Helga Moosmang-Felkel

Die Regenkatze Kapitel 17

Ich gehe…“, sagte Ebony schnell und schoss wie ein schwarzer Pfeil aus dem Schuppen. Die Sonne brannte heiß herunter und man blickte durch die Türe in eine grelle Helligkeit, die zu phosphoreszieren schien. „Es ist niemand da…“, sagte der Korsar wieder und schloss die Türe, als er Blues immer noch entsetzten Blick sah. „Ich denke, das Fieber hat dir ein wenig den Verstand verwirrt…, das wird sich geben…“, sagte er ruhig. Er versuchte, ihr tiefes Unbehagen zu zerstreuen. Doch Blue konnte sich aus der angstvollen Stimmung nicht lösen. „Sicher ist wieder eine Katze ermordet worden…“, sagte sie und sah fast panisch zur Türe. „Und wenn es Mona ist…“, fügte sie weinerlich hinzu. Der Korsar drückte sich an sie, um sie zu beruhigen, aber sie riss sich los. „Ich habe einen Hilferuf gehört…“, beharrte sie. „Ist ja gut…, Liebes…, Ebony ist ja schon auf der Suche nach diesen Geisterkatzen…“, versuchte der Korsar mit schief gelegtem Kopf zu scherzen. Ebony kehrte zurück und schüttelte den Kopf: „Weit und breit niemand zu sehen, nicht einmal eine Maus…“ Blue erhob sich mit wackligen Beinen. Sie war entschlossen, selbst nachzusehen. Sie hätte nicht ruhig einschlafen können, verfolgt von der Idee, dass nur eine kurze Strecke von ihr entfernt, eine Katze um Hilfe schrie. „Es kam vom Friedhof…“, beharrte sie. Der Korsar zuckte hilflos die Achseln. Er fühlte, dass es sinnlos war, es Blue auszureden und sie aufzuhalten. Er beobachtete sie aufmerksam. Ihr abwesender Blick verriet ihm, dass sie sich wieder einmal mit Fragen beschäftigte, die keiner beantworten konnte. Doch je näher er Blue kennengelernt hatte, desto mehr hatte er ihre Sensibilität für Phänomene erspürt, die unerklärlich blieben. Er wusste, dass es Katzen gab, die unsichtbare Wellen erfühlen konnten und über den Rand der materiellen Existenz blicken konnten, aber noch zweifelte er, dass Blue zu ihnen gehörte. Er fürchtete, dass das schwere Fieber sie überspannt gemacht haben könnte und kaute nachdenklich auf seinen Lippen herum. Ratlos blickte er Blue nach, die sich störrisch durch die Schuppentüre zwängte. Plötzlich richtete sich Sugar auf und sagte: „Ich gehe mit ihr hinüber…, damit sie ihre Ruhe wieder findet…“

 

Seite an Seite liefen sie über die Wiese, auf der der erste Löwenzahn keimte. Der spätnachmittägliche Himmel war wolkenlos. Blue trottete voran und Sugar folgte ihr mit geschmeidigen, fließenden Bewegungen. Sie schlugen den Weg zum Friedhof ein. Insgeheim graute es Blue vor den frisch aufgeworfenen Gräbern und ihrem eigentümlichen Modergeruch und sie schwieg beklommen. Sie schlüpften durch die Eibenhecke und liefen zwischen den Grabsteinen herum, ohne etwas zu entdecken. „Hier muss es ungefähr gewesen sein…“, sagte Blue leise. Alles war so ruhig, so feierlich ruhig, dass sie ihre Gefühle von vorhin nicht mehr verstand. Wie versteinert verharrte Blue neben einem großen Grabstein mit einem veträumten Engel. „Suchen wir noch ein wenig…“, sagte Sugar, die hoffte, Blue würde balf aufgeben und ihre Ruhe wiederfinden.

Blue fühlte sich von dem ungewohnten Spaziergang erschöpft und spürte plötzlich, wie sich Tränen hinter ihren Lidern bildeten und wie eine nach der anderen über ihre Augenränder kullerte, obwohl sie das nicht wollte. Blind stolperte sie hinter Sugar durch die schmalen Wege zwischen den Gräbern und ärgerte sich über sich selbst. Sie machte sich darauf gefasst, sich die Scherze des Korsaren und Ebonys über ihr zweites Gesicht anhören zu müssen und wollte schon umkehren, da packte sie wieder das unruhige, halsstarrige Verlangen, irgendetwas zu finden, was es auch sei und sie begann taumelnd und stolpernd quer über die Gräber zu laufen. Eine unsichtbare Hand hielt sie zurück und zwang sie, zu bleiben, als Sugar sich bereits auf den Rückweg machte. Ein letztes Mal glitt ihr Blick über die Grabsteine. Ein Lichtstrahl der untergehenden Sonne fiel durch die Bäume. Blue hob den Kopf und sah im Gegenlicht, dass sich mehrere Katzen näherten. Sie gingen langsam, so als würden sie von einer schweren Last niedergedrückt und waren eingehüllt in eine dichte Wolke lastenden Schweigens. Blue wollte sich umwenden zu Sugar, doch die war bereits in der Mulde hinter dem Friedhof verschwunden. Ihr Herz begann wild zu klopfen. Die Katzen näherten sich in Zeitlupe. Blue stemmte ihre Pfoten ein und begann vor Aufregung wild in der Erde zu scharren. Im sinkenden Licht der hereinbrechenden Dämmerung erkannte Blue den hohen Rücken des weißen Birmakaters Robby. An seiner Seite ging Said. Hinter ihnen liefen die Maskenkatzen, Lucy und der rote Clarence mit dem Silberblick. Ganz zuletzt folgte die kleine Mona. Sie schleppten und zogen eine schwere Last. In ihrer Erregung atmete Blue so heftig, dass ihre Kehle brannte und sie befürchtete schon, einen weiteren Fieberanfall zu bekommen. Dann sah sie die Katzen aus dem Schatten der Bäume treten, gebeugt unter der Last einer leblosen, roten Katze.

 

Reglos verharrte Blue, bis sie näher herankamen. Sie sah ihre ernsten, traurigen Gesichter und sah ihnen entsetzt entgegen. Sie zogen und zerrten den schweren Leib der toten Maskenkatze Rouge. Schließlich blieb Robby stehen und musterte Blue wortlos. Niemand sprach. Die Katzen, die die Leiche zogen boten einen erschöpften und gespenstischen Anblick. Robby richtete sich auf und sagte düster: „Wir sind gekommen, um unsere Schwester, die Rassekatze Rouge auf ihrem letzten Weg zu begleiten und den schwarzen Korsaren, der sich in dieser Gegend aufhalten soll, um Hilfe zu bitten…“ Blue verschlug es fast die Sprache. Nie zuvor hatte sich Robby herabgelassen, das Wort an sie zu richten. Said starrte teilnahmslos vor sich hin und die Maskenkatzen schluchzten und wischten sich mit den Pfoten über die Augen. Plötzlich hüpfte die kleine Mona aus dem streng formierten Zug und plärrte dreist: „Ich habe Robby den Rat gegeben, sich mit dem schwarzen Korsaren zu verbünden…, Rouge ist ermordet worden,… weißt du,…“ Robby zischte sie vernichtend an und sie trollte sich wieder hinter die Maskenkatzen. Mit gerunzelter Stirn sagte Robby: „Die Katzenmorde der Altstadt haben nun auf die geheiligten Reihen der Rassekatzen übergegriffen, das erfordert sofortige und drastische Maßnahmen,… und ich hoffe, der schwarze Korsar, der angeblich aus uraltem französischen Adel , wird sich meinem Oberbefehl umgehend unterstellen…“ Blue schluckte, sie warf einen Blick auf den Körper der toten Rouge und entdeckte sofort ähnliche Kratzspuren in ihrem Genick wie sie auch Mitsou und Philippine gehabt hatten. Sie zuckte zusammen und richtete ihren Blick schnell wieder auf den seltsamen Trauerzug. „Das war zweifellos derselbe Täter,…“ murmelte sie verstört in sich hinein, „ich habe Recht behalten…, leider…“ Alle Katzen außer Robby begannen am Ende des Friedhofs ein Loch zu scharren, um Rouge zu beerdigen. Robby musterte Blue ohne die leiseste Gefühlsregung. Blue zitterte vor Erschöpfung und hielt sich nur mühsam aufrecht. Sie hob ihr bleiches Gesicht, in dem die starren Augen brannten und sagte mit einem bitteren Unterton: „Ich dachte, du verachtest mich und den Korsaren…, du hast Sugar fast tot gebissen,…was erwartest du also…von uns?“ Robby schwieg mehrere Sekunden, dann sagte er: „Ich bin aufgebrochen, die Gerechtigkeit in der Altstadt wieder herzustellen,…dem müssen sich andere Ressentiments und Gegnerschaften unterordnen,…mittlerweile sind auch Rassekatzen von der Mordserie betroffen und ich werde sie unter Einsatz meines eigenen Lebens verteidigen…“ Er stand stolz vor Blue und musterte sie ruhig mit seinen saphirblauen Augen. Dann hob er wieder an in einem lauten, klagenden Singsang: „Jemand hat diese Katze getötet, sie war meine Freundin, meine Schwester, und jemand hat gewagt sie zu töten…“ Er blickte in die Richtung, wo die anderen gerade Rouges Körper verscharrten. Verwirrt und angstvoll beobachtete Blue das Geschehen, doch plötzlich packte sie eine kalte Erregung, die sich noch steigerte, als sie den Blick Robbys immer weiter auf sich gerichtet fühlte. „Du hast Sugar fast getötet…, sie ist auch eine Rassekatze,…“ sagte sie dumpf und rau, „sie ist meine Freundin… und ich bin doch für dich nur die Regenkatze…“ Robbys Augen glühten zornig auf. „Sugar hat ihre Herkunft verraten und sich diesem Untier Ralf an die Brust geworfen…, so etwas kann nicht geduldet werden…“, stieß er zwischen den Zähnen hervor. Er verstummte in einem lastenden Schweigen. Dann fügte er leiser hinzu: „Was dich betrifft, habe ich mich vielleicht geirrt, man munkelt, du gehörst einer neuen Rasse an, den Yankeekatzen…?“ Immer noch hörte man das Scharren der Krallen in der Erde und im Geröll. Blues Blick glitt über seine prächtige Gestalt, seine cremeweißes Fell, das in der untergehenden Sonne wie eine Aureole schimmerte und sie begriff in diesem Moment, warum Mona so für diesen Kater schwärmte. Er strahlte eine majestätische Pracht aus und war von einer unvergleichlichen Schönheit. Blue zitterte wie unter einem Schock. Sie wünschte sich, der Korsar wäre in ihrer Nähe, um ihr beizustehen. Wirre und aufsässige Gedanken peinigten sie und sie fühlte sich benommen und wusste einfach nicht, was sie tun sollte. Plötzlich schoss wieder die kleine Mona hervor und sagte leise: „Blue, nimm sein Angebot an, wir müssen nun alle zusammenhalten,…die Mordserie reißt nicht ab…, sei keine Närrin, wir können jede Hand gebrauchen, und du selbst bist noch geschwächt…von diesem schrecklichen Fieber…“ Sie senkte den Kopf. Blue überlegte noch einige Sekunden und beobachtete aus der Ferne, wie Said und die Maskenkatzen Rouges Leicht mit Erde bedeckten, dann sagte sie mit bitterer Stimme: „Gut, ich werde euch zum Korsaren führen…, du hast dein Ziel erreicht…“ Robby neigte kurz den Kopf: „Es scheint, als hätte sich ein unheilvolles Geschick an die Katzen der Altstadt geheftet, mir kommt es fast so vor, als müssten wir gegen einen Fluch ankämpfen…, mit jeder Katze die wir verlieren, werden wir schwächer…“ Wortlos wandte sich Blue um und ging steifbeinig voran. Sie hatte bei jedem Schritt das Gefühl, vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Verstört und bedrückt dämmerte ihr wieder, dass sie Recht behalten hatte. Sie hatte das Unheil gespürt, obwohl es sich weit von ihr entfernt zugetragen hatte. Sie erinnerte sich daran, dass Sooty sie gelehrt hatte, ihrem Instinkt zu vertrauen und doch lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken, als sie sich langsam einen Weg durch die Gräber bahnte, die jetzt im kühlen Schatten der Dämmerung lagen. Hinter sich hörte sie die leisen Schritte und das besorgte Gemurmel der Katzen. Auch die kleine Mona wagte nicht den geordneten Zug zu verlassen und zu Blue aufzuschließen und so näherten sie sich nur langsam Schritt für Schritt dem Schuppen. Der Korsar, der besorgt nach Blue Ausschau hielt, entdeckte den Zug der Katzen schon von weitem. Als er sie an der Spitze der kleinen Karawane näherkommen sah, rief er vor Überraschung aus: „Was für eine Teufelskatze meine Blue ist…, es ist tatsächlich etwas geschehen…“

 

Langsam, mit verhaltenem Schritt ging der Korsar ihnen entgegen, gefolgt von Ebony, die gerade von der täglichen Mäusejagd zurückkam. Mit einer Spur Argwohn im Blick sah er der Abordnung entgegen. Er richtete sich hoch auf und beobachtete mit einem spöttischen Lächeln, wie sich die Rassekatzen in einem Halbkreis aufstellten, während Blue erleichtert an seine Seite schlüpfte. Robby musterte den Korsaren ohne eine Gemütsregung zu zeigen, dann senkte er langsam seine Lider und hob an: „Ich bin Robby, aus dem heiligen Geschlecht der Mahazedi…“, begann er mit seiner nasalen Stimme zu sprechen, „wir Rassekatzen aus der Altstadt haben einen vernichtenden Verlust erlitten…, wir haben eine unserer schönsten Katzen, Rouge du Montfort verloren...“ Er räusperte sich kurz und fuhr fort: „Um es kurz zu machen,… ich wollte dir eine Zusammenarbeit unter meiner Oberhoheit vorschlagen,… mir kam zu Ohren, dass du den widerlichen Ralf vernichtend geschlagen hast…“ „Nun, die Dinge gehen nicht immer so, wie wir wollen…“, erwiderte der Korsar mit einem ironischen Lächeln, „sonst weilte Ralf bestimmt nicht mehr unter den Lebenden… Zwar kannst du einige Katzen, die sich in meiner Gesellschaft befinden, nicht besonders leiden, aber der Mörder ist wohl ein schlimmerer Feind als ich…, nicht wahr…,leider ist es uns bestimmt, uns im Zeichen einer gewissen Doppeldeutigkeit zu begegnen…“ sagte der Korsar und stieß einen gespielten Seufzer aus. Sein zernarbtes Profil wirkte in der hereinbrechenden Dämmerung gefährlich. Robby und Said wechselten fragende Blicke, dann sagte Said schnell: „Verehrter schwarzer Korsar,…wir sind in freundlicher Absicht gekommen, die gemeinsame Besorgnis über das Geschehen in unserer Altstadt sollte uns leiten, nicht vergangene Querelen oder anderweitige peinliche Vorkommnisse,…“ Er warf Blue, die still neben dem Korsar stand, einen vorsichtigen Blick zu. „Nun gut…“, sagte der schwarze Korsar, „doch trotzdem kann ich mich nicht enthalten, den Rassendünkel und den brutalen Angriff, die dein Anführer gegen Sugar verübt hat, zu bedauern. Robby hüstelte genervt und sagte: „Du weißt so gut wie ich, dass es einer strengen Disziplin bedarf, um dem Dämon der Rassenverdünnung zu begegnen…“ Auf beiden Seiten war plötzlich eine Gereiztheit zu spüren, und die Kater sträubten ihre Nackenhaare. Sie strafften sich, als bereiteten sie sich auf einen Kampf vor. Die Spannung zwischen ihnen wuchs ins Unerträgliche. Die Tannenwipfel ragten schwarz hinter ihnen auf und schwankten leise. Ein Käuzchen schrie. Plötzlich huschte Said auf seinen dicken Pfoten fast tänzelnd neben den Korsaren und sagte: „Bitte, gefährde nicht unser gemeinsames Ziel,…Robby ist in gewissen Fragen, die seine Rasse betreffen, etwas kompromisslos,…“ Er lächelte sanft und fügte schelmisch hinzu: „Ich bin ein großer Bewunderer von Blue…, sie ist bezaubernd und dabei so energisch…“ Blue sah verlegen zur Seite. Plötzlich hörten sie keuchende Geräusche und sahen den alten Omar heranhasten. Alle Blicke wandten sich ihm zu. Er öffnete den fast zahnlosen Mund und stotterte: „Leider habe ich erst jetzt erfahren, dass wieder etwas Furchtbares, etwas Unaussprechliches geschehen ist…, ich wollte meine Hilfe anbieten…, ich helfe doch immer…“ Er stellte seine Ohren schräg und fügte hinzu: „Ich wusste immer, dass mein Ralfi unschuldig ist…, jetzt ist er verjagt worden und trotzdem ist wieder ein grausamer Mord geschehen…, aber trotzdem helfe ich wieder…“

 

Die plumpe und hilflose Art seines Erscheinens reizte alle Anwesenden zum Lachen. Der schwarze Korsar lenkte ein und bat alle mit einer eleganten Bewegung seiner schwarzen Pfote in den Schuppen. Sugar stand neben der Türe und fauchte, doch die Anwesenheit von Robby schüchterte sie ein und sie verschwand schnell hinter den Fässern. Von ihren Gedanken absorbiert, beobachtete Blue, wie die Katzen einen Kreis bildeten und begannen, sich zu beraten. „Wo ist Rouge gefunden worden…?“ hörte sie den Korsaren mit seiner rauen Stimme fragen. „Belle Fleur fand sie heute morgen hinter dem Dom,…in der Nähe der Apotheke…“, sagte Robby würdevoll und nickte einer weißen Rassekatze, die rechts von ihm saß, zu. Belle Fleur reckte sich und sagte: „Sie lag in einer Nische…und sie hatte sich erbrochen…“ Sie verzog angeekelt das Gesicht. „Es roch abscheulich nach saurer Milch…“ Der Korsar sagte: „Es handelt sich immer um dasselbe Muster,…saure Milch und Kratzspuren in der Halsgegend,…sonst sind die Katzen äußerlich zumindest unverwundet…“ Die kleine Mona rief laut dazwischen: „Sie sind alle vergiftet worden,…ich habe die Apothekerkatze schon darauf angesprochen,…sie hat nicht einmal abgestritten, dass sie Zugang zu Giften hat…“ Sie warf sich stolz in die Brust. „Wir sollten Magnolia rund um die Uhr beschatten…“, nickte der Korsar ihr zu. Der alte Omar räusperte sich: „Ich besuche Magnolia ab und zu,…nun ja, ich liebe diese Milch und…ich denke nicht, dass sie so etwas fertig bringt…, sie ist ein wenig sonderlich und treibt sich mit Willie auf dem Friedhof herum, aber morden…, das glaube ich nicht…, sie ist sehr fromm und schmuggelt sich oft in den Dom, um den Priestern zuzuhören,…sie schleicht sogar im Beichtstuhl herum…“ Der Korsar lächelte ironisch: „Das sagt nichts, die größten Frömmler treiben oft sie dunkelsten Spiele…“ Robby unterbrach die beiden Kater: „Wir wollen systematisch vorgehen…, gibt es außer Magnolia weitere Verdächtige…haben noch andere Katzen Zugang zu Giften…?“ „Die Totengräberkatze,…Willie natürlich…, sie hängt immer bei Magnolia in der Apotheke herum…“, rief Lucy. Ein ungläubiges Gemurmel folgte, dem labilen und schüchternen Willie traute niemand die Morde wirklich zu. „Vielleicht ist Ralf zurückgekehrt…“ sagte schließlich Blue, die sich einfach nicht von ihrem Verdacht lösen konnte. Omar begann wütend zu fauchen: „Erst habt ihr ihn halb tot geprügelt und jetzt verdächtigt ihr ihn schon wieder…, er ist nicht mehr in der Gegend…, mein lieber Freund, der mir einen Hauch meiner Jugend zurückgebracht hat…“ Der Korsar musterte Omar misstrauisch. „Woher weißt du das so genau, hat er dir erzählt, wo er hingeht…?“fragte er skeptisch. Der alte Omar kämpfte mit einer Anwandlung schwerer Rührseligkeit: „Als er die Altstadt verließ, hat er sich von mir verabschiedet…, er war ein gebrochener Kater…, er wollte zurück in sein Heimatdorf…“ Omar schnüffelte. Die kleine Mona war ganz Ohr, das Gespräch über die Verdächtigen riss sie mit. „Was ist mit der getupften Katze,…wie hieß sie noch gleich…?“ rief sie laut. „Leonora…?“ fragte der Korsar erheitert, „Sie ist zwar eine launische und verwöhnte Katze,…aber sie mordet nicht blindwütig…“ Seinen Worten folgte ein unruhiges Schweigen, die Katzen erkannten, wie wenig sie eigentlich wussten. „Kannst du es nicht sehen,…ich meine, du siehst doch Dinge aus deiner Vergangenheit…“, schlug Said schließlich vor und sah Robby erwartungsvoll an. Ebony musste kichern, sie unterdrückte nur mit Mühe den Impuls, in lautes Gelächter auszubrechen. Robby bedachte sie mit einem ungnädigen Blick: „Ich sehe Begebenheiten und Ereignisse aus meiner königlichen Vergangenheit in Birma…, ich bin keine dumme Wahrsagerkatze von einem Rummelplatz…“, sagte er gekränkt und schüttelte den Kopf über Saids Ansinnen. „Ich kann es ja versuchen,…ich bin eine Schamanenkatze…“, sagte Ebony, die immer noch mit dem Lachen kämpfte, „aber ich erhoffe mir davon nicht viel,… aber immerhin wäre es einen Versuch wert…“ „Bevor wir auf das Übernatürliche vertrauen, sollten wir zusammen tragen, was wir wissen…“, sagte der Korsar mir fester Stimme. „Ich fasse zusammen,…aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um Giftmorde…, alle toten Katzen wurden in der Nähe des Domes und der Apotheke gefunden…, das heißt, wir müssen diesen Bereich von jetzt ab rund um die Uhr im Auge behalten…“ In seiner Stimme lag Überzeugungskraft. „Wenn ihr nichts dagegen habt, würde ich es trotzdem gerne versuchen,…vielleicht kann ich etwas sehen…“, schlug Ebony vor, „wir könnten heute Nacht ein Trommelritual veranstalten…“ Robby erhob sich und sagte näselnd: „Ich halte nichts von diesem Unsinn,…wir sollten alle hier anwesenden Katzen für einen Wachdienst rund um den Dom einteilen, und uns regelmäßig am Brunnen zu einer Berichterstattung treffen…“ Blue hatte aufmerksam zugehört und warf jetzt ein: „Ich finde, wir sollten es Ebony versuchen lassen, schaden kann es ja niemand…, bevor wir den Wachdienst aufnehmen…“ „Oh ja…“, rief die kleine Mona, „das wird ein Spaß, darf ich die Trommel schlagen…, meine Pfoten sind kräftig gewachsen…“ Sie spreizte ihre Krallen.

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