Florian Schneider

TIMO - mein Held auf vier Pfoten

Der Begriff Held*in wird heute oft inflationär benutzt. Aber ein Held kann für jeden etwas anderes sein. Ein Ding kann ein Held für jemanden sein, ein Tier, eine Pflanze und natürlich auch ein Mensch. Für mich ist es mein Hund: Timo. 

Vor circa einem halben Jahr hatte ich meine Frau soweit. Nachdem ich zwei Monate in einer Tagesklinik mit mir selbst und meiner Angsterkrankung sowie einer Depression gekämpft hatte und mir dort in Phasen der Ruhe und in Therapien immer wieder der Gedanke kam, ich möchte wieder einen Hund und am Besten einen aus dem Tierschutz, war es beschlossene Sache. Und wie sich jetzt herausstellt, war das nach der Entscheidung meine Frau zu heiraten, die Beste meines Lebens.

Aller Anfang ist schwer und wir merkten schnell, dass ein Hund, der in Rumäniens Straßen aufgewachsen ist, anders ist, wie ein Welpe, der von einem Züchter kommt. Natürlich sollte das jedem auch vorher bewusst sein - das war es uns auch. Neben der Angst vor Gullydeckeln und dem Autofahren, ist schon viel Normalität geworden. Du hast dich so schnell an uns orientiert und deine EIgenarten sind eben das, was dich so besonders machen. Du vertraust Menschen blind, was für einen Straßenhund durchaus ungewöhnlich ist. Jeder Fußgänger wird gleich freudig begrüßt, egal ob jung, alt, Mann, Frau, divers, Kind, gelb, grün, blau - so sollte es auch bei uns Menschen immer sein. Jeder Mülleimer stellt aufgrund deiner Vergangenheit eine potentielle Nahrungsquelle dar. Ob du je lernen wirst, dass du das nicht mehr brauchst, weiß ich nicht. Aber es ist okay! Das bist du. 

Vielleicht fühle ich mich auch dir deswegen so nah, weil ich Unsicherheit, Vorsicht und Vertrauen genauso in mir habe wie du. Ich aufgrund meiner Angsterkrankung, die, wie ich jetzt weiß, bereits mein ganzen Leben mich begleitet, aber erst vor sechs Jahren so richtig zum Tragen kam und mein ganzes Leben von heute auf Morgen auf den Kopf stellte. Es ist fast schon komödiantisch, dass ich versuche dir die Unsicherheit bei so vielen "normalen” Sachen zu nehmen und das teilweise auch kann. Umgekehrt animierst du mich wieder dazu zu rennen, zu springen, Freude am Leben zu haben und mein Selbstwertgefühl zu steigern. Das klingt natürlich vermessen so etwas an einem Hund festzumachen, aber “erlaubt ist was hilft und was glücklich macht”. Das ist das was einem Psychiater und Therapeuten immer wieder sagen. Und so ist es. 

Ich möchte euch kurz zwei der kleinen Glücksmomente beschreiben. Timo war nie auf Reisen, vermutlich, aber als wir uns mit meinem besten Freund in Koblenz für einen entpspannten Nachmittag trafen, hast du uns so sehr vertraut, dass du dich mit uns Dreien mitten am Moselufer in der Stadt, neben uns gelegt hast. Ein Wunder. Monatelang waren es stets zu viele Eindrücke für dich und du warst zu nervös dafür. 

Das sind Momente, die auch mir innere Ruhe geben, wo verreisen, Autofahrten, fremde Umgebungen etwas sind, wo auch ich oft Anpassungsprobleme habe und Angst verspüre. 

Zusammen sind wir auch schon mit meinem Patenhund im Tierheim spazieren gegangen und obwohl du eher skeptisch und vorsichtig gegenüber anderen Hunden bist, war das kein Problem. Ich plane schon mit dir als Besuchshundeteam zu agieren und hoffe, dass wir noch viel Zeit miteinander haben. 

Auch wenn du es nicht lesen kannst, ich bin sicher du weißt es - DANKE!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.06.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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