold"), NEW ORDER ("Regret") und MEAT LOAF ("I Would Do Anything For Love") – bis hin zu den damals relativ neuen Entdeckungen, dem One-Hit-Wonder SPIN DOCTORS mit "Two Princes" (auch auf fast jeder 90er-Kompilation drauf), LENNY KRAVITZ mit "Are You Gonna Go My Way", STEREO MC'S (hier nicht mit ihrem großen Hit "Connected", sondern mit "Creation"), THE SHAMEN mit ihrem fantastischen "Phorever People" (sic), CROWDED HOUSE (hier nicht mit "Weather With You", sondern "Distant Sun"), SWV (Abkürzung für Sisters With Voices) mit ihrem berühmten "Right Here" – es ist eine bunte, meisterhafte Sammlung voller zu Recht Nominierter und einiger Prämierter. TAKE THAT dürfen als beste Boygroup überhaupt nicht fehlen: "Pray" heißt ihr Smashhit, die M PEOPLE sind noch immer für "Movin' On Up", die 4 NON BLONDES räumten damals mit "What's Up?" alles ab, was es an Preisen zu gewinnen gab (vermutlich haben sie auch den BAMBI bekommen, aber sicher bin ich mir nicht), die gute GABRIELLE ist eine Pop-Soul-Röhre, die mit ihrem sachten "Dreams" die Träume von guter Musik bewegt und uns in der Praxis ein großes Stück näher zum perfekten Ohrwurm bringt. Eine Superkompilation. Ohne Zweifel.

 

Die besten Hits auf den zwei CDs:

  1. 4 Non Blondes – What's Up?
  2. Björk – Big Time Sensuality
  3. Gabrielle – Dreams
  4. Jamiroquai – Too Young To Die
  5. Lenny Kravitz – Are You Gonna Go My Way
  6. Meat Loaf – I'd Do Anything For Love (But I Won't Do That)
  7. M-People – Moving On Up
  8. Shara Nelson – Down That Road
  9. Spin Doctors – Two Princess
  10. Sting – Fields Of Gold

 

The Awards 1995 (1995)

Die BRIT AWARDS von 1995 waren, unverschämterweise, sogar noch um ein Vielfaches besser als die des Vorjahres. Wie sich die Musik so gut entwickeln konnte zu einem unübersichtlichen Wust aus lauter geilen Ohrwürmern und schöner Musik jeder Art, ist im Nachhinein geradezu erschreckend. 37 der Songs (unter ihnen alle Nominierten, unter ihnen die Preisträger) des Jahres 1995, die die britische Großinsel gerockt haben, sind hier drauf, wie man auch zu lesen vermag auf dem Cover. Aus dem Vorjahr tritt nun D:REAM mit "Things Can Only Get Better" (siehe BRAVO-HITS Best Of 1994) auf den Plan, lässt sich vom Altstar TOM JONES mit seinem schmetternden Energetik-Fetzen "If I Only Knew…" flankieren, begleitet werden beide von EAST 17 mit ihrem flehentlichen "Stay Another Day", LISA STANSFIELD, eine Popikone der Emanzipation, gibt hier ihr passables "So Natural" hinzu, der Beitrag von BLUR ("Boys And Girls", 1994) rockt auch die Falsett-Fraktion, die M PEOPLE sind diesmal mit "Sight For Sore Eyes" mit dabei, was wenigstens nicht für "sore ears" sorgen kann. THE BRAND NEW HEAVIES sind der soulige Part mit "Midnight At The Oasis", eine besondre Empfehlung von mir, ebenso wie eine der schönsten Popballaden überhaupt, MARCELLA DETROITs "I Believe". Die Dame war früher Teil des Duos SHAKESPEARE SISTERS (u.a. "Stay" und "Hello (Turn Your Radio On)"), BRYAN ADAMS wird für die LIVE-Version seines "Run To You" gekrönt, SEAL schmachtet hauchend den "Kiss From A Rose", TORI AMOS preist die Cerealien-Vorliebe des "Cornflake Girl", während KATE BUSH in "The Red Shoes" schlüpft. EDDI READER rät dazu, niemals die "Patience Of Angels" herauszufordern, REM sind auf der richtigen Frequenz mit "What's The Frequency, Kenneth?". Die CRASH TEST DUMMIES überzeugen einmal mehr mit ihrem "MMM MMM MMM". Womöglich für immer. DESREE, die hier mit "You Gotta Be" einen fantastischen Beitrag liefert, steht THE CRANBERRIES mit ihrem allseits beliebten Antikriegslied "Zombie" in nichts nach, ELTON JOHNs "Circle Of Life", komponiert für den 1994er-Zeichentrickstreifen "Der König der Löwen", ist bis in heutige Tage ein Klassiker, MORRISSEY warnt: "The More You Ignore Me, The Closer I Get" und zu guter Letzt schließt SINEAD O'CONNOR, die heutzutage völlig abgedrehte Islamangehörige mit Kopftuch und Apologetik-Grütze im Hirn, die 1990 mal einen Hit mit "Nothing Compares 2 U" hatte, bedankt sich artig bei irgendwem: "Thank You For Hearing Me". Man darf nicht darüber nachdenken, was aus einigen 90er-Stars heutzutage geworden ist. Dann doch lieber das letzte Lied, Nummer 19 auf CD 2: OASIS mit "Love Forever". Dem schließe ich mich vorbehaltlos an.

 

Die besten Preisträgerhits auf der Doppel-Scheibe:

  1. Blur – Girls & Boys
  2. East 17 – Stay Another Day
  3. Eddie Reader – Patience Of Angels
  4. Marcella Detroit – I Believe
  5. M-People – Sight For Sore Eyes
  6. Seal – Kiss From A Rose
  7. The Brand New Heavies – Midnight At The Oasis
  8. The Cranberries – Zombie
  9. Tori Amos – Cornflake Girl
  10. Youssou N' Door – 7 Seconds

 

Stufe 16: WERDEN WIR SERIÖS…

Die 90er-Show – Teil 1 – Die Jahre 1990-1994 (2004)

Mein absoluter Favorit, das Sahnestück meiner Prunksammlung der 90er-Datenträger ist wohl diese Doppel-Doppel-CD, von der wir hier den ersten Teil in Händen halten. Auf insgesamt 38 Hits kommen wir hier – auf zwei CDs. Den Anfang macht – und kaum etwas könnte sinnvoller sein, der chronologischen Aufteilung gemäß, das Jahr 1990. Ihm gehören die ersten sieben Lieder der ersten CD. DEPECHE MODE fängt an, "Enjoy The Silence" meinen sie – und die elektronische Dancepop-Nummer ist musikalisch immer noch ein Vorausgriff auf die technischen Finessen und Möglichkeiten, die das kommende Jahrzehnt der 90er bieten würde, es auch tat. Eine Pionierleistung war dies hier alle Male. Bald darauf gibt es das kaum weniger gute "Sadeness – Part 1" von ENIGMA, in welchem der deutsche Produzent MICHAEL KRETU Mönchschoräle mit sphärischen Panflöten- und anderen Meditationsmusikklängen mischt und im Hintergrund gelegentlich seine Frau den Titel des Songs wispernd flüsternd hauchen lässt, eine schöne Idee. Weiter geht’s mit "Around The World" von LISA STANSFIELD, ein noch von 1989 herübergeschwapptes Lied, eines ihrer besten. Die weitere Sampling- und Remix- sowie Aus-Schnipseln-alter-Musik-neue-kreieren-Kreativität kommt sehr gut bei "Tom's Diner" von DNA (FEATURING SUZANNE VEGA) zum Ausdruck: Das ursprünglich auf ihrem 1987 erschienenen Album "Solitude Standing" von Frau VEGA acappella gesungene Lied wurde hier mit einem kräftigen Beat und ein paar Soundeffekten (z.B. Glockengeläut an passender Stelle) unterlegt und erfährt somit eine Verjüngung. Wieso nicht immer so? Es hätte von vornherein gut als Dancetrack gepasst. Weiter geht’s mit "Killer" von ADAMSKI, einer vielschichtigen Elektroniknummer mit starkem, unverwechselbarem Beat und elektronischen Spielereien, in dem SEALs wunderbare Stimme zu hören ist. MC HAMMER klaut geschickt bei "Superfreak" von RICK JAMES, macht daraus sein berühmtes Rap-Lied "U Can't Touch This", wohingegen LONDONBEAT mit ihrem berühmtesten Lied "I've Been Thinking About You" bis heute ultimative Radiotauglichkeit geschaffen haben, es ist aber auch ein Meisterwerk. Mit 1991 geht es weiter, wohin seltsamerweise der bereits 1990 erschienene Hit von SINEAD O'CONNOR, "Nothing Compares 2 U" gerutscht ist, aber egal. Es ist die Nummer 8 – und bildet damit einen Reigen von neun fetten Liedern für 1991. Da haben wir SIMPLY RED mit "Something Got Me Started", ein Ohrwurm, MONTY PYTHON, mit ihrem von 1979 ins Jahr 1991 gebeamten Gute-Laune-Hammer "Always Look On The Bright Side Of Life", CRYSTAL WATERS mit ihrem melancholischen "Gypsy Woman", EMF mit ihrem kräftigen Rocker "Unbelievable", ROXETTE mit "Fading Like A Flower" (von ihrem Hitalbum "Joyride"), THE REMBRANDTS mit "Just The Way It Is, Baby", KATE YANAI, deren Sommerhit "Summer Dreamin'" vorher "Bacardi Feeling" hieß und Ende der 80er bereits in der Schnapswerbung für das genannte Gesöff harten Alkohols verwendet worden war, ist hier mit demselben Hit vertreten, DE LA SOUL fordern, man soll mal öfter anrufen ("Ring Ring Ring", nicht zu verwechseln mit ABBAs "Ring Ring", da waren's nämlich nur zweimal Ring). 1992 geht es bunt und wild weiter, voller Gefühle, aber auch Coolness, insgesamt acht Songs, vier davon noch auf CD 1, danach geht es nahtlos auf CD 2 weiter. Darunter haben wir das sympathische Duo aus einem Weißen (mit indianischen Wurzeln, wenn ich das Musikvideo richtig interpretiere) und einem Schwarzen, CHARLES & EDDIE, die ihr One-Hit-Wonder "Would I Lie To You" anbieten, RIGHT SAID FRED meinen immer noch "Don't Talk Just Kiss", das ist weniger romantisch als sein Vorgängersong, DR. ALBAN darf mit "It's My Life" nicht fehlen, im Verbund mit dem letzten Lied, Nummer 20, auf CD 1: SNAP!, wie könnte es anders sein, mit "Rhythm Is A Dancer".

Auf CD 2 geht es mit GENESIS' "I Can't Dance" weiter. Man kann über den Werdegang dieser Band deftig trefflich streiten: Die meisten Musikexperten und Musikkenner sind davon überzeugt, dass sie in den 70ern am besten waren, damals noch mit PETER GABRIEL (der sich später selbstständig machte) als Sänger statt des zu der Zeit noch Schlagzeugers PHIL COLLINS. Man kann ihnen den kommerziellen Ausverkauf vorwerfen, schließlich haben sie mit ihrem Album "We Can't Dance" 1991 viele Rekorde erzielt, immerhin ist es bis heute eines der bestverkauften aller Zeiten, zum Beispiel in Deutschland, wo es immer noch eine gute mittlere Position hat. Aber der Quasi-Titelsong ist einfach eine witzige Nummer, das muss man weiterhin behaupten. Auch MR. BIG mit ihrem berühmten Akustikgitarrensong "To Be With You" schufen 1991 schon einen Klassiker, der Radiostationen überall in Europa rockt. Die SHAKESPEARE SISTERS sind hier mit ihrem frechsten und bedrohlichsten Lied am Start, das zwar musikalisch erhebend und extrem gut klingt, aber textlich das Makabre ist. Schade, dass es nicht "Hello (Turn Your Radio On)" ist… CURTIS STIGERS bringt seinen Jazz-technisch auf hohem Niveau rangierenden Song "I Wonder Why", es es endlich nach 1993 rübergeht. Ganze neun Songs wiederum sind für dieses Jahr reserviert. Dafür kriegt 1994 dann kaum noch etwas ab, lediglich fünf Songs krönen zum Schluss auch dieses Jahr adelnd. Da wäre schon mehr gewesen. Fangen wir mit 1994 an: PRINCE ITAL JOE FEATURING MARKY MARK bildet die Nachhut, das Schlusslicht mit "United", JOSHUA KADISON ist der Vorläufer zum Ende, "Jessie" seine wunderschöne Ballade, die CRASH TEST DUMMIES mit "MMM MMM MMM" sollten nirgendwo fehlen, YOUSSOU N'DOUR & NEHNEH CHERRY haben ihr schönstes Duett zusammen, VANGELIS ist feierlich mit seinem "Conquest Of Paradise". 1993 ist vielfältiger: FREDDIE MERCURY erhält posthum Ehre und Weihen für das Remix seines Solohits "Living On My Own", PAUL MC CARTNEY hat sein "Hope Of Deliverance" am Start, das ich erstmalig bei WETTEN, DASS…? zu Gehör bekam, die 4 NON BLONDES können nur mit "What's Up" am Start sein, die SPIN DOCTORS haben ihre "Two Princes", SHAGGY ist noch nicht "Mr. Boombastic", dafür aber ein Fan von "Oh Carolina", CULTURE BEAT rocken ihr "Mr. Vain", HADDAWAY fragt sich "What Is Love", THE BELOVED betätigen sich als verspätete Idealisten und Hippies mit "Sweet Harmony", während die desillusionierten DURAN DURAN von der traurigen "Ordinary World" singen, ein meisterlicher Ohrwurm in Moll. Einfach fantastisch. Die Essenz der 90er wird auf diesen beiden Scheiben, dieser und der hier drunter, am besten eingefangen. Unverzichtbar und unvermeidbar bei der Analyse der 90er.

 

Die besten, schönsten Songs auf der Zwei-CD-Reihung:

  1. 4 Non Blondes – What's Up?
  2. Charles & Eddie – Would I Lie To You
  3. Depeche Mode – Enjoy The Silence
  4. Duran Duran – Ordinary World
  5. Enigma – Sadeness Part 1
  6. Haddaway – What Is Love
  7. Paul McCartney – Hope Of Deliverance
  8. Shakespeare Sisters – Stay
  9. Simply Red – Something's Got Me Started
  10. Youssou N' Door featuring Neneh Cherry – 7 Seconds

 

Die 90er-Show – Teil 2 – Die Jahre 1995-1999 (2004)

Der zweite Teil ist, mit insgesamt 41 Hits, immerhin um drei quantitativ überlegen. Das sagt nicht zwangsläufig etwas über Qualität aus. Doch das für Unsereinen Positive liegt unter anderem darin, dass wenigstens ein paar deutschsprachige Lieder erfolgreich waren. Längst nicht mehr war in Deutschland das Deutsche aus der Popmusik wegzudenken. An immerhin sechs Beiträgen merkt man das. Allerdings erst ab 1996, 1995, womit diese Kompilation anfängt, ist noch nichts gewesen mit deutscher Sprache. Es entfallen sieben Lieder auf 1995, auf 1996 neun (davon drei auf Deutsch), auf 1997 schon 10 (davon ein deutsches), auf 1998 acht (davon zwei auf Deutsch) und auf 1999 immerhin noch die sieben letzten (davon leider keiner mehr auf Deutsch). 1995 und 1999 waren also für deutsche Musik (jedenfalls auf diesem Sampler) keine guten Jahre, auf anderen Scheiben sieht das anders aus, siehe dort. Anfangen tut alles mit "Waterfalls" von TLC, geht mit EURODANCE-Resten weiter (SCATMAN JOHN mit "Scatman", DJ BOBO "There Is A Party"), geht über zum coolen Oldschool-Rap ("Gangsta's Paradise" von COOLIO), Boygroups (BACKSTREET BOYS mit "Quit Playing Games (With My Heart)", BOYZONE mit "No Matter What"), R&B und Soul (TONI BRAXTON "Unbreak My Heart", R. KELLY mit "I Believe I Can Fly", USHER mit "You Make Me Wanna", ein besonderes Schmankerl), Blödel-Songs (BÜRGER LARS DIETRICH "Sexy Eis"), Schlager (GUILDO HORN mit "Guildo hat Euch lieb!"), Heavy Metal (HIM "Join Me"), Pop-Divas (CHRISTINA AGUILERA mit "Genie In A Bottle"), Rock'n'Roll-Rock (BLONDIE "Maria"), Sommer- und Latinohits (LOS DEL RIO "Macarena", BELLINI "Samba De Janiero", LOONA "Bailando"), Italiano (NEK mit "Laura Non C'e"), Instrumentals elektronischer Tanzmusik-Natur ("Carneval de Paris" von DARIO G., MEMBERS OF MAYDAY mit "Sonic Empire", ROBERT MILES mit "Children"), Deutschpunk (DIE TOTEN HOSEN mit "Zehn kleine Jägermeister"), Italo-Dance (EIFFEL 65 mit "Blue (Da Ba Dee)"), Sommermambo ("Mambo No5" von LOU BEGA), deutschsprachige Girlgroups (TIC TAC TOE "Warum?") und irgendwas zwischen Rock und Pop (die Berliner BELL, BOOK & CANDLE mit "Rescue Me") – hier ist alles dabei. So bunt waren sie, die 90er. Für jeden etwas, für alle etwas Schönes, vielschichtig, vielseitig, bunt, auch mal oberflächlich, auch mal tiefschürfend, etwas von beidem, etwas von allem, pure Lebensfreude, seltener Zu-Tode-Betrübtheit. So skurril, so bizarr, so verrückt und schön wurde es nie wieder. Die heutige "Diversität" ist Gift und nicht mit der damaligen identisch. Es ist klar: Die 90er sind immer noch die besten Jahre für Musik überhaupt. Die 90er rocken – bis in alle Ewigkeit.

 

Die besten Lieder auf der Zwei-CD-Reihung:

  1. Bloodhound Gang – The Bad Touch
  2. Boyzone – No Matter What
  3. Christina Aguilera – Genie In A Bottle
  4. Die Toten Hosen – Zehn kleine Jägermeister
  5. Everything But The Girl – Missing
  6. Falco – Out Of The Dark
  7. Guildo Horn – Guildo hat Euch lieb!
  8. Moby – Why Does My Heart Feel So Bad?
  9. Skunk Anansie – Hedonism (Just Because You Feel Good)
  10. Usher – You Make Me Wanna…

 

Die ultimative Chartshow – "Die erfolgreichsten Hits der 90er" (2018)

Im Laufe der Jahre hat es eine Menge 90er-Sampler vom Format DIE ULTIMATIVE CHARTSHOW gegeben. Erst bei dieser hab ich wieder zugegriffen. Was ist das Besondere? Nun, die meisten Hits sind mir auch von anderen Compilations bekannt, doch die Reihenfolge fand ich diesmal reizvoll. Höchst ansprechend. Alles beginnt mit der Schmachtschmelzballade "My Heart Will Go On", zu dem damaligen Film "Titanic" (1997). Viele hassen dieses Lied, auch viele in den 90ern Sozialisierte, da es zu sanft, kitschig oder gefühlsduselig sein soll. Nun gut, ich finde es trotzdem oder gerade deshalb gut. VANGELIS macht weiter, mit seinem unvergleichlichen Orchester-Prunk namens "Conquest Of Paradise", SARAH BRIGHTMAN folgt logischerweise, mit "Time To Say Goodbye" schaffte es in den 1990ern auch die Klassische Musik in die Charts, doch danach geht es mit gepflegtem Akustikgitarrenrock weiter, die 4 NON BLONDES fragen, was Sache ist: "What's Up?". BON JOVI folgt und fordert dazu auf, am Glauben festzuhalten: "Keep The Faith", wonach endlich der große Antikriegssong "Zombie" der CRANBERRIES einsetzt. Nach einem weiteren Rockklassiker der 90er, MEAT LOAFs "I Would Do Anything For Love", ehe die erste Exklusivität kommt: BRYAN ADAMS eigens für den Film "Robin Hood – König der Diebe" komponiertes "(Everything I Do) I Do It For You" ist hier in einer LIVE-Version (!) drauf!!! Wie geil das ist! Doch fahren wir fort, die Euphorie darf nicht überlaufen. "Se Bastasse Una Canzone" heißt es da – und ich kann kein Italienisch. EROS RAMAZZOTTI wird hier vorgestellt, mit einem seiner großen Lieder der 1990er. Das Duett mit TINA TURNER ("Cose Della Vita") wäre mir noch lieber gewesen…

Nach SIMPLY REDs lässigem "Stars" schließt sich jede Menge Deutsches an, teilweise sogar in deutscher Sprache: XAVIER NAIDOO beklagt sich: "Sie sieht mich nicht", die KELLY FAMILY hat dafür "An Angel" gesehen, die SCORPIONS steuerten immerhin, unter anderem jetzt wieder hier, ihren Hit zur deutschen Wiedervereinigung und Wende, "Wind Of Change" im Gepäck. MATTHIAS REIM deutschrockt vergeblich flehentlich "Verdammt, ich lieb' dich", woraufhin PUR schlageresk ebenfalls deutschrocken, wenngleich sie das Wörtchen "Verdammt" im Text in nur "Ich lieb' dich" verringern. "Willenlos" von Westernhagen gehört eben auch sehr in die 90er, jedenfalls ins Deutschsprachige dieser Zeit – erst danach kommt endlich der Überklassiker "Runaway Train" von SOUL ASYLUM. Auf CD 2 hört sich alles nach Dance und Sommerzeug an.

CHER hatte in den 90ern ein kapitales Comeback: "Believe", ihre mit Vocoder und Autotune verlängerte Stimme – damals, 1998, noch eine Seltenheit, heute besteht fast alle Musik aus solchen dämlichen Soundeffekten. Super damals, jetzt nicht mehr. Das CAPTAIN HOLLYWOOD PROJECT mit seinem Trance-Kracher "More And More", NICK KAMENs Früh-90er-Stoff von 1990, "I Promised Myself": geil, klingt allerdings noch sehr nach 80ern, REDNEX mit "Cotton Eye Joe" nicht, auch SNAP!, HADDAWAY, CULTURE BEAT, DR. ALBAN, ACE OF BASE: sie alle sind mit ihren bekanntesten Hits vertreten. Und die Reihenfolge nervt weit weniger als bei fast allen anderen Kompilationen. Als Bonus gibt’s ein Lied, das von ALEX CHRISTENSEN und dem BERLIN ORCHESTRA und seinem Projekt stammt, alle 90er-Lieder nach und nach in eine Klassik-Version zu verwandeln, in diesem Fall mit "Around The World" (im Original 2000 von ATC erstellt).

 

Die besten, schönsten Songs auf der Sammlung:

  1. 4 Non Blondes – What's Up?
  2. Bon Jovi – Keep The Faith
  3. Bryan Adams – (Everything I Do) I Do It For You (LIVE)
  4. Captain Hollywood Project – More And More
  5. Meat Loaf – I'd Do Anything For Love
  6. Nick Kamen – I Promised Myself
  7. Roxette – Joyride
  8. Scorpions – Wind Of Change
  9. Simply Red – Stars
  10. Xavier Naidoo – Sie sieht mich nicht

 

Fetenhits – The Real 90s (1999)

Die für mich niveauvollste 90er-Kompilation, auch wenn hier, als einziger, ein Megamix (!) der besten Hits der VENGABOYS als Medley zu finden ist. Doch die Ausgewogenheit ist definitiv gegeben, ausgeprägter als bei fast allen anderen Samplern. Das coole Cover mit den lässigen Inline-Skates (bei den "Real 80's" waren es reichlich ausgelatschte, unansehnliche Turnschuhe) macht den Inhalt umso interessanter. Die bunte Vielfalt der 1990er wird hier so deutlich wie sonst höchstens noch bei den beiden Teilen der "90er-Show" (siehe weiter unten). Deutschsprachige Musik? Check. Vorhanden von Anfang an: Der Starter der ersten CD ist der erste Nummer-Eins-Hit von DIE ÄRZTE, "Männer sind Schweine". Die Konkurrenzmusikgruppe DIE TOTEN HOSEN sind weiter unten mit "Schönsein" zu finden, ECHT schließen ab mit "Fort von mir". Auch auf CD 2 sind deutschsprachige Lieder nicht gänzlich unbekannt: FALCOs "Out Of The Dark" ist lediglich im Refrain Englisch. Dann Coverversionen: Die niederländische HERMES HOUSE BAND covert "Can't Take My Eyes Off Of You" von FRANKIE VALLI, N-TRANCE beklauen die BEE GEES mit ihrer kardiologisch wertvollen Erste-Hilfe-Hymne "Stayin' Alive", die PET SHOP BOYS haben ihren größten Hit von den VILLAGE PEOPLE, "Go West" ist in ihrer Version trotzdem besser, CHER hat ihren "Shoop Shoop Song" auch nicht auf dem eigenen Mist gedeihen lassen. ZZ TOP sind mit ihrer Version von "Viva Las Vegas" auch vertreten, eigenständige Hits sind jedoch in der klaren Überzahl. Der epische Opulenz-Rocker MEAT LOAF bringt hier eine seiner besten Hymnen an die Liebe "I Would Do Anything For Love", ROXETTE genießen ihren "Joyride", EAGLE-EYE CHERRY (der Bruder von NEHNEH CHERRY) fühlt sich sicher und geborgen "Save Tonight", DR. ALBAN mixt DANCEHALL mit REGGAE und beschwört, es sei ungut, Drogen zu nehmen: "No Coke", aber auch kein Hasch, keine Amphetamine und von Pilzen rät er auch ab. CE CE PENISTON ist "Finally" "High" (von der LIGHTHOUSE FAMILY), trotz Warnung von DR. ALBAN, doch MEREDITH BROOKS outet sich als "Bitch", wohingegen DEPECHE MODE ihr schönstes Lied "Enjoy The Silence" haben. THE CURE freuen sich auf das Ende der Woche, denn "Friday I'm In Love", BLOODHOUND GANG jedoch sehen darin den "Bad Touch", fahren eh eher auf versauten, ausdauernden Sex ab. Weitere Ohrwürmer des Alternative-Rock sind "Come To Sin" (BANANAFISHBONES), "Radio Orchid" (aus Deutschland: FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE) sowie FOOL'S GARDENs "Lemon Tree". Girlpower: BRITNEY SPEARS – "Baby One More Time". Boygroups: BACKSTREET BOYS ("Everybody"), R&B: JANET JACKSON "Whoops Now", INCOGNITO "Don't You Worry 'Bout A Thing". DIANA KING wünscht sich im Slow-Dance einen "Shy Guy", LIQUIDO, wiederum aus Deutschland lieben ihr "Narcotic" – zu Recht. Italienisch gefällig? Gern: NEK mit "Laura Non C'e". Kitsch? Gern: Die CARDIGANS mit "Lovefool" (zur damals in die Neuzeit verfrachtete, mit Original-SHAKESPEARE-Texten versehene Filmadaption von "Romeo & Julia" von BUZZ LURMAN, mit LEONARDO DI CAPRIO und CLAIRE DANES). Hier ist alles von Belang vertreten. Einmalig, großartig. Besser hätte man die 90er nicht in 40 Hits auf zwei CDs zusammenfassen.

 

  1. Bananafishbones – Come To Sin
  2. Bloodhound Gang – The Bad Touch
  3. Die Ärzte – Männer sind Schweine
  4. Die Toten Hosen – Schön sein
  5. Falco – Out Of The Dark
  6. Fury In The Slaughterhouse – Radio Orchid
  7. Texas – Summer Son
  8. US 3 – Cantaloop
  9. Vengaboys – Megamix '99
  10. ZZ Top – Viva Las Vegas

 

Best Of 1990 – 2000 – Das Jahrzehnt – Volume 1 (1999)

Pop- und Rock-Balladen, Balladen, Balladen. Das originelle Cover mit der Parkuhr verdeutlicht es bereits: Es handelt sich hier um eine der entspannteren Sammlungen der besten Hits der 90er. Hier ist alles versammelt, was an sanfter, wohlklingender und mit reichlich Melodie ausgestatteter Musik Rang und Namen hatte und die 90er zu einem einzigartig euphonischen Jahrzehnt machte. Angefangen mit der größten Schmacht-Kitsch- und Zum-Weinen-bringer-Ballade "Nothing Compares 2 U" von SINEAD O'CONNOR, dicht gefolgt von ROBBIE WILLIAMS "Angels", NATALIE IMBRUGLIA mit "Torn", CRASH TEST DUMMIES mit "MMM MMM MMM", FOOL'S GARDEN ("Lemon Tree"), THE CONNELLS ("'74, '75") und natürlich CHARLES & EDDIE mit "Would I Lie To You"… Allein schon bis hierhin ist man wie in einem Rausch der wunderbarsten Meistermelodien, auch schönen Texte, manchmal etwas belanglos, insgesamt aber schön: Wie eine Party fühlt sich das an, als ob man mit Dutzenden alten Freunden und ehemaligen Klassenkameraden aus sämtlichen Schulklassen, die man jemals besucht hat, zusammentrifft, und zwar den netteren Zeitgenossen. "Mensch, Dich hab ich ja auch schon lang nicht mehr gesehen, wat machste?" könnte man fragen – bzw. hier: "Lang nix mehr von Dir gehört!"

All die großen Hits, all die Qualitäten, die die Dekade des Edlen und Schönen hatte: TEN SHARP mit "You", JOSHUA KADISON mit "Jessie", einer der schönsten Pianoballaden aller Zeiten, ESPEN LIND, ebenfalls am Klavier, mit "When Susannah Cries", EDWYN COLLINS, "A Girl Like You", viele One-Hit-Wonder, doch dafür mit solch erlesenem Inhalt, dass er schwer zu toppen gewesen wäre – tja, Manches ist so gut, dass man nicht mehr besser werden kann.

Zwar ist bereits auf der zweiten CD der etwas flottere Anteil zu haben (CHER "Believe", ROBERT MILES "Children", MODERN TALKING "You're My Heart You're My Soul – Mix '98 featuring ERIC SINGLETON), doch auch hier lässt sich sagen: Er fügt sich perfekt in den eher meditativen Gesamtkontext ein. Nach der bemerkenswerten Comeback- und Spätphase der britischen Pop- und Soulsängerin DUSTY SPRINGFIELD, aus der hier der Song "In Private" (entstanden bereits 1989, 1990 aber dann groß in den Charts) hervorgeht, nach epischen, pathetischen Monumental-Hits wie VANGELIS' "Conquest Of Paradise", ENIGMAs Choral-Dance-Klassiker "Sadeness Part 1", ADIEMUS mit "Adiemus", dem feierlichen THE-LOVIN-SPOONFUL-Cover "Summer In The City", das JOE COCKERs Stimme quasi im Alleingang trägt, TINA TURNERs lasziv-spannendes "Goldeneye" und dem romantisch-verklärten Träumer-Liedchen "Viva Forever" von den SPICE GIRLS und dem Duo der idealen Mutmach-Hits, "Wind Of Change" von den SCORPIONS und "Out Of The Dark" von FALCO, entlässt einen dieser Sampler mit einem Gefühl tiefster Zufriedenheit. Als verabschiede man sich wieder von alten Freunden und Bekannten, vielleicht teilweise längst Verstorbenen, lege die Erinnerungen an sie jetzt wieder beiseite, um sie ein anderes Mal wieder hervorzuholen. Frieden schließen mit der schönsten aller Vergangenheiten.

 

Die besten Songs auf dieser Doppeldisk:

  1. Dusty Springfield – In Private
  2. Edwyn Collins – A Girl Like You
  3. Espen Lind – When Susannah Cries
  4. Falco – Out Of The Dark
  5. R. Kelly – I Believe I Can Fly
  6. Robert Miles – Children
  7. Simply Red – Fairground
  8. Spice Girls – Viva Forever
  9. The Connells – '74, '75
  10. The Scorpions – Wind Of Change

 

Stufe 17: DIE 90ER IN DER DOKUMENTATION

DER HÖRVERLAG – DOROTHEE MEYER-KAHRWEG – "Die 90er Jahre – Techno, Treuhand, Teletubbies" (2000/2004)

Der einzige Sampler in dieser Kollektion, der kein Musik-Sampler ist. Bei diesem Werk handelt es sich um eine Art Dokumentation – allerdings, ähnlich wie ein typischer Radio- oder YOUTUBE-Podcast, alles rein Audio, rein akustisch. Die in "der hörbuchverlag" erschienene Reihe besteht aus vielen Teilen, die allesamt von der Journalistin und Rundfunkredakteurin DOROTHEE MEYER-KAHRWEG (mit einem für diese Bereiche der Gesellschaft typischen Doppel-Nach- oder Vornamen, in diesem Fall Ersteres) zusammengestellt wurden. Zu jedem Jahrzehnt seit den Nullerjahren des 20. Jahrhunderts gibt es Original Audio-Schnipsel und sonstige Tondokumente, die, thematisch geordnet, zusammengefügt werden. Zwar finde ich das Motto meines Jugendjahrzehnts, das die Dame gewählt hat, ziemlich banal und billig ("Techno, Treuhand, Teletubbies" ist eine der miserabelsten Alliterationen, die ich je gehört habe) und die Mottos der 80er, 70er, 60er, sogar 50er und 40er besser, aber man muss mit dem leben, das hier herumkommt. Auf zwei CDs wird also das Jahrzehnt zusammengefasst, wobei meines Erachtens und für meinen Geschmack die Musik etwas zur kurz kommt, Hörbeispiele sind hier rar gesät, diese Doppel-CD hat eher eine andere, eine politische und gesellschaftliche und anderweitige kulturelle Stoßrichtung. Zwei CDs sind, das merkt man schnell, auch reichlich wenig, um ein Jahrzehnt adäquat erfassen zu können, insbesondere die 90er, die so reich an politischen Umbrüchen und Pioniergeist und den Anfangen der modernen Technik 2.0 und Digitalisierung waren, benötigten für eine angemessene Würdigung eine ganze Enzyklopädie von mindestens 24 dicken Bänden – oder ein Kompendium aus nicht weniger als 20 oder am besten mehr als 50 prallgefüllten CDs. Zwangsläufig muss hier, wie gewiss auch bei den 80ern, 70ern etc., vieles unter den Tisch fallen. Ich fand die Arbeit gerade Öffentlich-Rechtlicher Redakteure und sonstiger journalistischer Akteure immer schon schlampig. Das setzt sich in sämtlichen Themenbereichen fort. Geschichtsdokus sind zu kurz – und unterschlagen (insbesondere im linksgrünen Merkelianer-Zeitgeist des "besten Deutschlands, das es je gab", heading for sozialism) gerne Details, die dem aktuellen Weltbild und Zeitgeist der Redaktionen nicht mehr konvenieren oder einfach zu pikant erscheinen, insbesondere, wenn es um Einzelpersonen geht, denen man redaktionell einen besonders relevanten Status zuweist. Für Dokus über Filme, Musik und Kunst gilt dies gleichermaßen.

Womöglich werde ich bald genötigt sein, selbst eine Doku über die 1990er Jahre zu machen – allerdings könnte diese den Rahmen sprengen. Zwischen 10 und 29 Stunden würde ich die notwendige Länge (ungekürzte, unzensierte Fassung!) einschätzen, mit etwaigen kleineren Streichungen zwischen nicht weniger als acht bis 26,5 Stunden. Immerhin halte ich hier einen kleinen Adapter in der Hand, ein erstes Puzzleteil, um den Mythos dieser Dekade aufzudecken.

 

Stufe 18: 90S-MASH-UP-MIX-ES-AUS!

90's Hitmix (1999)

Nicht ganz perfekt, aber: Wer einen wilden Mix für die heimische Party braucht und keine große Ahnung vom DJen und Abmixen hat, keine DJ-Sets und Mischpulte hat, dem ist diese Zusammenstellung zu empfehlen: Zwei CDs, mit 25 respektive 31 Hits (also insgesamt 56), die mehr oder minder logisch ineinandergreifen, als jeweils kurzer Abriss eines jeden Hits – und hier sind sie alle drauf, die tanzbaren Einschlägigen, die man mit den 90s assoziiert: KWS machen, nach einem kurzen Knubbel-Intro radioesker Geräusche, den Anfang mit ihrem lockeren "Please Don't Go", wird abgelöst von ADAMSKIs "Killer" – und so viele, viele Wunderbare mehr: HADDAWAY ("What Is Love"), REEL 2 REAL ("I Like To Move It"), EVERYTHING BUT THE GIRL ("Missing", allerdings im TODD TERRY CLUB MIX), DR. ALBAN ("It's My Life"), TECHNOTRONIC ("Get Up"), PRINCE ITAL. JOE FEATURING MARKY MARK (gleich mit zweien: "Happy People" und "United"), DA HOOL ("Meet Her At The Loveparade"), LOONA ("Bailando"), SCATMAN JOHN ("Scatman"), ROBERT MILES ("Children"), DJ BOBO ("Pray"), AQUA ("Barbie Girl") – und die härteren, besseren… Wow, ein Megamix, so unwiderstehlich wie eine Schlachteplatte, wie eine sahnige Torte aus Früchten der Saison. Je nach CD-Gerät kann es allerdings zwischen den Songs zu unschönen kurzen Verzögerungen kommen, da manche Geräte die einzelnen Titel ja als getrennt voneinander ansehen. Abtanzen und genießen.

 

Die besten Liedausschnitte von den zwei CDs, dem Megamix:

  1. Adamski – Killer
  2. Aqua – Barbie Girl
  3. Zucchero & Paul Young – Senza Una Donna (Without A Woman)
  4. Ten Sharp – You
  5. Dimples D – Sucker DJ
  6. Mr. President – Jojo Action
  7. Technohead – I Wanna Be A Hippie
  8. Shanice – I Love Your Smile
  9. Nana – Lonely
  10. US 3 – Cantaloop

 

Stufe 19: DIE 90ER – DAS DIPLOM!

Top 40 – The Ultimate Top 40 Collection – "nineties" (2019)

Zum Abschluss unserer Lehrreise, unseres Kurses ins Herz der 90er-Musik beschäftigen wir uns mit einer jungen Kompilation aus dem vergangenen Jahr. Bei SONY MUSIC erschienen, markiert diese Zusammenstellung ein relatives Novum: Der aus den Niederlanden stammende Sampler orientiert sich mehr an den niederländischen Charts als alle anderen hier aufgeführten, denn die anderen, die von dort stammen, halten sich doch mehrheitlich an die deutschen Charts. Auf der Rückseite, unter der Titelliste, steht bei diesem allerdings: "Dutch Top 40 chart-positions used, courtesy Stichting Top 40. More info on 'top40.nl."

Man weiß also, wo man dran ist. Natürlich lässt sich sagen, dass auch die niederländischen Charts nicht vom klassischen Neunziger-Stoff verschont blieben, der ganz West- und Mitteleuropa hauptsächlich prägte; der Siegeszug der elektronischen Tanzmusik, namentlich der der 90er, also des EURODANCE, auch der anderen Subgenres des TECHNO, etwa Trance und Rave, war niemals aufzuhalten – und wie man an der unten abgebildeten Liste der besten 10 Songs auf dem Sampler erkennen kann, schwappte der gute Club-TRANCE-TECHNO aus dem United Kingdom (FAITHLESS mit "Insomnia" ist das perfekte Beispiel) ebenso über wie auch die vereinzelten R&B-Einflüsse aus den USA (DESTINY'S CHILD mit "Bug A Boo"). Wir haben es allerdings auch, und das ist was für Profis, mit weiteren Musikrichtungen zu tun, die in den 90ern, dieser buntesten Mischung aller Zeiten, relevant wurden: Lateinamerikanische Musik war wieder groß im Kommen, nachdem sie in den 80ern eher ein mediokres Dasein fristete, die GIPSY KINGS mit "Baila Me" sind dabei. Boygroups sind mit der bereits gegen Ende der 80er ursprünglichen Jungengruppe NEW KIDS ON THE BLOCK prominent vertreten, und zwar mit ihrem größten Hit "Step By Step". 3T mit "Anything" und die BACKSTREET BOYS mit "Get Down (You're The One For Me") und als Solokünstler rundet GARY BARLOW (von TAKE THAT) das Gesamtbild mit seinem sentimentalen Song "Forever Love", einer klassischen Klaviernummer, ab. Doch auch Girlgroups wurden, ab der zweiten Hälfte der 90er, also mit reichlicher Verspätung, endlich ein kapitaler, veritabler Verkaufsschlager: Die SPICE GIRLS mit "Wannabe" bilden den konventionellen Rahmen, doch in unserem Abschluss, der direkt zum Diplom führt, lernen wir auch B*WITCHED (mit dem heute als Gendersternchen missbrauchten Anmerkungsstern) mit "C'est La Vie" (nur der Titel ist Französisch, gesungen wird auf Englisch) kennen. Der Soul kommt nicht zu kurz: Die britischen M-People sind mit ihrem groovigsten Groover "Movin' On Up" dabei, TONI BRAXTON singt "Breath Again" und die alte Ikone ARETHA FRANKLIN genießt "A Deeper Love". Der Alternative- oder Blues- und Folkrock wird mit JOE PUBLIC ("Live And Learn") auch perfekt eingeführt. Ein würdiger Abschluss für diese Datei.

 

Die besten Songs, mit denen die beiden Scheiben gefüllt sind:

  1. Destiny's Child – Bug A Boo
  2. Faithless – Insomnia
  3. Gipsy Kings – Baila Me
  4. Joe Public – Live And Learn
  5. MC Sar featuring The Real McCoy – Another Night
  6. Meja – All 'Bout The Money
  7. New Kids On The Block – Step By Step
  8. Toni Braxton – Breath Again
  9. Vaya Con Dios – What's A Woman
  10. Wet Wet Wet – Love Is All Around

 

Stufe 20: 90ER – DER QUANTITATIVE AUSVERKAUF

100 Hits Collection – 90's (2009)

 

Diese Sammlung ist sehr, sehr umfangreich. Und sie ist unverschämt. Nicht wegen des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Für den geringen Obolus von 10 Euro erhielt man damals diese aus fünf (!) CDs bestehende, in extrem dicker Hülle ausgelieferte Kompilation, die pro CD volle 20 Hits enthält. Leider sind viele der Lieder eher aus der zweiten und dritten Reihe der jeweiligen bekannten Stars, von denen einige auf dem Cover abgebildet sind. Doch dies ist nicht die schlechteste 90er-Kompilation, die verfügbar ist. In diesem Fall rettet die Quantität absurderweise die Qualität. Es gibt dann doch etliche gute bis geniale Songs, die spitze sind und 90er-typisch, was diese Kompilation schon mal von der insgesamt aus nur 30 Songs bestehenden von DISKY (siehe oben, das gelbe Cover mit der silberfarbenen Schrift) abhebt, wo viele Unglücke dabei sind. Doch es gibt eine ganze Reihe solcher "100 Songs aus den 90ern"-Sammlungen, von verschiedenen Plattenfirmen, sodass der totale Ausverkauf infolge akuter Marktübersättigung droht.

 

Die besten Hits dieser Zusammenstellung:

  1. 2 Unlimited – "Get Ready For This"
  2. 2 Unlimited – "Twilight Zone"
  3. Alex Party – "Don’t Give Me Your Life"
  4. Alex Party – "Read My Lips"
  5. Carrilio – "Samba de Janiero"
  6. Funky Ninja – "Vacation Escape"
  7. Kelly Family – "Fell In Love With An Alien"
  8. Proxyon – "Space Force"
  9. SNAP! – "Do You See The Light"
  10. Sonic Surfers – "Beat Of Zen"

 

Stufe 21: NEUNZIGER – DO IT YOURSELF

Eine wohlklingende 90er-Kompilation kann man sich beliebig selbst zusammenstellen. Man kann sie aus rohem Material behauen oder sie im professionellen Presswerk pressen lassen; man kann sie brennen mittels eines CD-Brenners oder im Auto auf Vinyl konsumieren...

 

Wer mag, kann sich seine CD selbst zusammenklöppeln. Die Datenfläche besteht aus sog. "Pits" und "Lands", die man sich schön draufzimmern kann. Jede Achtelnote ergibt einen halben Pit und 12,5 Milli-Lands. Oder so. Oder irgendwie anders. Welche Hits hauen wir hier mal rein? "Smells Like Teen Spirit", "Personal Jesus", "Don't Speak", "Would?"…

 

KNORK's 90's Crown Jewels (2001)

Zugegeben: Strenggenommen ist dies keine reale 90er-Sammlung, denn diese von mir selbst gebrannte Zusammenstellung des für mich zur Zeit der frühen 2000er besten aus den 90ern, allerdings überwiegend Dance-Stücke, viel von "Bravo-Hits 8" (die ich mir erst später käuflich erwerben konnte, denn im normalen Handel gab es sie nicht mehr zu erstehen) ist hier enthalten, viel auch von "Internationale Hits '94" (siehe oben), die mir auch erst viel später in die kaufwilligen Hände fiel, als sie billig bei meinem Lieblingsmusikdealer zu haben waren. Der meistprägende Musikstil der 90er war, zumindest in Mitteleuropa (leider oder auch nicht) der sog. "Eurodance": Leichte, einfache und eingängige Melodien, softe Beats aus dem Techno-Bereich mit mittlerem Tempo (so zwischen 90 und 150 BPM), dazu meist einfache Texte über die üblichen Themen wie Liebe, Spaß, Party(machen) und all das, was damals junge Leute begeistern konnte. Viel Stumpfsinn, allerdings liebenswerter, viel Mist, doch im Großen und Ganzen einige der hierzulande prägendsten Hits der Dekade kamen dabei heraus. An DJ BOBO ("Let The Dream Come True") kommt man hier bei mir ebenso wenig vorbei wie an MO-DO mit dem dämlichen oder lustigen, definitiv aber unterhaltsamen "Eins, zwei, Polizei". Der eingängige, groovige Ohrwurm von FUN FACTORY, ein kleiner Munter-Mutmacher namens "Take Your Chance" darf bis heute in meinem Dauerrepertoire nicht fehlen: Ist die Botschaft auch seicht, ich hör es gern leicht.

 

 

 

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